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Die SZ zeigt sich
angesichts der geballten Ladung konservativer
Meinungsforschung völlig ignorant! Die Studien werden mit
keinem Wort erwähnt, denn der SZ-Autor hat anderes im
Sinn.
BERTH zeigt auf, dass
Deutschland zwar der Alleinverdiener-Familie europaweit die
beste finanzielle Unterstützung bietet.
Die Geburtenrate bleibt
davon jedoch seiner Meinung nach völlig unbeeindruckt.
Die Steigerung der
Geburtenrate verlangt gemäß BERTH deshalb nach einer
Umverteilung von der Alleinverdiener- auf die
Doppelverdiener-Familie:
"Eine Million Euro für die
Kinderbetreuung bewirkt mehr als fünf Millionen Euro
Kindergeld".
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BERTH, Felix (2005): Statistik auf Erstklässler-Niveau.
Wegen
schlechter Datenerhebung lässt sich die tatsächliche
Kinderlosigkeit in Deutschland nicht genau beziffern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.02.
Was BERTH hier betreibt,
das ist die Verharmlosung eines bevölkerungsstatistischen
Desasters! BERTH schreibt dazu:
"Die Ämter speichern nur die Reihenfolge
der Kinder in einer Ehe. Nichteheliche Kinder - in den neuen
Bundesländern werden inzwischen die Hälfte aller Kinder von
ledigen Müttern geboren - gehen in die Berechnung der
Kinderlosigkeit nicht ein.
Das Phänomen der hohen deutschen Kinderlosigkeit, das
übrigens nur in den alten Bundesländern festzustellen ist,
ist trotzdem kein Phantom."
Was BERTH hier behandelt,
das hat single-generation.de bereits vor längerem als
"katholische Statistik",
bzw. als Problem der Normativität der deutschen Amtsstatistik
angeprangert.
Dies ist aber nur EIN
Problem bei der Schätzung der Kinderlosigkeit in Deutschland.
Die
gravierende Verzerrung durch Timingeffekte
wird von BERTH nicht einmal erwähnt.
Denn hier geht es darum, dass die
Geburtenraten der jüngeren Jahrgänge möglicherweise gar nicht
so viel geringer ausfallen werden als jene der 68er-Rentner,
die aus wahltaktischen Gründen aus der Schusslinie gebracht
wurden.
Auf keinen
Fall rechtfertigen sie das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts, das durch unseriöses Zahlenmaterial
des Bevölkerungswissenschaftlers Herwig BIRG aus der
68er-Generation zustande kam.
Solange
die Generation Golf dies noch nicht erkannt hat,
sondern sich die 68er-Deutungen zu eigen macht, können
sich unsere 68er-Bevölkerungswissenschaftler beruhigt
zurücklehnen.
Solange Frauen den Männern
Zeugungsstreik
und die Männer den Frauen Gebärstreik vorwerfen, solange
können sich die 68er und ihre Epigonen ins Fäustchen
lachen. Ihre Saat der Verdummung ist aufgegangen. Die Jungen
zerfleischen sich selbst!
Die Dokumentation auf
single-generation.de zeigt jedoch, dass die
Single-Lüge
nicht ewig aufrecht erhalten werden kann. Was heute auf
single-generation.de steht, das wird übermorgen auch in
den Tageszeitungen stehen... |
BERTH, Felix (2005): Verspätete Eltern.
Je länger
junge Erwachsene zuhause leben, umso schwieriger wird die
Familiengründung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.03.
Neuerdings geraten die
männlichen
Nesthocker in
den Blickpunkt. Bisher galt dies eher als spezifisch
italienisches Problem:
"Von den 25-jährigen deutschen Männern
wohnen ungefähr vierzig Prozent noch im Elternhaus - mit
steigender Tendenz, wie das Statistische Bundesamt ermittelt
hat."
BERTH sieht darin Probleme
für die Eigenständigkeit und für die Familiengründung. Mit
Hilfe von ökonomischen Anreizen soll die Politik nach Meinung
von BERTH gegensteuern.
Vorbild sind hier Finnland
(Eigenständigkeit) und besonders Frankreich (Steigerung der
Geburtenrate). |
BERTH, Felix (2005): Baby-Bonus.
Australien
erhöht mit finanziellen Anreizen die Geburtenrate,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.08.
| Es gibt
eine Zeitenwende in der bevölkerungspolitischen Rhetorik! Galt
bislang ein demografischer Fatalismus, so kennzeichnet die
demografische Rhetorik nun einen demografischen Aktionismus.
Diese neue Leitlinie findet sich im Buch
Schrumpfende Gesellschaft des
Reaktionärs Franz-Xaver KAUFMANN. BERTH
berichtet nun auf Seite 1 der SZ über Australien, wo
ein positiver Anstieg der Geburtenrate um 0,03 (!) als Erfolg
der Bevölkerungspolitik gedeutet wird. Für
Deutschland sind solche Schwankungen in der Geburtenrate seit
Jahrzehnten normal, ohne dass dies als Anstieg gedeutet worden
wäre.
Es muss sogar
davon ausgegangen werden, dass auch in Deutschland die
Geburtenrate ansteigt. Aufgrund des steigenden Erstgebäralters
wird die Geburtenrate seit Jahrzehnten zu niedrig ausgewiesen.
