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Katharina Rutschky: Der Stadthund

 
       
     
       
     
       
   

Nachrufe zum Tod von Katharina Rutschky

 
   

Neu:
JÄHNER, Harald & Sabine VOGEL (2010): Und kochen konnte sie auch noch.
Zum Tod der Publizistin Katharina Rutschky,
in: Berliner Zeitung v. 15.05.

NUTT, Harry (2010): Die Aufklärerin,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.01.

SCHMID, Thomas (2010): Eine fröhliche Linke,
in: Welt v. 16.01.

OESTREICH, Heide (2010): Der weibliche Souverän.
Sie war maliziös, zeigte zugleich Humor und Selbstironie. Schon darin unterschied sie sich von beleidigten Herren und verbissenen Feministinnen,
in: TAZ v. 16.01.

FEDDERSEN, Jan (2010): Die Bezaubernde Intellektuelle.
Sie ist die einzige linke Intellektuelle, deretwegen Veranstaltungen abgesagt werden mussten - weil man sie mit Gewalt bedrohte,
in: TAZ v. 16.01.

KNIPPHALS, Dirk (2010): Die pädagogische Dramaturgin.
Sie gab der Unübersichtlichkeit des Lebens gegenüber der Abstraktion den Vortritt. Das machte sie innerhalb der 68er-Generation zu etwas Besonderem,
in: TAZ v. 16.01.

 
       
   

Katharina Rutschky in ihrer eigenen Schreibe

 
   

RUTSCHKY, Katharina (2000): Endlich im siebten Himmel.
Hera Lind - Analyse eines Erfolgsmodells,
in: Welt
v. 15.04

Infos zu: Hera Lind - Autorin der Single-Generation

RUTSCHKY, Katharina (2000): Es ging um die Kühltruhe.
Was von 1968 bleibt, ist nur die Liberalisierung des gesellschaftlichen Lebens. Wolfgang Kraushaar sieht das anders,
in: Welt v. 30.12.

Rezension des Buchs 1968 als Mythos, Chiffre und Zäsur von Wolfgang Kraushaar.

RUTSCHKY, Katharina (2001): Samstags gehört Mutti mir.
Barbara Vinken wünscht sich die deutsche Mutter katholischer, republikanischer, berufstätiger,
in: Berliner Zeitung v. 26.05.

RUTSCHKY, Katharina (2003): Wertherzeit.
Der Poproman - Merkmale eines unerkannten Genres,
in: Merkur, Februar

Die Zeit der Abgesänge auf die Popliteratur ist längst vorbei und die Literaturwissenschaft beschäftigt sich bereits mit diesem historischen Phänomen. Katharina RUTSCHKY stört das wenig. Sie verteidigt den Poproman am Beispiel von Benjamin von STUCKRAD-BARREs Soloalbum, Christian KRACHTs Faserland und Alexa Hennig von LANGEs Relax gegen seine Verächter aus der Hochkultur. In Jacob HEILBRUNN sieht sie einen Wiedergänger von Siegfried KRACAUER, der im Jahre 1932 im Aufsatz Zur Produktion der Jungen u.a. Klaus MANN "Zum Kotzen" fand.

RUTSCHKY, Katharina (2003): Sweet Little Sixteen.
Der erste aller Popromane in einer neuen Übersetzung: Jerome D. Salingers "Der Fänger im Roggen",
in: Tagesspiegel v. 06.04.

RUTSCHKY hat im MERKUR gerade den Poproman als unerkanntes Genre beschrieben. Dort firmierte GOETHEs Werther als Urbild des Popromans. Dort stellte sie die Behauptung auf:

"die Popliteratur konzentriert sich auf den Abschied von der unschuldigen Kindheit und den Eintritt in die Welt der Erwachsenen, die eine Welt der Schuld ist".

