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- ULRICH, Bernd (2001):
Generation ohne Grenzerfahrung,
in: Tagesspiegel v. 13.05.
- ULRICH, Bernd (2001): Unser
Atem - Von den Erfahrungen eines Vaters,
in: Tagesspiegel v. 17.07.
- ULRICH, Bernd (2002): Hehre
Worte, leere Wiege.
Warum die Familienpolitik schlecht ist für das
Kinderkriegen,
in: Tagesspiegel v. 08.03.
- Kommentar:
Die
Kinderpolitiker blicken nach Frankreich, so wie Frankreich vor 100
Jahren nach Deutschland geblickt hat!
Der französische
Journalist Jean-Claude GUILLEBAUD hat in seinem Buch
"Die Tyrannei
der Lust" den Geburtenwettlauf der beiden Nationen vom
psychologischen Trauma der Franzosen ("der demokratische
Schrecken") nach dem Krieg von 1870 bis zur "heiligen Union der
Kinderfreunde" jenseits von Rechts und Links beschrieben. Während
die Kirchen "Fruchtbarkeitsplädoyers" wie "Les Berceaux vides"
("Die leeren Wiegen") beisteuerte, schlug "der medizinische
Diskurs apokalyptische Töne an".
Während damals jedoch Arbeiter und Soldat benötigt wurden, möchte
ULRICH heutzutage die bevölkerungspolitische Offensive mit dem
volkswirtschaftlichen Schaden des demografischen Wandels
salonfähig machen. Eine solche Kostenrechnung ist jedoch
hochspekulativ und unseriös. Der "demografische Wandel" soll
sozusagen zum Synonym für das politische Problem an sich werden.
Damit wird die Demografie aber zum "Mittel der sozialpolitischen
Demagogie"
(Christoph BUTTERWEGGE).
ULRICH
möchte das Problem der Arbeitslosigkeit wegdefinieren.
Denn eines ist
offensichtlich: wenn man nicht die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie, sondern den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und
Familiengründung betrachtet, dann wird die Abhängigkeit der
Geburtenentwicklung von der Wirtschaftspolitik sichtbar. Wer keine
Arbeit findet, von der sich eine Familie ernähren lässt, dem nützt
auch die beste Vereinbarkeitslösung nichts. Dies zeigt am besten
der deutsche Osten: Es ist kein Zufall, dass dort die Geburtenrate
in den 90er Jahren weltweit die Niedrigste war, obgleich es dort
eine wesentlich bessere Infrastruktur für Kinderbetreuung gab.
Stattdessen redet man lieber moralisch korrekt vom westlichen
Hedonismus.
Statt
vom Zusammenhang zwischen Erwerbsquote und Geburtenrate, sollte
über den Zusammenhang von Arbeitslosenquote und Geburtenrate
geredet werden.
- ULRICH, Bernd (2002): Familienpolitik
gegen die neue Mitte,
in: Tagesspiegel v. 05.10.
- Kommentar:
ULRICH spricht aus, was der politische
Kinderlosenbegriff der amtlichen Haushaltsstatistik verdeckt und
worauf
single-generation.de bereits gestern hingewiesen hat:
"Wenn das
Ehegattensplitting gekappt wird, handelt es sich (...) in erster
Linie um Umverteilung von Eltern zu Eltern. Selbst die
regierungsoffiziellen Zahlen gehen davon aus, dass zu sechzig
Prozent Eltern das Abschmelzen des Splittings bezahlen. Schöne
Familienförderung."
Aber Eltern sind nicht
gleich Eltern: Besserverdienende und die traditionelle
Arbeitsteilung (seltener der Rollentausch, der deshalb meist
unerwähnt bleibt) wird finanziell unattraktiver.
Der Kulturkampf
zwischen der Alten Mitte (ULRICH und die CDU/CSU) und der Neuen
Mitte (Rot-Grün) geht in die nächste Runde...
- ULRICH, Bernd (2002): Ehe oder Familie.
