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[ Debatte: Familien contra Singles ] [
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Herwig
Birg: Politikziel Geburtenwettlauf
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Herwig
Birg in seiner eigenen Schreibe
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Herwig
Birg im Gespräch
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Statements von Herwig Birg
"Die neuen Länder
verzeichneten nach der Wende die niedrigste
Geburtenrate Europas: Sie betrug weniger als
ein Kind je Frau. Inzwischen ist ein leichter
Anstieg auf ein Kind pro Frau feststellbar.
Aber gegenüber den 1,3 Kindern pro Frau im
Westen macht das einen Unterschied von 30
Prozent aus. Das hat zur Folge, daß die
Bevölkerung in den neuen Ländern viel
stärker schrumpft als in den alten. "
(Welt v. 24.08.1998)
"es ist außerordentlich
erfreulich, dass die Lebenserwartung so
kräftig wächst, wie sie das seit
Jahrzehnten tun. Im vergangenen 20.
Jahrhundert hat sie sich verdoppelt. Sie
wächst statistisch um etwa acht Wochen pro
Jahr. Also ein Neugeborener, der letztes Jahr
geboren wurde - im Vergleich zu einem
Neugeborenen, der dieses Jahres geboren wird
- die unterscheiden sich in einer
Lebenserwartung von etwa acht Wochen. Und das
ist eine ziemlich konstante Zunahmerate.
"
(WDR 5 am 13.07.2000)
"man (müsste) ein
'Bevölkerungsbewusstsein' schaffen, so wie
in den siebziger Jahren das Umweltbewusstsein
mit viel Aufklärung, aber auch mit schierer
Propaganda erzeugt worden ist. "
(Spiegel Online v.
26.01.2001)
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- REIF,
Adelbert (1998): Die Gefahr ist groß, daß
Europa als Kulturraum verschwindet,
in:
Welt v.
24.08.
- DENNINGHOFF,
Cordula (2000): Von wegen Rentenkonsens -
Deutschland fährt demographisch mit Volldampf an
die Wand,
in:
Morgenecho. Sendung des WDR
5 v. 13.07.2000
-
VOLKERY,
Carsten (2001): Sterben die Deutschen aus?
Laut
einer Uno-Studie braucht Deutschland 500.000
Zuwanderer pro Jahr, um den Bevölkerungsschwund
zu stoppen. SPIEGEL ONLINE sprach mit Herwig
Birg, den Bevölkerungsexperte an der Uni
Bielefeld, der erklärt, warum die Deutschen
wieder mehr Kinder kriegen müssen,
in: Spiegel
Online v. 26.01.
- KEILANI,
Fatina (2001): Die Welt und ihre Bevölkerung.
"Uns
steht ein gewaltiger Lernprozess bevor" -
Der Wissenschaftler Birg warnt vor gravierendem
Arbeitskräftemangel
in: Tagesspiegel v. 04.03.
- GERSDORFF, Alexander von
(2002): "In den Großstädten werden sich
die Deutschen integrieren müssen".
Der
Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg warnt
vor Hoffnungen auf eine Lösung der
Wirtschaftsprobleme durch verstärkte
Zuwanderung,
in: Welt
v. 02.01.
- FAZ.NET (2002):
Bevölkerungswissenschaftler Birg.
"Wir brauchen ein
anderes Zuwanderungsgesetz,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung Online v. 24.01.
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Rezensionen
- ALLMAIER,
Michael (2001): Fahrgäste, wir wollen
Fahrgäste!
Sollen diese
Schubkarren denn ewig leerstehen?,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung
v. 09.10.
- RUOSS,
Christiane (2002): Die Mehrheit wird
immer grauer.
Weil die
Gesellschaft zunehmend altert, muss sich
vieles ändern, was den Deutschen bisher
selbstverständlich war - und das wird
weh tun,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 07.01.
- Kommentar:
RUOSS
beginnt mit dem Standardsatz der
Polarisierer: "Inzwischen
bleibt ein Drittel der Frauen und
Männer in diesem Land lebenslang
ohne Nachwuchs, und es werden von
Jahr zu Jahr mehr."
