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Paul Kirchhof: Feindbild Single

 
       
   
  • Kurzbiografie

    • 1941 geboren
    • 1987 - 2000 Richter beim Bundesverfassungsgericht
    • Professur an der Universität Heidelberg
 
       
     
       
   

Paul Kirchhof: Gespräche und Porträts

 
   
  • BEISE, Marc (2001): Paul Kirchhoff, Ehemaliger Verfassungsrichter und Gesetzes-Vereinfacher,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.05.
  • KÜHNE, Hartmut (2002): Paul Kirchhof: "Die Rechtsordnung ist zukunftsoffener",
    in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 21.11.
    • Kommentar:
      Paul KIRCHHOF propagiert das Familienwahlrecht als Herrschaftsinstrument von Eltern über unmündige Kinder und verantwortungslose Jugendliche sowie Alte:

                  "Wenn wir das Stimmengewicht von Eltern stärken, so rücken wir den Gedanken in den Vordergrund, dass diese Menschen mehr Verantwortung für die Gesellschaft tragen als andere."
  • SCHIRRMACHER, Frank (2005): Kirchhofs Welt.
    Der Professor und das Nichts: Ein Tag mit dem Wahlkämpfer,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.09.
    • Inhalt:
      Frank SCHIRRMACHER springt KIRCHHOF zur Seite:

                
      "Die Tatsache, daß Paul Kirchhof einen Ortstermin in der Pfalz absolviert, während die Nation über Kirchhof streitet, wirkt wie ein Krankheitssymptom der verängstigten und überforderten CDU-Parteizentrale. Statt ihm Foren zu bieten oder ihm zur Seite zu springen, verschickt sie ihn zu Terminen, auf denen er über Getreideveredelung unterrichtet wird.
      Immerhin: Dreimal redet Kirchhof an dem Tag, da ein »Spiegel«-Titel und die zweite Kanzlerrunde sich eigentlich nur um ihn drehen."
  • Neu:
    REENTS, Edo (2005): Von einem, der auszog.
    In Kirchhofs Klause: Ein Besuch beim Schattenmann,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 01.10.
    • Inhalt:
      Edo REENTS beschreibt KIRCHOF als Stoizisten und zitiert dazu Karl-Heinz BOHRER:

                
      "Dieser Stoizismus erklärt sich aus der Haltung des Dandys, der sich nicht mehr selbst erklärt, der Mißverständnisse, auch wenn sie verheerend für ihn wirken, auf sich beruhen läßt. Es ist kein bloß privates Auskosten eines verächtlichen Schmerzes, es ist vielmehr eine objektive Reverenz gegenüber der durchschauten Welt, die der Utopiker gegen sich weiß."   
 
       
   