Rote und grüne Probleme mit dem Splitting,
in: Tagesspiegel v. 07.10.
- Inhalt:
ULRICH formuliert das Dilemma der Koalition
hinsichtlich der Änderung des Ehegattensplittings in Abhängigkeit
der damit verbundenen Zielsetzungen:
"Wird die Ehe nicht
genügend geschützt? Dann darf man das Geld nicht allein von den
kinderlosen Ehepaaren nehmen. Oder haben wir es mit einer sozialen
Misere des unteren Mittelstandes zu tun? Dann ist die Untergrenze
von 45 000 Euro viel zu niedrig. Oder ist der demografische
Wandel, der Mangel an Kindern das Hauptproblem? Dann müsste ein
reines Familiensplitting eingeführt werden, nach dem Motto: keine
Kinder, keine Kohle".
ULRICHs eigene
Präferenz liegt eindeutig bei letzterem, denn:
"Damit würde man in
Karlsruhe landen. Und das dürfte ein interessanter Prozess
werden".
ULRICH erhofft sich
also vom BVG eine weitere
familienhaushaltsfreundliche
Entscheidung.
- ULRICH, Bernd (2002): Familie ohne
Ideologie.
Schwarze, Grüne und Rote pflegen gegenüber Menschen mit Kindern
ihre Vorurteile,
in: Tagesspiegel v. 08.10.
- Kommentar:
ULRICH will nicht mehr die Kämpfe der 70er Jahre
kämpfen. Dies wirft er den Parteien unisono vor.
Nichtsdestotrotz
kämpft er die 70er-Jahre-Kämpfe selbst, wenn er wie
Alice SCHWARZER die
Gebärstreik-These aus der 70er Jahre-Mottenkiste holt, um die
Front vom "Kampf der Eltern gegen Eltern" alternativ auch
"Familienpolitik gegen die neue Mitte" (Änderung des
Ehegattensplittings) an die Front "Familien contra Singles" zu
verlegen.
- ULRICH, Bernd (2002): Auf dem
Schleichweg zur Macht.
Katrin Göring-Eckardt könnte der Prototyp der neuen
Grünen-Generation sein - morgen soll sie neben Krista Sager neue
Fraktionschefin werden,
in: Tagesspiegel v. 15.10.
- Kommentar:
ULRICH stellt die
grüne
Kinderpolitikerin Katrin GÖRING-ECKARDT in altväterlicher
Manier als sein "Mädchen" vor und betreibt nebenbei
familienpolitische Identitätspolitik à la STOIBER.
Die Grüne verkörpert
ULRICHs Ideal einer konservativen Familienpolitikerin, die bei den
Grünen für einen Generationenwechsel stehen soll:
"Kerstin Müller, die
scheidende Fraktionschefin. Drei Jahre ist sie nur älter als
Katrin Göring-Eckardt. Trotzdem wird für die unter dem Rubrum
Generationswechsel geworben. Zu Recht. Denn Müller ist
gewissermaßen die letzte 68erin. Sie hat es in den frühen 80ern
immerhin noch geschafft, trotz ihrer Jugend in eine der
absterbenden K-Gruppen einzutreten. Während Göring-Eckardt die
erste Ganz-und-gar-nicht-68erin wäre, die den Posten bekleidet".
ULRICH macht keinen
Hehl daraus, dass das Familienministerium für die Durchsetzung
einer anderen Familienpolitik nur zweite Wahl ist, denn
Familienpolitik wird überall gemacht, am wenigsten jedoch im dafür
vorgesehenen Ressort. Dies zeigt sich auch an den gegenwärtigen
Koalitionsvereinbarungen. Nur konservative Zeitungen wie die WELT
sind daran interessiert, dass eine ihnen genehme Ministerin wie
Renate SCHMIDT oder Katrin GÖRING-ECKARDT das Ressort zu
geschlagen bekommt.
- ULRICH, Bernd (2002): Wenn Männer zu sehr
fühlen.
