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Dyrk Scherff: Die Rentenfrage als Vermögensfrage

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1971 geboren
    • Studium der Betriebswirtschaftslehre
 
       
     
       
   

Dyrk Scherff in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

SCHERFF, Dyrk (2003): Geschickt über die Rentenlücke.
Die staatliche Rente sinkt. Privat sparen ist unerläßlich. Je früher, desto besser. Wer seinen Lebensstandard halten will, muß bis zu zehn Prozent vom Gehalt zurücklegen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.12.

Das DIA, eine Lobbyorganisation der Finanzdienstleister, ist unzufrieden mit der Entwicklung der Riester-Verträge:

"In diesem Jahr haben schon 300.000 ihren Vorsorgevertrag gekündigt, während nur 200.00 einen neuen abgeschlossen haben. (...). Am schlimmsten aber: 22 Prozent aller Befragten sorgen nicht einmal ungefördert vor und verlassen sich statt dessen voll auf die staatliche Rente",

teilt uns Dyrk SCHERFF mit. Dabei gäbe es doch gute Zinsen: 5 %! Das DIA möchte gerne, dass wir 70 Prozent des letzten Nettoeinkommen als Einstieg in den Ruhestand anstreben. In einer Tabelle werden uns die folgenden jährlichen Sparraten empfohlen:

Tabelle: Altersvorsorge für 70 Prozent des Nettoeinkommens zu Rentenbeginn
Brutto-
einkom-men
(in Euro)
Jahrgang 1950 Jahrgang 1960 Jahrgang 1970 Jahrgang 1980
Spar-
summe
(pro Jahr/€) *
Kapital bei Renten-beginn in Euro ** Spar-
summe
(pro Jahr/€) *
Kapital bei Renten-beginn in Euro ** Spar-
summe
(pro Jahr/€) *
Kapital bei Renten-beginn in Euro ** Spar-
summe
(pro Jahr/€) *
Kapital bei Renten-beginn in Euro **
Männer
Niedrig
22.875 €
1.487 19.377 938 27.919 618 33.021 458 39.626
in % 6,5 %   4,0 %   2,7 %   2,0 %  
Mittel
30.500 €
2.440 31.798 1.617 48.120 1.068 57.073 732 63.401
in % 8,0 %   5,3 %   3,5 %   2,4 %  
Hoch
61.000 €
6.100 79.523 4.088 121.705 2.685 143.549 1.831 158.560
in % 10 %   6,7 %   4,4 %   3,0 %  
Frauen

Mittel
30.500 €

3.050 39.747 1.922 57.199 1.281 68.487 885 76.610
in % 10 %   6,3 %   4,2 %   2,9 %  
Anmerkungen: * in Euro und in Prozent des Bruttoeinkommens; ** in Euro,
inflationsbereinigt; Renditeannahme: 5 %
Quelle: DIA; FAS-Grafik 2003

Das Problem: Es wird von einer Rendite von fünf Prozent ausgegangen, die es nur in besseren Zeiten gab. Es wird zudem von einem schrittweise Absinken der gesetzlichen Rente von heute 70 Prozent auf 58 Prozent des Nettoeinkommens ausgegangen, wobei uns die genauen Schritte verschwiegen werden.

Und das war noch nicht alles. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rente gibt es bei der privaten Altersvorsorge keine Anpassungen, sodass diese ebenfalls mit eingeplant werden müssen:

"Da die Löhne weiter steigen, sinkt die prozentuale Höhe. Sollen die Einnahmen der Rentner entsprechend mitwachsen, muß der jährliche Sparbeitrag um ein bis zwei Prozentpunkte erhöht werden. Wenn man es sich denn leisten kann."

SCHERFF, Dyrk (2003): Wieviel Rente bleibt mir noch?
Die Regierung kürzt weiter: Die zehn wichtigsten Frauen zur Altersvorsorge,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.10.

Dyrk SCHERFF gibt uns auf folgende 10 Fragen Antworten:
1. Wie stark sinkt meine Rente im kommenden Jahr?
2. Und wie seiht es in einigen Jahren aus?
3. Renten müssen bald versteuert werden. Was kostet das?
4. Wieviel muß ich privat vorsorgen?
5. Wird die private Vorsorge einfacher und übersichtlicher?
6. Gelten die neuen Regeln auch für alte Verträge?
7. Für wen macht die Riester-Rente Sinn?
8. Wird auch die betriebliche Vorsorge attraktiver?
9. Sind Lebensversicherungen noch zur Vorsorge geeignet?
10. Also schnell noch abschließen?

Bei der privaten Altersvorsorge beruft sich SCHERFF bei der Höhe des Anteils auf das DIA, eine Lobbyorganisation der Finanzdienstleister:

"Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) empfiehlt, ein Alterseinkommen von 70 Prozent des Nettoeinkommens anzustreben. Dafür ist private Vorsorge nötig. Jüngere und Geringverdiener müssen im Jahr weniger privat zurücklegen als Ältere und Reiche. Denn in jungen Jahren ist mehr Zeit zum Ansparen, und niedrige Einkommen werden steuerlich geringer belastet. Das DIA empfiehlt bei einem gesetzlichen Rentenniveau von 64 Prozent für ein Einkommen von 30000 Euro für den Jahrgang 1970 eine Sparsumme von rund 360 Euro für Männer und 440 Euro im Jahr bei Frauen. Für den Jahrgang 1960 sind es schon 800 und 860 Euro."

Als Experten präsentiert uns SCHERFF Tom Friess vom VZ Vermögenszentrum, ein im Jahr 2000 gegründetes Finanzberatungsunternehmen, das sich in seiner Selbstdarstellung als "unabhängig" beschreibt. Daneben lässt er Thomas BIELER von der Verbraucherzentrale NRW zu Wort kommen. Diese Experteneinschätzungen sind lediglich auf Produktbewertungen innerhalb des bestehenden Systems gerichtet, während grundlegende Beschränkungen des Systems der Altersvorsorge außen vor bleiben.

SCHERFF präsentiert uns eine Grafik zur Zusammensetzung des Alterseinkommens in verschiedenen Ländern, die nachfolgend als Tabelle aufgelistet sind:

Tabelle: Zusammensetzung des Alterseinkommens
Land Gesetzliche Rentenversicherung Betriebliche Altersvorsorge Private Altersvorsorge
Deutschland 85 % 5 % 10 %
Großbritannien 65 % 25 % 10 %
Niederlande 50 % 40 % 10 %
Vereinigte Staaten 45 % 13 % 42 %
Schweiz 42 % 32 % 26 %
Quelle: DIA; FAS-Grafik 2003

Es zeigt sich, dass Deutschland lediglich mit Ländern verglichen wird, bei denen der Anteil der nicht-gesetzlichen Rente höher ist. Es wird suggeriert, dass die Deutschen zu wenig individuelle Altersvorsorge betreiben. Die Zusammensetzung der Alterseinkommen lässt sich zudem nicht nachvollziehen und wird auch im Text nicht erklärt.

Das Einmaleins der Rente soll uns die Begriffe Nachgelagerte Besteuerung, Nachhaltigkeitsfaktor, Schwankungsreserve und Zertifizierungskriterien erklären.

SCHERFF, Dyrk (2004): Den Rentnern geht es an den Geldbeutel.
Ab 31. März werden die Rentner noch stärker belastet. Sie zahlen doppelt soviel für Pflege. Die Einkünste sinken. Zum ersten Mal seit dem Krieg,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.03.

