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Peter Gross: Die Multioptionsgesellschaft

 
       
     
       
     
       
   

Peter Gross in seiner eigenen Schreibe

 
   

GROSS, Peter (1991): Solitäre Enklaven. Zur Soziologie des Nicht-Sozialen. In: VETTER (Hg.) Muster moderner Lebensführung. Ansätze und Perspektiven, Weinheim/München: Juventa, S.379-406

Die Alleinreisenden - Eine erste Bestandsaufnahme zu einem vernachlässigten Thema

GROSS, Peter (2001): Gesellschaft X.
Nicht nur was die Börse betrifft, muss man derzeit mit ziemlichen Ungewissheiten leben,
in: St. Galler Tagblatt v. 01.05.

Das Gemeinsame aller Zeit- und Gegenwartsdiagnosen ist für den Soziologen GROSS der

"historischen Bruch der Gegenwart mit der Vergangenheit. (...) An Begriffen wie Traditionsverlust und Orientierungslosigkeit wird dieses Kapitel der Moderne manchmal mit einem weinenden (als Verlust), manchmal mit einem lachenden Auge (als Emanzipiertheit) umschrieben. Herausgefallen aus dem gemachten Bett der Vergangenheit erwacht das Ich und friert oder aber freut sich! Dieser Vorgang ist als Individualisierung und Flexibilisierung manchmal kritisch (wie von Richard Sennett), manchmal optimistisch (wie von Ulrich Beck oder Anthony Giddens) unter die Lupe genommen worden. Oder rabenschwarz wie von Michel Houellebecq, einem derzeit in Feuilletons zu Recht die Kür machenden Kultautor aus Frankreich. Das Ich, so Houellebecq, schwebt abgetrennt von seinen Herkünften orientierungslos im leeren Raum und versucht, wie im den Zeitgeist grandios aufnehmenden Roman »Elementarteilchen« (1995) beschrieben, sich wie ein ungesättigtes Molekül mit Produkten und Menschen zu verbinden. In Büchern wie «Soloing» von Harriet Rubin oder «Ich-AG» vom Tom Peters herrscht derzeit freilich eine weniger schwermütige Atmosphäre (...) Nicht alle können oder wollen sich aber in eine Ich-Unternehmung verwandeln. Einige Autoren, prototypisch etwa Gerhard Schulze in seiner «Erlebnisgesellschaft», rücken denn auch die Frage in den Vordergrund, in welcher Weise das freigesetzte Individuum der Neuzeit Sinn, Glück oder, einfacher, einen Platz im Leben finden könne."

GROSS, Peter (2001): Entfesselte Welt,
in: St. Galler Tagblatt v. 10.10.

GROSS, Peter (2001): Grauer aber bunter,
in: Zürcher Zeitung v. 10.11.

Peter GROSS kritisiert die Einseitigkeit der Argumentation von Bevölkerungspolitikern:

"der Anteil der Älteren wird steigen. Dieser Prozess lässt sich (...) auch mit erhöhter Einwanderung und steigenden Geburtenraten nur kurzfristig bremsen. Denn die Migranten und die künftig geborenen Kinder werden im Zug der allgemein erhöhten Lebenserwartung auch wieder älter als ihre Grosseltern und Eltern. Eine steigende Geburtenrate wirkt wie ein Kettenbrief und führt dazu, dass jede folgende Generation mehr belastet statt entlastet wird.
Übersehen wird außerdem meist, dass eine Erhöhung der Geburtenrate zunächst eine Erhöhung der Ausgaben für Kinder und Jugendliche nach sich zieht. Diese tragen in den ersten zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren nichts zur Finanzierung des Alters bei. Sie zehren ebenfalls von öffentlichen Ausgaben, sei es in Form von Kinder- und Familiengeld, sei es durch Bildung und Ausbildung. Die Renten sind daher leichter zu finanzieren, wenn der Anteil des Bruttosozialprodukts, der an Kinder geht, kleiner wird. Das ist mithin der Fall, wenn es weniger Kinder gibt. Dies gilt es, wenn immer der Ruf nach gezielter familienpolitisch sekundierter Steuerung der Geburtenraten laut wird, zu beachten."

GROSS fordert deshalb eine neue Sicht auf das Alter.

Die Gesellschaft der Langlebigen - Eine Herausforderung für Individuum und Politik. Nichts weniger als eine kopernikanische Wende ist notwendig!

