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Hans-Werner Sinn: Feindbild Single

 
       
     
       
     
       
   

Hans-Werner Sinn in seiner eigenen Schreibe

 
   

SINN, Hans-Werner & Silke ÜBELMESSER (2000): Wann kippt Deutschland um?
in: Ifo-Schnelldienst 28 - 29, 53. Jahrgang

Die Autoren geben das Jahr 2023 als das Jahr an, in dem eine "Rentenreform in Richtung eines kapitalgedeckten Systems" aufgrund der Altersstruktur ("Gerontokratie") nicht mehr politisch durchsetzbar wäre.

Die Gefahr einer Herrschaft der Alten

SINN, Hans-Werner (2001): Rentenhöhe nach Kinderzahl.
Das Verfassungsgerichtsurteil zur Pflegeversicherung muss bei der Altersversorgung berücksichtigt werden,
in: Welt am Sonntag
v. 08.04.

SINN, Hans-Werner (2001): Der Sozialstaat braucht nicht zu weichen.
Doch das Prinzip der Inklusion ist zu überprüfen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.06.

BERTHOLD, Norbert/BÖRSCH-SUPAN, Axel/FRANZ, Wolfgang/SINN, Hans-Werner (2002): Hartz-Pläne sind nicht bezahlbar, 
SZ-Tagesthema: Sozialversicherung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.11.

SINN, Hans-Werner (2002): Wer keinen Nachwuchs hat, muss zahlen.
Unser Sozialsystem ist nur zu retten, wenn die notwendigen Rentenkürzungen und das Riester-Sparen auf Kinderlose konzentriert werden,
in: Financial Times Deutschland v. 29.12.

SINN ficht seinen Kampf der Familien gegen Singles weiter, um von der Ungleichheit quer zum Haushaltskontext abzulenken. Klassenkampf von oben einer selbstgefälligen Plutokratie! Eine bissige Kritik an SINNs Ansatz hat Iris HANIKA vefasst.

SINN, Hans-Werner (2003): Rente nach der Kinderzahl,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.01.

Eine Abrechnung von Iris HANIKA mit Hans-Werner SINN.

SINN, Hans-Werner (2003): PRO - Ja, sie sparen genug Geld, um zusätzlich vorzusorgen

SINN, Hans-Werner (2005): Führt die Kinderrente ein!
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.06.

Hans-Werner SINN stellt ein modifiziertes Konzept der Rente nach Kinderzahl vor. Dass bei SINN Kinderlose jedoch ausschließlich als Doppelverdiener in den Blick kommen, beweist, dass es ihm nicht um eine faire Behandlung von Kinderlosen geht, sondern im Vordergrund steht das Schüren von Ressentiments.

SINN, Hans-Werner (2006): Vom Fluch der guten Tat.
Damit mehr Kinder geboren werden, muss das Rentensystem umgebaut werden,
in: Die ZEIT Nr.13 v. 23.03.

Hans-Werner SINN verkündet wieder seine Lieblingslüge: das Rentensystem sei schuld, dass die Deutschen keine Kinder mehr bekommen. Gerade das Gegenteil ist der Fall: Die Jahre des Babybooms fallen genau in jene Zeit, in der an die Sicherheit der Rente geglaubt wurde. Mit der Schlechterstellung der JÜNGEREN Generationen und der Besserstellung der ÄLTEREN Generationen durch das Rentensystem seit den 1970er Jahren ging ein Vertrauensverlust und der Geburtenrückgang einher. Das Ifo-Institut hat zudem nachgewiesen, dass die Kinderlosen mit ihren Rentenbeiträgen überproportional zur Stabilität des Rentensystems beitragen. Davon profitieren jedoch nicht sie, sondern die Vorgängergenerationen. Völlig abstrus wird es, wenn SINN behauptet, dass die Akademikerinnenkinderlosigkeit zugenommen habe. Die BIEDENKOPF-Studie beweist das Gegenteil!

 
       
   

Hans-Werner Sinn: Porträts und Gespräche

 
   

MO (2002): "Das Rentenproblem wird nicht nur durch Zuwanderung gelöst".
Ifo-Chef Sinn fordert ein neues Finanzierungssystem für die Renten,
in: Tagesspiegel v. 26.04.

SCHÜTTE, Christian (2002): Hans-Werner Sinn.
Der öffentliche Lektor,
in: Financial Times Deutschland v. 14.05.

PIPER, Nikolaus (2002): Der Netzwerker.
Hans-Werner Sinn, der Präsident des Ifo-Instituts, ist Deutschlands meist zitierter Ökonom,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.06.

BRÖNSTRUP, Carsten & Stefan KAISER (2008): "1929 traf es die Juden - heute die Manager".
"Ifo-Chef Hans-Werner Sinn im Tagesspiegel-Interview über Sündenböcke der Finanzkrise, strengere Regulierung von Banken und weniger Wachstum,
in: Tagesspiegel v. 27.10.

Der neunmalkluge Sozialstaatskritiker Hans-Werner SINN verteidigt sich und die Wirtschaftselite. Schuld war das System:

"In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager. Als Volkswirt sehe ich stattdessen falsche Anreize und fehlende Regeln. Schauen Sie sich den Straßenverkehr in Indien an. Die Leute fahren links, rechts, auf dem Bürgersteig, das ist abenteuerlich. Der Verkehr kommt deswegen immer wieder ins Stocken. Sind daran die »Manager« an den Steuerrädern schuld oder fehlende Verkehrsregeln?"