Bei der SPD gibt es sie nicht, bei den Grünen auch nicht, und bei
der CDU ist sie einsam: eine Frau an der Spitze. Schuld daran ist
nicht der übliche männliche Chauvinismus. Das hat der Konflikt
zwischen Angela Merkel und Friedrich Merz gezeigt,
in: Tagesspiegel v. 18.12.
- ULRICH, Bernd (2002): Schröders Strategie.
Die Wende zum Weniger,
in: Tagesspiegel v. 21.12.
- Kommentar:
ULRICH sieht den
"Anfall von Sozialdemokratismus" überstanden und den
Kanzler wieder auf Neue-Mitte-Kurs.
Ein Rezept, mit dem das
Gürtel-enger-Schnallen für alle jenseits der Neuen Mitte
schmackhaft gemacht wird, hat ULRICH auch schon parat:
"In einer Gesellschaft, die
sich ihrer Knappheit bewusst, die auf Verzicht eingestellt ist,
wird Schmerz als unausweichlich, als schiere Wirklichkeit
verstanden und nicht als Skandal."
Die Neue-Mitte Presse à la
TAGESSPIEGEL wird da tatkräftig Wahlhilfe leisten...
- ULRICH, Bernd (2003): Auf die
Deutschen wetten.
Warum sich Schröder und Fischer so schwer tun mit den sozialen
Zumutungen,
in: Tagesspiegel v. 06.01.
- Kommentar:
"Sozialabbau auf breiter Front.
Das alles ist unausweichlich"
heißt das Credo von ULRICH, der mit
seinen Kumpanen aus den anderen Neue-Mitte-Zeitungen dafür Sorge
trägt, dass die rot-grüne Regierung auf Sozialabbau-Kurs bleibt.
Das
Problem ist jedoch, dass der Sozialstaat nach Meinung von ULRICH
die Funktion des "antifaschistischen Schutzwalls" innehatte. Diese
Funktion müssen nach dem Ausfall des Sozialstaats andere
Institutionen übernehmen. Der mündige Bürger z.B. oder eben die
Medien...
-
ULRICH, Bernd (2003): Krise + Knappheit = Charisma.
Die Grünen suchen nach ihrer Rolle bei der Wende zum Weniger,
in: Tagesspiegel v. 10.01.
- Inhalt:
"Der Nachteil am Funktionieren ist (...) das
Funktionärshafte. Die Grünen haben mit ihren Personalwechseln in
Partei und Fraktion vorerst einen Charismaverlust erlitten.
(...)
Unwichtig ist diese Frage nicht in einer Zeit, da die Politik nichts
mehr zu verteilen hat, da Glaubwürdigkeit und Orientierung gefragt
sind und derweil programmatische Unterschiede verwischen. Selbst
wenn Joschka Fischer einen sozialdemokratischen Text spricht, was er
oft tut, wirkt das trotzdem noch urgrün. Auch wenn Rezzo Schlauch
Neoliberales von sich gibt, so hat man immer noch das Gefühl, hier
redet ein Unverfärbbarer. Wenn hingegen Jüngere neoliberal sprechen,
hören sie sich sofort an wie FDPler", mäkelt ULRICH.
- ULRICH, Bernd (2003):
Reaktionäre von links.
4,6 Millionen Arbeitslose - und sie verteidigen die
Privilegierten gegen die Schwachen,
in: Tagesspiegel v. 06.02.
- Kommentar:
Bernd ULRICH nervt mit seiner Wende zum
Weniger, die eine Wende zum falschen MEHR ist!
Wäre es eine Wende zu weniger
Neue Mitte, dann wäre es zu ertragen, aber es ist eine Wende zum
mehr Neuer Mitte. Die Elite will sich nicht ändern. Damit sie so
bleiben kann wie sie ist, muss Restdeutschland anders werden.
