Patenschaften als besondere Form
solidarischer Nachbarschaftshilfe
Patenschaften? Viele denken gleich an ein Kind in Afrika und an
die Möglichkeit, ihm mit einer monatlichen Überweisung zu
helfen.
Weniger bekannt ist: Patenschaften sind auch geeignet, Kinder
und Familien hier vor Ort zu unterstützen – als eine besondere
Form solidarischer Nachbarschaftshilfe, als eine neue Art des
Familienlastenausgleichs, bei dem Freiwillige ohne eigene Kinder
sich für den Nachwuchs anderer Familien engagieren.
Wenn also biffy Berlin - Big Friends for Youngsters e.V.
Patinnen und Paten vermittelt, dann treffen freiwillig
engagierte Erwachsene ihr Patenkind regelmäßig für einige
Stunden. Bei gemeinsamen Aktivitäten, ob Fußballspielen,
Kuchenbacken Fahrrad reparieren oder Schulfrust bereden, lernt
man sich kennen. Wenn alles gut geht, wird jeder zu einer festen
Größe im Leben des anderen – eine Wahlverwandtschaft ist
entstanden.
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Für Ronny zumindest ist der
Freitagnachmittag zum „Daniel-Tag“ geworden. Seit über
drei Jahren zieht er mit dem 36-Jährigen los zu Ausflügen
in der Stadt. Oder sie bleiben einfach zu Hause. „Ich habe
ein offenes Ohr“, sagt Daniel, besonders für Themen, die
er – noch - nicht mit anderen besprechen möchte. Immer
genießt der 11-Jährige die ungeteilte Aufmerksamkeit. Und
raufen kann er auch mit Daniel, und das nicht zu knapp.
Lektionen für das Leben sind auch
dabei: Ronny lernt, Absprachen einzuhalten. Sein Pate
wiederum übt sich darin, mit der Unruhe des Kindes
umzugehen – und selbst umso klarer zu sein. Die Mutter
gewinnt Zeit, um selbst einmal durchzuatmen. „Und ich bin
froh“, sagt die Alleinerziehende, „dass Ronny auch zu
Dingen Zugang bekommt, die die Alleinerziehende ihm nicht
zeigen kann.“ Wie viele andere Mütter berichtet sie davon,
dass ihr Sohn nach dem Paten-Nachmittag ausgeglichener
nach Hause kommt – oftmals eine wichtige Erleichterung für
den Familienalltag. |
Die Nachfrage nach männlichen Paten ist groß
Zur Zeit begleitet der Berliner Verein rund 80 Patenschaften,
laufend kommen neue hinzu. Alleinerziehende mit
unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Hintergründen
suchen meist einen Menschen, der dem eigenen Kind einen
Ausgleich und neue Horizonte inmitten vielfältiger Belastungen
bietet. Vor allem für Söhne wünschen sich Mütter eine männliche
Bezugsperson - die sonst fehlt. „Viele haben keine Verwandte am
Ort, die als verlässliche Begleiter für das Kind bereitstehen“,
sagt Andrea Brandt, eine der beiden biffy-Koordinatorinnen mit
Sitz in einem Kreuzberger Nachbarschaftshaus.
Es werden immer mehr, aber es sind noch nicht genügend männliche
Paten, um die Nachfrage an großen Freunden zu decken. Die
Freiwilligen, die sich melden, sind meist zwischen 35 und 55
Jahre alt und (noch) kinderlos – aber bereit, ein Stück
Verantwortung für ein Kind zu übernehmen.
Koordinatorinnen bereiten auf die neue
Rolle vor und vermitteln bei Problemen
Damit die Erwachsenen in ihre neue Rolle gut hineinwachsen
können, werden sie in ausführlichen Vorgesprächen und in zwei
Trainings vorbereitet. Wer Patin/ Pate werden will, muss
außerdem u. a. ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und
sich für mindestens ein Jahr regelmäßig Zeit nehmen können. Auch
die Mütter sind gehalten, mit der Patin/ dem Paten einen guten
Kontakt aufzubauen - ein wichtiger Beitrag zum Gelingen der
Patenschaft, aber auch eine präventive Maßnahme zum Schutze der
Kinder.
