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Richard
Yates: Vororttristesse und Konformitätsdruck der 50er
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Richard
Yates: Porträts und Gespräche
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- O'NAN,
Stewart (1999): The Lost World of Richard Yates.
How
the great writer of the Age of Anxiety
disappeared from print,
in: Boston
Review Oktober/November
- COX,
Elizabeth (2000): Meet Richard Yates,
in:
Pif Magazine
Nr.10
- CRUMLEY,
James (2001): The Last Gentleman.
A
friend and student remembers Richard Yates,
in: Boston
Review April/Mai
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Klappentext
"From
the moment of its publication in
1961, Revolutionary Road was hailed
as a masterpiece of realistic fiction
and as the most evocative portrayal
of the opulent desolation of the
American suburbs. It's the story of
Frank and April Wheeler, a bright,
beautiful, and talented couple who
have lived on the assumption that
greatness is only just around the
corner. With heartbreaking compassion
and remorseless clarity, Richard
Yates shows how Frank and April
mortgage their spiritual birthright,
betraying not only each other, but
their best selves.
In his introduction to this edition,
novelist Richard Ford pays homage to
the lasting influence and enduring
power of Revolutionary Road."
|
Stimmen zu
"Revolutionary Road"
"In den 50er Jahren wurde
»Konformität« zum Codewort für männliche
Unzufriedenheit (...).
Die Antwort für Millionen von Grays lag
nicht etwa darin, irgend etwas
Ungewöhnliches zu tun - wie Ehefrau und Job
zu verlassen (...), sondern sich zumindest
des potenziellen »Ichs« bewußt zu werden,
das in einem schlummerte. Für die meisten
Unzufriedenen im grauen Flanell bestand
hierin ihre ganze Rebellion: Sie kultivierten
ein starkes Problembewußtsein für
Konformität - wie übrigens alle anderen
auch - und erreichten durch dieses
Bewußtsein eine Art höherer, reflektierter
Anpassung.
Frank Wheeler, der Held aus Richard Yates'
Roman Revolutionary Road war der Rebell im
grauen Flanell und ein brillanter Anwender
dieser höheren Konformität. Als junger Mann
in den späten 40er Jahren war er beinahe ein
Rebell gewesen. Er hatte in einem schäbigen
Apartment in Greenwich Village gelebt, am
City-College studiert und von den Dingen
geträumt, die er gerne schreiben wollte. Eine
ungeplante Schwangerschaft hatte ihn in die
Realität männlichen Erwachsenseins
zurückgebracht. Als »starker« Mann verbot
er seiner Freundin April, das Kind
abzutreiben. Er heiratete sie und nahm eine
Arbeit in der Werbeabteilung von Knox
Business Machines an, die er seinen Freunden
sofort als »den langweiligsten Job, den man
sich vorstellen kann« beschreibt. Im Jahre
1950 haben Frank und April bereits zwei
Kinder und ein großes Haus. Es liegt in der
»Revolutionary Road«, und zwar weit
entfernt von den einfachen Häusern des
Neubaugebietes, die sich wie ein Ei dem
anderen gleichen. Frank vergißt jedoch seine
jugendlichen Träumereien nicht; er baut sie
sogar in seinen Alltag ein: als ironischen
Kontrapunkt zur gähnenden Langeweile und
»hoffnungslosen Leere« um ihn herum. Den
ganzen Tag arbeitet er - oder gibt zumindest
vor, bei Knox Business Machines stark
beschäftigt zu sein -, abends trinkt er mit
April und gemeinsamen Freunden, den
Campbells, und unterhält sich mit seinen
sarkastischen Kommentaren zur
Mittelschichtskonformität (...).
Konformität zerstört nicht nur die Seelen
der Männer, sondern auch ihre Männlichkeit.
Die von Psychologen gepredigte Anpassung ist
kein Weg zu erwachsener Maskulinität,
sondern zur Kastration (...).
April (..) möchte, daß er aussteigt, bevor
die Kastration vollendet ist. Sie will mit
ihm nach Paris gehen; sie will den
Lebensunterhalt verdienen, und er soll
schreiben.
Aber April ist ihrer Zeit voraus. Zwanzig
Jahre später hätte sich der vernünftige
Mann auf ein solches Angebot gestürzt. Hier
geht es jedoch darum, daß Frank lediglich sagt,
was er tun möchte. Seine einzigen
Aktivitäten aber sind die abendlichen
Tiraden über Konformität. Frank hat
furchtbare Angst, seine Sicherheit in der
Revolutionary Road aufzugeben und noch mehr
Angst davor, daß er gar nichts mehr zu sagen
hätte in einem Forum, das größer ist als
sein eigenes Wohnzimmer. Nur wenige Stunden
vor seinem Geistesblitz über Kastration hat
er sich entschlossen, eine Beförderung
anzunehmen und bei Knox Business Machines zu
bleiben. Er wird noch mehr Geld verdienen,
noch mehr Whisky-Sodas trinken und seine
ironische Sensibilität weiter zu
kultivieren, von der seine Würde abhängt:
Er weiß, daß er als Mann zerstört ist,
aber wenigstens weiß er es."