An der Übersetzung von Fänger im Roggen kritisiert RUTSCHKY erstens, dass Holden - für eine Gymnasiastenprosa - nicht elitär genug geraten sei und zweitens sich Holden bestimmt nicht hippiemäßig angebiedert hätte, weswegen sie lieber das distanzierte SIE bevorzugt hätte.

Katharina RUTSCHKY erregt sich über den Popjournalismus, der ihr die morgendliche Freude an der Zeitung verdirbt. Man erwartet aber als Leser vergeblich eine Kritik am Popjournalismus, sondern erstaunt wird zuerst Wilhelm HEITMEYER ("Sendungsbewußtsein in puncto rechtsradikaler männlicher Jugendlicher aus dem Milieu des moralisch zerfallenden Proletariats") abgewertet, danach die Quotenfeministinnen. Mit einem Umweg über den eigenen Großvater wird dann endlich der Hauptpunkt erreicht: die etwas verspätete Verteidigung Gerhard SCHRÖDERs gegen seine Kritiker, z.B. Harald JÄHNER und Gustav SEIBT. Beides wahrlich keine Popjournalisten. Mit den Avantgardisten von 1980 soll also der dröge SEIBT gemeint sein?

Nach dieser unbefriedigenden Rätselauflösung lobt RUTSCHKY den neoliberalen Kulturpessimisten und Besitzstandwahrer Meinhard MIEGEL:

"Anders als die affektgesteuerte mittlere Generation operiert der Politikberater (...) mit harten Fakten und Zahlen, die das Desaster unseres Sozial- und Wohlfahrtsstaats nüchtern beleuchten".

Auf das dann folgende Wörtchen "sollen" kommt es besonders an, denn "unterm Strich (bleibt) der Eindruck einer Panikmache ohne Perspektive". Leider hat die Generationsgenossin RUTSCHKY auch nicht mehr zu bieten. Statt der nationalistischen Sorge über die Bevölkerungszahl hat sie nur die ebenso perspektivlose These vom Geburtenrückgang als Ausdruck der "Traumatisierung einer Gesellschaft von Tätern und untätigen Zuschauern (»bystander«)" zu bieten.  

RUTSCHKY, Katharina (2003): Eiserne Ladys.
Was ist mit dem Feminismus los? Das Leistungsprinzip verdrängt den Glauben an Frauenförderung und Quotenschutz,
in: Weltwoche Nr.36 v. 04.09.

"»Tristesse Royale« setzte den Trend zu einem neuen Typ politischer und kultureller Reaktion, der sich am jüngsten Buch von Joachim Bessing gut studieren lässt", schreibt Katharina RUTSCHKY über das Buch Rettet die Familie!. Weiter erläutert die Rezensentin den Unterschied zum Konservatismus:

"von den Konservativen unterscheidet er sich durch die Einsicht, dass das gelobte Land der Restauration nicht durch das Einlegen des Rückwärtsgangs erreicht werden kann, sondern nur durch den Marsch quer durchs Tal der Tränen. Hohe Scheidungsquoten, niedrige Geburtenziffern und anderes mehr sollen nicht mit moralischen Argumentationen, geschweige denn sozialpolitischen Maßnahmen korrigiert werden, sondern in einem dezisionistischen Akt , der mit den Komplikationen des modernen Beziehungslebens aufräumt."

RUTSCHKY bescheinigt dem Stiefvater BESSING (seit 2002 mit der Popliteratin Alexa von HENNIG-LANGE verheiratet) einen heroischen Ausweg, der in der Ästhetisierung des Sozialen liege.

RUTSCHKY, Katharina (2004): Mein wunderbarer Waschsalon,
in: Welt v. 16.04.

RUTSCHKY, Katharina (2004): Ja zum Doktor, nein zu Kindern,
in: Welt v. 30.04.