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biffy-Patinnen
und -Paten sind • ebenso
Spielgefährten wie Wegbegleiter eines Kindes,
• eher Zuhörer und Mutmacher als Erziehungspersonen,
• weder bloße Babysitter noch Nachhilfelehrer. |
Die
Koordinatorinnen begleiten die Beteiligten. "Natürlich gibt es
manchmal in Patenschaften Probleme, Missverständnisse und
Durststrecken", sagt Koordinatorin Renate Hoheisel.
Beziehungsarbeit ist gefragt, wenn Mütter nicht loslassen
können, Paten sich vorschnell zu Erziehern aufspielen oder
einfach gegensätzliche Werte aufeinanderstoßen. Gefordert sind
dann Toleranz, Respekt, Empathie – lauter Themen, die gemeinsam
bearbeitet werden können und ein soziales Lernen auch bei den
Erwachsenen anstoßen.
Die Kinder
wünschen sich meistens einfach nur, dass ihre Patin/ ihr Pate
für sie da sind (endlich mal ungeteilte Aufmerksamkeit). Sie
freuen sich über gemeinsame Aktivitäten, die ihnen die eigenen
Mütter allein zwangsläufig nicht so leicht bieten können (mal
zum Fußball-Spiel gehen). Sie schätzen Anregungen zum Umgang mit
alltäglichen Problemen (das Abreagieren von Schulfrust oder die
geeignete Ansprache der angebeteten Nachbarin).
"Es
braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind stark zu machen"
Wie wichtig
solche Impulse von außenstehenden Begleitern sein können, wird
von einschlägigen Wissenschaftlern in letzter Zeit wiederholt
hervorgehoben. "Für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen
sind nicht allein Familien und Staat verantwortlich", sagte
Thomas Rauschenbach, Leiter des Deutschen Jugend-Institutes,
anlässlich der Veröffentlichung des letzten Kinder- und
Jugendberichts der Bundesregierung, "wir brauchen mehr
gesellschaftliche Akteure, die sich an diesem Prozess
beteiligen." Und in der 2007 erschienenen Kinderstudie von
Worldvision bemüht der Bielefelder Sozialwissenschaftler Klaus
Hurrelmann ein afrikanisches Sprichwort, das biffy Berlin e.V.
seit langem als Motto seiner Arbeit voranstellt: "Es braucht ein
ganzes Dorf, um ein Kind stark zu machen."
Patenschaften in
den Medien
Auch die
Medien werden mehr und mehr aufmerksam auf die noch sehr
ungewohnte Verantwortungsrolle des Paten. Weil diese Rolle noch
sehr vage ist, wird sie gerne in Familien-Kategorien gekleidet:
"Pate statt Papi" heißt es beispielsweise in einem Spiegel
special
– wobei eine Patenschaft nie einen Vater ersetzen, allenfalls
das Leben des Kindes um eine männliche Bezugsperson erweitern
kann. So oder so geht es um nicht weniger als um "das Glück
eines anderen", titelte am 12. April 2007 zumindest DIE ZEIT
.
Und noch eine
Einsicht, gesehen von Single-generation.de: "Singles und
Familien müssen kein Widerspruch sein, sie können sich gut
ergänzen."
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Kontakt:
Koordination Andrea Brandt und
Renate Hoheisel, Email koordination@biffy-berlin.de,
Telefon 030/ 69049723.
Vorstand biffy Berlin e.V.,
Gneisenaustr. 49, 10961 Berlin, Email bernd.schueler@biffy-berlin.de,
Telefon 030/ 42090752, www.biffy-berlin.de
biffy-Geschichte in Kürze:
Seit 2004 vermittelt und
begleitet biffy Berlin e.V. mit Sitz in Berlin-Kreuzberg
Patenschaften zwischen Kindern im Grundschulalter und
freiwilligen Erwachsenen, die sich als ihr
freundschaftlicher Begleiter engagieren wollen. Damit wird
ein Programm weitergeführt, das von 2000 bis 2004 die
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung aufgebaut hat. Nachdem
der Großsponsor ausstieg, gründeten in Berlin engagierte
Patinnen und Eltern einen Verein, um das Angebot
aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2007 wird biffy Berlin e.V.
gefördert von der Jugend- und Familienstiftung des Landes
Berlin und der State Street Bank. |