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Hartmut Häußermann: Soziologie des Wohnens

 
       
   

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Hartmut Häußermann in seiner eigenen Schreibe

 
   

HÄUßERMANN, Hartmut & Walter SIEBEL (1991): Soziologie des Wohnens. In: Häußermann, Hartmut/Ipsen, Detlef/Krämer-Badoni, Thomas/Läpple, Dieter/ Rodenstein, Marianne/Siebel, Walter: Stadt und Raum - Soziologische Analysen. Bd.1, Centaurus Verlag, S.69-116

 
       
   

Soziologie des Wohnens (1996).
Eine Einführung in Wandel und Ausdifferenzierung des Wohnens

(zusammen mit Walter Siebel; 2000 als 2. korrigierte Auflage erschienen)
Weinheim & München: Juventa

 
   
     
 

Zitat:

Neue Haushaltstypen

"Als »neue Haushaltstypen« werden die Alleinstehenden (Singles), die unverheiratet zusammenlebenden Paare, die Alleinerziehenden und die Wohngemeinschaften bezeichnet. Wirklich neu in dem Sinne, daß früher dieser Haushaltstypus völlig unbekannt gewesen wäre, sind nur die Wohngemeinschaften. »Junggesellen« und »späte Mädchen« hat es immer gegeben, auch »wilde Ehen« und »unverheiratete Mütter«." (S.323)

Inhaltsverzeichnis

1. Wandel des Wohnens - die Herausbildung des Idealtypus des modernen Wohnens

1.1 Die soziologische Fragestellung
1.2 Der Idealtypus des modernen Wohnens
1.3 Wohnen und wohnungsbezogene Infrastruktur
1.4 Ausdifferenzierung und Eingrenzung: die Entstehung modernen Wohnens
1.5 Zusammenfassung

2. Wohnkultur

2.1 Einfluß der sozialen Lage
2.2 Die Funktionen der Wohnung
2.3 Standardisierung und Normierung
2.4 Standesgemäß wohnen
2.5 Die Entstehung des Wohnzimmers
2.6 Öffentliche räume, private Zonen

I. Die Entstehung der Wohnungsfrage

3. Wohnen in der Großstadt während der Industrialisierung

3.1 Soziale Disparitäten
3.2 Mobilität
3.3 Wohndichte
3.4 Wohnkosten
3.5 Allmähliche Verbesserung
3.6 Konjunkturelle Schwankungen
3.7 Die Entstehung der Mietskasernenstadt
3.8 Zusammenfassung

4. Bürgerliche und sozialistische Wohnformen

4.1 Entstehung der Wohnungsfrage
4.2 Bürgerliche versus sozialistische Position: Heimat und Maschine
4.3 Die bürgerliche Wohnungsreform
4.4 Die Frühsozialisten
4.5 Das Kibbuz-Modell

II. Antworten auf die Wohnungsfrage

5. Wohnungspolitik in der Weimarer Republik

5.1 Wege aus der Wohnungsnot
5.2 Genossenschaftsbewegung
5.3 Staatsintervention
5.4 Grundriß der Wohnungsbauökonomie
5.5 Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften
5.6 Industrialisierung des Bauens
5.7 Die Wohnung für das Existenzminimum
5.8 Siedlerbewegung
5.9 Zusammenfassung: das Ende des goldenen Zeitalters der Wohnungspolitik

6. Erziehung durch Wohnen - Erziehung zum Wohnen

6.1 Durchsetzung des kleinfamilialen Wohnens
6.2 Wohnungsbau im "Roten Wien"
6.3 Das Neue Bauen in der Weimarer Republik

7. Wohnungspolitik in der Bundesrepublik

7.1 Eigenheimpolitik
7.2 Die Filteringtheorie des Wohnungsmarkts
7.3 Der langsame Tod der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft
7.4 Das Ende des sozialen Wohnungsbaus
7.5 "Subjekt"- statt "Objekt"-Förderung: Wohngeld
7.6 Mietregulierung, Kündigungsschutz und Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen
7.7 Verteilungswirkungen der Wohnungspolitik
7.8 Der Wandel der Wohnungspolitik