Paul Kirchhof in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • KIRCHHOF, Paul (2001): Wer Kinder hat, ist angeschmiert.
    Die kinderfeindliche Gesellschaft zerstört sich selbst,
    in: Die ZEIT Nr.3 v. 11.01.
    • Inhalt:
      Für KIRCHHOFF ist die Hausfrauenfamilie das Familienideal, an dem sich staatliche Familienpolitik zu orientieren hat. Diese Familienform ist als einzige in der Lage die Erziehungsfunktion kostengünstig wahrzunehmen. KIRCHHOF beschränkt sich nicht auf ökonomische und rechtliche Begründungen, sondern fühlt sich auch für das Glück der Kinderlosen zuständig: "Wer sich allein des Berufes wegen gegen ein Kind entscheidet, sollte sorgfältig bedenken, ob er damit nicht seiner Biografie einen weniger glücklichen Verlauf gibt". Dieses Denken sieht in der Kinderlosigkeit allein hedonistische Beweggründe. Alleinerziehenden wirft er vor, nicht im Interesse des Kindes zu handeln.
  • KIRCHHOF, Paul (2001): Vater Staat ohne Kinder.
    Ein paar uncharmante Anmerkungen zu einem ernsten Problem,
    in: Tagesspiegel v. 23.08.
    • Kommentar:
      "Das Kind verkörpert Erneuerungsfähigkeit und Zukunftshoffnung; Kinderlosigkeit steht für Resignation und kollektive Selbstaufgabe. Dies zu sagen, ist nicht charmant, vielleicht sogar rücksichtslos gegenüber denen, die aus guten persönlichen Gründen keine Kinder wollen oder keine Kinder haben können. Das Dilemma unserer Gesellschaft ist aber so dramatisch, dass die ideelle und materielle Verarmung unseres Gemeinwesens durch wachsende Kinderlosigkeit nicht verschwiegen werden darf", schreibt Paul KIRCHHOF an die Adresse der Kinderlosen gerichtet.
                  Wenn dies stimmen würde, dann wäre die Resignation und kollektive Selbstaufgabe der Kinderlosen das Erbe der jeweils vorangegangenen Elterngeneration, denn die "Generation unserer Kinder kann nur die Kultur entfalten, deren Wurzeln in der Generation der Eltern gelegt und von diesen weitergegeben worden ist".
                  KIRCHHOF ist weder die Tragweite seiner eigenen Argumentation bewusst, noch sind seine Befürchtungen eines dramatischen Anwachsens der Kinderlosigkeit gerechtfertigt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Bevölkerungswissenschaftler wie Herwig BIRG die Situation bewusst dramatisieren, indem sie die Höhe der Kinderlosigkeit systematisch überschätzen (siehe hierzu meinen Kommentar zum Artikel in der FR v. 20.08.2001).
  • KIRCHHOF, Paul (2002): Auslaufmodell Familie?
    Eltern und Kinder werden von der Gesellschaft finanziell benachteiligt. Im Wahlkampf wetteifern die Parteien jetzt mit Versprechungen - was ist davon zu halten?
    in: Welt am Sonntag v. 31.03.
  • KIRCHHOFF, Paul (2002): Deutsche Selbstaufgabe.
    Kinder sind Garanten für die Zukunft von Freiheit, Rechtsstaat und Wohlstand. Das haben wir vergessen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.07.
  • KIRCHHOF, Paul (2002): Das Gedächtnis der Demokratie.
    Es wäre familien-, kinder-, frauen- und zukunftsfeindlich, das Ehegattensplitting abzuschmelzen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.10.
    • Kommentar:
      Der Singlefeind KIRCHHOFF entwickelt eine erstaunliche Differenzierungsfähigkeit sobald seine Klientel durch Einbussen bedroht ist.

            
         Die Debatte um das Ehegattensplitting zwingt ihn deshalb zur Differenzierung innerhalb der Klasse der Kinderlosen:
      eheliche und allein stehende Kinderlose.
      Letztere sind für KIRCHHOFF Kinderlose zweiter Klasse!

            
         Verwendete KIRCHHOFF in der Pflegedebatte einen undifferenzierten sozialpopulistischen Kinderlosenbegriff, so hat er nun auf eine lebenslaufspezifische Betrachtungsweise umgeschaltet:
            
         "Es gilt (...) eine Verteilungsgerechtigkeit zwischen Familien und Alleinstehenden herzustellen. Dabei wird man auch kaum zwischen kinderlosen Ehen   und Familien unterscheiden dürfen. Die jungen Ehen sollen in Respekt vor ihrer Privatheit von Staats wegen nicht nach ihren Kindern gefragt werden. Die älteren Ehen gelten steuerlich auch dann als kinderlos, wenn sie aktuell ihre Elternverantwortung gegenüber Kindern und Enkelkindern wahrnehmen, diese aber nicht mehr in einer Hausgemeinschaft mit den Eltern zusammenleben und ihnen deshalb steuerrechtlich nicht zugerechnet werden. Diese Eltern als "kinderlos" zu behandeln, den Müttern zudem vorzuwerfen, sie seien nicht in das Erwerbsleben zurückgekehrt, erscheint geradezu zynisch."
            
         Man darf gespannt sein, wann KIRCHHOFF seine eigene Differenzierungsfähigkeit wieder zugunsten eines sozialpopulistischen Kinderlosenbegriffs fallen lässt. Wer wie KIRCHHOFF den Kinderlosenbegriff je nach Situation taktisch verwendet, der ist letztlich unglaubwürdig!
  • KIRCHHOFF, Paul (2004): Gibt es eine soziale Gerechtigkeit?
    in: Rheinischer Merkur Nr.41 v. 07.10.
 
