"Einmal durch die
Republik, von Nord nach Süd: in
Christian Krachts Debütroman
Faserland berichtet der namenlose
Ich-Erzähler von SPD-Trotteln und
Nazi-Schweinen, von Partys und aus
Bars, von Himmelfahrtsnasen der
Mädchen und vom Kotzen mit Stil, von
der Schönheit der Leere und vom
plötzlichen Wunder des
Rauchringemachens. Alles ist dem
Erzähler klar, und gleichzeitig
entgleitet ihm alles. Der Verfall ist
ausweglos, Erlösung findet der
Erzähler nur durch seinen
komisch-melancholischen Plauderton.
Christian Kracht schreibt mit
Detailwut, in seinem Haß liegen
Humor und Schwermut. Das ist
außerordentliche Unterhaltung. In
seinem scheinbar leichten Erzählton,
der in Wirklichkeit sehr kunstvoll
gebaut ist, mit einer schnoddrigen
Trauer und mit einem manchmal
geradezu slapstickhaften Blick auf
die deutsche Provinzialität schreibt
Christian Kracht den Roman einer
Jugend, die sich ohne die klassischen
Auswege der Rebellion oder der
Anpassung dennoch nicht arrangieren
will."
Pressestimmen
"Wenn der 28jährige Sohn des ehemaligen
Generalbevollmächtigten von Axel Springer ein Buch
schreibt, ist ein bißchen Provokation Programm.
Hinzu kommt, daß der (Kracht sehr ähnliche) faule,
aber reichlich mit Geld versorgte Schnösel, aus
dessen Blickwinkel alles erzählt wird, jede
Links-Codierung seines Stilinventars aufgekündigt
hat; wer in den achtziger Jahren an die schöne Idee
einer romantischen Subversion der Verhältnisse im
Geiste des New-Wave-Dandyismus geglaubt hat, sieht
sich hier gezwungen, dem späten Zerrbild seiner
eigenen Jugend ins Auge zu sehen. Mehr noch: Ein
»eigentlich« veralteter Typus, ein popperhafter
Wet-Gel-User und Barbourjackenträger, behauptet sich
als Modell der Stunde, indem er noch die wackeren
Versuche problembewußter junger Leute von heute, das
Soziale wiederzuentdecken, die Verdammten dieser
Erde zu verstehen und Hiphop als Musik der Stunde zu
theoretisieren (»die echte Auflehnung und so
weiter«, heißt das verächtlich bei Kracht), als
Sinnsuche von Spießern denunziert."
(Thomas Groß in der TAZ vom
23.03.1995)
"Man könnte manches einwenden gegen dieses Frühwerk
eines Begabten, das nicht zuletzt den Prinzipien
eines ordentlichen Roadmovie folgt, und dessen
Urheber um Originalität nicht sonderlich besorgt
scheint. Jedoch kann man dem Roman auch einiges
zugute halten: liefert er doch eine erfrischende,
vermutlich sogar authentische Darstellung bestimmter
Verhältnisse hierzulande, von denen man sonst bloß
in Illustrierten liest."
(Jamal Tuschick im Rheinischen
Merkur vom 24.03.1995)
"Krachts
Verzweiflung ist ziellos, und das macht seinen Hohn
moralisch erträglich. Was aber, wenn dieser
verwöhnten und hochnäsigen Enkelgeneration plötzlich
ein Sinn einleuchtet? Dann Gnade uns Gott."
(Gustav Seibt in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung vom 22.05.)