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Christiane Papastefanou: Nesthocker - Singles in der elterlichen Einliegerwohnung

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • Studium der Psychologie
    • 1997 Buch "Auszug aus dem Elternhaus"
    • Privatdozentin am Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft II an der Universität Mannheim
 
       
     
       
   

Christiane Papastefanou in ihrer eigenen Schreibe

 
       
   
PAPASTEFANOU, Christiane (2002): Jugendliche und ihre Eltern - Freund oder Feind?
Vom Mythos der Generationenkluft,
in: Familienhandbuch.de

PAPASTEFANOU, Christiane (2003): "Nesthocker-Familien".
Zwischen Solidarität und Symbiose,
in: Familienhandbuch.de

 
       
   

Christiane Papastefanou im Gespräch

 
       
   

FOCUS-Titelgeschichte: Hotel Mama.
Besser Billiger Bequemer

MORCHÉ, Pascal (2002): Das Nesthocker-Problem.
Die Psychologin Papastefanou beklagt den Service im Hotel Mama. Es macht die Jugend unselbständig,

in: Focus Nr.50 v. 09.12.

NEON-Titelgeschichte: Wie frei sind wir wirklich?
Auto, Miete, Waschmaschine - wann es endgültig Zeit ist, von Eltern unabhängig zu werden

CARL, Verena (2007): "Ein klarer Deal kann helfen".
Die Entwicklungspsychologin Christiane Papastefanou von der Universität Mannheim hat das Verhältnis zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern erforscht. Sei hält es für wichtig, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen,
in: Neon, Januar

 
       
       
   

Auszug aus dem Elternhaus (1997).
Aufbruch und Ablösung im Erleben von Eltern und Kindern
München: Juventa Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Der Auszug aus dem Elternhaus markiert für die jungen Erwachsenen wie auch für ihre Eltern einen wichtigen Übergang, der einen neuen Lebensabschnitt einleitet. Eltern und Kinder sind in dieser Entwicklungsphase vor eine neuartige Situation gestellt, die Anpassungsleistung auf beiden Seiten erfordert. Der Band gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der empirischen Forschung, sowie über theoretische Beiträge zu Ablösung und Auszug Jugendlicher, Elterlichem Empty-Nest-Erleben, Familien mit sich ablösenden jungen Erwachsenen sowie dem Phänomen der Nesthocker. Im zweiten Teil des Bandes werden zu dieser Entwicklungsphase der Familie Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt »Familien in der Ablösephase« vorgestellt. Sie zeigen, daß die Beziehung zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern durch die räumliche Trennung in ihrer grundlegenden emotionalen Qualität nicht beeinträchtigt wird. Die Ergebnisse zu den individuellen Dispositionen und familialen Dynamiken, die zu einem verspäteten Auszug der Jugendlichen beitragen, liefern zugleich Anregungen für die Beratung von Familien mit jungen Erwachsenen."

     
 
       
   

Nesthocker in den Medien

JARDINE, Anja (2001): Emanzen auf Japanisch.
Bisher galt Japan nicht gerade als großes Land der Gleichberechtigung, jetzt wird eine Frau Außenministerin. Im Land der Geishas brechen die Frauen mit Traditionen, laufen herum wie Moderebellen und kämpfen sich nach oben,
in: Spiegel Nr.19 v. 07.05.

"Fast die Hälfte der Japanerinnen im Alter zwischen 25 bis 29 ist heute unverheiratet. Lauter "übrig gebliebene Weihnachtskuchen". Während die Mütter dieser Frauen spätestens mit 20 ihre ersten Heiratsinterviews zu absolvieren hatten, denken die Töchter gar nicht daran zu heiraten. Und wenn, dann muss der Ehemann nicht unter demselben Dach wohnen. Den jungen Männern soll es recht sein. Auch sie wohnen lieber bei Muttern als mit ihren Partnerinnen. So führen diese "parasitären Singles", wie sie genannt werden, Pendler-Ehen, und die Emanzipation der Frau geht mit einer gewissen Geschlechtertrennung einher."

Interessant daran ist, dass Nesthocker im Japan-Bericht als Singles bezeichnet werden. Bei uns haben Nesthocker ein positives Image. Erst im Einpersonenhaushalt werden aus sozialen Nesthockern asoziale Singles. Familie ist bei uns eine Frage der Haushaltszusammensetzung und nicht des Generationenzusammenhalts. Bei uns existiert immer noch der Mythos vom "Pillenknick". Japan zeigt aber, dass der Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang und Antibaby-Pille keineswegs so zwingend ist, wie er immer wieder dargestellt wird.

