|
1972 |
[ nach oben zur Zeitleiste
] |
| |
In der Deutschen Verlags-Anstalt
erscheint das Buch
Wohnen Alleinstehender von Gerhard G. DITTRICH.
Bei
den jüngeren männlichen Alleinlebenden dominieren gemäß
DITTRICH in den 60er Jahren die Untermietverhältnisse,
während ältere Geschiedene und Witwen in der eigenen
Wohnung leben.
Nach
einer Prognose auf der Basis von Mikrozensuszahlen aus dem
Jahr 1968 wird erwartet, dass sich die Zahl der
Einpersonenhaushalte bis 1980 auf 6,98 Mill. erhöht.
Tatsächlich
ist die Zahl der Einpersonenhaushalte bis 1980 jedoch auf
7,49 Mill. gestiegen.
Die
Vorstellungen, die damals mit dem Begriff
Alleinstehende verbunden waren, verhinderten
offensichtlich den Blick auf ein neues Phänomen, das bei
DITTRICH noch nicht wahrgenommen und 10 Jahre später in
der deutschen Stadtforschung als
Neue
Haushaltstypen diskutiert wird. |
|
1973 |
[ nach oben zur Zeitleiste
] |
|
Dezember |
Die Vierteljahreszeitschrift
Kursbuch Nr. 34 widmet sich dem Thema Kinder.
Shulamith
FIRESTONE fordert
Nieder mit
der Kindheit!
Die
radikale Feministin sieht in der Frauenrolle als Gebärerin
und Erzieherin von Kindern einen
Unterdrückungsmechanismus. |
|
1974 |
[ nach oben zur Zeitleiste
] |
|
April |
Das Kursbuch Nr.35
beschäftigt sich mit Verkehrsformen. I Frauen Männer
Linke. Über die Schwierigkeiten ihrer Emanzipation.
Simone
de BEAUVOIR & Jean-Paul SARTRE schreiben über ihre
Beziehung und
Peter SCHNEIDER erklärt die Sache mit der
"Männlichkeit". Gibt es eine Emanzipation der
Männer? |
|
Oktober |
Das Kursbuch Nr.37
beschäftigt sich erneut mit den Verkehrsformen. II
Emanzipation in der Gruppe und die "Kosten" der
Solidarität.
Franziska
GRAF berichtet über eine Wohngemeinschaft und Klaus
LAERMANN widmet sich dem
Kneipengerede in der Berliner
Subkultur. |
|
1975 |
[ nach oben zur Zeitleiste
] |
|
24.03. |
Eine Spiegel-Titelgeschichte
fragt Sterben die Deutschen aus? Mehr Sex - weniger
Babys ist die Diagnose.
Singles
sind noch nicht in den Mittelpunkt der
bevölkerungspolitischen Debatte gerückt, sondern die
kinderlosen Ehepaare und der Rückgang der
Drei-Kind-Familie werden für den Geburtenrückgang
verantwortlich gemacht.
Daneben
wird das Verhältnis deutscher und Gastarbeiterkinder
thematisiert. Es droht die Überfremdung. Für
Frankfurt
heißt es: "1976 werden voraussichtlich in der Main-Stadt
mehr Ausländer als Deutsche geboren".
Als
Experten werden u.a.
Gunnar
HEINSOHN, Hans W. JÜRGENS,
Franz-Xaver KAUFMANN, SCHUBNELL und
Karl
SCHWARZ zitiert. |
|
Dezember |
Das Kursbuch Nr.42
thematisiert Unsere Bourgeoisie.