       
   

Paul Kirchhof im Gespräch

 
   
 
 

Das Vokabular von Paul Kirchhof

"Der Staat (...) zwingt die Kinder, ihre eigenen Eltern leer ausgehen zu lassen."
(Die ZEIT v. 11.01.2001)

"Wer sich allein des Berufes wegen gegen ein Kind entscheidet, sollte sorgfältig bedenken, ob er damit nicht seiner Biografie einen weniger glücklichen Verlauf gibt."
(Die ZEIT v. 11.01.2001)

"Familiärer Unterhalt erspart öffentliche Sozialhilfe, private Pflege ersetzt die Dienstleistungen von Seniorenheim und Krankenhaus. Der persönliche Dialog macht eine psychologische und therapeutische Beratung überflüssig."
(Die ZEIT v. 11.01.2001)

 
 
 
       
   
  • KÜHNE, Hartmut (2002): Paul Kirchhoff: "Die Rechtsordnung ist zukunftsoffener",
    in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 21.11.
    • Kommentar:
      Paul KIRCHHOFF propagiert das Familienwahlrecht als Herrschaftsinstrument von Eltern über unmündige Kinder und verantwortungslose Jugendliche sowie Alte:

                
      "Wenn wir das Stimmengewicht von Eltern stärken, so rücken wir den Gedanken in den Vordergrund, dass diese Menschen mehr Verantwortung für die Gesellschaft tragen als andere."
  • GÖBEL, Heike & Rainer HANK (2005): "25 Prozent Steuern für alle. Das ist die Obergrenze".
    Paul Kirchhof verspricht einfache und gerechte Steuern, geißelt rechtlich und ethisch skandalöse Schulden, lobt Kinder, Küche und Kirche. Und will Finanzminister werden,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.
  • BLOME, Nikolaus/WOLBER, Cornelia/MÖLLER, Johann-Michael (2005): "Ich habe noch viel im Köcher".
    Paul Kirchhof hält an seinem radikalen Steuermodell fest - und will noch viel mehr. Ein Gespräch über Familie, die Freiheit der Bürger, den Rückzug des Staates und die Zukunft der "Steuergestaltungskünstler",
    in: Welt v. 24.08.
    • Kommentar:
      Paul KIRCHHOF findet das Elternwahlrecht erwägenswert, das Kinderlose zu Menschen zweiter Klasse degradiert.

                
      Dass aber Großeltern, Ur- und Ururgroßeltern in Zukunft zur Mehrheit der Kinderlosen in Deutschland werden, das bringt KIRCHHOF in Erklärungszwang.
                
      Single-generation.de hat des Öfteren darauf hingewiesen, dass Familienfundamentalisten wie KIRCHHOF die Familienmehrheit dadurch zur Minderheit stilisieren, dass sie Eltern per Definition zu Kinderlosen machen:
                
      "DIE WELT: Kein Wunder, wenn, wie gesagt, diejenigen in der Demokratie die Mehrheit haben, für die die Zukunft keine entscheidende Rolle spielt, weil sie ihr Leben zum großen Teil schon gelebt haben. Ist das Kinderwahlrecht für Sie eine Option, um den Familien mit Kindern mehr Macht zu geben?
                
      Kirchhof: Großeltern sind durchaus an der Zukunft ihrer Enkel interessiert. Grundsätzlich wäre ein Kinderwahlrecht erwägenswert. Das setzt aber eine Verfassungsänderung voraus."
  • HOFFMANN, Andreas & Nikolaus PIPER (2005): "Der Generationenvertrag braucht eine neue Basis".
    Paul Kirchhof, Star im Kompetenzteam der Union, ist fest entschlossen, Bundesfinanzminister zu werden. Die Deutschen müssen für die Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft mehr Kinder haben, glaubt er. Langfristig will er nicht nur das Steuer-, sondern auch das Rentensystem radikal umbauen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 31.08.
  • NIEJAHR, Elisabeth & Jörg LAU (2005): "Ich werbe für Ehe und Familie".
    Ein Gespräch mit Paul Kirchhof über seinen Konservatismus, die Rolle der Frau in der Gesellschaft, den freiheitlichen Staat und die Bilanz der Achtundsechziger,
    in: Die ZEIT Nr.37 v. 08.09.
    • Kommentar:
      Elisabeth NIEJAHR & Jörg LAU behandeln Paul KIRCHHOF, einen Angehörigen der 68er-Generation, mit Samthandschuhen. Dennoch zeigt sich sein rückständiges Familienbild:

                
      "ZEIT: Was halten Sie von der Definition, wonach Familie dort ist, wo Kinder sind?
                