Das Single-Dasein in Japan

THOLL, Gregor (dpa)(2001): Kreditkarten, Reisen und Tütensuppen im Angebot.
in: Offenbach Post v. 28.06.

THOLL erwähnt sogar die Nesthocker, die so gut wie nie mit dem Single-Dasein in Verbindung gebracht werden, weil Nesthocker wenigstens noch so sozial sind, dass sie aus dem Elternhaus das "Hotel Mama" machen. Für Familienpolitiker ist das immer noch besser als jeder asozial lebende Single, auch wenn er täglich seinen Vater pflegt, der in der gleichen Stadt wohnt.

BRAUN, Walter (2002): Verlängerte Jugend.
Junge Leute werden heute frühestens mit 35 erwachsen,
in: Psychologie Heute, Januar

Walter BRAUN berichtet über das "Hotel Mama". BRAUN spricht von einer Tendenz,

"dass Kinder immer länger zu Hause wohnen, sich versorgen lassen, keine Miete zahlen und auch bei der Hausarbeit nicht mithelfen. Kurz gesagt: sich weigern, für ihr Leben Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden."

Er zitiert die britischen Psychologen Stephen RICHARDSON und Helen HASTE, die für die späten "Reifeprozesse" die hohen Mietkosten bzw. lange Bildungswege verantwortlich machen. Auch in Japan sind Nesthocker ein weit verbreitetes Phänomen. Dort werden die weiblichen Nesthocker von Professor Michiko Miyamoto, die an der Chiba Universität lehrt, als "parasitäre Singles" bezeichnet. In Deutschland gerät diese Gruppe aufgrund der Sozialstaatsoptik nicht in den Blickpunkt.

Das Single-Dasein in Japan

BRISTOW, Jenny (2002): An anti-independence culture,
in: Spiked v. 26.03.

FUNK, Anne (2002): Wenn Narziss den goldenen Mittelweg sucht.
"Post-Single-Gesellschaft" entdeckt das Familiäre - Bei der Jugend eher serielle Monogamie als langfristige Beziehungen,
in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.

"Der Single - die Kultfigur der vielbeschriebenen Spaßgesellschaft, so scheint es, hat als Generations-Ikone ausgedient. Vorbei die Zeiten, da Familie als spießig galt? Und nun: Renaissance der Familie - kehrt der bourgeoise Nesthocker zurück?",

fragt FUNK. Die Spaßgesellschaft ist eine Zuschreibung der Kulturpessimisten und keine Selbstbeschreibung von Singles! Dies könnte sich jedoch ändern. Und Singles werden erst als Teil einer "Single-Generation" wahrgenommen, wenn zukünftig verstärkt die symbolischen Abgrenzungskämpfe stattfinden werden. Auch der "bourgeoise Nesthocker" wäre kein neues Phänomen, sondern wurde bisher nur nicht von den Medien entdeckt! Dies ändert sich jedoch momentan, denn offenbar besteht in der Mediengesellschaft ein Bedürfnis nach Abwechslung - ganz unabhängig von den tatsächlichen gesellschaftlichen Lebensverhältnissen.

"In seinem Buch Die Tyrannei der Lust überhöht der französische Autor GUILLEBAUD gar den neuen Familienmenschen als letzte Bastion gegen die Bindungslosigkeit des Neoliberalismus",

schreibt FUNK. Bei single-generation.de konnte man das schon am 07.04.2002 im THEMA DES MONATS lesen! Den Mythos Single hat der Soziologe Günter BURKART bereits 1992 - die Medien wollten gerade die Single-Gesellschaft entdeckt haben - als das Ergebnis statistischer Fehlinterpretation aufgedeckt. Bereits damals war die so genannte serielle Monogamie keine Neuigkeit, sondern längst Normalfall.

SCHMIDT, Harald (2002): Nesthocker,
in: Focus Nr.48 v. 25.11.

Harald SCHMIDT - die Ikone der Spaßgesellschaft - beschäftigt sich in seiner Kolumne mit dem
Phänomen des männlichen Nesthockers,
der angeblich sozialverträglicher sein soll als sein allein wohnendes Pendant:

"Dies ist keineswegs negativ zu beurteilen! Unsere Städte sind voll von egomanen Singles, die allein 160 Quadratmeter Wohnraum im sanierten Altbau vernichten, während der Nesthocker sich sozialverträglich in der Welt als ausgebauter Dachschräge eingerichtet hat."

