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Norbert Blüm: Die Rente ist sicher

 
       
   
  • Zur Person

    • 1935 in Rüsselsheim geboren
    • Studium der Philosophie und Germanistik
    • 1982 - 1998 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung
    • 2001 Buch "Das Sommerloch"
 
       
     
       
   

Norbert Blüm in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • BLÜM, Norbert (2002): Die Rente ist sicher,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 23.12.
    • Kommentar:
      Im Gegensatz zu den neoliberalen Kritikern des gegenwärtigen Rentensystems weist BLÜM auf den blinden Fleck  der aktuellen Rentendebatte hin:

            
        "Die Geburtenzahlen sind nicht das einzige Kriterium für die Zahl der zukünftigen Beitragszahler. Ebenso wichtig ist, ob die heute Geborenen morgen Arbeit finden und wie viel und wie produktiv diese Arbeit ist. Wenn sich die Zahl der Geburten verdoppeln würde, aber die Arbeitnehmer in Zukunft nur halb so viel und so produktiv wie heute arbeiteten, wäre gar nichts gewonnen."
            
        Die Gleichsetzung von höheren Geburtenraten mit stabileren sozialen Sicherungssystemen ist eine kurzschlüssige Argumentation.
  • BLÜM, Norbert (2003): Lasst es mal wieder menscheln.
    Kritik an Unternehmen: Die Sitten guten Managements sind verfallen,
    in: Welt am Sonntag v. 23.02.
    • Kommentar:
      Der ehemalige CDU-Arbeitsminister Norbert BLÜM kritisiert die Prinzipien der New Economy und plädiert für ein Zurück zu den Prinzipien der patriarchalen Old Economy:

                  "Wenn die Arbeitnehmer nur auf den »nächsten Schlag« der Entlassungswelle warten, wird sich keine Leistungsmotivation entwickeln können. Der »flexible Arbeitnehmer« - heute da, morgen dort - mag dem Leitbild einer mobil gemachten Wirtschaft entsprechen. Diese Wirtschaft landet jedoch in einer Gesellschaft ohne Heimat und Treue. Selbst Ehe und Familie werden so ein Klotz am Bein dieser neuen Beweglichkeit. Denn wie sollen dauerhafte Partnerbindungen bestehen, wenn ein Partner nach Norden hopst, der andere des Jobs wegen nach Süden geht. Die Menschheit hat Jahrtausende gebraucht, um Sesshaftigkeit zu lernen. Jetzt degenerieren wir zu Job-Nomaden.
                  Stammbelegschaften sind in Gefahr, eine aussterbende Restgröße in einer Wirtschaft zu werden, die befristete Arbeitsverhältnisse und Leiharbeit für die Prototypen der modernen Arbeitsverhältnisse hält."
  • BLÜM, Norbert (2003): Die Symmetrie zwischen Alt und Jung ist aus dem Lot.
    Mehr Gerechtigkeit schaffen: Mit einer Familienkasse würde aus dem Zwei-Generationen-Vertrag ein Drei-Generationen-Vertrag,
    in: Frankfurter Rundschau v. 28.02.
    • Kommentar:
      Der ehemalige CDU-Arbeitsminister plädiert für eine Fortentwicklung des beitragsfinanzierten Rentensystems und kritisiert jene, die einen Systembruch favorisieren.

            
        So berechtigt das Plädoyer ist, so falsch sind die Prämissen, die BLÜMs Theorie des Generationenvertrags unterliegen.
            
        BLÜM stellt idealtypisch die Rechte und Pflichten der jeweiligen Generationsmitglieder gegenüber, die sich aus dem Generationenvertrag ergeben. Daraus leitet BLÜM dann berechtigte und unberechtigte Ansprüche aus dem Vertrag ab.
            
        Seine Argumentation beginnt jedoch bei der faktischen Schieflage der heutigen Altersstruktur, beginnen müsste sie jedoch bei der faktischen Schieflage der Altersstruktur bei Einführung des Rentensystems.
            
