"Das Buch beschreibt Wahrnehmungs-,
Aktions- und Ausdrucksformen der «Neuen Sachlichkeit».
Diverse Attitüden in repräsentativen Erzähltexten werden
unter behavioristischem Aspekt dargestellt. Analogien
zwischen Dezsö Kosztolanyi, Joseph Roth, Erich Kästner und
Irmgard Keun liefern Indizien für den breiteren
Wirkungskreis der umstrittenen literarischen Strömung, die
im vorliegenden Werk nicht nur als «weimaranische Inzucht»
betrachtet wird. Kosztolanyi, bedeutender ungarischer
Schriftsteller der Zwischenkriegszeit, wird hier zum ersten
Mal im Zusammenhang mit deutschsprachigen Schriftstellern
besprochen."
Inhaltsverzeichnis
I.
Vorwort
0.
Einleitung
1. Neue
Sachlichkeit
1.1 Zum
Status und zur Legitimität des Begriffs
1.2 Stichwörter zur Neuen Sachlichkeit
1.3 Das Schicksal der Strömung Neue Sachlichkeit
2.
Allgemeine Tendenzen
II.
Analysen
0.
Vorbemerkungen zur Methode
1. Raum
2. Scham
3.
Rebellion
4.
Lebenskunst
4.1
Lebenskunst als Praxis
Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen, 1932
4.2
Lebenskunst als Euphemismus
Erich
Kästner: Fabian, 1931
4.2.1
Verbale Taktik
4.2.2 Platztausch zwischen Subjekt und Objekt
4.2.3 Exkurs: Senecas Anthropologie
4.2.4 Euphemismus
4.3
Lebenskunst als Inversion
III.
Menschenbild der Neuen Sachlichkeit
1.
Theorien über die Neue Sachlichkeit
1.1
Philosophischer Kontext
1.2 Behaviorismus und Schamkultur
1.3 Medientheorie der zwanziger Jahre
2.
Konklusionen
2.1
Darstellungsprinzipien
2.1.1.
Antipsychologismus
2.1.2. Homogenisierungstendenz
2.2
Anthropologischer Schluß
2.2.1
Binäre Ordnung der Welt
2.2.2. Binäre Struktur des Alltaglebens und der Psyche
3. Fazit
Zitate:
Allgemeine Tendenzen der Neuen Sachlichkeit
"Die
Fiktion überhaupt verlor an Boden. Der Dokumentarismus trat
in den Vordergrund. Ernst Jüngers Roman In Stahlgewittern
(1920) hat schon die Form eines Tagebuchs, obwohl er
stilistisch noch in vieler Hinsicht von der Avantgarde
geprägt ist. Viele Schriftsteller der literarischen Richtung
Neue Sachlichkeit arbeiten als Journalisten. Der
Reportagestil setzte sich auch in den belletristischen
Arbeiten durch. (...).
Eine andere nicht fiktive Gattung, der Essay, erlebte auch
seine produktive Hochphase. (...).
Auf das Zurücktreten der Fiktion weist auch die neue Blüte
des historischen Romans hin. (...).
Die Literatur der Neuen Sachlichkeit kultivierte vor allem
Gattungen, die ein breites Publikum konsumierte" (S.21)
Lebenskunst als Euphemismus
"Ironie
und Euphemismus sind verschiedene Erscheinungsformen der
zynischen Haltung, deren Ziel es ist, die immer wieder
aufstauenden sentimentalen Gefühle abzuwehren.
(...).
Ironie und Euphemismus funktionieren wie ein verbaler
Deckmantel, unter dem soziale, psychische und körperliche
Defizite gleichmäßig verborgen werden können: Beide
implizieren das schlichte Gegenteil einer sich als glücklich
gerierenden Gesellschaft, deren Mitglieder sich ohne diesen
verbalen Deckmantel als schwer geschädigt zu erkennen
geben." (S.227f.)