Bei den 1965 Geborenen liegt sie z.B. nicht bei 1,4, sondern
bei über 1,6. Offenbar soll nun aus dem zu erwartenden Anstieg
der Geburtenrate ein neuer Mythos über die Wirksamkeit von
Bevölkerungspolitik abgeleitet werden.
Diese politische Strategie hatte single-generation.de
bereits im Jahr 2003 vorausgesehen. |
|
BERTH kritisiert die
sozial- bzw. familienpolitischen Weichenstellungen, die im
Koalitionsvertrag festgeschrieben worden sind. Im Sinne von
Hans BERTRAMs nachhaltiger Familienpolitik
mahnt er eine Politik an, die das Nesthockertum begrenzt, und
die frühe Selbständigkeit fördert. |
BERTH, Felix (2005): Wer zweifelt, zeugt nicht.
Warum
Geburtenraten sinken und Elternratgeber boomen - Anmerkungen zur
deutschen Kinderlosigkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.
BERTH
fühlt sich angesichts der Dramatisierungen der Kinderlosigkeit
- auch in der SZ - veranlasst, darauf hinzuweisen, dass
in erster Linie die steigende Lebenserwartung dafür
verantwortlich ist, dass die Haushalte der Kinderlosen
zunehmen:
"In der
scheinbar so dramatischen Zahl der kinderlosen Haushalte
spiegelt sich (...) die Alterung der Gesellschaft: Wenn die
Deutschen - glücklicherweise - immer länger leben, ist es
kein Wunder, dass die Zahl der Haushalte mit älteren
Menschen steigt und der Anteil der kleinen Kinder sinkt."
Danach beschreibt BERTH
die typischen Kinderlosen anhand zweier Fallbeispiele. Die
weibliche Variante ist die Kinderlosigkeit der Karrierefrau.
Der Aufschub des Kinderwunsches wegen fehlendem Partner oder
der Unmöglichkeit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist
die Ursache, dass der Zeitpunkt, zu dem Kinder biologisch noch
möglich wären, verpasst wird. Die männliche Variante ist
dagegen der kinderlose Geringverdiener, der sich der
Ernährerrolle nicht gewachsen fühlt. Beide Varianten versucht
BERTH auf die Kultur der Selbstreflexion und damit des
Zweifels zurückzuführen. Als Experten wurden
Christian SCHMITT und
Günter BURKART
befragt. Die
Lösung des Kinderproblems sieht BERTH in einer
Familienpolitik, die als Sicherheitspolitik konzipiert ist. Leider
vergisst BERTH, dass die Familiengründung bereits mit der
Paarbildung beginnt. Wenn die Sicherheit der Familie durch die
Unsicherheit des Paarlebens erkauft wird, dann wird der oder
die Alleinerziehende zur Norm erhoben. |
| Felix
BERTH verkündet das Ende der Ideologien in der
Familiendebatte. Dies ist ein übler Scherz!
BERTH baut erst einmal ein Feindbild auf, das spätestens seit
Anfang der 90er Jahre nur noch ein Pappkamerad war: Der Kampf
des konservativen Patriarchen gegen die linke Kämpferin.
Sicher, als Vernebelung des Kampfes der Lebensstile zwischen
"alter" und "neuer Mitte", waren diese Pappkameraden
Motor einer
Entwicklung, die im heutigen Familienfundamentalismus endete.
Der Soziologe
Ulrich BECK hat mit seiner Individualisierungsthese das
Skript für
diese Scheindebatte
geliefert. Der
Paradigmenwechsel von
Ulrich BECK
zu
Gösta
ESPING-ANDERSEN ist
gleichzeitig ein Wechsel von der Familien- zur
Bevölkerungspolitik. Gemeinsam ist beiden jedoch die
Ökonomisierung des Sozialen.
Nicht das Ende der
Ideologien ist gekommen, sondern nur die Ablösung einer alten
durch eine neue Ideologie.
Dies hat Konsequenzen, denn
wir haben es mit einer neuen historischen Allianz der
Besitzstandswahrer von "alter" und "neuer Mitte" zu tun.
Die Folge sind Umverteilungen von unten nach oben. Die Rente
mit 67 und das Elterngeld sind Ausdruck eines neuen
Klassenbewusstseins. Die Zeche zahlen die Geringverdiener.
ESPING-ANDERSEN schreibt dazu:
"Die viel
bedeutsamere Verteilungsfrage ist intra-generationeller
Natur: In allen OECD-Ländern beruht die
Rentenfinanzierung gegenwärtig nicht auf Gegenseitigkeit,
sondern sie ist degressiv; je mehr sie auf den Lohn- und
Gehaltszahlungen beruht, desto degressiver ist sie. Denn man
darf nicht vergessen, dass Langlebigkeit und Sterblichkeit
nicht gleichmäßig verteilt sind. Die sozial gehobenen
Schichten leben durchschnittlich etwa fünf bis sieben Jahre
länger als die Durchschnittsarbeiter. Und diejenigen, die
die Sonnenseite des Alterns genießen werden, sind eben jene,
die das privilegierteste
Leben geführt, die größten Einkommen und die meiste
Lebenszeit akkumuliert haben. Es werden die Reichen sein,
die sowohl hinsichtlich der Altersbezüge als auch
hinsichtlich der Altenpflege profitieren."
BERTH fordert, dass
Kinderlose im Rentensystem stärker belastet werden:
"Wer heute auf
Nachwuchs verzichtet, muss im Alter keine Risiken fürchten.
