Das Konzept des
Familienzyklus und seine Konsequenzen
"Die empirische Messung der Phasenlängen
des Familienzyklus (Familiengründung, -erweiterung, -schrumpfung
und -auflösung) ist nur mit retrospektiv erhobenem
Datenmaterial für Kohorten einwandfrei möglich. (...). Mit
abnehmender Heiratsneigung und steigender
Scheidungshäufigkeit sowie zunehmender Bildung
nichtehelicher Lebensgemeinschaften und unvollständiger
Familien verliert das Konzept des Familienzyklus, das auf
nahezu 100%iger Verheiratung und Ausschluß von Ehelösungen
vor dem 50. Geburtsjahr der Frau beruht, allmählich an
Dominanz (...) Die Kritik am Familienzyklus erscheint sowohl
im Hinblick auf seine abnehmende Repräsentativität von
möglichen Lebensverläufen als auch wegen seines normativen
Gehalts gerechtfertigt.
Aus beiden Gründen ist eine Konzepterweiterung auf wichtige
Lebenszyklen notwendig. Dabei stellt der Familienzyklus eine
der möglichen Verlaufsformen dar."
(Höhn, 1982, S.101)
Das
Familienzykluskonzept in der Kritik
"Es
müßten in weit größerem Umfang »Längschnittergebnisse«
bereitgestellt werden können, mit denen man für bestimmte
Geburtsjahrgänge und Ehejahrgänge die Eheschließungen, die
Ehelösungen und die Wiederverheiratungen im Zeitablauf
verfolgen kann (...). Damit wären zugleich erste Schritte
getan, um für die Vergangenheit und die Zukunft den
Ausschnitt des Ehe- und Familienzyklus modellhaft
abzubilden, der mit der Eheschließung beginnt, mit der
Ehelösung durch Tod oder Scheidung endet und sich für viele
Verwitwete und Geschiedene in einem zweiten oder gar dritten
Ehezyklus fortsetzt. Heute wissen wir noch nicht einmal,
wieviel Menschen in zweiter oder dritter Ehe leben, wann die
erste Ehe der in zweiter Ehe Lebenden geschlossen worden ist
und wann ihre erste Ehe endete. Von den Verwitweten und
Geschiedenen kennen wir nicht das Datum der Ehelösung. Für
eine gründlichere Analyse der neueren Entwicklung von Ehe
und Familie fehlen somit wesentliche Informationen."
(aus: Karl Schwarz "Informationen und
Informationslücken zur neueren Entwicklung von Ehe und
Familie in der Bundesrepublik Deutschland", 1980, S.29)
Das Problem der Erfassbarkeit
von Kinderlosigkeit
"Versucht
man, den Anteil an Frauen ohne (lebendgeborene) Kinder für
verschiedene europäische Länder zu errechnen bzw.
abzuschätzen, stößt man allerdings rasch auf die
Schwierigkeit, daß die Erfassung der Geburtenrangfolge
länderspezifisch variiert (vgl. Sardon 1990). In
Deutschland, der Schweiz und seit 1966 in Frankreich werden
nur eheliche Lebendgeborene aus der aktuellen Ehe
einbezogen, wodurch sowohl außereheliche Geburten als auch
Geburten aus früheren Ehen wegfallen. In England und Wales
wiederum wird die Geburtenfolge einer (ehelichen) Geburt
gemäß allen vorherigen Geburten - ob ehelich oder
außerehelich - festgelegt. Sofern der Anteil an
außerehelichen Geburten gering und stabil bleibt - wie
bisher im Falle der Schweiz - ist die Fehlermarge
tolerierbar (und außereheliche Geburten können den
Erstgeburten zugerechnet werden). Mit zunehmenden
Unehelichenquoten werden entsprechende Schätzwerte jedoch
rasch zu ungenau."
(aus: François Höpflinger "Neue
Kinderlosigkeit", 1991, S.83)