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Lisa Nienhaus: Die Blindgänger

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1979 geboren
      Studium der Volkswirtschaftslehre und der Politikwissenschaft
    • 2009 Buch "Die Blindgänger"
 
       
     
       
   

Lisa Nienhaus in ihrer eigenen Schreibe

 
       
   

NIENHAUS, Lisa (2007): Woher kommen die Babys?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.07.

Das Statistische Bundesamt meldete am 20. Juli, dass die Geburtenzahlen im 1. Quartal 2007 nur geringfügig zum Vorjahresquartal 2006 gestiegen sind. Das Statistische Bundesamt reagierte mit dieser Pressemeldung auf Medienberichte über einen angeblichen Baby-Boom, den insbesondere eine Reporterin der Welt aufgrund einer nicht-repräsentativen Umfrage im Mai in die Welt gesetzt hatte. Seit dem Erscheinen des Buches Minimum von Frank SCHIRRMACHER im März letzten Jahres hat die Hysterie eine neue Stufe erreicht. Während damals Welt-Journalisten die Geburtenzahlen in den Keller schrieben, wird nun das Gegenteil gemacht. Es werden jetzt Trendwenden verkündet, die genauso abwegig sind wie die bisherige Debatte ums Aussterben der Deutschen.

"Seit 1987 waren hier zu Lande Jahr für Jahr weniger Kinder geboren worden", schreibt Dorothea SIEMS in der Welt.

Es handelt sich hier wohl um einen Druckfehler, denn erst seit 1997 wurden hierzulande Jahr für Jahr weniger Kinder geboren. Seit 9 Jahren durfte deshalb Jahr für Jahr geschrieben werden, dass es sich dabei um "den niedrigsten Wert seit dem 2. Weltkrieg" handelte. Dies galt aber bereits seit 1972 für alle westdeutschen Geburtenrückgänge.

Von 1966 bis 1975 sank in Westdeutschland die Geburtenzahl von 1,05 Millionen auf 0,6 Millionen, also um ca. 43 %. Dagegen fiel die Geburtenzahl von 1997 bis 2007 nur von 812 Tausend auf 673 Tausend, also um ca. 18 %. Der Geburtenrückgang seit 1997 war im historischen Rückblick also alles andere als besorgniserregend. Ganz davon abgesehen, ist die absolute Geburtenzahl für sich genommen kein geeigneter Indikator, um Trendwenden auszurufen. 1996 gab es den letzten "Geburtenaufschwung". Dessen Nachhaltigkeit war jedoch bescheiden und mündete in einen lang anhaltenden Rückgang der Geborenenzahlen.

Lisa NIENHAUS meint in der FAS nun sogar, dass die Last von den als kinderfeindlich beschimpften Akademikerinnen abfallen könne:

"600 Kinder mehr in drei Monaten sind hoffentlich 600 zukünftige Steuerzahler mehr, 600 Kranken- und Rentenversicherungseinzahler mehr, vielleicht auch 600 baldige Facharbeiter mehr, die für Wachstum sorgen. Da schlägt das Herz des Deutschen höher, der sich längst - aufgeklärt durch alle Medien - in der demographischen Katastrophe und dem Kampf der Generationen wähnte",

rechnet uns NIENHAUS vor. Tatsächlich hing das Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte in Deutschland in erster Linie nicht von der Entwicklung der Geburtenzahlen ab, sondern von der Zu- und Abwanderung. Dass die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland von der Wirtschaftslage und Migrationsprozessen bestimmt wird, das bleibt bei der hysterischen Debatte um den Geburtenrückgang ausgeblendet.

In dem aufschlussreichen Buch Ein ewigwährender Untergang zeigt der Historiker Thomas ETZEMÜLLER im Vergleich der bevölkerungspolitischen Debatten in Deutschland und Schweden auf, dass ein Perspektivenwechsel in der deutschen Debatte Not tut. Während in Deutschland bisher Nationalkonservative um Herwig BIRG mit ihrem ausländerfeindlichen Bevölkerungskonzept die Debatte prägten, gelang in Schweden u.a. aufgrund eines anderen Bevölkerungsbegriffs, der Ausländer integrierte statt sie auszugrenzen, eine positivere Bewertung der Bevölkerungsbilanz. Schweden gilt hierzulande aufgrund seiner höheren Geburtenrate als eines der familienpolitischen Vorbilder. Tatsächlich ist die demografische Entwicklung in Schweden ähnlich verlaufen wie in Deutschland. Es gab auch dort Höhen und Tiefen der Geburtenentwicklung. Die Gemeinsamkeiten blieben jedoch meist verborgen, u. a. weil die Bevölkerungsstatistik der beiden Länder auf anderen Prinzipien beruht.

