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Christina Bylow: Familienstand: Alleinerziehend

 
       
     
       
     
   

Christina Bylow in ihrer eigenen Schreibe

 
       
   

BYLOW, Christina (2011): Niemand.
Die alleinerziehende Mutter ist ein Auslaufmodell. Auch wenn ihr das selbst vielleicht nicht bewusst ist. Und den Vätern erst recht nicht,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 16.04

"Als ich im Winter 2010 begann, ein Buch übers Alleinerziehen zu schreiben, war das Image alleinerziehender Frauen an einem Tiefpunkt angelangt. Im Januar 2010 charakterisierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter dem Titel «Die Hätschelkinder der Nation» alleinerziehende, arbeitslose Mütter als raffinierte, vom Hartz-IV-System bevorzugte Existenzen und rückte sie in die Nähe von Sozialbetrug. (...) Im Sommer 2010 machte Henryk M. Broder im Tagesspiegel einen Lösungsvorschlag, herrlich ironisch, wie gewohnt. (...) Im Herbst 2010 ist es Thilo Sarrazin, der sich in seinem Bestseller »Deutschland schafft sich ab« über Alleinerziehende und ihre Kinder Gedanken macht",

beschreibt Christina BYLOW die Ausgangssituation, in der sie ihr Buch Familienstand: Alleinerziehend über Alleinerziehende in Deutschland schrieb. Hinweise fehlen dagegen über die Debatte um die verlassenen Macchiato-Mütter in der taz, stattdessen nur der Verweis auf Baka MISCHAs Pamphlet über die Feigheit der Frauen. Der Beginn des Angriffs auf die Alleinerziehenden datiert auf die Zeit der Durchsetzung der Agenda 2010. Beispielhaft ist dafür der Artikel Produktion und Reproduktion von Norbert BOLZ. Bereits vor dem Trittbrettfahrer Thilo SARRAZIN hatte Gunnar HEINSOHN die Sozialhilfemutter zur typischen Alleinerziehenden stilisiert. Oder wie es BYLOW formuliert:

"Die auf Sozialtransfers angewiesene alleinerziehende Mutter ist zum Inbegriff einer keineswegs homogenen Gruppe geworden. Dabei verdienen sechzig Prozent den Lebensunterhalt, wenn auch oft äußerst bescheiden, für sich und ihre Kinder weitgehend allein."

Zuvor hatten über ein Jahrzehnt lang Karrieremütter wie Stella BETTERMANN das Bild der Alleinerziehenden mit Büchern wie Mama Solo geprägt. Mit dem Umbau des Sozialstaats vom "fürsorglichen" zum "gewährleistenden" Staat ist die alleinerziehende Mutter jedoch wieder auf dem Weg zur abweichenden Lebensform. In diesem Sinne ist sie dann auch ein Auslaufmodell, denn auch die Unterhaltsgesetzgebung wurde geändert, wie BYLOW zusammenfasst:

"Auch die Unterhaltsrechtsreform setzte neue Vorgaben für das Experiment Familie. Die Reform schaffte den nachehelichen Unterhalt weitgehend ab. Gestärkt wurden die »Zweitfamilie« und die »Eigenverantwortung«. Das genuin westdeutsche Gespann aus Versorger und Gattin wird damit irgendwann aussterben. Die Gesetzgebung folgt dem Leitbild der egalitären Elternschaft. Das Prinzip »Einer zahlt, einer betreut« ist damit nahezu obsolet. Solange aber die »Sorgearbeit« - eigentlich ein schönes Wort - bei den Müttern bleibt, werden sie doppelte Einschnitte haben. Und nicht immer lassen die sich mit doppelten Freuden schönreden."