(Barbara Ehrenreich in
"Die Herzen der Männer", 1984,
S.38ff.)
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Klappentext
"In
Amerika gehört Richard Yates' Roman »Zeiten des
Aufruhrs« zu den modernen Klassikern. Hierzulande
gilt es, sein herausragendes, scharfsichtiges Buch
um ein Ehedrama noch zu entdecken. Yates ist einer
der ganz Großen, »Zeiten des Aufruhrs« sein Opus
magnum.
Frank und April, ein Paar, das zu allen Hoffnungen
Anlaß gibt, talentiert, jung, gutaussehend, er mit
einem Job in der City, sie, eine erfolgreiche
Schaupielschülerin, widmet sich zunächst noch den
eigenen Kindern - in Erwartung des bevorstehenden
gesellschaftlichen Aufstiegs. Doch das Leben hält
anderes bereit: Frank verstrickt sich in eine
Affäre, April erstickt im Vorstadtmuff, und ihre
Träume werden immer verstiegener. Wie lange werden
sie die Illusion aufrechterhalten können? Alles
steuert auf eine Katastrophe zu. Mit psychologischer
Genauigkeit und literarischer Finesse beschreibt
Richard Yates die Zerstörung eines Traumes, der von
Anfang an Selbstbetrug war.
Mit einem Nachwort von Richard Ford
Aus dem Englischen von Hans Wolf"
|
Pressestimmen
"meisterhafte literarische Studie über selbst inszenierte
Irrtümer, Charakterbetrug und Kommunikationsunfähigkeit. Das
sich als Bohemiens stilisierende Paar inmitten der
Kleinbürgerwüstenei, seine ewig gleichen
pseudointellektuellen Reden, ihre Träume von der
Selbstverwirklichung sind ebenso lächerlich wie die heitere
Ehefassade ihrer besten Freunde. Mühelos überspringt dieses
Elend die vergangenen 50 Jahre und konfrontiert uns mit
einer ganz und gar gegenwärtigen Düsternis."
(Manuela Reichert in der Berliner Zeitung vom
07.09.2002)
"»Revolutionary Road« ist ein
Desillusionsroman. Yates schildert die Menschen in Suburbia
wie Verbannte, in Banalität, Traurigkeit und tödlicher
Langeweile.
(...)
In zeitloser Schönheit hat die »Revolutionary Road« die
letzten vierzig Jahre nicht überstanden. Heute (...) träumen
Frauen seltener von der Aufopferung für die künstlerische
Selbstverwirklichung ihrer Männer. Ein Jahrzehnt später
hätte April Wheeler protestiert, zwei Jahrzehnte später
hätten sie und ihr Mann Hippies werden können. Ende der
neunziger Jahre hätte sie ihrem Mann vorwerfen können, warum
er nicht genug Geld verdient habe, um überhaupt nicht mehr
arbeiten zu müssen. Und selbst verdient. Und sie hätte sich
sehr wahrscheinlich schon lange selbst verwirklicht.
(...)
Die Lektüre lohnt sich allemal, auch wenn uns Fords Amerika,
sein Garden-State-New-Jersey der späten achtziger Jahre
näher sein mag als Yates' West-Connecticut. In vierzig
Jahren sieht das vielleicht anders aus."
(David Wagner im Tagesspiegel vom
08.09.2002)
"Der Roman »Zeiten des Aufruhrs« nimmt
hellsichtig den Geist des Computerzeitalters mit all seinen
Folgen für den Einzelnen vorweg. (...). Richard Yates
erzählt eine Geschichte von Verlogenheit, Sittenlosigkeit
und Übersättigung, von der Mechanik des Selbstbetrugs und
vom Irrglauben seiner Figuren, durch gesteigertes
Problembewusstsein über die eigenen Anfechtungen
triumphieren zu können. Die Unsicherheit ihrer Gefühle
treibt sie in den Untergang, dem sie selbst als einzige
Zeugen zusehen."
(Peter Henning in Literaturen, Dezember 2002)
"Es ist kein Zufall, dass Richard Ford diesem
Roman ein Nachwort schreibt, denn mit Yates betritt der
Leser, was er womöglich als Updike-Universum kennt: die
Vorstadt mit ihren gepflegten Rasenflächen, den
Panoramafenstern und sorgfältig gestrichenen Zäunen und der
Angst, die dahinter lauert und beinahe schon zur Allegorie
geworden ist in John Updikes Figur des Harry »Rabbit« Angstrom. Bei Yates, im Westconnecticut dieses
Romans, begegnen wir (...) so mancher Urszene jener
literarischen Seelenarbeit, der Rick Moody mit seinem Roman
»Der Eissturm« noch in den 90er Jahren ein postmodernes
Denkmal gesetzt hat.