Während für Schweden exakte Zahlen für die Geburtenentwicklung vorliegen, sind hierzulande nur Schätzungen möglich. Das deutsche Datendesaster aufgrund der normativen Statistik mit ihrer Ehezentrierung verhinderte bislang, dass die Kinderzahlen richtig erfasst werden konnten. Solange es aber keine einheitlichen Maßstäbe und Meßmethoden im internationalen Vergleich gibt, ist die Bevölkerungsdebatte hochgradig ideologisch.

Im Buch Die Single-Lüge wird aufgezeigt, wie Nationalkonservative dazu beigetragen haben, dass internationale Vergleiche in die Irre führen. Diejenigen, die jedoch behaupten, dass zur Zeit ein Baby-Boom ausgeschlossen sei, liegen ebenfalls falsch. Tatsächlich könnte die Trendwende längst da sein. Dazu bedürfte es jedoch Daten, die der Öffentlichkeit bislang nicht vorliegen. In diesem Sinne ist auch die Veröffentlichungspraxis des Statistischen Bundesamtes zu kritisieren.

NIENHAUS, Lisa (2008): Geld oder Liebe?
Wie einer sein Geld ausgibt, ist Privatsache. Es sei denn, es geht um den eigenen Partner. Dann wird genau nachgerechnet - und heftig gestritten,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.06.

Das Geld in Partnerschaften in der Debatte

NIENHAUS, Lisa & Bettina WEIGUNY (2008): Das teure Leben der Pendler.
In Köln wohnen - in Frankfurt arbeiten. Den Liebsten in Lausanne - den Job in Berlin. Der Anteil der Menschen, die weite Strecken zur Arbeit fahren oder fliegen, wächst. Nicht nur, weil sie in der Heimat keinen Job finden. Fünf Pendler erzählen,
in: faz.net v.  21.07.

Multilokalität in der Debatte

NIENHAUS, Lisa (2009): Hier kommen die neuen Familien.
Homo-Ehe, Patchwork, Eltern ohne Trauschein. Das alles ist heute Familie. Doch die traditionelle Ehe wird immer noch bevorzugt, vor allem finanziell. Die Politik hinkt der Zeit hinterher,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.11.

NIENHAUS, Lisa (2010): Mutter, hilf!
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.10.

NIENHAUS kritisiert die geplante EU-weite Verlängerung des Mutterschutzes:

"Insbesondere in Deutschland ist ein längerer Mutterschutz unnötig. Denn hier gibt es längst die Möglichkeit, eine lange (freiwillige) Auszeit für Kind und Mutter (oder Vater!) zu nehmen und dabei auch noch finanzielle Unterstützung zu bekommen: das Elterngeld. Hier zahlt auch längst der Richtige: der Staat. Denn eins ist aus ökonomischer Sicht eindeutig: Wenn Politiker umverteilen wollen – etwa von den Arbeitenden zu den jungen Müttern –, dann sollen sie das mit Steuergeldern tun und nicht die Firmen dazu verpflichten, soziale Aufgaben zu übernehmen."

NIENHAUS, Lisa (2010): Die Babymacher aus Belgien.
Eine Klinik in Brüssel zeugt seit 1983 Babys in der Petrischale - und lockt Kunden aus aller Welt an. Auch aus Deutschland. Denn in Belgien ist erlaubt, was hierzulande umstritten ist: Die Präimplantationsdiagnostik. Ein Besuch,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.11.

Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise

FAS-Wirtschaftsthema: Die heilige Familie

NIENHAUS, Lisa (2010): Der ganz normale Familienbetrieb.
Die Familie ist eine Firma. Oma ist der Chef, Opa Aufsichtsrat. Mutter und Vater produzieren das, worauf es ankommt: die Kinder. Und am Ende profitiert sogar der Staat. Eine kleine Ökonomie der Familie,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.12.

