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Kurt Biedenkopf: Familie
und Demographie
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Kurzbiographie
- 1930 geboren
- Studium der
Politikwissenschaften, Rechtswissenschaften und der
Nationalökonomie
- Abgeordneter der sächsischen
CDU
- 2005 Bericht
"Starke Familie"
- 2006 Buch
"Die Ausbeutung der Enkel"
- Vorsitzender der Kommission
"Familie und Demographie"
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Kurt Biedenkopf in
seiner eigenen Schreibe
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Kurt Biedenkopf im Gespräch
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SCHIRRMACHER,
Frank & Jürgen KAUBE (2005):
Die Illusion der Republik.
Was der Sozialstaat
versprochen hat, ist nicht mehr zu finanzieren: Fragen an Kurt
Biedenkopf zu einem Ausweg aus der Krise des Systems der sozialen
Sicherung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.
- Kommentar:
Kurt BIEDENKOPF brüstet sich damit, dass er und
Meinhard MIEGEL bereits im Jahr
1977 erkannt hätten, dass das Umlagesystem der Sozialversicherung
aufgrund des demografischen Wandels nicht haltbar sei.
Tatsächlich
ist der demografische Wandel gar nicht hauptsächlich für die Krise
der sozialen Sicherung verantwortlich.
Während
z.B. der Soziologe
Karl Otto
HONDRICH das Problem der
Geburtenkrise als sekundär betrachtet, könnte man genauso gut
behaupten, dass die Eliten im Gegensatz zu früher nicht mehr zur
gesellschaftlichen Solidarität gewillt sind. Wir hätten es dann mit
einem Prozess der Entsolidarisierung zu tun.
Außerdem
gilt: Nicht die Krise, sondern ein profitabler Markt ist es, der
Motor einer Privatisierung der Altersvorsorge ist. Wer Profit machen
möchte, dem sollte verboten werden das als gesellschaftliche Krise
zu deklarieren!
-
OSTERMANN, Hanns (2006): "Ungelöste Probleme nicht an kommende
Generationen weitergeben".
Biedenkopf fordert mehr Nachhaltigkeit bei Gesetzen,
in: DeutschlandRadio v. 18.03.
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Vorabdruck
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BIEDENKOPF, Kurt (2006): Familie als Firma.
Privathaushalte werden in
Zukunft Bastionen der Selbsthilfe und des Zusammenhalts gegen
staatliche Bevormundung,
in: Welt v. 22.03.
- Kommentar:
BIEDENKOPF verkauft den neuen Zwang zur
Familie, den der Staat z.B. bereits durch die Hartz-Gesetze für
Teile der Bevölkerung vorschreibt, als Befreiung von der
Bevormundung durch den Staat:
"Ohne
den Schutz der Familie und der kleinen Lebenskreise ist es für den
einzelnen weit schwieriger, sich der Konsumverführungen und
derjenigen des vormundschaftlichen Staates zu erwehren."
Die
politisch forcierte Verarmung großer Teile der Bevölkerung wird
zum Kuschelparadies der von der Individualisierung Erlösten
erklärt:
"Im
Zuge der Individualisierung unserer Gesellschaft hat sich die
Bevölkerung förmlich atomisiert. Man ist auseinandergerückt und
hat auf diese Weise seine Selbständigkeit begründet. Dies gilt für
die Singles, die Jugend wie die Alten. Um diese Erfahrung einer
Gesellschaft im Wohlstand sind wir inzwischen reicher geworden.
Aber auch um die Erkenntnis, daß es keine aufwendigere Form des
Lebens gibt als die in kleinen und Kleinsthaushalten. Nirgends
sind die Fixkosten einer angemessenen Lebensführung höher als im
Einpersonenhaushalt. Vieles spricht deshalb dafür, daß nach einer
gewissen Erschöpfung des Triebes zur Selbständigkeit und
Vereinzelung die Haushaltsgrößen wieder zunehmen werden. Zum einen
ist es auf die Dauer schöner, in Gemeinschaft zu leben, vor allem,
wenn man älter wird. Zum anderen enthält die jetzige
Haushaltsstruktur eine erhebliche Rationalisierungsreserve."
Der Einpersonenhaushalt ist in vielen Fällen
nur eine amtlich beglaubigte Fiktion, denn Alleinwirtschaftende
wohnen vielfach nicht allein.
Wenn die
Zahl der Einpersonenhaushalte zukünftig kleiner wird, dann könnte
dies auch mit der gegenwärtigen Umstellung der amtlichen Statistik
zu tun haben.