RUOSS ist nicht auf dem neuesten
Stand, denn die deutschen
Demographen müssen ihre
Prognosen ständig nach unten
korrigieren.
Der deutsche
Bevölkerungswissenschaftler
Jürgen DORBRITZ muss in den
Mitteilungen des Bundesinstitus
für Bevölkerungswissenschaften
vom 09.03.2001 gestehen, dass
"wir für den
Geburtsjahrgang 1965 vor einigen
Jahren noch Kinderlosenanteile
von mehr als 30 % erwartet
(haben). Die neueren Schätzungen
zeigen, dass sich über späte
Erstgeburten die
Kinderlosenanteile auf 27 %
verringert haben."
Weitere Korrekturen nach unten
sind vorprogrammiert.
Internationale Demografen wie Ron
LESTHAEGHE
kritisieren diese deutsche
Praxis, bei der das steigende
Erstgebäralter nicht ausreichend
berücksichtigt wird.
- SCHMID,
Josef (2002): Herwig Birg - Die
demographische Zeitenwende,
in: DeutschlandRadio
v. 09.05.
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Herwig
Birg in den Medien
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- GERSDORF,
Alexander von (2000): "188 Millionen
Einwanderer fehlen".
Bevölkerungsexperte
Herwig Birg über die Folgen des dramatischen
Geburtenrückgangs für die Rente,
in: Berliner
Morgenpost v. 25.06.
- KERSCHER, Helmut
(2001): Der Wert der Kinder.
Familienverände betrachten
ihren Sieg in Karlsruhe als Dammbruch in der
Sozialversicherung,
in:
Süddeutsche
Zeitung v. 04.04.
- Kommentar:
KERSCHER geht auf
die Rolle des
Bevölkerungswissenschaftlers Herwig BIRG
im Rahmen des Gerichtsverfahrens ein und
meint: "Möglicherweise ist eine
gewisse Vorentscheidung schon durch die
Auswahl eines Sachverständigen
gefallen".
- BAUM,
Karl-Heinz (2001): Im Teufelskreis der
Überalterung.
Demographen
sehen Geburtenraten langfristig im Keller und
beklagen, dass ihre Warnungen ungehört bleiben
in: Frankfurter
Rundschau v. 20.08.
- Kommentar:
Der
Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG
ist ein Mann der markigen Worte:
"Wir
werden in diesem Jahrhundert nie wieder
so viele Kinder haben wie jetzt und haben
schon zu wenig", wird er von BAUM
zitiert.
Das ist
keine wissenschaftlich seriöse Prognose,
sondern unseriöse Propaganda.
Vieles was
die Demographen bisher prognostiziert
haben, war falsch. Dies liegt unter
anderem daran, weil das Ausmass der
Kinderlosigkeit nicht mit exakten Zahlen
belegt werden kann.
So schrieb
der Kollege DORBRITZ in den Mitteilungen
des Bundesinstitus für
Bevölkerungswissenschaften vom
09.03.2001:
"In
die Berechnungen der Kinderlosigkeit
fließen zwei Schätzungen ein.
Einerseits muss Kinderlosigkeit in
Deutschland geschätzt werden, da wir
statistische Information über die
Geburtenfolge nur anhand der bestehenden
Ehen erhalten. Andererseits haben
beispielsweise die Frauen des
Geburtsjahrgangs 1965 ihre
Familienbildungsphase noch nicht
abgeschlossen, so dass auch die
endgültige Kinderzahl zu schätzen ist
(...). So haben wir für den
Geburtsjahrgang 1965 vor einigen Jahren
noch Kinderlosenanteile von mehr als 30 %
erwartet. Die neueren Schätzungen
zeigen, dass sich über späte
Erstgeburten die Kinderlosenanteile auf
27 % verringert haben."
Daraus
ergibt sich zweierlei: Erstens ist die
Statistik ehezentriert und das obwohl
seit einem Vierteljahrhundert über hohe
Scheidungsraten und die Zunahme
nicht-ehelicher Kinder geklagt wird. Zum
anderen wird der Anteil der Kinderlosen
systematisch überschätzt.
