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JARDINE, Anja (2001):
Emanzen auf Japanisch.
Bisher galt Japan nicht gerade als großes Land der
Gleichberechtigung, jetzt wird eine Frau Außenministerin. Im
Land der Geishas brechen die Frauen mit Traditionen, laufen
herum wie Moderebellen und kämpfen sich nach oben,
in: Spiegel Nr.19 v. 07.05.
- Textauszug:
"Fast
die Hälfte der Japanerinnen im Alter zwischen 25 bis 29
ist heute unverheiratet. Lauter "übrig gebliebene
Weihnachtskuchen". Während die Mütter dieser Frauen
spätestens mit 20 ihre ersten Heiratsinterviews zu
absolvieren hatten, denken die Töchter gar nicht daran zu
heiraten. Und wenn, dann muss der Ehemann nicht unter
demselben Dach wohnen. Den jungen Männern soll es recht
sein. Auch sie wohnen lieber bei Muttern als mit ihren
Partnerinnen. So führen diese "parasitären Singles", wie
sie genannt werden, Pendler-Ehen, und die Emanzipation der
Frau geht mit einer gewissen Geschlechtertrennung einher."
- Kommentar:
Interessant daran ist, dass Nesthocker im Japan-Bericht
als Singles bezeichnet werden. Bei uns haben Nesthocker
ein positives Image. Erst im Einpersonenhaushalt werden
aus sozialen Nesthockern asoziale Singles. Familie ist
bei uns eine Frage der Haushaltszusammensetzung und
nicht des Generationenzusammenhalts. Bei uns existiert
immer noch der Mythos vom "Pillenknick". Japan zeigt
aber, dass der Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang
und Antibaby-Pille keineswegs so zwingend ist, wie er
immer wieder dargestellt wird.
- THOLL, Gregor
(dpa)(2001): Kreditkarten, Reisen und Tütensuppen im Angebot
in: Offenbach Post v. 28.06.
- Kommentar:
THOLL
erwähnt sogar die Nesthocker, die so gut wie nie mit dem
Single-Dasein in Verbindung gebracht werden, weil
Nesthocker wenigstens noch so sozial sind, dass sie aus
dem Elternhaus das "Hotel Mama" machen. Für
Familienpolitiker ist das immer noch besser als jeder
asozial lebende Single, auch wenn er täglich seinen Vater
pflegt, der in der gleichen Stadt wohnt.
- BRAUN, Walter (2002):
Verlängerte Jugend.
Junge Leute werden heute frühestens mit
35 erwachsen,
in: Psychologie Heute, Januar
- Kommentar:
Walter
BRAUN berichtet über das "Hotel Mama". BRAUN spricht von
einer Tendenz, "dass Kinder immer länger zu Hause wohnen,
sich versorgen lassen, keine Miete zahlen und auch bei der
Hausarbeit nicht mithelfen. Kurz gesagt: sich weigern, für
ihr Leben Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu
werden."
Er zitiert die britischen Psychologen Stephen RICHARDSON
und Helen HASTE, die für die späten "Reifeprozesse" die
hohen Mietkosten bzw. lange Bildungswege verantwortlich
machen.
Auch in Japan sind Nesthocker ein weit verbreitetes
Phänomen. Dort werden die weiblichen Nesthocker von
Professor Michiko Miyamoto, die an der Chiba Universität
lehrt, als "parasitäre Singles" bezeichnet.
In Deutschland gerät diese Gruppe aufgrund der
Sozialstaatsoptik nicht in den Blickpunkt.
- FUNK, Anne (2002):
Wenn Narziss den goldenen Mittelweg sucht.
"Post-Single-Gesellschaft" entdeckt das Familiäre - Bei der
Jugend eher serielle Monogamie als langfristige Beziehungen,
in: Saarbrücker Zeitung v.
27.04.
- Kommentar:
"Der
Single - die Kultfigur der vielbeschriebenen
Spaßgesellschaft, so scheint es, hat als Generations-Ikone
ausgedient. Vorbei die Zeiten, da Familie als spießig
galt? Und nun: Renaissance der Familie - kehrt der
bourgeoise Nesthocker zurück?", fragt FUNK.
Die
Spassgesellschaft ist eine Zuschreibung der
Kulturpessimisten und keine Selbstbeschreibung von
Singles! Dies könnte sich jedoch ändern.
Und
Singles werden erst als Teil einer
"Single-Generation"
wahrgenommen, wenn zukünftig verstärkt die symbolischen
Abgrenzungskämpfe stattfinden werden.
Auch
der "bourgeoise Nesthocker" wäre kein neues Phänomen,
sondern wurde bisher nur nicht von den Medien entdeckt!
Dies ändert sich
jedoch momentan,
denn offenbar besteht in der Mediengesellschaft ein
Bedürfnis nach Abwechslung - ganz unabhängig von den
tatsächlichen gesellschaftlichen Lebensverhältnissen.
"In
seinem Buch Die Tyrannei der Lust
überhöht der französische Autor GUILLEBAUD gar den neuen
Familienmenschen als letzte Bastion gegen die
Bindungslosigkeit des Neoliberalismus", schreibt FUNK.
Bei single-dasein.de konnte man das schon am 07.04.2002 im
THEMA DES MONATS lesen!
Den
Mythos Single hat der Soziologe
Günter BURKART bereits
1992 - die Medien wollten gerade die Single-Gesellschaft
entdeckt haben - als das Ergebnis statistischer
Fehlinterpretation aufgedeckt. Bereits damals war die so
genannte
serielle
Monogamie keine Neuigkeit, sondern längst Normalfall.
