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Darja Reuschke: Multilokales Wohnen

 
       
     
       
   

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Multilokales Wohnen (2010).
Raum-zeitliche Muster multilokaler Wohnarrangements von Shuttles und Personen in einer Fernbeziehung
Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Klappentext

"In dem Buch wird das multilokale Leben und Wohnen von Personen mit einem beruflich genutzten Zweitwohnsitz (Shuttles) und von Personen in einer Partnerschaft mit getrennten Haushalten über große Distanzen (Fernbeziehungen) im Kontext beruflicher Mobilitätsanforderungen und des sozialen Wandels empirisch untersucht. Die Ergebnisse der Arbeit beruhen auf einer standardisierten Befragung von zufällig ausgewählten Zugezogenen in vier deutschen Großstädten und vertiefenden qualitativen Interviews. Besonderheiten multilokaler Lebens- und Wohnformen werden in Bezug auf sozialstrukturelle Merkmale, Wohnbedingungen und Wohnbedürfnisse mittels Vergleichsgruppenanalysen untersucht. In der Arbeit werden die Entstehungszusammenhänge sowie die Dauer und Perspektiven eines multilokalen Lebens, die Wohnsituation und das Mobilitätsverhalten von Personen mit einem beruflich genutzten Zweitwohnsitz (Shuttles) und von Personen in einer Partnerschaft mit getrennten Haushalten über große Distanzen (Fernbeziehungen) empirisch untersucht. Die Ergebnisse der Arbeit beruhen auf einer standardisierten Befragung von zufällig ausgewählten Zugezogenen in vier deutschen Metropolen. Besonderheiten multilokaler Lebens- und Wohnformen werden in Bezug auf sozialstrukturelle Merkmale, Wohnbedingungen und Wohnbedürfnisse mittels Vergleichsgruppenanalysen untersucht."

Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sekundärquellen über multilokale Lebensformen in Deutschland

3 Stand der Forschung, Theorien, Hypothesen

4 Methodische Vorgehensweise und Stichprobe

5 Charakteristika von Fernwandernden

6 Die multilokale Lebensform des Shuttelns

7 Leben und Wohnen in einer Fernbeziehung

8 Fazit und Ausblick

Zitate:

Räumliche Mobilität betrifft nicht mehr nur Hochqualifizierte

"Die mit (...) Strukturveränderungen in Ost und West verbundene hohe Anforderung an raum-zeitliche Flexibilität betrifft nicht nur Hochqualifizierte, sondern es sind auch immer mehr Frauen und Männer mit einer geringeren Qualifizierung, die mit räumlichen Mobilitätsanforderungen konfrontiert sind, wie sich unter anderem anhand der Arbeitsförderung (SGB III) und der Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) aufzeigen lässt, denen explizit räumliche Mobilitätsanforderungen bei der Suche nach Arbeit zugrunde liegen." (2010, S.16)

Aufgrund der zunehmenden Doppelerwerbstätigkeit von Paaren und Familien nehmen Umzüge ab, während die räumliche Mobilität zunimmt

"Einerseits wird in der Literatur unter der Annahme zunehmender gesellschaftlicher Individualisierung und arbeitsmarktbezogener Flexibilisierung eine steigende räumliche Mobilität prognostiziert (»vollmobile Singlegesellschaft« (Beck 1986)), aber andererseits nimmt durch die zunehmende Frauenerwerbstätigkeit in den alten Bundesländern die Anzahl doppelerwerbstätiger Haushalte in Deutschland wie in anderen westlichen Industrieländern zu (...). Dadurch sind Mobilitätsentscheidungen von Haushalten komplexer geworden, was eine erhöhten Migrationsrate von Paar- und Familienhaushalten tendenziell entgegensteht (...). Dieses ambivalente Verhältnis von räumlicher Mobilität und gesellschaftlicher Modernisierung zeigt sich darin, dass in Deutschland das überregionale Wanderungsvolumen gemessen an den Wohnsitzwechseln zwischen den Bundesländern in den vergangenen Jahren auf einem niedrigen und sogar leicht rückläufigen Niveau liegt". (2010, S.17)

Die räumliche Mobilität wird in amtlichen Statistiken nur unzureichend abgebildet

