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Christopher Lasch: Das Zeitalter des Narzißmus

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1932 in Omaha (Neb) geboren
    • 1965 Buch "The New Radicalism in America"
    • 1969 Buch "The Agony of the American Left"
    • 1970 Professor für Geschichte an der Univesität in Rochester
    • 1977 Buch "Heaven in a Heartless World"
    • 1979 Buch "The Culture of Narcissism"
      (deutsch:
      "Das Zeitalter des Narzißmus")
    • 1985 Buch "The Minimal Self"
    • 1991 Buch "The True and Only Heaven"
    • 1994 Buch "The Revolt of the Elites and the Betrayal of Democracy"
      (deutsch: "Die blinde Elite. Macht ohne Verantwortung")

       
 
       
     
       
   

Christopher Lasch in seiner eigenen Schreibe

 
   

LASCH, Christopher (1966): Divorce and the Family in America,
in: The Atlantic Monthly H.5, November, S.57-61

 
       
   

Christopher Lasch: Porträts und Gespräche

 
   
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Das Zeitalter des Narzißmus (1995)
(Original: The Culture of Narcissism, USA 1979)
Hamburg: Hoffmann & Campe (vergriffen)

 
   
     
 

Zitate

Das Niedergangsszenario

"Das vorliegende Buch beschreibt (...) einen niedergehenden Lebensstil - die Kultur des vom Konkurrenzdenken geprägten Individualismus, die in ihrem Niedergang die Logik des Individualismus ins Extrem eines Krieges aller gegen alle getrieben und das Streben nach Glück in die Sackgasse einer narzißtischen Selbstbeschäftigung abgedrängt hat. Die narzißtischen Überlebensstrategien geben sich als Emanzipation von den repressiven Lebensbedingungen der Vergangenheit aus und verhelfen so einer  »Kulturrevolution« zur Entstehung, die die schlimmsten Eigenschaften eben der zerfallenden Kultur reproduziert, die sie zu kritisieren vorgibt." (S.14)

Alleinleben als Ausdruck der Bindungslosigkeit

"Persönliche Beziehungen sind aus mancherlei Gründen riskanter geworden - vor allem wohl deshalb, weil sie keine dauerhafte Sicherheit mehr bieten. Männer und Frauen stellen extravagante Ansprüche aneinander und erfahren irrationale Zorn- und Haßgefühle, wenn diese Ansprüche nicht erfüllt werden. So nimmt es nicht wunder, daß mehr und mehr Menschen Distanz zu ihren Gefühlen bewahren möchten (...).
Sexueller Separatismus ist nur eine von vielen Methoden, dem Gefühl zu entkommen. Viele ziehen als Fluchtweg Drogen vor (...). Andere nehmen es einfach auf sich, allein zu leben, und lehnen Beziehungen zu beiden Geschlechtern rundweg ab. Mehr und mehr Einpersonenhaushalte etablieren sich und beweisen zweifellos eine neue Vorliebe für persönliche Unabhängigkeit, zugleich dokumentieren sie die Abwehr enger emotionaler Bindungen aller Art." (S.282)

