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Das New York Magazine veröffentlicht
vorab einen gekürzten Essay von Mark GREIF mit dem Titel "What Was
the Hipster?", der
im neuen N+1-Magazin
erscheinen wird. Eine gleichnamige Tagung fand bereits letztes
Frühjahr statt.
Im Juli
schrieb Jens-Christian RABE in seinem Nachruf auf den Hipster:
"Die
Zeitschrift Neon sieht sie in ihrer aktuellen Ausgabe in
einem Club in Moskau, der Berliner Tagesspiegel hat sie in
dieser Woche wieder einmal in den Bars in der Oranienstraße
entdeckt, die taz meldete, dass es in der »US-Hipster-Szene«
cool sei, sich als Indianer zu kleiden, die Neue Zürcher Zeitung
weiß, dass es die Stockholmer Hipster in den Stadtteil Södermalm
zieht und wo sie sich in Reykjavik herumtreiben, Geo Saison
stand mit ihnen in Prag an der Bar, die Welt fand sie in Australien
zwischen Sydney und Brisbane, die Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung kennt die »Hipster-Labels« in Paris und die
Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung bemerkte kürzlich,
dass »Großstadt-Hipster« ihre Wohnungen jetzt mit ausgestopften
Tieren dekorieren."
Mark
GREIF zitiert nun in seinem Essay Jens-Christian RABE (ohne ihn zu
nennen), um die Vergötterung des Hipsters in Europa zu belegen:
"Elsewhere—and
especially in Europe—the deathbed scene looks more like an
apotheosis. One German paper rounded up that country’s most recent
reports of hipster emergence: »The current issue of the magazine
Neon sees them at a club in Moscow, the Berlin Tagesspiegel
spotted them yet again this week in the bars on Oranienstraße,
Taz reported that in the ‘US hipster scene’ it’s cool to dress
like Indians, the Neue Zürcher Zeitung knows that in
Stockholm they are drawn to the district of Södermalm, Geo
Saison had drinks with them at a bar in Prague, Die Welt
found them in Australia from Sydney to Brisbane, the Sunday
Frankfurter Allgemeine Zeitung knows the Parisian ‘Hipster-labels,’
and the weekend edition of the Süddeutsche Zeitung
commented recently that ‘big-city hipsters’ are now decorating their
apartments with taxidermy.«"
Wird
der Hipster also vergöttert oder ist er im Niedergang begriffen oder
eher ein Nischenphänomen? Zumindest gehört er nicht zu den
"Sozialfiguren der Gegenwart", die im gerade erschienenen Buch
"Diven, Hacker, Spekulanten" von
Stephan MOEBIUS & Markus SCHROER beschrieben werden. Dort gibt es
zwar einen Beitrag zum Dandy, aber nicht zum Hipster. |
GREIF, Mark (2010): A hipster's paradise.
In the late 1990s, a down-at-heel ’hood in New York’s Lower East
Side became an enclave for rich white kids. They were like a new
ethnic arrival,
in: New Statesman Online v. 18.11.
GREIF, Mark (2011): Was war der Hipster.
Warum gerade die Ära einer Subkultur zu Ende geht, deren
Vertreter noch immer unter uns sind,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.01.
GREIF, Mark (2012):
Rappen lernen.
Warum gerade die Ära einer Subkultur zu Ende geht, deren
Vertreter noch immer unter uns sind,
in: Nachtstudio. Sendung von Bayern 2 v. 24.01.
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Der Hipster in der
Debatte
WACKWITZ, Stephan (1999):
Popmusik, Literatur und die Erzeugung schwerer Zeugen,
in: Merkur, H.1, Januar
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Stephan WACKWITZ greift
Diedrich DIEDERICHSENs Unterscheidung von Hipstern und
Hip-Intellektuellen im Buch
"Sexbeat"
auf, um sich dem
dialektischen Verhältnis von Pop und
Antipop bzw. von Hochkultur und Popkultur
zu widmen:
"Die
Umarbeitung des leichten in das schwere Zeichen (...) ist
eine parasitenhafte, eine vampiristische Operation. Wo
Spaß ist, soll Ernst werden, der Schwachsinn darf nicht
sein, was er ist; im frühromantisch-ironischen Licht muß
er als Tiefsinn erscheinen. Sobald die Hochkultur ein
Fenster geöffnet hat, muß sie daran arbeiten es wieder
zuzumauern (...). Die Wellen kunstvoller Rebarbisierung (Punk,
Grunge,
Techno), von denen die Popmusik mit zwangsläufiger
Periodizität heimgesucht wird, sind auch Versuche, der
Heimholung in die Hochkultur zu entgehen, an der die
Hip-Intellektuellen andererseits rastlos arbeiten."
