[ Verzeichnis der Single-Forscher/innen ] [ Autoren der Single-Generation ] [ News ] [ Suche ] [ Homepage ]

 
       
   

Christiane Papastefanou: Nesthocker - Singles in der elterlichen Einliegerwohnung

 
       
     
       
     
       
   

Christiane Papastefanou in ihrer eigenen Schreibe

 
     
   

Christiane Papastefanou im Gespräch

 
     
       
   

Auszug aus dem Elternhaus (1997).
Aufbruch und Ablösung im Erleben von Eltern und Kindern
München: Juventa Verlag

 
   
 
 

Klappentext

"Der Auszug aus dem Elternhaus markiert für die jungen Erwachsenen wie auch für ihre Eltern einen wichtigen Übergang, der einen neuen Lebensabschnitt einleitet. Eltern und Kinder sind in dieser Entwicklungsphase vor eine neuartige Situation gestellt, die Anpassungsleistung auf beiden Seiten erfordert. Der Band gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der empirischen Forschung, sowie über theoretische Beiträge zu Ablösung und Auszug Jugendlicher, Elterlichem Empty-Nest-Erleben, Familien mit sich ablösenden jungen Erwachsenen sowie dem Phänomen der Nesthocker. Im zweiten Teil des Bandes werden zu dieser Entwicklungsphase der Familie Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt »Familien in der Ablösephase« vorgestellt. Sie zeigen, daß die Beziehung zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern durch die räumliche Trennung in ihrer grundlegenden emotionalen Qualität nicht beeinträchtigt wird. Die Ergebnisse zu den individuellen Dispositionen und familialen Dynamiken, die zu einem verspäteten Auszug der Jugendlichen beitragen, liefern zugleich Anregungen für die Beratung von Familien mit jungen Erwachsenen."

 
 
       
   
  • Nesthocker in den Medien

  • JARDINE, Anja (2001): Emanzen auf Japanisch.
    Bisher galt Japan nicht gerade als großes Land der Gleichberechtigung, jetzt wird eine Frau Außenministerin. Im Land der Geishas brechen die Frauen mit Traditionen, laufen herum wie Moderebellen und kämpfen sich nach oben,
    in: Spiegel Nr.19 v. 07.05.
    • Textauszug:
      "Fast die Hälfte der Japanerinnen im Alter zwischen 25 bis 29 ist heute unverheiratet. Lauter "übrig gebliebene Weihnachtskuchen". Während die Mütter dieser Frauen spätestens mit 20 ihre ersten Heiratsinterviews zu absolvieren hatten, denken die Töchter gar nicht daran zu heiraten. Und wenn, dann muss der Ehemann nicht unter demselben Dach wohnen. Den jungen Männern soll es recht sein. Auch sie wohnen lieber bei Muttern als mit ihren Partnerinnen. So führen diese "parasitären Singles", wie sie genannt werden, Pendler-Ehen, und die Emanzipation der Frau geht mit einer gewissen Geschlechtertrennung einher."
      • Kommentar:
        Interessant daran ist, dass Nesthocker im Japan-Bericht als Singles bezeichnet werden. Bei uns haben Nesthocker ein positives Image. Erst im Einpersonenhaushalt werden aus sozialen Nesthockern asoziale Singles. Familie ist bei uns eine Frage der Haushaltszusammensetzung und nicht des Generationenzusammenhalts. Bei uns existiert immer noch der Mythos vom "Pillenknick". Japan zeigt aber, dass der Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang und Antibaby-Pille keineswegs so zwingend ist, wie er immer wieder dargestellt wird.
  • THOLL, Gregor (dpa)(2001): Kreditkarten, Reisen und Tütensuppen im Angebot
    in: Offenbach Post v. 28.06.
    • Kommentar:
      THOLL erwähnt sogar die Nesthocker, die so gut wie nie mit dem Single-Dasein in Verbindung gebracht werden, weil Nesthocker wenigstens noch so sozial sind, dass sie aus dem Elternhaus das "Hotel Mama" machen. Für Familienpolitiker ist das immer noch besser als jeder asozial lebende Single, auch wenn er täglich seinen Vater pflegt, der in der gleichen Stadt wohnt.
  • BRAUN, Walter (2002): Verlängerte Jugend.
    Junge Leute werden heute frühestens mit 35 erwachsen,
    in: Psychologie Heute, Januar
    • Kommentar:
      Walter BRAUN berichtet über das "Hotel Mama". BRAUN spricht von einer Tendenz, "dass Kinder immer länger zu Hause wohnen, sich versorgen lassen, keine Miete zahlen und auch bei der Hausarbeit nicht mithelfen. Kurz gesagt: sich weigern, für ihr Leben Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden."
                  Er zitiert die britischen Psychologen Stephen RICHARDSON und Helen HASTE, die für die späten "Reifeprozesse" die hohen Mietkosten bzw. lange Bildungswege verantwortlich machen.
                  Auch in Japan sind Nesthocker ein weit verbreitetes Phänomen. Dort werden die weiblichen Nesthocker von Professor Michiko Miyamoto, die an der Chiba Universität lehrt, als "parasitäre Singles" bezeichnet.
                  In Deutschland gerät diese Gruppe aufgrund der Sozialstaatsoptik nicht in den Blickpunkt.
  • FUNK, Anne (2002): Wenn Narziss den goldenen Mittelweg sucht.
    "Post-Single-Gesellschaft" entdeckt das Familiäre - Bei der Jugend eher serielle Monogamie als langfristige Beziehungen,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.
    • Kommentar:
      "Der Single - die Kultfigur der vielbeschriebenen Spaßgesellschaft, so scheint es, hat als Generations-Ikone ausgedient. Vorbei die Zeiten, da Familie als spießig galt? Und nun: Renaissance der Familie - kehrt der bourgeoise Nesthocker zurück?", fragt FUNK.
                  Die Spassgesellschaft ist eine Zuschreibung der Kulturpessimisten und keine Selbstbeschreibung von Singles! Dies könnte sich jedoch ändern.
                  Und Singles werden erst als Teil einer "Single-Generation" wahrgenommen, wenn zukünftig verstärkt die symbolischen Abgrenzungskämpfe stattfinden werden.
              