Noch ein Nachtrag zum Mythos der kinderlosen Akademikerin. RUTSCHKY möchte das Problem vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus debattiert haben:

"Es ist doch auffällig, dass Deutschlands niedrige Geburtenquote in Ländern wie Italien, Spanien, Griechenland, Österreich und inzwischen auch Portugal Parallelen hat - bei allen kulturellen Unterschieden samt und sonders Länder, die wie wir die Erfahrungen von Krieg, Bürgerkrieg und Diktatur machen mussten. So viel Gewalt muss den Lebensnerv von Generationen beschädigt haben. Schuldzuweisungen und Panikmache sind die schlechtesten Mittel, ihn wieder hochzupäppeln."

Parallelen sieht man jedoch nur, wenn man die Geburtenraten traditionell berechnet. David A. COLEMANN hat jedoch im aktuellen Heft des pro familia magazins viel differenziertere Erkenntnisse vorgelegt. Die Entwicklung in Ländern wie Italien, Spanien und Österreich ist anders verlaufen wie in Deutschland. Wer den dramatischen Geburtenrückgang in den neuen Bundesländern ausblendet, wer überhaupt die Zweiteilung Deutschlands ignoriert, der kann nicht erwarten, dass seine Überlegungen die Wirklichkeit in Deutschland einfangen können.

RUTSCHKY, Katharina (2004): Keine Frau ist für Abtreibung.
Aber das Recht dazu ist eine Frage der Menschenwürde - eine Antwort auf Kardinal Meissner,
in:
Welt v. 05.05.

RUTSCHKY, Katharina (2004): Heiraten,
in:
Welt v. 07.05.

Katharina RUTSCHKY u.a. über das Alleinerziehen in Zeiten der Debatten um den Sozialmissbrauch:

"Kein vernünftiger Mensch dürfte heute noch heiraten. Jede intime Lebensabschnittsbegleitung wird gesellschaftlich allüberall akzeptiert. Geheiratet wird aber trotzdem, womöglich sogar zunehmend von Leuten, die einem vor zehn oder zwanzig Jahren noch erklärt hätten, dass sie den Staat aus ihren Liebesbeziehungen raushalten wollten. Es gab auch einen gewissen Kult im Dunstkreis des Feminismus um allein erziehende Mütter, die nicht auf Erzeuger, wohl aber auf Väter zu verzichten schienen, weil Männer sich ans Patriarchat klammerten.
Vorbei! Allein Erziehende belasten heute die Statistik, wo es um Armut geht und die Sozialarbeit gefragt ist. Heute wird geheiratet, und mit Lust, weil der amtliche Akt einer Partnerschaft den romantischen Kick der Überhöhung und des unabsehbaren Abenteuers gibt: auf ewig angelegt, für gute und für schlechte Zeiten.
"

RUTSCHKY, Katharina (2004): Männer, Frauen und Hormone,
in: Welt v. 01.10.

RUTSCHKY, Katharina (2006): Alles Schlampen außer Mutti.
Mit den Aposteln der demografischen Apokalypse erlebt die Biopolitik in Deutschland eine Renaissance. Mehr deutsche Kinder für einen vitalen Volkskörper, so lautet ihr Credo. Eine Abrechnung mit dem Neokonservatismus der Chattering Class,
in: TAZ v. 23.03.

Katharina RUTSCHKY möchte für Kriegskinder - wie sie selber (zwischen 1929 und 1945 geboren) - mildernde Umstände bezüglich des Geburtenrückgangs geltend machen. Dies hatte bereits Judith KLEIN getan. Mit ihrer Vermutung,

"dass jeder Auftritt von Schirrmacher im Fernsehen, ganz genauso wie einer von Familienministerin von der Leyen, die Geburtenrate weiter senkt wie die sorgenvolle Debatte überhaupt"

liegt sie mit der hier vertretenen These von der Single-Lüge im Einklang.