BIEDENKOPFs
Kritik an der Individualisierung hat nichts im Geringsten mit der
hier vertretenen
Kritik an der Individualisierungsthese
zu tun, vielmehr ist BIEDENKOPFs Darstellung geradezu
symptomatisch für den
Terror der Individualisierungsthese,
der im Gewande der Single-Rhetorik zur
Single-Lüge führt.
BIEDENKOPF
erhofft sich von der politisch gewollten Verarmung der Bevölkerung
ganz unmissverständlich größeren Kinderreichtum:
"Der
funktionalisierten Familie fehlt die Kraft, ihre Vernunft gegen
die Macht des Marktes oder die Verführungen der Vormundschaft zu
behaupten. Und ihr fehlt die Kraft zur Erziehung der Kinder. Aber
wir fragen nicht, ob auch dies ein Grund dafür sein könnte, daß so
viele junge Männer keine Kinder wollen."
Singles wird
offen damit gedroht, dass sie auch gegen ihre eigene Einsicht -
durch den Abbau des Sozialstaats - auf ihr eigenes Netzwerk bzw.
die Familie zurückverwiesen werden:
"Wir
werden lernen - der Not gehorchend, wenn nicht der eigenen
Einsicht -, daß wir die Entgrenzungskrise ohne die Hilfe der
begrenzenden Kraft der Familie und der kleinen Lebenskreise nicht
überwinden können. Deshalb werden wir sie wieder in ihr eigenes
Recht einsetzen."
In der
FAZ konnte man bereits vor einem Jahr einen Vorgeschmack auf
den kommenden
Krieg gegen die pluralistische Gesellschaft
erhalten.
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Rezensionen
- ARNING, Matthias (2006):
Stichworte für Merkel.
Sozialpolitik à la Biedenkopf,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.04.
- Inhalt:
Matthias ARNING stellt das Buch "Die
Ausbeutung der Enkel" von Kurt BIEDENKOPF vor:
"Der
letzte Schrei sind die Thesen des früheren sächsischen
Ministerpräsidenten nicht. Recht eigentlich notiert der
Professor, dem eine gewisse Selbstgefälligkeit nicht fremd
ist, ein weiteres Mal, dass er auf diese gesellschaftliche
Misere doch schon immer hingewiesen, leider aber nicht
ausreichend Gehör gefunden habe.
Um es aber gleich deutlich zu machen: Die Lektüre lohnt
sich auch für diejenigen, denen es nicht allein darum
geht, sich in die Gegenwart des neokonservativen Diskurses
zu begeben. Denn Biedenkopf, inzwischen 76 Jahre alt, hält
sich nicht lange mit demographischen Fallen der alten
Gesellschaft und der Klage über deren zügige Vergreisung
auf. Er bemüht sich vielmehr um einen »neuen Grundkonsens«
auf der Basis von Solidarität und
Subsidiarität
und nimmt dafür die Väter und Mütter der Enkel-Generation,
also die
geburtenstarken Jahrgänge der heute 35- bis
50-Jährigen in die Pflicht."
- SCHMIDT, Renate (2006): Ein
Mann sieht schwarz.
Auf den dramatischen Geburtenrückgang wies der
Ex-Ministerpräsident als einer der Ersten hin. Doch heute
ist auch Optimismus notwendig,
in: Rheinischer Merkur Nr.14 v. 06.04.
- Inhalt:
"Was der Leser bei Biedenkopf am meisten
vermisst, ist der so notwendige Optimismus, ohne den wir
keine Probleme lösen können. Das Meinungsforschungsinstitut
Emnid hat in einer Vergleichsstudie von europäischen Ländern
jüngst festgestellt, dass die Angst vor Altersarmut
nirgendwo so groß ist wie bei uns.
Die Japaner, die deutlich größere Probleme haben als wir
(die höchste Lebenserwartung bei einer noch niedrigeren
Geburtenrate), reden von ihrem Land als dem Land des langen
Lebens, wir reden von Überalterung und Vergreisung. Was uns
fehlt, ist die Verliebtheit ins Leben, das Zutrauen zu uns
selbst", kritisiert Renate SCHMIDT.
- WEIZSÄCKER, Jakob (2006): Die
Selbstentfesselung des Sozialstaats.
Kurt Biedenkopf blickt in "Die Ausbeutung der Enkel"
weise in die Zukunft, aber kaum über die Landesgrenzen
hinaus,
in: Berliner Zeitung v. 10.04.
