"Eine Depression kann aus heiterem
Himmel kommen: Die Normalität kippt um in die Logik
des Nachtgängers. Auf einmal geht selbst ein vormals
im prallen Leben stehender Mensch wie Adrian Naef
auf der Schattenseite. Alles ist noch da; nichts
davon gilt mehr. Ein Spießrutenlaufen durch die
Hölle des Alltags beginnt. Panikattacken, Dämonen
und Gestalten von biblischem Ernst umzingeln den
Nachtgänger. Die Apokalypse vor Augen, beginnt ein
Seelenwinter, aus dem es keinen Ausweg zu geben
scheint: An Depression zu leiden zerreißt den
Zusammenhang mit allem, was einem vertraut und lieb
war. Kaum einer kann zum Leidenden vordringen,
Hilfsangebote bestätigen ihm nur, daß die Welt aus
den Fugen ist. Doch wo sitzt dieser Teufel – im
Therapeuten, im eigenen Verstand, in einem unsoliden
Detail der Lebensgeschichte?
Adrian Naef liefert ein eindringliches Protokoll
eines Kampfes mit einer schweren Depression."
Pressestimmen
"Vor allem stehen Naefs Notate indes in einer
literarischen Tradition der Schweiz. So wie das
kurze Kapitel über die Depression als
«Schweizerkrankheit» an Paul Nizons «Diskurs in der
Enge» (1970) erinnert, liest sich das ganze Buch
zumindest ein Stück weit als eine kritische Reverenz
an «Mars», den 1977 erschienenen autobiographischen
Bericht des latent depressiven und manifest
krebskranken Fritz Zorn. Die Gemeinsamkeiten
jedenfalls erschöpfen sich keineswegs im Umstand,
dass Adolf Muschg zu beiden Texten ein empathisches
Begleitwort verfasst hat. Die Autoren treffen sich
insbesondere in der Beschreibung der Diskrepanz
zwischen innerem Fühlen und äusserem Verhalten sowie
im Versuch, das eigene Leiden als Symptom einer
morbiden Gesellschaft zu verstehen. Anders als Zorn
hält sich Naef aber für sein weiteres Schicksal
selber verantwortlich, und er erteilt jeder Art von
Furor oder Selbstmitleid eine energische Absage."
(Gieri Cavelty in der Neuen
Zürcher Zeitung vom 15.05.2003)
"»Nachtgängers Logik« ist das Beste, was in
letzter Zeit zum Thema erschienen ist: auf einer
Höhe mit den autobiografischen Texten von Andrew
Solomon (»Saturns Schatten«), Piet C. Kuiper
(»Seelenfinsternis«) oder William Styron (»Sturz in
die Nacht«) – und in seiner gedankendichten
Leichtigkeit vielleicht sogar noch ein wenig höher.
"
(Gregor Dotzauer im Tagesspiegel
vom 01.06.2003)