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Kommentierte Bibliografie

 
   

Kinderlose in Deutschland

 
   

Eine Bibliografie der Debatte um die gewollte und ungewollte Kinderlosigkeit (Teil 8)

 
     
   
     
 

Kommentierte Bibliografie (Teil 8: 2009-2011)

2009

METZ-GÖCKEL, Sigrid/MÖLLER, Christina/AUFERKORTE-MICHAELIS, Nicole (2009): Wissenschaft als Lebensform - Eltern unerwünscht?. Kinderlosigkeit und Beschäftigungsverhältnisse des wissenschaftlichen Personals aller nordrhein-westfälischen Universitäte, Verlag Barbara Budrich

Wissenschaft als Lebensform

"Vielfach beklagt, selten wissenschaftlich untersucht: Warum fehlen in so vielen Akademiker/innen-Haushalten die Kinder?

Dieses Buch untersucht den Zusammenhang zwischen Karrierebedingungen, Geschlecht und Kinderzahl beim akademischen Mittelbau und der Professorenschaft. Grundlage ist die Auswertung der vorliegenden Personalstandsdaten des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) und der Kinderdaten des Landesamtes für Besoldung und Versorgung (LBV) für die Universitäten des Landes NRW sowie Interviews mit Wissenschaftler/innen mit und ohne Kinder.

Es zeigt sich, dass die prekären Beschäftigungsverhältnisse und die unsichere Zukunftsperspektive bei einer Entscheidung zur Elternschaft eine sehr große Rolle spielen."
(Klappentext)

BÖRDLEIN, Ingeborg (2009): Wenn der Storch auf sich warten lässt.
Immer mehr Paare sind in Deutschland ungewollt kinderlos. Das liegt nicht nur am höheren Alter der Frauen. Mit welchen Methoden Mediziner helfen, den Wunsch nach einem Baby zu verwirklichen,
in:
Welt v. 24.01.

KLINGELSCHMITT, Klaus-Peter (2009): Gegen deutsche Generationen-Hetzer.
Warum müssen Kinderlose eigentlich immer mehr einzahlen? Weil die anderen neidisch sind,
in: TAZ v. 11.04.

RÖNICKE, Katrin (2009): Jetzt bloß nicht mut(t)ieren.
Deutschland ist nun per Erlass kinderfreundlich. Warum stehen junge Eltern trotzdem unter dem Druck, von den Kinderlosen bloß nicht für spießig erklärt zu werden?
in: freitag.de v. 21.04.

LEVEND, Helga (2009): "Schwangerschaft ist keine Leistung, die man willentlich erbringen kann".
Ein Gespräch mit der Psychoanalytikerin Ute Auhagen-Stephanos über die unbewussten Gründe ungewollter Kinderlosigkeit,
in:
Psychologie Heute, Mai

LINNEWEBER, Silke (2009): Wie viel ist ein Baby wert?
Rente: Die von Peer Steinbrück kritisierte Garantie für Altersbezüge ist nur ein kleines Problem. Schwerer wiegt, dass Familien gegenüber Kinderlosen benachteiligt werden,
in: Rheinischer Merkur Nr.29 v. 16.07.

Wurde im Jahr 2003 die Rente nach Kinderzahl noch als das Nonplusultra der christlichen Rentenpolitik zur Förderung der Familie betrachtet, so schlägt LINNEWEBER in ihrem Artikel erstaunlich moderate Töne an und zeigt sogar die Nachteile solcher Konzepte auf.

DESTATIS (2009): 2008: Kinderlosigkeit nimmt zu,
in:
Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 29.07.

"In Deutschland bleiben immer mehr Frauen ohne Kinder. 2008 hatten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 21% der 40- bis 44-jährigen Frauen keine Kinder zur Welt gebracht. Dagegen waren unter den zehn Jahre älteren Frauen (Jahrgänge 1954 bis 1958) 16% und unter den zwanzig Jahre älteren (Jahrgänge 1944 bis 1948) nur 12% kinderlos. Von den Frauen zwischen 35 und 39 Jahren hatten 2008 26% noch keine Kinder, allerdings wird sich in dieser Altersgruppe der Anteil der kinderlosen Frauen noch vermindern", heißt es in der Pressemeldung, in der Ergebnisse des Mikrozensus 2008 veröffentlicht werden. Außerdem fand eine Pressekonferenz zum Thema Mikrozensus 2008 - Neue Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland statt.

Das Statistische Bundesamt hat heute die aktuellen Zahlen zur Kinderlosigkeit in Deutschland für das Jahr 2008 veröffentlicht. Danach blieben die Geburtsjahrgänge 1964 - 1968 nur zu 21 % kinderlos.
Wer die Debatte der vergangenen 10 Jahre verfolgt hat, der weiß, dass dem Geburtsjahrgang 1965 von Nationalkonservativen eine Kinderlosigkeit von über 32 % nachgesagt wurde.
Der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG war maßgeblich für die Verbreitung der überhöhten Zahlen verantwortlich. Soziologen wie Franz-Xaver KAUFMANN schrieben im Anschluss daran Bücher über die Schrumpfende Gesellschaft. Noch im Jahr 2005 wies KAUFMANN den Anteil der Kinderlosen des Jahrgangs 1965 mit 32,1 % aus, um seinen Horrorszenarien Nachdruck zu verleihen. Auf dieser Website wurde diese Debatte umfangreich dokumentiert. Keiner kann behaupten, dass man es nicht besser hätte wissen können.

Wenn das Statistische Bundesamt nun seine Pressemitteilung mit Kinderlosigkeit nimmt zu veröffentlicht, dann wird unterschlagen, dass die heute veröffentlichten Daten eine wesentlich geringere Kinderlosigkeit ausweisen wie jene, die bis 2007 Jahr um Jahr ausgewiesen wurde.
Auf dieser Website wurde die Praxis des Statistischen Bundesamtes seit dem Jahr 2001 regelmäßig kritisiert. Es wurde die politische Konstruktion der Geburtenkrise angeprangert. Vehement wurden Journalisten wie Susanne GASCHKE angegriffen, die allein Kinderlose für die Misere der Sozialsysteme verantwortlich machen wollten.

Im Rückblick auf das Jahr 2007 wurde auf single-generation.de geschrieben, dass die wissenschaftliche Erforschung der Kinderlosigkeit endlich beginnen kann. Mit dem Mikrozensus 2008 werden erstmals die Kinder einer Frau korrekt erfasst. Das lange verheimlichte Desaster der deutschen Bevölkerungswissenschaft zeigt sich nun in vollem Umfang.
Bereits im Sommer 2007 hat single-generation.de das lesenswerte Buch Leben ohne Kinder rezensiert und damit auch eine Bestandsaufnahme zum Thema Kinderlosigkeit in Deutschland vorgelegt. Als Fazit zur Anzahl der Kinderlosen hieß es dort:

"Aufgrund der unerwarteten Zunahme der Spätgebärenden in Westdeutschland und einer wesentlich niedrigeren Kinderlosigkeit in den neuen Bundesländern, die wegen der hohen Zahl unehelicher Geburten lange Zeit unerkannt blieb, wird in Deutschland das Ausmaß der Kinderlosigkeit deutlich unter dem von Herwig BIRG geschätzten ein Drittel lebenslang Kinderloser bleiben".

Es zeigt sich angesichts der heutigen Veröffentlichung, dass diese Einschätzung richtig war. Noch die optimistischsten Schätzungen der Wissenschaftler waren zu pessimistisch. Die Dokumentation der Debatte auf single-dasein.de und single-generation.de macht sichtbar, wie Nationalkonservative und ihre Trittbrettfahrer von Franz-Xaver KAUFMANN bis Frank SCHIRRMACHER in der Vergangenheit von einer völlig veralteten Bevölkerungsstatistik profitierten. Der Mißstand wurde lange Zeit nur auf dieser Website öffentlich angeprangert.

