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Cora Stephan: Wir, der demografische Schrecken

 
       
     
       
     
       
   

Cora Stephan in ihrer eigenen Schreibe

 
   
  • STEPHAN, Cora (1983): Umstände halber.
    Schwangerschaft und Sinnlichkeit,
    in: Kursbuch "Die neuen Kinder", Nr.72, Juni 
  • STEPHAN, Cora (1983): Aufforderung zum Zerfetzen.
    Cora Stephan über Erotik und Emanzipation,
    in: Spiegel Nr.37 v. 12.09.
    • Inhalt:
      Anlässlich der KARASEK-Titelgeschichte "Die neue Carmen. Rückkehr zur Erotik" druckt der Spiegel einen Auszug aus dem Kursbuch vom März nach.
  • STEPHAN, Cora (1984): Feminismus: Wende an der Frauenfront?
    Germaine Greer und ihre Thesen zur weiblichen Selbstbestimmung,
    in: Spiegel Nr.32 v. 06.08.
    • Inhalt:
      STEPHAN nutzt die Rezension des Buches "Sex and Destiny" (deutsch: "Die heimliche Kastration" von Germaine GREER, um die neue Mütterlichkeit zu beklagen:

            
        "Das hämische Gelächter, das angesichts des Griffs unserer Bundesregierung zur Parole von den »Doppelverdienern« dringend geboten wäre, will Frauen nicht recht gelingen. Es entgeht ihnen nicht, daß auf sie leicht zu verzichten wäre.
            
        Ihre Flucht aus der »femininen Sphäre« von Haushalt, Küche, Kindern hat ihnen einen Ausgleich in Gestalt eines »echten Anteils an den gesellschaftlichen Entscheidungskompetenzen und Machtzentren« nicht eingebracht - so beklagt es jedenfalls eine Autorin im neuen »Kursbuch«. Es hat sich die »Mütter« zum Thema gewählt. Dabei bestimmen Berufsschwierigkeiten angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und die niedrige Geburtenrate der Bundesrepublik (1,3 Kinder pro Frau) das resignative Klima der (Kursbuch-)Debatte."
            
        Ansonsten beklagt STEPHAN, dass der Begriff "Fruchtbarkeit" fast ganz aus der Debatte verschwunden ist. Stattdessen wird über Orgasmus und Kinderwunsch debattiert.   
  • STEPHAN, Cora (1985): Die Generation der verpaßten Gelegenheiten.
    Georg Heinzen/Uwe Koch: "Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden",
    in: Spiegel Nr.46 v. 11.11.
  • STEPHAN, Cora (1986): "Die Männer müssen Defizite abbauen".
    Heiner Geißlers Frauenbuch,
    in: Spiegel Nr.27 v. 30.06.
    • Inhalt:
      Cora STEPHAN begrüßt das von Heiner GEIßLER herausgegebene Buch "Abschied von der Männergesellschaft":

            
        "Die Befreiung der Frau macht vor nichts halt - nicht mal vor der CDU. Die Partei der katholischen Hausfrau ist nicht mehr. Die Partei des Patriarchen - vorbei. Wendige Männer der Parteizentrale predigen das Evangelium der Emanzipation. (...) In einem von Geißler herausgegebenen Sammelband (...) findet sich vom Hohenlied der Frau und Mutter nur noch der Refrain; Norbert Blüm singt ihn ab. die Mehrzahl der Autorinnen und Autoren verkauft eine neue Strophe: die von der vielfältig talentierten kreativen Frau. (...). Die feministische Wissenschaftlerin Gisela Erler paßt ebenso in Geißlers Konzept wie Helga Stödter, die Präsidentin des europäischen Managerinnen-Netzwerks.
            
        (...).
      Zu Mißtrauen gegenüber dem erstaunlichen Sinneswandel besteht zumindest bei den Vordenkern der Union kein Anlaß. Man lese die Beiträge von Bundesgeschäftsführer Peter Radunski und vom Leiter der Grundsatz- und Planungsabteilung in der CDU-Bundesgeschäftsstelle, Wulf Schönbohm: Diese Männer hat weder Vernunft noch Ideologie übermannt. Sie haben Wahlstatistiken studiert. Ergebnis: Die CDU muß besonders um die jungen Frauen werben."

            
        STEPHAN erklärt, dass diese Annäherung von CDU und Frauenbewegung auch auf einem Gesinnungswandel bei letzterer beruht.
            
        Erst der Abschied vom Gleichheitsfeminismus und die Hinwendung zum Differenzfeminismus hat dies möglich gemacht.
            