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GOERGENS,
Sven F. (2001): Die perfekten Pommes.
Den ewig Zuspätgekommenen zum Trost:
Wahre Hipster wollen nur eins - um keinen Preis mehr hip
sein,
in:
Focus
Nr.13 v. 26.03.
KLEIN, Richard (2004): Der Ort der
Popmusik im Leben,
in: Merkur Nr.660, April
POSCHARDT, Ulf (2004): Die universelle Boutique.
Das
Bildungsbürgertum stirbt aus. Das Geschmacksbürgertum tritt
an seine Stelle. Eleganz ersetzt Substanz. Was alles der
Schönheit geopfert wird,
in: Welt am Sonntag v. 05.12.
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"Der
Dandy verliert seine Ausnahmestellung und wird die Regel.
Er ist Massenphänomen. Literarische Zeitschriften wie
»Der
Freund« von Christian Kracht beleben dabei seinen
historischen Schatten aus dem 19. Jahrhundert neu,
Magazine wie
»Monopol«
von Florian Illies moderieren das Dandyweltbild
verschmitzt neubürgerlich",
doziert Ulf POSCHARDT.
Schon vor einiger Zeit
war dazu bei Diedrich DIEDERICHSEN zu lesen:
"Die neuen Bürgerlichen suchen
nach Vorläufern und Fundamenten für das, was sie am besten
können: Dresscodes und Habitus entwickeln und beurteilen,
den in ihrer Generation noch aus Pop- und Szenekultur
übernommenen semiotischen Reichtum von
Unterscheidungsorgien auf ältere deutsche oder europäische
Traditionen zurückführen. Schon eine Weile hat im Jargon
des Feuilletons der Dandy den Hipster abgelöst, aber seit
einiger Zeit sind alle Dämme offen, und
Elite-Formulierungen aller Art haben Konjunktur." (Die
Leitplanken des Zeitgeists, September 2004).
Ganz in diesem Sinne
propagiert POSCHARDT das Geschmacksbürgertum:
"Wenn
man bei Google das Wort »Geschmacksbürgertum« eingibt,
werden noch null Treffer angezeigt. Das wird sich bald
ändern. Geschmack bezeichnete Scott Fitzgerald - ganz
Gentleman der alten Schule - als die weibliche Form des
Genius. In diesem Sinne wäre die Boutiquisierung der
Kultur - folgte man dem Machismo Fitzgeralds - auch ein
Erfolg weiblicher Emanzipation. Die Kultur wird
metrosexuell."
Das
Geschmacksbürgertum à la POSCHARDT ist ein ganz und gar
geschmackloser Begriff und überflüssig dazu, denn Gerhard
SCHULZE hat dazu bereits das Kategoriensystem zur
Verfügung gestellt, denn über die
Erlebnisgesellschaft
weist POSCHARDTs Kategorie nicht hinaus...
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FAS (2005): Wir sind
Kanzlerin!
Wer hätte es für möglich gehalten: Angela Merkel soll die
erste deutsche Regierungschefin werden. Anlaß genug, zehn
Zeitgenossinnen zu fragen: Was wird sich in Deutschland
ändern unter einer Bundeskanzlerin? Und vor allem: Wird es
in Zukunft leichter für Frauen, Karriere zu machen?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
16.10.
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Sascha LEHNARTZ behauptet in seinem
Buch
"Global Players",
dass die Bildzeitung das neue Leitmedium der
Berliner Republik ist. Das gilt offenbar zumindest für die
Schlagzeilentexter der FAS. In
seiner Geschichte des Hipstertums aus der Perspektive der
zeitgeistigen Neo-Spießer beschreibt er Angela MERKEL als
"Soft-Koch-Variante". Der Hipster ist eine der letzten
männlichen Domänen. Und
wenn LEHNARTZ für die ästhetische Generation Golf
MERKEL in die Nähe von Roland KOCH rücken muss, um ihr
überhaupt einen gewissen Hip-Faktor andichten zu können,
dann zeigt sich wie unhip Angela MERKEL im Wahlkampf war. Die
FAS hat aber die männlichen Hipster erst gar nicht
gefragt, sondern Prominente wie Elfriede JELINEK, Susanne
FRÖHLICH, Gisela ERLER, Ulla HAHN und Juli ZEH. Das
finden wir ganz in Ordnung, denn
der männliche Hipster ist ein
Auslaufmodell, wenn er
bereits durch Squares wie Sasha LEHNARTZ
historisiert wird. |
KREYE, Andrian (2006): Die Qual des linken Denkens.