"Es wird ein schwarzer Tag für alle Senioren: Wenn am kommenden Mittwoch, die Rente für den April auf dem Konto eintrifft, dann werden sie erstmals in der Nachkriegsgeschichte eine Kürzung ihrer Altersbezüge zu verkraften haben. Denn dann müssen sie auf ihre staatliche Rente den vollen Beitragssatz für die Pflegeversicherung zahlen statt bisher den halben Satz. Und gleichzeitig fällt die übliche Rentenerhöhung in diesem Jahr aus",

erklärt uns Dyrk SCHERFF, der dies als Beitrag zur Generationengerechtigkeit beschreibt. Dazu präsentiert uns SCHERFF eine ganze Liste mit Belastungen:
- Voller Beitrag zur Pflegeversicherung (1,7 % statt wie bisher 0,85 %)
- Höhere Sozialbeiträge auf Betriebsrenten
- Nullrunde
- Anpassung der Kassenbeiträge
- Auszahlung am letzten Banktag
- Dämpfung des Rentenanstiegs von 2005 an
- Versteuerung
- Ausbildungszeiten

Die FAS listet uns die jährlichen Rentenerhöhungen seit 1990 folgendermaßen auf, um uns eine durchschnittliche Rentenerhöhung von 2,07 % bis 2003 vorrechnen zu können:

Jahr Zeitpunkt West Ost
1990 1.7. 3,10 % -
1991 1.1. - 15 %
  1.7. 4,70 % 15 %
1992 1.1 - 11,65 %
  1.7. 2,87 % 12,73 %
1993 1.1. - 6,10 %
  1.7. 4,36 % 14,12 %
1994 1.1. - 3,64 %
  1.7. 3,39 % 3,45 %
1995 1.1. - 2,78 %
  1.7. 0,50 % 2,48 %
1996 1.1. - 4,38 %
  1.7. 0,95 % 1,21 %
1997 1.7. 1,65 % 5,55 %
1998 1.7. 0,44 % 0,89 %
1999 1.7. 1,34% 2,79 %
2000 1.7. 0,60 % 0,60 %
2001 1.7. 1,91 % 2,11 %
2002 1.7. 2,16 % 2,89 %
2003 1.7. 1,04 % 1,19 %
2004 1.7. 0,00 % 0,00 %

Die Rentensteigerungen für Westrentner betragen von 1990-2003 zusammen 29,01 % und ergeben dadurch eine durchschnittliche jährliche Rentensteigerung von nur 1,934 %. Würde man den Durchschnitt der Jahre 1983 bis 2003 für Westrentner berechnen, käme man dagegen sogar auf 2,44 %.

SCHERFF, Dyrk (2004): Reich in Rente.
Richtig fürs Alter sparen: Die Renten werden künftig besteuert, die Vorsorge bleibt dafür steuerfrei. Das soll Anreiz sein, sich stärker privat abzusichern. Welche Strategie am besten paßt, hängt ab vom Alter und Familienstand,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.05.

Dyrk SCHERFF stellt uns für folgende 3 Typen die mögliche Altersvorsorge vor:
1) Die junge Ledige: Der Betrieb hilft (VZ Vermögenszentrum - Entgeltumwandlung)
2) Der Familienvater: Der Staat hilft (AWD - Riester Rente)
3) Der Mittfünfziger: Hilf dir selbst (Vermögensverwaltung Habbel, Pohlig und Partner - Steuerbelastung von Rentnern)

SCHERFF, Dyrk (2004): Die neue Angst vor dem Crash.
In 50 Jahren wohnen in Deutschland ein Fünftel weniger Menschen. Schlecht für die heimischen Börsen. Anleger kaufen in Entwicklungsländern, denen es gut geht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.05.

"Deutschland wird immer älter - und in zehn Jahren beginnt es auch noch zu schrumpfen. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen wird die Bevölkerung bis 2050 von heute rund rund 80 auf 70 Millionen Menschen sinken. Das Statistische Bundesamt sieht sogar einen Rückgang bis auf 65 Millionen. Und das unter der Annahme von 100.000 Einwanderern jährlich. Bildlich gesprochen wäre damit Nordrhein-Westfalen ausgestorben",

will uns Dyrk SCHERFF einreden. Danach wird uns die "Asset Meltdown-These" vorgestellt:

"Danach würden in rund 25 Jahren die Nachfrage der Haushalte nach Finanzanlagen massiv zurückgehen und die Vermögen drastisch sinken. Dieses Szenario werde schon früher seine Schatten auf die Finanzmärkte werfen. Hintergrund dieser Theorie ist die Erkenntnis, daß um die Jahr 2020 bis 2030 die zahlenmäßig starke Babyboomer-Generation in Rente geht und ihre Vermögenswerte teilweise verkauft, um damit den Konsum im Alter zu finanzieren. Und weil es viele Verkäufer, aber weniger Käufer geben werde, müßten die Preise für Wertpapiere unter Druck geraten.
Dieses Problem nimmt noch dadurch zu, daß der Konsum der älteren Bürger durch immer mehr Eigenbeteiligungen wie im Gesundheitswesen steigt. Und die Immobilienmärkte leiden, weil die schrumpfende Bevölkerung weniger Wohnungen und Eigenheime braucht, so daß auch die Preise für Immobilien sinken."

SCHERFF nennt Arbeiten von MANKIW & WEIL aus dem Jahr 1989 als Vordenker dieser Niedergangsthesen, denen Axel BÖRSCH-SUPAN seine optimistischere Sicht entgegensetzt:

"Die Demographie werde sich zwar sicher auf die Finanzmärkte auswirken. Aber das werde langsam, vorhersehbar und weniger stark geschehen, als Pessimisten glauben. Die Globalisierung der Finanzmärkte eröffne Ausweichmöglichkeiten in Länder, in denen die Altersstruktur besser ist. Zudem seien viele Faktoren wie Frauenerwerbsquote, Haushaltsentwicklung, Zuwanderung, Risikoeinstellung und Konsumverhalten kaum über Jahrzehnte prognostizierbar."

Auch in dieser Ansicht wird die Demographie als unumstößliches Naturgesetz beschrieben und Bevölkerungsvorausberechnungen werden uns wie Wahrheiten präsentiert, obwohl sie lediglich Annahmen simpel in die Zukunft fortschreiben, statt uns Alternativszenarien aufzuzeigen. 

SCHERFF, Dyrk (2004): Die Renditen sinken.
Anleihen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.05.

"Der Zwang zu verstärkter Altersvorsorge wird auch am Rentenmarkt nicht spurlos vorübergehen. Anleihen gehören zu jeder soliden Vorsorge. Das stützt die Kurse und senkt die Renditen",

erklärt uns Dyrk SCHERFF, der uns Berechnungen von Axel BÖRSCH-SUPAN vorstellt:

"Danach senkt die Umlaufrendite, die kurz- und langlaufende Anleihen beinhaltet, demographiebedingt von 4,1 Prozent im Jahr 2000 auf 2,7 Prozent im Jahr 2027 und steigt dann bis 2045 wieder auf rund rund 3,2 Prozent."

Zumindest hier werden uns die Zahlen nicht als Wahrheiten verkündet, sondern nur als Tendenz.

SCHERFF, Dyrk (2004): Die Versicherer profitieren.
Aktien,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.05.

Dyrk SCHERFF geht davon aus, dass durch die Schwächung der gesetzlichen Rente die private Vorsorge profitiert, die in Form von Aktien angelegt wird. Aufgrund der Sparraten junger Leute wird Konsum, Wirtschaftswachstum und Inflation gebremst. Den gleichen Effekt hat eine schrumpfende Bevölkerung wird uns erklärt, als ob Deutschland eine isolierte Insel wäre und keine Exportnation. Mit Axel BÖRSCH-SUPAN wird uns der

"Rückgang der durchschnittlichen Rendite von Aktienanlagen von derzeit 7,6 auf 6,8 Prozent im Jahr 2027"

vorgerechnet, ohne uns die dazugehörigen Annahmen zu erklären. Nach 2035 soll sich dies wegen den Kindern der Babyboomer wieder umkehren. Anlagen in "aufstrebenden Schwellenländern" sollen gar ganz vor Verlusten schützen, wird uns eingeredet, als ob nicht gerade die Situation in so genannten Schwellenländern alles andere als stabil ist.

Die Prognos AG empfehlt "konservativ" geführte Staaten im Gegensatz zu "links regierten Staaten" als bessere Staaten. Zum Schluss werden uns auch noch gewinnträchtige Branchen empfohlen. Vor allem Versicherer sollen "von der steigenden Nachfrage nach privater Altersvorsorge" profitieren.

SCHERFF, Dyrk (2004): Die neue Rürup-Rente ist schon jetzt eine Fehlgeburt.
Vom 1. Januar an werden Renten besteuert. Lebensversicherungen verlieren an Reiz. Attraktiv ist hingegen die betriebliche Altersvorsorge,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.12.

Dyrk SCHERFF sieht in der Einführung der nachgelagerten Besteuerung die bedeutendste Änderung im Bereich der Altersvorsorge

SCHERFF, Dyrk (2005): Die Reichen profitieren am meisten.
Wer zahlt, wer gewinnt? Besserverdienende werden belastet. Behauptet Paul Kirchhof. Experten beweisen das Gegenteil. Die Zeche zahlt, wer durchschnittlich verdient und viel absetzt - und der Staat,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.09.

