Einführung
A. Zur Genese des Struktur-Kultur-Paradigmas
B. Interdependenz von Mikro- und Makroebene aus
handlungstheoretischer Perspektive
C. Entwicklungslinien der Familiensoziologie
(Exkurs)
I. Einleitung
II. Entwicklungslinien der familiensoziologischen
Forschung
1. Vorläufer der Familiensoziologie
2. Die Familie aus der Sicht der historischen
ideologischen Formationen
a) Die Familie in der konservativen Perspektive
b) Die Familienauffassung im Sozialismus
c) Die Familie aus der Sicht des Liberalismus
3. Die Konzeptionen Durkheims, Parsons und Königs im
Kontext der Familiensoziologie unseres Jahrhunderts
4. Zum heutigen Stand der Debatte
III. Rekapitulation
D. Soziodemographische Theorien zur Erklärung der
Fertilität (Exkurs)
I. Einleitung
II. Zur Entwicklung der soziodemographischen
Fertilitätsforschung
III. Mikrosoziologische Ansätze zur Erklärung
generativen Verhaltens und Handelns
1. Mikroökonomische Modelle der Fertilität
2. Sozialpsychologische und psychologische Modelle
der Fertilität
3. Mikrosoziologische Modelle der Fertilität
IV. Makrosoziologische und komplexe Ansätze
1. Das Konzept des Demographischen Übergangs
2. Fertilität im Prozeß der modernen
Verhaltensrationalisierung (Modernisierungstheorien)
3. Fertilitätsentwicklung im Industriesystem
4. Theorie der säkularen Nachwuchsbeschränkung
V. Rekapitulation
E. Der Zusammenhang Familie - Familienpolitik -
Fertilität in der soziologischen Diskussion (Exkurs)
I. Einleitung
II. Familienpolitik im Spannungsfeld zwischen
Familiensoziologie und Politikberatung
1. Familienpolitik, Bevölkerungspolitik,
Sozialpolitik (einige Begriffsbestimmungen)
2. Das Thema Familienpolitik in den "klassischen"
Familiensoziologen
3. Neuere Ansätze in der soziologischen
Familienpolitik-Forschung
4. Grundkonzepte für eine Theorie
familienpolitischer Interventionen
III. Rekapitulation
F. Eine soziologische Theorie des
familienpolitischen Diskurses
G. Überlagerung kultureller Faktoren - Primat der
Kultur und Sättigung struktureller Spannungen
H. Entwicklungen der Fertilität und ihrer
Komponenten sowie der Institution Familie im
langfristigen Prozeß
I. Der familienpolitische Diskurs: Zur Geschichte
und Wirkungsweise der Familienpolitik
J. Zusammenfassung und Ausblick
Zitate:
Familienpolitische Denkstile
"Im Verlauf der Modernisierung treten jeweils
besondere Strukturprobleme auf, auf die sich sowohl
einzelne Akteure wie auch Gruppen in all ihren
Handlungen beziehen. Gemäß Karl Mannheim begründen
die Bezüge zu konkreten Problemlagen bestimmte
Denkstile. Die These, die sich hier anschließt,
und auf welcher wir unsere empirischen
Untersuchungen aufbauen werden, besagt, daß je
nachdem, ob der Staat, die Familie
oder das Individuum im Brennpunkt des
kollektiven Denkens steht, sich drei fundamental
unterschiedliche Denkstile voneinander abgrenzen
lassen. Es sind dies die Denkstile des Etatismus,
des Familialismus und des Individualismus."
(S.204)
Familialismus - Definition
und Merkmale des familialistischen Denkstils
"Unter Familialismus verstehen wir ein
Verhältnis von Familie und Gesellschaft, das eine
weitreichende Isomorphie zwischen diesen beiden
sozialen Gebilden behauptet. Es handelt sich um
einen Denkstil, welcher die Gesellschaftsstrukturen
aus der Familienorganisation zu begründen versucht.
Daraus resultiert sein starkes Bedürfnis, politisch
gegen jegliche Destabilisierung der Familie
vorzugehen. Der familialistische Denkstil antwortet
auf einen makrostrukturellen Konflikt, der nicht
mehr im Klassenantagonismus zu finden ist, sondern
im Bedürfnis gründet, die erreichte Systemsicherheit
zu konsolidieren. Konservatismus vs.
Fortschrittsoptimismus kann als die zentrale
Konfliktlinie erkannt werden. Das politische Handeln
setzt im Unterschied zum Etatismus nicht mehr beim
Staat ein, sondern setzt die Familie in den
Brennpunkt politischen Agierens. Dominant scheint
die Zielvorstellung, Geborgenheit (Gemeinschaft)
zu realisieren. Ausdrucksform des Familialismus ist
die Unter-Schutz-Stellung der Familie - nota bene
einer Institution, welche das einzelne Individuum
über Normen ins familiale und indirekt ins
politische System integrieren möchte. Daraus erhellt
sich weiter auch das Interesse an horizontaler
Gerechtigkeit. Der Familienlastenausgleich
stellte die wohl wichtigste policy dar, aber auch
eine Zivilstandspolitik (die gezielt die Ehe
fördert) oder das Interesse an natalistischen
Strategien sind weitere familienpolitische
Arrangements, die wir letztlich dem Geist des
Familialismus verdanken." (S.209)
Individualistischer Denkstil
"Er setzt das Einzelindividuum ins Zentrum seiner
Betrachtungen sowie in den Brennpunkt politischen
Handelns und wehrt sich gegen Destabilisierungen des
Persönlichkeitssystems und ist bestrebt, durch die
Vergrößerung individueller Handlungsspielräume den
Einzelnen individuelle Sicherheit zu erwirken. Der
neue Denkstil stellt nicht nur die normativen Zwänge
der Parsonsschen Familie in Frage, sondern
intendiert vor allem auch die zunehmende Integration
der Frau ins Bildungssystem und ins Erwerbsleben.
Die Kritik an der alleinigen Gültigkeit einer
bestimmten Familienform, welche durch die Ehe
institutionalisiert wird, die Rationalisierung der
Familienplanung, aber auch der Drang hin zu
konsumistischen und hedonistischen Lebensweisen,
sind Epiphänomene dieses Wandels im politischen
Denkstil." (S.209f.)