        Dann würde sich nämlich herausstellen, dass ES IM NACHKRIEGSDEUTSCHLAND NIE EINE AUSGEGLICHENE ALTERSSTRUKTUR im Sinne eines gerechten Generationenvertrags gab. Bereits die Reform von 1957 hatte ihre Gewinner und Verlierer.
            
        Mit welcher Berechtigung wird das schnelle Bevölkerungswachstum bis Mitte der 60er Jahre, das erst die heutige demografische Problemlage verursacht, zum normativen Bezugspunkt der Debatte um die  Generationengerechtigkeit?
            
        Warum ist nicht der ideale Bevölkerungsaufbau der Bezugspunkt?
            
        Der Babyboom der 60er Jahre war über das Jahrhundert hinweg betrachtet die Ausnahme von der Regel. In der heutigen Debatte wird jedoch genau diese Ausnahme zur Norm erhoben.
            
        Nur vor diesem Hintergrund lassen sich jene Aufrechungen begründen, die unsere gegenwärtige Debatte um die Generationengerechtigkeit prägen.
  • BLÜM, Norbert (2003): Versicherung für Pflegefälle beibehalten,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.03.
  • RHEINISCHER MERKUR (2003): Hat die umlagefinanzierte Pflegeversicherung noch Zukunft?
    Pro und Contra. Die Rürup-Kommission streitet an diesem Donnerstag über die Pflegeversicherung, die zuletzt mit einem 400-Millionen-Euro-Minus im Jahr 2002 Schlagzeilen machte. Statt über Beiträge könnten die Kosten auch über Steuern finanziert werden, glauben viele Experten,
    in: Rheinsicher Merkur Nr.14 v. 03.04.
    • BLÜM, Norbert: Pro - Ja,  wir dürfen arme Familien nicht im Stich lassen
  • BLÜM, Norbert (2003): Lob der Gewerkschaft.
    Ein Plädoyer für den Hauptangeklagten,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.05.
  • BLÜM, Norbert (2003): Das soll ich sein!
    Ein Politiker antwortet dem Bürgerkonvent,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.06.
    • Kommentar:
      Norbert BLÜM rechnet mit MIEGELs BürgerKonvent ab:

            
         Zuerst zitiert BLÜM hinterlistig aus der Selbstdarstellung des BürgerKonvents "Weder beziehen sie ihren Lebensunterhalt aus politischen Aktivitäten, noch streben sie politische Ämter an", um dann hinzuzufügen: "Den kleinen Schönheitsfehler, daß ihr Sprecher Miegel sich sein Geld mit Politikberatung verdient und er Vorsitzende Langguth nie eine politisches Amt, von denen er viele innehatte, abgelehnt hat, muß man freilich übersehen".
            
         BLÜM weist darauf hin, dass der BürgerKonvent die "goldenen Zeiten der Armut und der Bildungslosigkeit" beschwört und dies darauf hinauslaufe, dass "Not wieder herrschen müsse, wenn mehr gebetet werden soll".
            
         Dies ist exakt das neoliberale Programm, dem hierzulande auch die Kirchen zustimmen, denn schon der Volksmund weiß "Not lehrt Beten"!
            
         BLÜM setzt dem "Wahrheitsstau" des BürgerKonvents einen "Gerechtigkeitsstau" entgegen.
  • BLÜM, Norbert (2003): Auf dem fatalen Holzweg in die Schlaraffenland-Rente.
    In der Union wird der Grundrente unter neuem Namen wieder Leben eingehaucht. Aber wer den Sozialstaat auf Armutsbekämpfung reduziert, entfernt aus ihm das Leistungsprinzip,
    in: Welt am Sonntag v. 22.06.
  • Neu:
    BLÜM, Norbert (2003): Alt ist nicht blöd,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.10.
    • Kommentar:
      BLÜM nimmt die sozialpopulistische Rhetorik auseinander:

                "Demographie ist das Schlüsselwort, um das die sozialpolitische Debatte kreist. Der zum Schlagwort verkommene Begriff hat drei Dimensionen: Geburtsverhalten, Lebenserwartung sowie Zu- und Abwanderung".
      BLÜM weist darauf hin, dass nicht nur der beschleunigte Bevölkerungsrückgang, sondern auch das beschleunigte Bevölkerungswachstum - z.B. in den 60er Jahren der Bonner Republik - fatale Folgen für die Generationenbalance hat bzw. hatte.