(...).
»Zeiten des Aufruhrs« ist aus heutiger
Perspektive ein beinahe prophetisches Buch. In Frank Wheeler
– diesem »Jean-Paul-Sartre-Typ« mit den Gewohnheiten eines
Bartleby – und seiner Frau April nimmt Richard Yates die
Generation der Studentenrevolte und des
Vietnamkrieg-Protests vorweg. Woran die Wheelers zugrunde
gehen, dagegen werden ihre Kinder rebellieren. Und woran
Frank in seinem New Yorker Büro arbeitet, das wird die
Gesellschaft wirklich auf den Kopf stellen. (...) Frank
bereitet, ohne es zu wissen (und auch ohne das sein Schöpfer
davon wissen konnte), bereits den Siegeszug des PC vor. Die
soziale Revolution von ’68 und die informationelle
Revolution des letzten Jahrhundertviertels – in diesen Roman
von 1961 sind sie bereits eingeschrieben."
(Wieland Freund in der Welt vom 07.12.2002)
"Vielleicht sind es bestimmte Zeiten, in denen sich (...)
Geschichten besonders gut schreiben lassen, Zeiten, in denen
sich im individuellen Spiel von Ambition und Enttäuschung
auch die Anlage einer ganzen Gesellschaft spiegeln läßt. Für
Fitzgerald waren es die späten Zwanziger, für Yates und
Percy die frühen Sechziger, für Bret Easton Ellis oder Jay
McInerny waren es die frühen Neunziger. Immer geht es in
diesen Büchern um den amerikansichen Traum, der gebaut wurde
auf Lügen, Alkohol und schlechten Sex; und immer geht es um
die Frage, wie sich Normalität herstellen läßt, ohne dem
Konformismus zu erliegen.
Bei Yates sind es die Selbsttäuschungen von Menschen, die
nicht merken, daß ihnen genau das Leben zustößt, das sie
eigentlich verachten."
(Georg Diez in der FAZ vom
13.02.2003)
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Rezensionen
- WAGNER, David (2002): Paris
macht alles besser.
Eine Wiederentdeckung aus Amerika: Richard Yates
beschreibt, wie das Familienglück in Suburbia vor einem
halben Jahrhundert aussah,
in: Tagesspiegel v. 08.09.
-
REICHERT, Manuela (2002): Danke, dass Sie sich an mich
erinnern.
Der Sieg der Vorstadt über die edle Seele: Richard Yates
großartiger Roman "Zeiten des Aufruhrs",
in: Berliner Zeitung v. 07.10.
- Inhalt:
REICHERT hält "Zeiten
des Aufruhrs" für eine "meisterhafte literarische Studie
über selbst inszenierte Irrtümer, Charakterbetrug und
Kommunikationsunfähigkeit. Das sich als Bohemiens
stilisierende Paar inmitten der Kleinbürgerwüstenei, seine
ewig gleichen pseudointellektuellen Reden, ihre Träume von
der Selbstverwirklichung sind ebenso lächerlich wie die
heitere Ehefassade ihrer besten Freunde. Mühelos überspringt
dieses Elend die vergangenen 50 Jahre und konfrontiert uns
mit einer ganz und gar gegenwärtigen Düsternis."
- HENNING, Peter (2002): Richard
Yates: Zeiten des Aufruhrs,
in: Literaturen Nr.12, Dezember
- WILHELMY, Thorsten (2002):
Leiden an Amerika.
Gesellschaftsroman. Richard Yates' "Zeiten des Aufruhrs".
Mehr als vierzig Jahre nach seinem Erscheinen wird ein
vorgeblicher Klassiker übersetzt. Sein Thema: das Mittelmaß,
in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.
-
FREUND, Wieland (2002): Labyrinth der Vorstadt.
Aus dem Updike-Universum - Richard Yates' neu entdeckter
Roman "Zeiten des Aufbruchs",
in: Welt v. 07.12.
-
DIEZ, Georg (2003):
Mannsein als Wille und Wahn.
Richard Yates zerlegt den amerikanischen Traum der
Fünfziger,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.02.
-
LÜHE, Marion (2003): Die Lügen der Vorstädte.
Lass uns noch einmal von vorne anfangen: "Zeiten des
Aufruhrs", Richard Yates Psychogramm einer amerikanischen
Mittelschichtsehe, erscheint nach dreißig Jahren in
deutscher Übersetzung,
in: TAZ v. 11.03.
- Inhalt:
LÜHE lobt
Richard Yates' Roman "Zeiten des Aufruhrs":
In
gestochen scharfen Momentaufnahmen führt er die Tragik
zweier Menschen vor, die ihre Situation recht klar
durchschauen und doch nicht die Kraft aufbringen, sich aus
diesem »Zustand totalen Selbstbetrugs« zu befreien.
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