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Thema des Monats

 
       
   

Chronologie der deutschen Single-Debatte

 
       
   

Teil 1: Der Wandel des Single-Daseins im Spiegel von Wissenschaft, Medien und Kultur (1970er Jahre)

 
       
   
Einführung

[ 1970 ] [ 1971 ] [ 1972 ] [ 1973 ] [ 1974 ]
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1985 ]
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Nachwort
 
       
   
     
 

Einführung

Die Chronologie der deutschen Single-Debatte soll einen kompakten Einstieg in das Thema dieser Website ermöglichen. Neben dem Glossar, dem Verzeichnis der Singleforscher/Innen und den Institutionen der Single-Gesellschaft bietet diese Chronologie damit einen weiteren Zugang zum Single-Dasein an. Die Chronologie wird nach und nach erweitert, so dass es sich lohnt, immer mal wieder vorbei zu schauen.

1972

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  In der Deutschen Verlags-Anstalt erscheint das Buch Wohnen Alleinstehender von Gerhard G. DITTRICH. Bei den jüngeren männlichen Alleinlebenden dominieren gemäß DITTRICH in den 60er Jahren die Untermietverhältnisse, während ältere Geschiedene und Witwen in der eigenen Wohnung leben. Nach einer Prognose auf der Basis von Mikrozensuszahlen aus dem Jahr 1968 wird erwartet, dass sich die Zahl der Einpersonenhaushalte bis 1980 auf 6,98 Mill. erhöht. Tatsächlich ist die Zahl der Einpersonenhaushalte bis 1980 jedoch auf 7,49 Mill. gestiegen. Die Vorstellungen, die damals mit dem Begriff Alleinstehende verbunden waren, verhinderten offensichtlich den Blick auf ein neues Phänomen, das bei DITTRICH noch nicht wahrgenommen und 10 Jahre später in der deutschen Stadtforschung als Neue Haushaltstypen diskutiert wird.
1973

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Dezember Die Vierteljahreszeitschrift Kursbuch Nr. 34 widmet sich dem Thema Kinder. Shulamith FIRESTONE fordert Nieder mit der Kindheit! Die radikale Feministin sieht in der Frauenrolle als Gebärerin und Erzieherin von Kindern einen Unterdrückungsmechanismus.
1974

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April Das Kursbuch Nr.35 beschäftigt sich mit Verkehrsformen. I Frauen Männer Linke. Über die Schwierigkeiten ihrer Emanzipation. Simone de BEAUVOIR & Jean-Paul SARTRE schreiben über ihre Beziehung und Peter SCHNEIDER erklärt die Sache mit der "Männlichkeit". Gibt es eine Emanzipation der Männer?
Oktober Das Kursbuch Nr.37 beschäftigt sich erneut mit den Verkehrsformen. II Emanzipation in der Gruppe und die "Kosten" der Solidarität. Franziska GRAF berichtet über eine Wohngemeinschaft und Klaus LAERMANN widmet sich dem Kneipengerede in der Berliner Subkultur.
1975

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24.03. Eine Spiegel-Titelgeschichte fragt Sterben die Deutschen aus? Mehr Sex - weniger Babys ist die Diagnose. Singles sind noch nicht in den Mittelpunkt der bevölkerungspolitischen Debatte gerückt, sondern die kinderlosen Ehepaare und der Rückgang der Drei-Kind-Familie werden für den Geburtenrückgang verantwortlich gemacht. Daneben wird das Verhältnis deutscher und Gastarbeiterkinder thematisiert. Es droht die Überfremdung. Für Frankfurt heißt es:

"1976 werden voraussichtlich in der Main-Stadt mehr Ausländer als Deutsche geboren".

Als Experten werden u. a. Gunnar HEINSOHN, Hans W. JÜRGENS, Franz-Xaver KAUFMANN, SCHUBNELL und Karl SCHWARZ zitiert.  