Diese Trittbrettfahrer des Systems
stärker
zu belasten wäre sinnvoll -
schließlich verfügen sie über Geld und Zeit, die andere zur
Kindererziehung benötigen."
BERTH outet sich damit
als Sympathisant der Nationalkonservativen und einer
Biologisierung des Sozialen. Von wem aber schreibt BERTH hier
überhaupt? Doch offensichtlich nicht von den
68ern, die zwar Teil des Problems sind, sich aber gerade
jeglicher Verantwortung entziehen.
Betroffen
werden also die Nach-68er sein. Diese sind jedoch durch die
Arbeitsmarktkrisen seit Mitte der 70er Jahre, den Wertverfall
von Bildungsabschlüssen und die Abschottung des ersten
Arbeitsmarktes im besonderen Maße betroffen. Sie waren also
gar nicht in der Lage jene Rentenansprüche aufzubauen, die
BERTH hier anprangert.
Die
68er-Generation wird die
letzte "reiche" Rentnergeneration
mit den geringsten intra-generationellen Unterschieden in
Deutschland gewesen sein.
Wenn jetzt BERTH versucht die Nach-68er in Kinderlose und
Eltern zu spalten, dann mag das den Staat und die Unternehmen
entlasten (das ist der
Hauptzweck eines katholischen Sozialstaats),
nur das Problem der ungewollten Kinderlosigkeit wird
sich dadurch nicht lösen lassen.
Was
nützt das Elterngeld den jungen Singles der Generation
Praktikum, die ihr Dasein als
Lebenspraktikanten (Nikola RICHTER)
fristen? Was nützt eine Kinderbetreuung, wenn der Arbeitsplatz
fehlt, der eine Familie ernähren könnte?
Es gibt ja Optimisten, die behaupten, dass in Zukunft
Arbeitskräftemangel herrschen wird. Dieses Argument ist
ungefähr genauso alt wie die Arbeitsmarktkrise selbst! Es wird
keinen generellen Arbeitskräftemangel geben, selbst bei
Rückgang des Erwerbskräftepotentials. Die beste
Familienpolitik ist jene, die Arbeitsplätze schafft, die eine
Familie ernähren können.
Wer dagegen
Kinderlose bestrafen möchte, der übersieht, dass der Aufschub
des Kinderkriegens kein Mentalitäts- sondern ein
Strukturproblem ist.
Und er erweckt die
gefährliche Erwartung, dass lebenslang Kinderlose einen
relevanten Beitrag zur finanziellen Entlastung von Eltern
leisten könnten (Die
besser verdienende, globale Elite der Kinderlosen hat längst
die Exitoption gewählt).
Lebenslange Kinderlosigkeit ist jedoch mittlerweile in
steigendem Maße die Folge von Chancenungleichheit und
fehlenden Ressourcen, wenn man die
kinderlosen Karrierefrauen
einmal außer Acht lässt. Oder wie es Susanne GASCHKE in ihrem
Buch
Die Emanzipationsfalle
ausdrückt: Es handelt sich um Männer, die unzumutbar sind! |
BERTH, Felix (2006): Windeln und Wachsmalkreiden.
Ein
Muttertagsgruß: Warum die Zukunft der Familien weniger dramatisch
ist als oft behauptet,
in: Süddeutsche Zeitung v. 13.05.
Die SZ bietet heute
wieder Einblicke in die Dramaturgie des statistischen
Ringkampfes um die Familie. Während BERTH im Politikteil das
fast heile Bild der Familie zeichnet, vermeldet der
Panoramateil Deutschland bei Geburten Schlusslicht.
Die
Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur behauptet,
dass nach der neusten EU-Statistik die deutsche Geburtenrate
EU-weit die Niedrigste sei. Dies
ist falsch. In der Meldung geht es nicht um die Geburtenrate,
sondern um die rohe Geburtenziffer. Diese
ist jedoch für internationale Vergleiche nicht aussagekräftig.
Sie wird dennoch gerne zur Dramatisierung benutzt, weil sie
weniger die Fruchtbarkeit der Frauen (Geburtenrate), sondern
in erster Linie die Erhöhung der Lebenserwartung und damit die
gesellschaftliche Altersstruktur widerspiegelt. Dagegen gibt
BERTH Entwarnung:
"Weiterhin entscheiden sich knapp drei von vier
Akademikerinnen für Nachwuchs; in anderen Gruppen sind es
mehr".
Die neueste Hausmitteilung des
Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung bestätigt zudem
noch einmal, dass die März-Debatte der Mitte-Presse um den
dramatischen Geburtenrückgang einer
Falschmeldung der Welt
aufgesessen ist. Nur
zu gern wollten die Redakteure der Qualitätspresse glauben,
was ihnen so gut zur Präsentation des SCHIRRMACHER-Pamphlets
und einer Studie des Berlin-Instituts gepasst hat. |
BERTH, Felix
(2006): Späte Mütter.
Immer mehr Frauen bekommen erst mit 40 Jahren Kinder. Warum
eigentlich?
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.05.
|
Mit Verweis auf Hans
BERTRAM berichtet BERTH, dass "1975 jede dritte deutsche
Familie drei oder mehr Kinder" hatte. Im Jahr 2000 war nur
noch jede siebte kinderreich. |
BERTH, Felix (2006):
Der Mythos vom Einzelkind,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.12.
|
Mit Verweis auf Gert G.