8. Wohnungspolitik und sozialistische Lebensweise in der DDR

8.1 Mieterschutz und Miethöhe
8.2 Die "Platte"
8.3 Gleichheit
8.4 Familienorientierung
8.5 Privatsphäre
8.6 Sozialistische Lebensweise
8.7 Wohnsicherheit
8.8 Wohnungspolitik als Gesellschaftsumbau

9. Wohnungsversorgung

9.1 Die Indikatoren
9.2 Wohnungsbestand in den alten und neuen Bundesländern
9.3 Wohnungsnachfrage
9.4 Die Wohnungsaufteilung: Wer wohnt wie?

10. Wohnen von Ausländern

10.1 Haben Ausländer andere Ansprüche an das Wohnen?
10.2 Wie wohnen Ausländer?
10.3 Erklärungen
10.4 Wanderarbeiter und Eingesessene

11. Wohnwünsche und Wohnbedürfnisse

11.1 Wie können Wohnbedürfnisse ermittelt werden?
11.2 Paradoxien der Bedürfnisforschung
11.3 Das Problem der Methoden
11.4 "Falsche Bedürfnisse"?
11.5 Funktionen der empirischen Bedürfnisforschung

III. Hauseigentum

12. Das Eigenheim

12.1 Ideologien und Motive
12.2 Entwicklung und Verteilung des Wohneigentums
12.3 Materielle Vorteile des Wohneigentums
12.4 Risiken der Eigentumsbildung
1.25 Eigentumsbildung bei Arbeiterhaushalten

13. Sozialstruktur und Hauseigentum

13.1 Verbürgerlichung durch Hausbesitz?
13.2 Hauseigentum und Sozialstruktur
13.3 Wohnen und Wählen
13.4 Die Vererbung von Wohneigentum
13.5 Wohlfahrtsstaat und Wohnungsversorgung
13.6 Regionale Mobilität und Hauseigentum
13.7 Hauseigentum und die Modernisierung der Gesellschaft

IV. Die neuen Wohnungsfragen

14. Neue Wohnungsnot und die Unvermeidbarkeit der Wohnungspolitik

14.1 Neue Wohnungsnot
14.2 Nehmen uns die Ausländer die Wohnungen weg?
14.3 Die Unvermeidbarkeit von Wohnungspolitik

15. Ökologischer Umbau: Wohnen neu lernen?

15.1 Wohnen in und mit der Natur
15.2 Wege zum ökologisch verträglichen Wohnen
15.3 Konflikte und Widerstände gegen eine ökologische Wende
15.4 Wohnen neu lernen

16. Die Kritik aus der Sicht der Frauen

16.1 Arbeiten und Wohnen
16.2 Suburbanisierung und Ungleichheit
16.3 Privatheit und Öffentlichkeit

17. Tendenzen des Wandels

17.1 Wohnen und Arbeiten
17.2 Individuierung im Privaten und neue Nachbarschaften
17.3 Planungspartizipation, Mietermitbestimmung, Gemeinschaftseigentum
17.4 Neue Haushaltstypen

Alleinlebende, Singles, Fräuleins,  Junggesellen, Jungfern und Verwitwete
Alleinerziehende - Einelternfamilien
Wohngemeinschaften
Mode oder stabile Tendenz?
Bindungslosigkeit oder Differenzierung?