Dezember Das Kursbuch Nr.42 thematisiert Unsere Bourgeoisie. Pierre BOURDIEU & Yvette DELSAUT schreiben über die neuen Kleider der Bourgeoisie. Claudio HOFMANN beschreibt seine Abgrenzungsübungen eines Aufsteigers.
1976

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Juni Die Titelgeschichte der populärwissenschaftlichen Zeitschrift psychologie heute widmet sich dem Narzissmus: Menschen, die nicht zum Anderen finden.
Juli Hermann SCHREIBER entdeckt für den Spiegel in einer Titelgeschichte die Krise der Lebensmitte: Das kann doch nicht alles gewesen sein.
  Der Psychoanalytiker Alexander MITSCHERLICH spricht im Spiegel zur Krise in der Lebensmitte über die Unfähigkeit, erwachsen zu werden.
1977

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Mai Renate & Peter O. CHOTJEWITZ fragen in der Zeitschrift psychologie heute Midlife Crisis. Wer sie hat und wer sie braucht.  Die Autoren sehen in dem Phänomen das Problem einer gehobenen Mittelschicht, die schon vor zehn Jahren "swinging" als Emanzipation gefeiert habe.
Juni Zehn Jahre danach heißt das Thema des Kursbuch Nr. 48. Klaus HARTUNGs Versuch, die Krise der antiautoritären Bewegung wieder zur Sprache zu bringen, steht neben Johann August SCHÜLEINs psychoanalytischer Trendmeldung Von der Studentenrevolte zur Tendenzwende oder der Rückzug ins Private. Der neue Sozialisationstyp und die Spontis werden unter die Lupe genommen.
Oktober Wollen Sie ein Kind? fragt psychologie heute in seiner Titelgeschichte und nennt 70 Gründe dafür und dagegen.
  Der Lebenslaufforscher Martin KOHLI publiziert in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie den Beitrag Lebenslauf und Lebensmitte, in dem der Soziologe sich kritisch mit dem Phänomen der Midlife-Crisis auseinandersetzt. Während in der Öffentlichkeit  die Ehekrisen bzw. Scheidungen der High Society und Schickeria im Brennpunkt der Debatte stehen, kann KOHLI anhand der Scheidungsziffern keinen allgemeinen Trend einer Krisenhaftigkeit der Lebensmitte erkennen.    
  Der Liedermacher Mario HENÉ veröffentlicht sein Debütalbum Lieber allein, als gemeinsam einsam. Der Titel bringt das neue Liebesideal und seine Konsequenz - das Single-Dasein - auf den Punkt.
  Im Rowohlt-Verlag erscheint der Roman Abschaffel von Wilhelm GENAZINO. Im Mittelpunkt des Angestelltenromans steht ein männlicher Single, dessen Alleinleben zunehmend durch soziale Ängste eingeschränkt wird
  Von Fritz ZORN erscheint der autobiographische Bericht Mars.  Der Single begreift seinen Krebstod  als zwangsläufiges Ergebnis eines falschen Lebensstils.
1978

