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Colson Whitehead: John Henry Days & Der letzte Sommer auf Long Island

 
       
     
       
     
       
   

Colson Whitehead in seiner eigenen Schreibe

 
   

WHITEHEAD, Colson (2004): Willkommen in der Unterwelt.
Vielleicht bist du gestorben, ohne es zu merken. Dann kommst du plötzlich an und musst noch mal fürs Umsteigen bezahlen - Eine Fahrt mit der New Yorker U-Bahn,
in: Welt v. 22.05.

 
       
   

Colson Whitehead: Porträts und Gespräche

 
   
  • WEIDERMANN, Volker (2004): Spesen! Spesen! Seid's gewesen!
    Colson Whitehead erzählt in "John Henry Days" alte Heldengeschichten in neuer Zeit,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.02.

 
       
   

Der letzte Sommer auf Long Island (2011)
München: Hanser Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Jeden Sommer trifft sich auf dem Ferienparadies Long Island die New Yorker Mittelschicht. Wenn Benji und seine Freunde in der afroamerikanischen "Enklave" der Insel eintreffen, werden die neuen Klamotten, der neue Jargon, die neuen Songs diskutiert. Voll Wärme und Komik schildert Colson Whitehead einen ganzen Katalog der Kultur der achtziger Jahre, die Regeln und Riten der Gesellschaft und die Unschuld des Erwachsenwerdens. Sein stimmungsvoller Roman ist eine Liebeserklärung an einen paradiesischen Ort in Amerika - und zugleich ein präzises Porträt der schwarzen Mittelschichtjugend."

 
     
 
       
   

Rezensionen

ZARBACH, Julia (2011): Jede Geschichte und Gasse der Sag-Harbor-Galaxie.
In einem Coming-of-Age-Roman erzählt Colson Whitehead von der schwarzen Besiedlung der Ferienkolonien auf Long Island,
in: Falter Nr.10 v. 09.03.

KAMALZADEH, Dominik (2011): Die Rebellen der Strandhäuser.
Aufwachsen in den 1980er-Jahren: Colson Whiteheads Roman "Der letzte Sommer auf Long Island",
in: Der Standard v. 15.03.

Neu:
MESSMER, Susanne (2011): Mit Grandmaster Flash im Ferienidyll.
Cosby-Familie: Die Generation Obama macht ein neues Fass auf: "Letzter Sommer auf Long Island" von Colson Whitehead ,
in: TAZ v. 17.03.

 
       
   

John Henry Days (2004)
München: Hanser Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"John Henry, der Mann mit dem Hammer in der Hand, ist der Held unzähliger Volkslieder und Balladen, ein amerikanischer Gründungsmythos und ein ehemaliger Sklave. Im Wettstreit mit einer Bohrmaschine siegt der schwarze Tunnelarbeiter, doch bezahlt er diesen Triumph mit dem Leben – das behauptet zumindest die Legende. Mehr als hundert Jahre später wird ihm zu Ehren in einem Kaff in West Virginia ein Festival gefeiert und eine neue Briefmarke ausgegeben. Eine ganze Horde von Journalisten trifft ein, und der einzige Schwarze unter ihnen, J. Sutter, ist dabei, einen neuen Rekord im Spesenrittertum aufzustellen. Ihm ist nicht wohl in dem einstigen Sklavenstaat, und auch deshalb freundet er sich an mit einer jungen New Yorkerin, die die John-Henry-Devotionalien ihres Vaters loswerden will. Daß der Mann, der ihm gleich am ersten Abend vor dem Tod rettet, nicht der harmlose Briefmarkensammler ist, als der er sich ausgibt – das wird J. vielleicht nie erfahren."

Pressestimmen

"Colson Whitehead parallelisiert den Rausch der Industrialisierung, als das Transportwesen an Bedeutung gewann und in mörderischem Tempo quer über den Kontinent Eisenbahnlinien gebaut wurden, mit der Interneteuphorie der Neunzigerjahre und krönt sein Buch mit einer beißenden Mediensatire.
(...).
Nebenbei liefert Whitehead einen Abriss der Musikgeschichte und entpuppt sich auch hier als ein Ethnologe des Pop: ob ein Komponist, der Stückware liefert, ein Bluessänger während einer Plattenaufnahme oder ein Musicalstar – jeder bekommt seine Geschichte. Der rebellierende Gestus, der die populäre Kultur zu Beginn oft noch auszeichnet, wird spätestens bei den Rolling Stones zur Pose."
(Maike Albarth im Tagesspiegel vom 05.02.2004)