WAGNER berichtet BERTH, dass 80 % aller Kinder im Alter von 6
bis 10 Jahren Geschwister haben. |
BERTH, Felix (2006):
Starthilfe für die Zögernden.
Warum das
neue Elterngeld die Geburtenraten in der Bundesrepublik erhöhen
kann,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.12.
BERTH, Felix (2007): Eine Rechnung für Kinder.
Wem nützt
ein Familiensplitting nach französischem Vorbild - und wem nicht?
Eine Steuerfahndung in acht Kapiteln,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.02.
Felix BERTH greift in die
Debatte
um die Reform des Ehegattensplittings
ein. Er bevorzugt nicht das Familiensplitting à la Frankreich,
sondern die Individualbesteuerung, wie in Österreich,
Großbritannien oder den skandinavischen Ländern:
"ein System, bei dem jeder Erwerbstätige,
egal ob verheiratet oder nicht, individuell besteuert wird.
(...).
Der Staat bezieht mit einem solchen Modell Position. Dafür,
dass Männer nicht Alleinverdiener bleiben. Dafür, dass
Frauen auf dem Arbeitsmarkt erwünscht sind. Dafür, dass
Eltern sich die Erwerbsarbeit teilen. In unsicheren Zeiten
ist all dies wichtig".
|
BERTH, Felix (2007): Das Glück im Getümmel.
Neue Studien
zeigen, dass die Betreuung in Krippen den Kindern guttut,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.02.
|
BERTH vergleicht die
Debatten um die Kinderbetreuung in der Ära Ursula LEHR
(Familienministerin 1988- 1991) und der Ära von der LEYEN. Er
kommt zum Schluss, dass heute - im Gegensatz zu damals - nur
noch eine Minderheit (z.B. Jochen PECHSTEIN und
Christa
MEVES) die Krippenerziehung für
schädlich hält. |
BERTH, Felix (2007): Die
Deutschen wollen mehr Kinder.
Eine Studie liefert überraschende
Ergebnisse: Der Trend geht zur Großfamilie. Hat unsere
Familienpolitik endlich gefruchtet? Oder wollten sich die
Befragten aus Imagegründen kinderfreundlicher geben als sie sind?
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.10.
Die
Aussagekraft von Studien zum Kinderwunsch ist umstritten.
Nichtsdestotrotz gehören sie zum Standardinstrumentarium der
Umfrageforschung. Bereits
im Oktober 2006 erschien die Publikation Childbearing
Preferences and Family Issues in Europe. Die Umfrage zum
Kinderwunsch wurde im Februar/März 2006 in den 25
Mitgliedstaaten der EG durchgeführt. Warum
berichtet BERTH erst jetzt darüber, wäre eine der Fragen, die
unbeantwortet bleiben. Hängt es damit zusammen, dass
die Studie den gängigen Interpretationen - insbesondere des
Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung - widerspricht? In
Deutschland wurde die Umfrage ausgerechnet im
Zeitraum vom 24.
Februar bis zum 19. März 2006
durchgeführt, also mitten in der
heißen Phase der Debatte um das Buch Minimum von Frank
SCHIRRMACHER. Der
überraschende Anstieg des Kinderwunsches, die die europäische
Kinderwunsch-Studie für Deutschland feststellt, könnte also
Ergebnis dieser Debatte sein.
Wenn dies so wäre, dann wäre aber auch das Gegenteil richtig,
dass nämlich die Debatte um die Single-Gesellschaft - also die
Single-Lüge
- dafür verantwortlich wäre, dass der Kinderwunsch in den
letzten Jahren gesunken ist. Unabhängig
davon ist die Frage, wie eng der Zusammenhang zwischen
geäußertem Kinderwunsch und Kinderkriegen ist. Vieles spricht
dafür, dass der Zusammenhang zwischen Einstellung
(Kinderwunsch) und Verhalten (Kinderkriegen) weniger eng ist,
als es diejenigen behaupten, die von einer
Kultur der Kinderlosigkeit
in Deutschland sprechen. |
BERTH, Felix (2007): Ein
teures System.
Wer profitiert von 10 Prozent mehr
Kindergeld? Die Kinder der Armen bestimmt nicht - sie müssen von
Hartz IV leben. Steinbrücks Verweigerung der Kindergeld-Erhöhung
ist vernünftig,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.11.
| Am
Donnerstag stellte der Deutsche Kinderschutzbund, einer der
Lobbyisten in Sachen Familie, seinen Kinderreport 2007
vor. Elternlobbyist
Jürgen BORCHERT ist einer der Mitverfasser, der den
Konflikt Eltern gegen Kinderlose
forciert.
Felix BERTH verteidigt in seinem Kommentar die Ablehnung einer
Kindergelderhöhung mit der Begründung, dass dieses Geld als
Investition in die Kinderbetreuung besser angelegt ist. |
BERTH, Felix (2008): Ein Land und seine zahlreichen Geburtstage.
Viele halten
das Elterngeld für das Wundermittel, doch dies ist nicht alleine
der Grund für den Anstieg der Kinderzahl,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.08.
| BERTH
verbreitet Optimismus. Er stilisiert Dänemark zum Vorbild. Das
skandinavische Land führte 1983 ein Elterngeld ein. Danach
stieg gemäß BERTH die Geburtenrate innerhalb von 10 Jahren
kontinuierlich von 1,38 auf über 1,8. |
BERTH, Felix (2008):
Unterm Strich bleibt die Hoffnung.