Selbsternannte "Feldforscher" wie SCHMIDT können jedoch gewaltig ins Fettnäpfchen treten, denn was das AUGE sieht, ist keineswegs das, was der STATISTIKER zählt und der SOZIALPOPULIST in den Medien verkündet: Erstens werden "Nesthocker" sozialstatistisch oftmals als Singles gezählt (Immer wenn es sich um eine Einliegerwohnung handelt sowieso und in Nordrhein-Westfalen scheint man noch großzügiger bei der Umwandlung von Nesthockern in Singles zu verfahren - ATOMISIERUNGSALARM!) und zweitens ist der hohe Wohnflächenverbrauch der "Single-Haushalte" in erster Linie die Folge der höheren Lebenserwartung von allein wohnenden Witwen, die nach dem Tod ihrer Ehemänner in der ehemaligen Familienwohnung weitere Jahre allein zurück bleiben. Nicht zu vergessen sind Wochenendväter, die an ihrem Arbeitsplatz ein Single-Appartement bewohnen.

FOCUS-Titelgeschichte: Hotel Mama.
Besser Billiger Bequemer

MORCHÉ, Pascal (2002): Hotel Mama.
Auf und davon aus dem Elternhaus? Das war einmal. Die Jugend weiß, wo es am schönsten ist: zu Hause!,
in: Focus Nr.50 v. 09.12.

In Zeiten, in denen der Single-Begriff durchweg negative Gefühle weckt, muss man das Thema "Singles" unter einem anderen Label behandeln, um ihm positive Seiten abgewinnen zu dürfen.
MORCHÉ folgt
Harald SCHMIDTs Hymne auf die Nesthocker und hat aus einer Kolumne eine Titelgeschichte gemacht.
 Nächste Woche kann der Focus dann wieder über die Singles als Sozialschmarotzer hetzen und niemand wird die Heuchelei bemerken, dass die positiven Nesthocker einen Großteil der "Sozialschmarotzer" stellen. Kennzeichnend für die porträtierten Nesthocker im mittleren Lebensalter ist eine Einliegerwohnung im Elternhaus. Damit sind diese Nesthocker aber statistisch gesehen Singles! Wenn MORCHÉ plötzlich wieder die Großfamilie heraufziehen sieht, dann ist dies Heuchelei, denn diese Art von Großfamilie erscheint in keiner amtlichen Haushaltsstatistik, sondern wird nur vom Deutschen Jugendinstitut (z.B. Walter BIEN) unter dem Begriff "multilokale Mehrgenerationen-Familie" erfasst. Den Nesthocker kann man als eines der Ergebnisse der "Revolution im Reihenhaus" (GASCHKE) bezeichnen. Er ist ein Wohlstandsphänomen der Neuen-Mitte-Familie. War bis vor kurzem noch überall - außer bei single-generation.de - zu lesen, dass Singles die höchste Kaufkraft besitzen. So wird spätestens beim Lesen des  Focus-Titel klar, dass die
Untergruppe der Singles, die hier als "Nesthocker" bezeichnet wird und die seit dem Bestseller Hotel Mama (1992) von Elke HERMS-BOHNHOFF auch Thema wissenschaftlicher Untersuchungen ist, jene Gruppe junger Singles mit der höchsten Kaufkraft ist:

"Dass 18-jährige Lehrlinge, die im selben Betrieb wie er arbeiten, sich durch zusätzliches Jobben ihr eigenes Ein-Zimmer-Apartment finanzieren, imponiert Jan Oliver nicht. Warum auch? Bei Papa hat er viel Platz. Die Doppelhaushälfte misst über 160 Quadratmeter."

Als einzige kritische Stimme gibt es ein Interview mit der Entwicklungspsychologin Christiane PAPASTEFANOU, die der Nesthocker-Generation eine düstere Zukunft prophezeit:

"Sie könnten bald zu den Verlierern unserer modernen Leistungsgesellschaft werden, weil sie die Grundbedingungen Selbständigkeit und Flexibilität nicht mitbringen".

Zum Abschluss zählt MORCHÉ noch ein paar prominente Nesthocker auf, um seine These zu belegen, dass Nesthocker kaum mehr "Hohn und Spott über vermeintliche Lebensunfähigkeit" zu hören bekommen. Unter dem Label "Nesthocker" kann man sogar WESTERWELLE etwas Positives abgewinnen, während er unter dem Label "Single" abgewatscht wird. Der Begriff macht eben den Unterschied!

