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Ulf
Poschardt: Coolness für die Neue Mitte
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Ulf
Poschardt in seiner eigenen Schreibe
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POSCHARDT, Ulf (1999):
Cool it.
Kann das von Kunst
erschütterte Subjekt reale Erfahrungen machen?,
in:
Kunstforum
International, Band 143,
Januar-Februar
POSCHARDT, Ulf (2000):
Die Kinder von Kohl und Coca-Cola.
Stillstand ist tödlich: Der
Jugend ist die Rolle als gesellschaftliche
Triebfeder abhanden gekommen - es geht ihr aber
auch einfach zu großartig,
in:
Tagesspiegel
v. 30.12.
POSCHARDT,
Ulf (2001): Hoffnungslos schön,
in:
Welt am Sonntag
v. 27.05.
POSCHARDT,
Ulf (2001): Denk mal moralisch.
Vor
50 Jahren erschienen die Minima Moralia von
Theodor W. Adorno: eine fundamentale
Gesellschafts-Kritik. Was kann sie uns in Zeiten
eines fundamentalen Pragmatismus noch sagen?
in: Welt am Sonntag
v. 19.08.
POSCHARDT, Ulf (2002): Warum
dieser Hass auf unsere Welt?
Eine Spurensuche am Rande
des Nachvollziehbaren,
in:
Welt
am Sonntag v. 10.02.
-
POSCHARDT
rechtfertigt den Selbsthass der Kinder
aus gutem Hause, der bis zu Militanz und
Terrorismus führen kann, als notwendiges
und systemstabilisierendes Element der
liberal-demokratischen Gesellschaft. Er
bezieht sich dabei auf den Soziologen
Niklas
LUHMANN:
"eine
Gesellschaft (muss) ihre Freiheit immer
bis zu den Rändern der Selbstbedrohung
ausweiten (...), um sich im Moment der
Bedrohung wieder über den Wert der
Freiheit sowie deren ideellen Kern zu
verständigen."
Als
Beispiel für den Selbsthass weiter Teile
des Bürgertums dient ihm u. a.
Christian
KRACHT und dessen Roman
"1979":
"Der
exponierteste Vertreter junger deutscher
Literatur, Christian Kracht, hat mit
seinem jüngsten Roman '1979' jene
Tendenz zum offenen Bekenntnis der
Abscheu vor seiner eigenen Zivilisation
perfektioniert. Bei Kracht sind der Ekel
und die Verachtung für seine Mitwelt so
ausgeprägt, dass sie keinen Zweifel
darüber lassen, wie viel sie ihm einst
bedeutet haben musste."
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POSCHARDT, Ulf (2002): Wohin mit dem Zorn des Volkes?
Deutschland brodelt: Alle fühlen sich betrogen, jeder Zweite will
Neuwahlen. Die bürgerlichen Kräfte üben sich im Protest - und lernen
von ihren Gegnern,
in: Welt am Sonntag v. 24.11.
-
Während die FAS ihre revolutionäre Phase bereits
hinter sich hat, wieder das
Positive des
Wirtschaftsstandort Deutschlands betont und der bürgerlichen
Revolte eine klare Absage erteilt, entdeckt Ulf
"Alles was zählt"-POSCHARDT seine Sympathie für die
Feuilleton-Revoluzzer. Er will sogar neue
Allianzen entdeckt haben:
"Wie die linken Studenten vor
35 Jahren den Kontakt zu den alten Arbeitern allerdings erfolglos
suchten, findet nun der
Schulterschluss
entnervter Senioren mit aufbegehrenden, ge- und enttäuschten
Jungwählern statt. Weder die einen noch die anderen haben den
Klassenkampf gelernt, noch wollen sie ihn nicht einmal, wenn ihnen
dieser von oben aufgezwungen wird. Im bürgerlichen Selbstverständnis
auch der Generation Golf sind Rebellion, Demonstrationen, Boykott
und Streik politische Praxis von Minderheiten und Marginalisierten."
POSCHARDT möchte deshalb
Gerhard Schröder medienrepublikmässig in Grund und Boden singen
lassen. Wenn Protestsongs eine Regierung stürzen könnten - was
bereits zum
Gedankengut der Punkbewegten gehörte - dann könnte die
Generation Golf weiterhin ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen und
die Politik ignorieren. Der Schmetterling aus der
Chaostheorie als Erfüllungsgehilfe lässt grüssen! BECK-Adepten
denken hier allerdings an unbeabsichtigte Nebenfolgen... |
POSCHARDT, Ulf (2003): Das Fest der Verschwendung.
Teddy, der
Inkommensurable (9): Die Kulturindustrie war Theodor W. Adorno
natürlich ein Gräuel. Die Mode aber faszinierte ihn - ein Reich der
zauberhaften Freiheit von Individualität und Identität,
in: TAZ v. 11.09.
-
Ulf POSCHARDT, der normalerweise für die Welt am Sonntag - ganz
im Sinne der Verwertungslogik des Kapitals - über die
faule Republik schreibt, hat sich für einen Artikel vom schnöden
Kapitalismus frei genommen und darf auf TAZ-Kosten über die
"Dekadenz der Funktionslosigkeit" und das Verlassen der
"Nützlichkeitsrechnung der Bourgeoisie" schreiben. Theodor
W. ADORNO wird von POSCHARDT für die
Generation Golf passend
gemacht: "Adorno war natürlich ein korrekt angezogener Mann" und ein
Individualist par excellence:
"Grundsätzlicher
noch als die jeweiligen gesellschaftlichen Formationen hatte Adorno
eine Abneigung gegen fast alle Formationen von Kollektivität. Weder
als Linker noch als Jude, weder als Deutscher noch als
Anti-Deutscher, weder als Philosoph noch als Künstler fühlte er sich
wohl beim Gedanken, Teil von etwas zu sein. Die Zeitgenossenschaft
ist so die philosophischste und immateriellste Form der
Gemeinschaft, die sich denken lässt. Die Mode ist die Uniform der
Zeitgenossen in denkbar freiester Form."
