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Jedediah Purdy: Das
Elend der Ironie
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Jedediah Purdy in seiner eigenen Schreibe
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- PURDY, Jedediah (2000): Das Elend der
Ironie.
Wo der Zeitgeist im Fitnesscenter weht, stirbt das öffentliche
Leben. Plädoyer für eine neue Politik,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 07.09.
- PURDY, Jedediah (2002): Was war
Neoliberalismus?
World of Passions: How to Think About Globalization Today lautet
der Originaltitel eines großen Essays, in dem der junge
amerikanische Autor Jedediah Purdy untersucht, an welchen Defekten
das neoliberale Projekt gescheitert ist. Warum führt selbst gut
gemeinte Liberalisierung allzu häufig in illiberale und
undemokratische Verhältnisse? Purdys Diagnose: Die Bannerträger des
Neoliberalismus haben die Bedeutung menschlicher Leidenschaften
ignoriert. Die Berliner Republik veröffentlicht Jedediah Purdys
Essay in zwei Folgen,
in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
- Kommentar:
In
Deutschland formiert sich gerade eine selbstgerechte
Bobokratie.
Dieses Kampfbündnis der neoliberalen
Besitzstandwahrer und -mehrer, bestehend aus alter und neuer Elite,
die den Ausverkauf der Arbeitnehmergesellschaft betreibt, indem sie
Junge gegen Alte und Arbeitsplatzbesitzer gegen Erwerbslose
ausspielt, betreibt ein perfides Spiel, bei dem alle verlieren
werden und der größte Verlierer ist die demokratische Kultur in
unserem Land.
Jedediah PURDY hat ihre Strategie in
diesem lesenswerten Essay beschrieben:
"Für die Theoretiker des
Washington-Konsens war die Politik der Feind, weil sie der Ort war,
an dem sich so antireformerische Haltungen wie die
Angst vor der Veränderung und die
Anhänglichkeit an bestehende Verhältnisse
Ausdruck verschaffen konnten. Williamson schlug sogar vor,
Wirtschaftskrisen mit Absicht herbeizuführen, um die Ketten der
Politik zu sprengen: »Sollte es sich tatsächlich als schwierig
herausstellen, Beispiele dafür zu finden, dass die umfangreichen
politischen Reformen, die für eine offene Markt- und
Wettbewerbsgesellschaft nötig sind, zustande kommen, ohne das ihnen
eine tiefe Krise vorausgeht, dann wäre darüber nachzudenken, ob
solch eine Krise nicht mit Absicht herbeigeführt werden sollte, um
den politischen Reformstau aufzulösen« Aus dieser Perspektive ist
Politik dann nur noch in dem Maße von Interesse, wie sie der
Durchsetzung der ökonomischen Logik im Wege steht."
Feuilleton-Revoluzzer
von Konrad ADAM über
Sascha LEHNARTZ bis zu Arnulf BARING versuchen in Deutschland
offenbar gerade diese antidemokratische Strategie aus den Arsenalen
der psychologischen Kriegsführung in die Tat umzusetzen.
-
SCHWARZ, Patrik (2002): "Absurder Optimismus".
Die zentrale Erfahrung wird die Ungleichheit innerhalb der
Generation sein: Der amerikanische Philosoph Jedediah Purdy über die
Zukunft der Dreißigjährigen, das Ende der New Economy und darüber,
warum es okay ist, seine Eltern zu verteidigen,
in: TAZ v. 11.11.
- Inhalt:
PURDY erteilt dem Kampf der Generationen eine Absage
und thematisiert stattdessen die Ungleichheiten innerhalb einer
Alterskohorte:
"Die Internet-Bubble ist
geplatzt. Gehts jetzt zurück zur Erfahrung der
Generation X, wie sie Douglas Coupland schon einmal Ende der
80er-Jahre beschrieb: eine Jugend, der es zwangsläufig dreckiger gehen
wird als ihren Eltern?