        STEPHAN hofft vor allem darauf, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen die CDU zum Umdenken zwingen wird:
            
        "Wer aus Berechnung zu richtigen Ergebnissen kommt, hat damit noch nicht unrecht. Angesichts von Geburtenrückgang und künftigem Rentnerberg wird nicht nur die Bereitschaft zur Nachwuchsproduktion, sondern demnächst auch wieder das noch nicht einmal zur Hälfte ausgereizte volkswirtschaftliche Potential der Frauen gebraucht."  
  • STEPHAN, Cora (1997): Dinner for None.
    Schlabbern und Nuckeln nonstop: Der moderne Mensch will nicht mehr abgestillt werden. Über den Verfall der Tischsitten und die Infantilisierung unserer Gesellschaft,
    in: NZZ Folio Nr.4
  • STEPHAN, Cora (2000): Unsoziale Solidarität.
    Unser Sozialstaat fördert die Furcht vor der Globalisierung und schafft Arbeitslosigkeit,
    in: Welt v. 11.05.
  • STEPHAN, Cora (2002): Hauptsache wenigstens schwul.
    Ein "Minderheitenstatus" verhilft auch dem größten Langweiler noch zum farbigen Auftritt,
    in: Welt v. 16.01.
    • Kommentar:
      Cora STEPHAN, die Kämpferin im Namen der politischen Korrektness der neuen Mitte und Weggefährtin des glücklichen Globalisierers Matthias HORX, macht sich Gedanken darüber, warum Angelika MERKEL keine Chancen als Kanzlerkandidatin hatte: "die Minderheitenposition ist ein modernes Schutzschild geworden" ist ihre Begründung.
                
      Dies ist so wahr wie falsch, wenn das Stigmata im Geschlecht gesucht wird. Auch Antje VOLLMERs Analyse "Die Solitäre steht allein" im Tagesspiegel vom 13.01. liegt deshalb knapp daneben.
                
      MERKELs Problem war nicht, dass sie eine Frau ist, sondern dass sie erstens kinderlos, zweitens geschieden und damit drittens eine "männliche" Frau ist.
                
      Man stelle sich einen Familienwahlkampf vor, in dem sich der Kandidat nicht in den wahlentscheidenden Homestories als Widerstandskämpfer der Anti-Singlegesellschaft präsentieren kann.
                
      Undenkbar in Zeiten, in denen Vorbilder gefragt sind und Konzepte durch den schönen Stil ersetzt werden. Dank der Väterinitiative von Christine BERGMANN sind jetzt nicht Mütter gefragt, sondern neue Väter. Wer ist also der bessere neue Vater? LandesVATER stoiber oder der VÄTERliche schröder? Diese Frage wird den Bundestagswahlkampf entscheiden.
                
      Michael KÖHLER hat in der Süddeutschen Zeitung vom 12.01.2002 ("Vaterpass - oder von der Liebe zum Leben") bereits einen Vorgeschmack auf das geliefert, was MERKEL erwartet hätte.
                
      Der "New Journalism" à la KÖHLER stellt das Vater-ICH und die Mutterschaft der Frau in den Mittelpunkt des Kulturkampfes der neuen Mitte und kinderlosen, berufstätigen Frauen - also den typischen Vertreterinnen des 70er Jahre Feminismus - wird jegliche Kompetenz abgesprochen: "Von der (kinderlosen) Gynäkologin hat sie gewechselt zu einem Frauenarzt, der Vater von drei Kindern ist", schreibt KÖHLER mit dem
      Stolz eines Widerstandskämpfers im Namen der Minderheit Familienhaushalt.
                
      Dass Scheidung ein Stigma für Familienwahlkämpfer ist, das hat das Beispiel Hessen gezeigt. Dort brachte die Ministerin Marlies MOSIEK-URBAHN ihren Rücktritt mit einer Scheidung in Zusammenhang. REINICKE kommentiert dies im Tagesspiegel vom 21.08.2001 folgendermassen:
                
      "Die Ex-Ministerin schreibt, dass die Trennung von ihrem Mann 'die Glaubwürdigkeit der werteorientierten Familienpolitik' behindere. Eine Geschiedene darf nicht Familienministerin sein. Offenbar soll in Hessen die heile Familie als stählerne Norm gelten, alles andere als minderwertige Abweichung. In Kochs Country soll nicht nur die Sozialpolitik aus Wisconsin herrschen - sondern auch die stickige Moral des 'Bibelgürtels' der USA. In Wiesbaden riecht es streng nach Werte-Fundamentalismus. Ohne Doppelmoral. Zumindest für Frauen."
                