"Ein genauerer Blick auf die Erfassungsmethoden der amtlichen Statistik offenbart (...), dass der Umfang der realen räumlichen Mobilität in Deutschland anhand der verfügbaren amtlichen Wanderungsstatistik nur unzureichend abzubilden ist, so dass das Ausmaß beruflich motivierter räumlicher Mobilität durch eine sekundäranalytische Betrachtung deutlich unterschätzt wird. Dies sei anhand zweier Fallbeispiele verdeutlicht:

Paar 1: Aus einem gemeinsamen Haushalt werden zwei getrennte Haushalte
In einem ersten Fall wird ein zusammenlebendes Paar in der Stadt X in Mecklenburg-Vorpommern betrachtet. Beide Partner schließen ungefähr zeitgleich das Studium ab. Die erste Stelle nach dem Studium führt sie nach Y in Nordrhein-Westfalen und ihn nach Z in Bayern. Der gemeinsame Haushalt in X wird aufgelöst. Beide richten einen eigenständigen Haushalt am neuen Arbeitsort ein und pendeln regelmäßig zwischen den Wohnorten Y und Z. Die überregionalen Wanderungen der Partner werden in der Wanderungsstatistik gezählt. Aber in der amtlichen Pendlerstatistik würden beide als innergemeindliche Pendler erscheinen; die beruflich bedingte zirkuläre Pendlermobilität zwischen den Städten Y und Z wird durch amtliche Statistiken nicht sichtbar.

Paar 2: Auslandsbeschäftigung und beruflich genutzte Nebenunterkunft
In einem zweiten Fall wird ebenfalls ein zusammenwohnendes Paar in der Stadt X in Bayern betrachtet. Er wurde für zwei Jahre von seiner Firma ins Ausland entsandt. Den Hauptwohnsitz mit seiner Partnerin in X behält er bei. Da der Partner angesichts der großen Entfernungen und der am neuen Arbeitsort geltenden Arbeitsbedingungen nicht häufiger als alle drei Monate nach X kommen kann, entschließt sie sich, ihren Traumjob in Y anzunehmen. Sie meldet dort eine Nebenwohnung an. Die gemeinsame Hauptwohnung in X ist größtenteils nicht bewohnt. Von der amtlichen Wanderungsstatistik wird weder ihr Zuzug an den Nebenwohnort noch sein Umzug ins Ausland registriert, denn erstens werden nur Wohnortwechsel des Hauptwohnsitzes als Wanderungen gezählt und zweitens wird das Arbeiten im Ausland bei Beibehaltung des Hauptwohnsitzes nicht als Wanderung erfasst. Im statistischen Sinne wäre das Paar also sesshaft.

Es sind genau diese Formen beruflich bedingter räumlicher Mobilität und des Wohnens an mehreren Orten, die in den vergangenen Jahren in Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik eine vermehrte Aufmerksamkeit erfahren haben."
2010, S.18f.)