SCHERFF, Dyrk (2006): Die Rente steigt nie wieder.
Nominal gibt es nur noch selten Erhöhungen. Real wird es immer weniger. Denn die Inflation zehrt an der Rente,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.01.

"Wir werden in den nächsten 30 Jahren unter Berücksichtigung der Inflation, also real, keine Rentenerhöhungen mehr erleben. Wir müssen im Gegenteil mit einem Wertverlust rechnen",

zitiert Dyrk SCHERFF den Ökonom Adrian OTTNAD vom Bonner Privatinstitut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG), das 1977 von Kurt BIEDENKOPF (CDU) und Meinhard MIEGEL gegründet wurde und insbesondere von Unternehmen gesponsert wurde.

Um diese neoliberale Sicht von OTTNAD zu stärken nennt SCHERFF auch den neoliberalen Lobbyisten Bernd RAFFELHÜSCHEN, der dies genauso sehe. Selten werden uns jedoch Rechnungen präsentiert, die nachprüfbar sind. So werden uns von SCHERFF folgende Entwicklungsszenarien der gesetzlichen Rente aufgezeigt. Zum Vergleich ist in der nachfolgenden Tabelle die tatsächliche Entwicklung bis 2015 ersichtlich:

Tabelle: Vergleich der Szenarien der Entwicklung der
monatlichen Standardbruttorente in Euro
(Realrente nach 45 Beitragsjahre bei
durchschnittlichem Verdienst (Eckrentner)) mit der
tatsächlichen Entwicklung
Jahr Tatsächliche
Entwicklung
Szenarien des IWG
Optimistisch Realistisch Pessimistisch
2005 1.176 € 1.176 € 1.176 € 1.176 €
2010 1.224 € 1.151 € 1.128 € 1.109 €
2015 1.314 € 1.205 € 1.144 € 1.089 €
2020   1.251 € 1.148 € 1.058 €
2025   1.292 € 1.141 € 1.017 €
2030   1.311 € 1.116 € 980 €
2035   1.329 € 1.101 € 955 €
2040   1.381 € 1.119 € 959 €
Quellen: Szenarien: IWG gemäß FAS-Grafik 22.01.2016;
tatsächliche Entwicklung: Rentenversicherung in Zeitreihen
DRV-Schriften Band 22, Oktober 2015
, S.259

Die tatsächliche Entwicklung der gesetzlichen Rente liegt 10 Jahre später sogar um rund 110 Euro über dem optimistischen Szenario und 225 Euro über dem pessimistischen Szenario des neoliberalen IWG. Ziel dieser Berechnung war die Propagierung höherer Sparraten bei der privaten Altersvorsorge, denn diese blieben bislang hinter den Erwartungen der Finanzdienstleistungsbranche und der neoliberalen Politiker zurück. Neoliberale greifen deshalb die Renteninformation der DRV an:

"Raffelhüschen und das IWG gehen davon aus, daß die mageren Zeiten so weitergehen, und widersprechen damit der Rürup-Kommission, die 2003 für die Regierung rechnete und optimistischere Ergebnisse mit leichten realen Rentensteigerungen herausbekam. »Seine Rechnungen kann Rürup heute nicht mehr aufrechterhalten. Er hat den kräftigen Rückgang der Beschäftigung unter- und den Anstieg der Löhne überschätzt«, sagt Ottnad. In seinem realistischen Szenario erwartet der IWG-Experte auf lange Sicht eine Stagnation oder gar einen leichten Rückgang der Realrenten, in einer optimistischen Rechnung allenfalls 0,2 bis 0,5 Prozent realen Zuwachs (...). Selbst nominale Erhöhungen würden in den kommenden Jahren selten werden."

Die Krise des neoliberalen Finanzmarktes seit dem Jahr 2008 hat der gesetzlichen Rente in den Jahren zumindest bis 2015 Renditevorteile verschafft, die unsere Apokalyptiker um RAFFELHÜSCHEN und MIEGEL nicht eingeplant hatten.

SCHERFF, Dyrk (2007): Der Steuerkick für die Rente.
Die Rürup-Rente ist so beliebt wie nie. Denn jetzt ist sie steuerlich attraktiv. Vor allem für Selbständige,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.06.

"Im ersten Quartal schossen die Neuabschlüsse nach oben. 52.000 neue Verträge wurden vereinbart, 60 Prozent mehr als in den ersten drei Monaten des Vorjahres. In den Monaten danach dauerte der positive Trend an.
Insgesamt haben jetzt 350.000 Menschen eine nach ihrem Erfinder, dem Finanzwissenschaftler Bert Rürup, benannte Rente. Das ist noch wenig im Vergleich zu den acht Millionen Riester-Policen. Das überrascht aber auch nicht, weil sich die Rürup-Rente vor allem an Selbständige und Gutverdiener richtet und damit an weniger Menschen als die Riester-Rente",

beschreibt Dyrk SCHERFF den Erfolg der Rürup-Rente (auch Basis-Rente genannt). Ursachen seien Neuregelungen, die im Januar in Kraft getreten seien. Die Zahlen stammen aus einer Erfolgsstatistik des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV), die uns in Form einer Grafik veranschaulicht wird.

SCHERFF präsentiert uns noch Produkteinschätzungen des VZ Vermögenszentrums, von Morgen & Morgen und von Equinet.

SCHERFF, Dyrk (2009): Gut leben im Ruhestand.
Wieviel muss ich sparen, um im Alter meinen Lebensstandard zu halten? Zehn Prozent vom Gehalt, sagt eine Faustformel. Wer früh anfängt, kommt mit weniger aus,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.06.

"Rentner (...) werden aus der gesetzlichen Rente allenfalls 50 Prozent, meistens aber nur noch 40 oder sogar nur 30 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens erhalten. Zur Panik ist dennoch kein Anlass: Wer rechtzeitig vorsorgt, kann trotzdem im alten Wohlstand leben",

verkündet und Dyrk SCHERFF die frohe neoliberale Botschaft. Außerdem setzt uns SCHERFF eine Berechnung des VZ Vermögenszentrums vor. Das Motto der Neoliberalen: Bloß keine Transparenz, damit der Leser die Angaben nicht mit früheren Rechnungen (z.B. hier) vergleichen kann.

SCHERFF zaubert nun auch eine neue Faustformel für das anzustrebende Rentenniveau aus seinem Hut:

"Als grobe Faustregel gilt: Wer ein überdurchschnittliches Bruttoeinkommen von 4.000 Euro und mehr hat, braucht im Alter rund 50 Prozent davon als Nettoeinkommen für seinen Lebensunterhalt. Je geringer das Einkommen, desto höher ist der Prozentsatz."

Um die Rentenlücke zu bestimmen, greift SCHERFF auf Schätzungen des neoliberalen Finanzwissenschaftler Bernd RAFFELHÜSCHEN ("Vorsorgeatlas Deutschland") zurück, der die Höhe der gesetzlichen Rente sogar regional unterschiedlich berechnet. Dieser Wunderknabe ist ein richtiger Hellseher, wenn man eine Spardauer von 30 bis 40 Jahren bedenkt. Eine Tabelle zeigt uns die gesetzliche Rente für West- und Ostdeutsche für 3 Altersgruppen, die in nachfolgender Tabelle als Geburtsjahrgänge für Westdeutschland dargestellt wurden:

Tabelle: Prozentanteil der gesetzlichen Rente vom letzten Bruttoeinkommen in Westdeutschland für drei Altersgruppen
Jahrgangsgruppe
(Altersgruppe)
Anteil vom letzten Bruttoeinkommen
(in Prozent)
1944 -1959 Geborene (50 - 65-Jährige) 48,9 %
1960 - 1974 Geborene (35 - 49-Jährige) 38,7 %
1975 - 1989 Geborene (20 - 34-Jährige) 39,1 %
Quellen: FAS-Grafik v. 09.08.2009; Vorsorgeatlas Deutschland 2009

Zum Schluss dürfen wir nun unsere Rentenlücke bestimmen, aber wer blickt da noch durch, wenn uns ständig neue Rentenlücken berechnet werden, die sich dann auch noch auf unterschiedliche Bezugsgrößen (Nettoeinkommen oder Bruttoeinkommen) beziehen? Folgende Berechnung zur Rentenlücke präsentiert uns SCHERFF:

Tabelle: Rentenlücken, die durch private Altersvorsorge gefüllt werden müssen
  Fall 1 Fall 2 Fall 3
aktuelles monatliches Bruttoeinkommen 2.500 € 4.000 € 6.000 €
ungefähres Nettoeinkommen* 1.600 € 2.300 € 3.300 €
angenommene Ausgaben 1.500 € 2.000 € 2.600 €
erwartete gesetzliche Rente (in Euro) 1.000 € 1.600 € 2.000 €
erwartete gesetzliche Rente (in Prozent des Bruttoeinkommens) 40 % 40 % 33 %
Steuern auf die Rente ** 0 € - 100 € - 200 €
Rentenlücke 400 € 500 € 800 €
Quellen: FAS-Grafik v. 09.08.2009; VZ Vermögenszentrum
Annahmen: * Steuerklasse I, nach Sozialversicherungsbeiträgen; ** Annahme, effektive Höhe abhängig vom Zeitpunkt des Rentenbeginns; Alle Angaben sind Monatswerte und basieren auf heutiger Kaufkraft

Unterstellt wird hier unser heutiges Bruttoeinkommen, was für jemanden, der vor dem Rentenbeginn steht, höher ist als für einen 20-Jährigen Berufseinsteiger. Die Rentenlücke steigt also für eine reale Person mit seinem Alter und dem Anstieg seines Einkommens. Eine andere Berechnung des VZ Vermögenszentrums wiederum geht von gleichen Sparraten über 10, 20, 30 oder sogar 40 Jahre aus, was ja, wie eben gezeigt, unrealistisch ist. Was also soll man mit solchen Berechnungen dann anfangen?  .

SCHERFF, Dyrk (2012): Altersvorsorge in Gefahr. Was tun?
Die Euro-Krise lässt die private Vorsorge schrumpfen. Es gibt nur einen Ausweg: Mehr sparen und mehr wagen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 29.07.

Dyrk SCHERFF nennt uns vier Optionen, die wir angesichts der Niedrigzinsphase und niedrigeren Betriebsrenten hinsichtlich der Altersvorsorge haben:
1) Ansprüche für das Alter herunterschrauben, eine Option, die jedoch nicht weiter in Erwägung gezogen wird
2) Unsere Anlagen optimieren, d.h. mehr Rendite herausholen. Beispielhaft werden uns Direktversicherer und Nettoversicherungen als Alternativen aufgezeigt, die jedoch keine grundlegende Lösung seien
3) Erhöhung der Sparraten. Dazu liefert uns SCHERFF folgende Rechnung:

"Wer bisher zum Beispiel 100 Euro im Monat bei vier Prozent sparte - der aktuellen Verzinsung von Lebensversicherungen -, muss bei nur noch zwei Prozent Verzinsung 141 Euro im Monat anlegen, um in 30 Jahren den gleichen Betrag angespart zu haben. Und das sind noch kleine Sparsummen, die für einen Durchschnittsverdiener mit 50.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen nicht reichen. Haben sie aber bisher 300 Euro im Monat gespart, sind bei zwei Prozent Verzinsung schon 423 Euro fällig, um in 30 Jahren die gleiche Summe zu haben."

Wenn die Zinsen weiter fallen, muss die Sparrate entsprechend weiter erhöht werden.
4) Mehr Risiko wagen, heißt die letzte Losung. SCHERFF preist uns mit Hinweis auf das VZ Vermögenszentrum Aktien an. Im Gegensatz zu anderen Anlagen, wir hier lediglich von Gewinn machen gesprochen, d.h. wir sind selber schuld, wenn wir falsch investiert haben. Vor allem müssen wir Geduld haben und einen Niedergang der Aktienkurse aussitzen können, d.h. Aktien sind keine Option für jene, die ihr Geld zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt benötigen, weshalb uns SCHERFF folgendes auf den Weg gibt:

"Eine gute Altersvorsorge teilt es in zwei Gruppen auf: einen Teil, aus dem sich die laufenden monatlichen Renten speisen und der schrittweise aufgebraucht wird. Er muss sicher angelegt werden. Der andere Teil - und der ist anfangs ziemlich groß - wird zunächst nicht benötigt und kann auch im Ruhestand weiter für viele Jahre riskant angelegt werden. Zwischenzeitliche Schwankungen der Kurse schmerzen für diesen Teil nicht.
Aktien sind daher gerade wegen des langen Anlagezeitraumes in der Altersvorsorge weniger riskant als gedacht. Ihre Dividenden sorgen für gewollte regelmäßige Ausschüttungen. Zudem schützt die Aktie besser vor Inflation als Anleihen und Versicherungen."     

SCHERFF, Dyrk (2012): Länger leben gibt es nicht umsonst.
Spezial Forever old: Ins Ausland reisen, in die Oper gehen und häufig Golf spielen: Das Alter ist abwechslungsreich und teuer. Wir haben genau nachgerechnet, was ein längeres Leben kostet,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.10.

Dyrk SCHERFF verteidigt die Rentenkürzungen der Lebensversicherer, die angeblich alternativ los sind, weil sich die Lebenserwartung nach ihren - für uns nicht transparenten - Berechnungen erhöht. Der Ratschlag den uns SCHERFF erteilt, liegt ganz im Profitinteresse der Versicherer:

"Sparer sollten die steigende Lebenserwartung immer im Blick haben, wenn sie überlegen, wie viel sie fürs Alter zurücklegen. Die Tendenz ist derzeit: Wir werden noch älter als gedacht und die Renten damit noch niedriger als erhofft. Oder umgekehrt: Wer im Alter einen festen Eurobetrag als Rente bekommen will, muss jetzt mehr sparen als früher."

Verschwiegen wird uns jedoch, dass Lebensversicherer mit ganz anderen Lebenserwartungen rechnen als z.B. das statistische Bundesamt, denn wenn vorwiegend Besserverdienende, die länger leben, solche Verträge abschließen, dann sind Geringverdiener, die nicht so lange leben, die Dummen dieses Systems. Die FAZ legt uns Berechnungen der Württembergischen Lebensversicherung vor, die im Sinne ihrer Branche folgendermaßen argumentiert:

"Am stärksten spüren höhere Jahrgänge eine steigende Lebenserwartung. Denn sie haben weniger Zeit, auf das nötige Kapital zu kommen, aus dem die Renten bezahlt werden. Ein 50-Jähriger muss derzeit im Branchendurchschnitt 140 Euro im Monat bezahlen, wenn er von 65 an bis zu seinem Tod 100 Euro Monatsrente bekommen will und die Verzinsung das aktuell garantierte Niveau von 1,75 Prozent nicht übersteigt. Die Versicherungsbranche geht für diesen Fall von einer Lebenserwartung von 91 Jahren aus. Steigt diese um fünf Jahre auf 96 Jahre, klettert der Beitrag auf 158 Euro."

SCHERFF verteidigt diese hohen Annahmen zur Steigerung der Lebenserwartung folgendermaßen:

"Jetzt werden viele einwenden, dass eine Lebenserwartung von 91 Jahren viel zu hoch gegriffen sei und damit auch die Beiträge zu üppig ausfiel. Schließlich geht das Statistische Bundesamt für 50-Jährige derzeit von 80 Jahren aus. Die Versicherungen rechnen anders, aber deswegen nicht falsch. Sie nehmen die Daten der Statistikbehörde und modifizieren sie. Sie berücksichtigen, dass die Medizin sich während der jahrzehntelangen Laufzeit des Vertrages weiterentwickelt. Dadurch erhöht sich die Lebenserwartung jedes Jahr um zwei bis drei Monate. Das haben langfristige Beobachtungen seit 1830 ergeben. Der Zuwachs an Lebenserwartung ist demnach über den ganzen Zeitraum ziemlich konstant. Die Versicherer schreiben diesen Zuwachs in die Zukunft fort."