      Kein Kommentar zum Rücktritt MERKELs von der Kanzlerkandidatur wies auf diesen Aspekt der Ehe- und Familienlosigkeit hin, aber süffissant wurde verlautbart, dass die GESCHIEDENE, KINDERLOSE angelika merkel ihre Kandidatur zurückgezogen habe, keiner versah STOIBER mit Familienstandsattributen. Die wirkliche politische Korrektheit manifestiert sich in der Nachricht selbst und nicht in den nachgereichten Kommentaren!
  • STEPHAN, Cora (2002): Dem Mittelstand eine Gasse!
    Kapitalismuskritik und Konsumverzicht sind die falschen Antworten auf die Krise,
    in: Welt v. 30.07.
  • STEPHAN, Cora (2002): Die Bellheims kommen!
    Von wegen "Vergreisung" der Gesellschaft: Die Generation 50+ ist mit allen Wassern gewaschen,
    in: Welt v. 20.08.
  • Neu:
    STEPHAN, Cora (2002): Das Ende der Generation Luxus.
    "Geiz ist geil" und andere Parolen verheißen die Zeitenwende - den deutschen Sparzwang,
    in: Welt v. 27.11.
    • Inhalt:
      STEPHAN predigt: "allemal besser als die Fin-de-Siecle-Stimmung hierzulande wäre ein bisschen vom lebensbejahenden, zupackenden Hedonismus der Amerikaner". Eine Kritik an Postmaterialisten und an der "Neuen Bescheidenheit".
 
       
   

Cora Stephan: Porträts und Gespräche

 
   
  • LEHNARTZ, Sascha (2002): Fortschritte bei der Aufklärung.
    Die Publizistin Cora Stephan findet die Biographie der Krimi-Autorin Anne Chaplet spannender als ihre eigene. Deshalb lebt sie einfach beide,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.02.
 
       
   

Neue deutsche Etikette (1995).
Berlin: Rowohlt

 
   
 
 

Klappentext

"Machen Sie die Probe aufs Exempel - bei Menschen über fünfunddreißig ist es das Thema, zu dem jeder beitragen kann: die rüden Sitten im öffentlichen Raum, der Mangel an Takt und Höfflichkeit, das Fehlen von Manieren und freundlichen Umgangsformen in deutschen Landen.
Man könnte stundenlang erzählen: von maulfaulen Taxifahrern, die auch das Trinkgeld noch ohne ein Wort des Dankes einstreichen; von Kellnern, die den Blickkontakt mit ihren Gästen so lange vermeiden, bis dies sich durch lautes Rufen vollends unmöglich gemacht haben. Von Flugreisenden in der Business Class, die sich schwer atmend und raumgreifend, vor allem aber grußlos neben die bereits Sitzenden werfen; von den Bediensteten an der Hotel-Rezeption oder in der Arztpraxis, die nachhaltig telefonieren oder angestrengt auf den Computermonitor starren, sobald sich ihnen ein Mensch mit Anliegen nähert.
Die Klage über den Verfall der guten Sitten ist Jahrtausende alt und kulturübergreifend. Zur deutschen Eigenheit indes gehört, daß Etikette, Manieren und Benimm stärker als anderswo unter Verdacht stehen. Die große Geste, mit der sich die jüngere Generation am Ende der sechziger Jahre vom Plunder steifer Rituale, vom Konventionellen und Formellen befreite, bescherte uns, gottlob, den Abschied vom Knick im Sofakissen und vom rigide die Form wahrenden
»autoritären Charakter«, aber auch die Einsicht, daß das Aushängen der Klotüren nicht der Befreiung dient, sondern dem Gruppenterror.
Inzwischen ist der Tabubruch längst zu einer neuen Konvention geworden, die den Menschen gebietet, sich oder andere öffentlich zu entblößen. An den kleinen Gesten alltäglicher Zuvorkommenheit hingegen fehlt es - das Grüßen, das »Danke« oder »Bitte«, das souveräne Gewähren von Vortritt oder Vorfahrt, das maßvolle Lächeln, die unaufdringliche Aufmerksamkeit füreinander. Es mangelt an Gesten der Beschwichtigung - vielleicht fürchten wir uns deshalb so voreinander.
Denn Manieren waren einst unerläßlich zum Abtasten und Einschätzen des Gegenübers, zur Entspannung im öffentlichen Raum. Höflichkeit entlastet die Menschen vom Unmöglichen: Man kann nicht jeden der vielen anderen lieben, wohl aber gepflegten Umgang mit ihnen haben. Nicht Herzlichkeit ist gefragt, sondern Höflichkeit, nicht Humanität, sondern Zivilität.
Umgangsformen befreien uns aus der Abhängigkeit vom Unsichersten überhaupt: vom guten Charakter."

