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Sylvia Ann
Hewlett: Mein Kampf gegen die
späte Mutterschaft
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Kurzbiographie
- Mitte der 40er Jahre in South
Wales geboren
- Studium der Ökonomie
- Gründerin der National
Parenting Association
- 1986 Buch "A Lesser Life"
- 1998 Buch "The War Against
Parents"
- 2002 Buch
"Creating a Life"
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Sylvia Ann Hewlett
in ihrer eigenen Schreibe
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Sylvia Ann Hewlett
im Gespräch
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STOSSEL, Sage (2002): In Search of Mr. Right.
Barbara Dafoe Whitehead, the author of Why There Are No Good Men
Left, discusses the challenges facing today's single women, and
argues thatthe contemporary courtship system needs to be transformed,
in: Atlantic Unbound v. 18.12.
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Creating a Life
(2002).
Professional Women and the Quest for Children
(in Großbritannien unter dem Titel Baby Hunger: The New Battle for
Motherhood erschienen)
USA: Talk Miramax Books
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Pressestimmen
"Jede dritte Frau in einer
Spitzenposition ist unfreiwillig kinderlos. Primäre
Ursache dieses misslichen Umstandes ist keineswegs
die Unvereinbarkeit von Beruf und Privatleben,
sondern ganz simpel der Umstand, dass Karrierefrauen
es schwer haben, geeignete Partner zu finden. (...).
Ann Hewlett empfiehlt daher jüngeren Frauen, bereits
in ihren Zwanzigern Beziehung und Nachwuchs
einzuplanen und genauso gezielt wie ihre Karriere
anzugehen (...). Der Rollback scheint eingeleitet."
(Walter Braun in Psychologie
Heute, September 2002)
"In Deutschland konzentriert sich der politische
Streit gegenwärtig darauf, vor allem mehr
Ganztagsbetreuungsplätze für Kinder zu schaffen. In
den USA aber ist Ganztagsbetreuung längst
verbreitet. Dass dort das Thema Vereinbarkeit von
Familie und Beruf immer noch so wichtig ist, zeigt,
dass es um die Fremdbetreuung allein nicht gehen
kann.
(...) Das Kinderkriegen nur an einen bestimmten
Punkt in die eigene Erwerbsbiografie einzuplanen,
ist (...) riskant. Umgekehrt wäre es sicherer: Wenn
die Bindung zum Partner stimmt, sollte es zu jeder
Zeit möglich sein, ein Kind zu bekommen, ohne
beruflich vollständig abgemeiert zu werden. Das Kind
muss nicht mit dem Beruf, der Beruf muss mit dem
Kinderkriegen vereinbart werden. Es ist das
Verdienst von Hewlett, diesen Perspektivenwechsel
wenigstens anzusprechen."
(Barbara Dribbusch in der TAZ vom
26.11.2002)
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Das Buch in der
deutschsprachigen Debatte
- BRAUN, Walter (2002): Der
hohe Preis des Erfolgs.
In den USA ist jede dritte Frau in einer Spitzenposition
ungewollt kinderos,
in: Psychologie Heute Nr.9, September
- Kommentar:
BRAUN stellt die Thesen von Sylvia Ann
HEWLETT ("Creating a Life: Professional Women and the Quest
for Children") vor, ohne jedoch auf die US-amerikanische
Kontroverse darüber einzugehen (siehe hierzu ausführlich die
TIME-Titelgeschichte vom
15.04.2002).
- Neu:
DRIBBUSCH, Barbara (2002): Karriere ja - aber später.
Wegen des beruflichen Drucks schieben viele Frauen das
Kinderkriegen auf ein zu enges Zeitfenster zwischen dem 35.
und 40. Lebensjahr - es ist notwendig, das zu entzerren,
in: TAZ v. 26.11.
- Inhalt:
Single-dasein.de berichtete bereits
anlässlich der TIME-Titelgeschichte
vom 15.04.2002 über die US-amerikanische Debatte, die das
Buch von Sylvia Ann HEWLETT ausgelöst hat. Nun ist die
Debatte auch bei der TAZ angekommen.