Im Vergleich
zu Frankreich oder Island ist die Geburtenrate in Deutschland
niedrig - aber jetzt kann wenigstens kaum noch einer von
Kinderfeindlichkeit reden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.08.
BERTH
stellt 3 Behauptungen auf, die er zu belegen versucht:
"Die Geburtenrate ist
erstens unwichtig, zweitens ungenau und drittens ungeheuer
interessant."
Ersteres zielt darauf
ab, dass der Einfluss der Geburtenrate auf die
Bevölkerungszahl eher gering ist. Der
zweite Aspekt zielt auf
Verzerrungen durch den sog. Tempoeffekt
ab und der dritte Aspekt rankt sich um die Problemdefinition,
die an spezifischen Geburtenraten festgemacht wird.
Um die
Geburtenraten von
2,1 (Bestandserhaltungszahl)
und 1,3 (z.B. low fertility trap, siehe
Kultur der Kinderlosigkeit oder
lowest low fertility, siehe
New York
Times Magazine) haben Demografen
inzwischen wirkungsmächtige Mythen konstruiert. |
BERTH, Felix (2008):
Baby-Boom in München.
Im ersten Halbjahr 2007 steigt die Zahl
der Geburten in der Landeshauptstadt deutlich an - das Elterngeld
hat einen Anteil daran,
in:
sueddeutsche.de v. 14.11.
Für BERTH erklärt das
Elterngeld die vergleichsweise hohen Geburtenzuwächse in
Großstädten wie München:
"Plausibel
ist (...), dass das neu eingeführte Elterngeld gerade in
wohlhabenden Städten wie München Wirkung zeigt. Denn wie
viel Geld Eltern vom Staat erhalten, hängt von ihrem
Einkommen vor der Babypause ab. Wohlhabende Paare
profitieren stärker, weshalb der finanzielle Anreiz zum
Kinderkriegen in München höher ausfällt als in ärmeren
Städten, wo viele Eltern nur den Elterngeld-Mindestsatz von
300 Euro bekommen."
|
BERTH, Felix (2009): Rezepte mit erfreulichen Nebenwirkungen.
Die Familienpolitik hat es offenbar
geschafft, dass sich immer mehr deutsche Paare für Nachwuchs
entscheiden,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 17.02.
BERTH, Felix (2009):
Zahlentricks der Ministerin,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.03.
BERTH, Felix
(2009): Das verschwundene Fräulein.
Mit
den Familien ändern sich die Begriffe: ein sprachhistorisches
Lexikon über Eltern, Kinder und ihre Beziehungen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.04.
Das Glossar von BERTH liest
sich wie zusammengegoogelt. Zum
Begriff "Single (USA)" wird der
Klappentext von
Sex and the Single-Girl zitiert.
Deutsch klingt das viel weniger sexy: Sex und ledige
Mädchen. Der Begriff
"alte Jungfer"
verschwindet. Mehr über den Begriffswandel und seine
gesellschaftlichen Hintergründe findet man
hier.
Zum Single (BRD) wird ein FAZ-Leitartikel von Johannes
Groß zitiert. Der Anlaß: die
erste große Single-Studie im Auftrag des Spiegel
wird verschwiegen.
"Bis in die neunziger Jahre werden
Singles verdächtigt, egoistisch und beziehungsunfähig zu
sein".
Das soll inzwischen
verschwunden sein? Danach wird der Single-Begriff von BERTH
entkernt, denn anders lässt sich Folgendes nicht erklären:
"statt der Singles stehen eher die
Kinderlosen unter kritischer Beobachtung".
Das macht es sich entschieden zu
einfach. In der politischen Debatte wurden bislang Kinderlose
mit Singles im Sinne von Einpersonenhaushalten gleich gesetzt.
Die Ursache lag im fehlenden Willen von Politik, Medien und
Wissenschaft sich des Themas differenzierter anzunehmen. Erst
nachdem die Rentendebatte zu Ende war und Kinderlose zu einem
höheren Beitrag verdonnert wurden, setzten die ersten
differenzierteren wissenschaftlichen Untersuchungen ein (mehr
dazu
hier und
hier). |
BERTH, Felix (2009): Kinder sind Nebensache.
Im Streik der Erzieher rückt die
pädagogische Arbeit in den Hintergrund: Demnächst wird in Kitas
wohl automatisch eingestellt, wer "Kinderbetreuung" korrekt
buchstabieren kann,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.05.
BERTH, Felix (2009): Kinder, Kinder.
Über das Kinderkriegen wird seit langem
heftig gestritten. Bekommen Akademikerinnen wirklich keinen
Nachwuchs? Und kann Politik das beeinflussen? Sechs demographische
Irrtümer,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.09.
|
Am 29. Juli
veröffentlichte das Statistische Bundesamt Daten zur
Kinderlosigkeit. Es ging wieder das Gespenst um, dass die
Kinderlosen Schuld an der niedrigen Geburtenrate seien. Die
Veröffentlichung von EUROSTAT
Anfang August heizte die Diskussion noch weiter an.
Redakteurinnen der
WAMS mussten sogar ihre
Kinderlosigkeit rechtfertigen. Heute
nun zeigt sich: Trotz "Zunahme" der Kinderlosigkeit ist die
Geburtenrate von 1,37 auf 1,38 gestiegen und das obwohl die
absolute Geburtenziffer zurückgegangen ist. Dies ist keineswegs
ungewöhnlich, sondern wurde hier des Öfteren erläutert -
zuletzt anlässlich der
EUROSTAT-Veröffentlichung.