Erst im Herbst 2006 wurden erste Ergebnisse einer modernen Bevölkerungsstatistik veröffentlicht. Die Printmedien hatten ebenso wenig ein Interesse an einer Offenlegung des Skandals wie die Wissenschaft - von der Politik ganz zu schweigen. Dies lässt sich auf den Websites single-dasein.de und single-generation.de detailliert überprüfen. Die Aufarbeitung dieses Skandals dürfte nun endlich beginnen.
Mit dem Buch Die Single-Lüge aus dem Jahr 2006 liegt eine erste Bestandsaufnahme dieses Skandals vor.

DESTATIS (2009): Mikrozensus 2008 - Neue Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland. Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 29. Juli 2009 in Berlin.

Neue Daten zu Kinderlosigkeit in Deutschland

Die erste Zusatzerhebung zum Mikrozensus 2008 als zweite amtliche Erhebung zur Kinderlosigkeit in Deutschland

"Im Mikrozensus wurden bisher ausschließlich Angaben über die im Haushalt lebenden Kinder erfragt. Die außerhalb des Haushalts lebenden Kinder blieben unberücksichtigt. Außerdem wurde nicht zwischen leiblichen und nicht leiblichen Kindern unterschieden.
Um die dringend benötigten Indikatoren aktuell zur Verfügung zu stellen, wurde 2006 eine
repräsentative Sondererhebung »Geburten in Deutschland« durchgeführt. In einer Pressekonferenz im Dezember 2007 informierte das Statistische Bundesamt bereits über die wichtigsten Trends und Veränderungen im Geburtenverhalten der Frauen (...). Im Herbst 2007 wurden das Mikrozensusgesetz und das Bevölkerungsstatistikgesetz vom Gesetzgeber angepasst (Gesetz zur Änderung des Mikrozensusgesetzes 2005 und des Bevölkerungsstatistikgesetzes vom 30. Oktober 2007, BGBl Jahrgang 2007 Teil I Nr. 55). Damit konnten im Jahr 2008 im Mikrozensus alle 15- bis 75-jährigen Frauen nach der Zahl der geborenen Kinder gefragt werden. Die Angaben hierzu waren freiwillig. Die nächste Befragung der Frauen zu den von ihnen geborenen Kindern findet im Rahmen des Mikrozensus 2012 statt."
(2009, S.5)

Die endgültige Kinderzahl des westdeutschen Frauenjahrgangs 1958 liegt bei 1,6 Kinder pro Frau (CFR)

"Die Frauen der Kohorte 1958, die im Jahr 2007 das 50. Lebensjahr erreichten, haben im früheren Bundesgebiet durchschnittlich 1,6 Kinder zur Welt gebracht."
(2009, S.7)

Anteil der Kinderlosen in Deutschland bei den 1964-1968 Geborenen im Jahr 2008

"Bei den zwischen 1964 und 1968 Geborenen (Alter 40 bis 44 Jahre im Jahr 2008) haben 21% keine Kinder"
(2009, S.9)

"Bei den zwischen 1964 und 1968 geborenen Frauen nimmt in den neuen Ländern der Anteil der kinderlosen Frauen erstmals - auf 11% - zu. In den alten Ländern setzt sich in dieser Jahrgangsgruppe (den zum Zeitpunkt der Erhebung 40- bis 44-jährigen Frauen) der Anstieg fort und es bleiben mit 22% doppelt so viele Frauen dieser Jahrgänge kinderlos. Für diese Frauenjahrgänge ebenso wie für die älteren ist zu erwarten, dass sich der Anteil kinderloser Frauen faktisch nicht mehr verändert."
(2009, S.15)

Inhaltsverzeichnis

Einführung
1 Zwei Facetten der Geburtenentwicklung
1.1 Rückgang der endgültigen Kinderzahl der Frauenjahrgänge
1.2 Relativ stabile Zahl der Kinder je Mutter
1.3 Zunehmende Kinderlosigkeit
1.4 Fazit: Für die niedrige Geburtenrate ist aktuell vor allem die hohe Kinderlosigkeit verantwortlich
2 Wohnort der Frau
2.1 Immer mehr Mütter in den neuen Ländern haben nur noch 1 Kind
2.2 Die Kinderlosigkeit ist im Westen Deutschlands höher als im Osten
2.3 In den Stadtstaaten leben besonders viele Frauen ohne Kinder
3 Migrationserfahrung
3.1 Zur Definition: Frauen mit eigener Migrationserfahrung
3.2 Frauen mit eigener Migrationserfahrung sind seltener kinderlos
3.3 Jede vierte Mutter mit 4 oder mehr Kindern ist eine Zuwanderin
4 Bildung
4.1 Immer mehr Frauen erwerben mittlere oder höhere Bildungsabschlüsse
4.2 Westdeutsche Frauen mit hoher Bildung sind häufiger kinderlos
4.3 Je höher der Bildungsstand, desto seltener haben Mütter 3 oder mehr Kinder
5 Familienstand und Partnerschaft
5.1 Die Ehe als Lebensform überwiegt bei vielen Frauen
5.2 Immer mehr Ledige bekommen Kinder
5.3 Frauen mit Partner - insbesondere Ehefrauen - haben öfter Kinder

DESTATIS (2009): Mikrozensus 2008 - Neue Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland. Ergänzende Tabellen zur Pressekonferenz am 29. Juli 2009 in Berlin.

BOYSEN, Jacqueline (2009): Weniger Mütter hat das Land,
in: DeutschlandRadio v. 29.07.

ÖCHSNER, Thomas (2009): Ein Leben ohne Kind.
Vor allem westdeutsche Akademikerinnen haben keinen Nachwuchs - Migranten hingegen gründen große Familien,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.

BERTH, Felix (2009): Späte Kinder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.

GASEROW, Vera (2009): Bildung statt Nachwuchs.
Statistiker untersuchen Kinderlosigkeit,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.07.

MIES, Petra (2009): Immer weniger Nachwuchs.
Ein eigenes Kind? Nie. Oder doch?
in: Frankfurter Rundschau v. 30.07.

SEIBEL, Andrea (2009): Ohne Kinder,
in: Welt v. 30.07.

SIEMS, Dorothea (2009): Bei den Geburten liegen die ostdeutschen Frauen vorn.
Nach wie vor ist der Anteil der Kinderlosen in den alten Bundesländern höher - Einwanderinnen sind häufiger kinderreich,
in: Welt v. 30.07.

VÖLPEL, Eva (2009): Mehr Frauen ohne Kinder.
Die Kinderlosigkeit, nicht der Trend zu weniger Kindern, drückt laut Statistischem Bundesamt die Geburtenrate. 21 Prozent der 40- bis 44-jährigen Frauen aktuell ohne Nachwuchs,
in: TAZ v. 30.07.

GILLMANN, Barbara (2009): Akademikerinnen bleiben oft kinderlos.
Mikrozensus bestätigt gefährlichen Trend in Deutschland,
in: Handelsblatt v. 30.07.

GILLMANN, Barbara (2009): Kinder? Nein danke!
Die Abkehr der Akademikerinnen von der Mutterschaft verschärft die Probleme in Deutschlands Schulen,
in: Handelsblatt v. 30.07.

BERLINER ZEITUNG-Tagesthema: Kinderlosigkeit - Jede fünfte deutsche Frau im Alter zwischen 40 und 44 Jahren hat keine Kinder.
Das ermittelte jetzt das Statistische Bundesamt. Besonders im Westen fehlen die Nachkommen

SCHULTZ, Maike (2009): Der Mütterstreik,
in: Berliner Zeitung v. 30.07.