Neu:
HÄRING, Norbert & Hans-Jürgen JAKOBS (2015): "Ich bin heute noch ein Weltverbesserer".
Er protestierte eines gegen Atomkraft - und findet sie heute gut. Gespräch mit dem Ifo-Präsidenten über seine Rolle, seine Kampagnen, seine Fehlurteile,
in: Handelsblatt v. 16.01.

Bei seiner Verteidigung der Rente nach Kinderzahl beruft sich Hans-Werner SINN auf eine persönliche Meinung der Pastorentochter Angela MERKEL aus dem Jahr 2003!

 
       
   

Hans-Werner Sinn in der Debatte

 
   
HANDELSBLATT-Titelgeschichte: Der falsche Prophet.
Die fünf Irrtümer des Ökonomen Hans-Werner Sinn

MÜNCHRATH, Jens u.a. (2015): Die Sinn-Frage.
Hans-Werner Sinn ist der einflussreichste und wortgewaltigste Ökonom Deutschlands. Doch zunehmend manövriert sich der Chef des Ifo Instituts mit seinen provokanten und nicht immer richtigen Thesen ins Abseits,
in: Handelsblatt v. 16.01.

FRATZSCHER, Marcel (2015): 1. Targetsalden.
Der Ifo-Chef hat die Debatte über Ungleichgewichte in der Euro-Zone in eine falsche Richtung gelenkt. Marcel Fratzscher erklärt die Target-Falle und warum sie keine war,
in: Handelsblatt v. 16.01.

BOFINGER, Peter (2015): 2. Basar-Ökonommie.
Nach Hans-Werner Sinns These verlagert sich die Wertschöpfung zunehmend ins Ausland - eine bizarre Vorstellung,
in: Handelsblatt v. 16.01.

KEMFERT, Claudia (2015): 3. Grünes Paradoxon.
Geht es n
ach Hans-Werner Sinn, sind alle Maßnahmen zum Klimaschutz unwirksam. Ein Irrglaube,
in: Handelsblatt v. 16.01.

RÜRUP, Bert (2015): 4. Kinderrente.
Würde
Hans-Werner Sinns Forderung nach weniger staatlicher Rente für Kinderlose durchgesetzt, wäre dies fatal für die ganze Gesellschaft,
in: Handelsblatt v. 16.01.

WELFENS, Paul (2015): 5. Zuwanderung.
Die Debatte um Zuwanderung bedarf einer soliden Analyse. Warum Hans-Werner Sinn sie nicht liefert,
in: Handelsblatt v. 16.01.

 
       
   

Ist Deutschland noch zu retten? (2003)
Econ Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Deutschland ist zum kranken Mann Europas geworden. Das Bildungssystem ist miserabel, die Wettbewerbsfähigkeit katastrophal. Die demografische Entwicklung lässt uns einknicken, die sozialen Sicherungssysteme sind marode und produzieren noch mehr Arbeitslosigkeit. Politiker, Wirtschaft und Gewerkschaften schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Wie konnte es so weit kommen? Hans-Werner Sinn gibt aufrüttelnde Antworten und zeigt in einem wegweisenden »Zehn-Punkte-Programm für die Erneuerung der Wirtschaft«, was sofort getan werden muss, um Deutschland zu retten."

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Zurück in die Wirklichkeit

1. Schlusslicht Deutschland

Vom Wirtschaftswunderland zum kranken Mann Europas
Der Aufstieg Englands
Auch Frankreich, Holland und Österreich überrunden Deutschland
Dichter, Denker und der tiefe Turm von Pisa
Japanische Pleitegeier im Anflug
Maastricher Vertrag: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein

2. Wie wir die Wettbewerbsfähigkeit verloren haben

Der Globalisierungsschock: China, Indien; USA und die vielen anderen
Die Flucht der Mittelständler nach Osteuropa
Markenschwindel aus purer Not
Rückgang des Weltmarktanteils
Der DAX im Wind des Turbo-Kapitalismus
Drei Schocks auf einmal: Euro, Binnenmarkt und Osterweiterung der EU
Internationale Arbeitsteilung: von der Globalisierung profitieren
Zu hohe Lohnkosten
Dr. Fritzchen Müllers Denkfehler bei den Lohnkosten
Warum es auf die Nachfrage nicht ankommt
Was wir bei den Lohnkosten von den Amerikanern und den Holländern lernen können

3. Arbeitsmarkt im Würgegriff der Gewerkschaften

Gewerkschaften damals und heute
Mokka im Ozean
Flächentarifvertrag als Kartellvereinbarung
Mehr Autonomie für die Betriebe
Weniger Kündigungsschutz, mehr Sicherheit des Arbeitsplatzes
Der Sozialstaat als heimlicher Komplize
Sparlohn statt Barlohn: ein möglicher Weg

4. Der Sozialstaat: mächtigster Konkurrent der Wirtschaft

Versicherung und moralisches Risiko
Lohnersatzeinkommen als Jobkiller
Gering Qualifizierte im Abseits
Anspruch und Wirklichkeit: Ungleichheit am Arbeitsmarkt
Der Michel vor der Eiger-Nordwand
Minijobs mit Miniwirkung: der Verdrängungseffekt
Das Mainzer Modell: nur eine Höhle in der Eiger-Nordwand
Frühverrentung: die Blüm'sche Teufelsspirale
Frühverrentung mit freiem Hinzuverdienst: der bessere Weg
Aktivierende Sozialhilfe: eine scharfe Waffe gegen die Arbeitslosigkeit

5. Der verblühende Osten

Der deutsche Mezzogiorno
Geld, Geld und noch mal Geld
Überholmanöver bei den Löhnen
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort
"Nur keine Japaner!": die zweifelhafte Rolle der westdeutschen Tarifpartner im Osten
Die Holländische Krankheit
Ein Befreiungsversuch