Felix
BERTH hat nun in der Süddeutschen Zeitung 6 demografische
Irrtümer aufgelistet. Am 08.11.2005 kämpfte BERTH noch gegen 8
Vorurteile, weswegen hier ein Vergleich angestellt werden soll.
Was hat sich innerhalb der letzten 4 Jahre geändert?
1)
Ostdeutsche Frauen bleiben häufiger
kinderlos als Westdeutsche (2005). In Ostdeutschland
bekommen Frauen weniger Kinder als in Westdeutschland (2009).
Unter der Hand hat BERTH hier eine Akzentverschiebung vorgenommen:
nicht mehr die Kinderlosigkeit, sondern die Geburtenrate ist nun
der Fokus. Das
Beispiel der Welt
zeigt
jedoch, dass mit Kinderlosenzahlen immer noch Politik betrieben
wird.
2)
Vierzig Prozent der Akademikerinnen haben
keine Kinder (2005).
Fast vierzig Prozent der Akademikerinnen
bleiben kinderlos (2009). Das Thema ist zum einen von
Position 2 auf 4 abgerutscht, zum anderen setzte BERTH die
Akademikerinnenkinderlosigkeit 2005 mit 31 Prozent an, während es
nun heißt:
"Betrachtet
man die Älteren und beachtet ein paar andere demographische
Feinheiten, schnurren die beeindruckenden »fast vierzig Prozent«
auf gut zwanzig zusammen".
3)
Die niedrigen deutschen Geburtenraten liegen daran, dass so viele
Menschen kinderlos bleiben (2005). Dieser Aspekt wird
fallengelassen zugunsten des Vorurteils: In Deutschland sinkt die
Geburtenrate seit Jahren, deshalb ist sie die niedrigste Europas.
Die Geburtenrate stand weder bei der EUROSTAT noch bei der
DESTATIS-Veröffentlichung im Mittelpunkt, sondern es ging um
Geburtenzahlen. Nimmt BERTH also bereits die zu erwartenden
Agenturmeldungen vorweg?
4)
Wer Kinder bekommt, muss später auf Rente verzichten (2005).
Entfällt!
5)
Mehr als zwei Kinder werden für Eltern zur Last (2005) wird
ersetzt durch die Widerlegung des Vorurteils: Südeuropäische
Länder sind kinderfreundlicher als Deutschland, wobei
Kinderfreundlichkeit von BERTH anhand der Geburtenrate gemessen
wird. Soziologen wie
Karl Otto HONDRICH oder
Peter GROSS sehen das ganz
anders: Kinderfreundlichkeit ist ein Produkt niedriger
Kinderzahlen pro Frau.
6)
Kinderlosigkeit ist für einen Mann kein Problem - er kann ja
später noch Vater werden (2005). Entfällt!
7)
Jüngere Männer arbeiten stärker in den Familien (2005) wird zu:
Wenn viele Frauen arbeiten gehen, bekommen sie insgesamt weniger
Kinder.
8)
Die Datenlage zur Kinderlosigkeit in Deutschland ist miserabel
(2005). Das stimmte damals:
"Das
Mikrozensus-Gesetz gilt bis 2012, was allen Diskussionen über
deutsche Kinderlosigkeit auch in Zukunft eine erhebliche Unschärfe
belassen wird",
meinte BERTH damals. Diese
Einschätzung war falsch, denn
in diesem Jahr wurden erstmalig
Mikrozensusdaten nach neuem Gesetz veröffentlicht. Was
den Medien kaum eine Meldung wert war, obwohl die
Kinderlosenzahlen prompt wesentlich niedriger ausfielen.
Stellt
sich abschließend die Frage: Wozu das Ganze. Beweisen möchte BERTH
den neuen Punkt 2: Familienpolitik kann die Geburtenrate
beeinflussen, aber weniger als das manche Familienpolitiker gerne
hätten.
Schließlich war die SZ ganz vorne
beim Plädoyer für die Einführung des Elterngeldes. Oder anders
ausgedrückt: Politik für die Mütterelite. |
BERTH, Felix (2009): Der Brausekopf der
Kanzlerin.
Warum die Erhöhung des
Kindergeldes den Kindern nichts nutzen und den Schulen schaden
wird,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.10.
BERTH, Felix (2009): Zum Wohl der Kinder.
Statt über mögliche Formen des
Betreuungsgeldes zu streiten, sollte man den Kindergarten neu
erfinden - mit mehr Personal und Unterstützung für bildungsferne
Familien,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.11.
BERTH, Felix (2009): Das Märchen von der leeren Wiege.
Geburtenrate: Das Aussterben wird vorerst
vertagt: Die Geburtenraten in den Industriestaaten steigen wieder.
"Die Angst vor extrem niedrigen Geburtenraten, die seit den
neunziger Jahren aufkam, ist unbegründet", sagt Joshua Goldstein
vom Max-Planck-Institut für Demographie,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.12.
BERTH, Felix (2010): Das verflixte fünfte Jahr.
Ehen sind stabiler als gedacht - wenn sie
scheitern, dann früh,
in: Süddeutsche Zeitung v.
07.08.
BERTH, Felix (2010): Boom, Baby!