GROSS, Peter (2003): Pop-Soziologie? Zeitdiagnostik in der Multioptionsgesellschaft. In: PRISCHING, Manfred (Hg.) Modelle der Gegenwartsgesellschaft, Wien: Passagen Verlag, S.33-65

Neu:
GROSS, Peter (2009): Gewonnene Solidarität zwischen den Generationen.
Die unterschätzten Vorteile einer Gesellschaft mit weniger Kindern,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 04.08.

Peter GROSS kritisiert den Begriff "Unterjüngung", den Otfried HÖFFE in seinem Artikel zur Überalterung benutzt hat, und dessen Ideologie single-generation.de bereits am Tag der Veröffentlichung des Artikels kritisiert hatte.
 
       
   

Peter Gross im Gespräch

 
   

PONGS, Armin (1999): Peter Gross - Die Multioptionsgesellschaft,
in:
In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? Gesellschaftskonzepte im Vergleich, Band 1, München: Dilemma Verlag

J.O. (2003): Wenig Geburten: Anlass zu Alarm?
Die tiefe Geburtenrate in der Stadt St. Gallen - Ein Gespräch mit dem HSG-Soziologen Peter Gross,
in: St. Galler Tagblatt v. 25.02.

Peter GROSS, der Theoretiker der Multioptionsgesellschaft, sieht die niedrige Geburtenrate der Schweizer gelassen. Er fordert die Entstigmatisierung des Alters.

"Tiefe Geburtenzahlen, sie beschäftigten die Schweiz schon vor 60 Jahren. Im Juni 1941 widmete die eben erst gegründete Kulturzeitschrift «Du» ihre vierte Nummer dem Thema: «Kinderfeindliche Schweiz»", merkt J. O. an.

 
       
   

Glücksfall Alter (2008).
Alte Menschen sind gefährlich, weil sie keine Angst vor der Zukunft haben
(zusammen mit Karin Fagetti)

Freiburg i/Br: Herder Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Wir alle werden immer älter - ein Glücksfall für unsere Gesellschaft, denn Alter hat Zukunft! Peter Gross, Mitte 60, und Karin Fagetti, Anfang 40, setzen den gängigen Katastrophenszenarien neue Denkmöglichkeiten entgegen: Stil statt Fummel. Lustvoll älter sein statt Jugendwahn. Konzentration statt Verzettelung. Erotik statt Viagra. Ein radikaler Blickwechsel also, und eine positive, zugespitzte Antwort auf die »demografische Frage«. Wer redet uns eigentlich ein, dass weniger junge Menschen ein Problem sind? Wer will wissen, was Menschen bei Alzheimer wirklich empfinden? Wer sagt, dass der Horizont der Endlichkeit nur Schrecken birgt? Wichtig ist nur: Nicht abwarten, was das Alter mit uns macht, sondern es selber leben und neu erfinden - das Manifest für einen radikalen Blickwechsel."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Premierenangst
2. Alzheimers Segen?
3. Viagra oder was man vom Papst lernen kann
4. Mehr Liebe für weniger Kinder
5. Oma trägt Prada oder auch gar nichts
6. Hungerrentner und Sinnhunger
7. Arbeiten bis hundert
8. Last der Alten und der Jungen
9. Wohngemeinschafts-Träume
10. Geordneter Rückzug
11. Demografische Abrüstung
12. Freund Hain
13. Dem Tod zuvorkommen. Sterbehilfe
14. Gewonnene Zeit. Für Paare. Für alle
15. Halbfertiges Drehbuch

Das Drehbuch des Alters neu schreiben. 15 Thesen

Zitate:

Schreckgespenst "Versingelung" und was davon zu halten ist

"Selbsternannte Propheten erheben den Zeigefinger und nehmen die sogenannte »Versingelung« der Gesellschaft zum Anlass, nicht nur den biologischen GAU, den kollektiven Selbstmord unserer Bevölkerung zu beklagen, sondern auch den sozialen Kältetod. Insbesondere Deutschland sei ein Eisschrank geworden. Denn unsere Beziehungen würden durch die statistische Verkleinerung der Familien ausgedünnt und minimiert. Ihre Gleichung: Weniger Kinder = weniger Liebe, weniger Empathie und Fürsorge. Unsere Gesellschaft sei nicht nur kinder-, sondern auch herzlos.