                BLÜM erteilt der Anhebung der Altersgrenzen eine Absage:
                "Solange die Lebenserwartung relativ stabil war, konnte auf den demographischen Faktor in der Rentenformel verzichtet werden.
      (...).
      Eine Erhöhung der Altersgrenze löst das demographische Problem nur unvollkommen, weil asymmetrisch: Wer schon Rente erhält, wird von der Anhebung der Altersgrenze nicht betroffen."

                Der Bevölkerungswissenschaftler Josef SCHMID hat vor kurzem die Prognosefähigkeit seiner Disziplin hervorgehoben. BLÜM weist dagegen nach, dass es damit nicht weit her ist. Dazu greift er auf einen Einwand zurück, den Detlef GÜRTLER mit seinem Buch "Vorbild Deutschland" in die sozialpolitische Debatte eingebracht hat (siehe dazu auch das Zitat des Monats Februar 2003 auf single-dasein.de):
                "1992 wurde von angesehenen Experten, unter ihnen Meinhard Miegel, in dem aufsehenerregenden Buch »Weil sich das Land ändern muß« für das Ende des Jahrhunderts ein Bevölkerungsrückgang von einer Million prognostiziert. Tatsächlich lebten im Jahr 2000 drei Millionen Einwohner mehr in der Bundesrepublik als 1990, obwohl in derselben Zeit 784 000 Kinder weniger geboren worden waren. Das läßt sich nur mit Zuwanderung erklären. In zehn Jahren um vier Millionen danebengeschossen: Dies kommt der Treffsicherheit eines alten Vorderladers gleich und sollte die Prognostiker vom hohen Roß holen."
                Die mangelnde Treffsicherheit hat in der Bevölkerungswissenschaft Tradition. Dazu vermerkt Klaus JENTZSCH bereits 1979:
                "Noch 1966 ging man in der Bundesrepublik Deutschland davon aus, daß im Jahre 2000 die Bevölkerung um 14 Millionen zunehmen werde. 1972 wurde dann bereits ein Rückgang der Bevölkerung von 4,5 Millionen vorausgesagt. Dies bedeutet, und damit will ich den Faktor »Unsicherheit« noch verstärken, einen Unterschied von über 18 Millionen Menschen!" (aus: Sterben die wir aus?, 1979, S.9).
 
       
   

Norbert Blüm im Gespräch

 
     
       
   

Das Sommerloch (2001).
Links und rechts der Politik
Köln: Kiepenheuer & Witsch

 
   
 
 

Klappentext

"Das Sommerloch und andere Mythen des politischen Lebens, der Fußball, die Kunst und die Ferien - Themen für den Werkzeugmacher und studierten Germanisten, leidenschaftlichen Sozialpolitiker und überzeugten Christen Blüm, der schon zu Ministerzeiten nicht nur Akten im Kopf hatte.
(...).
Blüms Geschichten und Texte handeln von bewegten und aufgeregten Zeiten, von der Fußballweltmeisterschaft 1954, seinem Lieblingsitaliener, einem Aufstieg zum Kilimandscharo, beschreiben politische Leitlinien, aber auch die Absurditäten des politischen Alltags, weinen Bonn eine Träne nach und zeigen, wie es sich lebt, nach dem Abschied von der Macht. Unkonventionelle Texte eines Politikers, der schon zu Ministerzeiten nicht nur Akten im Kopf hatte und sich jetzt noch intensiver seinen anderen Interessen widmen kann: dem Engagement für die Menschenrechte, z.B. gegen Kinderarbeit, dem Schreiben und der Liebe zur Literatur."

 
 
 
       
   

Norbert Blüm in der Debatte

 
   
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Update: 25. Dezember 2007
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