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- GÜRTLER, Detlef (1995): Die neue
Generation,
in: Wochenpost v. 19.10.
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GÜRTLER, Detlef (2002): gürtlers
contragnosen.
Demografen sagen ein entvölkertes Deutschland voraus - und liegen
falsch,
in: TAZ v. 15.05.
- Kommentar:
GÜRTLER
zweifelt an der Prognosefähigkeit der Demografen.
Der Bamberger
Bevölkerungswissenschaftler Josef SCHMID hat mit
"Sozialprognosen" ein Buch
verfasst, das die Prognosefähigkeit der Bevölkerungswissenschaft
belegen soll. Der einzige Störfaktor, der jede
Bevölkerungsprognose zunichte machen kann, sind
Verhaltensänderungen! Solche Verhaltensänderungen ereignen sich
immer wieder und überraschen dann die darauf unvorbereiteten
Demografen.
"Bei den
Demografen gesellt sich (...) zum klassischen Prognosefehler meist
noch ein Denkfehler hinzu: Sie glauben, dass das Auf und Ab von
Geburt und Tod die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft
bestimmen wird. Dabei verhält es sich genau andersherum: Die
Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft bestimmt die
Einwohnerzahl. Nirgends zeigt sich das so klar wie in
Ostdeutschland seit der Wende: Wo wenig Geld, da wenig Mensch",
wendet GÜRTLER gegen die vorherrschende Argumentation ein.
In ähnlicher Weise
hat single-dasein.de bisher ebenfalls argumentiert und damit
"Contragnose" betrieben.
Selbst Demografen
wie Herwig BIRG
versuchen über die Veränderung der Denkkultur
("Bevölkerungsbewusstsein") eine Veränderung der Geburtenrate zu
erzeugen. Das Mittel hierzu sind jene Prognosen, die sie selbst
erstellt haben!
Demografische
Krisen sind auch nichts Neues. Hungerkatastrophen haben Länder
entvölkert und damit den Zusammenhang zwischen Lebensverhältnissen
und Bevölkerungsentwicklung eindrucksvoll bewiesen.
Ein wesentlicher
Prognosenfehler bleibt bei GÜRTLER jedoch unberücksichtigt: das
veränderte Erstgebäralter ist bereits eine Verhaltensänderung, die
nicht ausreichend in den Prognosen der Demografen berücksichtigt
wird.
Mit dem
unterschiedlichen "Timing" beschäftigt sich das
Buch
"Geburtenentwicklung und Fertilitätsverhalten" von Johannes KOPP,
der die unterschiedlichen Entwicklungen der Geburten in Ost- und
Westdeutschland, sowie zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen
in den USA zu erklären versucht. Die deutschlandweite Geburtenrate
täuscht ja darüber hinweg, dass enorme regionale Unterschiede
innerhalb von Deutschland existieren. Eine Familienpolitik, die
solche regionalen Unterschiede nicht berücksichtigt, muss
zwangsläufig scheitern.
- GÜRTLER,
Detlef (2002): Der neue lange Marsch.
Als Revolution
gescheitert, als Jugendbewegung erfolgreich: So, wie die 68er Uni
und Gesellschaft modernisierten, werden die Dotcomkids die Konzerne
verändern,
in: TAZ v. 14.06.
- Kommentar:
GÜRTLER
arbeitet an der Legendenbildung rund um die New Economy. Nach dem
"kurzen Sommer der Anarchie" ist nun - angesichts mangelnder
Alternativen - Aufarbeitung angesagt:
"Die
Studentenbewegung von 1968 (...) verklebte noch zwei Jahrzehnte
später die Hirne der nachgewachsenen Studenten. Jede
Protestveranstaltung gegen Prüfungs- oder Bibliotheksordnung
weckte bei den Beteiligten die Hoffnung, den 'Geist von 68' wieder
auferstehen zu lassen.
Ähnlich wird es sich mit dieser Jugendbewegung verhalten: Die
Attitüde der New-Economy-Firmen wird noch viele Jahre die
Leitkultur für junge Berufseinsteiger sein. Warum auch nicht -
schließlich handelt es sich bei ihr um den volkswirtschaftlich
wertvollsten Weg, in jungen Jahren Extremerfahrungen zu sammeln."