PEM (2009): Beispiel 1.
"Nachwuchs? Niemals",
in: Berliner Zeitung v. 30.07.

PEM (2009): Beispiel 2.
"Eine Familie? Mein Traum",
in: Berliner Zeitung v. 30.07.

MUDRAK, Marc (2009): Im Land der Kinderlosen.
Die Bevölkerungsstatistik zeigt den Trend auf: Immer mehr Frauen in Deutschland verzichten auf Nachwuchs,
in: Tagesspiegel v. 30.07.

HESENER, Britta & Maike RÖTTGER (2009): Ministerin will ledigen Müttern helfen.
Immer mehr Frauen kinderlos und alleinerziehend: Als Reaktion auf die jüngsten Zahlen fordert Ursula von der Leyen (CDU) bessere Betreuungsangebote,
in: Hamburger Abendblatt v. 30.07.

RÖTZER, Florian (2009): Gebärboykott der deutschen Frauen?
Vor allem die Frauen mit guter Ausbildung in den alten Bundesländern verzichten zunehmend auf Kinder und das beschworene "Glück der Elternschaft",
in: Telepolis v. 30.07.

DÜRBAUM, Angelika (2009): So simpel ist es nicht.
Gebildet, westdeutsch, kinderlos - auf diese simple Formel haben die Statistiker das Thema Frauen und Kinderlosigkeit in Deutschland gebracht. Da lässt sich natürlich wieder trefflich auf die Akademikerinnen schimpfen, die nur ihre Karriere im Kopf haben und nicht bereit sind, für den Nachwuchs zurückzustecken,
in: Offenbach Post Online v. 30.07.

OESTREICH, Heide (2009): "Die Männer sind nicht im Blick".
Kinderlose Männer: Mehr Männer als Frauen sind kinderlos. Die Politik ignoriert das, weil sie keinen Mumm hat, die Männerrolle ernsthaft zu verändern, meint Väterexperte Ralf Ruhl,
in: TAZ v. 01.08.

BLUMENFELD, Beate/SUDHOLT, Eva/GARBERS, Sandra/STUFF, Britta/KOCH, Tanit/WICHERT, Silke/ALTRINGER, Charlotte (2009): Warum wir (noch) keine Kinder haben.
Westdeutsche Akademikerinnen bleiben immer öfter kinderlos. Je besser ausgebildet und je urbaner Frauen sind, desto seltener bekommen sie Nachwuchs – das ist das Ergebnis des Mikrozensus 2008. Warum ist das so? Und: Bleibt das so? Eine nicht repräsentative Umfrage unter Redakteurinnen ohne Kind,
in: Welt am Sonntag Online v. 01.08.

FRICKE, Beatrix (2009): Abenteuer Elternschaft.
Beatrix Fricke fragt sich, warum Kinder in Deutschland nur als Problem und Belastung angesehen werden und wünscht sich mehr Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit,
in: Welt am Sonntag v. 02.08.

Wurden im letzten Bundestagswahlkampf  2005 und bis zur Beschließung des Elterngeldes noch Zahlen von 40 % kinderlosen Akademikerinnen verbreitet, so hat eine aktuelle Erhebung ergeben, dass die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen auch in Westdeutschland wesentlich geringer ist.

Von den westdeutschen Frauenjahrgängen 1964-1968 sind bislang ca. 29,5 % kinderlos. Da gerade hochqualifizierte Akademikerinnen auch noch in ihren Vierzigern erste Kinder bekommen, sind auch diese Zahlen noch nicht endgültig. Selbst die Akademikerinnen der gebärfreudigsten Vor-68er-Generation - Herwig BIRGs Vorzeigefrauengeneration - waren zu ca. 22 % kinderlos. Die gegenwärtige Mediendebatte ist also mehr als historisch kurzsichtig. Die nahezu Halbierung des Anteils kinderreicher Akademikerinnenfamilien (mit 3 und mehr Kindern) bleibt bei dieser Zentrierung auf die Kinderlosigkeit vollkommen ausgeblendet.

Wer wie FRICKE die Gründe der Kinderlosigkeit einzig in der fehlenden Leichtigkeit der Deutschen sieht, der blendet die Mehrzahl der Gründe aus. Wie vielschichtig die Gründe sind, haben in den letzten Jahren einige wissenschaftliche Studien aufgezeigt (siehe z.B. Leben ohne Kinder oder Wissenschaft als Lebensform - Eltern unerwünscht?).

Die Medien hat das bislang nicht interessiert. Man begnügte sich zumeist mit Kampagnen gegen Kinderlose, denn das Problem ist immer noch der Kulturkampf um das einzig richtige Familienbild.

Wenn z.B. in der Schweiz eine Topmanagerin ein Kind bekommt und - statt sich in den ersten Jahren ausschließlich um ihr Kind zu kümmern - so schnell wie möglich an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt, dann ist nicht nur Mann sofort mit dem Rabenmutter-Klischee zur Stelle. Auch jetzt müssen wieder kinderlose Redakteurinnen der WamS ihre Kinderlosigkeit rechtfertigen.

Der Reflex von Feministinnen ist nicht besser: kinderlose Männer an den Pranger zu stellen. In Österreich hat man gerade das 2005 erschienene Buch Der Zeugungsstreik wieder entdeckt.

Die Tage dieser Grabenkämpfe könnten jedoch gezählt sein, denn es sind immer noch die Kämpfe der 1980er Jahre. Die Hauptprotagonisten gehen derzeit in den Ruhestand. Mit dem Soziologen Ulrich BECK, der das Standardwerk zum Grabenkampf mitverfasste, der aber schon im Vorläuferbuch Risikogesellschaft das heute immer noch gültige Kampfszenario aufzeigte, wurde kürzlich ein Vordenker emeritiert.

Die 78er-Generation (hier auch als Single-Generation bezeichnet), die mit Frank SCHIRRMACHER,  Norbert BOLZ u.a. noch die traditionellen Medien dominieren, hat diese Schützengräben nochmals vertieft. Im März 2006 hatte ihre große Stunde geschlagen. Ihr Deutschland am Abgrund war aber letztendlich ein Pyrrhussieg.

Mit der aktuellen Erhebung liegen nun erstmals Daten vor, die Herwig BIRG und seine Trittbrettfahrer widerlegen. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis die ersten Bücher erscheinen, in denen die Demontage der Nationalkonservativen betrieben wird. Mit der nächsten Volkszählung könnten die Bevölkerungsprognosen der letzten Jahre zusätzlich unter Druck geraten.

BLUMENFELD, Beate/SUDHOLT, Eva/GARBERS, Sandra/STUFF, Britta/KOCH, Tanit/WICHERT, Silke/ALTRINGER, Charlotte (2009): Müssen Frauen Mütter werden?
Westdeutsche Akademikerinnen bleiben immer öfter kinderlos. Warum ist das so? Und: Bleibt das so? Eine nicht repräsentative Umfrage,
in: Welt am Sonntag Online v. 02.08.

SIEMS, Dorothea (2009): "Frauen tun sich schwer bei der Partnersuche."
Arbeitsmarktforscherin Jutta Allmendinger über unerfüllte Kinderwünsche von Akademikerinnen,
in: Welt
v. 03.08.

RÖLL, Thomas (2009): "Das System kollabiert".
Die Sozialversicherungen verleiten die Menschen dazu, auf Kinder zu verzichten, analysiert der Bevölkerungsforscher Herwig BIRG,
in: Focus Nr.33 v. 10.08.

