"Seattle.
Pete Tyler steht am Scheideweg. Vor acht Jahren hat
er seine aufstrebende Grunge-Band aufgelöst, um sich
an etwas »Erwachsenerem«
zu versuchen. Nach einem Jurastudium - mittlerweile
36 Jahre alt (»Fast
vierzig!«) - hängt
er als stellvertretender Staatsanwalt (ein
Anzugträger) immer noch in denselben Clubs herum, in
denen er vor zehn Jahren auftrat. Auch trifft er
sich noch immer mit demselben Typ von Frauen, die
ihm heute allerdings erzählen, wie sehr ihre älteren
Schwestern seine Band mochten.
Pete beschließt zu heiraten – allerdings weiß er
noch nicht wen. In Frage kommen Beth (seine erste
aber verschollene Liebe), Winter (die Stripperin,
mit der er ab und an zusammen ist) und Esmé (die für
ein Subpop-Magazin arbeitet und ihn auf eine gewisse
Art beflügelt).
Als eine Vergewaltigungsakte auf seinem Schreibtisch
landet, wird er gleichzeitig mit seiner
Vergangenheit und Zukunft konfrontiert. Der
Beschuldigte ist Mitglied einer Grunge-Band mit der
Pete in alten Tagen auf Tour war.
Pete Tyler ist eine coolere Version von jedermann
und Never Mind Nirvana ist die explosive,
ausgelassene Geschichte eines Mannes, der sich nicht
zwischen seiner Jugend und der Erwachsenenwelt
entscheiden kann. Meisterhaft vermischt mit der
Musik Seattles, Drogen und hemmungslosem Sex ist die
Story eine faszinierende Zusammenfassung des
American way of life in der Post-Grunge-Ära."
Pressestimmen
"»Never Mind
Nirvana«, das gekonnt Rock'n'Roll als
Lifestyle präsentiert, natürlich in Seattle - Grunge
und Kaffehäuser als Kulisse einer »American
Psycho«-Krise voller Labels, Etiketten,
Songtitel und Referenzen, die man versteht, auch
wenn man aus Semantik-Seminaren einst desertierte"
(Matthias Penzel im Rolling Stone
vom November 2002)
"Tyler ist ein loser Geselle. Zunächst
jedenfalls. Der Exrocker, der nach dem ersten Album
die Karriere zugunsten eines Jurastudiums
drangegeben hat und sich nun als stellvertretender
Staatsanwalt verdingt, prolongiert nach Feierabend
sein früheres Leben: Sauftouren, Strip-Bars,
One-Night-Stands, das alte »Besser verbrennen als
verblassen«-Spiel. Nur macht es ihm so recht keinen
Spaß mehr. Was er braucht, so seine fixe Idee, ist
eine Ehefrau, aber die Auswahl fällt nicht leicht
bei dem riesigen Angebot ... Am Ende hat er zwar
immer noch nicht geheiratet, aber jetzt meint er es
wenigstens ernst.
Die Generation X kommt langsam in die Jahre. Es
fühlt sich noch etwas komisch an, man wehrt sich ein
bißchen, aber doch schon eher halbherzig. Lindquist
läßt die Rock’n’Roll-Ideale fahren für so etwas
Uncooles wie Verantwortung, Moral, ja sogar Reue –
bürgerliche Tugenden also. Aber auch wenn er hier
argumentiert wie die jüngste Fernseh-Werbung für
Bausparen bei der LBS, er schildert Petes Leiden an
sich selbst ebenso tiefenscharf wie warmherzig, so
überzeugend, daß man seine allmähliche Verspießerung
mit Anteilnahme verfolgt und sogar deren
Notwendigkeit einsieht. Der Mann hat einfach Angst,
allein zu sterben!"
(Frank Schäfer in der jungen Welt
vom 26.09.2002)