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GÜRTLER, Detlef (2002): Benz
statt Baby - Ein Auslaufmodell.
Der
zweite Demographische Übergang kommt: Wohlstandsbürger wollen wieder
Kinder haben,
in: Welt v. 04.07.
- Kommentar:
Detlef GÜRTLER prognostiziert nicht - wie
behauptet - den zweiten, sondern den dritten demographischen
Übergang.
Der
zweite demographische Übergang ("second demographic transition")
ist seit Mitte der 80er Jahre ein Begriff, der von den Demografen
Ron LESTHAEGE und VAN DE KAA in die Debatte um den
Geburtenrückgang in den Industriestaaten eingeführt wurde.
Christopher PRINZ ("Cohabiting, Married, or Single", 1995, S.2)
schreibt dazu:
"Lesthaege and
van de Kaa (1986, 1987) have proposed that the mid-1960s marked
the beginning of a second demographic transition in Europe because
of the large-scale changes that subsequently occured. This second
demographic transition comprises several elements:
- The transition from the 'golden age of marriage' to the 'dawn of
cohabitation.'
- The transition from the child as main element of a family to the
couple as main element.
- The transition from 'preventive contraception' (to avoid third
and fourth children) to 'self-fulfilling conception' (whenever
conception is desirable).
- The transition from uniform systems of families and households
to multiform systems."
Anknüpfend an diese Thesen behauptet GÜRTLER nun, dass eine
Verhaltensänderung in den europäischen Industriestaaten
bevorsteht.
Während
die Prognosen der Demografen eine Verhaltensänderung ausschließen,
begründet GÜRTLER die bevorstehende Verhaltensänderung
zum einen
durch die Zunahme sozialstaatlicher Verteilungskonflikte und deren
Konsequenz, dass eigene Kinder attraktiver werden als die
staatliche Rentenversicherung bzw. eigene finanzielle
Altersvorsorge. Zum anderen prophezeit GÜRTLER den "Singles und
kinderlosen Doppelverdienern" biographische Enttäuschungen im
Renten- und Greisenalter. Alle vorgetragenen Faktoren wirken nach
GÜRTLER in eine Richtung:
"Es kommt zu
einem neuen Demographischen Übergang, durch den die Geburtenraten
wieder in den Bereich der Reproduktionsrate gelangen oder diese
übersteigen".
GÜRTLERs
Prämissen scheinen zwar auf den ersten Blick plausibel, auf den
zweiten Blick halten sie jedoch nicht was sie versprechen.
Die Anzahl der
dauerhaft Kinderlosen wird sowohl von
deutschen Demografen als
auch von GÜRTLER überschätzt. Die Fixierung der Singles auf die
berufliche Karriere ist ein
Mythos.
Kinderlosigkeit hat viele Ursachen, die von GÜRTLER ignoriert
werden.
Der Anteil des
demografischen Faktors am Wohlstand einer Bevölkerung wird
überschätzt. GÜRTLER sollte hierzu seinen
TAZ-Artikel vom 15.05.2002
noch einmal lesen, denn dort vertritt er genau diesen Standpunkt.
Genaueres zum Zusammenhang von Reproduktion und
Wirtschaftsentwicklung lässt sich bei
Christoph BUTTERWEGGE nachlesen.
Die Behauptung,
dass der dritte demographische Übergang noch bevorsteht, setzt zum
einen voraus, dass die Thesen zum zweiten demographischen Übergang
stimmen und zum anderen, dass die Verhaltensänderungen des dritten
demographischen Übergangs nicht schon lange eingetreten sind.
Das Problem
liegt hier bei der Bestimmung von Geburtenraten selbst, die sich
erst im historischen Rückblick exakt bestimmen lassen. Sichere
Aussagen lassen sich z. Z. nur für die in den 50er Jahren
geborenen Frauen machen, d.h. alle Aussagen über das
Geburtenverhalten der
Generation Golf
bzw. Generation Ally
oder der Generation @
sind mehr oder weniger spekulativ.
Es wird also die
Aufgabe von künftigen Bevölkerungshistorikern sein, GÜRTLERs
Prognose zu bestätigen oder zu widerlegen.