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April Freundschaft: So wichtig wie Liebe empfiehlt die Titelgeschichte der Zeitschrift psychologie heute.
19.06. Die erste deutsche Single-Serie erscheint im Spiegel Nr.25-27. In drei Teilen schildert Hermann SCHREIBER unter der Überschrift Du bist du, und ich bin ich das Single-Dasein. Der Spiegel hat dazu das Forschungsinstitut GETAS mit einer psychologischen Untersuchung beauftragt, deren Ergebnisse präsentiert werden.
Juli Horst OPASCHOWSKI erklärt in der Zeitschrift psychologie heute das Prinzip Animation, das Reiseunternehmen wie der Club Méditerranée erfolgreich adaptiert haben. Die Entstehungs- und Experimentierphase der Animation datiert der Sozialpädagoge auf den Anfang der 70er Jahre.
10.07. Und plötzlich wird das Paar wieder denkbar, steht über den Spiegel-Gespräch mit Peter HANDKE über Gefahren und Chancen des Alleinlebens.
31.07. Kinder aus der Retorte. Fortschritt oder Frevel? fragt eine Spiegel-Titelgeschichte anlässlich der Geburt des ersten Retorten-Babys.
20.10. In der Wochenzeitung Die Zeit erscheint Kontaktsperre. Eine Bestandsaufnahme der Beziehungslosigkeit. Fritz J. RADDATZ widmet sich in dem Beitrag mit der Literatur der Beziehungslosigkeit, u.a. anhand von Hubert FICHTE, Max FRISCH, Peter HANDKE, Peter SCHNEIDER und Botho STRAUß.
Dezember Der Sozialpsychologe Philip ZIMBARDO erklärt im psychologie heute-Gespräch das Phänomen Schüchternheit, das als Gefängnis im Kopf fungiert.
Dezember Das Kursbuch widmet sich der Jugend. Wolfgang SPINDLER schreibt über Diskotheken, Buden, Läden. Rainald Maria GOETZ macht seinen Weg. Norbert KLUGMANN ist selten allein und beschreibt deshalb Szenen einer WG.
Klaus HARTUNG besitzt die Sicht eines 38jährigen: Über die langandauernde Jugend im linken Getto. Lebensalter und Politik.
  Im Rotbuch Verlag erscheint der Roman Sonntags Kino von Jürgen THEOBALDY. Der Roman schildert das Leben einer Clique Jugendlicher Ende der 50er Jahre. Kino und Popmusik ist für sie die Gegenwelt zu Ausbildung und Familie.  
1979

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Januar Joachim NAWROCKI zeichnet für ein zweiteiliges ZEIT-Dossier zur Frage Warum die Deutschen sich nicht vermehren wollen (05./12. Januar) verantwortlich. Die Nazi-Parole vom Volk ohne Raum, wird hier zum Horrorgemälde Raum ohne Volk gewendet.
September Die Titelgeschichte der Zeitschrift psychologie heute widmet sich der Lebensqualität. Der Politikwissenschaftler Ronald INGLEHART sieht im Wertewandel eine Generationenfrage. 25 Jahre später wird man vom Wandel des Wertewandels sprechen. Wulf-Rüdiger LUTZ macht in der Fernsehgeneration der 20- bis 30jährigen (damit sind nicht wir Fernsehkinder gemeint) den Kern der Gegenkultur aus.
Oktober Unfruchtbar steht drohend über einem Foto, auf dem eine Karrierefrau sehnsüchtig auf ein Kind im Kinderwagen blickt. Miriam D. MAZOR berichtet in der Zeitschrift psychologie heute über das Problem der Unfruchtbarkeit, das angesichts der Zunahme von Spätgebärenden (über 30 Jahre) um sich greift. Da bei Kinderlosigkeit schwere Störungen der Partnerschaft droht, werden künstliche Befruchtung und Adoption als Ausweg empfohlen.
Dezember Scheidung. Müssen die Kinder die Opfer sein? fragt die Titelgeschichte der Zeitschrift psychologie heute.
  Jürgen vom SCHEIDT & Ruth ZENHÄUSERN bringen den Ratgeber Singles - Alleinleben als Chance des Lebens auf den Markt und gründen in München  eine Krisenberatungsstelle für Singles.
  Im Suhrkamp Verlag erscheint der Roman Der schöne Vogel Phönix von Jochen SCHIMMANG. In den Erinnerungen eines dreißigjährigen Singles wird die Individualisierungsthese von Ulrich BECK belletristisch vorweggenommen.
  Im Matthes & Seitz Verlag erscheint die Anthologie Ich lebe alleine, die von Bettina BEST herausgegeben wird.
 

Zum Teil 2: Die 1980er Jahre

Nachwort

Für die Jahre ab 2001 gibt es im Rahmen des Thema des Monats jeweils im Januar eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse rund um das Single-Dasein. Über den weiterführenden Link gelangen Sie zur Themenübersicht.
    

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 08. August 2005
Update: 26. Januar 2017