Der
Clou der Besitzstandswahrer aus der Neuen Mitte ist die
Neudefinition des "guten" sozial Schwachen:
"in der Tat ist die Gefahr
groß, dass in diesen harten Jahren die Schwächsten durch den Rost
fallen. Doch müsste diese Linke auf der Höhe der Zeit sich erstmal
darüber verständigen, wer denn die Schwächsten sind. Rentner,
Arbeitnehmer, Angestellte im öffentlichen Dienst sind es kaum –
anders als die meisten Arbeitslosen jedoch, viele allein
erziehende Mütter, Obdachlose, die Langsamen, viele Kinder, die
Ungeborenen."
Lässt man das Blendwerk weg,
dann liegt der Tenor auf den vielen allein erziehenden Müttern und
den vielen Kindern, den Ungeborenen. Rentner wird dann zum Synonym
für Kinderloser, während Arbeitslose vorwiegend allein erziehende
Mütter sind, weil sie keinen Job finden und schnell obdachlos
werden. Schon sind wird da, wo ULRICH eigentlich schon immer ist:
beim Kampf der "Eltern" gegen "Kinderlose".
Schaut man genauer hin, dann wird
jedoch klar: die allein erziehende Mutter ist nicht per se sozial
schwach, sondern es gibt
Yuppie-Moms wie Stella BETTERMANN und es gibt
jene, die zwar allein
erziehend sind, aber dennoch die Wohnung mit einem Partner teilen
und rechtlich/finanziell sozusagen die Vorteile einer
nichtehelichen Lebensgemeinschaft nutzen, während sie die
Nachteile der gegenseitigen Verpflichtung ablehnen.
Gerade in der Festung Neue Mitte
ist diese Spezies stark vertreten. Deshalb ist ULRICHs Anspruch
ein Anwalt der sozial Schwachen zu sein, eine Halbwahrheit.
Sozial
schwach ist keine Eigenschaft einer spezifischen sozialen Gruppe
wie Bernd ULRICH das nahe legt, wenn er z.B. Rentner und
Alleinerziehende gegeneinander ausspielt. Sozial schwach sind ganz
konkrete Menschen, die man sowohl unter Rentnern als auch unter
Allein Erziehenden findet.
-
NIEJAHR, Elisabeth & Bernd ULRICH (2003): Gerechtigkeit.
In jedem von uns steckt ein Sozi. Er pflegt die Besitzstände und
verweigert reflexhaft jede Veränderung. Die Sozialdemokraten in der
SPD kann der Kanzler notfalls erpressen. Die Sozialdemokraten in uns
muss er noch überzeugen. Schröder kann es schaffen,
in: Die ZEIT Nr.18 v. 24.04.
- Kommentar:
Elisabeth NIEJAHR & Bernd ULRICH
melden den Erfolg der
Symbolanalytiker der alten &
neuen Mitte:
"Die Flut von schlechten Daten in Wirtschaft, Haushalt und
Bildung (...) haben die Mehrheit willig gemacht hinzunehmen, was
der Kanzler Agenda 2010 nennt, ein Bündel
unausweichlicher Sozialkürzungen". (Diese
Elitenstrategie der Dramatisierung hat Jedediah PURDY
beschrieben)
Bernd
ULRICH hat bereits im TAGESSPIEGEL seine
Gerechtigkeitsvorstellungen vorgetragen. Ihm geht es um die
Neujustierung der
Verteilungsfrage.
Die Neue Mitte macht sich
scheinbar zum Anwalt der "neuen" Randgruppen, um ihre eigenen
Privilegien zu sichern. Denn damit sich die Eliten nicht ändern
müssen, sollen die Nicht-Eliten die Zeche zahlen. Die
oberflächliche Frontlinie beschreiben die Autoren folgendermaßen:
"Nicht dass der alte Verteilungskonflikt zwischen Kapital und
Arbeit geradewegs zum Nebenwiderspruch geworden wäre. Aber andere,
nicht minder bedeutsame Gerechtigkeitsfragen sind hinzugekommen –
der Gegensatz zwischen Alten und Jungen, Familien und Kinderlosen,
Einwanderern und Einheimischen, Jobbesitzern und Arbeitslosen".