Pierre
BOURDIEU & Yvette DELSAUT schreiben über die neuen
Kleider der Bourgeoisie. Claudio HOFMANN beschreibt seine
Abgrenzungsübungen eines Aufsteigers. |
|
1976 |
[ nach oben zur Zeitleiste
] |
|
Juni |
Die Titelgeschichte der
populärwissenschaftlichen Zeitschrift psychologie heute
widmet sich dem Narzissmus: Menschen, die nicht zum
Anderen finden. |
|
Juli |
Hermann
SCHREIBER entdeckt für den Spiegel in einer
Titelgeschichte die Krise
der Lebensmitte:
Das
kann doch nicht alles gewesen sein. |
| |
Der Psychoanalytiker Alexander
MITSCHERLICH spricht im Spiegel zur Krise in der
Lebensmitte über die Unfähigkeit, erwachsen zu werden.
|
|
1977 |
[ nach oben zur Zeitleiste
] |
|
Mai |
Renate & Peter O. CHOTJEWITZ
fragen in der Zeitschrift psychologie heute
Midlife Crisis. Wer sie hat und wer sie braucht.
ie
Autoren sehen in dem Phänomen das Problem einer gehobenen
Mittelschicht, die schon vor zehn Jahren "swinging" als
Emanzipation gefeiert habe. |
|
Juni |
Zehn Jahre danach heißt
das Thema des Kursbuch Nr. 48.
Klaus
HARTUNGs Versuch, die Krise der antiautoritären
Bewegung wieder zur Sprache zu bringen, steht
neben Johann August SCHÜLEINs psychoanalytischer
Trendmeldung Von der Studentenrevolte zur Tendenzwende
oder der Rückzug ins Private. Der neue
Sozialisationstyp und die Spontis werden unter die Lupe
genommen. |
|
Oktober |
Wollen Sie ein Kind? fragt
psychologie heute in seiner Titelgeschichte und nennt
70 Gründe dafür und dagegen. |
| |
Der Lebenslaufforscher
Martin KOHLI
publiziert in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und
Sozialpsychologie den Beitrag Lebenslauf und
Lebensmitte, in dem der Soziologe sich kritisch mit
dem Phänomen der Midlife-Crisis auseinandersetzt.
Während
in der Öffentlichkeit die Ehekrisen bzw. Scheidungen
der High Society und Schickeria im Brennpunkt der Debatte
stehen, kann KOHLI anhand der Scheidungsziffern keinen
allgemeinen Trend einer Krisenhaftigkeit der Lebensmitte
erkennen.
|
| |
Der Liedermacher
Mario HENÉ veröffentlicht sein Debütalbum
Lieber allein, als
gemeinsam einsam.
Der
Titel bringt das neue Liebesideal und seine Konsequenz -
das Single-Dasein - auf den Punkt. |
| |
Im Rowohlt-Verlag
erscheint der Roman
Abschaffel von Wilhelm GENAZINO.
Im
Mittelpunkt des Angestelltenromans steht ein
männlicher Single, dessen Alleinleben zunehmend durch
soziale Ängste eingeschränkt wird. |
| |
Von Fritz ZORN
erscheint der autobiographische Bericht
Mars.
Der Single begreift seinen Krebstod als
zwangsläufiges
Ergebnis eines falschen Lebensstils.
|
|
1978 |
[ nach oben zur Zeitleiste
] |
|
April |
Freundschaft: So wichtig wie
Liebe empfiehlt die Titelgeschichte der Zeitschrift
psychologie heute. |
|
19.06. |
Die erste deutsche
Single-Serie erscheint im Spiegel Nr.25-27. In drei
Teilen schildert Hermann SCHREIBER unter der Überschrift
Du bist
du, und ich bin ich das Single-Dasein.
Der
Spiegel hat dazu das Forschungsinstitut GETAS mit
einer psychologischen Untersuchung beauftragt, deren
Ergebnisse präsentiert werden. |
|
Juli |
Horst OPASCHOWSKI
erklärt in der Zeitschrift psychologie heute das
Prinzip Animation, das Reiseunternehmen wie der
Club
Méditerranée erfolgreich adaptiert haben.
