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russische Singles und gesellschaftlicher Wandel in den Medien

 
       
   
Eine Überschrift und was dahinter steckt: "Hält der Trend an, hört in 500 Jahren 'die russische Nation überhaupt auf, zu existieren', warnt Alexander Sinelnikow, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentrums für Demographie und Umwelt."

SIPPELL, Dorothee (2002): Steiler Fall.
Demografen prophezeien den Russen eine düstere Zukunft: Binnen 50 Jahren könnte die Bevölkerung um ein Drittel schrumpfen,
in: Profil Nr.24 v. 10.06.

IWANOWSKI, Andrej (2002): Aussterbende Spezies.
Das wichtigste Ergebnis der ersten russischen Volkszählung in der postsozialistischen Ära steht schon im Vorhinein fest: Alkohol und Fehlernährung reduzieren die Bevölkerung dramatisch. Mitte des Jahrhunderts könnte die Zahl der Russen von 140 auf 80 Millionen geschrumpft sein.
in: Profil Nr.41 v. 07.10.

Nicht nur interne Probleme beschleunigen den Bevölkerungsrückgang, sondern Russinnen gelten bei emanzipationsgeschädigten Besserverdienenden zunehmend als Alternative zu finanziell unabhängigen und wählerischen Erfolgsfrauen à la Ally McBeal oder Sex and the City.

Bei Thomas KIRSCHNER ("Liebe ohne Grenzen") , der mit den Thesen von Michel HOUELLEBECQ sympathisiert, liest sich das so:

"Die Frauen aus den früheren GUS-Staaten sind sehr feminin und sehen auch keinen Makel darin, ihre Fraulichkeit zu betonen. Sie sind sehr familienorientiert. Sie besitzen lebenslange Erfahrung darin, mit ökonomischen Härten und Instabilität umzugehen und dabei Stil und Anmut zu bewahren. Sie schätzen Loyalität und Sicherheit. Sie sind sehr bindungswillig und bereit, ihren Mann zu unterstützten, ohne ständig mit ihm zu wetteifern oder auf ihre Gleichberechtigung zu pochen."

Die "russische Seele" und die Vorstellungen über das Äußere einer Russin sind wohl spätestens seit H. G. KONSALIK zum deutschen Allgemeingut geworden.

VOSWINKEL, Johannes (2002): Iwan im Underground.
Samstagabend in Moskau: Lena stolziert in den "Salon", Mascha steigt in den Theaterkeller, Borja lädt zur Dauerparty in seine Wohnung - Russlands Jugend, groß geworden in der wilden Jelzin-Zeit, ist ohne Orientierung und auf der Suche nach dem Glück,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 24.10.

POPOV, Dmitri (2002): Traumfrauen.
Frauenalltag,
in: Freitag Nr.47 v. 15.11.

HILLE, Stephan (2002): Ausverkauf der Gefühle.
Sie betonen ihre Weiblichkeit, suchen gezielt nach reichen Ausländern und sagen auch mal "Nein". Viele Russinnen kommen gut mit der neuen sexuellen Freizügigkeit zurecht. Nur ihre männlichen Genossen haben damit Probleme,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.11.

HEINRICH, Nazira (2003): Ala Katschu - die alte Tradition.
Ohne Einwilligung. Seit der Unabhängigkeit Kirgisistans wird Frauenraub zunehmend zum Mittel billiger Brautbeschaffung,
in: Freitag Nr.37 v. 05.09.

VOSWINKEL, Johannes (2004): An der Wiege der russischen Revolution.
Wir werden weniger:
Iwanowo kann den Niedergang nicht stoppen. Einst wurden hier die Uniformen der Roten Armee genäht. Heute sind in der leeren Stadt vor allem Bierbrauer gut im Geschäft,
in: Die ZEIT Nr.49 v. 25.11.

HOLM, Kerstin (2005): Sibirien wird noch leerer.
Aus russischen Zeitschriften: Furcht vor Bevölkerungsabnahme,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.03.

Kerstin HOLM schreibt in ihrer Zeitschriftenrundschau über den "schrumpfenden Organismus des russischen Volkes"...

HOLM, Kerstin (2006): Gelbe Gefahr.
Das schrumpfende russische Volk findet keine Arbeit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.04.