MORCHÉ, Pascal (2002): Das Nesthocker-Problem.
Die Psychologin Papastefanou beklagt den Service im Hotel Mama. Es macht die Jugend unselbständig,
in: Focus Nr.50 v. 09.12.

FESTENBERG, Nikolaus von (2003): Kinder haften für ihre Eltern.
Besorgte Söhne, einfühlsame Töchter, interessierte Enkel - die Entzweiung der Generationen scheint passé. Der sensationelle Kinoerfolg "Good Bye, Lenin!" und literarische Neuerscheinungen sprechen für eine wachsende Sympathie von Jung für Alt,
in: Spiegel Nr.13 v. 24.03.

FESTENBERG entdeckt den Generationenfrieden in Literatur und Film. Passé ist angeblich der Wutton eines Michel HOUELLEBECQ:

"Im Stil des zu kurz gekommenen Kindes wetterte der »Elementarteilchen«-Autor noch vor wenigen Jahren gegen seine Mutter, die genusssüchtige und treulose 68er-Schlampe, die ihren Sohn dazu brachte, als bindungsunfähiges Sexmonster mit den Frauen zu verkehren".

Stattdessen führt FESTENBERG die Generation Golf-Autoren Judith HERMANN und Anna GAVALDA sowie Jana HENSEL an, um seine These vom Ende des Generationenkrieges zu bekräftigen.
Richtig erkannt hat er, dass die Jugend für eine Übergangszeit ein Auslaufmodell ist.
Das Nesthocker-Phänomen - das ganz und gar nicht neu ist - muss ebenfalls herhalten für den neuen "Kuschelkurs zwischen den Generationen":

"Umfragen bestätigen das Bild einer folgsam-braven Nachwuchsgeneration: Innerhalb der letzten 15 Jahre ist der Teil junger Menschen, die ihre Kinder genauso erziehen würden, wie sie von ihren Eltern erzogen wurden, von 53 auf 72 Prozent gestiegen. Auch der Trend zur Kleinfamilie trägt dazu bei: Einzelkinder akzeptieren die Eltern als Ersatz-Geschwister.
Angesichts von 30 Erstklässlern in den vorderen Reihen und den sich bei der Einschulungsfeier hinter ihnen drängenden 300 Verwandten, bestehend aus Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Onkeln und Tanten, sieht der Soziologe Karl Otto Hondrich besonders für die Zukunft die Gefahr der Überintegration, den drohenden totalen Ausfall jeder Auseinandersetzung zwischen Jung und Alt. Das würde die Kreativität einer Gesellschaft schädigen. Das überlange Zusammenleben von Kindern und Eltern (»Hotel Mama«), die Flucht von jungen Geschiedenen mit Kindern unter die Fittiche ihrer Erzeuger, beides oft aus materiellen Gründen, sind bedenkliche Anzeichen eines äußeren Freiheitsverlustes der Jugend."

Dieser neue Kuschelkurs ist jedoch bereits 15 Jahre alt, wie man so ganz nebenbei erfährt.
Ein Krieg der Generationen entscheidet sich weniger innerhalb von Familien - wie das FESTENBERG suggeriert - (das kann man bei Marc SZYDLIK nachlesen), sondern auf der politischen Ebene und in der Mediengesellschaft.

STALA BADEN-WÜRTTEMBERG (2003): Alter 40 Jahre, ledig und wohnt bei Eltern.
60 000 ledige Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 44 Jahren wohnen bei ihren Eltern,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg v. 13.10.

"Im Südwesten leben 1,7 Millionen Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 44 Jahren. Rund 60 000 von ihnen sind ledig und wohnen bei ihren Eltern. Dies sind fast 4 Prozent. Sie leben weder mit einem Partner noch mit eigenen Kindern zusammen. Die meisten von ihnen sind Männer (70 Prozent). Die Frauen und Männer wohnen überwiegend bei verheiratet zusammenlebenden Eltern (55 Prozent), weitere 44 Prozent bei allein erziehenden Eltern.
Nach Angaben der Familienwissenschaftlichen Forschungsstelle (FaFo) im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg hat fast jede/r Zehnte von den Frauen und Männern keine abgeschlossene Schulausbildung, weitere 48 Prozent haben Hauptschulabschluss und jeweils 21 Prozent mittlere Reife oder Abitur.
Jede/r Vierte von den Frauen und Männern hat keine berufliche Ausbildung, jede/r Zweite verfügt nur über eine Anlernausbildung oder allenfalls über eine abgeschlossene Lehre. Weitere 10 Prozent haben den Meister oder einen gleichwertigen Fachschulabschluss und 12 Prozent besitzen einen Hochschulabschluss.
Verglichen mit allen 35- bis 44-Jährigen ist diese Gruppe der ledigen Frauen und Männer, die noch bei ihren Eltern wohnt, wesentlich häufiger schulisch und beruflich nur unzureichend ausgebildet", meldet das Statistische Landesamt.