Der erfolgreiche amerikanische Debütant Benjamin Kunkel
will den Schriftsteller als öffentliche Person
rehabilitieren,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.08.
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Andrian KREYE berichtet
von der New Yorker Hipster-Front, diesmal wird der
Schriftsteller Benjamin KUNKEL, dessen Debütroman
"Unentschlossen"
demnächst erscheint, in der popkulturellen
Hip-Geschichte verortet
und die
Gentrificationsgrenzen,
die das "Einwandererelend" vom Pioniertum des
Hipsteraufbruchs trennen, benannt, was die Frage von
Britta "Ist das schon Unterschicht
oder noch Bohème?"
eindeutig beantwortet. Hätte früher die
popkulturelle Hipster-Genealogie ausgereicht, so ist
inzwischen auch eine Verortung in den politischen
Intellektuellen-Zirkeln notwendig, um einem politisch
korrekten Hype gerecht zu werden. KREYE positioniert
KUNKEL in der Tradition der Partisan Review, wo
bereits Susan SONTAG schrieb, die mit dem Label "Camp"
sozusagen die Verbindungspunkte der beiden Szenen
darstellt.
KUNKEL und seine Mitherausgeber des
Kulturmagazins n+1 haben jedoch bereits in der
ersten Ausgabe ihres Magazins eine Selbstverortung
vorgenommen, die keine Wünsche mehr übrig lässt, indem sie
sich gegen die Nihilisten der New Republic, die
Infantilen um
Dave EGGERS
und die Neocons abgrenzt. |
LORENTZEN, Christian (2007): The Hipster Must Die.
Rumors of their demise have been greatly exaggerated. How
can anything in New York be cool again as long as these
cultural zombies are fourishing?
in: Time Out New York, Nr.609, 30.05.
LANHAM, Robert (2009): Look at This Fucking Hipster Basher.
Never mind news articles that link economic woes to a
culture shift, the report of the hipster’s death is an
exaggeration. The proof, writes Hipster Handbook author, is
in the pieces,
in: The Morning News v. 29.06.
CLAYTON, Jace (2009): Der Gipfel der Coolness.
Hipsterologie: Popkultureller Anti-Antiimperialismus: Was
es mit dem Phänomen des globalen Hipster zwischen Brooklyn,
Lima und Mexiko auf sich hat,
in: TAZ v. 17.10.
Vergleich von
single-generation.de (Stand:
10. Februar 2012) anlässlich zweier Übersetzungen eines
Vortrags von Jace CLAYTON alias DJ Rupture in der
New School in New York, der nun
in einer neuen Übersetzung von Tobias MOORSTEDT auch in dem
von Mark GREIF mitherausgegebenen Buch Hipster
erschienen ist. Am Beispiel des peruanischen Hipstertums erklärt
CLAYTON den Siegeszug der Cumbia-Musik:
"Das peruanische
Hipstertum zeichnete sich dadurch aus, dass
Mittelschichtkids, die sich ihr Leben lang über Cumbia
lustig gemacht haben, plötzlich Partys feierten, auf denen
zu dieser Musik getanzt wurde. Das alles nur wegen einer
CD-Compilation mit dem Titel »Roots of Chicha: Psychedelic
Cumbias from Peru«. »Roots of Chicha« wurde auf Barbès,
einem von Franzosen geführten Label aus Brooklyn,
veröffentlicht. Da die alte Musik jetzt auf einem coolen New
Yorker Imprint erschien, konnten diese Kids sie in einem
neuen Licht sehen; das war nicht einfach nur
Rekontextualisierung, vielmehr war es die Erkenntnis, dass
dieser altbackene und zutiefst unhippe Aspekt ihres eigenen
peruanischen Hintergrundes in einen globalen Austausch
getreten war". (taz 17.10.2009)
"Das peruanische
Hipstertum zeichnete sich dadurch aus, dass die
Mittelklasse-Sprösslinge, die ihr ganzes Leben lang auf
Cumbia-Musik herabgeschaut hatten, nach der Veröffentlichung
des Samplers Roots of Chicha: Psychedelic Cumbias from
Peru. plötzlich zu dem Sound tanzten und feierten.