Der
westdeutsche Jahrgang 1965 wird von den
Bevölkerungswissenschaftlern als typisch
für das Geburtenverhalten aller
nachfolgenden Jahrgänge angesehen. Eine
stichhaltige Begründung wird dafür
nicht geliefert. Der Begriff
"Individualisierung" reicht
inzwischen, um nichts mehr belegen zu
müssen.
Der
dramatische Einbruch der Geburtenzahlen
in Ostdeutschland zeigt jedoch, dass
politischer Wandel und veränderte
ökonomische Verhältnisse, die mit
Individualisierungsprozessen nichts zu
tun haben, das Geburtenverhalten
drastischer verändern können als dies
Individualisierung oder Familienpolitik
je gekonnt hätten. Einen
Geburtenrückgang wie Anfang der 90er in
Ostdeutschland, das schafften weder die
Einführung der Pille noch die 68er. Und
das Wichtigste: Kein
Bevölkerungswissenschaftler hat dies vor
dem Mauerfall prognostizieren können!
- NATORP, Klaus (2001):
Volk ohne Bevölkerungsbewußtsein.
Deutschland zwischen
niedriger Geburtenzahl und Einwanderungsdruck,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v.
12.12.
- Kommentar:
NATORP zitiert die
Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG
und Josef SCHMID.
Ersterer
möchte ein Bevölkerungsbewußtsein
analog zur Herstellung des
Umweltbewußtseins in den Köpfen der
Deutschen etablieren. Anscheinend ist ihm
entgangen, dass eine Generation später
ein gewisser Florian
ILLIES eine "Anleitung
zum Unschuldigsein"
geschrieben hat, um sich von diesem
Umweltbewußtsein zu befreien. Der
Florian Illies der Generation @ hätte
also mit dem Bevölkerungsbewußtsein ein
ähnlich dankbares Thema zu erwarten.
NATORP
hält sich auch gar nicht lange mit
diesem Gedanken auf. Familienpolitischen
Massnahmen zur Erhöhung der Geburtenrate
steht er eher skeptisch gegenüber.
Wirksamer erscheint ihm eine
Entwicklungspolitik, die Migranten von
Deutschland fernhält, weil sie in ihrer
Heimat bleiben wollen.
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- BAYERISCHE
STAATSKANZLEI (2002): Gutachten zu
"Auswirkungen und Kosten der
Zuwanderung nach Deutschland"
empfiehlt Begrenzung der Zuwanderung.
Beckstein:
"Gutachten bestätigt bayerische
Linie der Zuwanderungsbegrenzung"
in: Pressemitteilung
der bayerischen Staatskanzlei
vom 14.01.
- HSF
(2002): Spricht das Ruhrgebiet bald
Türkisch?
Sprach- und
Integrationsprobleme in den Grossstädten
des alten Industriereviers,
in: Neue
Zürcher Zeitung v.
18.01.
- Inhalt:
HSF hat in
Gelsenkirchen eine Grundschule
ausfindig gemacht, in der die
Ausländer in der Mehrheit sind,
um Herwig BIRGs
Bedrohungsszenario zum Thema
machen zu können:
"So
schockierte gerade Heinz Birg,
Bevölkerungswissenschafter an
der Universität Bielefeld, in
einem Zeitungsinterview die
Öffentlichkeit: «Wir denken
immer, wenn wir von Integration
sprechen, an eine
deutsche
Mehrheitsgesellschaft, in die
eine Minderheit zu integrieren
ist. Es kommt aber genau
umgekehrt. In den Grossstädten
kippt bei den unter 40-Jährigen
schon ab 2010 das
Mehrheitsverhältnis Deutscher zu
Zugewanderten. Integration
bedeutet dann: Wie integriere ich
mich als Deutscher in eine neue
Mehrheitsgesellschaft aus
Zugewanderten?»"