Die
Entstehungs- und Experimentierphase der Animation datiert
der Sozialpädagoge auf den Anfang der 70er Jahre. |
|
10.07. |
Und plötzlich wird das Paar wieder denkbar, steht
über den Spiegel-Gespräch mit Peter HANDKE über
Gefahren und Chancen des Alleinlebens. |
|
31.07. |
Kinder aus der
Retorte. Fortschritt oder Frevel? fragt eine
Spiegel-Titelgeschichte anlässlich der Geburt des ersten
Retorten-Babys. |
|
20.10. |
In der Wochenzeitung
Die Zeit erscheint Kontaktsperre. Eine
Bestandsaufnahme der Beziehungslosigkeit.
Fritz J. RADDATZ
widmet sich in dem Beitrag mit der Literatur der Beziehungslosigkeit,
u.a. anhand von
Hubert FICHTE, Max
FRISCH,
Peter HANDKE,
Peter
SCHNEIDER und
Botho
STRAUß. |
|
Dezember |
Der Sozialpsychologe
Philip ZIMBARDO erklärt im psychologie heute-Gespräch
das Phänomen
Schüchternheit, das als Gefängnis im Kopf
fungiert. |
|
Dezember |
Das Kursbuch widmet
sich der Jugend. Wolfgang SPINDLER schreibt über
Diskotheken, Buden, Läden.
Rainald
Maria GOETZ macht seinen Weg. Norbert KLUGMANN ist
selten allein und beschreibt deshalb Szenen einer WG.
Klaus
HARTUNG besitzt die Sicht eines 38jährigen:
Über die
langandauernde Jugend im linken Getto. Lebensalter und
Politik. |
| |
Im Rotbuch Verlag
erscheint der Roman
Sonntags Kino von Jürgen THEOBALDY.
Der
Roman schildert das Leben einer Clique Jugendlicher Ende
der 50er Jahre. Kino und Popmusik ist für sie die
Gegenwelt zu Ausbildung und Familie. |
|
1979 |
[ nach oben zur Zeitleiste
] |
|
Januar |
Joachim NAWROCKI
zeichnet für ein zweiteiliges ZEIT-Dossier zur Frage
Warum die Deutschen sich nicht vermehren wollen
(05./12. Januar) verantwortlich.
Die
Nazi-Parole vom Volk ohne Raum, wird hier zum
Horrorgemälde Raum ohne Volk gewendet. |
|
September |
Die Titelgeschichte
der Zeitschrift psychologie heute widmet sich der
Lebensqualität.
Der
Politikwissenschaftler Ronald INGLEHART sieht im
Wertewandel eine Generationenfrage. 25 Jahre später wird
man vom Wandel des
Wertewandels sprechen.
Wulf-Rüdiger
LUTZ macht in der Fernsehgeneration der 20- bis 30jährigen
(damit sind nicht wir
Fernsehkinder gemeint) den Kern der Gegenkultur
aus. |
|
Oktober |
Unfruchtbar
steht drohend über einem Foto, auf dem eine Karrierefrau
sehnsüchtig auf ein Kind im Kinderwagen blickt.
Miriam D. MAZOR berichtet in der Zeitschrift psychologie heute
über das Problem der Unfruchtbarkeit, das angesichts der
Zunahme von Spätgebärenden um sich greift. |
|
Dezember |
Scheidung. Müssen
die Kinder die Opfer sein? fragt die Titelgeschichte
der Zeitschrift psychologie heute. |
| |
Jürgen vom SCHEIDT &
Ruth ZENHÄUSERN bringen den Ratgeber
Singles - Alleinleben als Chance des Lebens auf
den Markt und gründen in München eine
Krisenberatungsstelle für Singles. |
| |
Im Suhrkamp Verlag
erscheint der Roman
Der
schöne Vogel Phönix von Jochen SCHIMMANG.
In
den Erinnerungen eines dreißigjährigen Singles wird die
Individualisierungsthese
von Ulrich BECK belletristisch vorweggenommen. |
| |
Im Matthes & Seitz
Verlag erscheint die Anthologie Ich lebe alleine,
die von Bettina BEST herausgegeben wird. |
| |
Zum Teil 2: Die 1980er Jahre |