- Inhalt:
"»Die
Ausbeutung der Enkel« behandelt die strukturellen Ursachen
der deutschen Krankheit: demografische Krise des
Sozialstaats, Massenarbeitslosigkeit und hohe
Staatsverschuldung. Kernthese ist, dass die »Entgrenzung des
sozialpolitischen Auftrags des Staates« schuld an der Misere
sei.
(...).
Die Beschreibung dieser Selbstfesselungsdynamik des
Sozialstaats ist die große Stärke des Buchs.
Ob
aber die
soziale Grundsicherung gegen diese Selbstfesselung
wappnet, wie Biedenkopf meint? Der von Lord Beveridge
geprägte britische Sozialstaat orientierte sich viel stärker
an der Idee der Grundsicherung als der deutsche in der
Tradition von Bismarck. Dennoch wurde in Großbritannien ein
Zustand sozialstaatlicher Selbstfesselung deutlich früher
erreicht als in Deutschland",
meint WEIZSÄCKER.
-
MERSEBURGER, Peter (2006): Entgrenzung des Sozialen.
Kurt Biedenkopf "Die Ausbeutung der Enkel" und
Christoph
Keese: "Verantwortung jetzt",
in: DeutschlandRadio v. 22.04.
- GEPPERT, Dominik (2006):
Gegen die Ausbeutung der Enkel.
Metaphysik der
Reformen: Kurt Biedenkopf plädiert für eine drastische
Selbstbeschränkung des Staates,
in: Tagesspiegel v. 15.05.
- Inhalt:
Der Historiker Dominik GEPPERT, von
dem im Jahr 2003 das Buch "Maggie Thatchers Rosskurs. Ein
Rezept für Deutschland?" erschienen ist, skizziert zuerst
wertfrei die "Metaphysik der Reformen" in BIEDENKOPFs Buch
"Die Ausbeutung der Enkel", vermisst dann jedoch eine
Handlungsanleitung und fragt zuletzt, ob mit dem
derzeitigen politischen System solche drastischen Reformen
überhaupt durchführbar sind:
"So
brillant Kurt Biedenkopf in seinem Buch die deutsche
Sozial-, Wirtschafts- und Arbeitsverfassung seziert, so
schmerzlich vermisst man eine Analyse der politischen
Ordnung. Es bleibt letztlich offen, ob ein derart
radikaler Umbau, wie er Biedenkopf vorschwebt, innerhalb
der etablierten Parteien und Spielregeln stattfinden kann,
oder ob er diesen Rahmen sprengt."
- Neu:
BARING, Arnulf (2006): Der erschöpfte Staat.
Kurt Biedenkopfs Plädoyer für eine grundlegende
Erneuerung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.06.
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Starke
Familie
(2005).
Bericht der Kommission Familie und Demographischer Wandel im Auftrag der
Robert Bosch Stiftung
(Beitrag
als PDF-Datei)
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Zusammenfassung
Familie und Gemeinsinn -
Solidarität und Subsidiarität
Lebensverläufe und Kinder
Familienpolitik als
Zukunftspolitik
Gesellschaftlicher
Stellenwert und Schutz der Familie
Der gesellschaftliche
Nutzen der Familie - Fiskalische Effekte von Kindern
Zitat:
Der Anteil der
kinderlosen Akademikerinnen in Westdeutschland ist im Jahr
1971 höher gewesen als im Jahr 2003
"Vergleicht
man die Kinderlosigkeit in der früheren BRD bei den 40- bis
44jährigen Frauen 1971 mit 1995 und 2003, so waren die höchst
qualifizierten Frauen auch schon 1971 überdurchschnittlich
häufig kinderlos. (...). Überraschend ist aber, daß heute der
Anteil der Frauen, die kinderlos sind und über einen
Fachhochschul- oder Hochschulabschluß verfügen, um etwa sieben
Prozent unter der Zahl von 1971 liegt. Die Kinderlosigkeit der
Akademikerinnen fiel damals nicht auf, weil bei fünf bis sechs
Prozent Akademikern insgesamt und etwa zwei bis drei Prozent
Akademikerinnen dies nicht ins Gewicht fiel, wohingegen das
heute bei 30 Prozent sehr wohl zu einem Thema geworden ist."
(S.47f.)
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Die Mitglieder der
Kommission
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Die Studie in der Debatte
-
GASCHKE, Susanne (2005): Lasst die Männer nicht in Ruh.
Eine neue Studie zeigt die frappierende Kinderlosigkeit
akademischer Männer. Überschätzen sie ihre Rolle als
"Familienernährer"?
in: Die ZEIT Nr.51 v. 15.12.