FÜREDI, Frank (2003): Nesthocker im Nimmerland.
Erwachsene, die Kinder bleiben wollen,
in: Novo-Magazin, Nr.67, November-Februar

LÖBBERT, Raoul (2004): Danke, Mama.
Nesthocker.
Von wegen Krieg der Generationen! Vor allem Söhne bleiben auch in vorgerücktem Alter gern im Kinderzimmer wohnen. Zumindest, solange der Service stimmt,
in: Rheinischer Merkur Nr.52/53 v. 23.12.

Im Rahmen des Merkur-Extra "Heimat" befasst sich LÖBBERT mit dem postpubertären Phänomen Nesthocker:

"Nun fühle ich mich gebrandmarkt als »Mamas Liebling«, merke, wie ich auf der sozialen Evolutionsleiter gleich mehrere Sprossen herunterpurzele. Wie nannte das gleich noch der Psychologe Jensen-Arnett: »Emerging Adulthood« – frei übersetzt »schleichendes Erwachsenwerden«. Die Phase nach der Jugend, so zwischen 18 und 25, in der man nicht mehr Junge, aber noch nicht Mann ist, in der man die Verantwortung für sich übernehmen kann, aber nicht will, in der man mutig auf dem Hochseil spaziert, weil Mami und Papi unten mit dem Sprungtuch bereitstehen. »Psychosoziales Moratorium« nach Erik H. Erikson"

RUSSO, Claudia (2005): Lebenslang Hotel Mama.
Italien leidet unter so hoher Jugendarbeitslosigkeit wie kaum ein anderes EU-Land. Auch Reformen verbesserten die Situation der Jugendlichen nicht. Die Politik ist ratlos,
in: Welt am Sonntag v. 18.09.

DRIBBUSCH, Barbara (2005): Koalition setzt auf Futtern bei Muttern.
Weniger Förderchancen für junge Jobsuchende, stattdessen "Sofortangebote" für Antragsteller auf Arbeitslosengeld II: Die Arbeitsmarktpolitik der großen Koalition soll jedes Jahr Milliarden sparen - das hat Nebenwirkungen,
in: TAZ v. 21.11.

SCHULZE, Ralph (2006): Hochburg der Nesthocker.
Im "Hotel Mama". Zwei Drittel der Spanier zwischen 20 und 34 leben noch bei ihren Eltern,
in: Die Presse v. 03.01.

WINKELMANN, Ulrike (2006): Schwarzrote Nesthocker.
Hartz IV wird umgebaut: Junge Arbeitslose sollen bei den Eltern wohnen bleiben und bekommen weniger Geld,
in: TAZ v. 14.02.

Die taz widmet den Nesthockern ein Tagesthema mit Interview und Vergleich mit Italien. Ulrike WINKELMANN rechtfertigt die Besserstellung der unter-25Jährigen:

"Die jetzige Regierung begründet die Kürzung nun damit, dass ein Großteil der ungeplanten Mehrkosten, die Hartz IV seit Anfang 2005 verursacht hat, auf das Konto junger Leute gehe. Sie zögen in Scharen von zu Hause aus, um es sich mit ALG II auf dem eigenen Sofa gemütlich zu machen. Tatsächlich sind junge Leute laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung die Gewinner der Hartz-IV-Reform: Viele beziehen erstmals überhaupt oder aber mehr Geld als zuvor. Dies war allerdings auch so gedacht.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zählt gegenwärtig 266.000 unter 25-jährige ALG-II-Bezieher - sie machen etwa die Hälfte aller arbeitslos gemeldeten unter 25-Jährigen aus. Doch geben die BA-Statistiken keinen Hinweis darauf, dass junge Menschen massenweise eigene Hausstände gründen."

Eine Berichtigung gibt es auch noch.

KOKOSKA, Tanja (2006): "Die junge Generation tut brav das, was die Gesellschaft von ihr verlangt".
FR-Tagesthema: Angesichts ungewisser Zukunftsaussichten entwickeln Jugendliche früh die Fähigkeit, gesellschaftliche Instanzen als Ressource zu begreifen, sagt der Frankfurter Jugendforscher Arthur Fischer,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.02.