Begrifflichkeiten im Bereich des multilokalen Wohnens

"Ausgehend von der These, dass Paare, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, andere Wohnweisen und Wohnbedürfnisse haben als Paare mit getrennten (eigenständigen) Haushalten, ist aus der Sicht der Wohnforschung für das multilokale Wohnen in einer Partnerschaft die haushaltsbezogene Abgrenzung zwischen einem gemeinsamen Wohnsitz (Paar 2) und getrennten eigenständigen Haushalten (Paar 1) zentral. Die in der US-amerikanischen Sozialpsychologie und Familiensoziologie verwendeten Begriffe des commuting couple (...) bergen für sozialgeographische und raumplanerische Untersuchungen insofern Unschärfen, da keine eindeutige Differenzierung der Wohnsituation nach der Haushaltsform unternommen wird.
Für das berufsbezogene Pendeln zwischen einem Haupt- und Nebenwohnort wird in der amtlichen Statistik der Begriff des Wochenendpendelns verwendet. Schneider, Limmer und Ruckdeschel (2002) haben stattdessen den Begriff des Shuttelns eingeführt, der gegenüber dem geläufigeren Begriff des Wochenendpendelns für eine wissenschaftliche Betrachtung den Vorteil bietet, dass kein spezifisches zeitliche Pendelarrangement suggeriert wird. In ihrer Untersuchung beschränken sich die Forscher/innen allerdings auf Personen, die mit einem Partner/einer Partnerin in einem Haushalt zusammenleben. Im Hinblick auf eine ganzheitliche Betrachtung dieser multilokalen Lebensform, wird in der vorliegenden Arbeit der Begriff des Shuttelns für alle Personen mit einer beruflich genutzten Zweitwohnung, d.h. unabhängig von ihrer Haushaltsform, verwendet. Im Fallbeispiel von Paar 2 sind beide Partner als Shuttles zu bezeichnen (...).
Für Partnerschaften mit getrennten (eigenständigen) Haushalten ist in der Literatur der Begriff des living apart together bzw. das Akronym LAT weit verbreitet, wenngleich in den vergangenen Jahren mit der zunehmenden Diskussion über residentielle Multilokalität zu beobachten ist, dass unter living apart together ungeachtet der Haushaltssituation der Partner auch das Shutteln in einer Partnerschaft mit einem gemeinsamen Haushalt gefasst wird (Lenz 2006 (...)). Der Begriff des living apart together, dessen wissenschaftliche Verwendung auf Straver (1981) zurückgeht, meint meistens Partnerschaften mit zwei Haushalten unabhängig vom Familienstand der Partner (Schmitz-Köster 1990, (...) Schneider/Ruckdeschel 2003). Wenige Autoren schränken die Beziehungsform auf das getrennte Zusammenleben von nicht verheirateten Paaren ein (Schlemmer 1995 (...)), was allerdings zumeist den der Auswertung zugrunde liegenden Daten geschuldet ist. Allen bisher vorliegenden Untersuchungen ist gemein, dass das getrennte Zusammenleben von Paaren unabhängig von der räumlichen Entfernung der Wohnungen der Partner untersucht wird und damit auch Paare, die in einem Wohngebäude oder in derselben Straße in verschiedenen Wohnungen leben, Untersuchungsgegenstand sind. Um die räumliche Dimension dieser Lebens- und Wohnform zu berücksichtigen, wird in der vorliegenden Arbeit von Partnerschaften mit getrennten Haushalten über großräumige Distanzen von mindestens 50 km der Begriff »Fernbeziehung« verwendet (...). Der Familienstand der Partner ist dabei unerheblich. Das Paar 1 lebt damit in einer Fernbeziehung.
Die Unterhaltung von mehreren Haushalten (ob aus beruflichen Gründen oder anderen Motiven) und das living apart together (ob kleinräumig oder über große Distanzen) werden in dieser Arbeit als multilokale Lebens- und Wohnformen bezeichnet. Der oben dargelegten haushaltsbezogenen Terminologie folgend, wird der in der Literatur geläufige Begriff des multilokalen Haushalts nur synonym für die Unterhaltung mehrerer Haushalte (Haupt- und Zweithaushalt) verwendet. Bei Shuttles handelt es sich also um multilokale Haushalte bzw. um eine multilokale Haushaltsorganisation." (2010, S.23ff.)

Fernbeziehungen im Mikrozensus (amtliche Statistik), SOEP und ALLBUS

"In der amtlichen Statistik werden Paarbeziehungen in getrennten Haushalten nicht erfasst. (..).
Im SOEP finden sich Hinweise auf die Verbreitung von Paaren in getrennten Haushalten. Allerdings wird die Frage nach einem gemeinsamen oder getrennten Haushalt mit dem Partner/der Partnerin in der Welle 2007 ausschließlich nicht verheirateten Personen gestellt. Aussagen über LATs können mithilfe des SOEP deshalb nur für unverheiratete Paare getroffen werden. Außerdem können die räumlichen Bezüge der Paare mit den Daten nicht nachvollzogen werden. (...). Daten über den Partner/die Partnerin werden bei getrennten Haushaltsführungen zudem nicht abgefragt.
In der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) werden im Gegensatz zum SOEP alle Personen unabhängig von ihrem Familienstand zu ihrer Haushaltssituation befragt und zudem werden sozialstrukturelle Daten der Partner/in über das Haushaltsgefüge hinaus erhoben. Angaben zu den Wohnorten der Partner werden auch hier nicht erfasst. Angaben zu den Wohnorten der Partner werden auch hier nicht erfasst. Lediglich für die befragte Person liegt auf aggregierter Ebene die Einwohnerzahl des Wohnorts vor, aus der sich zumindest ableiten lässt, ob die befragten LATs in einer Großstadt oder kleineren Stadt wohnen. Mit dem ALLBUS lassen sich damit zwar keine Fernbeziehungen - in Abgrenzung zu LATS mit getrennten Haushalten in kleinräumiger Entfernung - untersuchen, aber zumindest können aufgrund der Erfassung der Haushaltssituation und von Daten des Partners/der Partnerin Einblicke in Sozialstrukturmerkmale von LAT-Partnerschaften gewonnen werden. Für eine sekundärstatistische Analyse wird im Folgenden der ALLBUS 2006 herangezogen.
Alle zwei Jahre werden im ALLBUS rd. 3.500 Personen im Alter ab 18 Jahren befragt. Dazu wird eine Personenstichprobe aus dem Melderegister gezogen". (2010, S.31f.)