DRIBBUSCH
referiert zuerst pflichtgemäß die feministische Kritik von
Garance FRANKE-RUTA (The
American Prospect vom Juli 2002), um anschließend den
Grundgedanken von HEWLETT zu verteidigen.
DRIBBUSCH
kritisiert das Grundmuster der "späten Mütter" im
Akademikermilieu und plädiert für die frühe Mutterschaft
und späte Karrieren. Als "Role model" präsentiert sie die
jetzige
Familienministerin Renate SCHMIDT.
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Das Buch in der
englischsprachigen Debatte
Time-Titelgeschichte:
Babies vs. Career.
Which should come first for
Women who want both? The harsh facts about fertility
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GIBBS, Nancy (2002):
Making Time for a Baby.
For years, women
have been told they could wait until 40 or later to have
babies. But a new book argues that's way too late,
in: Time Nr.15 v. 15.04.
- Inhalt:
Anlass
der Coverstory ist das Erscheinen von "Creating a Life:
Professional Women and the Quest for Children", das neuste
Buch der "Antifeministin" Sylvia Ann HEWLETT.
HEWLETT
stellt die Gefahren der späten Mutterschaft in den
Mittelpunkt. Ihr Buch ist ein Plädoyer dafür, zuerst an das
Gebären und dann erst - wenn überhaupt - an eine Karriere zu
denken.
Obwohl die
USA die höchste Geburtenrate unter den westlichen
Industriestaaten hat, stehen die kinderlosen Karrierefrauen
weiterhin im Brennpunkt des s öffentlichen Interesses.
Stand
in den 80ern und 90ern noch das Thema "Heiratschancen" im
Vordergrund, so steht nun seit einiger Zeit das Thema
"Gebärchancen" auf der Tagesordnung. Kampagnen (Motto: "Advancing
age decreases your ability to have Children") sollen
Karrierefrauen ihre geringen Gebärchancen vor Augen führen.
Karrierefrauen
sollen aufgrund von Medienberichten über die Erfolge der
Reproduktionsmedizin unrealistische Vorstellungen über ihre
Fruchtbarkeit haben.
Auch bei
dieser Kampagne ist die Statistik ein wichtiges
Instrumentarium, um den Karrierefrauen ihr Dilemma zu
verdeutlichen:
"Recent
Census data support Hewlett's research: childlessness has
doubled in the past 20 years, so that 1 in 5 women between
ages 40 and 44 is childless. For women that age and younger
with graduate and professional degrees, the figure is 47%."
Die
statistischen Zahlen sagen jedoch nichts über die
Freiwilligkeit der Kinderlosigkeit aus. Während
Feministinnen durch die Kampagnen die Wahlfreiheit von
Frauen eingeschränkt sehen, gehen die Kampagnenbefürworter
dagegen davon aus, dass Frauen aufgrund mangelndem Wissen
über die Gebärchancen ihren Kinderwunsch so lange
hinausschieben, dass sie den Zeitpunkt für ein Kind
verpassen und damit ungewollt kinderlos bleiben:
"a couple
that imagines fertility is no problem until age 40 and tries
to get pregnant for 30 months before seeing a doctor is
facing very long odds of ever becoming parents. "
-
PONIEWOZIK, James (2002):
The Cost of Starting Families.
For those who
choose to have children early in life, the trade-off may
involve more than just money,
in: Time Nr.15 v. 15.04.
- Inhalt:
PONIEWOZIK stellt junge Mütter mit ihren Problemen vor. Am
Ende werden nochmals die Vorteile der frühen Entscheidung
zum Kind herausgestrichen:
"They have
greater energy to keep up with young kids and can look
forward to a longer empty-nest life. In addition to the
reduced risk of running into fertility problems, some moms
say they're glad they took the physical beating of pregnancy
and labor while still in their more resilient 20s."
-
ASHLEY, Jackie (2002): Women really can have it all - with a
little bit of help.
A female-friendly state can make a significant investment
in the future,
in: Guardian v. 24.04.