HOLM berichtet ausgiebig über einen Artikel des russischen Politikwissenschaftlers Michail MARTYNOW, der das Problem der "überschüssigen" Bevölkerung mit dem Niedergang der russischen Geburtenrate in Verbindung bringt. Dazu nimmt er einen Umweg über die Antike:

"Auch die Römer kämpften gegen Bevölkerungsschwund. Martynow erinnert daran, daß in der Kaiserzeit öffentliche Ämter bevorzugt an Kinderreiche vergeben, daß Verwitwete zur Neuheirat verpflichtet wurden und daß Kinderlose nicht erben durften. Den demographischen Trend dadurch umzukehren gelang indessen nicht. Der Russe zitiert Malthus mit dem Ausspruch, wenn die Römer bloß die Zahl ihrer Sklaven halbiert und die Bürger genötigt hätten, ihre Liegenschaften selbst zu bearbeiten, hätte sich die Bevölkerungszahl ohne alle Sondergesetze rasch erholt."

ZEKRI, Sonja (2006): Russland.
SZ-Thema: Die Männer-Katastrophe,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.05.

DONATH, Klaus-Helge (2006): Russland soll gebären und marschieren.
In seiner Rede zur Lage der Nation konzentriert sich Russlands Präsident Putin auf Demografie und Verteidigung,
in: TAZ v. 11.05.

EBERSTADT, Nicholas (2006): Rußland.
FAZ-Dossier: Der Tod ist den Jungen so nahe wie anderswo den Alten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.05.

EFIMOVA, Svetlana (2006): Glück, Schmiergeld - oder ab zur Oma.
Elternzeiten anderswo (2): In Russland bleiben Krabbelkinder den Müttern überlassen,
in: TAZ v. 16.06.

ANTONOW, Boris (2006): Endstation Einsamkeit.
Russische Frauen an der Singlebörse,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 18.11.

Der freie Journalist Boris ANTONOW berichtet über seine Erfahrungen mit einer russischen Singlebörse: "Tanja ist nicht die Erste, die ich in den letzten zwei Jahren bei Missingheart.ru kennengelernt habe. Vielleicht ist sie die Dreihundertste. Oder die Siebenhundertste, was bei dieser Größenordnung schon dasselbe ist. Da fällt eine gewisse Wiederholung der Charaktere auf.
             Die meisten Frauen habe ich nie gesehen, höchstens auf dem Foto. Ich habe mit ihnen gechattet oder Mails gewechselt, mit einigen telefoniert. Zwei Dutzend habe ich leibhaftig getroffen - zum ersten und zum letzten Mal. Mit vieren entwickelte sich eine romantische, vielversprechende Beziehung, beinahe Liebe, die freilich schon nach ein paar Wochen sang- und klanglos im Sand verlief. Eine ähnliche Erfahrung machen wohl fast alle, die einen Partner im Netz suchen.
             Ich selbst schrieb nur wenige Frauen an - meistens wurde ich angeschrieben. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass es so viele einsame Frauen gibt. Noch weniger konnte ich mir vorstellen, wie stark sie sich nach einem Mann sehnen, sind sie doch nach außen hin männermäßig gleichgültig oder unnahbar, eine Schutzreaktion, die bei den Frauen sehr stark entwickelt ist, wie ich später erfuhr."

PRIGOW, Dmitrij (2007): Der Markt, die Sowjets und die Kirche.
Megacitys - die Städte der Zukunft (V): Moskau - Wie drei Utopien nebeneinander herwuchern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.02.

HOLM, Kerstin (2007): Wie angle ich mir einen Millionär?
Erkundungen der russischen Seele: Moskowiter Frauen suchen Rat bei einem Guru der Männermanipulation und üben sich fleißig in femininer Gratwanderung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.02.

REITSCHUSTER, Boris (2007): Die Schule der Luder.
Anhimmeln, anbaggern, anschmiegen: wie die Elevinnen der Moskauer Anmach-Akademie lernen, Männern zu gefallen,
in: Focus Nr.23 v. 04.06.

HOLM, Kerstin (2007): Russland.
Gebär einen Patrioten,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 13.08.

BRÖSSLER, Daniel (2007): "Die Russen sterben aus".
Russlands Bevölkerungszahl nimmt in einem Tempo ab, das auf der Welt seinesgleichen sucht. Kreml und Kirche beschwören die Liebe, doch der Nachwuchs bleibt aus - während die ältere Generation rapide stirbt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.10.

DAS PARLAMENT-Thema "Russland"

LINDNER, Rainer (2008): Dramatischer Schwund.
Hohe Sterblichkeit macht der Wirtschaft Sorgen,
in: Das Parlament Nr.35-36 v. 25.08.

