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Richard Yates: Vororttristesse und Konformitätsdruck der 50er Jahre

 
       
     
       
     
       
   

Richard Yates: Porträts und Gespräche

 
   

O'NAN, Stewart (1999): The Lost World of Richard Yates.
How the great writer of the Age of Anxiety disappeared from print,
in: Boston Review Oktober/November

COX, Elizabeth (2000): Meet Richard Yates,
in: Pif Magazine Nr.10

CRUMLEY, James (2001): The Last Gentleman.
A friend and student remembers Richard Yates,
in: Boston Review April/Mai

 
       
   

Elf Arten der Einsamkeit (2006).
München: Deutsche Verlagsanstalt

 
   
     
 

Klappentext

"Wie Ernest Hemingway prägte Richard Yates eine ganze Generation von Schriftstellern. Ob Angestellter in einem kleinen Büro in Manhattan, ob Feldwebel in Texas oder ob Tuberkulosepatient auf Long Island, Richard Yates’ Figuren sind allesamt darum bemüht, ihr unglückliches Leben in den Griff zu bekommen. Sie hassen ihre Arbeit, trinken zuviel und träumen von besseren Zeiten. Sie schlingern zwar dem Untergang entgegen, aber sie weigern sich, ihre Illusionen aufzugeben.
Richard Yates entlarvt die Schattenseiten des amerikanischen Traums mit realistischer Schärfe. Zugleich zeichnet er seine Figuren mit tiefer Sympathie. Meisterhafte Short stories aus einer Welt, die ihre Ideale zu verlieren droht.
"

 
     
 
       
   

Rezensionen

Neu:
SCHMID, Georg (2006): Funkelnde Geschichten aus dem tristen Alltag.
Richard Yates: "Elf Arten der Einsamkeit",
in: DeutschlandRadio v. 21.02.

 
       
   

Revolutionary Road (1961).
Boston: Litte, Brown and Co.
(Wiederveröffentlichung bei
Vintage Books, 2000)

 
   
     
 

Klappentext

"From the moment of its publication in 1961, Revolutionary Road was hailed as a masterpiece of realistic fiction and as the most evocative portrayal of the opulent desolation of the American suburbs. It's the story of Frank and April Wheeler, a bright, beautiful, and talented couple who have lived on the assumption that greatness is only just around the corner. With heartbreaking compassion and remorseless clarity, Richard Yates shows how Frank and April mortgage their spiritual birthright, betraying not only each other, but their best selves.
In his introduction to this edition, novelist Richard Ford pays homage to the lasting influence and enduring power of Revolutionary Road."

Stimmen zu "Revolutionary Road"

"In den 50er Jahren wurde »Konformität« zum Codewort für männliche Unzufriedenheit (...).
Die Antwort für Millionen von Grays lag nicht etwa darin, irgend etwas Ungewöhnliches zu tun - wie Ehefrau und Job zu verlassen (...), sondern sich zumindest des potenziellen »Ichs« bewußt zu werden, das in einem schlummerte. Für die meisten Unzufriedenen im grauen Flanell bestand hierin ihre ganze Rebellion: Sie kultivierten ein starkes Problembewußtsein für Konformität - wie übrigens alle anderen auch - und erreichten durch dieses Bewußtsein eine Art höherer, reflektierter Anpassung.
Frank Wheeler, der Held aus Richard Yates' Roman Revolutionary Road war der Rebell im grauen Flanell und ein brillanter Anwender dieser höheren Konformität. Als junger Mann in den späten 40er Jahren war er beinahe ein Rebell gewesen. Er hatte in einem schäbigen Apartment in Greenwich Village gelebt, am City-College studiert und von den Dingen geträumt, die er gerne schreiben wollte. Eine ungeplante Schwangerschaft hatte ihn in die Realität männlichen Erwachsenseins zurückgebracht. Als »starker« Mann verbot er seiner Freundin April, das Kind abzutreiben. Er heiratete sie und nahm eine Arbeit in der Werbeabteilung von Knox Business Machines an, die er seinen Freunden sofort als »den langweiligsten Job, den man sich vorstellen kann« beschreibt. Im Jahre 1950 haben Frank und April bereits zwei Kinder und ein großes Haus. Es liegt in der »Revolutionary Road«, und zwar weit entfernt von den einfachen Häusern des Neubaugebietes, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen. Frank vergißt jedoch seine jugendlichen Träumereien nicht; er baut sie sogar in seinen Alltag ein: als ironischen Kontrapunkt zur gähnenden Langeweile und »hoffnungslosen Leere« um ihn herum. Den ganzen Tag arbeitet er - oder gibt zumindest vor, bei Knox Business Machines stark beschäftigt zu sein -, abends trinkt er mit April und gemeinsamen Freunden, den Campbells, und unterhält sich mit seinen sarkastischen Kommentaren zur Mittelschichtskonformität (...).
Konformität zerstört nicht nur die Seelen der Männer, sondern auch ihre Männlichkeit. Die von Psychologen gepredigte Anpassung ist kein Weg zu erwachsener Maskulinität, sondern zur Kastration (...).
April (..) möchte, daß er aussteigt, bevor die Kastration vollendet ist. Sie will mit ihm nach Paris gehen; sie will den Lebensunterhalt verdienen, und er soll schreiben.
Aber April ist ihrer Zeit voraus. Zwanzig Jahre später hätte sich der vernünftige Mann auf ein solches Angebot gestürzt. Hier geht es jedoch darum, daß Frank lediglich sagt, was er tun möchte. Seine einzigen Aktivitäten aber sind die abendlichen Tiraden über Konformität. Frank hat furchtbare Angst, seine Sicherheit in der Revolutionary Road aufzugeben und noch mehr Angst davor, daß er gar nichts mehr zu sagen hätte in einem Forum, das größer ist als sein eigenes Wohnzimmer. Nur wenige Stunden vor seinem Geistesblitz über Kastration hat er sich entschlossen, eine Beförderung anzunehmen und bei Knox Business Machines zu bleiben. Er wird noch mehr Geld verdienen, noch mehr Whisky-Sodas trinken und seine ironische Sensibilität weiter zu kultivieren, von der seine Würde abhängt: Er weiß, daß er als Mann zerstört ist, aber wenigstens weiß er es."
(Barbara Ehrenreich in "Die Herzen der Männer", 1984, S.38ff.)