Warum viele
Frauen die Kinderfrage lange Zeit aufgeschoben haben - und sie nun
mit Ja beantworten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.12.
|
Bereits am 19. Dezember hat single-dasein.de anlässlich des
FAS-Artikels
Elterngeld zeugt keine
Kinder die Sachlage zu Elterngeld und Geburtenrate
analysiert und darauf hingewiesen, dass SZ und ZEIT
die schlechten Zahlen von 2009 aussitzen, aber die Befürworter
durch eine Agenturmeldung Aufwind bekommen würden.
Nun
ist zumindest bei der SZ die Zeit des Aussitzens vorbei.
Felix BERTH bereitete unter der Schlagzeile Geburtenwunder
bereits in der gestrigen SZ auf das heutige Tagesthema vor:
"Hält jemand das Elterngeld für
sinnvoll, weil es die Sicherheit junger Paare erhöht, so wird auch
der kleinste positive Trend bei den Geburtenraten in eine
Erfolgsmeldung umgedeutet. Hält jemand das Elterngeld für einen
Auswuchs des Wohlfahrtsstaates, betont man lieber, dass die
Kinderzahl nicht gestiegen ist."
BERTH hält sich an sein Skript
und deutet als Befürworter des Elterngeldes die
Zahlen für die ersten drei Quartale 2010 auf der Homepage des
Statistischen Bundesamtes als positiven Trend. Nicht nur
die absolute Zahl sei zum Vorjahr gestiegen, sondern auch die
Geburtenrate. Bei anhaltend zurückgehender Zahl der Frauen im
gebärfähigen Alter, sieht BERTH jetzt die letzte Gelegenheit für
die Frauen der Baby-Boomer-Generation angebrochen:
"Vor der endgültigen
Entscheidung stehen derzeit viele Frauen, die zur Generation der
Baby-Boomer gehören. Sie kamen in den späten sechziger und frühen
siebziger Jahren zur Welt, bevor der »Pillenknick« einsetzte."
BERTH definiert die
Baby-Boomer-Generation im Gegensatz zu wissenschaftlichen
Definitionen sehr großzügig. Im
GeroStat Report Altersdaten werden die Baby-Boomer z.B.
als die Jahrgänge 1959 - 1968 charakterisiert.
Zwischen
1968 und 1973 gab es in Deutschland einen rapiden Rückgang
potenzieller Mütter aufgrund des Geburtenrückgangs. Da es in den
Jahren danach jedoch größere Zuwanderungsgewinne gab, ist das
Reservoir potenzieller Mütter dieser Jahrgänge heutzutage größer
als damals.
In
der Welt nennt Claudia EHRENSTEIN die Geburtenanteile
verschiedener Altersgruppen für das Jahr 2009.
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Altersgruppen |
Geburtenzahlen 2009 |
| 30-34
Jährige |
208.927 |
| 35-39
Jährige |
116.061 |
| 40 und
älter |
ca.
28.000 |
Die Jahrgänge 1968 - 1970
gehören 2010 den 40Jährigen und Älteren an, die höchstens noch bei
den Frauen mit Hochschulabschluss in geringem Ausmaß zu den
Geburten beitragen. BERTH suggeriert jedoch, dass mit einem Zitat
von Michaela KREYENFELD vor allem die Zunahme der Geburten in der
Altersgruppe 40 Plus und allenfalls der Spätgebärenden in den
späten 30er Jahren gemeint seien. KREYENFELD spricht jedoch nur
vom Stillstand beim Geburtenaufschub. Dies bezieht sich jedoch
nicht nur auf die von BERTH hervorgehobene Altersgruppe, sondern
auf das durchschnittliche Gebäralter, das sich auf alle
gebärfähigen Frauenjahrgänge bezieht. Es könnte also sein, dass
jüngere Frauenjahrgänge wieder vermehrt früher ihre Kinder
bekommen.
Geburtenanstiege
müssen nicht unbedingt das Resultat einer höheren Geburtenrate
sein, sondern können auf der Veränderung des Generationenabstandes
- wie man früher sagte - bzw. der Tempoeffekte beruhen.
Auf
Spiegel Online versuchte Philipp WITTROCK zu erklären,
warum Deutschland vergeblich auf einen Babyboom hofft. Zur
Dementierung der SZ setzt er auf den Nationalkonservativen Herwig
BIRG, der um die Jahrtausendwende
maßgeblich für die Fehleinschätzung der Kinderlosigkeit in
Deutschland verantwortlich war.
Skeptiker
verweisen auf die Fehleinschätzungen der vergangenen Jahre, wonach
des Öfteren ein Babyboom proklamiert wurde, der sich dann doch
nicht erfüllte. Jenseits verzerrter Berichterstattung aufgrund der
Befürwortung oder Ablehnung des Elterngeldes, zeigt sich aber,
dass die Deutungshoheit der Nationalkonservativen im Schlepptau
von Herwig BIRG mit dem Mikrozensus 2008 bröckelt.
Die
Anzeichen für schwere Fehleinschätzungen bezüglich der
Kinderlosigkeit in Deutschland reißen nicht ab. Im kürzlich
erschienen Heft 1-2/2009 der Zeitschrift für
Bevölkerungswissenschaft muss der Bevölkerungswissenschaftler
Jürgen DORBRITZ eingestehen, dass der Generations and Gender
Survey (GGS) des Instituts für
Bevölkerungswissenschaft, der Aufschluss über den
demografischen Wandel geben sollte, ausgerechnet im Hinblick auf
die Kinderlosigkeit und die Paarbildung gravierende Mängel
aufweist:
"Als unbefriedigend sind
insbesondere die zur Kinderlosigkeit erhobenen Daten einzustufen.