Nach
diesem Ausflug in die Mode muss sich POSCHARDT nun wieder dem
Kollektivismus fügen und wird weiter Funktionsprosa für die WamS
schreiben und abends
im Flitzer den Individualisten mimen...
TAZ-Serie: Teddy, der Inkommensurable |
POSCHARDT, Ulf (2004): Die Rebellion der Kaschmir-Kinder.
Vor 25 Jahren wurde in
Hamburg der Popper erfunden. Obwohl höflich und elegant im Auftritt,
wurde daraus die verhassteste Jugendkultur. Eine Ehrenrettung,
in: Welt am Sonntag v. 04.07.
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Ulf POSCHARDT outet sich zuerst als Popper, um
anschließend die Popper zur jugendlichen Gegenkultur zu stilisieren,
die zuerst den 68er-Mainstream Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre mit
ihren Stilisierungen provozierten, und nun als Neocons für den
notwendigen Ruck in Deutschland sorgen:
"Die
Popper benahmen sich anständig, nahmen keine Drogen, trugen
Kaschmir-Pullover und College-Loafer, wollten später Juristen oder
Manager werden, um viel Geld zu verdienen. Die obszöne Offenheit, mit
der sie bürgerliche Werte und Ideale skandierten, machte sie zu
Provokateuren.
23 Jahre vor Arnulf Baring waren diese jungen Bürger auf den
Barrikaden. Die Avantgarde nicht der Angepassten, sondern als
neubürgerlichen Vernunft, die sich in Deutschland erst im 21.
Jahrhundert durchsetzen kann."
Sein wenig
bescheidenes Fazit:
"25
Jahre danach darf man sagen: Die Popper waren und sind die
unterschätzteste deutsche Jugendkultur. Ihr Instinkt hat jenen
bürgerlichen Ruck vorweggenommen, den Präsidenten wie Herzog und
Köhler heute beschwören."
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POSCHARDT, Ulf (2004): Die universelle Boutique.
Das Bildungsbürgertum stirbt
aus. Das Geschmacksbürgertum tritt an seine Stelle. Eleganz ersetzt
Substanz. Was alles der Schönheit geopfert wird,
in: Welt am Sonntag v. 05.12.
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"Der
Dandy verliert seine Ausnahmestellung und wird die Regel. Er ist
Massenphänomen. Literarische Zeitschriften wie
»Der Freund« von
Christian Kracht beleben dabei seinen historischen Schatten aus dem
19. Jahrhundert neu, Magazine wie
»Monopol« von
Florian Illies moderieren das Dandyweltbild verschmitzt neubürgerlich",
doziert Ulf POSCHARDT.
Schon vor einiger
Zeit war dazu bei Diedrich DIEDERICHSEN zu lesen:
"Die neuen Bürgerlichen
suchen nach Vorläufern und Fundamenten für das, was sie am besten
können: Dresscodes und Habitus entwickeln und beurteilen, den in ihrer
Generation noch aus Pop- und Szenekultur übernommenen semiotischen
Reichtum von Unterscheidungsorgien auf ältere deutsche oder
europäische Traditionen zurückführen. Schon eine Weile hat im Jargon
des Feuilletons der Dandy den Hipster abgelöst, aber seit einiger Zeit
sind alle Dämme offen, und Elite-Formulierungen aller Art haben
Konjunktur." (Die Leitplanken
des Zeitgeists, September 2004).
Ganz in diesem
Sinne propagiert POSCHARDT das Geschmacksbürgertum:
"Wenn
man bei Google das Wort »Geschmacksbürgertum« eingibt, werden noch
null Treffer angezeigt. Das wird sich bald ändern. Geschmack
bezeichnete Scott Fitzgerald - ganz Gentleman der alten Schule - als
die weibliche Form des Genius. In diesem Sinne wäre die
Boutiquisierung der Kultur - folgte man dem Machismo Fitzgeralds -
auch ein Erfolg weiblicher Emanzipation. Die Kultur wird metrosexuell."
Das
Geschmacksbürgertum à la POSCHARDT ist ein ganz und gar geschmackloser
Begriff und überflüssig dazu, denn Gerhard SCHULZE hat dazu bereits
das Kategoriensystem zur Verfügung gestellt, denn über die
Erlebnisgesellschaft weist POSCHARDTs
Kategorie nicht hinaus... |
WICHERT, Silke & Ulf POSCHARDT (2004): Stille Nacht.
An Festtagen ist es
besonders schlimm: Wenn Alleinsein nicht selbst gewählt ist, wird es
zur Qual,
in: Welt am Sonntag v. 26.12.
POSCHARDT, Ulf (2005): Darum lebt Punk auch heute noch,
in: Welt am Sonntag v. 16.01.2005
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Ulf POSCHARDT liefert ein neokonservatives
Update der
Punkgeschichte. Wer bisher
meinte, dass die geriatrische Gesellschaft erst noch vor uns
liegt, der irrt sich:
"Punk war der Aufstand einer Jugend,
die demographisch auf verlorenem Posten stand. Diese Jugend und ihr Kraft-,
Energie- und Euphorieüberschuß war nicht gefährlich, weil die
Bevölkerungsgruppe der zwischen 15 und 30 Jahre alten Menschen
nicht mehr den Rest der Gesellschaft aufgrund ihrer
demographischen Dominanz bedrohen konnte. Die Gesellschaft wurde
älter und demnach (könnte man schlußfolgern) mußte die Eruption
von Jugendlichkeit heftiger und lauter sein, um sich in einer
zunehmend geriatrisierten Gesellschaft Gehör zu verschaffen. Punk
war die laute und aggressive Rebellion einer Generation, die nicht
mehr sicher sein konnte, sich im Generationskonflikt gegen die
Dominanz der Achtundsechziger und ihrer vorgängigen Rebellion
durchzusetzen."