HSF
zitiert hier die Welt
vom 02.01.2002. Dies war
sozusagen die inoffizielle
Eröffnung des
STOIBER-Wahlkampfes, denn BIRG
hat im Auftrag der bayrischen
Landesregierung ein Gutachten
(siehe FR vom 18.01.) erstellt,
das die Kontroverse Familien
contra Singles forcieren wird.
- FRANKFURTER
RUNDSCHAU (2002): "Von Zuwanderung
profitiert vor allem der Migrant, nicht
der Staat".
Was der Bielefelder
Bevölkerungsforscher Herwig Birg im
Auftrag des Landes Bayern herausgefunden
hat / Die Zusammenfassung seines
Gutachtens
in: Frankfurter
Rundschau v. 18.01.
- Kommentar:
Die FR
dokumentiert BIRGs Gutachten für
die Bayrische Landesregierung.
Die zentrale Aussage ist:
"Die
bis 2020 nur mäßige Abnahme des
Arbeitskräftepotenzials um rd. 8
Prozent bietet den benötigten
zeitlichen Spielraum zur
Vorbereitung und Durchführung
einer von Zuwanderungen
unabhängigen, demographisch
orientierten Familienpolitik zur
Anhebung der Geburtenrate. Dies
bedeutet, dass das Ziel,
langfristig zu einer
demographisch nachhaltigen
Bevölkerungsentwicklung
zurückzukehren, nicht
unerreichbar ist."
Der
Begriff "demographisch
orientierte Familienpolitik"
ist die neudeutsche
Sprachregelung für
Bevölkerungspolitik. Wie ist
dies zu erreichen?
"Um
das Ziel einer
bestandserhaltenden Geburtenrate
von zwei Kindern pro Frau zu
erreichen, müsste sich die
Familienpolitik vor allem auf
einen Abbau der lebenslangen
Kinderlosigkeit
konzentrieren."
Eine
solche Zielsetzung läuft
zwangsläufig auf eine
Verschärfung der Kontroverse
"Familien contra
Singles" hinaus.
Frankreich
ist BIRGs Vorbild. Obwohl dort
Bevölkerungspolitik eine lange
Tradition hat, ist die dortige
Geburtenrate kaum höher als in
Deutschland. Da Frankreich
länger als Deutschland ein
Agrarstaat war, dürfte dort der
Geburtenrückgang erst noch
bevorstehen.
Dreh-
und Angelpunkt des
Überfremdungsarguments ist der
angebliche Zuwanderungsdruck aus
den Mittelmeeranrainerstaaten:
"Wer
über Zuwanderung spricht, muss
auch die demographische
Entwicklung in den potenziellen
Herkunftsländern
berücksichtigen. In
unmittelbarer Nachbarschaft zu
Deutschland und Europa - in den
südlichen Anrainerstaaten des
Mittelmeers von Marokko über
Algerien, Tunesien, Libyen und
Ägypten bis zur Türkei".
Gerade
diese Länder zeigen jedoch, dass
die Bevölkerungsentwicklung
nicht so voraussehbar ist, wie
BIRG das gerne behauptet. Im
Maghreb, den ehemaligen
französischen Kolonien Algerien,
Marokko und Tunesien hat nach
einem Bericht des französischen Nachrichtenmagazins
L'Express vom 25.01.2001 in
den letzten 30 Jahren ein
dramatischer Geburtenrückgang
stattgefunden: von 7,5 Kinder auf
etwas mehr als 2 Kinder pro Frau.
Würde man BIRGs Prinzipien einer
linearen Fortschreibung von
Geburtenraten auf diese Länder
anwenden, dann gäbe es dort in
30 Jahren eine Region ohne Volk.
Keiner würde jedoch so etwas
für realistisch halten. Aber
genau nach diesem Grundmuster
sind BIRGs Prognosen für
Deutschland gestrickt!
- KÄPPNER,
Joachim (2002): Ein Professor für die
CSU.
Wie
ein akademischer Außenseiter die Angst
schürt, die Deutschen würden zur
Minderheit im eigenen Land
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.01.