Vorbild
der Neujustierung ist die USA der Clinton-Ära:
"Die Zahl der Mütter mit College-Diplomen habe sich seit 1990 um
40 Prozent erhöht. Jede vierte Amerikanerin habe zum Zeitpunkt der
Geburt des ersten Kindes mindestens den Bachelor-Grad erreicht",
schreibt SIEMON-NETTO.
Elinor
BURKETT hat in ihrem Buch
"Baby Boon" die Diskriminierung von Kinderlosen in den USA
beschrieben, denn sie müssen die neue Familienfreundlichkeit
finanzieren.
Dies
wäre zu verkraften, wenn die Familienfreundlichkeit allen Familien
gleichermaßen zu gute käme, aber es ist in erster Linie die
Gebt-mir-alles-Familie der Neuen
Mitte,
die von Kinderlosen finanziert werden soll.
Diese Gebt-mir-alles-Familie lebt vorzugsweise als
Family-Gentrifier
in den schicken Großstadtquartieren von Dienstleistungsmetropolen
wie München, Frankfurt,
Berlin usw.
-
ULRICH, Bernd (2003): Wenn Tatsachen putschen.
Schröder und Fischer könnten jetzt mehr verändern als je zuvor -
wenn sie nur wollten,
in: Die ZEIT Nr.21 v. 15.05.
- Inhalt:
"Die Macht der
Tatsachen hat den Kanzler aus seiner »Weiter so«-Bahn geworfen und
neue Möglichkeiten geschaffen. Ist das schon die
geistig-moralische Wende? Ob sie es wird, entscheidet sich in den
nächsten sechs Monaten", lautet die Vorgabe von "Wende-Zum-Weniger"-Bernd
ULRICH.
- ULRICH, Bernd (2003):
Vertreibung aus dem Paradies.
Noch einmal will die Regierung mit neuen Schulden gute Laune
machen. Eigentlich müsste die Botschaft lauten: Alle müssen sich
einschränken - denn die Wende zum Weniger hat auch Vorteile,
in: ZEIT Nr. 28 v. 03.07.
-
ULRICH, Bernd (2004): Jetzt sind wir dran.
Frank Schirrmacher schmiedet das "Methusalem-Komplott". Aber die
40-Jährigen sind keine Opfer, sondern Gewinner,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 29.04.
- Kommentar:
Bernd ULRICH kocht einen Eintopf aus ein bisschen
Martin SCHACHT "Die ewige Zielgruppe" und zuviel
78er-Philosophie à la Reinhard MOHR, Matthias POLITYCKI und
Tilman KRAUSE. Nicht zuletzt die Gestaltung der Wende zum Weniger.
Heraus kommt leider nichts Stimmiges. Den 78ern als
Zwischengeneration zwischen den 68ern und der Generation Golf fehlt
die Masse, um jene Macht zu erlangen, die ihnen ULRICH andichtet.
SCHACHT hat dagegen 78er und Generation Golf zur machtvollen
Kaufkraftgruppe zusammengefasst.
Die Generation Golf schickt ULRICH ins
gemütliche
MONOPOL-Abseits:
"Nie waren sich die 68er und ihre ewigen
Plagegeister, also wir, so nahe wie nach Erfindung der Generation
Golf. Dann kamen
Börsenkrach und Medienkrise. Die Jungunternehmer gingen Pleite,
und seit dem 11. September 2001 sind wieder
Ernst und Geschichte gefragt. Von dieser Wende hat sich die
Generation Golf bis heute nicht erholt. Ihr Vormann Illies hat ein
verspätetes Start-up-Unternehmen, eine Zeitschrift für Kunst,
gegründet – eine mutige Entscheidung, aber auch ein Signal: Seine
Generation hat den Kampf um das Zentrum der Gesellschaft und um die
geistige Hegemonie vorerst aufgegeben. Dabei sein reicht ihr."
Was an Bernd ULRICH gewaltig nervt, das ist
der Versuch den demografischen Wandel als unabänderliche Tatsache
darzustellen, der angeblich zum alternativlosen Handeln zwingt.