Wir können das jedoch nicht überprüfen, weshalb man uns jeden Unsinn erzählen könnte. Nur eines ist klar: Die Versicherungen verrechnen sich niemals zu ihren Ungunsten, sondern passen die Sterbetafeln so an, dass ihr Profit nicht schmilzt:

"Sie waren dabei in der Vergangenheit noch zu vorsichtig. Zuletzt passten sie daher die Daten vor einigen Jahren mit der Sterbetafel DAV 2004 R an, was damals für einen Aufschrei unter den Kunden sorgte, weil die Lebenserwartung höher ausfiel und die monatlichen Renten damit niedriger. Die DAV 2004 R ist noch heute die Grundlage fast aller Versicherungsverträge",

erklärt uns SCHERFF. Erst danach kommt er zum Kern des Problems:

"Kunden in der Regel finanziell bessergestellt sind und daher mehr Geld für ein gesünderes Leben ausgeben. Sie werden dadurch auch älter als Gleichaltrige ohne Versicherung."

Durch die Zunahme von Geringverdienern - also z.B. durch die staatliche Förderung von Riester-Verträgen, würden sich die Profite verbessern, weil dadurch eine Umverteilung von unten nach oben geschieht. Verstärkt wird diese Umverteilung noch, wenn sich Menschen nicht rational verhalten, so wie es uns SCHERFF im Sinne eines Homo oeconomicus schildert:

"Hinzu kommt, dass Kunden sich in den Monaten vor dem Beginn des Ruhestandes entscheiden können, ob sie ihr angesammeltes Kapital voll ausbezahlt oder tatsächlich in Monatsrenten umgewandelt haben wollen. Erfahrungsgemäß entscheiden sich nur die für eine Monatsrente, die gesund sind und daher ein besonders langes Leben erhoffen. Wer schon krank ist, lässt sich das Geld lieber auszahlen. Auch deswegen leben Rentenversicherte oft länger als der Durchschnitt im gleichen Alter."

Matthias EISENMENGER & Dieter EMMERLING erklären den Unterschied zwischen den Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes und der Versicherungswirtschaft in ihrem Artikel Amtliche Sterbetafeln und Entwicklung der Sterblichkeit folgendermaßen:

"Von den amtlichen Periodensterbetafeln zu unterscheiden sind die Sterbetafeln der Versicherungswirtschaft, wie etwa die Sterbetafeln der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Diese Sterbetafeln sind auf den jeweiligen Versicherungszweck ausgerichtet und werden unter versicherungswirtschaftlichen Gesichtspunkten erstellt. Damit stellen die Sterbetafeln der Versicherungswirtschaft im Gegensatz zu den amtlichen Periodensterbetafeln keine Beschreibung der Sterblichkeitsverhältnisse und der Lebenserwartung dar. So besteht beispielsweise die DAV-Sterbetafel 2004 R für private Rentenversicherungen aus einem System von Generationensterbetafeln, das eine Schätzung des zukünftigen Sterblichkeitstrends und entsprechende Sicherheitsmargen beinhaltet. Sofern die Tafeln der Versicherungswirtschaft – wie dies bei der DAV-Sterbetafel 2004 R der Fall ist – auch auf Versichertendaten beruhen, ist insbesondere auch zu berücksichtigen, dass die Versichertengesamtheit eine positive Auswahl darstellt. Dies bedeutet konkret, dass ihre Sterblichkeit niedriger ist als die der Gesamtbevölkerung."
(2011, S.224)

Ganz dreist wird es, wenn SCHERFF auch noch die hohe Lebenserwartung verteidigt, wenn es um Riester-Verträge geht, die doch in erster Linie für Geringverdiener gedacht sind, die früher sterben als der Durchschnitt. Mit Hilfe von Berechnungen der Württembergischen Leben wird uns noch vorgerechnet, dass das Zinsniveau für die Rendite eine Rentenversicherung entscheidender ist als die steigende Lebenserwartung. Außerdem geht SCHERFF von einer steigenden Inflation aus, weswegen uns Riester-Fonds als Königsweg angepriesen werden.

Eine Grafik veranschaulicht die Berechnungen der Württembergischen Leben, die auf der Sterbetafel DAV 2004 R beruht und nur für Renten- aber nicht für Lebensversicherungen gilt, die noch schlechtere Konditionen bieten. Die Berechnung gilt für einen Mann, obwohl für Riester-Verträge Unisex-Tarife gelten, was uns nicht erläutert wird. Und die Berechnung gilt für eine Garantierente von 100 Euro im Monat, bei der keine Inflation berücksichtigt wurde. Bei Tod vor Rentenbeginn werden zudem nur die Beiträge zurückgezahlt. Eine Rentengarantie gibt es nur für 10 Jahre ab Rentenbeginn - was immer das heißen mag.

Uns werden drei Beispielrechnungen für einen 30-Jährigen, 40-Jährigen und 50-Jährigen präsentiert, die jeweils für 1,75 % und 4 % Verzinsung berechnet wurden. Es wird zwischen drei Renteneintrittsaltern unterschieden (65 Jahre, 67 Jahre und 70 Jahre). Die Lebenserwartung wird jeweils für die aktuelle Lebenserwartung gemäß DAV 2004 R (30 Jahre = 95 Jahre Lebenserwartung; 40 = 93 LE; 50 = 91 LE) und einer um 5 Jahre höheren Lebenserwartung ausgewiesen.

Und zum Schluss wird uns von SCHERFF wieder einmal seine Faustformel für das anzustrebende Rentenniveau variiert:

"Experten leiten (...) grob einen Bedarf von rund 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens ab. Besser aber, man führt für ein Jahr ein Haushaltsbuch mit den wichtigsten Posten und errechnet erst dann, was man genau braucht. Auf den so ermittelten Bedarf müssen noch die später zu zahlende Steuer und die Inflation aufgeschlagen werden. Das ergibt dann die fürs Sparen anzustrebende Bruttorente. Denn um in 3o Jahren 100 Euro in heutiger Kaufkraft zu bekommen, muss bei zwei Prozent Geldentwertung für eine Rente von 181 Euro gespart werden."

Dagegen verschweigt uns SCHERFF wie z.B. ein 30-Jähriger sein letztes Nettoeinkommen wissen kann. Hellseher sind wohl die Wenigsten von uns!

SCHERFF, Dyrk (2012): Altersvorsorge in Gefahr.
Die Inflation frisst die Erträge der Lebensversicherungen auf. Doch wer kündigt, zahlt drauf,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.11.

Dyrk SCHERFF widmet sich den Problemen der Volksanlage:

"Die wahre Volksanlage ist eine Versicherung: die Lebens- und Rentenversicherung. Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens eine. Sie wird privat und auch über den Arbeitgeber als betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen. Keine Geldanlage ist verbreiteter."

Ein Papier des Bundesfinanzministeriums brachte uns in der vergangenen Woche eine Hiobsbotschaft:

"Danach könnten rund 20 Versicherer, ein Fünftel der Branche, schon in sechs Jahren in so arge finanzielle Bedrängnis kommen, dass sie ihren Kunden nicht mehr die garantierten Zinsen zahlen können."

Noch gut dran seien lediglich jene, die noch zu Zeiten eines Garantiezinses von 4 Prozent abgeschlossen hätten, also zwischen 1994 und Mitte der Nuller Jahre. Inzwischen liegt der Garantiezins bei 1,75 Prozent. Da Lebensversicherer für Neuanlagen weniger Zinsen erhalten, kommen sie bei länger andauernder Niedrigzinsphase Probleme. SCHERFF schildert uns, was passiert, wenn ein Versicherer vor der Pleite steht:

"Wie sicher sind ihre Policen? Die beruhigende Antwort: Sie sind zumindest vor der Pleite eines Versicherers geschützt. Das Geld der Kunden fließt in solch einem Fall nicht in die Insolvenzmasse ein. Aber schon bevor es zur Insolvenz kommt, greift die Finanzaufsicht ein. Sie kann die Versicherung zu einer anderen Anlagepolitik drängen und wenn das nicht hilft, sogar Kundenverträge auf solventere Versicherungsgesellschaften übertragen, die die Verpflichtungen fortführen. Oder sie leitet sie an die Auffanggesellschaft Protektor weiter, die von der ganzen Branche getragen wird."

Drei Alternativen zeigt uns SCHERFF für jene auf, die einen unlukrativen abgeschlossen haben: Kündigung, Verkauf am Zweitmarkt (z.B. Cash Life) und die Einstellung der Beitragszahlungen. Letzteres sei die weniger schmerzhafte Alternative. Ansonsten heißt es: Finger weg von Verträgen bei Lebensversicherungen.   

SCHERFF, Dyrk (2012): Sparen für die Rente mit 67.
Wer früher in den Ruhestand will, muss mehr sparen als bisher. Bei Akademikern können das schnell 1000 Euro zusätzlich werden,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.12.