Dem Focus muss Herwig BIRG mehr als peinlich sein! Keine seiner Studien wird zitiert, kein Buch genannt. Ganz lapidar heißt es nur "Birg wies in zahlreichen Veröffentlichungen auf die Probleme des demografischen Wandels hin." Nicht einmal mehr - wie noch Mitte des Jahrzehnts - von einem "anerkannten" Bevölkerungswissenschaftler spricht man. Offenbar hat sich außer BIRG keiner mehr gefunden, der solche Thesen vertritt. BIRGs große Zeit liegt immerhin auch schon 20 Jahre zurück. Seit der Jahrtausendwende hat sich BIRG selber ins Abseits geredet und geschrieben. Keiner seiner Schätzungen über die Kinderlosigkeit der jungen Generationen hat annähernd gestimmt. Der westdeutsche Frauenjahrgang 1965 sollte angeblich zu fast 33 % kinderlos bleiben. Es werden dagegen über 10 % weniger sein.

Spätestens nach der Volkszählung 2011 und der ersten darauf fußenden Bevölkerungsvorausschätzung wird man auch nichts mehr von BIRGs bisherigen Vorausschätzungen wissen wollen.

GÜNTHER, Julia (2009): Netzwerk statt Enkel.
Serie: Kinder, Kinder (3),
in: Welt v. 20.08.

Julia GÜNTHER, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Dresden, schreibt darüber, warum ältere Singles durch Kinderlosigkeit und/oder Partnerlosigkeit eher in Situationen sozialer Isolation und Vereinsamung geraten können. GÜNTHER macht aber auch Hoffnung:

"Kinderlosigkeit muss aber nicht zwangsläufig Vereinsamung bedeuten. So hängt die Sozialintegration im Alter wesentlich von der Netzwerkorientierung und vom Lebensstil vorheriger Lebensphasen ab. Zudem gibt es vielversprechende Ansätze, die soziale Einbindung alter Menschen zu unterstützen, etwa durch den Aufbau von Selbsthilfestrukturen, ehrenamtlichen Beschäftigungsmöglichkeiten, seniorenspezifischen Internetportalen, Nachbarschaftsnetzwerken oder mehrgenerationalen Wohnprojekten. Diese gilt es in Zukunft verstärkt zu fördern"

BURKART, Günter (Hrsg.)(2009): Zukunft der Familie. Prognosen und Szenarien, Zeitschrift für Familienforschung, Sonderheft 6, Opladen & Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich

Zukunft der Familie

"Ein wichtiger Faktor für eine Renaissance der Familie wäre ein deutlicher Rückgang der Kinderlosigkeit. Zwar sieht auch Marina Rupp dafür kaum Anzeichen in naher Zukunft, aber sie zeigt auch, dass bestimmten Rahmenbedingungen hier besondere Bedeutung zukommt. Was wären die Bedingungen für einen deutlichen Rückgang der Kinderlosigkeit? Abgesehen von infrastrukturellen Verbesserungen sowohl im Erziehungsbereich (...) als auch in der Arbeitswelt, die zu einer deutlichen Abmilderung des notorischen Vereinbarkeitsproblems führen würden, müsste es zu einem Abbau überzogener Erziehungsansprüche kommen, und es müsste zu einer Ausweitung der Altersspanne kommen, in der es für Frauen als normal gilt, Mutter zu werden. Auch die Adoption müsste leichter möglich und vor allem auch bei potentiellen Eltern stärker akzeptiert werden, und natürlich müsste es auch zu deutlichen Verbesserungen der Unterstützung bei der medizinischen Behandlung von unfreiwilliger Kinderlosigkeit kommen."
(Günter Burkart 2009, S.22)

FUNCK, Gisa (2009): Das Anti-Eva-Prinzip.
Verweigerer: In der perfektionistischen, deutschen Gegenwartsgesellschaft, in der nichts einfach mal so schicksalsmäßig anders laufen darf, erhält Kinderlosigkeit den Rang eines unentschuldbaren Makels. Eines letzten, klar definierbaren Frauenversagens,
in: TAZ v. 11.09.

RÖTZER, Florian (2009): Die Deutschen kriegen immer weniger Kinder.
Daran soll trotz Elterngeld nicht nur die Wirtschaftskrise schuld sein, erklärt die Familienministerin von der Leyen,
in: Telepolis v. 16.09.

WINKELHEIDE, Martin (2009): "Spannungen, die kaum noch auszuhalten sind".
Therapeutin Gisela Zeller Steinbrich über Kinderlosigkeit,
in: DeutschlandRadio v. 29.09.

ECKARDT, Ann-Kathrin (2009): "Du weißt ja gar nicht, was dir entgeht".
Kinder, Kinder! (5): Wer sich gegen eigenen Nachwuchs entscheidet, wird oft schief angesehen - eine Frau und ein Mann über ihr Leben ohne Kinder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.10.

KIRSCHSTEIN, Gisela (2009): Unverheiratet, kinderlos, Familienministerin.
"Eines der großen Nachwuchstalente": Neue Familienminsterin in Angela Merkels Kabinett wird nach Franz Josefs Rücktritt die junge hessische CDU-Politikerin Kristina Köhler. Sie könnte in der Partei eine neues Familienbild mitprägen – auch weil die 32-Jährige Unterstützung von ganz oben hat,
in: Welt Online v. 27.11.

JM/ROK (2009): Kristina Köhler: Ledig, kinderlos - und Familienministerin.
Sie ist unverschämt jung, kinderlos - und Familienministerin,
in: Bild v. 28.11.

SEIFERT, Sabine (2009): Königinnen ohne Land.
Deutschland hat im europäischen Vergleich einen besonders niedrigen Frauenanteil in der Professorenschaft. Und schafft es eine Wissenschaftlerin in diese Position, verzichtet sie meist auf Kinder. Warum das so ist? Warum das immer noch so ist? Ein Streifzug durch akademische Gefilde,
in: TAZ v. 05.12.

BOEHNKE, Mandy (2009): Gut gebildet = kinderlos?
Zu feinen deutsch-deutschen Unterschieden im Umgang mit dem Kinderwunsch, in: BIOS - Zeitschrift für Biografieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, Heft 1

2010

KEMPER, Andreas (2010): Interview mit Rainer Hufnagel-Person zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen,
in: Dishwasher v. 15.01.

KAMANN, Matthias (2010): Alarmierende Studie - jungen Familien sind Alte und Kinderlose egal,
in:
Welt v. 12.04.

Diese Schlagzeile würde es in der Welt nie geben! Schließlich sind Familien die dominante Zielgruppe, weswegen in der gestrigen Welt Online reißerisch Alten und Kinderlosen sind junge Familien egal getitelt wird. Thomas PANYs Kommentar in Telepolis dazu: Wenig Neigung zum »Altruismus« bei Rentnern und Kinderlosen. In der heutigen Print-Ausgabe der Welt lautet die Schlagzeile dagegen Den Alten sind junge  Familien egal."

Grundlage der Aussagen sind zwei alte Studien aus den Jahren 2003 und 2005, in denen eine nie da gewesene Hetzkampagne auf Kinderlose stattfand. Was hier nun mit der Re-Analyse geschieht ist also mehr als unseriös. Damals hat man gezielt mit falschen Daten über die Höhe der Kinderlosigkeit in Deutschland Stimmung gemacht. Die Welt hat sich in der Vergangenheit bei der Verbreitung von falschen Zahlen in Zusammenhang mit der Geburtenentwicklung besonders hervorgetan, z.B. um das Buch Minimum von Frank SCHIRRMACHER zu pushen. Möchte man nun wieder eine neue unseriöse Kampagne starten? Es sieht ganz danach aus...