Die Coupland-Einstellung, es werde immer abwärts gehen, hat etwas
gemeinsam mit dem absurden Optimismus der New Economy: Beide Fantasien
spiegeln die Tendenz wider, von begrenzter Erfahrung kühn zu
extrapolieren - einmal nach unten, einmal nach oben. Beides war
natürlich eine Karikatur. In Wirklichkeit wird die zentrale Erfahrung
unserer Generation die
Ungleichheit innerhalb der
Generation sein. Anders als früher geht es heute nicht mehr um den
Kampf einer Generation gegen die andere - sondern um den Kampf
innerhalb unserer Generation um ökonomische und soziale Perspektiven."
- Neu:
MEJIAS, Jordan (2003): Der Moralist
von nebenan.
"Das Elend der Ironie" machte ihn berühmt. Jetzt legt Jedediah
Purdy eine Kritik an Amerika nach - und wird trotzdem nicht zum
Polemiker,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.08.
- Kommentar:
PURDY hat ein zweites Buch herausgebracht, das am
Freitag in Deutschland unter dem Titel "Das ist Amerika"
erscheinen wird. Dazu hat MEJIAS seinen Nachbarn in New York
interviewt. Herausgekommen ist ein belangloses Porträt über eine
ganze Seite. Offenbar hat die FAS zuviel Platz...
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Jedediah Purdy: Porträts
und Gespräche
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- LEITGEB, Hanna (2002): Im Jenseits
der Ironie.
Jedediah Purdy, Amerikas Antwort auf die Spaßgesellschaft,
startet einen neuen Angriff auf die USA und denkt über sich selber
nach,
in: Literaturen Nr.11, November
-
SCHWARZ, Patrik (2002): Was für ein ordentlich junger Mann.
Als Jungstar der Politphilosophie erfüllt Jedediah Purdy das
Bedürfnis vieler Amerikaner nach neuer Ernsthaftigkeit,
in: TAZ v. 08.11.
-
SCHWARZ, Patrik (2002): "Absurder Optimismus".
Die zentrale Erfahrung wird die Ungleichheit innerhalb der
Generation sein: Der amerikanische Philosoph Jedediah Purdy über die
Zukunft der Dreißigjährigen, das Ende der New Economy und darüber,
warum es okay ist, seine Eltern zu verteidigen,
in: TAZ v. 11.11.
- Inhalt:
PURDY erteilt dem Kampf der Generationen eine Absage
und thematisiert stattdessen die Ungleichheiten innerhalb einer
Alterskohorte:
"Die Internet-Bubble ist
geplatzt. Gehts jetzt zurück zur Erfahrung der
Generation X,
wie sie Douglas Coupland schon einmal Ende der 80er-Jahre beschrieb:
eine Jugend, der es zwangsläufig dreckiger gehen wird als ihren
Eltern?
Die Coupland-Einstellung, es werde immer abwärts gehen, hat etwas
gemeinsam mit dem absurden Optimismus der New Economy: Beide Fantasien
spiegeln die Tendenz wider, von begrenzter Erfahrung kühn zu
extrapolieren - einmal nach unten, einmal nach oben. Beides war
natürlich eine Karikatur. In Wirklichkeit wird die zentrale Erfahrung
unserer Generation die Ungleichheit innerhalb der Generation sein.
Anders als früher geht es heute nicht mehr um den Kampf einer
Generation gegen die andere - sondern um den Kampf innerhalb unserer
Generation um ökonomische und soziale Perspektiven."
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Klappentext
"Was ist passiert? Immer
cool, kritisch und leicht distanziert: so lautet das
moralische Vermächtnis der Großen Dekonstruktion –
eine intellektuelle Trümmerlandschaft, in der eine
ganze Generation herumirrt. Gänzlich frei, mit allen
Wassern gewaschen, stilbewußt – und unglücklich.
Welches Engagement lohnt sich? Eine Zeit lang schien
es, als könnte die Versprechen der New Economy
Rettung bieten. Dann kam der Absturz.
Was nun?
