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Klappentext
"Ein Roman, der hier im Haus so heftige
Diskussionen auslöste, dass ein (männlicher) Kollege
beleidigt das Zimmer verließ und noch Stunden später
kleine Grüppchen auf dem Gang zusammenstanden, um
sich auszutauschen. Die Gleichberechtigung zwischen
Mann und Frau ist ein Thema, das leider nichts von
seiner Aktualität verloren hat, im Gegenteil: Es war
schon mal besser, und die Lorbeeren, auf denen sich
viele ausruhen, sind längst vertrocknet.
Sara entflieht
dem dunklen Januar und ihrer Winterdepression und
reist für eine Woche allein nach Teneriffa. Sie ist
Mutter eines zweijährigen Jungen und enttäuscht –
vom Kinderkriegen, von ihrem Mann, der sie gleich
nach der Geburt ein paar Wochen alleine ließ, von
der Gesellschaft, in der immer noch die Männer
dominieren. Auf Teneriffa hat sie Zeit, über alles
nachzudenken und zu beobachten: warum Frauen
bitterfotzig werden, an welchen Punkten die
Ungleichbehandlung offensichtlich wird und wie
hoffnungslos alles ist, wenn bereits in der
Zweierbeziehung so vieles falsch läuft.
Ein Buch, das
in Schweden die Bestsellerliste anführte, von einer
Autorin, die eine Revolution will und sich
keineswegs mit dem zufrieden gibt, was vermeintlich
schon alles erreicht wurde. Laut, kompromisslos und
ehrlich haut Maria Sveland uns ihren bitterfotzigen
Zorn um die Ohren, und jede Frau, die versucht,
Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen, wird
zustimmend nicken. Und wütend werden."
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Der Roman in der Debatte
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LINDEMANN, Thomas (2009): Sie wollen Sex, und sie sind
wütend.
Junge Autorinnen aus aller Welt etablieren ein neues,
freizügiges Frauenbild in der Literatur,
in: Welt
v. 21.01.
-
BORTOLANI, Martina (2009): Die Bittergebiete der Frau.
Mit "Bitterfotze" beschreibt Maria Sveland die Leiden
einer jungen Mutter,
in: Sonntagszeitung v. 22.02.
-
OESTREICH, Heide (2009): Keine Angst vor bitteren Lippen.
Maria Sveland hat das Kunststück geschafft, den
feministischen Entwicklungsroman der Siebziger zu
modernisieren: "Bitterfotze", in Schweden ein Bestseller,
untersucht die "condition féminine" in postpatriarchalen
Zeiten. Morgen erscheint das Buch in Deutschland,
in: TAZ v. 27.02.
-
KNIPPHALS, Dirk (2009): Die Wut als Seismograf.
Sara, die Ich-Erzählerin in Maria Svelands Roman,
begreift ihr persönliches Leiden als Indikator eines
ungerechten Allgemeinzustands. Damit knüpft das Buch an
erzählerische Muster der "Neuen Subjektivität" an. Trotz des
kämpferischen Tons ist das Ende jedoch vorsichtig
versöhnlich,
in: TAZ v. 27.02.
- Inhalt:
KNIPPHALS ordnet den Roman
"Bitterfotze" von Maria SVELAND literaturgeschichtlich in
die Tradition der neuen Innerlichkeit ein, ein erfolgreiches
Genre der 1970er Jahre:
"Maria Sveland (...) knüpft an
viele erzählerische Muster an, die in den Siebzigerjahren
unter den Rubrizierungen »Neue Subjektivität« oder auch
»Neue Innerlichkeit« verhandelt wurden. Ihre Icherzählerin
Sara lernt ihre Probleme und Leiden im Rahmen ihrer
gesellschaftlichen Bedingungen verstehen. Und ihre Wut, sie
selbst spricht von »Bitterfotzigkeit«, begreift sie
allmählich als Indikator eines ungerechten Allgemeinzustands
- als Seismograf, der anzeigt, dass etwas nicht stimmt. Das
sind beides Topoi, wie sie in der Literatur der Neuen
Subjektivität vielfältig durchgespielt wurden. Romane wie
Karin Strucks »Klassenliebe« (1973) oder Verena Stefans
»Häutungen« (1974) zeichneten weibliche Suchbewegungen nach.
Äquivalente auf männlicher Seiten waren
»Lenz«
von Peter Schneider (1973),
»Mars« von Fritz
Zorn (1974) oder
»Die Reise«
von Bernward Vesper (1977). Auf Erica Jongs Weltbestseller
»Angst vorm Fliegen« (1973) nimmt Maria Sveland direkt
Bezug.
In zwei Punkten kann man ihren Roman geradezu als Versuch
eines Revivals dieser 70er-Jahre-Kultbücher lesen: Sveland
verknüpft die Entwicklungsgeschichte ihrer Heldin mit einem
Gesellschaftspanorama. Und sie übt sich in einem
kämpferischen Ton."