Den Erfolg der Punkbewegung
erklärt POSCHARDT damit, dass in den Werbeagenturen heutzutage
mehr Ex-Punks und Ex-Maoisten als ehemalige JU-Mitglieder
arbeiten. |
POSCHARDT, Ulf (2005): Mehr Kollektiv wagen.
Jeder kann sich
anspruchsvolle Architektur leisten. Das Reihenhaus versöhnt nicht
nur Anspruch und finanzielle Möglichkeiten, es rettet auch
zersiedelte Städte, erklärt Ulf Poschardt,
in: Welt am Sonntag v. 23.01.
POSCHARDT, Ulf (2005): Wie Serien süchtig machen.
Schlauer, lustiger,
subtiler: Fernsehserien haben das Kino als Leitmedium abgelöst,
in: Welt am Sonntag v. 30.01.
POSCHARDT, Ulf (2005): Sehr geehrte Angela Merkel...
Ulf Poschardt gratuliert der Kanzlerkandidatin zum Geburtstag und
formuliert die Erwartungen der Neuen Mitte an eine moderne,
zukunftsfähige Union,
in: Welt am Sonntag v. 17.07.
POSCHARDT, Ulf (2005): An der Luftgitarre.
Bislang galt die Popkultur immer als links und wählte auch so.
Das wird nun anders: Wahrhaft rebellisch ist es, für die FDP zu
sein,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 08.09.
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FDP-Wahlkampfhelfer Ulf POSCHARDT beklagt die
popkulturelle Vorherrschaft der Poplinken. Dies führt dazu, dass die popkulturelle
Analphabetin Angela MERKEL für die ästhetisch wählende Jugend nicht
wählbar ist (Tobias KNIEBE in der SZ vom 04.08.2005) POSCHARDT missbilligt die politische Wende von
Diedrich
DIEDERICHSEN und bedauert, dass die Band
Blumfeld
nicht für einen FDP-Wahlkampf zu haben ist, denn Popkultur und
Neoliberalismus gehören für ihn zusammen:
"Versteht man Pop und seine Sehnsucht nach
ungebremstem Freiheitsdrang essenzialistisch (und nicht
phänomenologisch), dann gibt es für seine Anhänger nur eine
Wahlempfehlung: die FDP. Die Skepsis der Liberalen gegenüber
Bürokratie und Staat, Kollektiven und überkommenen Traditionen ist
popkompatibel. Anders als die von Angela Merkel erfolgreich
liberalisierte Volkspartei CDU hat die FDP keine Angst vor
dissidenten Positionen. Sie steht für eine sich ausdifferenzierende
Gesellschaft und damit für
mehr Polarisierung.
Sie steht für einen Kapitalismus mit mehr Chancen für alle – der
freilich auch mehr Risiken birgt. So wird beiläufig das no risk, no
fun der Popkultur bedient."
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POSCHARDT, Ulf (2005): Wir müssen reden.
Wenn Exlinke über
existierende Linke den Kopf schütteln: Wer die Welt verändern will,
muss sie in ihrer Bewegung verstehen und aufhören, sich dieser
entgegenzustellen. Wer stehen bleibt, hat Unrecht. Das Projekt der
Moderne ist noch nicht vollendet,
in: TAZ v. 30.09.
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POSCHARDT gibt sich als
Ex-Linker aus und wirbt für eine Koalition von CDU/FDP und
Grünen. Zentral ist für ihn eine Rhetorik, die das altbackene "Wir
sitzen alle im gleichen Boot" updatet. Das heißt neudeutsch: "den
sozialen Zusammenhang zwischen
Elitenförderung und sozialer Gerechtigkeit" herzustellen. Sein
Credo lautet: "Weg zu weniger Staat, mehr Selbstverantwortung und
mehr Innovation". |
POSCHARDT, Ulf
(2005): Pop mit Seehofer.
Die Kulturkritiker Gustav Seibt und Diedrich Diederichsen
beweisen, wie schwierig es für Bürgerliche und Linke sein kann, in
der Gegenwart anzukommen,
in: Spiegel Nr.44 v. 31.10.
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Ulf POSCHARDT, ein Günstling von
Matthias MATUSSEK,
hält das Anständigbleiben in den Stürmen der Globalisierung für
bürgerlich-muffige Fünfziger-Jahre-Nachkriegs-Bigotterie. Jetzt
brechen neue Zeiten an, schleudert POSCHARDT dem Poplinken
DIEDERICHSEN entgegen, den er als Seehofer des Pop diskreditiert. POSCHARDT
beruft sich dagegen schon einmal vorsorglich - ganz dem
risikoscheuen Vorsorgegedanken verhaftet - auf ein Recht auf
Irrtum. Nach
dem Motto: Wenns gut geht war ich verantwortlich dafür, wenns
schief geht, dann waren es andere, z.B. die Stürme der
Globalisierung... |
Vor einer Woche verteidigte Ulf POSCHARDT
zu GUTTENBERG
noch im Bewusstsein popkultureller Überlegenheit:
"Sampling ist eine
ebenso moderne wie konservative Kulturtechnik. Sie passt zu
Karl Theodor zu Guttenberg. Beim jüngeren Publikum wird die
Erregung über seinen Umgang mit Zitaten die Zuneigung eher
verstärken, hat es sich doch in Zeiten des Copy and Paste
daran gewöhnt, einen Teil seiner Schul- und Unileistungen
durch virtuose Quellenrecherche zu perfektionieren"
Eine Woche später baut er
schon für den Fall vor, dass zu GUTTENBERG als Minister
nicht zu halten ist:
"Fehler machen Menschen
plausibler: natürlich nur dann, wenn die Verfehlungen im
Bereich des Tolerierbaren bleiben. Freifahrscheine gibt es
keine, und vielleicht genügt bei Guttenberg schon der
nächste, unwesentliche Anlass um die Stimmung gegen ihn
kippen zu lassen."
