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Kristina Vaillant: Die verratenen Mütter

 
       
     
       
     
       
   

Kristina Vaillant in ihrer eigenen Schreibe

 
       
   

fehlt noch

 
       
   

Kristina Vaillant im Gespräch

 
       
   

REICH, Anja (2016): "Frauen dürfen sich nicht abspeisen lassen".
Gespräch mit Kristina Vaillant: Sie sind gut ausgebildet und arbeiten ihr Leben lang - trotzdem wird die Rente vieler Frauen, vor allem der Mütter, erschreckend niedrig sein,
in:
Frankfurter Rundschau v. 13.10.

Kristina VAILLANT, Jahrgang 1964, legt nach Die verratene Generation (2014) mit dem Buch Die verratenen Mütter zur Rentenpolitik nach.

"Ich bin 1964 geboren, das ist der geburtenstärkste Jahrgang, und vor ein paar Jahren hörte ich von einer FU-Studie, die sich damit beschäftigt, wie viel Rente Frauen dieser Jahrgänge einmal bekommen werden. Alle waren davon ausgegangen, dass es auskömmliche Renten sein würden, weil die Frauen in der Regel gut ausgebildet sind und viel häufiger berufstätig als die Generation davor, nämlich zu 80 Prozent. Die Studie ergab jedoch, dass 40 Prozent aus den alten Bundesländern und 20 Prozent aus den neuen Bundesländern maximal 600 Euro Rente bekommen werden",

erklärt uns VAILLANT. Diese Studie von Barbara RIEDMÜLLER & Ulrike SCHMALRECK wurde bereits in dem Buch Die verratene Generation zitiert. Dort hieß es:

"Frauen der geburtenstarken Jahrgänge, auf die Welt gekommen in den Jahren zwischen 1958 und 1968 (...). Über sechseinhalb Millionen Frauen sind heute zwischen 45 und 55 Jahre alt. (...) Etwa ein Drittel von ihnen, das sind über zwei Millionen Frauen, werden voraussichtlich eine Rente von maximal 600 Euro bekommen. Wenn diese Frauen in den Jahren zwischen 2023 und 2035 in Rente gehen, kann das ein Alter in Armut bedeuten." (2014, S.59f.)

Die Studie stammt aus dem Jahr 2012, also vor Inkrafttreten des Rentenpakets 2014, mit dem Mütter weiter besser gestellt wurden. Davon profitierten meist nicht-akademische Mütter, die ihre Kinder vor 1992 bekommen haben. Um Akademiker-Mütter wie VAILLANT muss man sich keine Sorgen machen, auch wenn deren gesetzliche Rente niedriger sind, können sie im Gegensatz zu Nichtakademikerinnen auf die kapitalgedeckte Altervorsorge zurückgreifen.

Hinzu kommt, dass VAILLANT gar nicht die Studie selber zitiert, sondern deren Ergebnisse für die Geburtsjahrgänge 1962 bis 1966 einfach auf die Jahrgänge 1958 bis 1962 "hochrechnet" (2014, Fn 37, S.244). Auf welchen Annahmen diese Hochrechnung beruht, wird uns nicht erklärt. Seriös ist das nicht. Möglicherweise wurden also die Auswirkungen der Änderungen bei der Mütterrente gar nicht adäquat berücksichtigt.

Als Feindbild wird uns von VAILLANT die männlichen "Babyboomer aus Westdeutschland" genannt. Darunter kann man sich viele Geburtsjahrgänge vorstellen. Diese sollen angeblich das Soll des Eckrentners übererfüllen können. Belege? Fehlanzeige! Quellenangaben? Was juckt mich mein Geschwätz, ich will sowieso nur jene erreichen, die meiner Sekte angehören, so könnte man dies bezeichnen.

Im internationalen Vergleich pickt sich VAILLANT die Rosinen heraus. Das machen Neoliberale bekanntlich genauso - den nationalen Rentensystemen wird man damit nicht gerecht. Ausgerechnet Großbritannien und Holland werden uns als Vorbilder empfohlen. Man darf bezweifeln dass die dortigen Verhältnisse Frauen im Niedriglohnsektor besser stellen als Deutschland.

VAILLANT beschreibt lediglich die Luxusprobleme ihres privilegierten individualisierten Milieus, mit Altersarmut hat das meist nichts zu tun. Typisch dafür ist die Beschreibung, warum sich diese Frauen nicht organisieren:

"Weil das »Wir« fehlt. Frauenleben können so unterschiedlich sein. Eine hat viele Kinder, die andere nur eins, die nächste trägt ihrem Mann alles hinterher oder hat einen, der ihr viel abnimmt."

Dazu passt auch das Feindbild Gewerkschaft, der erwerbsarbeitszentriertes Denken bei der Rentenpolitik vorgeworfen wird. Letztendlich versteckt sich dahinter die Vorstellung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Davon erhoffen sich vor allem Privilegierte wie VAILLANT Vorteile. Jenseits des Akademikermilieus werden solche Vorstellungen eher als weltfremd angesehen.