"Colson Whitehead ist ein Renegat des Pop, den er als »die Maschine« beschreibt, »das Ding, das uns verschlingen will«. Der Sohn einer sechsköpfigen Mittelstandsfamilie aus Manhattan und Harvard-Absolvent ist - »für beschissene Websites«, »für einen Dollar pro Wort« - mit der Flut neu erscheinender Filme, Platten, Bücher geschwommen, hat für »The Village Voice« zwei Jahre lang professionell fern gesehen und ist heute - wie seine Figur J. Sutter - der willkommene Verräter am Pop. Seine Geschichten, die er stets konsequent auf ihren Überdrehmoment zuschreibt, sind voll jener Maschinen, die uns das Leben erleichtern und gelegentlich unmöglich machen. Wie kein anderer Schriftsteller kann Whitehead über Spülmaschinen, Fahrstühle, Anrufbeantworter schreiben und über die Überlebensstrategien jener (das heißt: aller), die keine andere Wahl haben, als mit ihnen und gegen sie zu (über)leben."
(Wieland Freund in der Welt vom 11.02.2004)

"Das moderne Pendant, das Whitehead John Henry entgegensetzt, ist der schwarze Journalist und Spesenritter J. Sutter. Der kämpft einen ganz unheroischen Kampf. Er will den Rekord eines Kollegen schlagen, und sich mehr als drei Monate lang nur von den Gratisbuffets der Pressetermine ernähren. (...).
Whitehead kennt diesen Bodensatz der Medienindustrie aus der Zeit, als er bei der New Yorker Wochenzeitung Village Voice als Fernsehkritiker gearbeitet, und für Popzeitschriften wie Vibe und Spin geschrieben hat. Vergleichsweise luxuriöse Jobs, mit denen er sich nicht allzu tief in die Niederungen bezahlter Pressereisen und –termine begeben musste. Trotzdem gehört er zu genau jener Generation der Autoren, die als Plattenkritiker beginnen und nur zu oft als so genannte »Junketeers« enden – freischaffende Spesenritter ohne Inhalt und Perspektive. Manche von ihnen schaffen es vielleicht, ihre Stilparameter mit Moral und Psychologie zu kurzweiliger Popliteratur zu veredeln."
(Andrian Kreye in der Süddeutschen Zeitung vom 13.02.2004)

 
     
 
       
   

Rezensionen

PECK, Dale (2001): The Power of Myth,
in: Village Voice, Mai

FRANZEN, Jonathan (2001): "Freeloading Man",
in: New York Times Book Review v. 14.05.

Infos zu: Jonathan Franzen - Autor der Single-Generation

ALBATH, Maike (2004): Der Pop frisst seine Kinder.
US-Erfolgsschriftsteller Colson Whitehead geht dem Mythos vom schwarzen Helden auf den Grund,
in: Tagesspiegel v. 05.02.

FREUND, Wieland (2004): Willkommener Verräter am Pop.
Der alte, neue Literaturstar nach Franzen & Co: US-Schriftsteller Colson Whitehead und sein tollkühner Roman "John Henry Days",
in: Welt v. 11.02.

Infos zu: Wieland Freund - Autor der Generation Golf 

KREYE, Andrian (2004): Große Legende, Short Cuts.
Mann gegen Dampfhammer: Heute erscheint Colson Whiteheads Roman "John Henry Days",
in: Süddeutsche Zeitung v. 13.02.

Andrian KREYE lobt Colson WHITEHEADs Roman, in dem der schwarze Volksheld des Industriezeitalters einem modernen Helden der New Economy gegenüber gestellt wird:

"Das moderne Pendant, das Whitehead John Henry entgegensetzt, ist der schwarze Journalist und Spesenritter J. Sutter. Der kämpft einen ganz unheroischen Kampf. Er will den Rekord eines Kollegen schlagen, und sich mehr als drei Monate lang nur von den Gratisbuffets der Pressetermine ernähren. (...).
Whitehead kennt diesen Bodensatz der Medienindustrie aus der Zeit, als er bei der New Yorker Wochenzeitung
Village Voice als Fernsehkritiker gearbeitet, und für Popzeitschriften wie Vibe und Spin geschrieben hat. Vergleichsweise luxuriöse Jobs, mit denen er sich nicht allzu tief in die Niederungen bezahlter Pressereisen und –termine begeben musste. Trotzdem gehört er zu genau jener Generation der Autoren, die als Plattenkritiker beginnen und nur zu oft als so genannte »Junketeers« enden – freischaffende Spesenritter ohne Inhalt und Perspektive. Manche von ihnen schaffen es vielleicht, ihre Stilparameter mit Moral und Psychologie zu kurzweiliger Popliteratur zu veredeln."