Roots of Chicha kam auf dem Label Barbès heraus,
das von Franzosen betrieben wird und seinen Sitz in Brooklyn
hat. Das coole New Yorker Label ermöglichte es den Kids,
ihre alte Musik in einem neuen (Disco-)Licht sehen: Das war
mehr als eine simple Rekontextualisierung, schließlich aren
sich alle bewusst, dass dieser unmodische und genuin unhippe
Aspekt ihrer eigenen Peruanität plötzlich Bestandteil der
globalen Stil- und Modedebatte geworden war". (aus:
Hipster, 2012, S.42)
Im Gegensatz zum schicken
Hipster-Bashing, sieht CLAYTON das kosmopolitische Hipstertum,
das ein "uncooles, ja piefiges Unterklassenphänomen"
aufgepeppt hat, durchaus positiv.
Für CLAYTON sind (in der
2012 Übersetzung von MOORSTEDT) auch nicht die Hipster schuld
an der Gentrifizierung von Szene-Vierteln, sondern die
Künstler als Pioniere:
"Es sind schließlich
nicht die Hipster, sondern die Künstler, die als
Sturmtruppen der Gentrifizierung fungieren. Und in vielen
Fällen sind es die Nachkommen der ursprünglichen Einwohner
eines Viertels, die zuerst auf die Idee kommen, dort ein
Haus zu erwerben, neue Märkte und Einkommensgruppen zu
erschließen und neue Waren zu verkaufen. Zu dem Zeitpunkt,
an dem die Hipster üblicherweise in einem Stadtteil
erscheinen, hat die Gentrifizierung längst Fahrt
aufgenommen. Die auffällige Präsenz unabhängiger kleiner
Coffeeshops, in denen weiße Kellner arbeiten, die zwar
Tätowierungen tragen, aber nur solche, die man für ein
Vorstellungsgespräch verdecken kann, ist eigentlich ein
Zeichen dafür, dass diese Gegend in naher Zukunft den Gipfel
ihrer Coolness erreicht haben wird." (2012, S.46)
Neubürgerliche
Gentrifizierungsbefürworter haben diese Argumentation
mittlerweile auch in die
deutsche Gentrifizierungsdebatte
eingeführt. In der 2009er taz-Übersetzung von Harriet
FRICKE wurde die Rolle des Künstlers im
Gentrifizierungsprozess noch anders dargestellt:
"Die vehemente
Anti-Hipster-Haltung ist ein eher uncooler Ansatz, vor allem
auch in der Gentrifizierungsdebatte. Künstler sind nicht die
Stoßtrupps der Gentrifizierung. Bevor sich die Künstler
überhaupt überlegen, in ein bestimmtes Viertel zu ziehen,
sind es in vielen Fällen die Kinder seiner ursprünglichen
Bewohner, die sich abmühen, dort Häuser zu kaufen und neue
Märkte, neue Einkommensgruppen und neue Verkaufsstandorte zu
erschließen. Wenn der Hipster dann tatsächlich im Viertel
auftaucht, ist der Gentrifizierungsprozess längst in vollem
Gang. Und die Präsenz von coolen, unabhängigen Coffeeshops,
deren Personal aus weißen Bedienungen mit Tätowierungen, die
man leicht bei einem Bewerbungsgespräch verstecken kann,
besteht, bedeutet nur, dass ein Viertel bald den Gipfel
seiner Coolness erreicht haben wird."
Hat hier etwa der gedrehte
Zeitgeist die Übersetzung beeinflusst? Wir erinnern uns: 2009
hob in Deutschland die Gentrifizierungsdebatte an und in
Hamburg wandten sich
Künstler gegen die Aufwertung des Gängeviertels. Schwammen
die Künstler damals auf einer Woge der Sympathie, so hat sich
das
im Sommer 2010 geändert und die neubürgerlichen
Gentrifizierungsbefürworter haben inzwischen die Oberhand
gewonnen. |
LOWTZOW, Caroline von (2009): Wo ist vorne?
Wie die Hipster die Welt eroberten,
in: Zündfunk. Sendung des Bayerischen Rundfunk v.