RUTSCHKY, Katharina (2006): Im kranken Volkskörper steckt eine verletzte Seele.
Katharina Rutschky sieht in der Debatte um die Biopolitik das Symptom einer Hysterie, die ihre tiefste Ursache in den deutschen Traumata des 20. Jahrhunderts hat,
in: Welt am Sonntag v. 26.03.

Katharina RUTSCHKY fordert einerseits mildernde Umstände für ihre 68er-Generation, andererseits trägt sie zur sozialpolitischen Demagogie bei, indem sie sich an der Dramatisierung der Geburtenentwicklung mitschuldig macht. Man muss den Eindruck bekommen, da will jemand nur seine eigene Haut retten, und lässt deshalb gleichzeitig die jüngeren Generationen im Stich. Die Rede vom deutschen Sonderweg ist absurd, angesichts der Tatsache, dass die Geburtenrate der Schweden genauso wenig bestandserhaltend ist als jene der Deutschen. 

RUTSCHKY, Katharina (2006): Kein Geld, keine Ideen.
"Bündnis für Erziehung": Werte als Mauersteine gegen Zukunft,
in: Frankfurter Rundschau v. 22.04.

"Das Elterngeld ist als kleines Projekt (...) geeignet, Licht auf die politischen Verhältnisse zu werfen. Schöne Bilder gab es von der Amtsübernahme von Renate Schmid zu Ursula von der Leyen. Als ob man sich einig gewesen wäre, jenseits der Parteien, zugunsten der Frauen, der Kinder und Familien tätig gewesen zu sein und weiter zu werden. Was für einer Täuschung man da erlegen ist, hat von der Leyen nun mit ihrem »Bündnis für Erziehung« klar gemacht", meint Katharina RUTSCHKY.

RUTSCHKY, Katharina (2008): Ein Schritt vom Wege...
Alexa Hennig von Lange legt mit "Risiko" einen Thriller vor, der mit dem aktuellen Familienmodell abrechnet,
in: Frankfurter Rundschau v. 01.02.

"Originell ist an diesem Thriller, bei aller Treue zum Genre, welche Anregungen Hennig von Lange aus ihrem Konservatismus bezieht. Schaut man im Vordergrund auf eine Familien- und Eheproblematik, wie sie nach 68 für normal gehalten wird, weisen die Katastrophen des Thrillers auf eine altmodische Wertewelt. Da, so die implizite Botschaft, hätte das alles nicht passieren können! Diese Kombination von Realismus und Nostalgie hat die Autorin zu Einfällen inspiriert, die man in sentimentaleren Abrechnungen mit dem Mutter-Vater-Kind-Modell niemals finden wird", meint Katharina RUTSCHKY.
 
       
   

Katharina Rutschky und die Debatte um das Buch "Manieren" von Asserate

 
   

RUTSCHKY, Katharina (2003): Was eine rechte Dame werden will.
Der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate erklärt den Deutschen, was "Manieren" sind,
in: Tagesspiegel v. 21.12.

"Der Autofahrer, der Single, der Nachbar, der Erwachsene im Umgang mit der neuen Jugend oder das geschiedene Ehepaar, kurz alle, die in einer demokratischen, alters-, geschlechter- oder sonst von konventionellen Hierarchien nicht mehr geregelten Welt leben, haben von diesem Buch wenig zu erwarten", klärt Katharina RUTSCHKY auf.

RUTSCHKY, Katharina (2004): Manieren sind Glückssache.
Die ganz andere Bibliothek: Wer hat das Benimm-Buch des Prinzen geschrieben? Und warum muss die "Anonyma" anonym bleiben?
in: Tagesspiegel v. 24.01.