Die Popkultur kann
schnell denjenigen überrollen, der gestern noch cool auf der
Welle ritt. POSCHARDT kennt sich ja damit bestens aus.
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Neu:
POSCHARDT, Ulf (2011): Im Reich
der Anständigen.
Deutschland atmet auf.
Ein großer Teil zumindest, der sich freut, dass nun wieder alles
mit rechten Dingen zugeht. Karl-Theodor zu Guttenberg verschwindet
aus der Politik und überlässt diese dem Diktat der vermeintlich
Redlichen,
in: Welt v. 03.03.
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Von der Verherrlichung des Sampling-Ministers über die Kritik an
den Moralisten und den Anständigen: Ulf POSCHARDT bedauert
immer nur sich selber, wenn er über
Karl-Theodor zu GUTTENBERG leidartikelt. Er kann es den als
Moralisten und Anständigen Geziehenen - ergo Kleingeistern -
niemals verzeihen, dass er als cooler
Chefredakteur des SZ-Magazins einst gehen musste. So viel
einsamer
Kummer. Fake drauf!
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Ulf
Poschardt: Porträts und Gespräche
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AMEND,
Christoph & Stephan LEBERT (2000):
"Cool". Kühl sein hilft zum Glück.
"Mit der Kälte leben,
statt in ihr erfrieren": ein Gespräch mit
dem Autor Ulf Poschardt,
in:
Tagesspiegel
v. 23.10.
RENNEFANZ,
Sabine (2001): Ästhetik statt Ideologie,
in:
Berliner Zeitung
v. 18.06.
SPIEGEL
(2002): Ulf Poschardt.
Der 34-jährige Autor und
Ferrari-Fahrer über die Faszination des
Sportwagen-Fahrens,
in:
Spiegel
Nr.9 v. 25.02.
-
Interview mit Ulf POSCHARDT
über sein neues Buch Über Sportwagen.
Dies ist die konsequente Anwendung seines
vorherigen Buches
Cool . Dem
schlechten Image des Sportwagenfahrers
setzt POSCHARDT seine "romantische
Suche nach Erlösung" entgegen:
"Eine Frau zu finden, die auf dem
Beifahrersitz bei Tempo 300 lacht, ist
schwer. Es gibt sie aber."
HOUELLEBECQ
für die
Erben der
Generation Golf! |
FELDMANN,
Lisa (2002): "Die Menschen sind verurteilt
zum Irren".
Der
deutsche Autor Ulf Poschardt hat ein Buch «Über
Sportwagen» geschrieben. Selten hat jemand so
klug über Tempo 315 philosophiert,
in: SonntagsZeitung v. 03.03.
TITTEL,
Cornelius (2002): Ein Kenner der Materie.
Philosophie
ohne Rückspiegel: Wo Ulf Poschardt ist, ist
immer vorne - folgerichtig räsoniert er in einem
neuen Merve-Bändchen "Über
Sportwagen". Seit er bei der "Welt am
Sonntag" leitartikelt, scheint er zwar ein
wenig von der richtigen Spur abgekommen. Aber wer
sollte ihn schon überholen?,
in:
TAZ
v. 21.03.
-
Gäbe es POSCHARDT nicht, die
Familienrhetoriker hätten ihn erfinden
müssen! Ulf
POSCHARDT ist in diesem Porträt die
Personifikation des Supersingles, der
alle gängigen Stereotypen auf sich
vereinigt, die in der Kontroverse
Familien contra Singles immer wieder
gerne beschworen werden: POSCHARDT fährt
einen Ferrari
(und schreibt auch noch darüber) , wohnt im
Luxusloft mit "Concierge
Service", und ist zu allem
Überfluss ein
flexibler
Workoholic mit
nerdischem
Wissenswahn - ein
"Ausnahme
Egomane" mit "Ich-Ekel".
Weswegen TITTELs scheinbar hämisches
Porträt zur Einsicht gelangt:
"Man
scheint ihn wirklich zu brauchen: sei es,
um ihn scheitern zu sehen wie eine
Bret-Easton-Ellis-Figur. Sei
es nur, um sich selbst zu versichern,
weit weniger fleißig, flexibel, belesen
und cool zu sein. Und dennoch: ganz
glücklich.
So will man gar nicht wissen, welcher
Poschardt genau einem gegen Ende des
Gesprächs anbietet, eine Spritztour im
Ferrari springen zu lassen, wenn ihm das
verfasste Porträt gefalle.
So
oder so: Man würde mitfahren. Wirklich
böse sein kann man ihm nicht."
Und man
muss hinzufügen: Vor allem die
Familienrhetoriker benötigen POSCHARDT.
Möglicherweise wären viele
Medienberichte über Singles gar nicht
entstanden, wäre den Journalisten ihr
Lieblingsfeind POSCHARDT nicht kurz
vorher über den Weg gelaufen. Pardon:
vor die Nase gefahren!
"Ob er in äußerst
attraktiver Begleitung ein In-Restaurant aufsucht, um dort
Quartett zu spielen, oder einfach nur den Motor seines
Ferraris vor einem Szenetreff aufheulen lässt:
Fast
immer findet sich ein Fahrrad fahrender
Kollege, der derlei für berichtenswert
hielt."
Jochen
SCHIMMANG hat Ende
der 70er Jahre in seinem Buch
Der schöne Vogel Phönix seinen
Anti-Helden Murnau über den englischen
Fußball-Superstar Nobby STILES berichten
lassen:
"Kurz, dieser junge Profi spielte
weder elegant, noch war es ihm möglich
sich immer an die Regeln des fair play zu
halten; er war extrem häßlich und
benahm sich nicht wie ein Gentleman:
hatte also nicht eine einzige
Voraussetzung, beliebt zu sein. Aber er
war unentbehrlich."
