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Ulf Poschardt: Einsamkeit

 
       
     
       
     
       
   

Ulf Poschardt in seiner eigenen Schreibe

 
     
       
   

Einsamkeit (2006).
Die Entdeckung eines Lebensgefühls

München: Piper

 
   
 
 

Klappentext

"Einsamkeit hat einen schlechten Ruf. Das ist kein Wunder, sagt Ulf Poschardt, Starjournalist und »Personifizierung des Supersingles« (taz), aber es ist falsch. Er will das Paradies der Einsamkeit suchen, den Ort, an dem die Chance auf Selbstfindung und Glück wohnt. Wir lesen von Lars, Tina, Sabine, Tobias und uns allen – zuerst ist man nur für einen Augenblick allein, dann sind neunzig Minuten Zeit zu füllen, es kommt das erste Weihnachten allein, ein Geburtstag allein, schließlich ist man ein Jahr nur mit sich … In den Niederungen des Alltags und in philosophischer Höhe zeigt Poschardt die Spielarten der Einsamkeit: die gewollte und die nicht gewollte, die kurze und die ewige, die bewunderte und die bemitleidete, die selbstverliebte und die selbstverachtende, die unglückliche, vor allem jedoch die Entdeckung der glücklichen Einsamkeit."

 
 
 
       
     
   
  • Auszug aus dem Buch

    • POSCHARDT, Ulf (2006): Eine Art Sozialdiät.
      Jeder ist einsam. Doch wer die Einsamkeit bewußt erlebt, wird geradezu euphorisch. Das meint Ulf Poschardt und hat ein Buch darüber geschrieben,
      in: Welt am Sonntag v. 12.02.
      • Kommentar:
        Ob Ulf POSCHARDT ein Buch über Einsamkeit oder nur ein weiteres Generationenbuch geschrieben hat, das lässt der Auszug aus seinem neuen Buch "Einsamkeit" offen.

                  
        Es geht hier in erster Linie um die Partygänger der Generation Golf, aber die haben inzwischen bekanntlich die Familie entdeckt.
                  
        Außerdem wird noch einmal die Single-Ästhetik bemüht, die längst Vergangenheit ist.
                  
        Wenn POSCHARDT schreibt, dass Psychologen zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Singles unterscheiden, dann ist das Stand Bonner Republik!
                  
        Inzwischen müsste eigentlich bekannt sein, dass Ambivalenz der Schlüsselbegriff zum Verständnis von Lebensformen ist.
                  
        Für den Soziologen Ronald BACHMANN ist in seiner aufschlussreichen Studie "Singles" aus dem Jahr 1992 das ambivalente Single-Dasein der dominante Typus, wenn es um Singles im mittleren Lebensalter geht.
                  
        Das dürfte aber auch die Zielgruppe von POSCHARDT sein, wenn er über Partymenschen lästert und "Sex and the City" als Referenzserie zitiert.
 
   
  • Rezensionen

    • RÜDENAUER, Ulrich (2006): Die neue Sozialdiät.
      Ulf Poschardt tröstet sich mit 200 PS und schreibt den Ratgeber zur Einsamkeit,
      in: Tagesspiegel v. 21.02.
      • Inhalt:
        Ulrich RÜDENAUER klärt erst einmal den Status von Ulf POSCHARDT, der ein Buch über die "Einsamkeit" verfasst hat:

                  
        "Vor ein paar Jahren noch hat er seine Bücher bei Rogner & Bernhard oder Merve veröffentlicht, Verlagen mit street credibility. Poschardt war damals hip, „Cultural Studies“ und so. Heute ist er bei Kabel, dem Lebenshilfe-Verlag von Piper gelandet und redet von Eigenverantwortung und Werten. Ratgeber gibt es viele. Warum nicht auch einen über die Einsamkeit? Man kann, als ungeübter Einsamer, beim Einsamsein ja viel falsch machen."
                  
        RÜDENAUER beschreibt das Buch als "Mischung aus »Brigitte«-Dossier, Lebenshilfe-Leitfaden für urbane Mittelschichtkinder und Selbstbekenntnis", fügt aber hinzu:
        "
        Poschardt ist Popstar und Fan, Querdenker – und Feminist. »In Deutschland haben einsame Frauen noch das größte Emanzipationspotenzial. Insofern kann man dieses Buch auch als feministisches lesen.« Zumal Männer mit Einsamkeit schlechter umgehen als Frauen."
    • ROSSUM, Walter van (2006): Verlassene Seelen.
      Ulf Poschardt: "Einsamkeit. Die Entdeckung eines Lebensgefühls",
      in: DeutschlandRadio v. 27.02.
      • Kommentar:
        ROSSUM kritisiert, dass Ulf POSCHARDT "konsequent Alleinsein und Einsamkeit verwechselt".