 
     
 
       
   

Zeiten des Aufruhrs (2002).
München: Deutsche Verlagsanstalt
(Originaltitel: Revolutionary Road)

 
   
     
 

Klappentext

"In Amerika gehört Richard Yates' Roman »Zeiten des Aufruhrs« zu den modernen Klassikern. Hierzulande gilt es, sein herausragendes, scharfsichtiges Buch um ein Ehedrama noch zu entdecken. Yates ist einer der ganz Großen, »Zeiten des Aufruhrs« sein Opus magnum.
Frank und April, ein Paar, das zu allen Hoffnungen Anlaß gibt, talentiert, jung, gutaussehend, er mit einem Job in der City, sie, eine erfolgreiche Schaupielschülerin, widmet sich zunächst noch den eigenen Kindern - in Erwartung des bevorstehenden gesellschaftlichen Aufstiegs. Doch das Leben hält anderes bereit: Frank verstrickt sich in eine Affäre, April erstickt im Vorstadtmuff, und ihre Träume werden immer verstiegener. Wie lange werden sie die Illusion aufrechterhalten können? Alles steuert auf eine Katastrophe zu. Mit psychologischer Genauigkeit und literarischer Finesse beschreibt Richard Yates die Zerstörung eines Traumes, der von Anfang an Selbstbetrug war.
Mit einem Nachwort von Richard Ford
Aus dem Englischen von Hans Wolf"

Pressestimmen

"»Revolutionary Road« ist ein Desillusionsroman. Yates schildert die Menschen in Suburbia wie Verbannte, in Banalität, Traurigkeit und tödlicher Langeweile.
(...)
In zeitloser Schönheit hat die »Revolutionary Road« die letzten vierzig Jahre nicht überstanden. Heute (...) träumen Frauen seltener von der Aufopferung für die künstlerische Selbstverwirklichung ihrer Männer. Ein Jahrzehnt später hätte April Wheeler protestiert, zwei Jahrzehnte später hätten sie und ihr Mann Hippies werden können. Ende der neunziger Jahre hätte sie ihrem Mann vorwerfen können, warum er nicht genug Geld verdient habe, um überhaupt nicht mehr arbeiten zu müssen. Und selbst verdient. Und sie hätte sich sehr wahrscheinlich schon lange selbst verwirklicht.
(...)
Die Lektüre lohnt sich allemal, auch wenn uns Fords Amerika, sein Garden-State-New-Jersey der späten achtziger Jahre näher sein mag als Yates' West-Connecticut. In vierzig Jahren sieht das vielleicht anders aus."
(David Wagner im Tagesspiegel vom 08.09.2002)

"Der Roman »Zeiten des Aufruhrs« nimmt hellsichtig den Geist des Computerzeitalters mit all seinen Folgen für den Einzelnen vorweg. (...). Richard Yates erzählt eine Geschichte von Verlogenheit, Sittenlosigkeit und Übersättigung, von der Mechanik des Selbstbetrugs und vom Irrglauben seiner Figuren, durch gesteigertes Problembewusstsein über die eigenen Anfechtungen triumphieren zu können. Die Unsicherheit ihrer Gefühle treibt sie in den Untergang, dem sie selbst als einzige Zeugen zusehen."
(Peter Henning in Literaturen, Dezember 2002)