Beim Thema Kinderkriegen herrscht in der FAS derzeit Orientierungslosigkeit:

"Ökonomen (...) helfen dabei zu erklären, wieso es überhaupt sinnvoll ist, Geld an Familien fließen zu lassen. Und sie sind gut darin, herauszufinden, wohin das Geld am besten fließen sollte. Kindergeld? Elterngeld? Kita-Ausbau? In Deutschland untersucht das gerade eine Forschergruppe, die von Finanzministerium und Familienministerium gemeinsam eingesetzt wurde. Fertig werden sie allerdings erst 2013."

Was macht man also, wenn die Ökonomen selber ratlos sind? Bis 2013 können die Journalisten ja nicht warten, also verdoppeln sie die Ratlosigkeit der Ökonomen. Der Ökonom Gary BECKER, so etwas wie der Papst in Familienfragen (dank Nobelpreis) ist als Rechtfertigungsinstanz der Hausfrauenfamilie durch die Dominanz der Doppelkarriere-Familie ins Abseits geraten. Der Stein der Weisen wurde von den Konservativen bislang aber noch nicht gefunden, sondern nur von den Sozialdemokraten, die in Gösta ESPING-ANDERSEN ihren neuen Guru gefunden haben. Also stochern NIENHAUS und BERNAU im Nebel herum und zitieren ein paar Ökonomen wie Christina BOLL, Alessandro CIGNO oder Martin WERDING, nur um letztendlich zu erklären, dass die Ökonomen mit ihrem Latein am Ende sind.
            Neben den Artikeln gibt es auch noch Leserbriefe zum Elterngeld-Artikel von Bettina WEIGUNY, die ein großes Spektrum an Reaktionen abdecken. Von den insgesamt 120 Internetkommentaren werden 13 abgedeckt:

"Klar, Geld zeugt keine Kinder.

Aber das ist noch lange kein Grund, je Kind knapp 80.000 € über die Sozialsysteme an die Kinderlosen zu transferieren.
Die einschlägige Studie des IFO-Instituts ist aktueller denn je. Das Gejaule der Kinderlosen ist unerträglich!
"

motzt z.B. ein Leser.

NIENHAUS, Lisa (2010): Darum kriegen wir Kinder.
Liebe ist das eine. Das andere sind Opportunitätskosten,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.12.

Pro & Contra: Soll das Elterngeld wieder abgeschafft werden?
Das Elterngeld kostet Milliarden, der Effekt ist umstritten. Die FDP will es abschaffen, die Union nicht. Auch die FAS ist gespalten

NIENHAUS, Lisa (2011): Nein.
Geld fördert Frauenkarrieren,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.05.

AMANN, Melanie & Lisa NIENHAUS (2012): Zwischen 30 und 40 muss alles passieren.
Rushhour des Lebens: Heiraten, Kinder kriegen, sich im Job etablieren - all das sollen Männer und Frauen zwischen 30 und 40 schaffen. Forscher, Politiker und Personalberater befassen sich mit der Rushhour des Lebens, aber noch ist es keinem gelungen, den jungen Leuten die Ausfahrt auf den Parkstreifen zu zeigen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.09.

Die Rushhour des Lebens - im 7. Familienbericht noch als Haupthindernis für die Familiengründung von akademischen Führungskräften angesehen - soll bald der Vergangenheit angehören, verkünden AMANN & NIENHAUS:

"Für die Jüngeren zeigt sich aber ein Silberstreif am Horizont: Sie kommen viel früher auf den Arbeitsmarkt. Wer mit 17 Abitur macht und mit Anfang 20 den Bachelor-Titel hat, dessen Zeitfenster für Familie und Karriere öffnet sich weiter. »Heute sieht man viel mehr junge Leute in Führungspositionen«, sagt Sörge Drosten, Personalberater bei Kienbaum. »Mit 26 Jahren die Verantwortung für ein paar Dutzend Leute und ein großes Budget zu haben, das ist keine Seltenheit mehr.« Die anstrengendste Phase der Karriere könnte bald nicht in den späten 30er Jahren liegen, sondern früher. »Dann könnten sich junge Frauen nach den ersten Karrierestufen früher Zeit für die Familienplanung nehmen.« Umgekehrt könnten die endgültigen Zielposten der Karriere schon mit 45 erreicht werden, sagt Drosten. »Dann kann man sich auch um Teenager-Kinder intensiver kümmern.«"

