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Karin CHRISTMANN macht mittels einer FORSA-Umfrage im Auftrag von
zwei Eltern-Zeitschriften Stimmung gegen angeblich
"unwillige" kinderlose Frauen:
"70
Prozent der kinderlosen Männer zwischen 25 und 45 wünschen sich
demnach Nachwuchs – aber nur 61 Prozent der Frauen. Neun
Prozentpunkte verschenkten Kinderwunsches, was ließe sich daraus
an Rentenbeiträgen generieren. Wenn nur die Frauen willig wären.
Dabei lief
die Diskussion doch eigentlich andersherum. Von einem
Zeugungsstreik sprach im Jahr 2005 die Autorin Meike Dinklage und
eröffnete damit eine neue Runde im Schwarze-Peter-Spiel rund um
die Geburtenrate in Deutschland."
Die Umfrage, auf die sich
CHRISTMANN bezieht, kann
hier als PDF-Datei heruntergeladen werden. Wie sehen aber die
Ergebnisse zum Kinderwunsch der Kinderlosen tatsächlich aus?
Wie kommt CHRISTMANN auf die
Differenz von 9 Prozent mehr unwillige Frauen als Männer?
Nimmt man die Nein-Antworten
(eher nicht/auf keinen Fall) als Beleg, dann wünschen sich 19 %
der Männer und 24 % der Frauen kein Kind (Differenz 5 %).
Auf
die Differenz von 9 % kommt man auch nicht, wenn man die 4 %
Männer und 10 % Frauen, die aus medizinischen Gründen keine Kinder
haben können (34 % Frauen und 23 % Männer - Differenz 11 %) hinzu
zählen würde. Dann kommt man weder auf die Zahl 61 % Kinderwunsch
der Frauen (sondern 66 %), und auch nicht auf die 70 % Männer,
sondern auf 77 %. Wenn man hinzu nimmt, dass
Männer sich
seltener als Frauen Gedanken über Zeugungs- bzw. Gebärfähigkeit
machen, also die Dunkelziffer der Zeugungsunfähigkeit bei
Männern größer ist, dann würden sich die Zahlen verschieben. Wobei
es natürlich unredlich wäre, die medizinisch bedingte
Kinderlosigkeit als Beleg für die Zeugungsstreikthese zu werten.
Wie
sieht es aus, wenn man die Antwort weiß nicht als Nein wertet?
Dann käme man auf einen Männeranteil von 24 % gegenüber 27 %
Frauen. Passt also ebenfalls nicht. Also kommen doch wieder die
unfreiwillig Kinderlosen (medizinische Gründe) hinzu, dann käme
man auf 28 % Männer und 37 % Frauen. Dann wäre man also bei
der 9 % Differenz aber es fehlen sowohl 2 % bei den Frauen als
auch bei den Männern. Das sind jene Kinderlosen, bei denen das
Kind bereits unterwegs sind.
Fazit: auf
die Zahlen von CHRISTMANN kommt man nur, wenn man zu den
Kinderlosen, die keine Kinder wollen nur jene zählt, bei denen
erstens noch kein Kind unterwegs ist (je 2 %); zweitens jene, die
eher keine wollen (1 % Differenz zugunsten Männer); jene, die auf
keinen Fall Kinder wollen (6 % der Frauen sind hier
entschiedener); drittens jene, die es nicht wissen (2 % der Männer
sind unentschiedener als die Frauen) und man muss auch noch jene
Kinderlosen hinzuzählen, die aus medizinischen Gründen keine
Kinder bekommen können (6 % mehr Frauen als Männer, die davon
wissen; kein Beleg im Sinne der Zeugungsstreikthese).
Übersichtlich in Tabellenform:
| "unwillige"
Kinderlose? |
Männer |
Frauen |
Differenz |
| Kind unterwegs |
2 % |
2 % |
0 |
| wollen eher keine
Kinder |
14 % |
13 % |
- 1 % |
| wollen auf keinen
Fall Kinder |
5 % |
11 % |
+ 6 % |
| wissen es nicht |
5 % |
3 % |
- 2 % |
| medizinische Gründe
|
4 % |
10 % |
+ 6 % |
| Gesamt |
30 % |
39 % |
9 % |
Die Aussagen von CHRISTMANN
bezüglich der Unwilligkeit von Frauen können sich nicht auf die
FORSA-Umfrage stützen, sondern sind als böswillige Auslegung zu
betrachten.
Das
größte Manko der Umfrage besteht jedoch darin, dass weder beim
Altersgruppenvergleich, noch beim Bildungsabschluss und auch nicht
beim Ost-West-Vergleich bei der Kinderwunsch-Befragung nach dem
Geschlecht unterschieden wird. Für eine seriöse Studie wäre das
die Grundvoraussetzung. Schließlich bezog sich die
Zeugungsstreikthese auf den Kinderwunsch von Akademikern, während
der Unterschicht (bzw. Transferempfängern) ja zu hohe
Fruchtbarkeit unterstellt wird.
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