Die
Wahrheit wird wohl irgendwo zwischen den pessimistischen Prognosen
der Demografen und den optimistischen Vorhersagen von GÜRTLER
liegen.
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GÜRTLER, Detlef (2002): Alte
Mütter, neue Männer.
Körper, Sex,
Markt (3): Heute brauchen besonders Frauen immer länger, bis sie
sich entschließen, Kinder zu kriegen. Das kann zu einem Mehr an
Menschlichkeit beitragen,
in: TAZ v. 06.07.
- Inhalt:
GÜRTLER
behauptet, dass das steigende Erstgebäralter die evolutionären
Selektionskriterien verändert, denn nicht mehr die Partnerwahl,
sondern die Vaterwahl steht damit für Frauen im Mittelpunkt.
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GÜRTLER, Detlef (2002): Die
Pampers-Netzwerke.
Deutschlands
produktive Potenziale Teil 1: Die Mütter,
in: Welt v. 26.08.
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GÜRTLER, Detlef (2003): Kinderland in
Sicht.
Die Generation der Kinderlosen wird demnächst erfahren, wie
verdammt hart es ist, allein alt zu werden. So hart, daß keine der
folgenden Generationen diesen Fehler wiederholen wird,
in: Das Magazin, August
- Kommentar:
Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, wohin
zukünftig die öffentlichen Meinung tendieren wird.
Detlef GÜRTLER beschreibt wie in
Zukunft Kinderlose stigmatisiert werden.
Selbst
die Lifestyle-Soziologie, die Trends erst dann ausruft, wenn sie
auch in der letzten Provinzzeitung nachzulesen sind, hat
inzwischen auf den Wandel reagiert. In dem
Artikel "Auslaufmodell Single?" ist jener Trend
zusammengefasst, der bei single-dasein.de bereits vor 3 Jahren
nach zu lesen war.
Eine
Kritik an der allzu
simplen These vom "Wandel des Wertewandels" muss zu allererst
daran ansetzen, dass es sich hier um einen Generationenaspekt
handeln soll. Tatsächlich handelt es sich beim
medial inszenierten Babyboom um einen Effekt, bei dem
Demographie und Lebensphaseneffekte die Hauptrolle spielen.
Wenn
GÜRTLER, die in den 60er Jahren Geborenen als "Antibaby-Jahrgänge"
charakterisiert, dann arbeitet er selbst mit am
sozialpopulistischen Bild dieser Generation.
Und
ob "Einsamkeit
im Alter" tatsächlich die Regel werden wird, das ist mehr als
fraglich, denn selbst jene Generation, die nie allein gelebt hat,
kommt mit dem Alleinleben besser zurecht als es das Klischee es
möchte.
Zwischen
dem öffentlichen Bild vom Single und dem wirklichen Leben der
Singles wird zukünftig eine große Lücke klaffen,
die sich nur schließen ließe, wenn Singles endlich ein Bewusstsein
ihrer Lage entwickeln würden und dem politischen Druck eine
Single-Bewegung entgegen setzen würden. Eine solche Entwicklung
ist - im Gegensatz zur USA
- hierzulande jedoch nicht absehbar.
Wie
schlimm es um Deutschlands Partnerlose steht, ist daran zu
erkennen, dass sich selbst eine Journalistin nur unter dem
Pseudonym
Nora Nordpol traut über die
partnerlose Karrierefrau zu schreiben. Selbstbewusstsein:
Fehlanzeige!
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Der
wichtige Artikel
GÜRTLER, Detlef (2003): Gerontokratie? Nichts da! Bald kommt der
Baby-Boom.
Warum sich Statistiker, Demographen und Schwarzseher irren, und
was daraus folgt,
in: Welt v. 19.08.
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GÜRTLER, Detlef (2003): Rente: Die virtuelle Subvention,
in: Welt v. 25.10.
- Inhalt:
Detlef
GÜRTLER zeigt auf, dass die
Anrechnung von Ausbildungszeiten bei der Rente nach dem gleichen
Prinzip wie die Anrechnung von Erziehungszeiten beschlossen und
gestrichen werden kann, wenn das Anreizziel - bei ersterem
massenhaft gute Bildung, bei letzterem massenhaft Kinder -
erreicht ist.
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