-
BENNETT, Catherine (2002): Why men shouldn't trapped by
baby-hungry women,
in: Guardian v. 25.04.
-
REEVES, Richard (2002): Fathers don't get to have it all
either.
For men, work is a duty, not an option. But many long for
more time with their kids,
in: The Observer v. 28.04.
-
BOSELEY, Sarah (2002): Women's fertility in decline by
late-20s.
Biological clock starts earlier, say scientists after
surprise survey,
in: Guardian v. 30.04.
-
FIGES, Kate (2002): Why is no one buying Baby Hunger?
It made the front pages - but the bookshops can't shift it.
Kate Figes is not surprised,
in: Guardian v. 23.05.
- Kommentar:
Das Buch von Sylvia Ann HEWLETT wurde
beiderseits des Atlantiks mit großem Medienaufwand beworben,
aber in den Buchläden floppte das Buch. FIGES versucht nun
diesen Misserfolg zu erklären.
Diejenigen,
die unfreiwillig kinderlos sind kaufen sich lieber Bücher,
die ihnen sagen WIE sie schwanger werden können und
gewollt Kinderlose benötigen das Buch erst gar nicht.
In
Deutschland hat Katja KULLMANN das Problem mit dem
Buch
"Generation Ally" elegant gelöst, indem sie das Thema in
einem - oberflächlich gesehen - locker geschriebenen
Lifestylebüchlein verpackt hat. Die Kritik hat es ihr nicht
gedankt, aber die Leserschaft hat es dafür erreicht.
-
FLANAGAN, Caitlin (2002): What Price Valor?
Bravura displays of reproductive technology may shortchange
the children,
in: The Atlantic Monthly, Juni
- Inhalt:
FLANAGAN kommt aufgrund der Daten in HEWLETTs
Buch zu ganz anderen Ergebnissen als die Autorin:
"the
curious thing about Creating a Life: the true heroes
of the book turn out to be not those women who had their
children early in the game but, rather, the few winners of
the late-life fertility lottery, a remarkable band of "gutsy
big-hearted women" who went for broke and managed to achieve
pregnancies at near-biblical ages".
-
LANGLEY, Liz (2002): Baby Panic?
Don't panic,
in: Orlando Weekly v. 05.06.
-
FRANKE-RUTA, Garance (2002): Creating a Lie.
Sylvia Ann Hewlett and the myth of the baby bust,
in: The American Prospect v. 01.07.
-
MARCUS, Laura (2002): The joys of childlessness.
The decision not to have children is hardly confined to the
career-driven middle-class professional,
in: Guardian v. 22.08.
- Kommentar:
Laura MARCUS versteht sich als gewollt
kinderlos und nicht als
kinderfrei.
Aus dieser
Position heraus kritisiert sie die Debatte um kinderlose
Karrierefrauen wie sie von Sylvia Ann HEWLETT oder
Barbara Dafoe
WHITEHEAD forciert wird:
"When you
can't make decisions about even the simplest things, it's
actually quite nice when nature does it for you; and, no, I
never considered IVF because, unlike the professional,
driven career woman my choice is supposed to represent, I
simply could not afford it.
Which is where I part company with the whole
to-have-or-not-to-have-kids debate. Like so many social
issues today, it has been hijacked by the middle classes.
You can be an earth mother, working mother (professional
woman, of course) or childless career woman. Always there's
the assumption that a woman who doesn't have kids is a
high-flier and high-earner. But why?"
-
MOUNTFORD, Katelyn (2002): Beating the backlash against women,
in: Green Left Weekly v. 18.09.
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- LEHN, Brigitte vom (2003): Frauen in
der Fruchtbarkeitsfalle.
Der Zeitgeist verlangt es: Schwangerschaften lange verhüten und
spät erzwingen,
in: Welt v. 04.03.
- Kommentar:
Adel verpflichtet! LEHN arbeitet an der
Bevölkerungsfront.
Mitte der 80er Jahre
hieß es noch, dass eine Karrierefrau
mit 35 keinen Mann mehr bekommt, heute ist es das Kind, das sie
nicht mehr bekommt.