Diesmal also kein plumper Appell fürs frühe Gebären à la Spiegel, sondern geschickt verpackt nach dem Motto: Die Gründe für eine späte Mutterschaft sind für junge Akademikerinnen schlichtweg entfallen. Man wird also in den nächsten zehn Jahren sehen können, ob diese Rechnung aufgeht, oder ob es nicht viel mehr Hindernisse gibt.

Pro & Contra: Brauchen wir das Ehegattensplitting noch?

Nienhaus, Lisa (2013): Nein,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.01.

NIENHAUS, Lisa (2013): Eine Klasse für sich.
Emanzipation ist der Erfolg einer Minderheit. Für die Elite der Frauen sind Bildung und Karriere heute wichtiger als Heiraten. Das macht sie den Männern ähnlich, spaltet aber die Gesellschaft. Halb so wild!
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 11.08.

Lisa NIENHAUS berichtet über das Buch The XX Factor der britischen Ökonomin Alison WOLF:

"Für jene zwanzig Prozent der am besten ausgebildeten Frauen der westlichen Welt hat sich das Leben in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert - weitaus mehr als für die restlichen 80 Prozent, die weiterhin viel traditioneller leben. Diese neue Elite der Frauen, schreibt die britische Ökonomin Alison Wolf, bildet »eine Klasse für sich«. Eine Klasse von Frauen, die »den Männern ähnlicher sind als jemals zuvor in der Geschichte«"

Fälschlicherweise ordnet NIENHAUS diese Frauen der Oberschicht zu, dabei handelt es sich lediglich um die obere Mittelschicht, d.h. um Akademikerinnen, die entweder allein leben oder Teil eines Zwei-Karriere-Paares bzw. einer Zwei-Karriere-Familie sind. Außerdem spricht sie von Singles, obgleich sie im Grunde nur Ledige meint. Diese "neue Schicht der Alpha-Frauen" der F-Klasse hat den Geschlechterkonflikt durch die Nutzung von Dienstboten ausgelagert - eine Entwicklung, die auf dieser Website schon vor einem Jahrzehnt beschrieben wurde. Diese Frauen haben die Wahlfreiheit:

"Für gut ausgebildete Frauen ist die Wahl besonders facettenreich, denn bei ihnen drückt das Geld nicht so: Sie können die Karriere an den Nagel hängen für Kinder („Opting-out“) oder Haupternährer der Familie samt Hausmann werden oder als Single-Frau alles für den Beruf geben und rund um die Welt tingeln. Ja, sie können sogar alles haben: Karriere im Traumberuf, Kinder und eine tolle Beziehung."

Dazu passend gibt es auch die entsprechenden Männer:

"Auch für gut ausgebildete Männer ist die Hochzeit weniger wichtig geworden. Und sie verschieben das Kinderkriegen. Sie sind interessanterweise und ganz gegen das Klischee genauso häufig Single wie die gut gebildeten Frauen und heiraten auch nicht häufiger nach unten als Frauen, sondern bevorzugen Partnerinnen mit ähnlicher Bildung."

Leider hat es sich NIENHAUS sehr einfach gemacht und setzt die Situation in Großbritannien mit der Situation hierzulande gleich. Sie hätte Cornelia KOPPETSCH dazu befragen sollen, die im Gegensatz zu dieser optimistischen Sicht von einer Wiederkehr der Konformität ausgeht.

NIENHAUS, Lisa (2013): Der kinderlose Mann.
Das Statistische Bundesamt hat herausgefunden, wer schuld daran ist, dass die Deutschen so wenig Nachwuchs bekommen: die Frauen. Was da schiefgelaufen ist? Vor allem, dass Männer in der Statistik keine Erwähnung finden,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.11.