Die narzisstische Persönlichkeit und Generativität

"Da der Narzißt über besonders wenig innere Reserven verfügt, erwartet er von anderen eine Bestätigung seines Selbstwertgefühls. Er braucht Bewunderung für seine Schönheit, seine Anziehungskraft, seine Berühmtheit oder seine Macht - Attribute, die gewöhnlich im Laufe der Zeit dahinwelken. Er ist unfähig, in Liebe und Arbeit Befriedigung zu finden, und wird gewahr, daß ihm wenig bleibt, wenn die Jugend erst hinter ihm liegt. Er nimmt kein Interesse an der Zukunft und tut nichts, um sich den traditionellen Tröstungen des Alters zu versichern, deren wichtigste Überzeugung ist, sein Lebenswerk werde in einem bestimmten Sinne von den kommenden Generationen fortgesetzt. Liebe und Arbeit verbinden sich in der Sorge um die Nachwelt, vor allem im Bemühen, die jüngere Generation zur Weiterführung der Aufgaben der älteren zu rüsten. Der Gedanke, daß wir stellvertretend in unseren Kindern fortleben (und im weiteren Sinne in den kommenden Generationen), versöhnt uns damit, daß wir selbst beiseite treten müssen. Diese Hauptsorge des Alters ist noch quälender als Hinfälligkeit und Einsamkeit. Wenn sich das Band zwischen den Generationen zu lockern beginnt, werden diese Tröstungen hinfällig.
Die Ausprägung der narzißtischen Persönlichkeit spiegelt unter anderem auch einen drastischen Wandel unseres Geschichtsbewußtseins wider. Der Narzißmus als Charakterstruktur ist typisch für eine Gesellschaft, die jedes Interesse an der Zukunft verloren hat. Psychiater, die einem Elternpaar raten, sich nicht in seinen Kindern zu verwirklichen; verheiratete Paare, die Elternschaft ablehnen oder verschieben, oft aus guten - praktischen - Gründen; Gesellschaftsreformer, die für ein Nullwachstum der Bevölkerung plädieren: alle bezeugen sie eine universelle Unsicherheit hinsichtlich der Reproduktion, den weitverbreiteten Zweifel, ob sich unsere Gesellschaft überhaupt reproduzieren solle. Unter diesen Bedingungen wird der Gedanke an unser eines Tages Abtreten und an unseren Tod absolut unerträglich und führt zu dem Versuch, das Alter überhaupt abzuschaffen und das Leben unbegrenzt zu verlängern. Wenn die Menschen sich außerstande sehen, Interesse für das Leben auf Erden nach ihrem eigenen Tode aufzubringen, trachten sie nach ewiger Jugend. Deshalb machen sie sich auch keine Sorgen um die Fortpflanzung ihrer Art. Wen die Perspektive der Ablösung durch die nächste Generation - die natürliche Folge der Elternschaft - unerträglich wird, so nimmt Elternschaft fast die Form einer Selbstzerstörung an. In Lisa Alters Kinflicks erklärt ein junger Mann, daß er keine Kinder haben wolle: »Mir kommt die Welt immer wie eine Bühne vor... Und jedes Kind, das ich hätte, wäre doch nur ein verdammter junger Schauspieler, der darauf brennt, mich ganz von der Bühne zu drängen, der aufpaßt und darauf wartet, mich zu beerdigen, damit er im Mittelpunkt des Bühnengeschehens stehen kann.«"(S.296f.)

Kritik an den neuen Eliten

"Der Unterschied zwischen der neuen Managerelite und der alten Besitzelite definiert (...) den Unterschied zwischen dem bürgerlichen Zeitalter, das heute nur noch an der Peripherie der Industriegesellschaft überlebt, und dem neuen therapeutischen Zeitalter des Narzißmus." (S.307)

Die neue Elite, die sich von den Prinzipien der alten Bourgeoisie lossagt, identifiziert sich nicht mehr mit dem Ethos der Arbeit und der Verantwortung für erarbeiteten Wohlstand, sondern mit einer Weltanschauung, die Hedonismus und Selbsterfüllung als höchste Werte erkennt. Zwar verwaltet sie weiterhin die amerikanischen Institutionen im Interesse des Privateigentums (Unternehmenseigentum im Gegensatz zu Unternehmereigentum), aber sie ersetzt Charakterbildung durch Permissivität, Trost für die Seele durch Behandlung der Psyche, blinde Gerechtigkeit durch eine therapeutische Justiz, Philosophie durch Sozialwissenschaft und die Autorität eines einzelnen durch die ähnlich irrationale Autorität der professionellen Experten." (S.310f.)  

 
     
 
       
   
  • Rezensionen

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Das Zeitalter des Narzissmus in der Debatte

ALTMEYER, Martin (2000): Den Betrachter insgeheim betrachten.
Das Selbst im Spiegel des Anderen - eine Neuinterpretation des Narzissmus,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.12.

ALTMEYER gibt einen Überblick über die Verwendungsweisen des Narzissmusbegriffs seit den 70er Jahren.
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DEGEN, Rolf (2001): Selbstverliebte sind die schlechteren Lover.
Die Neigung zur eigenen Person überträgt sich nicht auf andere,
in: Tagesspiegel v. 06.11.

DEGEN interpretiert das psychoanalytische Konzept "Narzissmus" im Sinne des sozialpsychologischen Konzepts "Selbstwert", um daraus zu folgern, dass die narzisstische Selbstliebe keine Steigerung der Liebesfähigkeit, sondern zunehmende Gewalt zur Folge hat. Dies passt zum gegenwärtigen Zeitgeist, der das Etikett "Narzissmus" zu dämonisieren versucht. Deshalb ist es nicht verkehrt, wenn man einen Artikel von Thomas ZIEHE aus dem Jahr 1978 heranzieht, denn die damalige historische Situation trägt durchaus vergleichbare Züge zur heutigen Situation. In dem Essay Warum sich mir die Feder sträubt. Bedenken über den Zusammenhang Neue Lebensformen - Neuer Sozialisationstyp wehrt sich der Erfinder des Terminus "Neuer Sozialisationstyp" gegen die Vereinnahmung seiner Narzissmus-These:

"Ich frage mich (...) warum wir so begierig sind, die Diskussion über Subjektivität zu führen. Sicherlich nicht nur aus intellektueller Redlichkeit (...). Ich glaube schon, daß in der Beschäftigung mit solcher Thematik eigene, exhibitionistisch aufgeblähte oder intim verborgene Emanzipationshoffnungen miteingehen. Wenn man schon Intellektueller ist und soviel am Schreibtisch sitzen muß - dann wenigstens 'über die Wünsche' schreiben. Nur, was ist, wenn sich dieses Schreiben über die Wünsche als derart absorbierend herausstellt, daß man nicht einmal den (theoretisch als arg zugerichtet erkannten) höchsteigenen Bedürfnissen nachzukommen vermag? Man wird traurig. Und einige werden rachsüchtig.
Bezogen auf die Narzißmus-Diskussion heißt das meines Erachtens: Die nicht mehr ganz so jungen Linken (und von denen, die veröffentlichen, dürften fast alle dazu zählen) sollten gewahr werden, daß sie sich in der begrifflichen Erarbeitung der Sehnsucht nach Symbiose, des 'ozeanischen Gefühls', der idealisierenden Spiegelung brisanten Tiefendimensionen des eigenen arbeitsamen und damit irgendwie entsagungsreichen Lebens nähern. Sollte mancher von der Angst beschlichen werden, je älter er würde, desto weiter entferne er sich von den Regressionsmöglichkeiten in die narzißtischen Geborgenheiten, so lasse er dies bitteschön nicht an den Jüngeren aus.
Ich schreibe dies in der Sorge, die Rede vom Neuen Sozialisationstyp könne zum schillernden Instrument reduziert werden: einerseits fasziniert die Narzißmus-Dimension vor dem Hintergrund eigener Hoffnungen und -erinnerungen, andererseits kriegt der Jüngere, der 'NST', einen drüber, daß es so ja nun auch nicht ginge.
Die These über den Neuen Sozialisationstyp will narzißtische Motivstrukturen, Leidensdimensionen und Modi von Objektbeziehungen verstehbar machen (...). Die These will nicht diskriminieren und schon gar nicht eine neue Folie für die immerwährende Klage der Älterwerdenden abgeben, daß die Jugend nicht mehr so sei, wie man selbst meint, gewesen zu sein." (aus: Ästhetik und Kommunikation. Neue Lebensformen - Wunsch und Praxis, Dezember 1978, S.49-54).

DÜCKERS, Tanja (2002): Stil und Styling.
Der Literaturbetrieb fördert und fordert den narzisstischen Autor. Was passiert mit all den Jungschriftstellern, wenn das Young-and-Pretty-Image bröckelt?,
in: Jungle World Nr.12 v. 13.03.

Tanja DÜCKERS berichtet über den Zusammenhang zwischen der narzisstischen Persönlichkeit und dem Phänomen der Popliteraten der Generation Golf. Der Soziologe Ulrich BECK hat Mitte der 1980er Jahre den Individualisierungsbegriff als Kampfbegriff in Abgrenzung zum Narzissmusbegriff von Christopher LASCH ("Zeitalter des Narzißmus") in die Debatte um die Single-Gesellschaft eingeführt. Tanja DÜCKERS geht in ihrer Analyse hinter BECK zurück und knüpft an Überlegungen von Christopher LASCH an.

Neu:
FRANCK, Georg (2003): Mentaler Kapitalismus,
in: Merkur, Januar

Georg FRANCK verknüpft die "Ökonomie der Aufmerksamkeit" mit Christopher LASCHs kulturpessimistischer "Kultur des Narzißmus" zum mentalen Kapitalismus:

"Den Königsweg der Sachen und Zeichen ins subjektive Erleben stellt das Versprechen dar, daß ihr Konsum die Person unwiderstehlich macht. Es versteht sich, daß in einer Gesellschaft, in der das Einkommen an Aufmerksamkeit in den Vordergrund rückt, der Konsum im Sog der Selbstwertschätzung steht. Konsum im Sog der Selbstwertschätzung bedeutet, daß das Konsumieren zur Arbeit an der Attraktivität der Person wird. Diese Arbeit eröffnet der Werbung (...) die Rolle einer Lebensberatung in Sachen Attraktivität. (...). Der Kult um die Attraktivität der eigenen Person ist das, was der Sozialpsychologe Christopher LASCH als die Kultur des Narzißmus beschreibt."

 
   

Bücher über Narzissmus auf single-generation.de

Hans-Joachim Maaz - Die narzisstische Gesellschaft

 
   

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Update: 25. Oktober 2013