RODINA, Elena (2010): Russenbräute.
In der russischen Stadt Welikij Nowgorod gibt es fast ein Drittel mehr Frauen als Männer. Für diese Geschichte nutzten verzweifelte Singlefrauen die Chance, ein Phantombild ihres Traummanns zu erstellen,
in: Neon,
April

KAPUSTINA, Olga (2010): Liebesgrüße aus Moskau.
Subtiles: In Russland gibt es mehr Frauen als Männer - und eine solvente männliche Oberschicht. Wie binden emanzipierte Frauen russische Machos an sich? Durch Anpassung, sagt Wladimir Rakowski. Ein Besuch in seiner Luderschule,
in: TAZ v. 18.09.

PLESCHINSKI, Hans (2012): Konfekt aus der Tundra.
Lesereise durch Sibirien,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 13.08.

"Die jungen Russinnen sind elegant, gross gewachsen, umkurven die Krater in den Gehsteigen wie Ballerinen die Bühnenkulissen. Die jungen Sibirierinnen wagen viel: Paillettenstiefel, in denen sie über den Schnee gleiten und heller lachen als ihre Begleiter, die beim Ausgehen alle Rechnungen begleichen müssen. Männermangel herrscht in Sibirien. «Sie sterben nicht durch Wodka», wurde mir versichert, «sondern durch die Begleiterscheinungen, nämlich Unfälle.»", berichtet Hans PLESCHINSKI aus Sibirien.

PROKLA-Schwerpunkt: Biokapitalismus
 

SIEGL, Veronika (2015): Märkte der guten Hoffnung.
Leihmutterschaft, Arbeit und körperliche Kommodifizierung in Russland,
in:
Prokla Nr.178, März

HARTWICH, Inna (2016): Putin und die Pflicht zur traditionellen Familie.
Warum gilt eine Frau in Russland immer noch als Schuldige, wenn der Mann sie vergewaltigt? Warum steht häusliche Gewalt nicht unter Strafe? - Über die historischen Gründe der Frauendiskriminierung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 08.01.

"Bis heute hat es der Begriff «Feminismus» nicht leicht in Russland, bis heute ist er mit «westlicher Pest» konnotiert, die Russland nicht eigen sei, auch wenn das Land durchaus über Frauenrechte diskutiert, nur wenig auf politischer Ebene. In Putins Russland herrscht die «Pflicht zur traditionellen russischen Familie», die auf heterosexueller Ehe basiert und mindestens zwei Kinder hat, wie es im Strategiepapier zur Demografiepolitik bis 2025 steht", berichtet Inna HARTWICH.

STEINER, Eduard (2016): Russlands teure Alte.
Demografische Entwicklung führt zu stark steigenden Kosten für Renten. Ohne Reformen droht eine drastische Staatsverschuldung,
in: Welt v. 15.07.

Es ist mehr als erstaunlich mit welch dürftigen Fakten uns Eduard STEINER zu den angeblichen demografischen Problemen in Russland abspeist:

"Denn die kinderreiche Generation aus der Nachkriegszeit geht in Rente, während die Zahl der Berufseinsteiger, die in den 90er-Jahren geboren worden sind, deutlich geringer ausfällt. Damit werde eine Spirale nach unten in Gang gesetzt, so die Ratingagentur. Wenn Russland keine Reformen durchführe und das extrem niedrige Pensionsantrittsalter nicht erhöht werde, bleibe seine Bonität weiter im spekulativen Bereich."

Weiß STEINER überhaupt, über was er da schreibt? Weder nennt er das Pensionsalter, außer dass es zu niedrig ist, noch nennt er irgendwelche Zahlen zur demografischen Situation. Wir erfahren am Schluss nur, dass das System der kpitalgedeckten Altersvorsorge gekippt worden sei - was aus neoliberaler Sicht natürlich ein Affront ist. Und uns wird folgende Prognose zu Ausgaben für Alte in Prozent des BIP genannt:

"Die zunehmende Alterung der Bevölkerung werde den Staat zur Mitte des Jahrhunderts 19 statt bisher 13 Prozent der Wirtschaftsleistung kosten. Schlimmer noch: Die Belastung steige deutlich schneller als in den anderen 58 analysierten Staaten."

Kein Wunder also, dass die Glaubwürdigkeit der deutsche Russlandberichterstattung angesichts solch dürftiger Informationen gelitten hat.

TRIEBE, Benjamin (2016): Kreml-Geschenk an Pensionäre.
Die Notlösung verrät viel über die Schieflage in Russland,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.08.