6. Der Steuerstaat: Fass ohne Boden

Der Staat: Leviathan oder Lastenesel?
Die Mär von der geringen Steuerquote
Der Weg in den Steuer- und Schuldenstaat
Wohn fließt das viele Geld?
Leistungsempfänger gegen Steuerzahler

Wie Energien verpulvert werden

Die Jagd nach Subventionen
Zu viele Abgaben: Weltmeister bei der Grenzabgabenlast
Schwarzarbeiterparadies Deutschland
Die Neidsteuern des Frank Bsirske
Warum man das Kapital nicht wirklich besteuern kann
Steuerreform 2000: ein kleiner Schritt in die richtige Richtung
Das Versiegen der Körperschaftsteuer
Eine wirklich mutige Steuerreform

7. Land der Greise

Warum werden wir immer älter?
Land ohne Kinder
Der Weg in die Gerontokratie: die Herrschaft der Alten
Rentenversicherung vor dem Kollaps
Die Scheinlösungen
Humankapital oder Realkapital: von nichts kommt nichts
Warum die Einwanderung nur einen kleinen Beitrag zur Lösung leisten kann
Adenauers Denkfehler oder: Warum wir eine aktive Bevölkerungspolitik brauchen
Das französische Beispiel
Kinderrente für Eltern und Riester-Rente für Kinderlose
Gewappnet für die Zukunft: die vier Rentensäulen

8. Spiel ohne Grenzen: EU-Erweiterung, Migration und neue Verfassung

Prinzipiell positiv: die europäische Vereinigung
Das Problem: extreme Niedriglohnkonkurrenz
Viele werden kommen
Warum die Wanderung eigentlich gut ist
Zuwanderung in die Arbeitslosigkeit
Zuwanderungsmagnet Sozialstaat
Abschreckungswettbewerb der Sozialtstaaten
Die neue EU-Verfassung: zwanzig Mezzogiorni in Europa
Die Lösung: verzögerte Integration in das Sozialsystem

Das 6+1-Programm für den Neuanfang

Kehrtwende bei den Tarifvereinbarungen
Weniger Macht für die Gewerkschaften!
Weniger Geld für das Nichtstun, mehr Geld für Jobs
Den Zuwanderungsmagneten abschalten
Eine wirklich radikale Steuerreform
Mehr Kinder, mehr Rente, mehr Fortschritt
Neuer Schwung in den neuen Ländern

Epilog

Einsicht oder Erfahrung

Zitate:

Prognose des Durchschnittsalters der UN 2002 für das Jahr 2020

Die "Deutschen (werden) im Jahr 2020 mit einem Wert von 46,7 Jahren zu den Völkern mit dem höchsten Durchschnittsalter gehören und damit natürlich auch deutlich über dem Durchschnitt der alten EU-Länder liegen (...), der 44,8 Jahre beträgt. Nur die Japaner (48,2 Jahre), die Italiener (48,5 Jahre) und die Schweizer (48,6 Jahre) werden uns übertreffen. Bemerkenswert niedrig sind dagegen die Werte für die USA (37,0 Jahre), Frankreich (42,2 Jahre) oder Irland (38,0 Jahre). Auch die künftigen EU-Länder aus Osteuropa haben eine deutlich jüngere Bevölkerung als Deutschland." (2003, S.339)

Vergleich der deutschen Alterspyramiden der Jahre 1875 und 2002

"Die Pyramide von 1875 kennzeichnete ein wachsendes, dynamisches Volk, das sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht zur Spitze der Welt hinbewegte. Der im mittleren Bereich bauchige Tannenbaum kennzeichnet das Gegenteil, eine saturierte, schlaffe Gesellschaft, die auch beim wirtschaftlichen Wachstum immer weiter zurückfällt."  (2003, S.347)

Frankreich wird das größte Land in West- und Mitteleuropa sein

"Die hohe französische Geburtenrate wird das Größenverhältnis zwischen den Bevölkerungen Deutschlands und Frankreichs verändern. Deutschland hatte im Jahr 2001 bei 82,4 Millionen Einwohnern 734.500 Geburten. Frankreich hatte bei 60,9 Millionen Einwohnern indes 804.100 Geburten. Obwohl die französische Bevölkerung kleiner als die deutsche ist, bringt sie schon heute eine absolut größere Gesamtzahl an Kindern hervor. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Frankreich das größte Land in West- und Mitteleuropa sein wird." (2003, S.381)

Die demografische Krise von 2020 - 2035 soll den Kinderlosen aufgebürdet werden

"Statt eine ganze Generation kollektiv in die Verantwortung zu nehmen, sollten die Rentenkürzungen, die durch die demografische Krise ab etwa 2020 nötig werden und ihren Höhepunkt um das Jahr 2035 erreichen werden, auf die Kinderlosen konzentriert werden." (2003, S.391) 

 
     
 
       
   

Rezensionen

HANK, Rainer (2003): Ein Retter für Deutschland,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.10.

Rainer HANK preist das Buch Ist Deutschland noch zu retten? von Hans-Werner Sinn an. Nur ein Streitpunkt wurde entdeckt: "Sinns Kinderrente  (...) wird von vielen (...) abgelehnt; sie plädieren lieber für eine radikale Umstellung der Vorsorge auf Kapitaldeckung."

ASC (2003): Sinn für Verarmung,
in: junge Welt v. 16.10.

FELIXBERGER, Peter (2003): Sinngemäß,
in: changeX v. 28.10.