ROLLMANN, Annette (2010): Die Solidarität bröckelt.
Generationengerechtigkeit: Eine neue Studie zeigt, wo in Zukunft der Riss durch die Gesellschaft verläuft: Kinderlose und Alte wollen nicht für den Nachwuchs und seine Eltern zahlen. Die Politik muss darauf reagieren,
in:
Rheinischer Merkur Nr.16 v. 22.04.

STREIDL, Barbara (2010): Hadertauers kalte Küche.
Bayerns Sozialministerin will eine "neue konservative Leitkultur". Die wachsende Zahl der Kinderlosen hätte das Nachsehen
in:
Freitag Online v. 25.04.

Man muss sich fragen, ob es Zufall oder Absicht war, dass bei der ersten amtlichen Mikrozensus-Befragung zur Kinderlosigkeit in Deutschland ausgerechnet die Jahrgänge ab 1933 einbezogen wurden. Der Soziologe Hans BERTRAM wies vor kurzem darauf hin, dass dies zu einer verzerrten Sichtweise führt: 

"Eine weitere Ursache für die starke Betonung der Kinderlosigkeit in der deutschen demografischen Literatur rührt daher, dass bei den Betrachtungen der Kinderlosigkeit nie weiter als bis zur Kohorte der 1935 geborenen Frauen zurückgeschaut wird (Engstler et al. 2003, Birg 2003, Kaufmann 2005). Diese Kohorte war jedoch mit historisch hohen Kinderzahlen und einer extrem niedrigen Kinderlosigkeit verantwortlich für den Babyboom." (beziehungsweise, April 2010) 

Geht man nämlich weiter zurück, dann ist der Satz "In Deutschland gibt es immer mehr kinderlose Frauen" falsch. Und das wollte man ja wohl auf alle Fälle vermeiden, denn in Deutschland sind solche Debatten tabu.

WIESNER, Daniela (2010): Kinderlos älter werden.
Grenzenlos frei oder einsam?
in:
Sendung Lebenszeit im DeutschlandRadio v. 30.04.

CORRELL, Lena (2010): Anrufungen zur Mutterschaft. Eine wissenssoziologische Untersuchung von Kinderlosigkeit, Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot

Anrufungen zur Mutterschaft

"Frau = Mutter? Ausgehend von dem Phänomen Kinderlosigkeit zeichnet Lena Correll in ihrer wissenssoziologischen Studie nach, wie Frauen im politischen Diskurs und seiner institutionellen Infrastruktur zur Mutterschaft aufgerufen werden. Die Aufarbeitung regierungsnaher Diskurse in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges belegt, dass die demographische Entwicklung erst seit einigen Jahren als Katastrophe angesehen wird, obwohl die Geburtenzahlen seit Jahrzehnten sinken. Durch die Verschränkung der Diskursanalyse mit einer hermeneutischen Rekonstruktion der biographischen Umgangsweisen von Frauen jenseits der Norm »biologischer Mutterschaft« wird deutlich, dass weibliche Kinderlosigkeit in Deutschland nicht nur gesellschaftlich als Abweichung konstruiert wird, sondern auch individuell nach wie vor legitimierungsbedürftig ist."
(Klappentext)

VAHABZADEH, Susan (2010): Raum für neue Träume.
SZ-Thema Die Macht der Pille: Kinderlose Karrierefrauen wurden die neuen Heldinnen in Kino und Fernsehen und somit Vorbilder für alle,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.05.

KNOBLAUCH, Elisabeth (2010): Nicht nur drei Jahre.
Wer Kinder hat, droht leichter abzusteigen,
in: Die ZEIT Nr.22 v. 27.05.

Elisabeth KNOBLAUCH wendet sich gegen die Kritik von Susanne GASCHKE, dass Kinderlose entweder ängstlich oder egoistisch sind, wenn es um die Kinderfrage geht.

SCHUH, Karin (2010): Die kinderlose Generation.
Bereits 18 Prozent der Frauen über 45 sind kinderlos. Die Gründe dafür reichen von der Suche nach dem perfekten Zeitpunkt bis zur Unvereinbarkeit von Kind und Karriere – in der Realität und im Kopf,
in: Die Presse v. 27.06.

MSV/JF/AFP (2010): Weniger Netto für alle Kinderlosen.
Schwarz-gelber Haushalt: Mehr im Geldbeutel - das hatte die schwarz-gelbe Koalition den Bürgern verkündet. Die FR zeigt, dass Koalition ihr Versprechen bricht. Singles stehen schlecht da, Familien werden nur mäßig entlastet, Kassenbeiträge steigen,
in: Frankfurter Rundschau v.
08.07.

MÜLLER-LISSNER, Adelheid (2010): Wenn Menschen lieber kinderlos bleiben.
In der "Childfree"-Bewegung sammeln sich Männer und Frauen ohne Nachwuchs. Einige Frauen sagen, ihnen fehle "Mutterinstinkt",
in: Tagesspiegel v. 04.10.

SPIEWAK, Martin (2010): Späte Anerkennung.
Der Medizinnobelpreis feiert den Triumph der Forschung über die Kinderlosigkeit,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 07.10.

KUNZ, Gabriele (2010): Hohe Ansprüche.
Männer nehmen die Vaterrolle sehr ernst. Das führt manchmal dazu, dass sie lieber kinderlos bleiben,
in: Psychologie Heute, November

BELFKIH, Judith (2010): Zwickmühle Zeugungsstreik,
in: Wiener Zeitung v. 04.11.

Die Schweiz ist das beste Beispiel dafür, dass das Thema Kinderlosigkeit eine typisch deutschsprachige Debatte ist. Weder in der italienischen noch in der französischen Schweiz gibt es das Thema Kinderlosigkeit. Böswillig könnte man behaupten, dass die deutschsprachige Politik, Wissenschaft und Medien erst das Problem erzeugt haben, das sie nun zu bearbeiten beanspruchen. In der Schweiz gibt es im übrigen genau die gleichen statistischen Probleme wie in Deutschland: Kinderlosigkeit kann nicht erfasst, sondern nur geschätzt werden. Deutsche Bevölkerungspolitiker behaupten gerne, dass die Nazis an diesem Problem schuld seien. Dumm nur, dass die Schweiz keinen Hitler hatte! Eine aktuelle Studie zu Schweizer Hochgebildeten zeigt außerdem, dass Kinder keineswegs ein generelles Karrierehindernis sind. Liegt also das Problem gar nicht bei den Kinderlosen, sondern bei den Elternkriegen? Während die einen vom Zeugungsstreik reden, argumentiert die Gegenseite mit Gebärstreik.

DESTATIS (2010): Jede 5. Frau im Alter zwischen 41 und 45 Jahren kinderlos,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes v. 17.12.

Weil die Kinderlosigkeit in Deutschland nur alle 4 Jahre richtig erfasst wird, gibt es nun eine magere Meldung, die keine neuen Erkenntnisse bringt.
Fakt ist jedenfalls, dass die um 1965 geborenen Frauen nicht zu einem Drittel kinderlos geblieben sind, wie das bis vor einigen Jahren immer wieder von Nationalkonservativen um Herwig BIRG und Jürgen BORCHERT behauptet wurde. Unbelehrbare wie Thilo SARRAZIN glauben sowieso nur jener Statistik, die sie selber gefälscht haben.
Im Februar 2005 - anlässlich des Romans Die Jugend von heute von Joachim LOTTMANN - der bereits vor einem halben Jahrzehnt die Themen von Thilo SARRAZIN vorwegnahm, schrieb single-generation.de, dass nun die in den 1970er Jahren geborenen geburtenschwachen Jahrgänge ins Visier geraten. Denen wurde von Demografen wie Jürgen DORBRITZ prognostiziert, dass sie zu einem Drittel kinderlos bleiben könnten. Die Meldung des Statistischen Bundesamtes kokettiert mit diesem Schreckensszenario:

"Der Übergang zum Leben mit Kind fand im Jahr 2009 schwerpunktmäßig bei den Frauen zwischen 27 und 34 Jahren statt (Jahrgänge 1975 bis 1982); die meisten ersten Geburten entfielen dabei auf die jüngeren Frauen dieser Jahrgänge. Dennoch waren die 27- bis 34-jährigen Frauen Ende 2009 immer noch fast zur Hälfte (48%) kinderlos: Bei den 34-jährigen Frauen waren es noch 34%, bei den 27-jährigen sogar 70%."