Jedediah Purdy ist der erste, der den Wiederaufbau
wagt: Radikal pragmatisch, enthusiastisch uns klug,
sondiert er die Optionen der Veränderung. Was
brauchen wir, um uns wohl zu fühlen? Was kann
Politik leisten? Ohne sich kokett nach Schicksal und
Tiefe zu sehnen, plädiert er für die Rehabilitierung
des Gemeinschaftlichen, für Unmittelbarkeit,
Zuständigsein und das Vertrauen in die gestaltbare
Welt des Politischen. Als Vertreter der Generation
unter 30 fordert er uns auf, »gemeinsame Sache« zu
machen."
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Rezensionen
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NOLTE, Paul (2002): Der amerikanische Dissens.
Jedediah Purdy kritisiert die ironische,
unpolitisch-distanzierte Haltung der kommerzialisierten
Popkultur in den USA. Seine Streitschrift ist furios, naiv -
und voller interessanter Anregungen,
in: TAZ v. 17.09.
- Inhalt:
Paul NOLTE stellt das Buch "Das Elend der Ironie"
("For Common Things") des Kommunitaristen Jedediah PURDY
vor:
"Und welche
Ironie ist es, die Purdy kritisiert? Es ist vor allem die
ironische, unpolitisch-distanzierte Haltung, die in der
kommerzialisierten Popkultur vorgeführt wird, in
Sitcoms wie »Seinfeld« - ein Gestus, der in Deutschland
vielleicht in Florian Illies
»Generation
Golf« seine Entsprechung hat. Schön und gut, aber der
Ironie als geistigem und politischem Prinzip wird damit
Unrecht getan (...). Die ironische Haltung in der Politik
ist schließlich ein wichtiges Korrektiv gegen alle Formen
von Fundamentalismus und falscher Verbohrtheit (...).
Aber das ändert nichts daran, dass hier ein wichtiges und
schwungvoll geschriebenes politisches Manifest eines
Autors vorliegt, der nicht nur in Amerika etwas zu sagen
hat".
- SCALLA, Mario (2002): Thoreau
statt Theorie.
Jedediah Purdy kritisiert die postmoderne Ironiekultur
der amerikanischen Gesellschaft und fordert wahre Werte,
in: Tagesspiegel v. 22.09.
- HEIDBRINK, Ludger (2002): Wer
alles schon kennt.
Jedediah Purdys Kritik des blasierten Ironikers,
in: Die ZEIT Nr.41, Literaturbeilage v. 02.10.
-
FREUND, Wieland (2002): Eintritt frei ins postironische
Zeitalter.
Purdy und die Anti-Rebellen gegen Uneigentlichkeit,
in: Welt v. 31.10.
- Inhalt:
Wieland FREUND stilisiert den US-amerikanischen
Kommunitaristen Jedediah PURDY, dessen Buch "Das Elend der
Ironie" gerade auf deutsch erschienen ist, zum
Anti-Rebellen.
Für
FREUND stehen die Grünen in der Tradition PURDYs, während
die FDP als "ängstlich, opportun, bindungsunfähig"
charakterisiert wird. Mit dem Wahlsieg der Grünen und der
Niederlage der FDP ist gemäß FREUND das "Zeitalter der
Postironie" eingeleitet.
-
LEITGEB, Hanna (2002): Im Jenseits der Ironie.
Jedediah Purdy, Amerikas Antwort auf die Spaßgesellschaft, startet
einen neuen Angriff auf die USA und denkt über sich selber nach,
in:
Literaturen Nr.11, November
-
MOHR, Reinhard (2002): Also sprach Jedediah.
Mit seinem Buch über das "Elend der Ironie" erregt der
junge amerikanische Autor Jedediah Purdy nun auch in
Deutschland Aufsehen. Doch so treffend die Kritik am
zynischen Kult der Oberfläche ist - zum politischen Diskurs
steuert Purdy kaum mehr als guten Willen bei,
in: Spiegel Nr.46 v. 11.11.