DETTLING, Warnfried (2003): Der deutsche Weg.
Im Zwischenreich der Reformer: Mit dem notwendigen Umbau der Gesellschaft könnte das Land schwedischer und französischer zugleich werden,
in: Literaturen, November

FELD, Lars P. (2003): Marktversagen durch die Hintertür.
Hans-Werner Sinn errichtet eine Mahntafel für Globalisierungsoptimisten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.11.

LÜBBERDING, Frank (2003): Aus der Mottenkiste,
in: Die ZEIT Nr.46 v. 06.11.

MARTENSON, Sten (2003): Hans-Werner Sinn: Ist Deutschland noch zu retten?
in: DeutschlandRadio v. 21.11.

ESCH, Christian (2004); Geschichten aus der Murkelei.
Der Ökonom Hans-Werner Sinn will Deutschland retten, ohne den Sozialstaat aufzugeben,
in: Berliner Zeitung v. 26.01.

 
   

Die Rente nach Kinderzahl in der Debatte

PAPIER, Hans-Jürgen (2001): Das Rentenversicherungsrecht vor dem Grundgesetz.
Eigentum, Gleichheit und Schutz der Familie,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.06.

Der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts verteidigt das Rentensystem gegen jene, die wie Hans Werner SINN, einen Systemwechsel anstreben.

LIMINSKI, Jürgen (2002): Die deutsche Rentenversicherung ist zukunftsfähig, braucht aber Reformen.
Gespräch mit Horst Seehofer, früherer Sozial- und Gesundheitsminister und Mitglied im Stoiber-Kompetenzteam,
in: DeutschlandRadio v. 20.06.

Horst SEEHOFER spricht sich im Interview mit Jürgen LIMINSKI, der dem deutschen Familiennetzwerk angehört, für eine bevölkerungspolitische Lösung des Rentenproblems aus, die Kinderlose diskriminiert:

"Liminski: Auf einem Kongress letzte Woche in Berlin unter dem Titel »Demographie und Wohlstand« hat der Präsident des IFO-Instituts in München, Professor Sinn, im Haus der Deutschen Wirtschaft ein neues System vorgestellt, das den Vorzug hat, mit den Anregungen des Bundesverfassungsgerichts im Einklang zu stehen. Er meinte, der Beitrag soll nach der Kinderzahl, also der Zahl der künftigen Beitragszahler gestaffelt werden und bei mehr als drei gegen Null tendieren. Das fand den Beifall namhafter Wissenschaftler, auch aus Frankreich und den USA. Wäre das etwas für einen Arbeitsminister Seehofer, oder wollen Sie auch mit Minireformen, die niemanden wehtun, weitermachen?
            Seehofer: Ich halte den Vorschlag für sehr vernünftig. Ich glaube sogar, dass das Bundesverfassungsgericht die Politik zu einer solchen Realisierung verpflichtet hat. Sie wissen, ein ähnliches Urteil, Kinder bei der Höhe des Pflegeversicherungsbeitrages zu berücksichtigen, gibt es bereits vom Bundesverfassungsgericht, und deshalb werden wir natürlich in diese Richtung weiter arbeiten. Aber die Ehrlichkeit in einem Wahlkampf gebietet es, darauf hinzuweisen, dass unsere erste Priorität nach eine Regierungsübernahme die Steuerentlastung und die schrittweise Einführung des Familiengeldes ist. Wir können aus finanziellen Gründen nicht alles sofort realisieren, aber es bleibt sicher in unseren sozialpolitischen Zielen. Mit zweiter Priorität soll auch die Kinderzahl bei den Beiträgen zur Sozialversicherung stärker berücksichtigt werden."

NEUMANN, Philipp (2002): Kritik an möglicher Renten-Kürzung für Kinderlose.
Wirtschaftsforscher Sinn will Zahlungen halbieren. Union fordert einen Eltern-Bonus,
in: Welt v. 31.07.

GERBER, Torsten (2002): Klares Nein zur Halbierung der Rente von Nichteltern.
Seltene Einigkeit von SPD und CDU,
in: Welt am Sonntag v. 04.08.

LÄMMLE, Stefan W. (2002): Sinn und Unsinn,
in: Trierer Volksfreund v. 05.08.

Der lesenswerte Artikel:
HANIKA, Iris (2002): Kinder: Mehr als "Humankapital",
in: Signale - Gedanken zur Zeit. Sendung des DeutschlandRadio v. 26.12.

Iris HANIKA rechnet mit der fortschreitenden Ökonomisierung der Familie anhand des Beitrags von Hans-Werner SINN in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ab:

"Weil an Weihnachten einmal die Kinder selbst gemeint sind, ist dies auch die einzige Zeit des Jahres, wo, wer keine Kinder hat, mit Mitleid rechnen kann, denn an Weihnachten begreifen auch hart kalkulierende Eltern, daß ohne Kinder zu sein ziemlich traurig ist, auch wenn man dabei möglicherweise ein bißchen Geld spart. Den Rest des Jahres wird auf die Kinderlosen munter eingeschlagen",

meint HANIKA und widmet sich der Gleichsetzung von Reproduktion mit Kapitalbildung bei SINN. HANIKA geht dabei nicht nur bis zum "Ganzen Haus" zurück, sondern zur Sklavenhaltergesellschaft:

"Der Begriff »Humankapital« ist eigentlich nicht die modernisierte Form des Begriffs »Menschenmaterial«, der im Ersten Weltkrieg in den sich in Massengräber verwandelnden Schützengräben entstand, vielmehr ist »Humankapital« tatsächlich ein wirtschaftswissenschaftlicher Fachausdruck. Es ist für den Volkswirt das, was der Mensch selbst mitbringt oder aus sich selbst macht. (...). Nach der Theorie bilden auch Kinderlose Humankapital - indem sie sich bilden. Bei der Nonchalance jedoch, mit der Hans-Werner Sinn die bloße Reproduktion mit Kapitalbildung gleichsetzt, geht die technische Bedeutung dieses Begriffs verloren. Der Laie muß an dieser Stelle, wo Humankapital und Realkapital einander als qualitativ gleichwertig entgegengesetzt werden, Humankapital als das verstehen, als was Sklavenhalter ihre Arbeitssklaven verstehen: als Gelderzeugungsmaschinen in menschlicher Gestalt. Dabei können Kinder auch wirtschaftlichen Schaden anrichten, etwa indem sie später drogensüchtig oder kriminell oder allgemein Nichtsnutze werden und nur Kosten verursachen, statt etwas von dem in sie investierten Kapital zurückgeben."

GÖBEL, Heike (2003): Merkel will Kinderlose stärker belasten.
CDU-Vorsitzende für gestaffelte Rentenbeiträge. Selbstbehalt für Patienten mindestens 300 Euro,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.03.

Die kinderlose Yuppiefrau Angela MERKEL meint machtpolitisch zu punkten, wenn sie sich - die eigene Lebensform verleugnend - die Vorschläge von Familienvater Hans-Werner SINN zu eigen macht, der seit längerem immer wieder einmal die Halbierung der Renten für Kinderlose ins Gespräch gebracht hat. MERKEL betont, dass es ihre persönliche Meinung sei und sie nicht die Parteiposition vertrete.

HOFFMANN, Andreas (2003): "Erziehung muss Einfluss auf Altersruhegeld haben".
Sozialministerin Schmidt: Die Idee der CDU-Vorsitzenden verstößt gegen das Grundprinzip der Versicherung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.03.

UWE (2003): Merkels Rentenvorschläge.
Arbeit am unendlichen Plan
in: Tagesspiegel v. 29.03.

UWE bedauert, dass sich MERKELs Vorschläge höchstens langfristig umsetzen lassen.

FEUERSTEIN, Rainer (2003): Zur Kasse,
in: Stuttgarter Nachrichten v. 29.03.

FEUERSTEIN hat kein Herz für Angela MERKEL:

"Heißt Generationenvertrag denn nicht in erster Linie, dass die Jungen für die Alten zahlen, was ja auch Kinderlose tun? Wer zahlt mehr Lohnsteuer: Ein Single oder die Familie mit Steuerklasse III und drei Kindern? Wer bekommt Mutterschutz, Erziehungsgeld, Eigenheimzulage, kostenlose Krankenversicherung? Finanzieren das alles die Kinder später nach? Und was ist mit dem Mädchen, das später als Erwachsene im EU-Ausland arbeitet, also keinen Beitrag zur deutschen Rentenfinanzierung leistet? Wird ihren Eltern dann konsequenterweise auch die Rente gekürzt?
Ein blankes Aufrechnen von Renten mit der Anzahl zur Welt gebrachter Kinder ist ein ungeeignetes Mittel. Nicht der Single ist der Sündenbock für leere Rentenkassen, sondern die Politik. Dabei ginge es auch anders. Die Rahmenbedingungen für Eltern müssen so verbessert werden, dass es nicht mehr um eine Entscheidung für Kind oder Karriere geht. Für diese positive Perspektive zahlen dann alle - steuerfinanziert, damit alle sich daran beteiligen. Auch die kinderlose Abgeordnete Merkel".

THURNER-FROMM (2003): Politiker verspielen den Konsens,
in: Stuttgarter Zeitung v. 29.03.

THURNER-FROMM stört nur, dass überhaupt über die Rentenreform diskutiert wird.

STREIM, Andreas (2003): Nur eine Rentenkürzung,
in: Märkische Allgemeine v. 29.03.

"Im Gewand der populistischen Familienförderung kommt nur eine drastische Rentenkürzung daher. Und noch dazu eine ungerechte. Denn ein Drittel der heutigen Renten bezahlen nicht die Beitragszahler, sondern alle Steuerzahler, weil der Bund Milliarden in die Rentenkasse zuschießt. Daran sind wegen ihrer hohen Steuersätze Singles kräftig beteiligt - übrigens ebenso wie an der Finanzierung von Kindergeld, Lehrereinkommen oder dem Bau von Kitas", meint Andreas STREIM.

EICKMEIER, Dietrich (2003): Weniger Rente für Kinderlose?
Blaue Wunder, blaue Augen,
in: Weser Kurier v. 29.03.

EICKMEIER ist der irrigen Meinung, dass MERKEL nur die kinderlosen Ehepaare zur Rentenfinanzierung stärker heranziehen möchte.

DRIBBUSCH, Barbara (2003): Ein Schritt zu weit.
Rentendebatte: Kinderlosigkeit darf nicht bestraft werden,
in: TAZ v. 31.03.

Barbara DRIBBUSCH will eine Zäsur in der Rentendebatte erkannt haben:

"Es kommt plötzlich ein Moment der Bestrafung auf in der Rentendiskussion. So, als sollten Kinderlose büßen dafür, dass sie keinen Nachwuchs in die Welt setzten. Eine klare Grenzüberschreitung, denn es ist natürlich ein Unterschied, ob man für eine stärkere Förderung von Eltern und Kindern votiert oder ob man sich für massive Kürzungen bei Kinderlosen ausspricht".