17.5 Konsequenzen für die Wohnungspolitik

Zitate:

Swinging Singles und die Umwertung des Alleinlebens

"Ein Begriff wie »Swinging Single« ist eindeutig positiv aufgeladen, was man von »Hagestolz« und »alter Jungfer« nicht unbedingt behaupten kann. Waren früher diese Kategorien immer in bezug auf die »eigentliche« die gelungene Lebensform, nämlich die vollständige Familie bezogen (»unverheiratet«) oder weckten wenigstens Assoziationen einer verpaßten Familiengründung, so werden heute bewußt Begriffe für die neuen Wohn- und Lebensformen gewählt, die Eigenständigkeit und Gleichwertigkeit signalisieren sollen." (1996, S.323)

Die Problematik der Gleichsetzung von Einpersonenhaushalten mit Singles

"Die amtliche Statistik zählt als Einpersonenhaushalte Personen, die für sich alleine in einem Haushalte wohnen und wirtschaften (Statistisches Bundesamt 1994). In der amtlichen Statistik gibt es keine originäre Definition für die Einpersonenhaushalte. Der Begriff wird abgeleitet vom Oberbegriff »Haushalt« (...).
Singles gab es immer, sie heißen aber erst neuerdings so. Und seit 1925 ist ihre Anzahl absolut und relativ kontinuierlich gestiegen, begreiflicherweise in den Kriegs- und Nachkriegsjahren von 1939 bis 1950, dann aber erneut und besonders schnell seit 1961. Die Gleichsetzung der Einpersonenhaushalte mit Singles ist allerdings problematisch, da die statistische Kategorie des Einpersonenhaushaltes aufgrund der Erfassung nur des Hauptmieters bzw. des Haushaltsvorstandes auch WGs und nichteheliche Lebensgemeinschaften erfaßt." (1996, S.323)

Der Wandel der Frauenrolle und der Trend zum weiblichen Alleinleben

"Der vierte und gewichtigste Faktor ist die allmähliche Veränderung der gesellschaftlichen Situation der Frauen. Daß junge Frauen in die Großstadt ziehen, um dort auf sich gestellt zu leben, und daß verwitwete Frauen ihren Haushalt alleine weiterführen, ist zwar kein neues Phänomen der 60er und 70er Jahre dieses Jahrhunderts, aber eindeutig neu ist die Tatsache, daß Frauen sich bewußt dafür entscheiden (können), allein zu leben (Spiegel 1990, 428). Die alleinlebende Frau ist nicht mehr »Fräulein« oder »alte Jungfer«, sondern sie lebt selbstbewußt eine gewünschte und autonome Alternative zur traditionellen Frauenrolle innerhalb der Familie. Die Zunahme der 25- bis 45jährigen Singles ist nicht Reflex einer zunehmenden Brüchigkeit der Ehe, nicht die Zahl der geschiedenen oder getrennt lebenden Ehepartner nimmt vor allem zu, sondern die derjenigen, die nie eine Ehe angestrebt haben. In Berlin sind 40 % der 25- bis unter 45jährigen ledig und nur 37 % verheiratet. Damit ist Ledigsein in einer Großstadt wie Berlin die häufigste »Familienform« für Erwachsene in einem Alter geworden, in dem man früher geradezu selbstverständlich verheiratet war oder es doch wenigstens sein wollte (Bertram 1994, 21). Nicht alle Ledigen leben auch allein, aber ihr Familienstatus signalisiert doch, daß sie sich diesbezügliche Optionen offen halten wollen." (1996, S.328f.)

 

Differenzierung statt Bindungslosigkeit und Trend zur Single-Gesellschaft

"Der Wandel in der Art des Zusammenlebens ist mehr als eine vorübergehende Mode. In den großen Städten zumindest stellen die neuen Haushaltstypen bereits heute eine relevante Größe dar. Die Zahlen und die vermutbaren Ursachen deuten längerfristige Trends an. Das hat zu Spekulationen über eine Erosion sozialer Beziehungen Anlaß gegeben. Individualismus, Egoismus, Hedonismus und Bindungsangst (Opaschowski 1994, 35) ließen Beziehungen immer beliebiger, die Ehe immer brüchiger und die Elternschaft immer unverbindlicher werden. Die Gesellschaft »versingele« (...). Aber das sind naive Dramatisierungen. Wenn die amtliche Statistik in Großstädten wie Berlin (West), Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München bis zu 54 % aller Haushalte als Einpersonenhaushalte zählt, so ist das zunächst einmal ein statistisches Artefakt, denn auch Mitglieder von Wohngemeinschaften und nichtehelichen Lebensgemeinschaften erscheinen in der Statistik als Einpersonenhaushalte, wenn jeder von Ihnen einen Mietvertrag hat. Immer noch lebt die Mehrheit der Deutschen, nämlich 58 %, in klassischen Familienhaushalten von Eltern mit ihren Kindern