      Auch der "bourgeoise Nesthocker" wäre kein neues Phänomen, sondern wurde bisher nur nicht von den Medien entdeckt! Dies ändert sich jedoch momentan, denn offenbar besteht in der Mediengesellschaft ein Bedürfnis nach Abwechslung - ganz unabhängig von den tatsächlichen gesellschaftlichen Lebensverhältnissen.
                  "In seinem Buch Die Tyrannei der Lust überhöht der französische Autor GUILLEBAUD gar den neuen Familienmenschen als letzte Bastion gegen die Bindungslosigkeit des Neoliberalismus", schreibt FUNK. Bei single-dasein.de konnte man das schon am 07.04.2002 im THEMA DES MONATS lesen!
                  Den Mythos Single hat der Soziologe Günter BURKART bereits 1992 - die Medien wollten gerade die Single-Gesellschaft entdeckt haben - als das Ergebnis statistischer Fehlinterpretation aufgedeckt. Bereits damals war die so genannte serielle Monogamie keine Neuigkeit, sondern längst Normalfall.
  • SCHMIDT, Harald (2002): Nesthocker,
    in: Focus Nr.48 v. 25.11.
    • Kommentar:
      Harald SCHMIDT - die Ikone der Spaßgesellschaft - beschäftigt sich in seiner Kolumne mit dem
      Phänomen des männlichen Nesthockers,
      der angeblich sozialverträglicher sein soll als sein allein wohnendes Pendant:

                  "Dies ist keineswegs negativ zu beurteilen! Unsere Städte sind voll von egomanen Singles, die allein 160 Quadratmeter Wohnraum im sanierten Altbau vernichten, während der Nesthocker sich sozialverträglich in der Welt als ausgebauter Dachschräge eingerichtet hat."
      Selbsternannte "Feldforscher" wie SCHMIDT können jedoch gewaltig ins Fettnäpfchen treten, denn was das AUGE sieht, ist keineswegs das, was der STATISTIKER zählt und der SOZIALPOPULIST in den Medien verkündet:

                  Erstens werden "Nesthocker" sozialstatistisch oftmals als Singles gezählt (Immer wenn es sich um eine Einliegerwohnung handelt sowieso und in Nordrhein-Westfalen scheint man noch großzügiger bei der Umwandlung von Nesthockern in Singles zu verfahren - ATOMISIERUNGSALARM!) und zweitens ist der hohe Wohnflächenverbrauch der "Single-Haushalte" in erster Linie die Folge der höheren Lebenserwartung von allein wohnenden Witwen, die nach dem Tod ihrer Ehemänner in der ehemaligen Familienwohnung weitere Jahre allein zurück bleiben.
                  Nicht zu vergessen sind Wochenendväter, die an ihrem Arbeitsplatz ein Single-Appartement bewohnen.
       