FREUND, Wieland (2004): Gegen den Dampfhammer.
Colson Whitehead singt in seinem Roman "John Henry Days" die grandiose Ballade vom richtigen Leben,
in: Welt v. 14.02.

"Es ist 1996, die New Economy boomt, und das Jüngste Gericht des J. Sutter ist eine Travelwebsite. J. ist freiberuflicher Journalist und »Spesenritter«, ein Mann für beliebige Inhalte, der im Dienste wechselnder Auftraggeber »Jubelprosa« schreibt, den »Hintergrundhype« der Welt seit Gutenberg. Es rauscht.
J. und seinesgleichen haben das Wesen des Hypes längst erfasst. Ihre Geschichten sortieren sie nach den ehernen Gesetzen des Neuen, der Nachricht. Ihre Unterscheidungen sind dabei rein formal und genau deshalb allgemeingültig anwendbar: J. und Kollegen schreiben über Bobs Durchbruch, Bobs Comeback oder Bobs anhaltende Hipness, wobei Bob Mensch, Produkt oder Idee sein kann, eine Band, ein Barbiturat, eine bunt bedruckte Briefmarke wie im auserzählten Fall",

erläutert der Anti-Popper Wieland FREUND zum gerade erschienenen Roman John Henry Days von Colson WHITEHEAD und stellt auch gleich die Systemfrage:

"Vor dem Hintergrund der Ballade von John Henry bietet Colson Whitehead dem Leser die Ballade von J. an. Sie erzählt vom Versuch der Selbstbehauptung eines Menschen in der Popkultur.
Aufschreibesystemtheoretiker aus der Schule Friedrich Kittlers werden ihre helle Freude daran haben, wie Colson Whitehead sich in den historischen Passagen seines Romans am Mythos John Henry abarbeitet. Er erklärt diesen Mythos zum Produkt derer, die ihn fortschreiben, als Zeugnis ihrer Nöte und Ängste.
Bis in die Anfänge der Industriegeschichte populärer Musik wird der Leser so geführt, lernt Sänger und Komponisten kennen, die ihre Variante der Ballade von John Henry auf Notenpapier, im Räderwerk des mechanischen Klaviers, auf Wachs oder Vinyl sehen wollen. (...).
So erfährt der Leser von einem Veteranen der Jubelprosa, dass sogar die Flower Power-Bewegung ihren John Henry hatte. Für ein Konzert auf dem Altamont Speedway anno 1969 hatten die Rolling Stones die Hell's Angels als Ordner engagiert. In der Nacht ermorden die Angels einen schwarzen Konzertbesucher. »Wer weint um die verlorene Gegenkultur?«
Der Rest ist Frage. Wie frei ist der Einzelne, verstrickt in die Verhältnisse? Wer hat denn eine Wahl? Kann man, kurzum, der Popkultur entkommen, die nicht besser ist als andere Kulturen auch?"

BLANK, Gunter (2004): Triumph über die Dampframme.
Mythen, Opfer, Heldentaten: Colson Whitehead reitet virtuos durch die US-Geschichte,
in: SonntagsZeitung v. 15.02.

Neu:
FÖRSTER, Jochen (2004): Die Erkaltung der Welt.
Oder das Ende der Pop-Rebellion: Der junge, smarte und schon jetzt viel umjubelte amerikanische Autor Colson Whitehead und sein wuchtiger Angeber- und Durchblickerroman "John Henry Days"
in: TAZ v. 16.02.