      Kirchhof: Jede Beziehung zwischen Elternteil und Kind ist Familie im Sinne des Verfassungsrechts, selbstverständlich gilt der Schutz auch der Alleinerziehenden mit ihrem Kind. Andererseits möchte ich mit Nachdruck öffentlich dafür eintreten, dass die Menschen als Mann und Frau zusammenleben, also in potenzieller Elternschaft, damit wir eine Zukunft haben.
                
      Alleinerziehen ist eine rechtliche Kategorie, d.h. Alleinerziehende sind nicht etwa per se Partnerlose, sondern sie können mit einem Mann zusammen wohnen.
                
      Als Mann und Frau zusammenleben kann deshalb hier nur heißen, dass Herr KIRCHHOF einzig eheliche Familienverhältnisse akzeptiert.
                
      Des Weiteren plädiert KIRCHHOF für einen Sozialstaat, der die Unternehmen aus ihrer Verantwortung für Nachwuchs entlässt und stattdessen kinderlose, zwangsversicherte Arbeitnehmer in die Pflicht nehmen will. Beamte, z.B. Richter, bleiben in diesem Modell außen vor.
                
      Single-dasein.de hat das als Katholisierung der Berliner Republik beschrieben:
                
      "ZEIT: Gleichwohl wollen Sie zwischen Familien und Kinderlosen umschichten. Kann der Staat so überhaupt Einfluss auf die Geburtenrate nehmen?
                
      Kirchhof: Die meisten jungen Menschen wollen Kinder, insofern muss der Staat keinen Willen wecken, sondern nur Barrieren wegräumen. Wir brauchen erstens die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und müssen zweitens die Benachteiligung der Eltern in den sozialen Sicherungssystemen beenden. Das bedeutet beispielsweise, bei der Rente Erziehungsleistungen stärker zu berücksichtigen. Im Sozialsystem werden Erziehungszeiten zwar anerkannt, aber sie sind bisher ein kleiner Bonsai-Baum, sie müssen zur deutschen Eiche werden."
  • RUTZ, Michael/MISHRA, Robert/SCHÖNEBERGER, Markus (2005): "Ich bin sozial sehr sensibel".
    Die Pläne des Heidelberger Verfassungsrechtlers geraten ins Zentrum des Wahlkampfs. Politiker von Rot und Grün werfen dem Quereinsteiger in die Politik soziale Kälte vor. Aber auch aus den eigenen Reihen wird die Kritik an seinen Berechnungen lauter
    in: Rheinischer Merkur Nr.36 v. 08.09.
    • Kommentar:
      Die katholische Plattform hat für ihren Mitherausgeber Platz frei geräumt. Neben einem Interview gibt es mehrere Artikel zur Debatte um KIRCHHOF.
 
       
   

Paul Kirchhof in den Medien

 
   
  • RATH, Christian (2001): Nach der Pflege ist die Rente dran.
    Das Pflegeurteil des Bundesverfassungsgerichts kann erst der Anfang sein, sagt Exverfassungsrichter Kirchhof. Er fordert, Müttern eine Rente anzurechnen, als hätten sie pro Kind 2.000 Mark verdient. Auch soll das Kindergeld auf 1.000 Mark steigen,
    in: TAZ v. 17.04.
  • RATH, Christian (2001): Zahlen statt Konzepte.
    Exverfassungsrichter Kirchhof fordert viel mehr Geld für Kinder,
    in: TAZ v. 17.04.
 
   

Paul Kirchhofs Wahlkampfauftritt 2005

 
   
  • MONATH, Hans (2005): "Nicht Macht, sondern Glück für Mütter".
    Wie Kirchhof die Rollen in der Familie verteilt
    ,
    in: Tagesspiegel v. 18.08.
  • BRUNS, Tissy (2005): Union und Familie.
    Vom Leben überholt,
    in: Tagesspiegel v. 18.08.
    • Inhalt:
      BRUNS erinnert nochmals an die "Schwarzen Visionen" der "68er" der CDU, die Mitte der 80er Jahren - dank eines feministischen Gesinnungswandels ("Müttermanifest") - nochmals die familienpolitische Vorherrschaft durch Wahlfreiheit und Erziehungsgeld gesichert haben.