  • Neu:
    FOCUS-Titelgeschichte:
    Hotel Mama.
    Besser Billiger Bequemer
  • MORCHÉ, Pascal (2002): Hotel Mama.
    Auf und davon aus dem Elternhaus? Das war einmal. Die Jugend weiß, wo es am schönsten ist: zu Hause!,
    in: Focus Nr.50 v. 09.12.
    • Kommentar:
      In Zeiten, in denen der Single-Begriff durchweg negative Gefühle weckt, muss man das Thema "Singles" unter einem anderen Label behandeln, um ihm positive Seiten abgewinnen zu dürfen.
      MORCHÉ folgt Harald SCHMIDTs Hymne auf die Nesthocker und hat aus einer Kolumne eine Titelgeschichte gemacht.

                  Nächste Woche kann der FOCUS dann wieder über die Singles als Sozialschmarotzer hetzen und niemand wird die Heuchelei bemerken, dass die positiven Nesthocker einen Großteil der "Sozialschmarotzer" stellen.
                  Kennzeichnend für die porträtierten Nesthocker im mittleren Lebensalter ist eine Einliegerwohnung im Elternhaus. Damit sind diese Nesthocker aber statistisch gesehen Singles!
      Wenn MORCHÉ plötzlich wieder die Großfamilie heraufziehen sieht, dann ist dies Heuchelei, denn diese Art von Großfamilie erscheint in keiner amtlichen Haushaltsstatistik, sondern wird nur vom Deutschen Jugendinstitut (z.B. Walter BIEN) unter dem Begriff "multilokale Mehrgenerationen-Familie" erfasst.

                  Den Nesthocker kann man als eines der Ergebnisse der "Revolution im Reihenhaus" (GASCHKE) bezeichnen. Er ist ein Wohlstandsphänomen der Neuen-Mitte-Familie.
                  War bis vor kurzem noch überall - außer bei Single-dasein.de - zu lesen, dass Singles die höchste Kaufkraft besitzen. So wird spätestens beim Lesen des  FOCUS-Titel klar, dass die
      Untergruppe der Singles, die hier als "Nesthocker" bezeichnet wird
      und die seit dem Bestseller "Hotel Mama" (1992) von Elke HERMS-BOHNHOFF auch Thema wissenschaftlicher Untersuchungen ist, jene Gruppe junger Singles mit der höchsten Kaufkraft ist:

                  "Dass 18-jährige Lehrlinge, die im selben Betrieb wie er arbeiten, sich durch zusätzliches Jobben ihr eigenes Ein-Zimmer-Apartment finanzieren, imponiert Jan Oliver nicht. Warum auch? Bei Papa hat er viel Platz. Die Doppelhaushälfte misst über 160 Quadratmeter."
                  Als einzige kritische Stimme gibt es ein Interview mit der Entwicklungspsychologin Christiane PAPASTEFANOU, die der Nesthocker-Generation eine düstere Zukunft prophezeit:
                  "Sie könnten bald zu den Verlierern unserer modernen Leistungsgesellschaft werden, weil sie die Grundbedingungen Selbständigkeit und Flexibilität nicht mitbringen".
                  Zum Abschluss zählt MORCHÉ noch ein paar prominente Nesthocker auf, um seine These zu belegen, dass Nesthocker kaum mehr "Hohn und Spott über vermeintliche Lebensunfähigkeit" zu hören bekommen.
                  Unter dem Label "Nesthocker" kann man sogar WESTERWELLE etwas Positives abgewinnen, während er unter dem Label "Single" abgewatscht wird. Der Begriff macht eben den Unterschied!
  • MORCHÉ, Pascal (2002): Das Nesthocker-Problem.
    Die Psychologin Papastefanou beklagt den Service im Hotel Mama. Es macht die Jugend unselbständig,

    in: Focus Nr.50 v. 09.12.
 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002 - 2007
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 09. Dezember 2002
Update: 21. Juli 2008
Counter Zugriffe seit
dem 03.Juni 2002