FÖRSTER - zum Zweiten - positioniert diesmal die taz - im Einklang mit dem Spiegel und im Gegensatz zur Welt etc im neuesten Pop-Spektakel. War Jonathan FRANZEN mit Die Korrekturen der Liebling des Mitte-Zeitgeistfeuilleton, so wird nun an Colson WHITEHEADs Roman John Henry Days ein Exempel statuiert. Pop-Sein oder Nicht-Pop-sein, das ist hier die Durchblicker-Frage:

"Wenn nicht alles täuscht, wird Wunderkind Whitehead der Franzen dieser Saison.
Genau wie sein Roman ist der Autor Colson Whitehead einer, gegen den man schwer was haben kann. Ein hoch kultivierter Afroamerikaner, Harvard-Studium, ehrgeizig, nachdenklich,
HipHop-sozialisiert, in Brooklyn lebend, mit Berufserfahrung als Popredakteur beim New Yorker Stadtmagazin Village Voice und mit viel Verständnis für Slacker. Den Spaziergang durch Berlin-Prenzlauer Berg absolviert er wie einer, der hier zu Hause ist. (...). Eigentlich sehnt er sich nach Hause. Seine Frau weiß seit wenigen Tagen, dass sie schwanger ist, ihr erstes Kind. Zu Hause, da sei das Leben heimelig: Fernsehen, spazieren gehen, das sind so seine Hobbys, sonst macht er kaum was. Ein Rastafari im Pyjama
"

Puh. Welch ein popkultureller Fehler! Heute noch Verständnis für Slacker. Das sind doch diese Arbeitsscheuen, denen SCHRÖDER jetzt endlich kräftig einheizt. Zweiter popkultureller Fehler: Seine schwangere Frau lässt man nicht allein zuhause, sondern präsentiert sie heutzutage als Popmutter. Und Pyjamas sind nur bei Matthias HEINE Ausdruck des gereiften Mannes!
        
  Was weiß Jochen FÖRSTER sonst noch?

"Whitehead ist, keine Frage, ein linker Autor, und wenn man ihm etwas nicht vorwerfen kann, dann die Relevanz des Themas (...).
Was man Whitehead sehr wohl vorwerfen kann, ist die massive Eitelkeit seiner Perspektive. Im Grunde ist
»John Henry Days« wie
»Die Korrekturen« und »Middlesex« ein Angeberroman. Der Duktus ist der des Durchschauenden, zugleich Unbeteiligten, des "Ich kann euch auch nicht helfen"-Intellektuellen. Handeln ist keine Option. Folglich endet das Kapitel über J. und die PR-Frau Monica mit einer Kriegsvision (...).
Man kann es auch umgekehrt sagen: "John Henry Days" liest sich wie das Werk eines hoffnungslos in sich selbst verliebten, politisch korrekten
Strebers. Jede Art Thomas-Bernhardscher Wut geht ihm ab. Trübe Diagnose, keine Gegenwehr, nirgends. Lieber noch eine Erzählpirouette. Und noch eine, wie T. C. Boyle in seinen creative-writing-haftesten Zeilen. Whitehead schreibt Bücher für Air-Hörer. (...).
Das Interessanteste an dieser Art Literatur ist ihre Rezeption. Schon bei Franzen und Eugenides war das so. (...).
Dass sich
niemand (Anm.: also single-generation.de!) darüber beschwert, hat wohl mit der allgemeinen Erleichterung zu tun, endlich mal wieder richtige Erzähler aufs Schild heben zu können. Die sich Raum nehmen, ideell sprudeln, satirisch veranlagt sind. Und das Ganze zu einer umfassenden Abbildung zeitgenössischer Trostlosigkeit schnüren, die man selbst sehr wohl durchschaut, ohne ihr entrissen werden zu wollen. (...). Hier trifft der Pyjamablick des Autors sich mit dem der Literaturkritik. Stewart O Nan, das beste lebende Gegenbeispiel zu solcherlei virtuos saturiertem Kram, hat auch schon ein Wort dafür: »Smart Guys« nennt er die Kritikerlieblinge, die so schön aufschreiben können, wie alles den Bach runtergeht.
Warum schreibt heute ein Autor 526 Seiten über die Erkaltung der Welt im Pop, ohne dass darin irgendwas von Bedeutung passiert? Weil er (...) mitmachen, weil er erfolgreich sein will im Betriebsbücherbus und weiß, welche Regeln dafür gerade gelten. Es sind die Regeln der »Smart Guys«. Wunderkind Whitehead wird der Franzen der Saison.
"

Gut gebrüllt, Herr FÖRSTER! Dem saturierten Mitte-Milieu eine deftige Kost serviert - ein paar popkulturelle Frontlinien geschaffen. Was unterscheidet aber Herr FÖRSTER und die Mitte-Gemeinde von seinem Gegner? Nichts! Das ist das eigentliche Problem: Kein Engagement, nirgends, nur selbsternannte Feuilleton-Revoluzzer...

 
   

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© 2002-2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 13. Februar 2004
Stand: 29. Juni 2015