- Kommentar:
Der Spiegel glänzt mit Einfallslosigkeit
und übernimmt einfach den Titel vom Harper's Magazine, um
über PURDY zu spotten.
MOHR beherrscht die
Kunst des Zaungasts. Er bleibt von der Spassgesellschaft
genauso weit entfernt wie von der Neuen Ernsthaftigkeit
eines Jedediah PURDY.
Ein Mann tut
was ein Mann tun muss, er geht seinen dritten Weg!
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Das Buch in der Debatte
-
RULFF, Dieter (2002): In der elendigen Ironiefalle.
Im historischen Moment der Vereinigung wollten die "89er" weniger
einen politischen Traum verwirklichen als vielmehr ihr privates Glück.
Nun versucht Susanne Leinemann, diese Generation abseits aller
Klischees zu beschreiben und zu verteidigen,
in: TAZ v. 26.11
- Inhalt:
RULFF geht zuerst auf die
Erfindung der 89er durch das Neue-Mitte-Feuilleton ein, die
ihren zeitgeistigen Nachhall im
Buch "Die 89er" von Claus LEGGEWIE gefunden hat.
Die "89er" waren
ein Zahlenspiel, das bereits seinen Antagonismus in sich trug: 1968.
RULFF charakterisiert diesen
Abgrenzungsversuch folgendermaßen:
"Nationalistisch statt
internationalistisch, partikular statt universal, freiheitlich statt
egalitär, rechts statt links".
Dieser Feuilleton-Geburt
der "89er" stellt er nun
Susanne LEINEMANNs Buch "Mauer weg. Aufgewacht" als
authentisches Dokument gegenüber. Seine Behauptung:
"Es hat sie gegeben. Doch sie
war anders, als es sich die Denker von damals erdachten. Die
wirklichen 89er wurden nicht wahrgenommen, weil sie beharrlich
schwiegen".
Den Anspruch des Buchs
beurteilt er zuerst überschwenglich:
"»Aufgewacht. Mauer weg« ist
der Appell, den immer währenden Tanz auf der Mauer zu beenden, bevor
er zu Nostalgie gerinnt - und stattdessen die Verhältnisse ein wenig
zum Tanzen zu bringen."
Später wird eher der defensive
Charakter dieses Re-Modeling der "89er" deutlich:
"Mit der bedrohlichen
Möglichkeit konfrontiert, in den Zeitläufen vergessen zu werden,
gräbt Leinemann nach einer Identität, die sich über mehr definiert,
als In-Klamotten und Szeneclubs."
um Abschluss präsentiert RULFF noch den Hoffnungsträger jener, die eine Repolitisierung
des Lebens herbeisehnen:
"Aus ihrer Ironiefalle konnte sich
diese Generation bislang nicht befreien. Dass danach jedoch ein
virulentes Bedürfnis besteht, dafür spricht das Interesse, das dem
jungen amerikanischen Autor Jedediah Purdy derzeit zuteil wird. Er
hat ein heftiges Plädoyer verfasst, »Das
Elend der Ironie« zu
überwinden - durch Rückbesinnung auf grundlegende Werte des guten
Lebens und vor allem durch die Restaurierung der Öffentlichkeit als
Ort des Disputs über die allgemeinen Belange. Beides bedeutet
allerdings, eine Haltung einzunehmen und sich auch den Sachaspekten
der Gesellschaft zu widmen."
-
DOTZAUER, Gregor
(2002): Es gibt kein Leben nach der Ironie,
in: Tagesspiegel v. 15.12.
-
ILLIES, Florian (2002): Wie werde ich Cowboy?
Jedediah Purdy warnt vor ironischen Ausritten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.12.
- Kommentar:
Florian ILLIES' Motto heißt
"Schröder rezensieren"! Er preist "Das Elend der Ironie" von
Jedediah PURDY als Bibel der
Bürger, die auf Barrikaden gehen
und sieht in den Grünen eine neoliberale Öko-FDP. ILLIES hätte seine
Playmobilwelt nicht verlassen sollen...
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