Dyrk SCHERFF preist uns anlässlich des Einstiegs in die Rente mit 67 seit Jahresbeginn die Vorteile der Rente mit 67 an. Positiv denken ist alles! Die  Beitragssatzstabilität wird uns als alternativlos suggeriert. Die FAS hat sich vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung die Vorteile berechnen lassen, warnt uns aber, dass sich die Situation der Rentenkasse noch verschlechtern könnte.

SCHERFF sieht immer noch in 70 Prozent des Nettoeinkommens ein anzustrebendes Ziel für den Rentenbeginn. Jedoch wird sich das Rentenniveau - statt wie noch von SCHERFF Ende 2003 mit Hinweis auf das DIA verkündet, noch weiter verschlechtern:

"Derzeit zahlt die staatliche Rente noch etwa 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Schon 2030 sind es nur noch 55 Prozent. Danach sinkt der Anteil noch leicht weiter auf etwa 50 Prozent."

Die Differenz von 15 bis 20 Prozent müsste also gemäß dieser Sicht privat vorgesorgt werden.

SCHERFF rechnet uns vor, wie viele Abschläge wir zahlen müssten, um früher in Rente zu gehen:

"Wer 45 Jahre in die staatliche Rentenkasse eingezahlt hat, darf auch weiterhin mit 65 Jahren in Rente gehen. Wer weniger gearbeitet hat, muss Abschläge auf die monatliche Rente in Kauf nehmen: Für jedes Jahr früheren Rentenbeginns sind das 3,6 Prozent. Frühestens kann die Rente mit 63 bezogen werden, dann betragen die Abschläge aber künftig 14 Prozent. Bisher waren es nur 7,2 Prozent."

Diese Abschläge würden die Frührente unattraktiv machen, da die Kompensation durch private Altersvorsorge ohne großen Verzicht nicht gelingen kann. Als Verlierer der Rentenreform stellt uns SCHERFF die Jahrgänge 1960 bis 1970 vor.

Angesichts der Verschlechterungen bei der Frührente empfiehlt SCHERFF längeres Arbeiten über 67 hinaus:

"Wer das macht, bekommt für jedes zusätzliche Jahr 6 Prozent mehr staatliche Rente."

SCHERFF, Dyrk (2013): Der Nutzen der Hochzeit.
Nur die romantische Liebe ist nicht für alle ein Grund für eine Hochzeit. Materielle Vorteile soll sie eben auch bringen. Über den Nutzen der Ehe,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.04.

SCHERFF, Dyrk (2013): Warum wird Wohnen so teuer?
Vielerorts steigen die Mieten gewaltig. Denn alle zieht es in die Städte. Jetzt winkt die Politik mit Preisbremsen. Ob das was hilft?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Online
v. 05.08.

SCHERFF, Dyrk (2014): Nur Dumme arbeiten länger.
Die Rente mit 63 ist noch viel attraktiver als gedacht. Wer bis 65 arbeitet, muss schon 100 werden, damit sich das lohnt,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.05.

SCHERFF, Dyrk (2016): Die demographische Falle.
Früher war es so, dass die Alten die Jungen finanzieren. Jetzt dreht sich das. Was kann man da machen?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.02.

"Schon in wenigen Jahren wird die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter merklich schrumpfen - und mit ihr die Zahl der Neugeborenen,

wiederholt Dyrk SCHERFF das Mantra des Statistischen Bundesamtes angesichts der steigenden Geburtenrate in Deutschland. Optimismus ist nämlich schlecht für die Wirtschaft, so scheint man in Deutschland zu glauben. Die Aussage ist jedoch in dieser Form falsch, denn sie basiert auf einer Vorausberechnung, die nicht auf einer steigenden Geburtenrate, sondern auf einer gleich bleibenden Geburtenrate bis 2060 basiert.

Einzig die Rente ab 63 (fälschlicherweise als Rente mit 63 bezeichnet), die jedoch nur für Wenige gilt, und die Mütterrente, die durch die Beitragsfinanzierung nur falsch finanziert ist, da es sich um eine gesamtwirtschaftliche Aufgabe handelt, werden von SCHERFF kritisiert.

Angeblich finanzieren nun die Jungen die Alten, während es früher umgekehrt war. Dazu wird eine im Text nicht näher bezeichnete und zudem umstrittene Studie zitiert. Die Grafik des Artikels verweist als Quelle auf Roland statt auf Ronald LEE und Andrew MASON, von denen das Buch Population Aging and the Generational Economy (2011) erschienen ist. Für Deutschland wird das renommierte Max-Planck-Institut für demographische Forschung in Rostock als teilnehmendes Institut genannt. Zum Thema gibt es u.a. das Arbeitspapier Transfers, Consumption and Income over the Lifecycle in Germany von Fanny Annemarie KLUGE. In Kapitel 3 wird das Konzept und die Datengrundlage für Deutschland erläutert. Grundlage für Deutschland ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), bei der die gut verdienenden Haushalte in Deutschland gar nicht enthalten sind. Hier wird also auf eine fragwürdige Datengrundlage zurückgegriffen, die große Teile privater Transfers gar nicht erfasst.

In Deutschland finanzieren nicht die Alten die Jungen, sondern die Erwerbstätigen finanzieren Alte und Junge. Grundlage der Berechnungen sind angeblich private und staatliche Transfers. Bei den privaten Transfers sollen z.B. Erbschaften oder sonstige Zuwendungen und Sachleistungen der Großeltern und Eltern betrachtet werden. Da der EVS eine Haushaltsstichprobe ist, werden Großeltern nur erfasst, wenn sie im Haushalt mit den Eltern zusammen leben, was jedoch nur selten der Fall ist. Die Forscher sehen gemäß SCHERFF keine Veränderungen, was jedoch nur stimmen würde, wenn die Altersarmut in Zukunft nicht zunehmen würde. Zu den privaten Transfers müssten jedoch auch die Zuwendungen von Onkeln und Tanten zählen, die in Zukunft sogar wichtiger werden. Dies ist ebenfalls nicht der Fall. Die Berechnungen sind also alles in allem sehr dürftig.

Typisch für alarmistische Artikel wie jener von SCHERFF ist die Beschwörung eines zukünftigen Generationenkonflikts. Dazu hat sich Bernd RAFFELHÜSCHEN bereit gefunden:

"One Gegenmaßnahmen wird ein Generationenkonflikt entstehen, nicht zwischen den heutigen Erwerbstätigen und heutigen Alten, sondern zwischen den Erwerbstätigen und ihren wenigen Kindern."

Auf die Frage, ob sich der bevorstehende Generationenkonflikt entschärfen lässt, spielt SCHERFF mögliche Lösungen durch:

1. Steigerung der Geburtenrate:

"mehr Geburten (wären) derzeit für Deutschland gar nicht optimal. Denn das würde die finanziellen Lasten durch Erziehung und Ausbildung genau dann steigen lassen, wenn auch das Renten- und Gesundheitssystem besonders belastet wird - weil die Babyboomer in Rente gehen."

2. Mehr Zuwanderung: Angesichts der Flüchtlingskrise sieht SCHERFF auch in mehr Zuwanderung keine Lösung.
3. Die Erhöhung der Lebenserwartung könnte mit geringeren Gesundheitskosten einhergehen als bislang befürchtet.

4. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, das Hauptanliegen von SCHERFF sieht er am Widerstand der Bevölkerung scheitern. Diese Sichtweise ist jedoch dem zweckpessimistischen Blick geschuldet, während in der Realität die Rente ab 63 keineswegs den Trend zur längeren Lebensarbeitszeit verhindert.

SCHERFF, Dyrk (2016): "Die Inflation kommt zurück".
Der Chefökonom der USB, Reinhard Cluse, sieht die Inflation bald bei 2 Prozent. Das ist gut so. Denn dann gibt's mehr Zinsen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.04.

"Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen werden zulegen, und davon kann sich Deutschland nicht abkoppeln. Zudem erwarten wir, dass – wie lange erhofft – die Inflation zurückkehrt. Am Jahresende könnte sie bei 0,9 Prozent liegen, Ende kommenden Jahres schon bei 1,7 Prozent und damit in der Nähe des Niveaus, das sich die Europäische Zentralbank (EZB) vorstellt",

erläutert uns Reinhard CLUSE. Dies wird mit der Entwicklung des Ölpreises, der Nahrungsmittelpreise und des Wirtschaftswachstums begründet.