Ein grundsätzliches Problem mit Alleinerziehenden ist jedoch, dass der Begriff aus einer Zeit stammt, in der die lebenslange Ehe und das Zusammenwohnen der Eltern die Familienwirklichkeit prägte. Sowohl die moderne Arbeitswelt als auch das moderne Beziehungsideal sprengen diese politischen Vorgaben des amtsstatistischen Begriffs "alleinerziehend". Populäre Begrifflichkeiten wie "Patchworkfamilie" für "Alleinerziehende" mit neuem Lebenspartner sprengen die Haushaltsstatistik, insbesondere wenn beide Partner in verschiedenen Haushalten leben. Alleinerziehend ist nicht alleinerziehend, genauso wenig wie Single gleich Single ist.

 
       
   

Christina Bylow im Gespräch

 
   

fehlt noch

 
       
   

Familienstand: Alleinerziehend (2011).
Plädoyer für eine starke Lebensform
Gütersloher Verlagshaus

 
   
     
 

Klappentext

"Leben in der Einelternfamilie eine provokante Gesellschaftsanalyse
- Ein kämpferisches Buch, das pointiert ein wichtiges Thema auslotet
- Selbstbewusst und engagiert gegen gängige Vorurteile
- Ein wichtiges Buch für alle Gremien in Politik und Gesellschaft, die sich mit der Zukunft von Familien befassen

Christina Bylow geht es in ihrem Buch um die Anerkennung einer Lebensform, die in den letzten 10 Jahren explosiv zugenommen hat. Ehe und Familie stehen unter besonderem Schutz des Staates Alleinerziehende dagegen nicht. Die Autorin beleuchtet alle Facetten dieser Lebensform, die weder wirklich wahrgenommen noch als gleichwertig anerkannt wird. Sie »unternimmt eine Reise in ein Land, das viele verurteilen, ohne es je betreten zu haben«.

Das an Zukunftsperspektiven, Ideen und Lösungswegen reiche Buch versteht sich als engagierter Anstoß zu einer Debatte, die noch immer mit Ideologie überfrachtet ist. Lebendig wird es durch Interviews sowohl mit politisch verantwortlichen Persönlichkeiten als auch mit Alleinerziehenden."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Verantwortung ist schön, macht aber viel Arbeit. Warum Alleinerziehen weiblich ist
2. Restfamilie, Unfallmodell. Alleinerziehende als Risikogruppe in der heilen Familienwelt
3. Trennungsgründe

a) Innere Angelegenheiten. Wie sich Männer aus der Verantwortung stehlen

Väter auf der Flucht
Gen-Strategen
Reanimierung hat ihre Grenzen
Der alte Mann und das Mädchen
Mutterekel, Vaterangst

b) Äußere Angelegenheiten. Wie Politik und Mutterbild Familien implodieren lassen

4. Allein erziehen heißt nicht allein bleiben. Die Liebe - trotz alledem

Die Patchwork-Show
Vorsichtige Annäherungen
Die Liebe ist keine Versorgungsgemeinschaft
Abschied vom männlichen Universalgenie
Die Liebe hat ihre Zeit

5. Allein erziehen - gemeinsam leben. Wohnformen gegen die Isolation

Zurück zu den Eltern?
Patentlösung: Wohngemeinschaft?
Das LebensTraum-Haus oder die Macht der Muskel-Hypothek

6. Der Geld-Komplex. Arbeit, Betreuung, Unterhalt
7. Die Überleisterinnen. Vollzeitarbeit, Kinderbetreuung, kein Unterhalt
8. Alle Rechte - keine Sorge? Kinder als Spielball im Machtkampf der Eltern

Das neue Sorgerecht für unverheiratete Väter
"Das Kind zieht sowieso zu mir!"
Missbrauchsanschuldigungen als Waffe?
Antragsmodell oder Widerspruchsmodell?
Gegen ein automatisches Sorgerecht
Hebel im elterlichen Machtkampf
Wer keinen Unterhalt zahlt...
Die Grenzen der Vermittlung
Gewalt ist keine Bagatelle

9. Ausblick - In Zukunft getrennt vereint? Was Alleinerziehende bis dahin wirklich hilft

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 17. August 2011
Update: 17. August 2011