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Roman Sencin: Erwachsenwerden im postsowjetischen Sibirien

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1971 in Kyzyl geboren
    • 2003 Debütroman "Minus"
    • lebt in Moskau
 
       
     
       
   

Roman Sencin in seiner eigenen Schreibe

 
   
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Roman Sencin im Gespräch

 
   
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Minus (2003)
Köln: DuMont

 
   
 
 

Klappentext

"Was tun, wenn man fünfundzwanzig wird und dort lebt, wo Russland und Asien ineinander übergeben, im sibirischen Minusinsk. Roman arbeitet nach dem Militärdienst als Kulissenschieber im Stadttheater, fühlt sich als Künstler, träumt von der idyllischen Kindheit oder von der Liebe - und schlägt doch nur die eintönige Zeit tot, mit den Kumpanen des Wohnheims, den Kollegen und seinen Maler- und Musikerfreunden beim Saufen. Romans Eltern, ehemals Idealisten, die die Kultur in die sowjetischen Republiken tragen wollten, leben vom Gemüseanbau in einem benachbarten Dorf. Die Seelen trösten oder vergiften sich diese Existenzen, Maulhelden, dealende Kleinkriminelle oder einfach nur Ratlose wie Roman, mit billigem Wodka - und der heißt in Minusinsk, mit sprechendem Namen, Minus.

Minus: ein Debütroman, der die gewohnten Formen postsowjetischer Literatur hinter sich läßt und stattdessen authentisch und ironisch, schonungslos aber auch verständnisvoll von Menschen aus der rauen und schäbigen Provinz erzählt.

Minus liest sich als aufregender Bericht über eine sibirische »lost generation« - ohne Geld aber mit Lebensmittelmarken, mit wenig Zukunft aber mit vielen Vorsätzen"

Pressestimmen

"Auch der junge Erzähler in Roman Sencins Roman »Minus« hat die Hoffnung auf ein anderes Leben längst aufgegeben. Eigentlich wollte er »eine Band gründen« und »ein Demo-Tape nach Nowosibirsk oder Moskau schicken«, aber jetzt betrinkt er sich jede Nacht mit seinen Freunden. Jura, der Maler, tauscht seine Bilder gegen billigen Wodka, und wenn Sergej anfängt, von dem großen Roman zu erzählen, den er schreiben will, winken die anderen nur gelangweilt ab: »Hast du diese Krankheit noch immer nicht überwunden?« Mehr als dreihundert Seiten über verbummelte Nachmittage, versoffene Nächte und verkaterte Vormittage: Mit »Minus« hat Sencin (...) ein bemerkenswert hoffnungslos gestimmtes Debüt vorgelegt. Und er hat einen neuen Ton in der russischen Literatur angeschlagen."
(Kolja Mensing in der TAZ vom 24.09.2003)

"Roman selbst arbeitet als Bühnenarbeiter im Provinztheater der sibirischen Stadt Minusinsk; zwar fühlt er sich als Künstler, doch hängt seine Gitarre an der Wand: »Erst vor kurzem habe ich begriffen, daß der Sinn des Lebens in der Beschaffung von Nahrung besteht«, philosophiert er. Ging es bei Denezkina ums Jugendlich-sein, so geht es hier ums Erwachsen-Werden - und das versteht sich im neuen Russland keineswegs mehr von selbst. »Wir haben keine Ahnung« so lautet der Befund des Ich-Erzählers, »wer überhaupt noch das Stadium eines Erwachsenen erreicht.«"
(Moritz Baßler in den Literaturen, Oktober 2003)

"Rausch und Tauschwirtschaft bilden die Existenzgrundlage dieser Generation, die sich in ihrem fortgesetzten Dämmerzustand alle erreichbaren Ziele nur sehr kurz zu stecken vermag.
Denn die Hoffnung (...) ist das schlimmste Übel und richtet den Menschen übel zugrunde.
(...).
Der Arbeitsplatz Theater, die institutionalisierte Illusionsfabrik, dient dem Ich-Erzähler als Symbol für ein System der Täuschung, dem die Menschen im maroden Imperium schon seit der Kindheit ausgeliefert sind."
(Michael Grus in der Frankfurter Rundschau vom 08.10.2003)

"Roman Sencin hat (...) mit »Minus« eine Art Manifest der russischen Generation X geschrieben. Deren Angehörige sind die Erben des Himmelreichs im Traum des implodierten Sowjetmenschen, ohne Glauben, ohne Utopie und ohne Gewissheit, außer einer: keine bestimmbare Zukunft zu haben."
(Egbert Hörmann im Tagesspiegel vom 08.10.2003)

 
 
 
       
   
  • Rezensionen

    • MENSING, Kolja (2003): Am Morgen nach der Schlacht.
      "Besoffen, blöd und nirgends angekommen": Junge russische AutorInnen wie Roman Sencin, Irina Denezkina oder Ilja Stogoff erzählen in ihren Roman vom Schicksal einer Generation, die zwischen den historischen Umbrüchen verloren gegangen ist,
      in: TAZ v. 24.09.
    • BAßLER, Moritz (2003): Ein dystanziertes Gefühl.
      Russlands junge Autoren transferieren mit Pfiff die Warenkultur des Westens. Ein Streifzug durch den Pop à la Russe,
      in: Literaturen, Oktober
    • PETER, Stefanie (2003): Zwanzig Grad unter Null Bock.
      Holden Caulfield in der Steppe: Roman Sencin seziert die russsische Provinz,
      in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 07.10.
    • Neu:
      GRUS, Michael (2003): Rausch und Tausch.
      Roman Sencin widmet sich den Erniedrigten und Beleidigten,
      in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 08.10.
    • HÖRMANN, Egbert (2003): Ein Prosit auf diese saure Brühe.
      In seinem Debütroman "Minus" blickt Roman Sencin in die Herzen überflüssiger Menschen,
      in: Tagesspiegel v. 08.10.
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. Oktober 2003
Stand: 08. Oktober 2003
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