Katharina RUTSCHKY, die dem Manieren-Buch nichts abgewinnen konnte, sieht in Martin MOSEBACH den eigentlichen Verfasser des Buches:

"Kennern und Bewunderern des Werks von Martin Mosebach waren in dem Erfolgsbuch »Manieren«, als dessen Autor ein äthiopischer Prinz genannt wird, erstaunliche Parallelen aufgefallen. Verblüfft hörte man auf Nachfragen, dass die eigentliche Autorschaft doch ein offenes Geheimnis sei und der Frankfurter Schriftsteller Mosebach (»Der Nebelfürst«) ein alter Freund des Prinzen Asfa-Wossen Asserate. Ein herrlicher Jux fanden manche, der den tristen Alltag so manches Großfeuilletonisten erfreulich belebt – zumal der Prinz nun auch noch den Chamisso-Preis erhalten soll.
Ein zynisches, wenn auch lukratives Spiel finden andere, mit der Gutgläubigkeit des Publikums, das ohne den Hype um den äthiopischen Frontmann das Buch wohl kaum zum Bestseller gemacht hätte.
"

VOGEL, Sabine (2004): Freundschaftsdienste.
Der Bestseller des Prinzen Asserate und die Manieren des Literaturbetriebs,
in: Berliner Zeitung v. 02.02.

Was passiert eigentlich, wenn man ein Thema lancieren möchte und keinen passenden Autor hat? Man beherzigt das moderne Prinzip der Arbeitsteilung: einer schreibt das Buch, der andere präsentiert es politisch korrekt in der Öffentlichkeit. Ghostwriter gibt es in allen Bereichen. Authentizität ist oberstes Gebot, notfalls muss sie künstlich erzeugt werden. Imagedesigner sorgen dafür, dass Bild und Werk optimal aufeinander abgestimmt sind. Wir wissen natürlich nicht, wie es sich im Falle des äthiopischen Prinzen und seines Bestsellers Manieren verhält. Wir wollen es auch gar nicht wissen!

Wir glauben längst nicht mehr an Authentizität. Wir interpretieren nur noch Oberflächen und dabei liegen wir sicherlich genau richtig. Hinter dem schönen Schein gähnt die Leere, die einmal Gott ausfüllte. Für manche war das auch ganz in Ordnung. Sabine VOGEL berichtet nun darüber, weshalb im Feuilleton der so genannten Qualitätszeitungen z. Z. über ein Gerücht debattiert wird und wie es dazu überhaupt hatte kommen können. VOGEL plaudert sozusagen aus den Nähkästchen der Kultureliten. Was für die Nicht-Eliten die Yellow Press ist, das ist für die neue Möchtegern-Elite mit Hang zum Niveaumilieu das einstige "Hochfeuilleton". Bei diesem Klatsch handelt es sich um das, was die taz auch "taz zwei" nennt oder woanders mit Boulevard tituliert wird. Wer sich also für das Klatschsystem des Feuilletons interessiert, für den ist das interessant, was VOGEL so schreibt. Bei Alphons SILBERMANN erfährt man dagegen Näheres über die Funktion von Klatsch in jenen Situationen, die nun wieder modern werden. Für alle anderen reicht es vollkommen, wenn sie wissen, warum ein Buch wie Manieren gerade jetzt gebraucht wurde. Welche Rolle Gustav SEIBT, Katharina RUTSCHKY, Martin MOSEBACH und Hans Magnus ENZENSBERGER (hat in der FAZ v. 27.01. die "Boulevardinquisition" beklagt) bei diesem Gesellschaftsspiel zugedacht werden, das darf jeder selbst nachlesen.

MANGOLD, Ijoma (2004): Märchenprinz und Nebelfürst.
Zweifel an der Autorschaft des Bestsellers "Manieren",
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.02.

"Der Fall Asserate schien da ein weiterer Beleg für höchst undurchsichtige Autor-Mystifikationen der Reihe zu sein. Doch das ist ein Kurzschluss, denn die Fälle liegen sehr verschieden: »Manieren« lesen wir, anders als die Anonyma, nicht als erschütterndes historisches Dokument – bei diesem Buch ist die Frage nach der Authentizität tatsächlich entscheidend. Die Frage der Autorschaft der »Manieren« mag dagegen unterhaltsam sein, erheblich ist sie nicht",

meint Ijoma MANGOLD. Wäre es dann nicht ehrlicher z.B. ganz auf Autorennamen zu verzichten? Marketingkonzepte, die auf Identifizierung beruhen, wären dann nutzlos und solche Debatten würden sich erübrigen.