Die Zäsur in der Debatte ist nicht erst jetzt, sondern bereits im Zuge des BVG-Urteils zur Pflegeversicherung vor fast 2 Jahren angelegt worden. In Anlehnung an die HARTZ-Reform macht DRIBBUSCH - humoristisch gemeint - Vorschläge zur Rettung der Sozialsysteme:

"Haben Singles ein Anrecht auf kostenlose staatliche Partnervermittlung, unter drei Vorschlägen muss dann aber einer genommen werden?"

Zum Abschluss kommt DRIBBUSCH dann zum gleichen Ergebnis wie THURNER-FROMM:

"Debatten wie die über den Merkel-Vorstoß befördern Ressentiments - zum Beispiel die zwischen Kinderlosen und Eltern. Mit Ressentiments aber lassen sich keine Sozialreformen machen".

REINERS, Willi (2003): Zuviel spricht gegen Merkels Rentenpläne.
Kürzung für Kinderlose? Experte Ruland geht mit der CDU-Chefin hart ins Gericht,
in: Stuttgarter Nachrichten v. 01.04.

ADAM, Konrad (2003): Ohne Kinder keine Rente,
in: Welt v. 01.04.

Singlefeind Konrad ADAM verteidigt Angela MERKELs Vorstoß, indem er Christian WULFFs Kritik an MERKELs Position in der Rentenpolitik kritisiert. Für ADAM ist der Staat ein Nachtwächterstaat, der nichts als die Konstanz der DEUTSCHEN Bevölkerungszahl im Sinne hat (Das sagt er hier nicht explizit, aber gemeint ist es so, wenn man das hinzu nimmt, was ADAM bereits in anderen Zusammenhängen geschrieben hat). Soziale Gerechtigkeit hat den Staat deshalb nicht zu interessieren.

FUHRMANN, Wilfried (2003): Von Kindern, Kinderlosen und Renten.
Der Zeitgeist ist kein guter Ratgeber,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.

FUHRMANN, der an der Potsdamer Universität Makroökonomische Theorie und Politik lehrt, ist ein falscher Freund der Singles. Er hält ein Plädoyer im Sinne der Interessen von Doppelkarriere-Paaren (benutzt jedoch den weiter gefassten Begriff der DINKs, der auch geringverdienende Doppelverdienerpaare beinhaltet) und Yuppies, d.h. gut verdienender Singles. Deshalb droht er:

"Wer im Rentensystem keine Nettobelastung, sondern einen ausnutzbaren Vorteil bei Kinderlosigkeit sieht, sollte im Sinne der Glaubwürdigkeit die Zwangsmitgliedschaft für Kinderlose aufheben".

Nichtsdestotrotz finden sich auch Argumente, die für Singles interessant sind, z.B.:

"Solange wir Versicherungen mit Beiträgen auf Familienbasis und nicht nach Köpfen (...) haben, tragen Kinderlose auch diese Kosten zumindest, als ob sie Kinder hätten".

LÜDEKE, Reinar (2003): Rente nach Leistung.
Die umlagefinanzierte Rentenversicherung lebt davon, dass in die künftige Generation investiert wird. Das sollte bei den Versorgungsansprüchen ganz systematisch berücksichtigt werden,
in: Financial Times Deutschland v. 02.04.

Der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Passau und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesfamilienministeriums verteidigt die kinderzahlbezogene Rente im Sinne von Hans-Werner SINN.

MAYER, Susanne (2003): Strafsteuer für Kinderlose?
Angela Merkel hat Recht: Familien müssen entlastet werden,
in: Die ZEIT Nr.15 v. 03.04.

Frau Mayer hat unrecht ! - Eine Kritik von Kai Schlesinger

BARBIER, Hans D. (2003): Tief im Abseits.
Zur Ordnung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.04.

BARBIER kritisiert die Position von Hans-Werner SINN und seiner Adeptin MERKEL aus wirtschaftsliberaler Sicht:

"Wo liegt die Ratio der halben Rente für Kinderlose, wenn Nachkommen der Zeugenden in der Sozialhilfekarriere anstatt im Erwerbspotential landen oder wenn sie als Hochbegabte nach dem subventionierten Studium dem deutschen Sozialstaat den Rücken kehren, um ihren Lebensweg im Ausland zu suchen?"

STELZNER, Holger (2003): Kinder als Rentenfaktor,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.04.

Holger STELZNER ist gegen eine "Ergänzung der Rentenformel um einen Strafabschlag für Kinderlose", denn:

"Es gibt eine Vielzahl guter Gründe für einen finanziellen Ausgleich der privaten Kosten der Kindererziehung (...). Die Rentenversicherung ist jedoch der falsche Ort für den Lastenausgleich der Kindererziehung. gesellschafts- und ordnungspolitisch richtig kann dieser Ausgleich nur über Steuern erfolgen".

Das Ansinnen der Bevölkerungsökonomen, die gemäß ihrer Produktionsideologie kinderlose Rentner als ökonomische Schmarotzer betrachten, bezeichnet er als "moralisch gefährliche Saat". Die "Zeugungs- und Gebärpflicht für alle Deutschstämmige" - wie sie z.B. von Konrad ADAM impliziert wird - könne das Schrumpfen der Bevölkerung nicht verhindern. Zum Abschluss fordert STELZNER:

"Anstatt das generative Verhalten der Menschen zu steuern, sollten wir unser Rentensystem um eine kapitalgedeckte Vorsorge ergänzen".

Eine solche kapital gedeckte Vorsorge benachteiligt jedoch arme Kinderlose, während sie Yuppies und Doppelkarriere-Paare - siehe FUHRMANN in der FAZ vom 01.04. - Vorteile verschafft.