Was vor 10 Jahren der Jahrgang 1965 war, das ist nun der Jahrgang 1975. Wiederholen sich nun also die alten Debatten wieder? Oder haben wir aus der Tatsache, dass bei der Generation Golf lange Zeit der Anteil der Spätgebärenden, also der über 34 Jährigen unterschätzt wurde, gelernt?
Aufgrund der Zunahme der Akademikerinnen und der weiteren Verschiebung von Erstgeburten dürften auch die in den 1970er Jahren wieder ähnliche Geburtenraten wie die Mitte der 1960er Geborenen erreichen. Und noch immer gilt: kein einziger Frauenjahrgang hat bislang die Geburtenrate von 1,3 erreicht, die gerne in den Medien verbreitet wird.

Die Debatte um den Geburtenrückgang könnte durch einen aktuellen Artikel von Olga PÖTZSCH in der Oktoberausgabe der ehemaligen Zeitschrift für Bevölkerungspolitik (neu: Comparative Population Studies) neuen Zündstoff erhalten, denn die in den 1950er Jahren geborenen Frauenjahrgänge haben - im Gegensatz zur hysterisch geführten Debatte des letzten Jahrzehntes - nur eine minimal höhere Geburtenrate als die Mitte der 1960er Jahre Geborenen erzielt: Der prominente Frauenjahrgang 1965 hat eine Geburtenrate von ca. 1,5 erzielt, während die 1955 Geborenen gerade einmal auf 1,6 kommen (siehe Tabelle 3, S.183). Es gibt in Deutschland bislang keinen einzigen Frauenjahrgang, der am Ende seiner reproduktiven Phase eine Geburtenrate von 1,3 erzielt hätte. Jene Zahl also, auf die sich die hysterische deutsche Debatte bezieht.

SEEGERS, Armgard (2010): Den Deutschen geht der Nachwuchs aus.
Wichtigster Vorsatz kinderloser Männer unter 45 müsste es sein, endlich Vater zu werden. Denn der mangelnde Nachwuchs liegt vor allem an ihnen,
in: Hamburger Abendblatt v. 28.12.

2011

CHRISTMANN, Karin (2011): Alles Hedonistinnen.
Kinderlosigkeit: Eine neue Front im Demografiekonflikt verläuft mitten durchs heimische Doppelbett: Männer wünschen sich häufiger Kinder als Frauen. Als Verbündeter bleibt der kinderlosen Frau nur einer - ihr Chef,
in:
Tagesspiegel v. 15.02.

KÖRTNER, Ulrich H. J. (2011): Wunsch Kind.
Kinderlosigkeit: eine "Krankheit"? Befruchtung jenseits des Klimakteriums: nur ein Fall für die "Life-Style-Medizin"? Überhaupt, wie weit darf der Kinderwunsch gehen? Stößt er lediglich an technische Hürden, oder gibt es auch ethische Grenzen, die durch Gesetze zu schützen sind? Versuch einer Klärung,
in:
Die Presse v. 19.02.

HUBER, Nicole (2011): Kinderfrei: oder warum Menschen ohne Kinder keine Sozialschmarotzer sind, Herbig Verlag

Kinderfrei

"Die deutsche Gesellschaft ist im Großen und Ganzen freiheitlich und tolerant. Nur im Umgang mit Menschen, die keine Kinder haben wollen, hat sie ein Problem. Die Verweigerung gilt als Provokation pur. Denn wer, bitteschön, soll die Rentenkassen füllen, wenn wir uns im Alter zur wohlverdienten Ruhe setzen wollen, wer soll mit seinen Beiträgen das Gesundheitssystem am Laufen halten und wer die deutsche Kultur am Leben? Um den Kollaps abzuwenden, müssen also Kinder her. Und damit die Lust, Eltern zu werden, steigt, werden unermüdlich staatlich finanzierte Anreizmodelle ersonnen, die das Kinderkriegen schmackhaft machen sollen. Das Nachsehen haben die Kinderlosen bzw. Kinderfreien. Sie büßen steuerlich für die nicht erbrachte Leistung und werden vom Rest der Gesellschaft gerne als egoistische Konsumjunkies gebrandmarkt.

Zu Unrecht, wie Nicole Huber meint. Mit Verve und Scharfsinn hinterfragt sie diese Anti-Kinderlos-Haltung kritisch, offenbart Widersprüchlichkeiten herrlichster Natur und verweist dabei auch auf eine Tatsache, die nicht zu leugnen ist: dass die Menschheit den Planeten Erde an die Grenzen seiner Tragfähigkeit gebracht hat. Gebot der Stunde sollte sein, die nationalen Interessen hintanzustellen, die verkrustete umlagefinanzierte Systemlogik zu überdenken und Mäßigung zu leben. Jedes Kind, das nicht gezeugt wird, ermöglicht einem bereits geborenen ein besseres Leben. Ein feurig-sarkastischen Plädoyer für Kinderfreiheit, das zum Nachdenken anregt.
"
(Klappentext)

WEBER, Christian (2011): Der Mythos vom Elternglück.
Kinder nerven und kosten Geld - trotzdem reden Väter und Mütter sich ein, dass Nachwuchs das Leben bereichert,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.03.

In Zeiten des Rückgangs des Kinderwunsches war vor gar nicht langer Zeit öfter die Rede von der Niedrigfertilitätsfalle und einer Kultur der Kinderlosigkeit:

"Eine mögliche Erklärung für diese jüngste Abnahme des Kinderwunsches in Österreich und in den anderen deutschsprachigen Ländern kann die so genannte »Low Fertility Trap Hypothese« bieten. Diese am Wiener Institut für Demographie der ÖAW und dem Internationalen Institut für angewandte Systemforschung (IIASA) in Laxenburg entwickelte Hypothese besagt, dass der Kinderwunsch junger Menschen durch die Zahl der Kinder, die sie in ihrer Umgebung und den Medien erleben und sehen, beeinflusst wird. Erleben sie nur wenige Erwachsene mit Kindern, so spielen auch Kinder für ihre eigenen Lebensziele eine geringere Rolle. Es entwickelt sich eine Kultur der geringen Kinderzahl bzw. Kinderlosigkeit."

Christian WEBER stellt nun - im Einklang mit der Ausrufung wieder steigender Kinderwünsche - ein Experiment kanadischer Psychologen vor, das den gegenteiligen Effekt zur Niedrigfertilitätsfalle bewirken soll. Wenn die Kinderkosten als hoch wahrgenommen werden, müssen Eltern ihre Elternschaft idealisieren. Diese Idealisierung wiederum solle kinderlose Paare zum Kinderkriegen motivieren.
            