HARTWIG, Ina (2004): Gefühlte Literatur.
Kleines aktuelles Sittenbild: Manieren, Neger und Nazipornos,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.02.

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Bücher von Ghostwritern geschrieben werden?, fragt Ina HARTWIG. Eigentlich gar nichts!

MAYER, Verena (2004): Die Prinzenrolle.
Asfa-Wossen Asserate bringt den Deutschen Manieren bei – mit einem Buch, das ein Bestseller geworden ist. Sogar Gerhard Schröder beruft sich auf den äthiopischen Adeligen. Die Analyse eines Erfolgs,
in: Tagesspiegel v. 08.02.

Muss es denn immer die Wahrheit sein? fragt Verena MAYER und meint, dass der gute Zweck (den Deutschen Manieren beizubringen) die Mittel heiligt:

"Fälle von Fälschen oder Abschreiben mit deutscher Gründlichkeit zu ahnden, liegt im Interesse jener, deren geistiges Eigentum geklaut wurde. Was aber, wenn jemandem beim Helfen schlicht die eigene Brillanz durchgegangen ist? Natürlich, ein Hinweis hätte nicht geschadet (vergleiche: Dieter Bohlen mit Katja Kessler). Schon deshalb, um den Unterstützten vor der Peinlichkeit der Erklärungsnot zu bewahren. Besonders in Hinblick auf den 19. Februar, denn da wird Asfa-Wossen Asserate der Chamisso-Preis übergeben, ein Preis, mit dem der Autor für seinen Stil ausgezeichnet wird. Aber muss es denn wirklich immer »Nichts als die Wahrheit« sein?
Was sind denn Manieren? Manieren sind der gekonnte Umgang mit Echt und Gekünstelt, ein Spiel, das den Menschen davor bewahrt, immer er selbst sein zu müssen, »das Parfum, das vergessen lässt, dass wir stinken, und wie beim Parfum ist es klug, sich Manieren anzueignen, die mit den persönlichen Gegebenheiten nicht in kreischendem Gegensatz stehen, sondern sie glücklich ergänzen«, wie es im Kapitel »Der schöne Schein« heißt.
"

STEINFELD, Thomas (2004): Knieübung.
Stilsicher: Die Bayerische Akademie und der Prinz,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.02.

Weil sich nicht jeder an LUHMANNs "Gesetze" hält, schon gar nicht die neuen Reaktionäre, echauffiert sich STEINFELD:

"Die Akademie hat den Rahmen der Literatur, das ästhetische Spiel mit reaktionärem Gedankengut, das durchaus erlaubt und manchmal notwendig ist, gesprengt und will die Gesellschaft verändern. Distanzlos schwärmt sie von einem König der Könige, träumt sie von glücklichen Untertanen und dem strengen Zeremoniell gerechter Herrscher."

Katharina RUTSCHKY hat den reaktionären Gehalt des Buches als einzige angeprangert, das  Zeitgeistfeuilleton dankte es ihr nicht. Jetzt nachträglich zu jammern, das ist scheinheilig!