 
       
   

Die verratenen Mütter (2016).
Wie die Rentenpolitik Frauen in die Armut treibt
München: Knaur Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Sieben Millionen Frauen aus den geburtenstarken Jahrgängen gehen in den nächsten Jahren in Rente. Zwei Drittel dieser Frauen, vor allem die Mütter unter ihnen, werden nicht mehr als 600 Euro Rente bekommen. Ihnen droht ein Leben in Armut, und sie werden Unterstützung vom Sozialamt brauchen – obwohl sie gut ausgebildet sind und berufstätig waren. Kristina Vaillant beschreibt in ihrem neuen Sachbuch das Ausmaß dieses Renten-Skandals und nennt die Ursachen der kommenden weiblichen Alters-Armut: eine Renten-Politik, die die Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht verringert, sondern systematisch vergrößert. Die Renten-Expertin beklagt diese Diskriminierung von Frauen/Müttern und fordert Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Kristina Vaillant verweist auf erfolgreiche Alternativen zum deutschen Renten-System, zum Beispiel in den Niederlanden, in Großbritannien und Skandinavien. Dort wird die Lebensleistung von Frauen/Müttern auch bei der Renten-Berechnung gewürdigt."

   

Inhaltsverzeichnis

Grußwort von Rita Süssmuth
Vorwort
Einleitung: Warum Altersarmut weiblich ist

1 Kein Schicksal - wie Arbeitsmarkt und Rentensystem Altersarmut produzieren

Die Biografie des Eckrentners - kein Standard für Frauen
Arbeit ist nicht gleich Arbeit
Frauenberufe ohne Absicherung
Untypisch - und trotzdem die Regel
Der Fehler liegt im System
Gute Ausbildung - gute Jobs = gute Rente?
Vertrauen verspielt: Rentenpolitik gegen das Rentensystem
»Die Rente ist sicher«
Walter Riester, ein neuer »Herr Blüm«
Riester-Rente: vom »must-have« zur rentenpolitischen Mogelpackung
Rentenpolitik gegen gute Traditionen

2 125 Jahre nach Bismarck: Das Rentensystem ist dringend reformbedürftig Solidarität mit wem?

Solidarität- versus Leistungsprinzip
Jeder trage des andern Last
Leistungsprinzip in Reinform
Keine Bremse nach unten
Die siebziger Jahre: Mindestrente für Frauen
Rentenpolitik auf Abwegen
Mindestrente reloaded
Das Comeback des Industriearbeiters
Trostpflaster »Mütterrente«
Rente für unbezahlte Arbeit
Witwenrenten - keine Sicherheit für zukünftige Rentnerinnen

3 Wie die Politik das Problem verschieben will

Der Familienernährer taugt nicht mehr als Argument
Der Arbeitsmarkt soll es richten
Alles wie gehabt: Klassische Arbeitsteilung im Beruf und zu Hause
Frauen als »brachliegendes Erwerbspotenzial«
»Mobilisierung« - komplizierter als gedacht
Existenzängste statt Midlife-Crisis
Ältere und der Arbeitsmarkt
Was Frauen suchen - und am Arbeitsmarkt nicht finden
Was heißt hier Arbeitsmarktboom!
»Perspektive Wiedereinstieg«?
Gute Voraussetzung: faire Bewerbungsverfahren
Notlösung: »frisierte Bewerbungen«
Die Mär vom Fachkräftemangel
Zweiteilung des Arbeitsmarktes erhöht die Hürden
Raus aus der Abhängigkeit

4 Was andere Länder besser machen Alterssicherung

»Made in Germany« - ein Gütesiegel?
Bismarck oder Beveridge
Die Bürgerrente macht Schule
Europäische Rentenpolitik: Reformen: ja - Rentenkürzungen: nur bedingt
Interview mit Professorin Traute Meyer

5 Soziale Sicherheit im Alter - ein Bürgerrecht

Rente ist keine Grundsicherung - sagt die Arbeitsministerin
Scheindebatten
Altersarmut - kleingerechnet
Leistungsbezogen und sozial - kein Widerspruch
Rente jenseits von Erwerbstätigkeit - die Bürgerrente
Soziale Sicherheit: Privileg der Pensionäre und »Eckrentner«
Soziale Rentenpolitik für mündige Bürger

 
     
 
       
   

Rezensionen

Neu:
SCHMITZ, Katharina (2016): Eckrentner am Ende.
Ruhestand: Die Rente ist gerade für Frauen oft nicht mehr sicher. Und doch machen wir uns viel zu wenig Sorgen um unsere Altersvorsorge. Kristina Vaillant will das ändern,
in:
Freitag Nr.42 v. 20.10.

Katharina SCHMITZ versucht dem Eindruck entgegenzuwirken, dass das Buch Die verratenen Mütter von Kristina VAILLANT Männer und Frauen gegeneinander ausspielen wolle. Deren Interview in der FR spricht jedoch eine andere Sprache. Und auch die Rezension kann diesen Eindruck nicht zerstreuen. Ausgerechnet die umstrittenen WDR-Berechnungen werden uns als Beispiel für das "gut informierte" Buch präsentiert. Am Ende muss man sich fragen, welchen Gewinn das Lesen dieses Buchs bringt, denn offenbar richtet es sich nur an eine Leserschaft, die keinen blassen Schimmer von der gegenwärtigen Rentendebatte hat. Oder liegt dies an der Selektivität der Rezensentin und deren Vermutungen hinsichtlich der Leserschaft der Wochenzeitung?

 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 13. November 2016
Update: 13. November 2016