Benjamin TRIEBE erzählt uns, dass die russische Regierung die gleichen Spielchen mit den Rentnern in Sachen Rentenerhöhungen praktizieren wie hierzulande. Eine saftige Einmalzahlung soll darüber hinwegtäuschen, dass die Rentner letztlich die Verlierer in diesem Spiel sind.

"43 Millionen von 143 Millionen Russen beziehen eine Altersrente",

erklärt uns TRIEBE. Die durchschnittliche Rente beträgt jedoch umgerechnet nur ca. 180 Euro. Obwohl die Rentner wahrlich nicht in Saus und Braus leben, mokiert sich TRIEBE darüber, dass die russische Regierung keine neoliberale Politik betreibe, als ob das das einzige Problem der Russen wäre.

NIENHUYSEN, Frank (2017): Wermutstropfen.
Die Russen werden immer älter, doch die Männer sterben weiterhin deutlich früher als die Frauen. Das hat auch mit Wodka zu tun. Der Landwirtschaftsminister rät nun: Mehr Wein trinken,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.07.

"Noch nie ist die Lebenserwartung für Russinnen und Russen so hoch gewesen, vor allem in Moskau und den weitgehend abstinenten muslimischen Kaukasusrepubliken. Wer im vergangenen Jahr geboren wurde, kann mit einer Lebensspanne von gut 77 Jahren rechnen - wenn es denn ein Mädchen ist. Russische Jungs werden 66,5 Jahre vorhergesagt. Macht für beide Geschlechter 71,87 Jahre. (...). In Albanien liegt der Wert schon bei 78 (...).
In einigen fernöstlichen Gebieten werden Männer trotz des Anstiegs statistisch nicht einmal 60 Jahre alt",

berichtet Frank NIENHUYSEN über die Lebenserwartung in Russland, die in den 1990er Jahren am niedrigsten war (gemessen ab 1960). Rauchen und Trinken, also ein ungesunder Lebensstil, und die schlechte medizinische Versorgung wird dafür verantwortlich gemacht. Beim übermäßigen Trinken wurde Russland inzwischen jedoch vom EU-Land Litauen überholt.

LOKSHIN, Pavel (2017): Dieses Problem hat Putin unterschätzt.
Russlands Präsident war stolz auf das rasante Wachstum seiner Bevölkerung. Doch jetzt schrumpft sie. Anreize für Familien werden nicht ausreichen, um den Trend umzukehren,
in: Welt
v. 18.12.

Die Russen sterben aus, titelten Mitte der Nuller Jahre die Mainstreammedien. Nun ist es angeblich wieder so weit, nur weil die Geburtenzahl in einem einzigen Jahr gesunken ist:

"Im vergangenen Jahr übertraf die Lebenserwartung der Russen mit 72 Jahren endlich den mageren Weltdurchschnitt. Auch die Geburtenrate legte zu, offenbar dank Putins 2007 eingeführtem Programm zur Geburtenförderung. So gab es von 2013 bis 2016 erstmalig mehr Geburten als Todesfälle. Putins vor fünf Jahren verkündeter Plan, dass Russlands Bevölkerung bis 2050 auf 154 Millionen Einwohner wachsen solle, schien zu funktionieren.
Doch dann veröffentlichte Russlands Statistikagentur die vorläufigen Bevölkerungszahlen für 2017. Der Sterbeüberschuss lag plötzlich bei 115.000 und machte die Geburtenüberschüsse der Vorjahre auf einen Schlag zunichte. 1,42 Millionen Kinder wurden in diesem Jahr geboren, ihnen standen 1,53 Millionen Sterbefälle gegenüber",

verkündet uns Pavel LOKSHIN, der den angeblich renommiertesten russischen Bevölkerungsexperten Anatoli WISCHNEWSKI zitiert.

Gemäß Datenbank der OECD lag die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) in Russland von 1997 - 2001 bei 1,2 Kindern pro Frau. Danach stieg sie bis 2012 auf 1,7 Kinder pro Frau. In den Jahren 2014 und 2015 lag sie bei 1,8 Kindern pro Frau. Zahlen für 2016 und 2017 liegen bei der OECD noch nicht vor.