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SCHMIDT, Harald (2002): Nesthocker,
in: Focus Nr.48 v. 25.11.
- Kommentar:
Harald SCHMIDT - die Ikone der
Spaßgesellschaft - beschäftigt sich in seiner Kolumne mit
dem
Phänomen des männlichen
Nesthockers,
der angeblich sozialverträglicher
sein soll als sein allein wohnendes Pendant:
"Dies ist
keineswegs negativ zu beurteilen! Unsere Städte sind voll
von egomanen Singles, die allein 160 Quadratmeter Wohnraum
im sanierten Altbau vernichten, während der Nesthocker
sich sozialverträglich in der Welt als ausgebauter
Dachschräge eingerichtet hat."
Selbsternannte "Feldforscher"
wie SCHMIDT können jedoch gewaltig ins Fettnäpfchen
treten, denn was das AUGE sieht, ist keineswegs das, was
der STATISTIKER zählt und der SOZIALPOPULIST in den Medien
verkündet:
Erstens werden
"Nesthocker" sozialstatistisch oftmals als Singles gezählt
(Immer wenn es sich um eine
Einliegerwohnung handelt sowieso und in
Nordrhein-Westfalen scheint man noch großzügiger bei der
Umwandlung von Nesthockern in Singles zu verfahren -
ATOMISIERUNGSALARM!) und zweitens ist der
hohe
Wohnflächenverbrauch der "Single-Haushalte" in erster
Linie die Folge der höheren Lebenserwartung von allein
wohnenden Witwen, die nach dem Tod ihrer Ehemänner in
der ehemaligen Familienwohnung weitere Jahre allein zurück
bleiben.
Nicht zu
vergessen sind
Wochenendväter, die an ihrem Arbeitsplatz ein
Single-Appartement bewohnen.
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MORCHÉ, Pascal (2002):
Hotel Mama.
Auf und davon aus dem Elternhaus? Das war einmal. Die
Jugend weiß, wo es am schönsten ist: zu Hause!,
in: Focus Nr.50 v. 09.12.
- Kommentar:
In Zeiten, in denen der
Single-Begriff durchweg negative Gefühle weckt, muss man
das Thema "Singles" unter einem anderen Label behandeln,
um ihm positive Seiten abgewinnen zu dürfen.
MORCHÉ folgt
Harald SCHMIDTs Hymne auf die
Nesthocker und hat aus einer Kolumne eine
Titelgeschichte gemacht.
Nächste Woche kann
der FOCUS dann wieder über die Singles als
Sozialschmarotzer hetzen und niemand wird die Heuchelei
bemerken, dass die positiven Nesthocker einen Großteil der
"Sozialschmarotzer" stellen.
Kennzeichnend
für die porträtierten Nesthocker im mittleren Lebensalter
ist eine Einliegerwohnung im Elternhaus. Damit sind diese
Nesthocker aber statistisch gesehen Singles!
Wenn MORCHÉ plötzlich wieder die
Großfamilie heraufziehen sieht, dann ist dies Heuchelei,
denn diese Art von Großfamilie erscheint in keiner
amtlichen Haushaltsstatistik, sondern wird nur vom
Deutschen Jugendinstitut (z.B.
Walter BIEN) unter dem
Begriff "multilokale Mehrgenerationen-Familie"
erfasst.
Den Nesthocker kann
man als eines der Ergebnisse der "Revolution im
Reihenhaus" (GASCHKE) bezeichnen. Er ist ein
Wohlstandsphänomen der Neuen-Mitte-Familie.
War bis vor kurzem
noch überall - außer bei Single-dasein.de - zu lesen, dass
Singles die höchste Kaufkraft besitzen. So wird spätestens
beim Lesen des FOCUS-Titel klar, dass die
Untergruppe der Singles, die
hier als "Nesthocker" bezeichnet wird
und die seit dem Bestseller "Hotel
Mama" (1992) von Elke HERMS-BOHNHOFF auch Thema
wissenschaftlicher Untersuchungen ist, jene Gruppe junger
Singles mit der höchsten Kaufkraft ist:
"Dass 18-jährige
Lehrlinge, die im selben Betrieb wie er arbeiten, sich
durch zusätzliches Jobben ihr eigenes Ein-Zimmer-Apartment
finanzieren, imponiert Jan Oliver nicht. Warum auch? Bei
Papa hat er viel Platz. Die Doppelhaushälfte misst über
160 Quadratmeter."
Als einzige kritische
Stimme gibt es ein Interview mit der
Entwicklungspsychologin Christiane PAPASTEFANOU, die der
Nesthocker-Generation eine düstere Zukunft prophezeit:
"Sie könnten bald zu
den Verlierern unserer modernen Leistungsgesellschaft
werden, weil sie die Grundbedingungen Selbständigkeit und
Flexibilität nicht mitbringen".
Zum Abschluss zählt
MORCHÉ noch ein paar prominente Nesthocker auf, um seine
These zu belegen, dass Nesthocker kaum mehr "Hohn und
Spott über vermeintliche Lebensunfähigkeit" zu hören
bekommen.
Unter dem
Label "Nesthocker" kann man sogar WESTERWELLE etwas
Positives abgewinnen,
während er unter dem Label "Single"
abgewatscht wird. Der
Begriff macht eben den Unterschied!
- MORCHÉ, Pascal (2002): Das
Nesthocker-Problem.
Die Psychologin Papastefanou beklagt den Service im
Hotel Mama. Es macht die Jugend unselbständig,
in: Focus Nr.50 v. 09.12.
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