Lisa NIENHAUS beklagt wie bereits TICHOMIROWA in der FR, dass es keine amtliche Statistik zum kinderlosen Mann gibt. Was aber wäre dadurch gewonnen, außer dass sich im "Reproduktionsbereich" der Gesellschaft die Bevölkerung gegenseitig die Schuld (an was überhaupt?) zuweist (Zeugungsstreik vs. Gebärstreik vs. Eltern, die ihr angeblich Reproduktionssoll erfüllt haben), während die Wirtschaft außen vor bleibt. Klagt die Wirtschaft nicht über einen Arbeitskräftemangel, den sie selber mitverschuldet hat? Warum sollte die Rente sicherer sein, wenn mehr Kinder geboren werden? Die grundlegenden gesellschaftspolitischen Fragen werden durch gegenseitige Schuldzuweisungen verdrängt. Wollen wir zurück ins bevölkerungspolitische Mittelalter oder akzeptieren wir den kulturellen Fortschritt, der mit dem Rückgang der Geburtenzahlen einherging?

FAS-Wirtschaft Special: Jahrgang 1964.
1,36 Millionen Babys wurden 1964 in Deutschland geboren, - so viele wie in keinem anderen Jahr. Es sind Kinder des Wirtschaftswunders. Dann kamen der Pillenknick und die Wirtschaftskrise. Und die Lust auf Kinder war dahin

NIENHAUS, Lisa (2014): Wenn die Babyboomer in Rente gehen.
Der Jahrgang 1964 geht 2031 in Rente. Dann müssen wenige Junge auf einmal sehr viele Alte durchbringen. Schaffen die das? Oder droht Verarmung? Ein Ausflug in die Zukunft,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.01.

NIENHAUS, Lisa (2014): Frau Merkel und die kleine Clara.
Die Rentenpläne der großen Koalition werden die Jugend von heute belasten. Noch ist sie zu jung, um sich zu wehren. F.A.S.-Redakteurin Lisa Nienhaus erklärt ihrer Tochter, warum die Rentenreform teuer für sie wird,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.01.

NIENHAUS, Lisa (2014): Das Unglück der späten Geburt.
Der Sonntagsökonom: Erstgeborene haben mehr Erfolg und Geld als ihre Geschwister. Liegt es an den Eltern?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.06.

NIENHAUS, Lisa (2014): Babys ohne Sex.
Um ein Kind in die Welt zu setzen, braucht es keinen Geschlechtsverkehr. Die Produktion übernimmt eine profitable Industrie. Und das soll Fortschritt sein,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.11.

Lisa NIENHAUS gruselt es vor der Reproduktionsmedizin: zwar werden Menschen noch nicht wie bei Aldous HUXLEY in Flaschen geboren, aber der Ausnahmefall der künstlichen Befruchtung könnte zukünftig zur Regel werden. Deutschland ist jedoch Entwicklungsland:

"Knapp 51000 Versuche künstlicher Befruchtung gab es in Deutschland im Jahr 2012. Mehr als 13000 Frauen wurden so schwanger. Wie viele dieser Kinder am Ende geboren wurden, ist nicht genau bekannt. Dokumentiert sind 7000 Geburten für 2012, doch die Gesamtzahl liegt wohl deutlich höher, weil viele Schwangerschaften nicht verfolgt wurden. Für das Jahr 2010 ist die Zahl von 14000 Babys durch künstliche Befruchtung in Deutschland bekannt.
Zwar ist das immer noch nur ein kleiner Anteil aller Geburten in Deutschland - etwas mehr als zwei Prozent. Aber die Zahl wächst stark, in Deutschland wie internationale. Und andere Länder zeigen, was möglich ist: etwa Dänemark, wo schon knapp sechs Prozent aller Kinder auf nichtnatürlichem Weg gezeugt werden."

Gemäß NIENHAUS steht die zweite reproduktionstechnologische Revolution bevor: Die Loslösung der Schwangerschaften vom Alter der Mutter. Dazu präsentiert NIENHAUS den New Yorker Reproduktionsmediziner Norbert GLEICHER und den Chemiker Carl DJERASSI, die diese Revolution rechtfertigen.