- Kommentar:
KÄPPNER
berichtet über die Vorstellung
des Gutachtens von Herwig BIRG
(siehe FR vom 18.01.) und den
daran anschließenden
Professorenstreit zwischen BIRG
und seinen Kollegen BADE und
OBERNDÖRFER. KÄPPNER behauptet,
dass die Prognosen von BIRG
wissenschaftlich unumstritten
seien. Dies mag vielleicht für
Deutschland stimmen, aber nicht
international! Die deutsche
Praxis wird z.B. von dem
belgischen Demografen Ron
LESTHAEGE
kritisiert.
- OBERNDÖFER,
Dieter (2002): Altersheim Deutschland.
Ein drastisches
Plädoyer für mehr Zuwanderung,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 19.01.
- Kommentar:
Der
Freiburger Politikwissenschaftler
Dieter
OBERNDÖRFER
kritisiert nicht die -
keinesfalls unumstrittene -
Prognose von BIRG, sondern
forciert dessen Rhetorik
des Aussterbens
noch, indem er sogar Voraussagen
bis zum Jahr 2075 vorträgt.
Offenbar möchte er nur BIRGs
These, dass eine Trendwende beim
demografischen Wandel ohne
Zuwanderung möglich sei,
widerlegen. Eine solche Strategie
ist um keinen Deut besser als
jene von BIRG, sondern geht auf
Kosten der Singles.
Singlefeindlichkeit
statt Fremdenfeindlichkeit, das
darf nicht die Alternative sein!
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- LEVINE, Tom (2001):
Praktizierte Gleichberechtigung -
größere Kinderzahl,
Familienpolitik -
Kinder oder Inder oder was? Deutschland
ist angesichts der sinkenden
Geburtenzahlen aus jahrzehntelanger
Lethargie erwacht. Manche Staaten sind
längst munterer,
in: Berliner
Zeitung v. 14.04.
- Kommentar:
Der Bevölkerungsstatistiker
Ron LESTHAEGHE
kritisiert, dass die deutschen
Statistiker dem Umstand, dass
Frauen immer später in ihrem
Leben Kinder kriegen, nicht
genügend Beachtung schenken
würden. "Betrachte man -
anders als die deutsche Statistik
- nicht nur die aktuelle
Geburtenentwicklung pro Jahr,
sondern das jeweilige Verhalten
von Frauen-Altersgruppen (so
genannten 'Kohorten'), so werde
deutlich, dass der
Geburtenrückgang langfristig
weniger dramatisch sein dürfte.
Die Frauen der Jahrgänge 1957
bis 1961 etwa hätten zwar viel
später mit dem Kinderkriegen
angefangen als ihre
Vorgängerinnen, aber dann
aufgeholt: Die Geburtenrate ihrer
Altersgruppe liegt bei rund 1,6
Kindern pro Frau ; verglichen mit
1,8 für die Jahrgänge
1942-1946. Die heute 35- bis
40-Jährigen hätten bereits
jetzt eine Rate von 1,5 erreicht
- obwohl sie sich
durchschnittlich noch länger
Zeit gelassen hätten, bevor das
erste Baby kam."
-
Der wichtige Artikel
GÜRTLER, Detlef (2003): Gerontokratie? Nichts da! Bald kommt
der Baby-Boom.
Warum sich Statistiker, Demographen und Schwarzseher
irren, und was daraus folgt,
in: Welt v. 19.08.
-
KIESER, Albrecht (2004): Demographie und Demagogie.
Über die "unumstößlichen" Grundlagen der Schröderschen
"Agenda 2010",
in: junge Welt v. 09.02.
- Kommentar:
Während Kanzler SCHRÖDER das
Weiter-So der Agenda 2010 durch den Rücktritt vom
Parteivorsitz retten möchte, bröckelt die mediale
Einheitsfront.
Lange Zeit stand
Single-dasein.de mit dem Vorwurf, die Prognosen des
nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftlers Herwig
BIRG seien unrealistisch, fast völlig alleine.
Der Journalist Detlef
GÜRTLER hatte dann im
August 2003 in
der Welt zur neuesten Prognose geschrieben:
"Man
kann solche extrem unwahrscheinlichen Annahmen treffen.