NEON-Titelgeschichte: Wie frei sind wir wirklich?
Auto, Miete, Waschmaschine - wann es endgültig Zeit ist, von Eltern unabhängig zu werden

CARL, Verena (2007): Nehmen von den Alten.
Unbezahlte Praktika, Zeitverträge, Niedrighonorare: Oft sind Jobeinsteiger noch Jahre nach Ausbildungsende auf Finanzspritzen von den Eltern angewiesen. Selbst wenn jene gern helfen, bleibt ein Problem: die finanzielle Abhängigkeit ist das Gegenteil von Freiheit,
in: Neon, Januar

"Zum Stichtag 30. September 1999 waren bei der Bundesagentur für Arbeit 4330 Praktikanten mit Uniabschluss als Jobsuchende registriert, fünf Jahre später hatte sich die Zahl glatt verdoppelt - Tendenz steigend. (...).
Ein Trend, den auch die aktuelle Globalife-Studie unterstreicht. Der Bamberger Soziologieprofessor Hans-Peter Blossfeld hat gemeinsam mit 60 Wissenschaftlern aus 20 Ländern der westlichen Welt über mehrere Jahre untersucht, wei sich die Globalisierung auswirkt.
(...).
Glück im Unglück, dass die ältere Generation genügend Vermögen gehortet hat, um ihren Nachwuchs auch nach dem Diplom weiter durchzufüttern. Laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) unterstützen 16 Prozent aller über 65-Jährigen ihre Kinder oder Enkel regelmäßig. Im Durchschnitt werden 350 Euro gezahlt. Was nicht heißt, dass die anderen ihrem Nachwuchs gar nicht unter die Arme greifen - sie tun es nur nicht per Dauerauftrag, sondern steuern etwas bei, wenn gerade Not am Mann ist. Holm Friebe, Koautor des Buches über Freiberufler-Netzwerke, »Wir nennen es Arbeit«, hat beobachtet: »Der Reichtum der Nachkriegsgeneration sammelt sich bei denen, die heute ins Rentenalter kommen. Schon zu Lebzeiten wird das Erbe tropfenweise weitergegeben.« Auch so mancher Angehörige der selbsternannten »digitalen Bohème« kann seinen brotlosen Multimediaprojekten nur deshalb jahrelang entspannt nachgehen, weil im Hintergrund die Eltern etwas zubuttern", berichtet Verena CARL.

IRMER, Jörg von (2007): Unsere großen Nesthocker.
Die neuen Spätauszieher sind typisch für unsere Gesellschaft,
in: Tagesspiegel v. 27.04.

"Die Nesthockerproblematik wurde in der Vergangenheit vor allem als ein kulturelles und wirtschaftliches Phänomen untersucht. Nesthocker, so eine These, könnten zu den Verlierern der Leistungsgesellschaft gehören, weil sie die Grundbedingungen Selbstständigkeit und Flexibilität nicht mitbringen.
Unsere Studie unter der Leitung von Professorin Seiffge-Krenke hat dagegen vor allem die familiären Faktoren in den Vordergrund gerückt. Zentral für eine erwachsene Eltern-Kind-Beziehung ist der Prozess der Individuation. Dieser beschreibt eine grundlegende Umstrukturierung der Beziehung: weg vom Rollenverhalten als Eltern und Kind, hin zu einer Beziehung auf gleicher Augenhöhe, auf der sich nun zwei erwachsene Menschen begegnen", erläutert IRMER.

ZIEGLER, Ulf Erdmann (2007): Unsere Teens sind unsere Helden,
in:
Frankfurter Rundschau v. 14.07.

DESTATIS (2009): Söhne wohnen länger als Töchter im "Hotel Mama".
Zahl der Woche,
in: Pressemeldung des
Statistischen Bundesamtes v. 31.03.

RÖTZER, Florian (2009): Junge Europäer verlassen teils erst spät das Elternhaus.
In der EU-Statistik über das Leben der jungen Europäer scheinen die Deutschen am ehesten alleine zu leben,
in: Telepolis v. 22.12.

PANY, Thomas (2010): Phänomen Boomerangers.
Die aktuelle Wirtschaftskrise fördert eine Rückkehr erwachsener Kinder ins elterliche Nest,
in: Telepolis v. 23.03.

KRAMER, Brigitte (2010): Zurück zu den Eltern.
Ein Sommer der Resignation – nach dem Rausch der Boomjahre erlebt die spanische Gesellschaft einen jähen Absturz,
in: Neue Zürcher Zeitung v.
26.07.