Politik wird hier entpolitisiert, bzw. zur Sache
einer verschworenen Elite stilisiert. Single-dasein.de zeigt jedoch,
dass bereits der demografische Wandel ein Mythos ist, der mit neuen
Denkverboten einhergeht.
Ach ja, es sollte ja um Frank
SCHIRRMACHER gehen. Den nimmt ULRICH jedoch nur zum Anlass um sein
eigenes Süppchen zu kochen. Ganz unrecht hat er ja nicht, wenn er
schreibt:
"Frank
Schirrmacher wirft sich namens unserer Generation in die
Opferrolle. Und das zu einem Zeitpunkt, da das krasse Gegenteil der
Fall ist. Die Mittvierziger werden gerade dominant. Sie erobern
Machtzentralen und Multiplikatorenrollen, sie gehen in die Spitze
und in die Breite. Mit einem Wort: Sie werden zur herrschenden
Generation."
- Neu:
ULRICH, Bernd (2005): Warum habt ihr Angst vor mir?
Akademiker bekommen immer weniger Kinder. Sie sind keine Egoisten.
Ihnen fehlt auch nicht das Geld. Sie haben bloß keinen Mut,
in: Die ZEIT Nr.8 v. 17.02.
- Kommentar:
Bernd ULRICH plädiert für Wahlfreiheit, aber
leider nicht für die Wahlfreiheit zwischen einem Leben ohne Kind und
einem Leben mit Kind, sondern seine Wahlfreiheit beschränkt sich auf
die Art des Mutterseins.
Frauen dürfen jetzt erwerbstätig
sein, wenn sie Kinder haben oder sie dürfen Vollzeitmütter sein.
Kinderlose gelten ihm stattdessen
als mutlos. Die Medien machen ihm zu wenig Mut zum Kind und sind
damit mitverantwortlich für die Kinderlosigkeit in Deutschland
Keine Frage, in einem Land, in dem
so viel Feindseligkeit gegen Kinderlose herrscht, sind nicht einmal
gute Gründe gegen Kinder erlaubt.
In einem Land, in dem Demografen
wissentlich das Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit übertreiben,
ist das nicht verwunderlich.
Im Jahre 2000 hat
Herwig BIRG in einer Anhörung zur Änderung der
Pflegeversicherung folgende Aussagen gemacht:
"Die jüngeren, nach 1960 geborenen
Frauenjahrgänge in Deutschland bleiben zu einem Drittel zeitlebens
kinderlos (...). Der hohe und weiter wachsende Anteil der
Kinderlosigkeit ist der entscheidende Grund für den niedrigen,
langjährigen Durchschnitt von 1,2 bis 1,4 Lebendgeborenen je Frau im
letzten Viertel des 20. Jahrhunderts. Bei den zwei Dritteln der
Frauen unter den jüngeren Jahrgänge, die nicht kinderlos bleiben,
entfallen 2,1 Kinder auf jeder Frau - eine unter mehreren
Gesichtspunkten ideale Zahl."
BIRG plädiert deshalb für eine
Politik gegen Kinderlose.
Diese Aussagen sind jedoch
nachweislich falsch. Selbst innerhalb des Bevölkerungsinstituts
belegen Zahlen von Gert HULLEN und Jürgen DORBRITZ, dass die
Kinderlosigkeit der in den 1960er Jahren geborenen Frauen wesentlich niedriger liegt.
Herwig BIRG gehört vor einen
parlamentarischen Untersuchungsausschuss! Er hat das Ausmaß der
Kinderlosigkeit wider besseres Wissen hochgespielt.
Das Ergebnis ist eine Strafsteuer
für Kinderlose. Die 68er - wie BIRG - bleiben ungeschoren, die Zeche
zahlen die Jungen.
Wie ist es möglich, dass dieser
Wissenschaftler unwidersprochen falsche Zahlen verbreiten darf? Wo
ist die Lobby der Kinderlosen?
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