"T.C. Boyle erzählt in seinem
Roman über eine Hippiekommune, die von Kalifornien
nach Alaska zieht, mit allen berechenbaren und
unberechenbaren Folgen. Drop City ist der Roman
einer naiven und idealistischen Generation, die das
Lebensgefühl von vielen von Grund auf verändert und
bis auf den heutigen Tag geprägt hat.
Drop City:
So heißt die Hippiekommune, die im Kalifornien der
70er Jahre ihren Traum von einem freien Leben zu
verwirklichen sucht. Eigentlich haben sie alles, was
sie brauchen: ein großes Grundstück, eine
erstklassige Plattensammlung, ein reichhaltiges
Sortiment von Halluzinogenen. Doch das Nirwana
finden sie trotzdem nicht. Ein Kind trinkt
Orangensaft, der mit LSD versetzt ist, eine
Minderjährige wird von Kommunemitgliedern
vergewaltigt, es kommt zu Handgreiflichkeiten, und
der Unrat türmt sich meterhoch, bis der Sheriff
einschreitet und droht, das Gelände zu räumen. Also
beschließt Norm, der Guru des Stammes, nach Alaska
zu ziehen, wo er von einem Onkel eine Hütte geerbt
hat. In ihrem alten, mit Drogen voll bepackten
Schulbus reisen sie nach Norden, unbehelligt von den
kanadischen Grenzern, denen sie weismachen, sie
seien die Greatful Dead auf Tournee.
Unter dem polaren Himmel kommt es zur Kollision
zweier Kulturen: Die ortsansässigen Jäger und
Trapper sind nicht erbaut über die Fremdlinge,
und als der Winter anbricht, geht es nicht mehr
darum, wie man mit tödlicher Langeweile fertig wird,
sondern wie man dem Hungertod entflieht."
Der Autor über
Drop City
"Nicht von ungefähr schickt Boyle seine Hippies
ausgerechnet in diese Einöde: «Alaska ist der
entfernteste Ort, an den man gehen kann. 1970 konnte
man dort noch Grund besetzen, so wie es unsere
Vorväter machten: Man findet Land, nimmt es in
Besitz, baut ein Haus. Keine Steuern, kein
Kaufpreis, nichts. Man lebt dort so wie vor dem
Industriezeitalter.» Die Suche nach der grossen
Freiheit im hohen Norden ist für den Autor aber auch
eine Parabel auf die amerikanische Geschichte:
«Amerika war immer von utopischen
Gesellschaftsformen fasziniert. Die Pilger kamen, um
der Unterdrückung zu entkommen und in ein neues Land
zu ziehen, in dem es alle Ressourcen gab und in dem
sie leben konnten, wie sie wollten. Ich glaube, die
Kommunenbewegung der sechziger spiegelt das wider.»"
(aus: Irene Binal in der Neuen
Zürcher Zeitung vom 19.01.2004)
Pressestimmen
"Der Text (...) lebt nicht unerheblich vom Jargon
des Jahrs 1970, in dem die Handlung angesiedelt ist,
von den Parolen Timothy Learys vor allem, dessen
»Turn on, tune in, drop out« zum Leitmotiv einer
ganzen Generation wurde, die vom Engagement ihres
Landes im Vietnam-Krieg und dessen bedingungslosem
Bewegungs- und Konsumrausch so enttäuscht wurde, daß
sie ihre Zuflucht zu Drogen, Rockmusik und freier
Liebe nahm. Diese Rauschmittel versprachen
Alternativen, die das bürgerliche Leben, die
»Plastikwelt«, nicht mehr bereitzuhalten schien."
(Andreas Platthaus in der FAZ vom
06.09.2003)
"Nicht die Konfrontation Kommune versus Einzelgänger
ist das Problem von Drop City – die Hippies
sind längst Teil des amerikanischen Spiels –, Boyles
Widerhaken steckt hier im Bösen, das jeden
spannenden Western in Bewegung hält. In diesem Fall
ist es der schwarze Lester, der mephistophelisch
Gleichheit für alle einklagt und seinen Anteil am
weißen weiblichen Fleisch fordert, zum anderen Joe
Bosky, ehemaliger Vietnam-Kämpfer, der will, was die
anderen haben – Frauen, Geld, Ärger. Sie spielen die
ewigen Indianer, jenes Feindbild, das Amerika
braucht, um seine Grenzen auszutesten."
(Konrad Heidkamp in der Zeit vom
30.10.2003)