                
      Nun aber, in Zeiten eines Paul KIRCHHOF und einer Ursula von der LEYEN - meint BRUNS - sei dies nicht mehr möglich:
                
      "Der Vater, hat Kirchhof noch vor drei Jahren geschrieben, ist für die ökonomischen Grundlagen der Familie zuständig, die Mutter macht in der Familie Karriere. Welche junge Frau, welcher junge Mann will oder kann sich daran orientieren? Nicht weniger unglaubwürdig ist das Gegenteil, Modell von der Leyen, berufstätige Mutter von sieben Kindern. Von den ganz normalen Härten des (Familien-)Lebens sind beide weit entfernt."
  • FÜLLER, Christian (2005): Der Bekenntniserzwinger.
    Finanzminister Kirchhof macht den Parteien Angst, nicht Bürgern,
    in: TAZ v. 22.08.
    • Inhalt:
      FÜLLER lobt - abgesehen von den sonstigen Problemen - Paul KIRCHHOFs Ansatz der Steuervereinfachung:

                
      "Nutzt eine für jeden verständliche Steuer etwa nicht allen? Was ist neoliberal, wenn eine vierköpfige Familie erst oberhalb von 34.000 Euro Steuern bezahlt? Schadet es Geringverdienern, Steuerschlupflöcher zu schließen? Kirchhof steht für Klarheit nicht allein auf der Steuererklärung. Er macht transparent, wo die Parteien jenseits ihrer Selbstzuschreibung als Linke oder Arbeitsbeschaffer stehen."
  • KAPPUS, Monika (2005): Kein Sommer der Emanzipation.
    Wird Angela Merkel Nachfolgerin von Gerhard Schröder, dann steht die Republik vor einem Paradoxon: Denn frauenpolitisch wäre mit dieser ersten Kanzlerin kein Staat zu machen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.08.
    • Inhalt:
      "Die Frau Merkel hat Frauen wenig zu bieten. Seit fast fünf Jahren Vorsitzende, konnte sie die CDU nicht von einem überkommenen Frauenbild loseisen. (...). Konsequent erscheint es, dass auch unter Merkel im Wahlprogramm ein eigenständiger Emanzipationsanspruch von Frauen nicht vorkommt. Nur die Forderung nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird vorgetragen. Der dafür nötige Ausbau der Kinderbetreuung wird aber in die Zuständigkeit der Länder verwiesen. Geld soll in die Familien gepumpt werden. Dazu passt das Bekenntnis zum Ehegattensplitting, das der Berufstätigkeit verheirateter Frauen oft entgegensteht. Dass einer wie Paul Kirchhof, der meint, »die Mutter macht in ihrer Familie Karriere«, zu den Top-Kandidaten in Merkels »Kompetenzteam« gehört, rundet das Bild ab. Solch programmatischen Totalausfall wie die Union leistet sich keine der anderen aussichtsreichen Parteien, die umgekehrt aber nur Männer als Spitzenkandidaten haben", klagt KAPPUS
  • FEDDERSEN, Jan (2005): Der Anti-Modernist.
    Exverfassungsrichter Paul Kirchhof hat eine Mission: Er kämpft für einen guten familiären Patriotismus christdemokratischer Prägung. Eine Würdigung,
    in: TAZ v. 23.08.
    • Kommentar:
      Die TAZ widmet Singlefeind Paul KIRCHHOF mit "Kinder, Küche, Kirchhof" einen Brennpunkt. Die FR kritisierte KIRCHHOF bereits aus frauenpolitischer Sicht und der Tagesspiegel aus neumittig-familienpolitischer Sicht.
  • KOCH, Hannes (2005): Eine Vision in den Kinderschuhen.
    Sollte die radikale Steuerreform von Paul Kirchhof verwirklicht werden, würden Beschäftigte steuerlich profitieren. Die Frage ist nur, wer das bezahlt,
    in: TAZ v. 25.08.
  • TAZ (2005): Kinderlos kann teuer werden.
    Beispiele zu Kirchhofs Steuervision: Sind alle Schlupflöcher dicht, zahlt mehr, wer mehr als 120.000 Euro im Jahr verdient. Rabatt gibt's nur bei Nachwuchs
    in: TAZ v. 25.08.
  • SCHMID, Thomas (2005): Fluchtpunkt Kirchhof,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 28.08.
    • Kommentar:
      Der Alt-68er Thomas SCHMID, der in den 80er Jahren zum Ökolibertären konvertierte, rüffelt seinen alten Sponti-Kumpel Joschka FISCHER und verteidigt das reaktionäre Familienbild von Paul KIRCHHOF: Wo Sozialstaat war, soll Familie und Sicherheitsstaat werden.
  • GEYER, Christian (2005): Kinderglück auf!
    Ist Paul Kirchhof ein Frontmann gegen die Moderne?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.
    • Kommentar:
      Für wie dämlich hält uns Christian GEYER eigentlich?