In Abgrenzung zur
1970er Literatur, die Michael RUTSCHKY in seinem Buch
"Erfahrungshunger" auf den Punkt gebracht hat, sieht
KNIPPHALS jedoch auch Unterschiede:
"In
»Erfahrungshunger«,
dem kanonischen Text über die Siebziger, interpretiert
Michael Rutschky »Schrecken
und Schmerz«
als Inbegriffe der authentischen Erfahrungen der damaligen
Zeit: Nur durch sie könnten sich die AutorInnen der
Siebziger durch das schlechte Gesellschaftliche als reale
Subjekte begreifen. Der einzige Weg, aus der Entfremdung und
Unterdrückung herauszufinden, liegt für sie in einer
Bewegung aus der Gesellschaft heraus. Im günstigsten Fall
endete das in Subkulturen oder künstlerischer
Fundamentalopposition. Bei
Fritz Zorn und
Bernward
Vesper endete die Bewegung im Tod.
Maria Sveland lässt ihren Roman dagegen vorsichtig
optimistisch enden. Der Rückgriff auf die Dramaturgie der
Neuen Subjektivität bietet ihrer Erzählerin die Möglichkeit,
eine Weile aus der Mühle ihres Lebens herauszutreten und
über sich selbst einigermaßen klar zu werden. Sie sieht dann
»eine
Reihe von Möglichkeiten, neu anzufangen«.
Das ist mehr, als viele AutorInnen der Siebziger ihren
Figuren oder sich selbst zugestanden haben."
- ANONYM (2009): Die
Bitterfotze.
Zwei Kinder plus Karriereberuf. Grund genug, verbittert
zu sein. Und Fotzen sind Frauen sowieso. Oder?
in: Emma März/April
-
HALVA, Boris (2009): Mama ist sauer,
in:
Frankfurter Rundschau v. 07.03.
-
POHLMANN, Sonja (2009): Hölle, Hölle, Hölle.
Maria Svelands postfeministischer Roman "Bitterfotze" ist
keine verschärfte Version der "Feuchtgebiete", sondern ein
zorniger Appell für mehr Gleichberechtigung,
in:
Tagesspiegel v. 11.03.
-
FREUDENSCHUß, Ina (2009): Richtig bitterfotzig.
Ihr subjektiver Aufschrei aus der Kleinfamilien-Hölle
ließ in Schweden kaum jemand kalt: Nun ist die "Bitterfotze"
von Maria Sveland auch auf Deutsch erschienen,
in: Der Standard v. 22.03.
-
SCHÄFER, Frank
(2009): Muttermythen und Patriarchenväter.
In "Bitterfotze" seziert Maria Sveland maskuline
Unterdrückungsmechanismen,
in: Tip Nr.9 v. 16.04.
-
KÜMMEL, Anja (2009): Cheddar statt Schmeldkäse.
Nach den »Feuchtgebieten« kommt die »Bitterfotze«. Maria
Svelands Roman ist vordergründig feministisch, spricht sich
dann aber doch für das klassische Familienglück aus,
in: Jungle World
Nr.19 v. 07.05.
-
Neu:
RABE, Jens-Christian (2009): Große Erwartungen.
Warum der Geschlechterkampf gerade erst beginnt,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 18.05.
- Anmerkungen:
Jens-Christian RABE eröffnet den
Familienwahlkampf in der SZ. Er liest den Roman
"Bitterfotze" von Maria SVELAND als Bericht über den
Geschlechterkampf.
"Das
Konfliktpotential ist nach wie vor riesig, neu ist, dass
die Frauen der Auseinandersetzung immer weniger aus dem
Weg gehen",
meint RABE.
Betrachtet
man dagegen das neu erschiene Buch
"Das kleine Schwarze",
das sich als Handbuch für die Frau versteht, dann zeigt
sich, dass sich Frauen eher mit der Realität arrangieren,
statt auf Konfrontationskurs mit Männern zu gehen.
Bücher
wie die
"F-Klasse"
von Thea DORN zeigen zudem wie sich heutzutage die
Beilegung des Geschlechterkampfes vollzieht.
Im
hedonistischen Milieu kommt man ebenfalls zu anderen
Ergebnissen bei der Lektüre von "Bitterfotze":
"Was
lernt die Frau von heute daraus?
Flucht bedeutet eine Woche Pauschalurlaub auf Teneriffa.
Das Höchstmaß an Skandal und Auflehnung, wissen wir seit
»Feuchtgebiete«, sind unrasierte Achselhöhlen",
meint Anja KÜMMEL.
Wirtschaftskrisen waren noch nie gute Zeiten für einen
Geschlechterkampf.
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