 
 
 
       
   
  • Rezensionen

    • WIEG, Iris (1995): Verlust von Distanz: Bussi links, Bussi rechts.
      Cora Stephan untersucht die "Neue deutsche Etikette" - doch verbindliche Regeln gibt es nicht,
      in: Berliner Zeitung v. 23.03.
 
       
   

Der Betroffenheitskult (1993).
Eine politische Sittengeschichte
Berlin: Rowohlt

 
   
 
 

Klappentext

"Mit dem Tag der deutschen Einheit ist nicht nur die DDR untergegangen, sondern auch ihr Antipode, die alte Bundesrepublik - ein Land, dessen Existenz im nachhinein so märchenhaft wie unwahrscheinlich erscheint. Eine Bundesrepublik Deutschland, die es sich im Schutz des Eisernen Vorhangs zwischen Betroffenheitskult und Lebenswelt bequem gemacht hatte, deren Bürger, sympathisch und weltfremd, beträchtlichen Wohlstand mit hoher Moral zu verbinden gelernt hatten und deren Politiker sich am liebsten zwischen Provinz und Europa aufhielten - also im Niemandsland.
Dies ist eine Bilanz - eine Bilanz politischer Orientierungssuche in der Zeitspanne zwischen zwei Zäsuren der bundesrepublikanischen Geschichte: 1968, das Jahr des
»Aufbruchs«, 1989, das Jahr der »Wende«."

 
 
 
       
   
  • Rezensionen

    • REDISKE, Michael (1993): In der Gegenwart angekommen?
      Cora Stephans "politische Sittengeschichte" 68 bis 89 beschäftigt sich in erster Linie mit den Feindbild "Linke", der sie Geringschätzung demokratischer Institutionen vorwirft,
      in: TAZ v. 25.09.
    • MOHR, Arno (1993): Die "68er" - ein Sündenfall.
      Cora Stephans Beitrag zur politischen Sittengeschichte,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
    • LÖVENICH, Friedhelm (1993): Feldstudien in der Teddybärenwelt.
      Cora Stephan und Matthias Horx über neudeutsche Befindlichkeit,
      in: Frankfurter Rundschau v. 23.11.
 
       
   

Ganz entspannt im Supermarkt (1985).
Liebe und Leben im ausgehenden 20. Jahrhundert
Berlin: Rotbuch (vergriffen)

 
   
 
 

Klappentext

"An die zwanzig Jahre sind seit der Großen Sexuellen Revolution verstrichen - eine turbulente Zeit der Scharmützel, Kämpfe und Kriege um die Erbfolge. Nach dem »Freien Sex« Marke Stets und Ständig erging das Penetrationsverbot, folgte der autonome Orgasmus, eröffnete sich die gleichgeschlechtliche Liebe, reussierte die Peepshow, dräute die »neue Erotik«. Der Supermarkt der Gefühle führt heute ein bißchen von allem in seinem Angebot: Liebe und Leidenschaft, Elternschaft und Partnerschaft, Beziehungskiste und Vögelverhältnis, Ehe und Treue, Sexualität und Erotik, Geilheit, Zartheit, Hartheit und Weichheit.

Wir laden ein zu einer Vorführung besonders prägnanter historischer Kostümierungen aus dem Zeitalter der »Großen Vielfalt«. Ein letzter Rundgang noch auf dem bunten Basar - bevor wir endgültig ganz andere Probleme haben..."

Inhaltsverzeichnis

Prolog
Was ihr wollt! oder Was, ihr wollt?
Identitäterä oder Glaub ja nicht, wer du bist
Abseitsfalle oder Ich eß heut mein Bounty alleine
Schöne neue Welt oder Doch dieser Tango geht nie vorbei
Gewaltakt oder Geh aus mein Herz und suche Freud'
Epilog oder Dahinter steckt immer...
Anmerkungen

Pressestimmen

"Die Autorin Cora Stephan veröffentlichte 1985 über Leben und Liebe in den ersten Kohl-Jahren ein Buch, dessen Titel diese Zeit auf den Begriff bringt: »Ganz entspannt im Supermarkt«. Stephan beschreibt eine Welt, in der nicht nur die Feministinnen, sondern auch die linken Intellektuellen allmählich ihre geistigen Schützengräben aus den siebziger Jahren verlassen, um bummeln zu gehen, sowohl geistig als auch konkret. Jawohl, man geht wieder mit gutem Gewissen einkaufen. War dies die geistig-moralische Wende, die uns Kohl versprochen hatte?"
(Harald Martenstein im Tagesspiegel v. 25.08.2005) 

 
 
 
       
     
   

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Update: 20. Dezember 2007
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