"Es ist kein Zufall, dass Richard Ford diesem Roman ein Nachwort schreibt, denn mit Yates betritt der Leser, was er womöglich als Updike-Universum kennt: die Vorstadt mit ihren gepflegten Rasenflächen, den Panoramafenstern und sorgfältig gestrichenen Zäunen und der Angst, die dahinter lauert und beinahe schon zur Allegorie geworden ist in John Updikes Figur des Harry »Rabbit« Angstrom. Bei Yates, im Westconnecticut dieses Romans, begegnen wir (...) so mancher Urszene jener literarischen Seelenarbeit, der Rick Moody mit seinem Roman »Der Eissturm« noch in den 90er Jahren ein postmodernes Denkmal gesetzt hat.
(...).
»Zeiten des Aufruhrs« ist aus heutiger Perspektive ein beinahe prophetisches Buch. In Frank Wheeler – diesem »Jean-Paul-Sartre-Typ« mit den Gewohnheiten eines Bartleby – und seiner Frau April nimmt Richard Yates die Generation der Studentenrevolte und des Vietnamkrieg-Protests vorweg. Woran die Wheelers zugrunde gehen, dagegen werden ihre Kinder rebellieren. Und woran Frank in seinem New Yorker Büro arbeitet, das wird die Gesellschaft wirklich auf den Kopf stellen. (...) Frank bereitet, ohne es zu wissen (und auch ohne das sein Schöpfer davon wissen konnte), bereits den Siegeszug des PC vor. Die soziale Revolution von ’68 und die informationelle Revolution des letzten Jahrhundertviertels – in diesen Roman von 1961 sind sie bereits eingeschrieben.
"
(Wieland Freund in der Welt vom 07.12.2002)

"Vielleicht sind es bestimmte Zeiten, in denen sich (...) Geschichten besonders gut schreiben lassen, Zeiten, in denen sich im individuellen Spiel von Ambition und Enttäuschung auch die Anlage einer ganzen Gesellschaft spiegeln läßt. Für Fitzgerald waren es die späten Zwanziger, für Yates und Percy die frühen Sechziger, für Bret Easton Ellis oder Jay McInerny waren es die frühen Neunziger. Immer geht es in diesen Büchern um den amerikansichen Traum, der gebaut wurde auf Lügen, Alkohol und schlechten Sex; und immer geht es um die Frage, wie sich Normalität herstellen läßt, ohne dem Konformismus zu erliegen.
Bei Yates sind es die Selbsttäuschungen von Menschen, die nicht merken, daß ihnen genau das Leben zustößt, das sie eigentlich verachten."
(Georg Diez in der FAZ vom 13.02.2003)

 
     
 
       
   

Der Film zum Buch

Sam Mendes - Zeiten des Aufruhrs
 
   

Rezensionen

WAGNER, David (2002): Paris macht alles besser.
Eine Wiederentdeckung aus Amerika: Richard Yates beschreibt, wie das Familienglück in Suburbia vor einem halben Jahrhundert aussah,
in: Tagesspiegel v. 08.09.

REICHERT, Manuela (2002): Danke, dass Sie sich an mich erinnern.
Der Sieg der Vorstadt über die edle Seele: Richard Yates großartiger Roman "Zeiten des Aufruhrs",
in: Berliner Zeitung v. 07.10.

Manuela REICHERT hält Zeiten des Aufruhrs für eine "meisterhafte literarische Studie über selbst inszenierte Irrtümer, Charakterbetrug und Kommunikationsunfähigkeit. Das sich als Bohemiens stilisierende Paar inmitten der Kleinbürgerwüstenei, seine ewig gleichen pseudointellektuellen Reden, ihre Träume von der Selbstverwirklichung sind ebenso lächerlich wie die heitere Ehefassade ihrer besten Freunde. Mühelos überspringt dieses Elend die vergangenen 50 Jahre und konfrontiert uns mit einer ganz und gar gegenwärtigen Düsternis."

HENNING, Peter (2002): Richard Yates: Zeiten des Aufruhrs,
in: Literaturen Nr.12, Dezember

WILHELMY, Thorsten (2002): Leiden an Amerika.
Gesellschaftsroman. Richard Yates' "Zeiten des Aufruhrs". Mehr als vierzig Jahre nach seinem Erscheinen wird ein vorgeblicher Klassiker übersetzt. Sein Thema: das Mittelmaß,
in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

FREUND, Wieland (2002): Labyrinth der Vorstadt.
Aus dem Updike-Universum - Richard Yates' neu entdeckter Roman "Zeiten des Aufbruchs",
in: Welt v. 07.12.

DIEZ, Georg (2003): Mannsein als Wille und Wahn.
Richard Yates zerlegt den amerikanischen Traum der Fünfziger,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.02.

LÜHE, Marion (2003): Die Lügen der Vorstädte.
Lass uns noch einmal von vorne anfangen: "Zeiten des Aufruhrs", Richard Yates Psychogramm einer amerikanischen Mittelschichtsehe, erscheint nach dreißig Jahren in deutscher Übersetzung,
in: TAZ v. 11.03.

LÜHE lobt Richard Yates' Roman Zeiten des Aufruhrs: "In gestochen scharfen Momentaufnahmen führt er die Tragik zweier Menschen vor, die ihre Situation recht klar durchschauen und doch nicht die Kraft aufbringen, sich aus diesem »Zustand totalen Selbstbetrugs« zu befreien."
 
   

Das Buch in der Debatte

EHRENREICH, Barbara (1984): Die Herzen der Männer. Auf der Suche nach einer neuen Rolle, Reinbek: Rowohlt
 
   

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© 2002-2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 04. April 2002
Stand: 15. Juli 2015