SCHERFF, Dyrk (2016): Ist die Riester-Rente gescheitert?
Zu teuer, zu kompliziert, kaum Rendite: Die Riester-Rente gerät in Verruf. Zu Unrecht. Eine Ehrenrettung,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.04.

Dyrk SCHERFF will nachweisen, dass die Riester-Rente auch für unter 100-Jährige lukrativ sei. Dazu greift er - wie schon Philipp KROHN - auf schöngerechnete Daten des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung:

"Die Rechnungen berücksichtigen die aktuell gültigen Sterbetafeln ohne den Sicherheitspuffer von etwa vier Jahren, den die Versicherer noch aufschlagen",

heißt es dazu. Außerdem bleibt die gegenwärtige Niedrigzinsphase unberücksichtigt. Dass die Riester-Rente nicht gegen Altersarmut hilft, schreibt er der Niedrigzinspolitik der EZB und der geringen Verbreitung der Riester-Rente zu:

"Tatsache (ist), dass nur 16,5 Millionen Deutsche riestern, dies sind nur etwa 40 Prozent der Förderberechtigten. Auch viele Geringverdiener riestern nicht",

erläutert SCHERFF. Auch SCHERFF setzt fälschlicherweise die Anzahl der Verträge mit Personen gleich.

Obwohl SCHERFF viele Vorwürfe als - zumindest teilweise - berechtigt ansieht, verkauft uns der Autor die Riester-Rente als lukrativ - nur aufgrund der fragwürdigen Berechnungen des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung.

SCHERFF, Dyrk (2016): Rente mit 73.
Die Deutschen leben immer länger. Und immer gesünder. Was spricht dagegen, auch immer länger zu arbeiten?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.

Dyrk SCHERFF verteidigt den Bundesbank-Vorschlag einer Rente mit 69 gegen Sigmar GABRIEL. Dazu reiht er den Vorschlag in die Phalanx jener Neoliberaler ein, die im Interesse von Finanzdienstleister und Arbeitgeber bereits ähnliche Vorschläge unterbreitet haben.

"Länger arbeiten ist der Königsweg, um die Renten zu stabilisieren",

lautet das Credo von SCHERFF, der sich bislang nur als Befürworter der Kapitaldeckung hervorgetan hat. Unsicherheiten der Prognosen wischt SCHERFF einfach beiseite. Seine Expertenschar, die uns präsentiert wird, kennen wir bereits als Hausexperten der FAZ/FAS: Axel BÖRSCH-SUPAN, Andreas KRUSE, Jürgen PIMPERTZ und Jim VAUPEL. Man könnte meinen dass dies die einzigen Experten wären, die zu den Fragen arbeiten. Zumindest vertreten sie aber die richtigen Interessen. Aufklärung ist nicht die Sache von SCHERFF, sondern Kanalisierung. Wir sollen nicht nach links oder rechts schauen, sondern den Tunnelblick der Finanzdienstleister und Arbeitgeber, die nur ihren Profit im Blick haben, übernehmen. Soziale Ungleichheit? Sozialer Ausgleich? Das sind Fremdwörter - höchstens sie kommen den Profitinteressen gelegen - also als Rhetorik und nicht als Umsetzung in die Praxis.

"Schon jetzt übertrumpfen sich die Parteien mit Vorschlägen, das Rentenniveau bei 45 oder sogar 50 Prozent einfach festzuschreiben. Das würde 16 beziehungsweise 41 Milliarden Euro kosten, hat der renommierteste deutsche Ökonom für Altersfragen, Axel Börsch-Supan errechnet.
(...) Höhere Beiträge von bis zu 27 Prozent wären die Folge.",

erzählt uns SCHERFF. In der morgigen FR liest sich das bei Karl DOEMENS dagegen folgendermaßen:

"Das Prognos-Institut hatte bereits in der vergangenen Woche errechnet, dass ein Verzicht auf die beschlossenen Einschnitte bereits im Jahr 2030 mit jährlich 26,7 Milliarden Euro zu Buche schlagen würde. Wirtschaftswissenschaftler Börsch-Supan beziffert nun in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« die Mehrausgaben im Falle einer Anhebung des Rentenniveaus auf 50 Prozent gar auf 41 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2060 würde nach seinen Berechnungen der Beitragssatz von heute 18,7 auf 27,5 Prozent steigen."

Schon Mitte Mai diesen Jahres wurden uns von Jochen PIMPERTZ vom IW Köln nicht nur 41 Milliarden, sondern sogar 51 Milliarden Euro Kosten für eine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente auf 50 Prozent vorgerechnet. Diese Zahlen wurden dann wieder Anfang Juli zu polemischen Zwecken gegen ein Positionspapier der SPD-Linken in Stellung gebracht.

Die Zahlen zur notwendigen Beitragssatzsteigerung, die uns DOEMENS präsentiert, finden sich nicht im Text, sondern nur in der Grafik Rente und Lebenserwartung der FAS. Als Quellen werden IW und MEA genannt. Inwiefern die Berechnung auf BÖRSCH-SUPAN zurückgehen, kann der Leser gar nicht nachvollziehen. Man müsste dazu wissen, dass BÖRSCH-SUPAN Direktor des Munich Center for the Economics of Aging (MEA) ist. Berechnungen bis 2060 sind reine Kaffeesatzleserei. Das Statistische Bundesamt hat kürzlich die Treffsicherheit von Bevölkerungsvorausberechnungen untersucht und dabei nur einen Zeitraum von maximal 17 Jahren überprüft. Schon in diesem Zeitraum gab es eklatante Fehleinschätzungen bei den Annahmen zur Entwicklung der Zuwanderung und der Geburtenrate. Das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen im Jahr 2060 hängt aber entscheidend von diesen beiden Faktoren ab. Die Differenz zwischen dem erwarteten Beitragssatz (ohne Reformen) und einer Stabilisierung bei 50 % beträgt für das Jahr 2060 gerade einmal 4 % (27,5 % statt 23,5 %). In Anbetracht der gravierenden Unsicherheiten solcher Berechnungen sind diese Differenzen geradezu lächerlich gering. Nur so viel also zum Umgang mit Zahlen bei den vermeintlichen Qualitätszeitungen.

Der Gerontologe Andreas KRUSE, Verfechter eines Altersbildes, das den fitten Alten der oberen Mittelschicht zum Ausgangspunkt seines Gesellschaftsideals nimmt, wird uns als Gegenspieler von Sigmar GABRIEL in Sachen Arbeitsfähigkeit im Alter von Verkäuferin, Krankenschwester und Altenpfleger vorgestellt. Diese Frauenberufe werden uns als Beispiele für Berufsgruppen genannt, die nicht so lange durchhalten wie Bundesbanker. Wobei der Dachdecker, der bei der Rente mit 67 die tragende Rolle im Kampf gegen deren Einführung spielte, außen vor bleibt:

"»15 bis 20 Prozent der Erwerbstätigen haben Berufe, die körperlich im Alter schwer auszuüben sind«, sagt der Altersforscher Andreas Kruse von der Universität Heidelberg. Das heißt, für 80 Prozent der Beschäftigten gibt es zunächst einmal keinen Grund, nicht länger zu arbeiten."

Uns wird nicht verraten, welche Berufe das sind und auf welcher Stichprobe dieser Befund basiert. Möglicherweise sind die meisten Menschen bereits vorher an einer Berufskrankheit gestorben. Uns werden also wichtige Informationen zur Beurteilung der Sachlage vorenthalten. Nicht einmal eine Studie wird uns als Beleg genannt. Einzig die Expertenautorität muss uns genügen. Als Wissenschaftler lassen wir uns dagegen mit solcher Polemik nicht abspeisen. Zu jedem Experten existieren Gegenexperten. Aufklärung verlangt solche Gegenexperten vorzustellen - alles andere ist unseriös!

Zuletzt werden wir Deutschen im Vergleich zum Ausland als rückständig diffamiert. Denn uns werden selbst im Vergleich zur Vielzahl von Industriestaaten nur ein paar Ausnahmen von der Regel präsentiert, die jedoch mit dem Prädikat "fortschrittlich" geadelt werden:

"Schweden, Polen, Lettland, Italien haben ein System, in dem die Beschäftigten ihr Rentenalter frei wählen können und dann mehr oder weniger Rente bekommen, abhängig von ihren Einzahlungen."