"»Eine Frau mit 51 Jahren war vor 100 Jahren sehr alt«, sagt Gleicher. »Aber heute ist eine 51-Jährige immer noch recht jung. Wieso sollte sie keine Kinder haben?« Schließlich hat eine Frau heute, wenn sie 51 Jahre alt ist, noch im Schnitt genauso viele Lebensjahre vor sich, wie eine Frau Anfang des 19. Jahrhunderts bei ihrer Geburt."

Zum Schluss kommen jedoch wieder die Gegenstimmen zu Wort, die vor der Entwicklung warnen: Geschlechterwahl sowie die Optimierung des Nachwuchses hinsichtlich optischer Ähnlichkeit mit der Mutter, Schönheit und Intelligenz drohen.

"Die einzige Gruppe von Frauen, die Jahr für Jahr mehr Kinder bekommt als im Vorjahr, sind auch in Deutschland die über 40-Jährigen."

Weshalb diese Frauengruppe besonders vor ungewollter Kinderlosigkeit gewarnt wird, denn ab 35 nehme die Fruchtbarkeit rapide ab.

NIENHAUS, Lisa (2014): Die Stadt ist jetzt für alle da.
Spätestens, wenn die Kinder kamen, zogen die Städter früher aufs Land. Heute ist alles anders: Die Familien bleiben und fühlen sich wohl wie nie,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.12.

Nichts wirklich Überraschendes hat Lisa NIENHAUS zu berichten. Die Renaissance der Großstädte wird bereits seit einem Jahrzehnt diskutiert. Auf den Trend, dass Paare in den Städten verbleiben, statt im Zuge der Familiengründung ins Umland zu ziehen, wurde auf dieser Website bereits im Jahr 2002 hingewiesen. Paare, die Beruf und Familie besser vereinbaren wollen, wurden als Family-Gentrifier bezeichnet. Spätestens mit den Müttern vom Prenzlauer Berg wird dieses Phänomen auch in den Medien breitgetreten. Aufgrund bevölkerungspolitischer Interessen wurde das Phänomen lange Zeit heruntergespielt. Solange Elterngeld und Kinderbetreuung noch nicht politisch durchgesetzt waren, dienten die Latte-Macchiato-Mütter als Phänomen für die Kinderarmut der Städter. Massenstatistiker sind gewöhnlich keine Trendsetter, sondern beschreiben Trends lediglich retrospektiv. Erst mit der Gentrifizierungskritik der letzten Jahren wurde deutlich, dass sich zumindest die angesagten Akademikerstadtteile von den einstigen Single-Hochburgen in den 1980er Jahren zu Hochburgen der Family-Gentrifier weiterentwickelt haben.

Die Stadt ist für alle da? Gerade nicht, sondern nur noch für jene, die sie sich leisten können.

NIENHAUS, Lisa (2016): Da geht nichts voran.
Europa, Amerika, Japan - überall wächst die Wirtschaft langsamer als früher. Liegt es an den vielen alten Menschen?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.06.

Lisa NIENHAUS holt das altbekannte neoliberale Motto Die Stimmung ist besser als die Lage aus der Mottenkiste hervor, damit Clemens FUEST in den Fußstapfen von Hans-Werner SINN wahrnehmbar bleibt, denn uns Deutschen geht es so gut, dass Arbeitslosigkeit für NIENHAUS kein Problem mehr ist, sondern das Wirtschaftswachstum stattdessen zum Schreckgespenst aufgeblasen werden muss.

Weil die Wirtschaft nicht so reagiert wie Ökonomenhirne das gerne hätten, sollen wir uns Sorgen machen, statt dass sich Ökonomen selbstkritisch fragen, ob ihr Weltbild noch zeitgemäß ist. Das Handelsblatt hat uns letzte Woche schon die Digitalisierung als Sündenbock präsentiert.

Die Finanzkrise wird als Schuldenkrise gedeutet, statt als Bankensystemkrise, die mitschuldig ist.