PANY, Thomas (2010): "Die Leute hängen in den Seilen".
Die Jugend von heute wird später erwachsen, behaupten Psychologen und finden im "Hotel Mama"-Lebensentwurf keinen Anlass zur Beunruhigung, sondern ein neues entwicklungspsychologisches Lebensstadium,
in: Telepolis v.
25.08.

Thomas PANY berichtet über einen New York Times Magazine-Artikel über Postadoleszenz.

FRITZSCHE, Lara (2011): Nicht ohne meine Eltern.
Keine Generation zuvor hat Mama und Papa so beansprucht wie wir. Wir fordern nicht nur Geld, sondern auch Rat und praktische Lebenshilfe. Zeit, die Nabelschnur zu kappen!
in: Neon, April

UNISPIEGEL-Titelgeschichte: Hotel Mama.
Warum so viele Studenten noch bei ihren Eltern wohnen

PROSINGER, Julia (2011): Freiheit? Später.
Fast ein Viertel der Studentinnen und Studenten lebt noch bei den Eltern, Tendenz steigend. So ersparen sie sich teure Mieten und lästiges Selberkochen - aber die Nesthockerei hat auch ihren Preis. Ein Besuch in deutschen Jugendzimmern,
in:
UniSpiegel, Heft 2

Merkwürdiges aus der Welt der Umfragen:

Das Wohnungsbauunternehmen Deutsche Annington hat im Mai Ergebnisse einer Umfrage in Umlauf gebracht, die von eilfertigen Journalisten weiterverbreitet wurden. Das Hamburger Abendblatt titelte: Lebenslänglich Hotel Mama. Die Berliner Morgenpost erklärt uns ganz unbedarft:

"Jeder zehnte Mann bleibt seinem Elternhaus ein Leben lang treu."

Interviewen die Umfrageinstitute etwa Tote? Natürlich nicht! Die Methodik wird folgendermaßen erklärt:

"Zwischen dem 09.05.2011 und 10.05.2011 wurden 1.000 Mieter in Deutschland befragt, wie oft sie bereits umgezogen sind. Die Befragten sollten dabei ihre Antwort nummerisch angeben."

- Jeder zehnte Mann müsste dann genauer heißen: Jeder zehnte männliche Mieter.

- bleibt seinem Elternhaus ein Leben lang treu müsste genauer heißen: ist bis zum Zeitpunkt der Befragung noch niemals umgezogen.

Männliche Hausbesitzer bzw. Wohnungseigentümer gehören also gar nicht zu den Befragten, obwohl diese ja auch mit ihrer Mutter zusammenleben könnten.

Bei einer repräsentativen Befragung müssen sowohl junge als auch alte Menschen befragt werden, die dann bestimmten Altersklassen zugeordnet werden. Wenn aber 30-39Jährige angegeben haben, noch nie umgezogen zu sein, darf dann von lebenslang treu gesprochen werden? Bei der Altersklasse über 65 mag die Wahrscheinlichkeit eines Umzugs geringer sein, aber in Zukunft werden vermehrt Menschen in Altersheime umziehen müssen. Welche Zusatzkriterien wurden also benutzt, um die Gruppe der "lebenslang Treuen" herauszusieben?

Wenn das geklärt ist, stellt sich eine weitere Frage: Muss ein Mann, der noch niemals umgezogen ist, im Hotel Mama leben? Der Begriff bezieht sich ja nur auf Nesthocker, hier auf Männer bezogen, die noch bei ihren Eltern wohnen (oder zumindest bei der Mutter, wenn von Muttersöhnchen gesprochen wird). Die Eltern könnten aber bereits gestorben sein. Es müssten also Zusatzfragen gestellt worden sein.

Eigene Gedanken hat sich auch Christoph RIND vom Hamburger Abendblatt zur Umfrage gemacht:

"Jeder Zehnte bleibt lebenslang in der Wohnung der Eltern. (...). Dabei hat das Muttersohn-Dasein nichts mit dem Single-Status zu tun. Im Gegenteil: Wer allein lebt, zieht häufiger um als Menschen in festen Beziehungen und gilt damit als überflexibel."

Der Single-Status wird von RIND als Synonym für Alleinlebende gebraucht. Sind Alleinlebende dann partnerlos? Was man daraus schließen könnte, dass sie mit Menschen in festen Beziehungen verglichen werden. Was ist mit Paaren ohne gemeinsame Wohnung? Haben die keine feste Beziehung? Oder bezieht sich das Menschen in festen Beziehungen auf die Mutter-Sohn-Beziehung?