Der soziale
Vergleich von Murnau mit STILES und seine
Konsequenzen lesen sich dann so:
"Hier
war ich, bei niemanden unbeliebt, mit ein
paar geduldeten Macken, dazu mit ein paar
Fähigkeiten, die zwar nicht notwendig,
aber auch nicht störend waren, ziemlich
schmächtig, aber von der äußeren
Erscheinung her keineswegs abstoßend,
insgesamt glücklich, aber natürlich
völlig überflüssig. Dort war Nobby,
eine einzige Provokation, mit Macken, die
man eigentlich nicht dulden konnte, dazu
keineswegs aus gutem Hause, mit
Fähigkeiten, die äußerst störend,
aber eben notwendig waren, keineswegs
überflüssig, sondern mit einer
sichtbaren Legitimation für seine
Existenz, einer Legitimation, die er sich
nicht erschlichen hatte, sondern die er
sich erkämpft, auf der er bestanden
hatte: Er hatte es allen gezeigt.
Und so beschloß ich in diesen sonnigen
Tagen, Nobby Stiles zu werden."
So
stellen sich Marktverfechter die
gelungene Neidverarbeitung vor.
Dagegen
geraten Familienrhetoriker leicht in den
Verruf die destruktiven Tendenzen des
Sozialneids zu verkörpern. |
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FANIZADEH, Andreas (2005): Es gibt kein linkes Zurück.
Was ist heute links? Ein Plädoyer für einen pragmatischen
Linksradikalismus.
In den
Neunzigern gingen Pop, Neomarxismus und aktivistische Subkultur ein
Bündnis ein. Damit ist es vorbei. Die neue Linkspartei mit ihrer
männlichen Arbeiterklassenrhetorik hat kaum Verständnis für
antiautoritäre Poplinke oder die Hybridität gesellschaftlicher
Minderheitenkämpfe
in: TAZ v. 10.09.
LOTTMANN, Joachim (2005): Er war mein Kanzler.
Gerhard Schröder wollte als
Bundeskanzler den Sozialstaat abschaffen und gleichzeitig das Gefühl
für ihn erhalten. Wir sollten eine Gemeinschaft bleiben, auch wenn das
Geld alle ist. Ein letztes Hurra,
in: TAZ v. 05.10.
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Joachim
LOTTMANN entdeckt u. a. Gemeinsamkeiten mit dem
Celebrity-Journalisten Ulf POSCHARDT. |
TERKESSIDIS, Mark (2005): Ich will nicht reden müssen.
Nicht alles, was eine Debatte
sein möchte, ist auch eine. Einem Strukturwandel der intellektuellen
Öffentlichkeit, der die verallgemeinerte Beobachtung, das Halbwissen
und die starke Meinung der Recherche vorzieht, sollte man sich
entziehen. Eine Antwort auf das Gesprächsangebot von Ulf Poschardt,
in: TAZ v. 08.10.
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Mark TERKESSIDIS will in Ulf POSCHARDT
keinen Ex-Linken erkennen, sondern hält ihn für einen Poser. Auch
eine revolutionäre Elite sieht TERKESSIDIS in Deutschland nicht am
Werk, sondern "in
Deutschland bestehen die Eliten aus einem neofeudalen Klüngel von
Menschen, deren Eltern und Großeltern auch schon Elite waren und die
hauptsächlich daran interessiert sind, die Eliteposition auch für
ihre Kinder zu sichern. Diese
Elite ist sozial ungefähr so durchlässig, wie die Berliner Mauer es
war - Leistung zählt da gar nichts." |
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Diedrich DIEDERICHSEN kritisiert die
"Herzblut-Renegaten" Ulf POSCHARDT und
Thea
DORN, die im Wahlkampf für
Schwarz-Gelb plädiert hatten. Das
Vorbild von POSCHARDT sieht er in
Reinhard MOHR ("Zaungäste"). Konversion
wird nach dieser Methode als riskante Rebellion gegen mächtige
Gegner inszeniert. Ihnen entgegnet DIEDERICHSEN:
"Dabei
haben sich sogar in der Zone der Republik, um die Dorn und Poschardt
so kämpfen, in der Hauptstadt-Kultur nämlich, längst neokonservative
Institutionen gebildet, wurden mit viel Verlags- und Elternknete
Zeitschriften und kulturelle Treffpunkte gegründet. Langsam
welkende, aber ganz unverarmte Pop-Jünglinge, gerne verschroben
stolze Hamburger oder Münchner, bemühen sich im preußischen Exil um
Eleganz-Darstellungen und das Eliten-Phantasma. Ihr Guru ist
Christoph Stölzl. Vielleicht kriegen sie ihn ja als
Kulturstaatsminister. Sein veronkeltes Dandytum sieht heute schon -
Ästhetik des Vorscheins! - aus wie die Karikatur ihrer
krampfbürgerlichen, reaktionären Zukunft."
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WALTER, Klaus (2005): Immer schön unentspannt.
Poplinke,
Live-Rock-'n'-Roller und Querdenkerposen: auf Spurensuche in der
vermeintlichen Mehrheit links von der CDU. Über produktive linke
Berührungsängste und die falsche Suche nach einem Wir,
in: TAZ v. 26.10.
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Klaus WALTER demonstriert poplinken
Autismus:
"Poschardts
Bewerbungsschreiben für ein Kulturpöstchen bei Merkel verbinden den
vornehmen Pluralis Majestatis mit dem dröhnenden »Du bist
Deutschland«-Sound: »Deutschland braucht Wachstum«, heißt es
apodiktisch, oder: »Deutschland könnte das modernste Land werden«
(taz vom 30. 9.).
Mark Terkessidis hat dieses
Gesprächsangebot mit guten Argumenten zurückgewiesen
(taz vom 8./9. 10.). Dem ist nur hinzuzufügen: Wer ist wir?