- Kommentar:
GASCHKE schwadroniert wieder einmal über
Kinderlosigkeit. Fakt ist jedoch, dass die Zunahme lebenslanger
Kinderlosigkeit in den jüngeren Frauenjahrgängen reine Spekulation
ist.
Es
gibt keinerlei stichhaltige Belege, sondern es handelt sich hier um
Interpretationen. Was belegbar ist: das steigende Erstgebäralter. Ob
dieses jedoch zu höherer lebenslanger Kinderlosigkeit führt ist
durchaus umstritten.
Der
Bevölkerungswissenschaftler Gert HULLEN hat nachgewiesen, dass es
KEINEN ZWINGENDEN
Zusammenhang zwischen höherem Erstgebäralter (Tempo) und Ausmaß der
Kinderlosigkeit (Quantum) gibt.
Es
muss noch nicht einmal an Weihnachten ein "völlig unvorgesehener
Babyboom" losbrechen. Wir könnten schon längst mitten im Babyboom
leben, weil unsere Bevölkerungsstatistiker gar kein Interesse haben,
das an die große Glocke zu hängen. Anders lässt sich nicht erklären,
warum unsere Statistik völlig veraltet ist und vorsintflutliche
Methoden angewandt werden.
Wenn
GASCHKE den Nationalkonservativen Hans-Werner SINN für seine
familienfundamentalistischen Gutachten lobt, die angeblich beweisen,
dass eine
Rente nach Kinderzahl
unumgänglich sei, dann ist das nichts als eine umstrittene Meinung.
Eine
Lösung innerhalb der Sozialversicherungen ist sozial ungerecht. Sie
lässt sich nicht einmal ökonomisch begründen.
Dies
haben
Kai A. KONRAD & Wolfram F. RICHTER
in ihrem Beitrag
Zur Berücksichtigung von Kindern bei
umlagefinanzierter Alterssicherung (Perspektiven der
Wirtschaftspolitik, Zeitschrift des Vereins für Sozialpolitik,
H.1/Februar 2005)
nachgewiesen. Ihr Fazit lautet:
"Die
Diskussion (...) hat gezeigt, dass sich eine kinderbezogene
Beitragsdifferenzierung für umlagefinanzierte soziale
Sicherungssysteme wohlfahrtstheoretisch nicht überzeugend begründen
lässt. (...) Sind beispielsweise die intergenerativen
Verteilungswirkungen zu neutralisieren (...), dann wirkt eine
Rückführung der allgemeinen Staatsverschuldung genauer als eine
Beitragsdifferenzierung nach der Kinderzahl. Gilt es dagegen, die
Fertilität zu steigern, sollte man z.B. darüber nachdenken, wie sich
Kinder- und Berufswunsch von Eltern besser in Einklang bringen
lassen. Geht es um die Förderung der Humankapitalbildung, erscheinen
entsprechende Maßnahmen im Bereich der allgemeinen oder beruflichen
Ausbildung einer Beitragsdifferenzierung in der Sozialversicherung
überlegen. (...). Die Differenzierung von
Sozialversicherungsbeiträgen nach der Kinderzahl drängt sich aber in
keinem Fall auf."
Die
Autoren kritisieren die Sicht des Bundesverfassungsgerichts, das den
"generativen Beitrag" als konstitutiv für die Sozialversicherung
ansieht.
Dies
ist jedoch keine sachlich zu begründende, sondern eine politische
Entscheidung. Wenn es aber eine politische Entscheidung ist, dann
bedeutet dies, dass Singles in diesem Land keine ausreichende Lobby
haben.
-
SIEMS, Dorothea (2005): Jedes Kind bringt dem Staat 77.000 Euro.
Ifo-Studie: Spätere Einzahlungen ins Steuer- und Sozialsystem
übertreffen die staatlichen Leistungen deutlich,
in: Welt v. 16.12.
-
ZYLKA, Regine (2005): Starke Familie.
Eine Kommission unter Leitung von Kurt Biedenkopf hat
eine beachtliche Demografiestudie vorgelegt,
in: Berliner Zeitung v. 16.12.
- Kommentar:
"Unter den 40- bis 44-jährigen Männern sind 40 Prozent
der Wirtschaftswissenschaftler, Ärzte und Sozialarbeiter kinderlos und
die Publizisten sogar zu 67 Prozent", berichtet
Regine ZYLKA.
ZYLKA
verschweigt jedoch, dass Akademikerinnen bereits früher weniger Kinder
bekamen. Dies fiel nur nicht auf, weil es weniger Akademikerinnen gab.