HANK, Rainer (2003): Was sind Kinder wert?
Kinder sind nicht mit Geld zu verrechnen. Doch unsere Politiker tun es. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel will die Rente von Kinderlosen halbieren. Wer kein Humankapital zeugt, müsse eben Realkapital schaffen, will er im Alter die dieselben Leistungen. Denn Familien, so heißt es, sorgen doppelt vor: Sie finanzieren die heutigen Alten und stellen sicher, daß die Rentner von morgen nicht arm dastehen. Sind also Kinder die halbe Rente wert? Wer verrechnet, muß mit der Gegenrechnung rechnen. Wir liefern die Daten,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.04.

Wie sieht heutzutage der Qualitätsjournalismus aus? Der Artikel ist beispielhaft dafür. Erstens: große Überschrift. Zweitens: Lange Untertitel. Drittens: Bilder. Viertens: Grafiken. Fünftens: Kurzer Text, den auch noch Angehörige der Infoelite lesen. Sechstens: Mehr Ankündigen als dann tatsächlich geboten wird.

Wer meint, HANK würde die versprochene Gegenrechnung liefern, der wird enttäuscht. Zuerst wird langatmig die Rechnung der Singlefeinde präsentiert, die man sowieso überall nachlesen kann. Das nimmt 50 % des Textes ein. Dann kommt die Gegenrechnung der Singlefeinde. Auf beiden Seiten wird ausschließlich der Ökonom Hans-Werner SINN persönlich genannt. Und die Quellen der Grafiken weisen u. a. das IFO-Institut - also wieder nur SINN - aus. Im letzten Absatz kommen dann die nicht genannten Skeptiker zu Wort:

"Doch den Skeptikern geht das nicht weit genug (...). Hätten sie recht, müßten die Renten der Kinderlosen eigentlich höher ausfallen".

Auf diesen Qualitätsjournalismus können Singles gut verzichten!

RM: Pro und Contra: Sollen Kinderlose weniger Rente erhalten?
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel will Ehepaaren ohne Nachwuchs ihre Ansprüche im Alter halbieren. Dieser brisante Vorschlag findet nicht nur in der Union heftigen Widerspruch. Angesichts der Ebbe in der Rentenkasse erhält der Plan jedoch zusätzliche Virulenz,

MEURER, Anne (2003): CONTRA - Nein, Familien werden bereits enorm begünstigt,
in: Rheinischer Merkur Nr.15 v. 10.04.

MEURER weist darauf hin, "dass Familien bereits heute für eine geringere Beitragsbelastung relativ höhere Leistungen erhalten als Kinderlose". MEURER fordert, dass der Familienlastenausgleich von allen zu bezahlten ist, d.h. per Steuern finanziert werden muss.

RATH, Christian (2003): "Keine Bremser".
Hans-Jürgen Papier, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, über Karlsruhes Rolle beim Reformkurs und die Gefahr des Kommissionswesens,
in: TAZ v. 14.04.

Hans-Jürgen PAPIER u.a. zu Kinderlosen und Rente: CDU-"Parteichefin Angela Merkel hat jüngst vorgeschlagen, dass Kinderlose nur noch halb so hohe Renten bekommen sollen wie Eltern. Sind solche Ideen im Sinne der Karlsruher Vorgaben?
Man kann Kindererziehung bei den Beiträgen oder bei den Leistungen anrechnen. Wir haben bei den Beiträgen angesetzt, weil so die Entlastung schon dann wirkt, wenn Familien durch die Kindererziehung noch materiell belastet sind. Die Leistung wird ja erst Jahrzehnte später ausgezahlt. Aber es ist gut, dass die Politik jetzt über die demografischen Probleme der Sozialversicherung diskutiert".

WÖRL, Volker (2003): Wie viele Kinder hast du?
Das Renten-Dilemma: Die alten Rezepte führen nicht zum Ziel,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.08.

Die Gerontokratie der SZ setzt - im Hinblick auf einen heißen Herbst - die Rentenreform schon jetzt auf die Agenda. WÖRL macht klar, dass Singles keine Lobby im politischen System haben, denn der einzige Reformpunkt, der sowohl politisch durchsetzbar wäre und im Interesse von WÖRL ist, ist eine Rentehöhe nach Kinderzahl. Er folgt damit dem Vorschlag der Singlefeinde Hans-Werner SINN und Paul KIRCHHOF:

"Das riecht nach obrigkeitlichem Einzug in die Schlafzimmer, ist aber ökonomisch logisch und auch liberal", tönt WÖRL.

GÖBEL, Heike (2003): Weniger Rente für Kinderlose?
Die Bewertung der Kindererziehung für die gesetzliche Rente ist umstritten. Die demographische Zeitbombe (Teil 6) - Die Politik bastelt an der Rente,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.09.

SINN, Hans-Werner (2003): Pro,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.09.

RULAND, Franz (2003): Contra,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.09.

KERNER, Regina & Christian LIPICKI (2003): "Einigermaßen gerecht".
EKD-Ratsvorsitzender Kock über Sozialreformen und Verteilungskämpfe,
in: Berliner Zeitung v. 15.09.