                  
        Das ist vom heutigen sozialpsychologischen Standpunkt aus betrachtet durchaus richtig, denn dort ist Einsamkeit negativ besetzt. POSCHARDT knüpft dagegen an älteren Vorstellungen an und hebt damit das Positive der Einsamkeit hervor. POSCHARDT bricht damit bewusst mit den heutigen Vorstellungen.
                  
        In dieser Sicht ist er näher am Soziologen Peter GROSS, der 1991 für eine Soziologie des Nicht-Sozialen plädiert hat, die von single-generation.de beispielhaft am "Glück des Alleinreisens" erläutert wurde.
                  
        Die eigentliche Kritik von ROSSUM richtet sich jedoch im Grunde gegen die politischen Implikationen, die POSCHARDT beschwört:
                  
        "Poschardt (...) nimmt (...) ohne Zögern den Sozialstaat ins Visier: »In Deutschland ist Einsamkeit auch deshalb ein großes Problem, weil - anders als in den USA und in England - Eigenverantwortung und Selbstbestimmung eher Furcht als Freude erzeugen. (...) Der Sozialstaat ist eine kollektive Wärmestube.« Doch dank Hartz IV werden wir hier gewiss bald eine Pandemie glücklicher Einsamer erleben und endlich richtige Amerikaner werden.
                  
        Spätestens an dieser Stelle begreift man, dass ein Rebell der Einsamkeit wie Ulf Poschardt nichts anderes sucht, als endlich die »gefühlten« Realitäten des Rudels bejahen zu dürfen. Sag ja, zum traurigen Tier in Dir! Sag ja, zum neoliberalen Subjekt, dem einsamen Überlebenskämpfer im Dickicht entfesselter Konkurrenz! Sag ja zur Werbung, denn die weiß, was Du wirklich willst! So sieht das aus, wenn die Postmoderne existentialistisch wird."
                  
        Dietmar DATH spricht bei POSCHARDT lieber von Neuliberalismus bzw. "Lumpenliberalismus".
    • Neu:
      LOVENBERG, Felicitas von (2006): Der Mensch ist ein Tier mit sehr vielen Stacheln.
      Dürfen wir uns den Single als glücklichen Menschen vorstellen? Warum die Einsamkeit das Thema der Stunde ist,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.05.
      • Kommentar:
        Felicitas von LOVENBERG beschreibt zuerst den Wandel des Single-Images.

                  
         Dabei wird die übliche popfeministische Missinterpretation verbreitet, Ulrich BECK hätte die Singles als Speerspitze der Individualisierung gefeiert. Das kann eigentlich nur jemand schreiben, der noch nie ein Buch von Ulrich BECK gelesen hat. LOVENBERG dürfte da eher die Regel als die Ausnahme sein.
                  
         Im Zeichen der Demographiedebatte sei nun der Single zum Feindbild avanciert, denn der kollektive Imperativ laute nun:
                  
         "Du sollst einen Partner, Kinder, eine Ausbildung und einen Beruf haben und dabei möglichst gesund bleiben."
                  
         Warum Einsamkeit das Thema der Stunde sein soll, erfährt der Leser deshalb nicht, sondern politisch korrekt wird Einsamkeit als Krankheit der Single-Gesellschaft dargestellt:
                  
         "Singles sind die Stachelschweine unserer Gesellschaft, borstige Einzeltierchen, die schon mal jemanden aufspießen können, der sie gegen den Strich zu streicheln versucht", erklärt uns LOVENBERG vorweg.
                  
         Am Buch "Einsamkeit" von Ulf POSCHARDT und am Remake des Films "Die Thomas Crown-Affäre" erläutert uns LOVENBERG dann das Single-Übel:
                  
         "Mit Poschardts Fibel verlernt der Single endgültig, von sich selbst einmal abzusehen und auf die anderen zu achten - also genau jene Tugenden, die Familien hervorbringen und zusammenhalten.
        Die optimistische These, daß keiner näher dran ist an einer glücklichen Zweisamkeit als der geläuterte und nachdenkliche Single - die auch die Autorin dieses Artikels bereits in einem Buch vehement vertreten hat -, hat auf dem Beifahrersitz neben Poschardts Ego keinen Platz. Denn seine Ode auf die Einsamkeit verkennt, daß man sich im Alleingang nur bis zu einem gewissen Punkt verfeinern kann - weil es keinen Mitspieler gibt, niemanden, mit dem man die beim Solitaire gewonnenen Einsichten und Vorsätze ausprobieren kann. Genuß ist keine Intimität, und Intimität nicht immer ein Genuß. Erst der nahe Umgang mit anderen zwingt zur Konfrontation mit den eigenen Unzulänglichkeiten. Da der Single mangels eines Menschen, auf den er Rücksicht nehmen muß, nicht zur Verstellung, aber eben auch nicht zur Bescheidenheit gehalten ist, bleibt er sein eigener größter und wahrscheinlich einziger Fan.
        "
 
   

Ulf Poschardt im WWW

 
     
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 13. Februar 2006
Update:11. Mai 2006
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