Gewiss nimmt in einer Welt mit kleineren Familien die mögliche Zahl von Geschwisterbezügen ab. Wer nur noch eine Schwester oder einen Bruder hat, hat mathematisch nur einen geschwisterlichen Blutsbezug, wie Frank Schirrmacher sagen würde, der eine entsprechend heftige Anklage gegen die kinderlose Gesellschaft erhoben hat. Aber nimmt damit auch die Empathie, die Zuneigung oder Liebe ab? (...). Die Zuneigung steigt nicht parallel zur Anzahl der Geschwister. (...).

Bei weniger Kindern fällt dem einzelnen nicht nur mehr Liebe zu. Auch die Generationenbeziehungen, gerade die verwandtschaftlichen, werden automatisch gestärkt. Die wenigen Kinder kennen nicht selten noch alle Großeltern und mindestens einen Teil der Urgroßeltern."
(2008, S.44f.)

Alten- und Jungenlast müssen zusammengedacht werden

"Die Ökonomen rechnen, die Statistiker auch, die Sozialwissenschaftler nicht minder. Dies führt dazu, dass die Alten am Schluss sorgenvoll sich selbst wegrechnen. (...) Nach der Wende hat man in Deutschland die Aussage kolportiert, dass der Sozialismus an der Tatsache zugrunde gegangen sei, dass er nicht rechnen könne. Der Kapitalismus hingegen werde zugrunde gehen, weil er nur noch rechnen könne.

Exakt diesen Eindruck hat man angesichts der häufig geradezu hysterisch anmutenden Sorgen, die man sich in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich über die ökonomischen Folgen der demografischen Entwicklung macht. In einer beunruhigenden Weise macht sich ein nur in ökonomischen Kategorien rechnender Materialismus breit."
(2008, S.95)

Kurzsichtig "ist die dramatische Gegenüberstellung von Erwerbstätigen und Rentnern. Zurzeit stehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz einer Person im Rentenalter vier erwerbsfähige Personen gegenüber. In den nächsten Jahren wird sich dieses Verhältnis in der Tat zuungunsten der Erwerbstätigen verändern. Längerfristig aber wird, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge in die Erwerbsfähigkeit hineinwachsen, auch die Zahl der Personen im Erwerbsalter sinken. Und schließlich auch wieder die Zahl der Rentner.

In der einzigen uns bekannten, genaueren Studie zu diesem Thema, durchgeführt von Walter Bien im Auftrag des Deutschen Jugendinstituts, wird ausgeführt: (...). »Die künftig geborenen Kinder werden - im Zuge der allgemein erhöhten Lebenserwartung - älter als ihre Großeltern und Eltern. Um die damit steigende Belastung, die sie im Alter für die ihnen nachfolgende Generation darstellen, auszugleichen, müssen noch mehr Kinder geboren werden, was die erwerbstätige Bevölkerung noch weiter belasten wird. Eine steigende Geburtenrate ist also nicht die Lösung des Altersproblems, sondern bewirkt als eine Art Kettenbrief, dass jede folgende Generation von Erwerbstätigen mehr und mehr be- statt entlastet wird.« (...).

Vielleicht ist es übertrieben - wie es der kürzlich verstorbene Frankfurter Soziologe Karl Otto Hondrich getan hat -, den Fall der Geburtenrate als Glücksfall zu bezeichnen. Das Wortspiel jedenfalls ist hübsch. Und die Essenz stimmt: Sie richtet sich gegen jedwede Gebär-Apelle von Politikern, gegen die Natalisten, die sich durch eine Wiederherstellung der alten Bedingungen vor einer Reform der Sozialversicherungen drücken wollen. Und sie bringt zum Ausdruck, dass die Kinderzahl und die daraus resultierende Reproduktionsquote das Ergebnis von millionenfachen freien, oder sagen wir vorsichtig: mehr oder weniger freien Entscheidungen von jungen Paaren ist, Kinder zu haben oder auf Kinder zu verzichten. Das Resultat also eines in den letzten Jahrzehnten erst errungenen Grades der freien Gestaltung der Familie."
(2008, S.97ff.)