Oder: Distanz bitte! Das von Poschardt beschworene Wir ist eine
Schimäre wie die viel zitierte Mehrheit links der CDU. Schon die »I
can't relax«-Linke bildet kein Wir mit der erschlafften
Literaturhaus-Linken. Und was verbindet Otto Schily mit den Goldenen
Zitronen? Wolfgang Clement mit René Pollesch? Eine logische
Gegnerschaft, ja. Aber nicht einmal wechselseitige Antipathie. Dafür
müssten Schily und Clement die Hamburger Band und den nomadischen
Theatermacher wenigstens kennen. Nein, links der CDU ist zu wenig
Harmonie für Hegemonie. Die Linke sollte jedes falsche Wir von sich
weisen und - mal wieder - die Differenz betonen. Das unterscheidet
links von rechts, auch wenn es auf die Dauer langweilt, immer nur
nein zu sagen."
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RAPP, Tobias (2005): Lass uns nicht über Spex reden.
Wer hat die Hegemonie im
Popdiskurs? Ulf Poschardt wirft Diedrich Diederichsen Realitätsverlust
vor, Dietmar Dath wünscht der Popkulturlinken den Weltbürgerkrieg an
den Hals. In der Popkritik tobt ein Erbfolgekrieg um die
Hinterlassenschaft der "Spex" und die Definitionsmacht darüber, was
real ist,
in: TAZ v. 15.11.
LEHNARTZ, Sascha
(2005): Poppen statt reden.
Derzeit wird eine Debatte im popkulturellen Milieu ausgetragen, bei
der alle aneinander vorbei schweigen. Das zeigt schon die Misere auf,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.11.
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Sascha LEHNARTZ, den wir bereits als
braven Soldaten des Lifestyle-Popisten Ulf
POSCHARDT vorgestellt haben,
referiert hier nochmals für die uninformierte FAS-Leserschaft
die Pop-Mitte-Debatte, die Ulf POSCHARDT in der
ZEIT
(08.09.2005) angestoßen hat. Die
Debatte zielt in erster Linie auf den poplinken Übervater
Diedrich DIEDERICHSEN, der sich bislang weigert, das Lager zu
wechseln. Dafür muss er sich im Spiegel
von Ulf POSCHARDT als Seehofer des Pop beschimpfen lassen. Man
könnte dieses realpolitisch belanglose Pop-Geplänkel auch als
Selbstdarstellung POSCHARDTs im Vorfeld der Lancierung eines neuen
Mode-Magazins verstehen, das dieser gerade entwickelt. Warum
die Poplinke dabei mitspielt? Wenn schon der politische Einfluss
schwindet, dann möchte man wenigstens noch ein bisschen mitreden
dürfen. |
PILZ, Michael (2005): Sportwagen gegen Musikzimmer.
Die Popkultur debattiert:
Müssen sich intelligente Plattenkäufer heute bürgerlich geben und FDP
wählen?
in: Welt v. 30.11.
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Was Sascha LEHNARTZ für die FAS-Leser,
das leistet nun Michael PILZ für die Welt-Leser: ein Referat
der POSCHARDT-DIEDERICHSEN-Debatte. Im
Gegensatz zu LEHNARTZ distanziert sich PILZ jedoch von beiden Autoren.
Weder der sportwagenfahrende FDP-Wähler, noch der im
Musikzimmer
hockende Bohème hat seine Sympathie, denn PILZ wacht über das
Reinheitsgebot des Pop: Pop ist Pop und Politik ist Politik. Basta!
Dafür erliegt er dem anderen Popmythos:
"Der
Pop hat hier schon einiges geleistet. Jede Freiheitsforderung hat die
Gesellschaft renoviert, und zwar im Sinne durchlässiger Hierarchien.
Unterschichtler steigen auf",
renoviert
PILZ die Tellerwäscher-Millionär-Story. Die Zahl der Popmillionäre
dürfte jedoch wesentlich kleiner sein als die Zahl der Poptoten und
der Langzeit-Pop-Praktikanten, deren Hoffnung zuletzt stirbt. Etwas
Wahres ist jedoch dran, wenn PILZ zur Debatte anmerkt, dass sie
die Kämpfe der Vergangenheit kämpft:
"Allerdings
treffen hier eher die achtziger und neunziger Jahre aufeinander.
Theorieberauschte Linksromantiker, die Pop mit Altkritikern von Adorno
bis Deleuze behüten, gegen die zwangsverschmockten Anti-68er. Ein
anerkannter Randkulturenheld gegen den selbsternannten Sprecher einer
im Profil eher unscharfen Partei. Um Minderheitenpflege geht es beiden
Seiten in dieser Debatte, die so tut, als sei sie eine."
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MISIK, Robert (2007):
Hey, ihr da unten!
Heute erscheint sie also: die deutsche "Vanity Fair". Hat sich
Chefredakteur Ulf Poschardt endlich ein Zentralorgan seines
neokonservativen Bobospießertums gebastelt?
in: TAZ v. 07.02.
-
Robert MISIK,
der selber mit den Bobos liebäugelt, liefert gerade
deshalb eine schillernde Charakterisierung dieser
neuen Bobokratie:
"Im neueren deutschen
Spießertum haben sich in den vergangenen Jahren zwei paradigmatische
Phänotypen herausgebildet: der pausbäckig-altväterliche »Mehr-Anstand-mehr-Kinder-mehr-Sittlichkeit«-Typus
vom
Udo-di-Fabio-Eva-Herman-Schlag
und das hippe, zeitgeistige Bobospießertum, das seine
Trägerschichten in verweichlichten Mittelstands-Bubis gefunden hat,
die früher Pop gehört und
Müll getrennt haben und nun, weil sie sich im
bundesrepublikanischen Sozialstaat langweilen, mehr Härte ins Leben
bringen wollen. Wohlgemerkt: mehr Härte ins Leben der Anderen.
(...).