Während die Annahme einer Niedrigfertilitätsfalle auf wenig plausiblen makrodemografischen Spekulationen beruht, entstammt letztere Annahme Experimenten, die zwar Korrelationen ermitteln können, aber keine Kausalitäten. Eine politische Erklärung, die dem Klima unserer Gesellschaft eher entspricht, wäre dagegen: Das Feindbild Single/Kinderloser dient als Identitätsstabilsator für unzufriedene Eltern. Eine Motivation für Kinderlose, sich Nachwuchs zuzulegen ist das nicht. Auch das Medienbild der Prenzlauer-Berg-Eltern ist hinsichtlich der Attraktivität des Kinderkriegens eher ambivalent. Hinzu kommt, dass Elternschaft  heutzutage eher in Special Interest-Magazinen wie Nido zelebriert wird, die Kinderlose gar nicht erst ansprechen. Es stellt sich dann die Frage: Wie wird aus einem Neon- ein Nido-Leser.

SEELIGER, Julia (2011): Verordnete Kinderlosigkeit.
Familienpolitik: Kristina Schröder möchte "ungewollt kinderlosen Paaren" helfen. Doch wer nicht der Norm "heterosexuelle Zweierbeziehung" entspricht, bleibt außen vor,
in: TAZ v. 11.05.

HUBER, Stephanie (2011): Das lange Warten auf ein Kind.
Jedes siebte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Eine künstliche Befruchtung ist für sie oft der einzige Ausweg. Doch nicht bei allen zeigt eine solche Behandlung auch Erfolg. Zwei Erfahrungsberichte,
in: faz.net v. 17.05.

FRANK, Charlotte (2011): Der Preis der Kinderlosen.
Dass ein Mensch mit Segelohren psychisch mehr leiden soll als einer mit unerfülltem Kinderwunsch, klingt wie Hohn. Einerseits. Doch andererseits ist Kinderlosigkeit oft auch ein selbstgewähltes Schicksal. Warum es zweifelhaft ist, wenn sich der Staat an den Kosten künstlicher Befruchtung beteiligt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.05.

Kinderlose Frauen sind in der Familienpolitik lediglich die Verhandlungsmasse im Kampf um den einzig richtigen Lebensstil, den die Politik vorschreiben soll. Charlotte FRANK kritisiert eine geplante umfangreichere Bezahlung von künstlichen Befruchtungen durch die Krankenkassen aus rein taktischen Gründen. Es sind zwei Argumente, die FRANK vorbringt:

"In den vergangenen Jahren waren regelmäßig nicht einmal ein Viertel der Frauen, die eine künstliche Befruchtung vornehmen ließen, jünger als 31 - mehr als ein Drittel war älter als 35."

Dahinter steckt die Vorstellung, dass Frauen ihre Kinder möglichst schon während ihrer Ausbildung bekommen sollen. Dadurch wären nach dieser Vorstellung viele reproduktionsmedizinische Behandlungen überflüssig. Andererseits wären manche dieser  Behandlungen aber auch überflüssig, wenn Kinderlosigkeit ein gesellschaftlich anerkanntes Verhalten wäre. Aber nicht nur für die SZ wäre das gleichbedeutend mit dem Untergang des Abendlandes.

Es geht FRANK nicht darum die Position von Müttern zu stärken, sondern nur diejenige von berufstätigen Müttern. Dies trägt sie auch auf dem Rücken von ungewollt Kinderlosen aus:

"Ist Kinderlosigkeit aber Folge der geringen gesellschaftlichen Akzeptanz berufstätiger Eltern, so ist sie nur bedingt als Krankheit anzusehen. Eher ist sie Folge des hohen Preises, den Eltern in Deutschland für Kinder zahlen müssen. Mit ihrer Familien- und Frauenpolitik hat Kristina Schröder bisher nicht allzu gut erkennen lassen, wie sie diesen Preis verringern will. Das lässt ihren jüngsten Plan in zweifelhaftem Licht dastehen."

Wer in Deutschland das Ideal der kinderreichen Karrierefrau durchsetzen will, der kann auf andere Lebensformen keine Rücksicht nehmen. Angesichts der familien- und bevölkerungspolitischen Situation in Deutschland sind "ungewollte" bzw. "gewollte" Kinderlosigkeit keine objektiven, sondern interessenpolitische Begriffe.

WILHELM, Klaus (2011): Kinder sind ein Quell der Freude - oder etwa nicht?
Das emotionale Wohlbefinden von Müttern und Vätern ist oft schlechter als das Kinderloser,
in: Psychologie Heute,
Juni

DORBRITZ, Jürgen (2011): Dimensionen der Kinderlosigkeit in Deutschland,
in: Bevölkerungsforschung Aktuell Nr.3, Juni

PASSET, Jasmin (2011): Kinderlosigkeit im Lebensverlauf: Wie wichtig ist das Lebensziel, Kinder zu bekommen, im Vergleich zu anderen Lebenszielen?
in: Bevölkerungsforschung Aktuell Nr.3, Juni

SCHAREIN, Manfred G. (2011): Der demografische Schluss: Kinderlose Akademikerinnen 0.3 - Wo war das Problem?
in: Bevölkerungsforschung Aktuell Nr.3, Juni

DÜCKERS, Tanja (2011): Ohne Kinder im Abseits.
Kinderwünsche sollen nach Ministerin Schröder nicht mehr an Geld und veralteten Bestimmungen scheitern. Über das neue Mutterbild und ungewollte Kinderlosigkeit,
in: ZEIT Online v. 03.06.

PAULUS, Jochen (2011): Das Paradox der Elternschaft.
Elternglück-Forschung: Die meisten Eltern sind davon überzeugt, dass ihre Kinder sie glücklich machen. Befragungsergebnisse zur Lebenszufriedenheit scheinen jedoch das Gegenteil zu zeigen. Forscher haben nun damit begonnen, dieses Rätsel zu lösen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 04.06.

Im aktuellen Heft der Zeitschrift Psychologie Heute berichtete Klaus WILHELM über eine Studie, wonach Kinderlose meist glücklicher sind als Eltern. Das darf natürlich in einer Gesellschaft, die Kinderlosigkeit als abweichendes Verhalten definiert, nicht sein, weshalb PAULUS nun in der FR das Gegenteil belegen möchte.

Die Glücksforschung ist jedoch nicht wertfrei, sondern im Kern hochgradig politisch. Dies zeigt die Argumentationsweise der beiden Autoren. WILHELM, der sich auf die Ergebnisse einer kanadischen Studie bezieht, argumentiert, dass Kinder ihren wirtschaftlichen Vorteil für Eltern verloren hätten, während gleichzeitig der emotionale Wert von Kindern in den Vordergrund rückte:

"Mütter und Väter (...) idealisieren ihr Elternglück, um das enorme Investment in ihren Nachwuchs innerlich zu rechtfertigen."

PAULUS wiederum hält dagegen, dass der deutsche Sozialstaat ausgleichend wirkt und deshalb Eltern in Deutschland relativ glücklich sind:

"Für marktwirtschaftliche Länder, in denen es mit dem Sozialstaat nicht weit her ist (dazu zählen etwa die USA) zeigt sich das gewohnte Bild: Je mehr Kinder, desto unglücklicher sind die Befragten. Für frühere sozialistische Staaten und Entwicklungsländer, wo die Verhältnisse noch rauer sind, gilt dies erst recht. Doch in Ländern wie Deutschland, Frankreich und der Schweiz, in denen Eltern eher auf die Unterstützung des Staates zählen können, ist es anders".

In der familien- und sozialpolitischen Debatte klingt das natürlich nochmals ganz anders.

KÄMMERLINGS, Richard (2011): Was der Erfolg von Kinderhasser-Büchern verrät.
In den 90er-Jahren war Elternschaft exotisch. In der Von-der-Leyen-Ära entkommen ihr nicht mal Kinderlose. Es herrscht Elternzeit für alle,
in: Welt Online v. 21.06.

Im Rückblick erscheinen die 1990er Jahre als das Jahrzehnt, in dem die Medien das Kinderthema entdeckten. In den 1990er Jahren dagegen klang das alles ganz anders, da schwadronierten Lifestyle-Soziologen über die Single-Gesellschaft (mehr hier).