KOCK nimmt Stellung zu den Sozialreformen u.a. geht es um den Beitrag der Kinderlosen zur Rentenversicherung:

"Es wird diskutiert, dass Kinderlose höhere Sozialbeiträge bezahlen oder später Rentenabschläge hinnehmen sollen. Ist das der richtige Weg?
Nein. Mit höheren Renten für Eltern oder niedrigeren Renten für Kinderlose wird die Ursache für die geringe Kinderzahl nicht beseitigt. Wer Kinder hat, braucht jetzt Hilfe und nicht erst, wenn er in Rente geht. Notwendig sind genügend Kindergartenplätze, flexible Betreuungszeiten und bessere Teilzeitarbeitsmöglichkeiten für Eltern. Das muss das Parlament über die Steuerpolitik ermöglichen. Der Vorschlag, Kinderlosen Rentenabschläge zuzumuten, würde den Eindruck erwecken, dass man kinderlose Paare abstrafen will. Nicht jeder, der Kinder möchte, kann auch welche kriegen."

BEISE, Marc (2003): Kinderlose müssen zahlen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.10.

GÖBEL, Heike (2003): Kinderrente,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.11.

Heike GÖBEL kommentiert das Rentenvorhaben aus der Yuppieperspektive und gewinnt damit sogar dem Thema Gebärstreik eine ganz neue Seite ab: "Frauen (...) sollten sich weigern, Kinder mit dem Ziel zu gebären, das Rechenwerk eines maroden Generationenvertrages zu erfüllen. Ist die umlagefinanzierte Rente ohne Diskriminierung Kinderloser nicht mehr zu bezahlen, muß sie ersetzt werden - möglichst durch ein kapitalgedecktes System, in dem jeder für sein Alter spart."

BEISE, Marc (2003): Ein Gebot der Gerechtigkeit.
Thema: Müssen Kinderlose zahlen?
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.11.

AFP/DPA (2006): Keine Kinder - halbe Rente?
Angesichts der sinkenden Geburtenraten fordern Politiker und Wirtschaftswissenschaftler höhere Renten für Eltern und Einschnitte bei der Altersversorgung für Kinderlose,
in: sueddeutsche.de v. 16.03.

Die Online-SZ nutzt die Gunst der Stunde, um singlefeindliche Parolen unter das Volk zu mischen. Single-generation.de hat bereits frühzeitig die Verlogenheit einer Rente nach Kinderzahl (Hans-Werner SINN) aufgezeigt.

Nicht einmal die demografischen Realitäten stützen diese Forderungen, wie eine Widerlegung von Susanne GASCHKE zeigt. Daran ändert auch der neueste Geburtenrückgang (Rückgang der Zahl der Geborenen) nichts. Ein Geburtenrückgang kann sogar mit einer steigenden Geburtenrate einhergehen, z.B. durch einen Rückgang des Erstgebäralters bei den jüngeren Frauenjahrgängen. Die Demografen schweigen sich dazu jedoch bislang aus. Eine Umfrage der Online-SZ zeigte um 16:30, dass bei 658 abgegebenen Stimmen 72 % eine Rente nach Kinderzahl ablehnen.

SCHWENN, Kerstin (2006): Altersversorgung.
Neuer Streit über Rentenabschläge für Kinderlose,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.03.

MAUSSHARDT, Philipp (2006): Mehr Rente für Kinderlose!
Wer keine Altersversorgung hat, muss sein Leben lang zu Kindern und Freunden sehr, sehr freundlich sein,
in: TAZ v. 17.03.

NAUTH, Claudia (2006): Kalte Logik,
in: Wiesbadener Kurier v. 17.03.

"Wer Familien mit Kindern belohnen und das Leben mit Kindern erstrebenswerter machen will, der muss diese Aufgabe an die Gesamtheit der Bevölkerung weiterreichen - an Selbstständige, an Beamte, Richter und Politiker und nicht nur an die gesetzlich Rentenversicherten. Gefördert werden muss aus Steuergeldern", meint NAUTH

WAGNER, Gert G. (2006): Kinder machen reicht nicht.
Der Vorschlag einer Rentenkürzung für Kinderlose ist so abstrus wie populär. Doch die Hysterie um niedrige Geburtenraten vernebelt den Blick dafür, was wirklich zu tun ist, um die Rente zu retten,
in: Financial Times Deutschland v. 20.03.

GASEROW, Vera (2006): "Fatale Signale" an kinderlose Frauen.
Expertinnen beklagen Schuldzuweisungen in der Debatte über geringe Geburtenrate und Rentenhalbierung,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.03.

DW (2006): Rentner profitieren von Kinderlosigkeit.
Ifo-Studie beziffert Vorteil der Ruheständler - Mehr Nachwuchs auf dem Land,
in: Welt v. 21.03.

SIEVERS, Markus (2006): Kinderlose sollen Lasten spüren.
Ifo-Chef Sinn schlägt Rentenkürzung für alle Nicht-Eltern vor. Kritiker lehnen dies als "falschen Hebel" ab,
in: Frankfurter Rundschau v. 27.03.

Markus SIEVERS fasst die Argumente gegen eine Rente nach Kinderzahl folgendermaßen zusammen: "Der angemahnte Ausgleich für Erziehungslasten sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft und nicht allein der Beitragszahler. Selbständige und Beamte etwa zahlen nicht in die Rentenversicherung ein, Gutverdiener nur bis zu bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Sie würden also nicht oder nur teilweise für den Familienausgleich herangezogen.
          
Umgekehrt brächte das Sinn-Konzept nur rentenversicherten Eltern etwas. Ausgeschlossen von Vergünstigungen blieben unter anderen Hausfrauen, Alleinerziehende und Sozialhilfeempfänger. All dies liefe auf eine »Umverteilung von niedrigen zu höheren Einkommen« hinaus, lautete die Kritik der Rürup-Kommission."

BILD (2013): Weniger Rente für Kinderlose?
Wirtschafts-Experten diskutieren,
in:
Bild v. 16.11.

 
   

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www.cesifo-group.de

 
   

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Update: 17. Januar 2016