 
       
   

Der Stadthund (2001).
Von Menschen an der Leine
Reinbek:
Rowohlt Verlag
(2002 als Taschenbuch erschienen)

 
   
     
 

Klappentext

"Wenige Themen sind so sehr geeignet, die Menschheit in zwei Parteien zu spalten, wie die Frage, ob man in der Großstadt einen Hund halten soll. Katharina Rutschky, streitbare Publizistin aus Berlin, ist bekennende Hundehalterin. Mit ihrem Cockerspaniel Kupfer flaniert sie täglich durch die Straßen der Hauptstadt. Und sie erzählt mit Wissen und Witz von den Erfahrungen, die Mensch und Hund in der großen Stadt machen.
Ihre Fragen beschäftigen alle Hundefreunde und -feinde: Braucht der Hund einen Menschen oder braucht der Mensch einen Hund? Sind Hunde eigentlich die besseren Menschen? Gibt es antiautoritäre Hundeerziehung? Hat der Hund eine politische Seite? Warum werden hässliche Hunde besonders geliebt? Lässt sich etwas zur Verteidigung des Schoßhundes sagen? Gibt es Rassismus in der Hundehaltung?
Zu diesen und zahlreichen anderen Punkten hat Katharina Rutschky eine entscheidende Meinung. Sie verteidigt die Symbiose von Mensch und Tier wortreich und sachkundig."

     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch
 
   

Hunde als Flirthilfe in der Debatte

WEGMANN, Karl (2002): Von Katzen und Menschen.
Eine Studie untersucht den Flirtfaktor von Haustieren,
in: Berliner Zeitung v. 02.03.

Der Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft hat beim Kölner Rheingold-Institut eine Studie über Haustiere als "Partnervermittler" in Auftrag gegeben und WEGMANN hat den dortigen Diplom Psychologen Jens LÖNNECKER befragt.

"Das Ergebnis: Jeder zehnte Mann und jede 20. Frau gab an, dass sich aus einem ersten Kontakt über einen Hund schon einmal eine feste Beziehung entwickelt hat."

Katzen als das von Singles bevorzugte Haustier haben nach Meinung des Psychologen den "Flirtfaktor Null".

DRÖSSER, Christoph (2002): Flirtfaktor Hund,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 08.05.

DRÖSSER empfiehlt paarungswilligen Singles einen Hund als Medium: "Wo wir uns schüchtern zieren, gehen die Vierbeiner, vom Trieb getrieben, stracks aufeinander zu und zerren ihre Besitzer gleich mit. Wenn der Kontakt erst einmal geknüpft ist, liefern sie auch gleich das unverfängliche Gesprächsthema, nach dem man in der Kneipe immer so krampfhaft sucht."

JENEWEIN, Andrea (2008): Mit halbem Hund aufs Ganze.
Vierbeiner als Flirtfaktor: Ein Selbstversuch zeigt, dass Kontaktaufnahme beim Gassigehen ihre Tücken hat,
in: Stuttgarter Nachrichten v. 06.10.

RADECK, Sabrina (2009): Besser flirten beim Stöckchen werfen.
Damit sie nicht so einsam sind, halten sich viele Singles ein Haustier. Vor allem über Hunde lassen sich aber auch Kontakte knüpfen. Im Interview spricht Dr. Andrea Beetz, die zum Thema Tier-Mensch-Beziehung forscht, über Tiere in Partnerschaften und als Test für ihre Nachwuchstauglichkeit,
in: WAZ Online v. 19.08.

Sabrina RADECK spricht mit Andrea BEETZ u.a. über Hunde als Flirthilfe:

"Würden Sie Singles (...) dazu raten, statt in Online-Partnerschaftsbörsen nach dem passenden Partner zu suchen, sich einfach einen Hund anzuschaffen und mit ihm durch den Wald zu laufen?
            Beetz: Das finde ich sehr heikel als Rat. Prinzipiell muss man natürlich für ein Tier bereit sein. Ist man das nicht, hat sich das Tier aber für die Partnersuche angeschafft, aber der Partner mag dann gar keine Tiere, gibt es ein Problem. Man fühlt sich dann einfach angebunden. Mal eben nach Paris fliegen wird dann schwierig. Für solche Fälle kann man sich aber auch an Tierheime wenden. Die freuen sich immer, wenn es Menschen gibt, die mit den Hunden Gassi gehen."

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. April 2003
Update: 13. Juli 2015