Das US-amerikanische
Nachrichtenmagazin TIME und andere konservative Medien haben im
letzten Jahr Sylvie Ann HEWLETT - Die Kämpferin gegen späte Mutterschaft -
mit großen Medienaufwand gehypt. Ihrem Buch hat es nichts genützt!
LEHN hat nun das Thema
aufgegriffen, ohne natürlich die Hintergründe zu benennen. Das
"Alter als Fruchtbarkeitskiller" ist das Thema, mit dem
Karrierefrauen neuerdings unter Druck gesetzt werden sollen.
Ungewollte Kinderlosigkeit ist angeblich ein Tabuthema. Muss
auch so sein, denn das schreibt die Ökonomie der Aufmerksamkeit vor!
LEHN hat auch einige
plakative Bilder zum Thema tickende biologische Uhr parat:
"Findet nicht jeder im Bekanntenkreis
Beispiele für zunächst gewollte, dann ungewollte Kinderlosigkeit?
Sei es die Generation-Golf-Überfliegerin, die sich der dramatischen
Stimmungsflaute am Arbeitsplatz plötzlich psychisch nicht mehr
gewachsen sieht, aus dem gut dotierten Job aussteigt und jetzt
vergeblich der Illusion eines »ruhigen Familienlebens«
hinterherrennt, weil es »nicht klappt«. Oder die erfolgreiche
Diplomkauffrau, die aus heiterem Himmel mit Ende 30 an Magersucht
erkrankt, weil sie den Blick in fremde Kinderwagen nicht mehr
erträgt".
Und weil das noch nicht
reicht:
"Über 100 000 Zugriffe
monatlich verzeichnet die Website www.wunschkinder.de. »Ungewollte
Kinderlosigkeit zählt gerade für Frauen zu den schlimmsten
Ereignissen ihres Lebens«, weiß Professor Elmar Brähler, Leiter der
Abteilung für Medizinische Psychologie der Universität Leipzig".
Die vielen Zugriffe
rühren wahrscheinlich davon, dass gerade außerordentlich viele
Journalisten wie LEHN über das Thema Unfruchtbarkeit recherchieren. Das ist jetzt keine
Verunglimpfung derjenigen, die davon betroffen sind. Das Problem
existiert, aber es existiert weder erst seit heute, noch ist es
heute drängender als in den 80er Jahren (sieht man vom erhöhten
sozialen Druck ab). Umgekehrt gilt, dass
es
heute viel mehr Erstgebärende im Alter über 30 gibt:
"Zwar verdreifachte sich die
Zahl der über 35-jährigen Erstgebärenden zwischen 1990 und 2000 von
fünf auf 16 Prozent. Doch die Zahl der
ungewollt kinderlos Gebliebenen über 35 liegt im Dunkeln".
Erstaunlich! Die Autorin weiß
sogar was eine Dunkelziffer ist! Bei den internationalen Zahlen zu
den Abtreibungen, da wusste sie es nicht, aber da hätte das auch
nicht in die Argumentation gepasst.
Leider interessiert das
unsere Bevölkerungswissenschaftler überhaupt nicht! Sie berechnen
die aktuellen Geburtenraten immer noch mit Frauen, deren
Erstgebäralter wesentlich niedriger liegen. Deshalb ist die
Geburtenrate für junge Frauen zu niedrig geschätzt. Ganz nebenbei
bemerkt!
LEHN meint, dass es ein
Informationsdefizit bei Frauen gibt, und sie deshalb über die
Babychancen aufklären muss. Das Defizit existiert nicht.
Katja KULLMANN hat in "Generation Ally" klargemacht, dass das
Problem woanders liegt. Und auch der überbordende Ratgebermarkt
beweist das Gegenteil.
"Es mag altmodisch klingen,
aber »carpe diem« lautet auch heute noch das Gebot der
Fortpflanzung. Und das müsste im schulischen Aufklärungsunterricht
ebenso gelehrt werden wie die Anwendung von Kondomen", meint LEHN.
Die
FAZ berichtet dagegen von der Zunahme minderjähriger Mütter.
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