Weil aber im neoliberalen Verständnis die Macht der Banken nicht angetastet werden darf, muss die alternde Bevölkerung als Sündenbock dienen. Angeblich wurde diese bislang selten mit dem Wachstum in Verbindung gebracht. Dabei dröhnt uns seit über einem Jahrzehnt der Kopf vor all dem Unsinn, dem alternde Bevölkerungen angedichtet werden. Nationalkonservative und Neoliberale sind sich einig, dass die Alterung (in ihren Augen eine Unterjüngung) das Übel par excellence ist, obwohl die Wirtschaft am Alter zu genesen gedenkt.

Krass wird es, wenn die jetzige Stagnation des Wirtschaftswachstums mit der Zukunft kurzgeschlossen wird:

"Je weniger Menschen arbeiten, desto geringer die Produktion und damit das Wachstum. Wenn also besonders viele Menschen aus dem Arbeitsleben ausscheiden und nicht so viele Junge nachkommen - spätestens mit dem Renteneintritt der Babyboomer wird es so weit sein - dann verringert sich das Wachstum der Volkswirtschaft",

formuliert NIENHAUS dreist. Wollte sie uns nicht die jetzige Stagnation erklären, die wohl kaum auf den Renteneintritt in 10 oder 20 Jahren zurückgeführt werden kann?

Die KfW, die NIENHAUS, für ihre einseitige Argumentation nur in negativer Hinsicht auf den demografischen Wandel vereinnahmt, hat dagegen erst kürzlich auf die positiven Potenziale der Alterung hingewiesen.

Und zuletzt wird wie üblich von unseren Apokalyptikern die Zunahme von Verteilungskonflikten beschworen, dabei bleibt selbst bei schrumpfender Bevölkerung mehr Spielraum dafür übrig, weil auch bei geringem Wachstum das Pro-Kopf-Wachstum wesentlich stärker ansteigt. Aber wo uns Horrorstorys präsentiert werden sollen, ist kein Platz für Besonnenheit.

Man liegt sicherlich nicht falsch, wenn man diesen Artikel als flankierenden Beitrag zur Rentendebatte versteht.

Neu:
NIENHAUS, Lisa & Bettina SCHULZ (2016): Vereint im Zweifel.
Die fünf Wirtschaftsweisen sind eine Institution in der Bundesrepublik. Doch seit der Finanzkrise schwindet ihr Einfluss. Wie überzeugt man in Zeiten, da keiner mehr den Experten traut?
in:
Die ZEIT Nr.45 v. 27.10.

NIENHAUS & SCHULZ wünschen sich eine Meinung innerhalb des Sachverständigenrats, denn alles andere würde nur Zweifel an der Ökonomie schüren und diese sei seit der Finanzkrise sowieso schon gebeutelt genug. Hassfigur ist für sie deshalb Peter BOFINGER, der als Einziger den vier Neoliberalen (Christoph SCHMIDT, Lars FELD, Isabel SCHNABEL und Volker WIELAND) widerspricht. Ausgerechnet der Lautsprecher Hans-Werner SINN gilt den Autorinnen als Maßstab.

Ganz absurd wird es am Schluss, wenn Ökonomen behaupten, dass sie zwar bei Kurzzeitprognosen meist daneben liegen - Langzeitprognosen könnten jedoch sie besser. Belege bleibt der Artikel jedoch schuldig - was kaum jemand verwundern dürfte.

Fazit: Der Artikel zeigt das ganze Desaster von Mainstreammedien und Ökonomie!  

 
       
       
   

Die Blindgänger (2009).
Warum die Ökonomen auch künftige Krisen nicht erkennen werden
Frankfurt a/M: Campus Verlag (vergriffen)

 
   
     
 

Klappentext

"Warum haben unsere Star-Ökonomen die Krise nicht gesehen? Warum lagen sie mit ihren Prognosen so haarsträubend daneben? Und warum machen sie trotz ihres offenkundigen Versagens munter weiter wie bisher? Dieses Buch beleuchtet kritisch eine Zunft, der wir allzu gern blind vertrauen, deren Vorhersagen Politik bestimmen und die nicht gerade von Bescheidenheit geprägt ist. Es erklärt die Gründe für das Versagen der Ökonomen und zeigt, was sich ändern muss, damit wir in Zukunft verlässlichere Aussagen über die Wirtschaft erhalten - Aussagen, die wir dringend benötigen."

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 26. Dezember 2014
Update: 28. Mai 2017