Die bemerkenswerteste
Figur dieser neokonservativen Parallelgesellschaft ist
Ulf Poschardt, Ex-Tempo-Redakteur, Ex-SZ-Magazin-Macher und
nunmehr Leithammel der Vanity Fair, die ab heute der neue Stern am
deutschen Lifestyle-Magazin-Himmel sein will.
(...).
Was den Poschardt-Typus aber vom Traditionsspießertum unterscheidet,
ist, dass er den
neoliberalen Neiddiskurs mit dem Geist der Revolte, dem
Poprebellentum und dem Erbe von Punk und Nonkonformismus
kurzschließt. Die Kinder der Revolte, führte er in raumgreifenden Essays von Zeit über taz bis zur Revival-Tempo
aus, seien doch die natürlichen Parteigänger des
Neoliberalismus, mit seinem Staatshass und seinem
Verwirkliche-dich-selbst!-Pathos.
(...).
Das Pathos vom »Abenteuer der Existenz« und der Kitzel von den
»Härten der Realität«, den Poschardt zu einem
Sartre-Hayek-Jünger-Brei verrührt, die haben mehr als nur
oberflächliche Verwandtschaft mit der
Verachtung für die Fadesse des Normalolebens, wie sie in
jungrevolutionären Zirkeln seit je dazugehört.
»Abenteuer der Existenz«: Das wurde nicht nur in Jüngers
»Stahlgewittern« gefeiert, sondern auch von Spontis und vom
»schwarzen Block«.
Sagen wir es so simpel und offen wie möglich: Es gibt ein breites
Spektrum von Milieus, links bis grün bis alternativ bis Indie, ein
Meer von Leuten, die nichts mehr hassen, als Mainstream zu sein,
die gerne gut leben, aber den hoch dotierten Brotjob verabscheuen,
die Lifestylekonsum pflegen, dabei aber möglichst ökologisch korrekt
vorgehen, die sich über wachsende soziale Ungleichheit grämen
und ein selbstbestimmtes Leben ohne Chef vorziehen, die brodelnde
innerstädtische Quartiere mit einem schönen Mix aus ehemals
besetzten Häusern, abgefuckten Kneipen, guten Esslokalen und ein,
zwei Falafelbuden zu schätzen wissen. Sie alle sind objektiv ein
bisschen Komplizen des Neoliberalismus."
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Klappentext
"Besonders
Sportwagen haben mythische Strahlkraft
entwickeln müssen, weil das Auto seine
Funktionalität im Sinne eines
Fortbewegungsmittels zunehmend einbüßt. Die
Vergleichstests zwischen den
Fortbewegungsmitteln innerhalb wie außerhalb
der Stadt lassen das Auto von Jahr zu Jahr
schlechter abschneiden. Bevor jedoch das
Automobil ökologisch entsorgt werden kann,
muß eine kulturelle Entsorgung ermöglicht
werden.
Der Sportwagen, sagt McLuhan,
ist die Zukunft des Automobils die es
als Gebrauchsgegenstand längst verloren hat.
Deshalb heißt Liebe zum Sportwagen, mit
dieser Liebe ernst zu machen.
Poschardts Text manövriert
zwischen kurvenreicher Raserei und dem
Stillstand im Museum oder der Garage: von der
Auto- bis zur Rennbahn und zurück über die
Landstraße. Die Fahrer von Sportwagen werden
gemustert, ebenso wie das Auftreten des
Sportwagens in Literatur, Kunst und Film.
Dominant sind dabei die Praktiken der Flucht,
der Verfolgung, der Jagd, des Krieges, mit
einem Wort: des Todestriebes. Denn
Sportwagen erziehen ihre Fahrer zu
Erfüllungsgehilfen hemmungsloser Raserei und
zu Gläubigen des Fetischs, dessen Schönheit
nicht zuletzt in seiner Gefährlichkeit
gründet.
Das einsame Rasen als Suche hat
den Beifahrersitz als kleine Währung der
messianischen Lücke. Der leere
Beifahrersitz: er wird freigehalten für die
Erfüllung."
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Berichte über die
Buchvorstellung
LEOPOLD,
Alexander (2002): Mein Maserati fährt
210.
Ulf Poschardt stellt
ein Buch über Sportwagen vor,
in:
Süddeutsche
Zeitung v. 04.03.
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Rezensionen
ENCKE, Julia
(2002): Autor Motor Spott.
Auf der
Überholspur: Ulf Poschardt hat den
Ferrari tief und die Bibliothek hoch
gelegt,
in:
Süddeutsche
Zeitung v. 27.03.
BUHR, Elke
(2002): Im roten Ferrari durch den deutschen
Heimatfilm brausen.
Von Garage, Stau und Tempo:
Allerlei vergnügliche bis kühne Thesen
versammelt Ulf Poschardt in seinem neuen Elaborat
über Sportwagen
in: Frankfurter Rundschau
v. 04.05.
-
Elke BUHR schreibt zum Buch "Über
Sportwagen":
"Poschardt benutzen,
das hieße also, sich unter Umgehung des
geradezu provokant unsystematischen
Aufbaus seines Pseudo-Traktates und unter
Vernachlässigung gewisser allgemeiner
Schwafeligkeiten über die Post- oder
Spätmoderne aus den unendlich vielen
Ideen und Beobachtungen die schönsten
herauszusuchen. Zum Beispiel: (...) dass
im täglichen Kampf auf der Autobahn die
Balance von Gleichheit (alle stehen im
Stau) und Differenz (alle haben
verschiedene Automarken) der
Sozialneid
gleichzeitig hervorgerufen und in
aushaltbaren Dimensionen abgearbeitet
werden kann - so bestätigt die Autobahn
ständig die Werte der demokratischen
Wettbewerbsgesellschaft."
Abgesehen
davon vermutet BUHR,
"dass Poschardt
all das nur schreibt, um die andern
Sportwagenbesitzer von der Straße zu
kriegen und selbst in seinem roten
Ferrari davonzubrausen."