                
      Niemand bezeichnet KIRCHHOF als Reaktionär, nur weil er Kinder als erfüllend betrachtet (Die Propagierung des Kinderglücks ist - nur nebenbei bemerkt - mittlerweile bevölkerungspolitische Doktrin).
                
      Das geht völlig am Problem vorbei. Das Reaktionäre an Herrn KIRCHHOF ist, dass er allen, die nicht mit Kindern zusammen leben, ein erfülltes Leben verweigern will.
                
      KIRCHHOF hat sich z.B. für ein Elternwahlrecht ausgesprochen. Als kinderlos gelten hierbei z.B. auch Großeltern, Urgroßeltern usf.
                
      Allen, die nicht gerade mit kleinen Kindern im Haushalt leben - aus welchen Gründen auch immer - wird abgesprochen, dass ihre Stimme so viel zählt wie jene der Eltern. Als ob einzig das Leben mit Kindern gesellschaftsfähig machen würde. Dies ist ein Weg zurück in die Sklavenhaltergesellschaft.
                
      Ganz davon abgesehen, dass KIRCHHOF Kinderlosenhaushalte finanziell schlechter stellen will als Haushaltsfamilien. In einer Gesellschaft, in der die multilokale Mehrgenerationenfamilie dominiert, ist ein solcher Ansatz geradezu absurd.
                
      Die Vorstellungen KIRCHHOFs führen letztlich zu einer biologischen Hierarchie: in der Oberklasse leben Eltern, die Unterklasse wird dagegen von Kinderlosen gebildet.
                
      Und das soll nicht reaktionär sein?
  • LANGEHEIN, Jan (2005): Ein Steuermann für die Zeitreise.
    Als Super-Modernisierer gestartet, als Super-Konservativer gelandet. Im »Kompetenzteam« steht Paul Kirchhof für die alten Werte,
    in: Jungle World Nr.35 v. 31.08.
  • KREUTZFELDT & Sven GIEGOLD (2005): Kirchhofs Verknappung.
    Der Umstieg auf einen Einheitssteuersatz bedeutet Umverteilung von unten nach oben, heizt den internationalen Steuerwettbewerb an und zwingt den Staat zum Rückzug,
    in: TAZ v. 01.09.
    • Inhalt:
      "
      Zusammen mit der Kopfpauschale im Gesundheitswesen, einem jetzt auch von Kirchhof geforderten Systemwechsel in der Rentenfinanzierung vom Solidarprinzip zur Kapitaldeckung und der von der Union avisierten Mehrwertsteuererhöhung, die ebenfalls geringe Einkommen überproportional belasten, zeigt sich klar, in welche Richtung künftig umverteilt werden soll", merken KREUTZFELDT & GIEGOLD von Attac Deutschland an.
  • SIEVERS, Markus (2005): Spiegel räumt Fehler ein.
    Kirchhofrechnung stimmt nicht,
    in: Frankfurter Rundschau v. 02.09.
    • Kommentar:
      Ist unsere Mitte-Presse noch unabhängig? Offenbar greifen die Medien gerne auf Think Tanks zurück, die ihnen eigene Recherchen ersparen.