13.12.
RABE, Jens-Christian (2010): Der Hipster.
Über eine tragische Rolle der Gegenwart, die niemand
spielen will, obwohl sie überall herbeigeredet wird,
in: Süddeutsche Zeitung v.
17.07.
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RABE schreibt einen
Sommerloch-Nachrufartikel auf den Hipster. Während in
deutschen Zeitungen und Zeitschriften der Hipster noch
angesagt ist, wird der Hipster gemäß RABE in den USA
bereits totgesagt, z.B. auf einer Tagung zum Thema "What
was the Hipster?". Veranstaltet
hat diese Tagung ausgerechnet das coole
n+1 magazine
um
Benjamin KUNKEL
(und nicht die New Yorker New School for Social Research
wie RABE behauptet; dort fand sie nur statt). Das Magazin
hat sich auf diese Weise auch im Popdiskurs positioniert.
Zwei Jahre zuvor hat der Podiumsteilnehmer und
Autor von
n+1
Christian Lorentzen in einer
Titelgeschichte des New Yorker
Magazin
Time Out
erklärt, warum der Hipster sterben muss. Mark GREIF,
ebenfalls Autor von
n+1,
erklärte den Hipster-Begriff und lieferte auch eine
Typologie. RABE geht bei GREIF nur auf den Neo-Hipster
ein, den er als Trendsetter charakterisiert ("Mittelsmann
zwischen Straße und den Marketing-Abteilungen"). Nicht
eingeladen war dagegen Robert LANHAM, der 2003 ein
Hipster-Handbuch
veröffentlichte. LANHAM wohnt seit 1996 im derzeit
angesagten Williamsburg und schrieb das Buch, weil er des
Hipsterseins überdrüssig war, wie er kürzlich in dem
Artikel
Look at This
Fucking Hipster Basher
schrieb. RABE referiert nochmals die Geschichte des
Hipstertums, der sich ausführlicher die Radiosendung
Wo ist
vorne? Wie die Hipster die Welt eroberten
von Caroline von LOWTZOW im letzten Dezember widmete.
Natürlich
ist der Neo-Hipster bzw. Trendsetter auch in Deutschland
in die Kritik gekommen. Das Buch
Konsumrebellen
rechnete bereits 2005 mit diesem Typus ab. In einer
Rezension des Buches Global Players
aus dem gleichen Jahr wurde auf single-generation.de
aufgezeigt, wie die deutschen Neocons die Popkultur und
das Hipstertum umzudeuten versuchten.
Der
Hipster geriet jedoch nicht nur von dieser Seite unter
Druck, sondern er wurde auch als Pionier zum Opfer seiner
eigenen Umtriebe. Darauf deutet die Schlusspointe von RABE
hin:
"Als
traumatisierten Helden muss man sich den Hipster aus einem
anderen Grund vorstellen: Er wurde vom
Nerd, dem Inbegriff
des square, links überholt. Man sehe sich nur einmal
auf einer TED- Konferenz um. Und die Nerds haben längst
das Geld, um ihn aus seinen Vierteln zu verdrängen. So
steht der einst stolze Hipster traurig da als Modeberater
und Probewohner."
Mehr
zu Szenevierteln und Berufsjugendlichen gibt es
hier zu lesen. |
ANDRE, Thomas (2010): Du kannst nach Hause geh'n.
Einst hörte er das Gras wachsen, nun ist er überflüssig.
Ein Nachruf auf die Gesellschaftsfigur des Hipsters, den
niemand mehr braucht,
in: Hamburger Abendblatt v. 09.10.
RAYNER, Alex (2010): Why do people hate hipsters?
Hipster-hate blogs are multiplying online. But who are
these much-maligned trendies – and why do people find them
so irritating? Perhaps we should learn to love our
skinny-jeaned friends instead,
in: Guardian v. 14.10.
BLASHILL, Pat (2010): Auf der Suche nach dem verlorenen
Cool.
Austin, Texas war einmal eine der Hauptstädte des
Underground, heute ist es ein Freizeitpark für Tätowierte -
gibt es überhaupt noch Subkultur?
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.
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In Zeiten des Abgesangs auf den
Hipster, macht sich der alternde Hipster Pat BLASHILL auf
den Weg in seine Heimatstadt Austin in Texas, um dem
Phänomen des Underground auf den Grund zu gehen.