Die wissenschaftliche Redlichkeit würde dann allerdings
erfordern, noch mindestens eine andere Annahme
durchzurechnen. Zum Beispiel die
Bevölkerungsvorausberechnung der Vereinten Nationen, die
Deutschland im Jahr 2050 eine Geburtenrate von 1,64
prognostiziert. Das Statistische Bundesamt hingegen hat
zwar diverse unterschiedliche Wanderungs- und
Lebenserwartungsszenarien beschrieben, die Geburtenrate
aber konstant bei 1,4 belassen. Warum? Unter anderem um
»den Handlungsdruck auf die Politik aufrechtzuerhalten«,
wie einer der Beteiligten ebenso freimütig wie anonym
zugab."
Das passte damals
jedoch nicht zur politischen Stimmung, weswegen der
Artikel in der Mitte-Presse keinerlei Widerhall fand.
In der
jungen Welt (17./18.02.2003) berief sich z.B. Manfred
SOHN in einer zweiteiligen Serie ausdrücklich auf die
Prognosen von Herwig BIRG, um den Geburtenrückgang zu
dramatisieren.
Nun wird erstmals ein
Statistikprofessor als Kritiker der Prognose mit Namen
genannt:
"die
demographische Prognose von der unbezahlbaren Überalterung
ist offensichtlich Humbug, wie jetzt ein
Statistikprofessor aufgedeckt hat, der selbst jahrelang im
Statistischen Bundesamt tätig gewesen ist.
Gerd Bosbach lehrt heute an der Fachhochschule
Koblenz Statistik, Mathematik und Empirik, und was er
Hahlen vorhält, unterstreicht einmal mehr, daß sich das
derzeitige Sozialabbauprogramm auf gewagte
Kaffeesatzleserei und bewußte Halbwahrheiten stützt.
Drei Haupteinwände hält Gerd Bosbach den »vorgegebenen und
unausweichlichen« Prognosen (...) entgegen: Erstens sei
eine Bevölkerungsprognose bis zum Jahre 2050 als Grundlage
politischer Entscheidungen heute schlicht untauglich.
Hätte man z. B. 1953 eine Prognose für 2000 als
zielsicher und handlungsleitend ausgegeben, hätte man
millionenfach daneben gelegen: Wegen
Anwerbeverträgen für »Gastarbeiter«,
Pillenknick und
1989er
Zusammenbrüchen, von mehreren Kriegen und
entsprechenden Fluchtbewegungen ganz zu schweigen.
Nicht von ungefähr betrug die »Gültigkeitsdauer« der
letzten neun Bevölkerungsprognosen des Statistischen
Bundesamtes im Schnitt vier Jahre. Einige
Vorgängerprognosen mußten sogar gänzlich über den Haufen
geworfen werden.
Die Prognose (...) unterschlägt – das ist das zweite
Argument von Gerd Bosbach – wesentliche demographische und
ökonomische Größen. So kommt (...) nicht vor, daß auch
unproduktive Kinder und Jugendliche ernährt werden müssen.
Rechnet man aber diese Bevölkerungsgruppe in die Prognose
ein, dann müssen heute hundert Menschen zwischen 20 und 60
Jahren 82 Junge und Alte ernähren. Im Jahre 2050 würden es
112 Junge und Alte sein. Nicht 80 Prozent mehr als heute
sondern 40 Prozent mehr. Und nur zwölf Prozent mehr als
1970, als 100 Erwerbsfähige 100 Junge und Alte ernährten.
Solche undramatischen Zahlen enthält auch die offizielle
Bevölkerungsvorausberechnung. Aber der Präsident des
Amtes, die hohe Politik und die Medien wollen sie
offensichtlich nicht zur Kenntnis nehmen.
Eine andere Zahl wird von den Bundesdemographen allerdings
komplett ausgeblendet: die absehbare, steigende
Arbeitsproduktivität."
Wenn jetzt plötzlich
die Prognose selbst in der Kritik steht, dann zeigt dies,
dass die Agenda 2010 viel grundsätzlicher zur Disposition
steht, als dies die Mitte-Politiker glauben machen wollen.
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