                
      KIRCHHOFs Institut liefert die Berechnungen für KIRCHHOF und MIEGELs Institut liefert für MIEGEL, Hans-Werner SINN liefert für SINN usw.
                
      Nur selten wird diese gängige Praxis aufgedeckt wie im Falle KIRCHHOF:
                
      "In seiner aktuellen Ausgabe versucht das Nachrichtenmagazin, die Kritik an den sozialen Auswirkungen der Kirchhof-Pläne zu entkräften. Zum Beleg griff der Spiegel allerdings nicht auf Berechnungen von unabhängigen Experten, etwa von Steuerberatern oder von Wissenschaftlern, zurück. Stattdessen verwendete er Zahlen von Kirchhofs eigenem Institut. Dabei lieferte dieses »Institut für Finanz- und Steuerrecht« im Falle eines Managers mit 300 000 Euro Jahresgehalt Angaben für die heutige Steuerlast, die Fachleute beim Lesen des Artikels rasch als nicht korrekt identifizierten."
  • SCHERFF, Dyrk (2005): Die Reichen profitieren am meisten.
    Wer zahlt, wer gewinnt? Besserverdienende werden belastet. Behauptet Paul Kirchhof. Experten beweisen das Gegenteil. Die Zeche zahlt, wer durchschnittlich verdient und viel absetzt - und der Staat,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.09.
    • Inhalt:
      5 Beispiele hat die FAS berechnet:
      1) Krankenschwester (36.000 Euro, ledig, wohnt im Schwesternwohnheim)
      2) Unternehmensberater (80.000 Euro, ledig, Pendler)
      3) Bankangestellter (60.000 Euro, zwei Kinder)
      4) Geschäftsführer (300.000 Euro, zwei Kinder)
      5) Abteilungsleiter (150.000 Euro, ein Kind, Pendler)
  • KERSTING, Wolfgang (2005): Unmoralische Schlupflöcher.
    Gerechtigkeit und Steuern,
    in: Welt v. 08.09.
  • HERRMANN, Ulrike (2005): Steuertrickser unter sich.
    Um das Steuerrecht zu kritisieren, zitiert die Union gerne die "1.000 ganz legalen Steuertricks" aus der Bahnhofsbuchhandlung. Deren Autor Franz Konz versteht Kirchhof zwar nicht, freut sich aber dennoch,
    in: TAZ v. 09.09.
  • HANK, Rainer (2005): Aus dem Geist der katholischen Romantik.
    Ein Neoliberaler sieht anders aus: Das Zerrbild von Paul Kirchhof wird immer grotesker,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.09.
    • Inhalt:
      Der marktradikale Rainer HANK sieht in KIRCHHOF einen katholischen Romantiker. Die Wirkungen der geplanten steuerpolitischen Umverteilung bleiben jedoch einiges schuldig:

                
      "Kirchhof behauptet, sein Einkommenssteuerrecht entlaste die Familien und Kleinverdiener, belaste hingegen die Reichen. Den Rechenbeweis bleibt er schuldig, aber zumindest die Entlastung für die Familie (und die unterdessen berühmt gewordene Krankenschwester!) haben ihm unabhängige Institute wie das DIW oder die Datev bestätigt.
  • SPIEGEL-Titelgeschichte: Wahlschlacht um Kirchhof

    • STEINGART, Gabor u.a. (2005): Die K-Frage.
      Schattenminister Paul Kirchhof wird zum Risiko für die Union. SPD und Grüne konzentrieren ihre Angriffe auf die Radikalvorschläge des Steuerpapstes. Die anfängliche Euphorie im Merkel-Lager ist Ernüchterung gewichen. Verspielt die Kanzlerkandidatin die sicher geglaubte schwarz-gelbe Mehrheit?
      in: Spiegel Nr.37 v. 12.09.
  • WINGERT, Lutz (2005): Kirchhofs kalter Garten.
    Warum die Einheitssteuer ungerecht ist,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.09.
  • WAGNER, Franz W. (2005): Die Ökonomie ist besser als ihr Ruf.
    Der Fall Kirchhof hat dem Ansehen der Wissenschaft geschadet. Dennoch sollte die Politik der Forschung weiter vertrauen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.09.
     
 
   

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