Eine Überprüfung anhand der Daten des Mikrozensus 2008 für die
Geburtsjahrgänge 1933 - 1979 zeigt zwei Abweichungen des GGS. In
den Kohorten 1933 bis 1963 wird die Kinderlosigkeit deutlich
überschätzt, in den Kohorten 1965 bis 1973 ist der Anteil
kinderloser Frauen dagegen zu niedrig.
(...).
Ähnliche Schwächen zeigen sich auch bei der Partnerschaftsbildung
und der Eheschließung im Lebenslauf. (...). Der Anteil dauerhaft
partnerloser und unverheirateter westdeutscher Frauen ist zu hoch
und besonders die Muster der älteren Kohorten (z.B. 1930er
Jahrgänge) sind bezüglich des Anteils verheirateter Frauen nicht
kongruent mit der amtlichen Statistik.
Es hat sich damit ein Schwachpunkt des GGS gezeigt, der seit der
Verfügbarkeit der Daten des Mikrozensus zur Kinderlosigkeit auch
mit Fakten untermauert werden kann. (2009, S.14ff.)"
Insbesondere
Michaela KREYENFELD hat aufgrund ihrer wichtigen Forschungen
zur Kinderlosigkeit und zur Geburtenentwicklung bereits frühzeitig
auf die Probleme des - bei den deutschen
Bevölkerungswissenschaftlern viel genutzten - Surveys hingewiesen,
die sich nun offensichtlich bestätigt haben.
Bereits
das lange Ausbleiben dieser und früherer Publikationen deutete auf
gravierende Datenprobleme hin.
Bereits im Jahr 2007 kritisierte single-generation.de
die Sichtweise von Jürgen DORBRITZ zur Kultur der Kinderlosigkeit
und benannte das Datendesaster, das bis zuletzt immer wieder
beschönigt wurde.
Die
von Nationalkonservativen in Umlauf gebrachte These, dass eine
Geburtenrate von
1,3 (Lowest-Low-Fertilität-Land) sozusagen einen Point auf no
Return darstellen würde, wurde zuletzt auch vom "Vater des
Elterngeldes" Bert RÜRUP aufgegriffen:
"Wenn Kinderlosigkeit seit
langem verbreitet und gesellschaftlich akzeptiert ist, wird man
durch mehr Geld die Gebärfreude nicht erhöhen können. Unsere
familienpolitischen Vorbilder Schweden oder Frankreich waren nie
in einer solchen Geburtenfalle, und Modelle oder historische
Beispiele, wie ein Land aus einer solchen Falle herauskommt, gibt
es nicht."
Es könnte sein, dass sich diese
pessimistischen Sichtweisen in den nächsten Jahren als haltlos
erweisen. Sie scheinen jedoch politisch attraktiv zu sein, um
weitere Reformen durchzusetzen.
Schließlich soll
2011 das Jahr der Pflegereform werden und da sind positive
Meldungen kontraproduktiv.
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BERTH, Felix (2010): Die Kopftuch-Legende.
Bekommen
Einwanderer mehr Kinder als Deutsche? Untersuchungen zeigen, dass
die Geburtenrate von Migrantinnen seit Jahrzehnten sinkt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.12.
BERTH, Felix (2011): Neuer Anlauf.
Auch die SPD
diskutiert über die Besteuerung von Familien,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.01.
BERTH, Felix (2011):
Viel Lärm ums Kind.
Bund und
Länder wollen es Anwohnern erschweren, gegen Spielplätze und Kitas
vor Gericht zu ziehen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.01.2011
Neu:
BERTH, Felix (2011): Möhrenbrei und Latte macchiato.
Junge Frauen bekommen wieder mehr Kinder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.09.
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Die SZ berichtet auf der Titelseite über eine
Pressemeldung des Max-Planck-Institut für demografische
Forschung vom 2. September. Demnach bekommen die Frauen um
den Geburtsjahrgang 1970 wieder mehr Kinder. Das sind jene
Jahrgänge, über die Joachim LOTTMANN im Jahr 2004 den Poproman
Die Jugend von heute verfasst hat. Damals wurde die
Front im Demografiekrieg von den 1965 geborenen Frauen auf
die in den 1970ern geborenen Frauen verlegt. Was das Max
Planck-Institut für demografische Forschung nun belegt, das
ist nichts anderes als das, was single-generation.de
bereits im Jahr 2005 gegen die Interpreten des
Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung einwandte:
"HULLEN hat für die ab 1970
geborenen Frauen eine signifikant niedrigere Geburtenneigung
nachgewiesen, eine Tatsache, die sich im steigenden
Erstgebäralter ausdrückt.
Die
Frage ist also, ob die nach 1970 geborenen Frauen ihre
Geburten im späteren Alter nachholen, denn HULLEN konnte
keinen direkten Zusammenhang zwischen Erstgebäralter (Tempo)
und Geburtenhäufigkeit (Quantum) feststellen."
Bislang hat das
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung auf solche
Berechnungen des Max-Planck-Instituts für demografische
Forschung mit Dementis reagiert. Bei der
Geburtenentwicklung in den neuen Bundesländern musste das
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung jedoch seine
Einschätzungen wegen Unhaltbarkeit revidieren. Das könnte bald
auch auf anderen Feldern der Geburtenentwicklung der Fall
sein.
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