Die These von der Versingelung der Gesellschaft wird mit dem steigenden Anteil von Einpersonenhaushalten an allen Haushalten begründet, das sind in der BRD statistisch gesehen mittlerweile ein Drittel aller Haushalte. (...). Selbst in den Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern umfassen die in Einpersonenhaushalten lebenden Personen nur ein Viertel bis ein fünftel aller in Privathaushalten lebenden Personen (...).

So gewaltig ist die Zahl der Menschen, die in Einpersonenhaushalten leben, also keineswegs und erst recht nicht die Zahl derer, die alleine einen Haushalt führen, wie es die Statistik auf den ersten Blick nahelegt. Obendrein lebt, wer alleine wohnt, deshalb noch lange nicht notwendig ohne feste Bindung oder gar isoliert. Von 100 befragten Ledigen zwischen 18 und 55 Jahren gaben zwei Drittel an, bereits länger als ein Jahr mit einem Partner zusammen zu sein (Bertram 1994, 23). Die Mehrheit dieser Singles wohnt allein, aber sie lebt nicht allein. Hoffmann-Novottny (1988) hält diese Form des »living apart together« für den Familientyp der Zukunft." (1996, S.329f.)

 
     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch
 
       
   

Soziologie des Wohnens (1991)
(zusammen mit Walter Siebel)
In: Hartmut Häußermann u.a. (Hrsg.) Stadt und Raum. Soziologische Analysen Bd. 1

 
   
     
 
 

Zitate:

Alleinleben als neuer Haushaltstyp

"Die neuen Haushaltstypen sind nicht nur Vor- und Schrumpfformen der Familie, wie es die amtliche Statistik mit der Kategorie »unvollständige Familien« unterstellt, sondern eigenständige Lebensformen. Darin liegt das Neue an den neuen Haushaltstypen. Mit Ausnahme der Wohngemeinschaften gab es die Wohnformen des Alleinlebens, des Alleinerziehens und der unverheiratet zusammenlebenden Paare schon immer. Doch waren sie früher weit öfter Ergebnis versagter Möglichkeiten und gescheiterter Hoffnungen als gewünschte Lebensformen.
(...).
Nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes der Stadt Hamburg beruhte die Zunahme der Einpersonenhaushalte in Hamburg zwischen 1961 und 1977 fast ausschließlich auf Änderungen des Verhaltens, nicht auf der steigenden Lebenserwartung (Spiegel 1986, 170). 1972 lebten 7,5 % der 25-34jährigen allein, 1987 waren es 17,3 %.
Alleinleben heißt häufig, mit einem Partner zusammenzuleben, aber in getrennten Wohnungen. So allein leben die Singles also keineswegs, und ihre Zahl ist auch nicht so gewaltig, wie die Statistik der Einpersonenhaushalte auf den ersten Blick nahezulegen scheint. 34 % aller Haushalte in der Bundesrepublik sind Einpersonenhaushalte, aber bezogen auf die Gesamtheit der Bevölkerung leben nur 15 % allein. Schließlich ist die hohe Zahl der Singles z. T. ein statistisches Artefakt, denn die Mitglieder von Wohngemeinschaften und nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften werden statistisch nur als Einpersonenhaushalte sichtbar." (1991, S.109)

Wohnungspolitische Konsequenz

"Es kann (...) in der praktischen Politik nur um möglichste Offenheit von Angeboten gehen, um die Erweiterung der Optionen jedes Einzelnen in jeder Phase seines Lebens. Die am ehesten richtige Antwort des Soziologen auf die Frage nach der humanen Wohnung lautet: doppelt so groß und halb so teuer." (1991, S.113)

     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 02. Februar 2014
Update: 02. Februar 2014