15 Thesen zur Gesellschaft der Langlebigen

"1. Freude am weißen Blatt.
(...).
2. Keine alten Antworten auf neue Herausforderungen.
Die Bevölkerungsentwicklung ist das Resultat freier Entscheidungen. Und es ist ein Segen, dass wir in gut einem Jahrhundert zwei Jahrzehnte Lebenszeit gewonnen haben. Es ist eine großartige Errungenschaft moderner Gesellschaften, dass Paare selbst darüber bestimmen können, ob und wann sie Kinder haben wollen. Rückerstattungsanträge auf vormoderne Gesellschafts- und Familienstrukturen führen in eine Sackgasse.
3. Die »Altersurne« ist menschenfreundlicher als die Alterspyramide.
Die demografische Struktur ist weder von Natur aus noch von der Vergangenheit her vorgegeben. Es gibt keine verzerrte Altersstruktur. Bei genauerem Hinsehen ist die klassische Alterspyramide mit breiter Basis an Kindern sogar eine mörderische Struktur.
4. Alterskrankheiten öffnen Sinnfenster.
(...).
5. Sexualität ist nicht die Essenz einer Liebesbeziehung.
(...). Liebe ist und wird - gerade durch die verlängerte Lebenszeit - auch und vor allem freundschaftliche Hingabe. Alte dürfen alles und können vieles. Auch sich zum nachlassenden Interesse an der Sexualität bekennen.
6. Weniger Kinder bedeuten mehr Liebe.
Weniger Kinder bedeuten nicht weniger, sondern mehr Liebe. Und weniger Kinder erhöhen nicht nur die Erb-, sondern auch die Zuneigungsquote - und das immer häufiger über vier Generationen hinweg. Auf weniger Kinder ist mehr Verlass, weil sie sich in der Regel auf ihre Eltern verlassen konnten. Und: Auf Blut und Boden beruhende Gemeinschaften sind nicht die einzigen Fundamente für die Gesellschaft von morgen.
7. Weniger Jugendliche heißt: weniger Druck, weniger Gewalt.
(...).
8. Jugendwahn ist jugendlich verpackter Alterswahn.
(...).
9. Es gibt einen Hunger nach Sinn, nicht nach Nahrung.
(...).
10. Alte Menschen sollen länger, aber auch anders arbeiten.
(...).
11. Alle zahlen für alle.
Nicht die Jungen zahlen für die Altern. Sondern die Erwerbstätigen zahlen für die Alten und für die Jungen. Es gibt eine Alters- und eine Jugendlast. Mehr Kinder bedeuten mehr Ausgaben für Kinder - die dann auch wieder älter werden. Damit das Problem nicht in die Zukunft verschoben wird, ist diese Last auf mehr Schultern zu verteilen, und Bildung und Weiterbildung müssen auch den Alten zugutekommen.
12. Gemeinsam alleine wohnen ist besser als Alters-WG.
(...). Was nottut, ist eine Erhöhung der Mobilität zwischen befreundeten Menschen. Und der Ausbau der entsprechenden Krankenhaus- und heimexternen Dienstleistungen.
13. »Wu wei« statt Jugendträume.
(...).
14. Im Sterben sollten wir auf das Leben vertrauen.
(...).
15. Wir müssen das Alter neu erfinden - als Mann, als Frau, als Politiker."    

 
     
 
       
   

Rezensionen

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Die Multioptionsgesellschaft (1994)
Frankfurt: Suhrkamp

 
   
     
 

Peter Gross über die Multioptionsgesellschaft

"Nicht alle können oder wollen sich (...) in eine Ich-Unternehmung verwandeln. (...).
Immer mehr Möglichkeiten und immer weniger Gewissheiten. Dieser Punkt steht in der von mir verfassten »Multioptionsgesellschaft« im Vordergrund. Die kolossale Vervielfältigung der Optionen in allen Lebensbereichen, von der Badewanne über die Brillenfassungen (18 700 sind an der Bahnhofsstrasse 83 in Zürich zu besichtigen) bis hin zu den Möglichkeiten, Partnerschaften einzugehen oder mittels Reproduktions- und Gentechnologien auf weniger archaische Art als Boris Becker Kinder zu bekommen, zeugt von einer Entfesselung und Freisetzung von Kräften, die in vormodernen Kulturen mit starren Gewissheiten undenkbar waren. Ganz zu schweigen von den seitenweise in die Zeitungen gerückten Kontaktinseraten! Erinnern wir uns noch, dass wir in unserer Kindheit, in katholischen Elternhäusern, unsere Gedanken und Phantasien zu disziplinieren und zu beichten hatten. Das Internet mit dem von ihm eröffneten Cyberraum ist lediglich der modernste Ausdruck der Multioptionsgesellschaft."
(aus: St. Galler Tagblatt vom 01.05.2001)

     
 
       
   

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Peter Gross im WWW

www.petergross.ch
 
   

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Update: 07. November 2014