STAUSBERG, Hildegard (2011): Hotel Mama ausgebucht,
in: Welt v. 24.05.

BENGSCH, Danielle (2011): Plötzlich geschlechtsreif.
Jungen werden immer früher zeugungsfähig und bleiben dennoch länger Nesthocker,
in:
Welt v. 19.08.

HELBIG, Felix (2011): "Hotel Mama" hat wieder Konjunktur.
Immer mehr Studenten und Lehrlinge verzichten auf eine eigene Bude. Schwierige Wohnungssuche in Frankfurt,
in:
Frankfurter Rundschau v. 24.09.

"Vorbei sind die Zeiten, als junge Frauen und Männer schon aus Widerstand gegen patriarchalische Familienstrukturen früh das Weite suchten. Als beengte Wohnverhältnisse schon von allein dafür sorgten, dass der Nachwuchs schnell flügge wurde. Als die Wohngemeinschaft noch zum Pflichtprogramm nach dem Schulabschluss zählte. »Hotel Mama« hat Hochkonjunktur. »Da hat sich sicherlich einiges verändert«, sagt Gerd Zoller, der Abteilungsleiter für studentisches Wohnen im Studentenwerk der Goethe-Universität. Er führt dies neben veränderter Wohnverhältnisse der Elterngeneration aber vor allem auf die Situation am Frankfurter Wohnungsmarkt zurück. »Wenn man in Frankfurt eine Wohnung sucht, bekommt man diese vor allem als junger Mensch nicht dort wo man will, sondern eigentlich nur an der Peripherie. Da bleiben viele gleich zu Hause wohnen«, sagt er. Dabei spiele auch das Semesterticket eine Rolle - »wer kann, pendelt«", schreibt HELBIG über die Ursachen des Nesthocker-Phänomens.

PIETREK, Danela (2012): Nesthäkchen fliegt raus.
Weg aus dem Elternhaus, das war einmal der dringlichste Wunsch junger Menschen. Vorbei. Heute wollen die Kinder lieber bleiben,
in:
Tagesspiegel v. 14.01.

URBAN, Thomas (2012): Generation Nesthocker.
Die Wirtschaftskrise in Spanien trifft vor allem die jungen Menschen. Immer mehr von ihnen müssen bei ihren Eltern bleiben, weil sie keine Arbeit und keine Wohnung finden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.08.

FLÜS, Julia (2012): "Das hat das Geschmäckle vom Muttersöhnchen".
Interview mit der Psychologin Christiane Wempe, die eine Studie über die sogenannten Nesthocker verfasst hat,
in:
Badische Zeitung v. 05.11.

MATZIG, Gerhard (2013): Die Nesthocker.
Die Tage werden kürzer, das Leben wird kälter. Jetzt schlägt die Stunde der Homies. Sie sehnen sich nach der perfekten Einrichtung. Über die Einsamkeit der Designhöhlenbewohner,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 26.10.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Thema: Hotel Mama

SCHLOEMANN, Johan (2013): Ich will zu meiner Mama.
Das Studium, war das nicht Abenteuer und Abschied von zu Hause? Offenbar nicht mehr. Über eine prägende Lebensphase, die sich und auch die Gesellschaft ziemlich stark verändert hat,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 19.11.

MUSCHNER, Manuela (2013): Rhabarberkuchen von Mutti.
"Hotel Mama" – bequemes Nest oder Krisenherd?,
in:
fluter online v. 02.12.

BÖS, Nadine (2013): Bei Mama ist's am besten.
In den Unistädten explodieren die Mieten. Viele Studenten haben ein Sparmodell: Sie bleiben bei den Eltern wohnen. Psychologen warnen, so würden die Kinder nie erwachsen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.12.

"Schon Mitte der neunziger Jahre blieb die Zahl der Zuhausewohner relativ konstant bei rund 23 Prozent der Studierenden", berichtet Nadine BÖS zum Nesthocker-Phänomen unter Studierenden.

Neu:
MÜHL, Melanie (2013): Mütterlein, nur bei dir daheim!
Generation Nesthocker: Kinder ziehen immer später von zu Hause aus. Finanzielle Gründe spielen eine Rolle, aber oft geht es schlicht um Bequemlichkeit. Die große Frage: Wie wird man die Nesthocker endlich los?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.12.

 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 09. Dezember 2002
Update: 08. März 2017