Nach Rente mit 73 sieht das nicht aus. Und Polen als Vorbild? Sonst wird uns die nationalkonservative Regierung in Polen als eine Art Teufel präsentiert! Italien. Bankenkrise? Schweden? Sonst eine Ausgeburt des Sozialdemokratismus!

"Die Niederlande heben das Rentenalter gleitend auf mehr als 70 Jahre an. Dänemark und Norwegen planen die Einführung von Regelaltersgrenzen, die mit der Lebenserwartung steigen, Frankreich hat so etwas schon."

Bloße Absichtsbekundungen zu Reformen werden uns als Vorbilder verkauft? Offenbar sind die berechtigten Widerstände gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters - oder gar einen Automatismus der Kopplung an die Lebenserwartung - so groß, dass SCHERFF kaum fündig wird. Fortschrittliche Positionen sehen anders aus! Danach werden uns die Kopplungsvorstellungen von BÖRSCH-SUPAN schmackhaft gemacht:

"Steigt die Lebenserwartung um drei Jahre, würde die Rente ein Jahr später beginnen. Zwei Jahre bekäme der Rentner »geschenkt«. Nach diesem System würde die Rente 2060 mit 69,5 Jahren beginnen."

Rente mit 73? Fehlanzeige. Im Übrigen wurden uns in den vergangenen Monaten schon diverse Vorschläge - selbst in dieser Zeitung - präsentiert, die auf größere Einschnitte hinausliefen. Offenbar hat die Debatte bewirkt, dass einige Verfechter einer Erhöhung des Renteneintrittsalters ihre Strategie geändert haben: Salamitaktik, statt Dampfhammermethode. Erst mal die Rente mit 100 fordern, dann klingt die Rente mit 69 richtiggehend human! Dieses Spielchen unserer Neoliberalen werden wir wohl vor der Wahl noch öfters vorgesetzt bekommen.

SCHERFF, Dyrk (2016): Die Fonds, die immer gewinnen.
Absolute-Return-Fonds versprechen Gewinne, selbst wenn die Börsenkurse fallen. Das funktioniert ganz gut,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.

Dyrk SCHERFF bedient die Fraktion der Renditegierigen, denen der profitgierige Kapitalmarkt gerne mit immer neuen Produkten entgegenkommt. Krise? Kein Problem! Entwerfen wir einfach die nächste Wunderwaffe. Eine Untersuchung, die gerade einmal einen Zeitraum von 5 Jahren umfasst, ist eher wenig seriös. Höchstens etwas für Zocker, die zu viel Geld übrig haben. Die Anbieter gewinnen dagegen immer, allein durch die hohen Gebühren, die sie uns als Gegenleistung allein schon für ihre vollmundigen Versprechen abverlangen können.  

Neu:
SCHERFF, Dyrk (2016): Altersvorsorge in Gefahr.
Die niedrigen Zinsen machen alle Pläne für den Ruhestand hinfällig. Wir müssen neu rechnen. Das Ergebnis: Wer mehr spart und höhere Risiken eingeht, kommt gut über die Runden,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.08.

Dyrk SCHERFF preist uns die Interessen der Finanzdienstleistungsbranche an, als ob es unsere wären. Das ist die Sicht der Befürworter einer Kapitaldeckung, die die Risiken der Altersvorsorge von der Gesellschaft auf den Einzelnen verlagern wollen. Selbst schuld, wer da mitspielt und verliert. Gewinn macht auf alle Fälle die Finanzdienstleistungsbranche ("Gewinne werden privatisiert"), die Verluste dagegen werden sozialisiert: d.h. jedem Einzelnen zugeschrieben, der unter die Räder des Kapitalmarkts gekommen ist.

Die Niedrigzinsen bescheren uns nun zur Rentenlücke auch noch die Zinslücke, d.h. den Unterschied zwischen den vollmundigen Renditeversprechungen der Vergangenheit zur Realität der Gegenwart.

Die ganze Wahrheit will uns die FAS gar nicht erst zumuten, denn sie vergleicht nur den Istzustand mit dem Jahr 2006, also einem Jahr, in dem die vollmundigen Versprechungen bereits der ersten Kapitalmarktkrise zum Opfer gefallen waren. Der Istzustand wird dann noch 30 Jahre in die Zukunft fortgeschrieben. Ein pessimistischeres Szenario will man uns auch nicht zumuten.

Mit sagenhaften Renditen will uns SCHERFF nun von der Lebensversicherung (1,25 %, obwohl dieser 2017 auf 0,9 Prozent sinken soll!) abwerben und auf den Aktienmarkt locken (7 %). Während die 1,25 % garantiert sind, können auf dem Aktienmarkt jedoch 0 % winken, wenn man auf eine Firma gesetzt hat, die pleite geht. Wer so dumm ist, der ist eben nur selber schuld! Aber wer will schon 1.020 Euro im Jahr mehr sparen, wenn einem der Aktienmarkt mit nur 370 Euro Sparrate angepriesen wird? SCHERFF ist auch nicht so dumm, uns jene Aktie zu verraten, die uns die versprochenen 7 % Rendite bringen wird. Die FAS ist fein raus und bei den Finanzdienstleistern klingeln die Kassen. Uns dagegen bleibt nur das Prinzip Hoffnung, die stirbt bekanntlich zuletzt.

"Sieben Prozent im Jahr sind es im Schnitt der vergangenen Jahrzehnte",

zitiert SCHERFF seinen Experten vom VZ Vermögenszentrum. Und wir wissen nun auch, was es mit diesen 7 % wirklich auf sich hat. Warum sollte sich der Aktienmarkt der Zukunft aber genauso weiterentwickeln wie in der Vergangenheit? Dieses Geheimnis verrät uns SCHERFF nicht, denn wir haben es mit einer ganz banalen Wette auf die Zukunft zu tun. Aber auch die jetzigen Niedrigzinsen hatte keiner eingeplant. Die Zukunft ist offen - weswegen Trends der Vergangenheit keine Garantie sind. Nichtsdestotrotz wird uns die Vergangenheit von SCHERFF als eine solche Scheingarantie verkauft:

"Auf Sicht von 20 oder 30 Jahren hat der Dax als Ganzes in den vergangenen Jahren zu keiner Phase Verlust gemacht, trotz aller zwischenzeitlichen Kursstürzen. Im ungünstigsten Zeitraum haben die Anleger »nur« fünf Prozent im Jahr verdient, im besten 15 Prozent, hat das VZ Vermögenszentrum ausgerechnet. Da kann keine Zinsanlage mithalten."

Nur der Dax ist keine Aktie, weshalb wir es hier mit einer Milchmädchenrechnung zu tun haben, die uns die Risiken von Aktien verschleiern soll.

Hat uns gestern Volker WOLFF in der FAZ mühsam den Unsinn von Faustformeln erläutert, wischt SCHERFF heute alle Bedenken wieder weg:

"Experten (...) raten, 70 bis 80 Prozent des letzten Nettogehalts als Bedarf anzustreben. Allerdings kennt niemand sein Einkommen am Ende der Berufszeit. Schließlich weiß niemand genau, welchen Verlauf die Karriere nimmt.
Vermögensverwalter wie Tom Friess machen es daher einfacher.
»Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte habnen gezeigt, dass man gut im Alter zurecht kommt, wenn man zehn Prozent seines Nettogehalts und die Hälfte von Sonderzahlungen wie Weichnachtsgeld oder Boni spart.« Bleibt dann noch etwas übrig, ist es auch nicht schädlich, mehr zu sparen".

Die Finanzdienstleistungsbranche bedankt sich herzlich über solche Ratschläge!

SCHERFF, Dyrk (2016): Der Traum von der Unsterblichkeit.
Analyse: Werden wir irgendwann 1000 Jahre alt? Aber sicher, glauben manche Forscher. Ogottogott,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.08.

Der Traum von der Unsterblichkeit führt bei Dyrk SCHERFF nur über die Debatte um die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Unter diesem Gesichtspunkt wird auch klar, dass SCHERFF nur Forschungen begrüßt, die Zeiten des gesunden Lebens verlängern. Krankheiten aussterben lassen, statt die Lebenserwartung erhöhen. Dann könnten wir endlich alle bis in den Sarg hinein erwerbstätig sein. Rentenproblem gelöst!

 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 04. Juli 2016
Update: 11. Mai 2018