"Der
Lilith-Komplex lenkt die Aufmerksamkeit auf einen
zentralen, aber tabuisierten Teil der weiblichen
Psyche und beschreibt die damit verbundene,
dauerhaft nachwirkende, frühe Störung der
Mutter-Kind-Beziehung als Grundlage unserer
zunehmend neurotischen Gesellschaft. Ein ebenso
provozierendes wie nachdenklich machendes Buch über
die »Nachtseite des Weiblichen«.
Viele von uns fühlen sich von der Wirklichkeit
überfordert, haben Probleme mit ihren Partnerinnen
oder Partnern. Frauen erleben sich in ihrer Rolle
als Mutter um wesentliche Aspekte ihrer Weiblichkeit
reduziert, Eltern eigentümlich hilflos gegenüber den
Wünschen und Verhaltensweisen ihrer Kinder. Kein
Zweifel: Unser Selbstwertgefühl schwindet, immer
mehr Menschen benötigen professionelle Hilfe. Doch
woraus resultieren diese zunehmende psychische
Labilität und ihre gesellschaftlichen Folgen?
Hans-Joachim Maaz zeigt, wie sich in vielen
Ich-Störungen des Erwachsenen eine grundsätzliche
Störung des Mutter-Kind-Verhältnisses widerspiegelt.
Hierfür steht die mythische Gestalt der Lilith,
Adams erster Frau. Sie steht für Gleichwertigkeit
und Gleichberechtigung der Frau, für Sexualität,
Lust und Selbstbestimmung, für den Verzicht auf
eigene Kinder. Lilith ist die dunkle, die
verleugnete Schwester Evas. Die psychische
Tabuisierung und Verdrängung der Lilith – der
Lilith-Komplex – ist für Frauen und Männer Quelle
endlosen Leids, eines erbitterten
Geschlechterkampfes und jener massiven Störung des
Mutter-Kind-Verhältnisses. Die Diagnose, die Maaz
uns stellt, ist in mancher Hinsicht schmerzhaft.
Aber sie zeigt auch den Weg, wie Eva und Lilith in
uns – in Frauen und Männern – miteinander zu
versöhnen sind."
Pressestimmen
"In den fünfziger
und sechziger Jahren wurde bekanntlich sowohl in der
Psychoanalyse als auch in der Psychiatrie die Mutter
als pathogene Erscheinung entdeckt.
(...).
Die anfänglich recht übertriebene Schuldzuweisung an
die Mütter wurde wiederum gemildert, die wichtige
Problematik des Ödipuskomplexes als »Knotenpunkt«
der psychischen Fehlentwicklung in sehr vielen
Feinheiten immer wieder neu durchgespielt,
verworfen, neu überdacht. Alle diese Diskussionen
scheinen an Maaz vorbeigegangen zu sein. Für ihn
sind es wieder die bösen Mütter, die ziemlich
umstandslos alles Leid verursachen, der
Ödipuskomplex wird quasi beiläufig aus der Theorie
hinausexpediert. Stattdessen wird das ganze Arsenal
der Frühstörungen aufgeboten, um »Muttervergiftung«
oder »Muttermangel« in all ihren katastrophalen
Folgen aufzuzeigen."
(Eva Jaeggi in der Frankfurter Rundschau vom
19.03.2003)