"Heute kann Russland selbst die vergleichsweise hohe Fertilitätsrate von durchschnittlich 1,7 Kindern pro Frau nicht mehr helfen, sagt Wischnewski. Bis 2024 wird die Zahl der Russinnen zwischen 18 und 35 Jahren um fast vier Millionen abnehmen. Unter diesen Umständen kann Russlands 144-Millionen-Bevölkerung nicht wachsen, ist der Forscher überzeugt",

schreibt LOKSHIN. Bekanntlich galt Deutschland Mitte der Nuller Jahre ebenfalls als aussterbendes Land. Ungeborene bekommen keine Kinder verkündeten Landauf Landab die Mainstreammedien. Die aktuelle Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes vom März 2017 zeigt jedoch, dass der Rückgang der potenziellen Mütter 2025 so gering ausfällt, dass bereits ein minimaler Anstieg der Kohortenfertilität auf 1,6 Kinder pro Frau den Rückgang überkompensieren kann. Deutschland steht in den nächsten Jahren sogar vor dem Problem, dass es für den Geburtenanstieg nicht gerüstet ist. Weder die Kinderbetreuungseinrichtungen noch die Grundschulen sind in der Lage den bereits eingetretenen Geburtenanstieg angemessen zu bewältigen.

Fazit: Unsere aufs Aussterben fixierten Mainstreammedien sorgen dafür, dass die Geburtenentwicklung in Deutschland und in anderen Ländern unter falschen Vorzeichen betrachtet werden. Inwiefern Russland schrumpfen wird, lässt sich aus den präsentierten Zahlen gar nicht erkennen.

TRIEBE, Benjamin (2018): Russland fehlen die Russen.
Die Zahl der Bevölkerung nimmt ab - und damit fehlen in den nächsten Jahren Millionen von Arbeitskräften,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 10.01.

Benjamin TRIEBE behauptet, dass Russlands Bevölkerung schrumpft (die Welt berichtete dagegen Mitte Dezember, dass es in den Jahren 2013-2016 einen Geburtenüberschuss gab; Die OECD weist Bevölkerungszahlen nur bis 2013 aus) , nennt jedoch keine Zahlen dazu, sondern nur Prognosen, die bekanntlich kaum das Papier wert sind auf denen diese stehen.

TRIEBE geht es auch nicht um die Bevölkerungsschrumpfung, sondern  nur um den Rückgang der arbeitsfähigen Bevölkerung, die je nach Interessenlage gravierend auseinanderklafft:

"Die arbeitsfähige Bevölkerung wird laut Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin in den kommenden sechs Jahren um je 800.000 Personen sinken. Die Bank VTB schätzt den Rückgang in den nächsten acht Jahren nur auf je bis zu 500.000 Arbeitskräfte"

TRIEBE spricht von einer "demografischen Katastrophe" angesichts der Lage Russlands nach dem Zerfall der Sowjetunion in den 1990er Jahren:

"Die Sterblichkeit stieg, aber die Geburtenquote sank von 2,2 Kindern pro Frau im Jahr 1987 auf einen Tiefpunkt von weniger als 1,2 im Jahr 1999. Seither hat sich die Geburtenquote langsam erholt und beträgt immerhin wieder 1,7. Aber die demografische Delle lässt sich nicht mehr beheben. Der Anteil der 15- bis 30-Jährigen an der Gesamtbevölkerung ist von 24% im Jahr 2002 auf knapp 20% im Jahr 2015 gesunken."

Nach OECD-Angaben lag die Geburtenrate in den Jahren 2014 und 2015 bei 1,8 Kindern pro Frau. TRIEBE behauptet, dass es nur drei Reaktionsmöglichkeiten gebe: Steigerung der Produktivität, länger arbeiten oder Zuwanderung. Wie es für stramme Neoliberale gehört, wird letztlich nur in der längeren Lebensarbeitszeit ein Ausweg gesehen:

"Unter Experten ist unbestritten, dass Russland seine Arbeitskräfte zu früh in Pension schickt. Das Renteneintrittsalter beträgt 55 Jahre für Frauen und 60 Jahre für Männer. Es gehört zu den niedrigsten auf der Welt und wurde 1932 unter Stalin festgesetzt. (...). Der Anteil der Russen oberhalb der gegenwärtigen Altersgrenzen wächst gemäss dem Statistikamt bis 2035 auf knapp 43 Mio. oder von 25% auf 29% der Gesamtbevölkerung. (...). Die Schieflage wird dadurch verschärft, dass Frauen besonders früh in Pension geschickt werden, aber besonders lange leben: Ihre Lebenserwartung beträgt 77 Jahre, jene der Männer aber erschreckend tiefe 67 Jahre."

TRIEBE versteckt sich hinter nicht genannte Experten, was unseriöser Journalismus ist.

 
       
   
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt am: 06. Oktober 2003
Update am: 16. Juni 2018