STOKOWSKI, Margarete (2011): Nicht schwanger.
Mehrzweckwampe,
in: TAZ Berlin v. 06.08.

Eine Gesellschaft, in der Kinderlosigkeit als abweichendes Verhalten gebrandmarkt wird, fördert eher nicht den Kinderwunsch von Kinderlosen, sondern führt zu neuen Anpassungsleistungen von Kinderlosen wie das Beispiel Prenzlauer Berg zeigt.

WEGENER, Felix (2011): Nichtschwimmer, Ullstein Verlag

Nichtschwimmer

"Felix ist im besten Mannesalter, als er nach einem Besuch beim Urologen erfährt, dass seine Spermien nichts taugen. Eine Katastrophe, findet nicht nur er, sondern auch Sonja, seine Frau. Schließlich wünschen sich beide ein Kind. Sehr. Schnell. Mutig und wunderbar komisch schildert Felix, wie er seinem gar nicht so ungewöhnlichen Leiden auf den Grund geht. Er erzählt von seltsamen Therapien (Zink!), fruchtbaren Orten (Prag!) und seinem besten Freund mit dem gleichen Problem (Jörg!). Überhaupt scheint sein halber Freundeskreis plötzlich aus Männern mit mangelhaften Hoden zu bestehen ..."
(Klappentext)

BUJARD, Martin (2011): Familienpolitik und Geburtenrate. Ein internationaler Vergleich, Gutachten für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Familienpolitik und Geburtenrate

"Familienpolitische Maßnahmen werden in Deutschland und anderen OECD-Ländern zum Teil auch mit demografischen Argumenten begründet. Über den Einfluss von Familienpolitik auf die Geburtenrate gibt es wissenschaftlich widersprüchliche Positionen. Die vorliegende Expertise analysiert den Zusammenhang von Familienpolitik und Fertilität im internationalen Vergleich und versucht Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen."
(Klappentext)

Für einen nennenswerten und nachhaltigen Anstieg der Geburtenrate ist die Unterstützung der Familienerweiterung wichtiger als die Eindämmung der Kinderlosigkeit

"• Die Kinderlosigkeit ist in Ostdeutschland gering, in Westdeutschland liegt sie bei Frauen der Kohorte 1964-68 jedoch bei 21 Prozent (Statistisches Bundesamt 2009) – einem internationalen Spitzenwert. Dabei handelt es sich überwiegend um ungewollte Kinderlosigkeit, die häufig durch einen sukzessiven Aufschub des Kinderwunsches zu erklären ist. Eine Kombination aus Infrastruktur- und Zeitpolitik ist für den Übergang zum ersten Kind hilfreich.

• Einen Trend zur Ein-Kind-Familie ist besonders in Ostdeutschland, aber auch in Japan zu beobachten. In Westdeutschland überwiegt die Zwei-Kind-Familie (38,2% der Kohorte 1962–66). Der fehlende Übergang zum zweiten Kind kann auf Normen beruhen, auf ökonomischen Problemen, auf Trennungen der Eltern oder auf einer späten Geburt des ersten Kindes.

• Der Rückgang der Mehrkindfamilie trägt noch etwas stärker als die Kinderlosigkeit zu den niedrigen Geburten in Deutschland bei. Wenn hypothetisch die Hälfte der Kinderlosen zwei Kinder bekämen, läge die Geburtenrate statt bei 1,36 bei 1,57 und damit noch deutlich unter dem Bestandsniveau von 2,1. In allen Ländern und in allen Zeiten waren Geburtenraten um 2 mit einem hohen Anteil an Familien mit drei oder mehr Kindern verbunden. Sollte Familienpolitik einen Anstieg der Geburtenraten anstreben, ist eine Unterstützung der (potenziellen) Mehrkindfamilien besonders wichtig. Hier sind Geldleistungen besonders relevant, aber auch die Frage nach Wohnraum und einer stärkeren Berücksichtigung der Erziehungsleistungen in den Sozialversicherungen."
(2011, S.32)

SCHMOLLACK, Simone (2011): Schlichte Antwort auf die K-Frage.
Nicole Huber nimmt den "Familienfundamentalismus", wie sie es nennt, kritisch unter die Lupe und rechnet vor, was Kinderlose in die Staats- und Sozialkassen einzahlen müssen. Leider wartet sie auch mit Pauschalurteilen und Stammtischparolen auf,
in: DeutschlandRadio v. 25.09.

BILLERBECK, Liane von (2011): "Das Einzige, womit Frauen Karriere machen können, ist Kompetenz".
Sonja Bischoff: Mehr Frauen in Führungspositionen werden keinen Einfluss auf die Unternehmen haben ,
in: DeutschlandRadio v. 17.10.

Sonja BISCHOFF, Professorin für Betriebswirtschaft, widerspricht dem gängigen Vorurteil gegenüber Frauen in Führungspositionen "Erfolgreich, einsam, kinderlos":

"Und was das Thema Kinder angeht, kann ich auch nur feststellen: Die Quote der Frauen mit Kindern hat sich stetig erhöht seit 1986 von damals 38 Prozent bis heute über 50 Prozent und steigt auch mit höherer hierarchischer Ebene. Also, der Preis für den Aufstieg muss nicht unbedingt die Kinderlosigkeit sein."

BEITZER, Hannah/BERTH, Felix/REST, Tanja/ZIPS, Martin (2011): Schatz, wann kriegen wir Kinder?
Erst Karriere, dann Familie - oder beides? Theoretisch ist alles drin. Das ist ja das Drama. Deutschland schrumpft. Doch Demographen glauben, dass sich etwas ändern könnte: Dem Land der vielen Kinderlosen steht vielleicht die Trendwende bevor,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.11.

FRANK, Charlotte (2011): "Wie der Verlust eines nahen Angehörigen".
SZ-Tagesthema Wer soll künstliche Befruchtung zahlen?: Psychologe Tewes Wischmann über die seelischen Nöte von kinderlosen Paaren und das Vorurteil, sie seien an ihrem Schicksal selber schuld,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 29.11.

PHILOSOPHIE MAGAZIN-Dossier: Warum haben wir Kinder?
Auf der Suche nach guten Gründen

ELTCHANINOFF, Michel (2011): Der Wille zum Kind.
Durch die Fortschritte der Medizin ist es eine Frage der freien Wahl geworden, Kinder zu bekommen. Doch wie rational ist eine Entscheidung, die nach wie vor von hedonistischen Wünschen, gesellschaftlichen Zwängen und animalischen Trieben beeinflusst wird?
in: Philosophie Magazin, Nr.1

Bei einem Vergleich mit dem französischen Philosophie Magazine vom März 2009, in dem es um das gleiche Thema ging, wird klar, dass die deutschen Blattmacher wenig Mut zu Neuem haben. Im Gegensatz zum Original, in dem z.B. ein "Nachwuchsverweigerer" und eine Feministin, die ihre Meinung änderte, zur Kinderlosigkeit interviewt wurden, "rechtfertigt" in der  deutschen Variante ein Vater von Zwillingen die Kinderlosigkeit.

Wie wenig die von EILENBERGER vorgestellten Argumente alltagstauglich sind, weiß der Autor selbst, wenn er abschließend schreibt:

"die angedeuteten Argumente gegen Kinder (...) spielen selbst bei höchst reflektierten Zeitgenossen kaum eine Rolle, wenn es darum geht, gemeinsam mit dem Partner die folgenreichste Entscheidung des Lebens zu treffen."

Wozu also das Dossier? Wozu dieses Philosophie Magazin?

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 23. Januar 2016
Update: 24. Januar 2016