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Cool
(2000)
Hamburg:
Rogner & Bernard
(bei Rowohlt als Taschenbuch erschienen, 2002)
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Klappentext
"Unsere Kultur gefriert. Und wir mit
ihr. Der Zustand der Spätmoderne zu Beginn des 21.
Jahrhunderts ist ein globaler und universeller
whiteout. Als Gegenstück zum schockartigen
Blackout ereignet er sich schleichend und
hinterhältig. Eine Ästhetik der glatten, kühlen
Oberflächen hat die heimeligen Vorstellungen warmer
»Innenwelt«
ersetzt. Um am Frost nicht zu erfrieren, haben sich
pragmatische und heroische Strategien des Überlebens
entwickelt. COOL ist die Geschichte dieser
Strategien - ihrer Triumphe und Niederlagen, ihrer
Dummheiten und Geniestreiche.
Ausgehend von
»coolen« Lebenstechniken und Haltungen beschreibt ULF
POSCHARDT nicht nur den Zustand der westlichen
Zivilisation als Analyse ihres Temperaments, sondern
entdeckt in
»coolen« Gesten und Bildern den Keim zukünftiger
Lebenstechniken: ein Labor für den Alltag im
Morgen."
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Tagung in
Tutzing zum Thema "Ikonen des Cool"
WAGNER, Jochen
(2000): Alles verlieren, sich selber aber
nie.
Lernen von den
Ikonen des Cool. Ein Parforceritt,
in:
Frankfurter
Rundschau v. 21.10.
RASCHKE, Rudi
(2000): Ikonen des Cool.
Eine Tagung in
Tutzing,
in:
Badische
Zeitung v. 24.10.
SCHWENKMAIER,
Christian (2000): In der Hitze der Macht.
"Cool" -
und was das bedeuten könnte: Eine Tagung
in Tutzing,
in:
Süddeutsche
Zeitung v. 24.10.
LACKMANN,
Thomas (2000): "Ikonen des
Cool".
Die
Unanfechtbaren. Eine Tagung über das
Kunststück, in schwierigen Zeiten
stilvoll zu überleben,
in:
Tagesspiegel v.
25.10.
WAGNER, David
(2000): Mehr Wärme wär' jetzt cool.
Posen des Pop:
Tutzinger Tagung über die Temperatur
eines Lebensgefühls,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung
v. 25.10.
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Auszug aus dem Buch
POSCHARDT,
Ulf (2000): Fass mich nicht an!
Wie
die Coolness in die Welt kam: Aus Ulf
Poschardts Monografie des
"Cool",
in: Welt
v. 07.10.
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Rezensionen
DIEDERICHSEN,
Diedrich (2000): Scheitern mit Schiller.
Tiefe Einsicht und
barer Blödsinn: Diedrich Diederichsen
über Ulf Poschardts ehrgeizigen Versuch,
in einem Groß-Essay die Phänomene der
Pop-Kultur zu ergründen,
in:
Die
Woche Nr.45 v.
03.11.
RICHARD,
Christine (2000): Don't worry, keep cool
- und ab in die fröhliche Eiszeit?
"Cool":
Polarforschung in kühlen Gemütern und
kalten Künsten, begleitet durch ein
neues Buch,
in:
Basler
Zeitung v. 10.11.
RAPP, Tobias
(2000): Im Namen der Distinktion.
Zieht euch bloß
warm an! Ulf Poschardt startet mit seinem
Buch "Cool" einen Großangriff
auf die gesamte abendländische
Kulturgeschichte und erläuterte die
Strategien der Coolness mit Platon und
Hegel, aber auch mit Joy Division und
Michael Mann,
in:
TAZ
v. 30.12.
KAUPP,
Cristina Moles (2001): Coolness gegen den
Terror der Entfremdung.
Wie
überleben Individuen in einer zunehmend
kälter werdenden Gesellschaft, und
welche Möglichkeiten bietet die
Popkultur? Ulf Poschardt verfolgt in
"Cool" die Strategien,
Metamorphosen und Irrwege der Coolness
quer durchs 20. Jahrhundert,
in:
Spiegel
Online Nr.1 v.
03.01.
KRIEST,
Ulrich (2001): Coolsein muss wieder cool
werden dürfen.
Ulf
Poschardt erklärt die Ästhetik der
Kälte: mit Joy Division, James Dean und
der RAF,
in:
Berliner
Zeitung v. 08.01.
PEHRKE,
Jan (2001): Kalt. Noch kälter!
Kulturhistorisches
Topfschlagen mit Ulf Poschardt. Von
Diogenes bis zu Joy Division: Die Welt
friert ein,
in:
Jungle
World
Nr.3 v.
10.01.
FUHRIG, Dirk
(2001): Borderline-Prosa,
in:
Financial Times
Deutschland v.
09.02.
MICHAELIS,
Nils (2001): Keep cool und wo das
herkommt,
in:
Saarbrücker
Zeitung v. 14.05.
SCHÜTTE,
Wolfram (2001): Existenzkämpfer.
Ulf Poschardts
wilder Mix "Cool",
in:
Süddeutsche
Zeitung v. 29.05.
FRÜCHTL,
Josef (2001): Ulf Poschardt: Cool,
in: Die ZEIT Nr.25
v. 13.06.
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Coolness in der Debatte
SANDNER,
Wolfgang (1980): Sei cool Mann!
Popmusik als
Lebensgefühl,
in:
Psychologie
Heute, März
KAMANN,
Matthias (2000): Die Einheit ist cool,
in:
Welt
v. 07.10.
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Ulf
Poschardt im WWW
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MÜHLBAUER, Peter (2006): Von der FDP zum Dialerkönig.
Der Poschardt, der Pop und die Peinlichkeit. Die
Feuilleton-Skandalnudel Ulf Poschardt ist seine Domain losgeworden,
in: Telepolis.de v. 19.02.
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weiterführende
Links
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