"Nach einer repräsentativen Allensbach-Studie vom Anfang des Jahres lernen sich 27 Prozent aller Paare im Freundeskreis kennen, 16 Prozent in einer Kneipe, 11 Prozent im Büro und gerade mal zwei Prozent über Single-Portale",

erzählt uns Bettina WEIGUNY. Bereits im Focus vom 03.06.2013 konnte man lesen:

"Eine aktuelle repräsentative Studie belegt: Gut jede zehnte feste Partnerschaft in Deutschland kommt zwischen Kollegen zu Stande (...) Noch aussichtsreicher sind nur der Freundeskreis (27 Prozent) und die klassischen Jagdgründe Kneipe und Bar (16 Prozent). Reichlich überschätzt werden Single-Börsen im Internet. Nur zwei Prozent aller fest Liierten haben im Netz nach dem Partner gefischt."

Dort findet man zumindest einen Hinweis darauf, dass die Ergebnisse einer Studie im Auftrags von Jacobs Krönung entstammen, die hier eingesehen werden kann. Repräsentativ ist die Befragung lediglich für Paarhaushalte und Verheiratete, inwiefern sie repräsentativ für Paare ist, darüber ist nichts zu finden. Dazu müsste man sich die Mühe machen und die Befunde mit anderen repräsentativen Studien zum Thema vergleichen.

Nimmt man einmal an, sie wäre repräsentativ für Paare in Deutschland. Stimmen dann die Konsequenzen, die in den Medien daraus gezogen werden?

Die Medienberichte unterschätzen die Bedeutung des Internets, denn was ist mit den Singles, die z.B. ihre/n ehemalige/n Partner/in im Internet gefunden haben? Die Partnerschaft mag zwar inzwischen gescheitert sein, aber diese Anbahnungsversuche bleiben unberücksichtigt.

Außerdem bleibt in den Medien - im Gegensatz zur Befragung - unberücksichtigt, dass die Bedeutung des Internets erst in den letzten Jahren zugenommen hat:

"bezogen auf noch frische Beziehungen, d.h. auf Paare, die noch keine 5 Jahre zusammen sind, (...) reiht sich hier in der jüngsten Vergangenheit eine weitere bedeutsame Plattform zur Partnerfindung ein: Facebook. Jede zehnte Beziehung, die noch keine 5 Jahre alt ist, ist über soziale Netzwerke im Internet entstanden. Diese Gelegenheit ist für die Partnerfindung damit insbesondere relevanter als Online-Partnerbörsen bzw. -vermittlungen (6 Prozent)."

Zählt man also die sozialen Netzwerke und die Online-Dating-Seiten zusammen, dann kämen Anbahnungen - allein schon bei den im September 2012 (Zeitpunkt der Befragung) in einer Partnerschaft Lebenden -  im Internet auf 16 %.

Die Wahrheit hinsichtlich der Online-Anbahnung liegt wohl irgendwo zwischen den internetkritischen Berichten von FAS und Focus und internetunkritischen Studien im Auftrag von Online-Dating-Seiten.

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