Beginn der
Gentrifizierung in New York City
"Gentrification
in New York City begann in den späten fünfziger und frühen
sechziger Jahren als ein durchaus idiosynkratischer Prozeß.
(...). Die früheste Gentrification zeigte sich in der
sporadischen Renovierung von Wohnungen und Gebäuden meist in und
um Greenwich Village,
als sich dieses traditionelle Quartier der Bohème in den späten
fünfziger Jahren zum Sammelbecken einer entstehenden Gegenkultur
entwickelte." (1993, S.184)
Von der
Gentrifizierung zur Yuppisierung seit den 1970er Jahren
"Als
Gentrification immer stärker in die gesamte städtische
Restrukturierung integriert wurde, wandelte sich auch das Profil
der Zuwanderer in gentrifizierten Nachbarschaften. Früher
konnten sie hauptsächlich nach zwei Kategorien unterschieden
werden: eindeutig zur oberen Mittelklasse gehörende Personen,
die durchaus ihr suburbanes Haus behalten haben mögen, aber von
der »hohen« Kultur der Innenstadt angelockt wurden, und
andererseits Personen, die auf verschiedene Weise mit
sogenannten gegenkulturellen Aktivitäten zu tun hatten -
Künstler, Studenten, Schauspieler, Lehrer, Architekten - und
mehr von den populären Kulturen der Stadt angezogen wurden. Erst
in den späten siebziger Jahren begann die Gentrification
beachtliche Zahlen von hochqualifizierten Beschäftigten aus den
Unternehmensdiensten, den Finanz- und öffentlichen Sektoren
anzuziehen - die sogenannten
Yuppies. Gentrification wurde erst in den achtziger Jahren
ein Mittelklassenphänomen, als die Anzahl junger, aufsteigender
Professionals die beiden bisherigen Gruppen der
Zuwandererpopulation übertraf." (1993, S. 187)
Kritik
des Pionierbegriffs
"Die
Bezeichnung
»urban pioneer« ist genauso arrogant wie der
ursprüngliche Begriff des Pioniers, denn sie geht von einer
Stadt aus, die noch nicht von Menschen bewohnt ist; wie die
eingeborenen Amerikaner wird die gegenwärtige städtische
Arbeiterklasse als nicht-sozial betrachtet, als eine physische
Bedrohung, die von der Umgebung ausgeht. (...). Ein angesehener
Wissenschaftler ging sogar so weit zu behaupten, in
gentrifizierenden Quartieren sollte man zwischen einer civil
class und einer uncivil class unterscheiden." (1993,
S.188)
Die
Yuppisierung der Lower East Side
"Das Viertel
war schon lange ein gegenkulturelles Anhängsel des feineren
Greenwich Village gewesen, als in den späten siebziger Jahren
der Zustrom von Künstlern einsetzte; nach 1981 wurde dieser
Zustrom durch die groß angekündigte Eröffnung neuer Galerien
zunehmend institutionalisiert und erreichte 1987 einen Höhepunkt
mit etwa 70 Galerien. Danach sorgten kräftig angestiegene Mieten
und der finanzielle Ruin zahlreicher Galerien für den Niedergang
der künstlerischen Szene in diesem Viertel. Anderen Bereichen
der Kulturindustrie lieferte die Lower East Side z.B. den
Schauplatz und das Thema von Dutzenden von Romanen und mehreren
Filmen aus den achtziger Jahren (...).
Sozial ist die Lower East Side ein Mosaik von polnischer und
puertoricanischer, ukrainischer und schwarzer Arbeiterklasse,
Yuppies und
Punkkultur, Quiche- und
vegetarischen Restaurants und Obadachlosenheimen, immer noch
bestehenden Kirchen verschiedener Ethnien und ausgebrannten
Gebäuden. Hier gab es früher in diesem Jahrhundert intensive
sozialistische, kommunistische und anarchistische
Organisationstätigkeit, wichtige Vorläufer der New Yorker
Intellektuellen und gleichzeitig ein außerordentlich günstiges
Klima für kleine Unternehmen und Geschäfte der neue
Eingewanderten." (1993, S.199f.)