Herausgekommen ist eine Veteranengeschichte, die eher
Generationengenossen goutieren dürften. Darüber kann ein
postmodern verschwimmender Begriff des Underground auch
nicht hinwegtäuschen. Diese so genannte
Mehrfachcodierungstechnik, die offenbar jüngere
Zielgruppen ansprechen soll, biedert sich an die üblichen
Diskurse an. |
BINSWANGER, Michèle (2010): Das unrühmliche Ende der
Hipster.
Skinny Jeans, bunte Schals, Nerd-Brillen - die Hipster
sind im Mainstream angekommen und werden im Internet als
Möchtegern-Avantgarde lächerlich gemacht. Aber was ist
eigentlich hip?
in: Basler Zeitung Online v. 27.10.
THUMFART, Johannes (2010): Lifestyle Hipster, hör' die
Signale!
Die eigene Geschmacklosigkeit und die permanente
Revolution: Der Hipster ist ein Phänomen der Nullerjahre.
Ein Essayband rückt ihm jetzt zu Leibe,
in: Zeit Online v. 02.11.
DELIUS, Mara (2010): Warum Amerikas Intellektuelle den
Hipster beerdigen.
Wer hip ist, gehört keiner Subkultur an. Er will sich nur
der Rebellion nah fühlen. Übrig bleiben Tattoos und designte
Schrifttypen,
in: Welt Online v. 09.11.
KRAMAR, Thomas (2010): Der Hipster ist nicht hipp, aber noch
ganz munter.
Wem das Wort „cool“ auf die Nerven geht, der darf auf
„hip“ wechseln. Doch er sollte es nicht mit Doppelkonsonant
schreiben,
in: Die Presse v.
18.11.
LINTZEL, Aram (2011): Vom Hipster lernen, auch wenn er nervt.
Über den Sinn und Zweck
ästhetischer Kleinstunterscheidungen,
in:
TAZ v. 08.02.
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Die einstige Linke ist
verzweifelt auf der Suche nach dem "Anders anders sein",
nachdem alle poplinken Positionen mit dem Neoliberalismus zur
Unkenntlichkeit verschmolzen scheinen. Die Gegenkultur wurde
als Konsumrebellentum entlarvt, der Künstler ist nichts weiter
als der Wegbereiter der Gentrifizierung und der Hipster
Anführer einer Pfadfindergruppe.
Wie sehr sich die einstige
Linke in einer Orientierungskrise befindet, kann man in dem
Sammelband
"kapitalistischer
Realismus" nachlesen. Dort schreibt
Diedrich DIEDERICHSEN über die Nietzsche-Ökonomie und Robert
MISIK sucht wie Aram LINTZEL nach den feinen Unterschieden zwischen
falschem und wahrem
Popkapitalismus.
In
Abgrenzung zu
Thomas HECKEN und der Kulturtheorie von Pierre BOURDIEU
verteidigt LINTZEL den
Hipster gegen seine Verächter. Der Hipster wird in dieser
Sicht zum Inbegriff dessen, was der einstigen Poplinken
verloren ging: die Orientierung. Er ist der Fixstern am Himmel
der falschen Individualismen. Man hat es hier mit einer Tugend
der Orientierungslosigkeit zu tun, die Bescheidwissen sein
möchte. Das Pfeifen im Walde sozusagen.
Das
Gegenteil davon zelebriert Georg DIEZ, der den Urhipster
Jack KEROUAC, dessen Debüt On the Road gerade wieder
entdeckt wird, zum konservativen Revolutionär stilisiert. Er
symbolisiert für ihn die existenzialistische Wut im Gegensatz
zum schnöden Wutbürger der Gegenwart:
"Er hasste die Linken und
die Liberalen. Er blieb ein konservativer Revolutionär. Ein
gefallener Engel, wie alle Visionäre."
Anders anders sein ist der
letzte Schrei auf dem Markt der Nonkonformismen. Falsch
verstehen, das ist in jedem Fall die Sache der anderen.
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BRUCKMAIER,
Karl (2011): Wilde Jagd.
Der größte Irrtum der Popmusik ist, dass es ständig
etwas Neues geben könnte - das gab es noch nie, und das
ist auch richtig so,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.10.
BAUER, Patrick (2012):
Die Hipster, die ich rief.
In
Berlin-Neukölln zeigt sich: Auf die Gentrifizierung schimpfen immer
die am lautesten, die damit begonnen haben,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.01.
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