Darauf habe ich bereits vor zwei Monaten in
einem Gespräch mit der Berliner Zeitung hingewiesen.
Brenda
STROHMAIER zitierte mich damals folgendermaßen:
"Akademikerinnen,
so Kittlaus, hätten schon früher weniger Kinder bekommen - inzwischen
gäbe es einfach mehr studierte Frauen."
In
der Studie "Starke Familie" heißt es nun dazu:
"Vergleicht
man die Kinderlosigkeit in der früheren BRD bei den 40- bis 44jährigen
Frauen 1971 mit 1995 und 2003, so waren die höchst qualifizierten
Frauen auch schon 1971 überdurchschnittlich häufig kinderlos. (...).
Überraschend ist aber, daß heute der Anteil der Frauen, die kinderlos
sind und über einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluß verfügen, um
etwa sieben Prozent unter der Zahl von 1971 liegt. Die Kinderlosigkeit
der Akademikerinnen fiel damals nicht auf, weil bei fünf bis sechs
Prozent Akademikern insgesamt und etwa zwei bis drei Prozent
Akademikerinnen dies nicht ins Gewicht fiel, wohingegen das heute bei
30 Prozent sehr wohl zu einem Thema geworden ist. (S.47f.)"
Die
Akademikerinnen-Kinderlosigkeit ist demnach heute niedriger als vor 30
Jahren!
Man
erinnere sich nur an den
diesjährigen Bundestagswahlkampf, in dem die Kinderlosigkeit der
Akademikerinnen im Mittelpunkt stand. Damals hieß es, dass die
lebenslange Kinderlosigkeit der Akademikerinnen zugenommen habe.
Susanne
GASCHKE stellte gerade ihr Pamphlet Die Emanzipationsfalle vor.
Und nun das: Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen hat im
Zeitverlauf sogar abgenommen!
Kein
Wunder also, dass GASCHKE -
nach diesem Malheur
- nun lieber über die
Kinderlosigkeit der Männer schreiben möchte.
Wir warten bis heute vergeblich auf eine
Richtigstellung von GASCHKE.
Die
Kinderlosigkeit der männlichen Akademiker habe sich seit 1971
verdoppelt, heißt es in der Studie.
67
% der 40- bis 44jährigen Publizisten sollen angeblich kinderlos sein.
Das Problem ist jedoch, dass in der Studie zum Zusammenhang zwischen
Kinderlosigkeit und Berufsstatus gar nicht die lebenslange
Kinderlosigkeit erfasst wurde.
Die
Daten beruhen auf Mikrozensus-Daten. Diese sagen jedoch nur aus, dass
die Männer in dieser Altersgruppe ohne Kind im Haushalt leben.
Das
kann z.B. bedeuten, dass diese Publizisten geschieden sind und ihre
Kinder bei ihrer Ehefrau leben.
Dies
kann auch heißen, dass die Kinder zum Zeitpunkt der Erhebung gerade
nicht im Haushalt lebten.
Es
kann aber auch heißen, dass es sich um die
Partner von "Alleinerziehenden" handelt. Sie können in diesem Fall
sogar mit Kindern zusammenwohnen, haben aber angegeben, dass sie einen
eigenen Haushalt führen. Es könnte also sein, dass gerade unsere
publizistischen Eliten die Privilegien einer Familienpolitik nutzen,
die streng genommen allein wohnenden Alleinerziehenden zugedacht sind.
Es würde sich also nicht um ein Problem der Kinderlosigkeit handeln,
sondern um einen Missbrauch des Sozialstaats!
Auf
alle Fälle wäre es völlig falsch aus diesen Angaben auf eine höhere
lebenslange Kinderlosigkeit der Akademikermänner zu schließen. Nur
eines ist klar: Die Debatte scheint nun in eine andere Richtung zu
entgleisen.
Wenn
unsere publizistische Klasse zu jener Klasse gehört, die zu einem
hohen Anteil "kinderlos lebt" (was immer da wirklich dahinter
steckt!), dann ist es kaum verwunderlich, dass die
Single-Lüge grassiert.
Es
wäre deshalb an der Zeit, die Medienbranche genauer unter die
Lupe zu nehmen und zu fragen, welche Interessen dieses Milieu an einer
verzerrten Darstellung der gesellschaftlichen Wirklichkeit hat. Wer
kontrolliert endlich unsere Medien?
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Kurt Biedenkopf in der Debatte
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Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die
Inhalte externer Internetseiten
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