LATs im elterlichen Haushalt ("Nesthocker")

"Diese Form des living apart together beschränkt sich auf ledige Personen und fast ausschließlich auf junge Alterskohorten zwischen 18 und 29 Jahre. (...).
Die überragende Mehrheit der LATs, die noch im elterlichen Haushalt leben, wohnt im selbstgenutzten Wohneigentum (82 %). Der dominierende Wohngebäudetyp ist das freistehende Ein- und Zweifamilienhaus. Der größte Anteil von mehr als einem Drittel wohnt demzufolge in Kleinstädten". (2010, S.33)

Typen von LATS mit eigenem Haushalt (Einpersonenhaushalte und Alleinerziehende)

"Die deutlich größere Anzahl Personen in einer Paarbeziehung mit getrennten Haushalten lebt nicht mehr im elterlichen Haushalt. Davon entfällt der größte Anteil auf die Alterskohorten der 30- bis 44-Jährigen (45 %). (...). Nach dem Alter und der Haushaltsform lassen sich drei Gruppen bilden:

• Einer ersten Gruppe sind ungefähr ein Fünftel der LATs im eigenen Haushalt zuzuordnen. Sie sind allein wohnend, ledig und im Alter zwischen 18 und 29 Jahre. (...). Junge LATS mit einem eigenen Haushalt wohnen überwiegend zur Miete (77 %) und zu gut einem Drittel in einer Großstadt über 100.000 Einwohnern.
• Weitere zwei Drittel der LATs mit einem eigenen Haushalt sind zwischen 30 und 59 Jahre alt. (...). Von den Männern sind insgesamt 59 % ledig, bei den Frauen ist der Anteil mit 40 % deutlich geringer. Genauer ist bei den 45- bis 59-jährigen Frauen sogar keine ledig. Mehr als jeder vierte Mann und mehr als jede dritte Frau ist geschieden oder lebt in Trennung. Davon hat der überwiegende Anteil Kinder, die bei den Männern außer Haus (und höchst wahrscheinlich bei der Mutter) leben, während LAT-Frauen häufiger als Männer alleinerziehend sind. (...).
• Schließlich können in einer dritten und der zahlenmäßig kleinsten Gruppe ältere Personen ab 60 Jahre zusammengefasst werden (12 %). Sie sind häufig verwitwet (45 %) und leben alle im Ruhestand. (...).

Daraus folgend sind für beruflich motivierte Fernbeziehungen in LATs in eigenem Haushalten der jüngeren und mittleren Alterskohorten relevant. Da Verheiratete nur zu einem verschwindend geringen Teil von weniger als einem Prozent nicht in einem Haushalt mit dem Lebenspartner/der Lebenspartnerin zusammenleben, ist deshalb zu erwarten, dass Fernbeziehungen nur äußerst selten von Verheirateten geführt werden." (2010, S.33f.)

Forschungen zu Doppel-Karriere-Paaren bzw. -Familien als Beginn der Forschung zu multilokalem Wohnen

"Empirische Untersuchungen über berufsbedingtes multilokales Wohnen stehen in der angloamerikanischen Forschung seit ihren Anfängen Ende der 1970er Jahre in engem Zusammenhang mit der Doppelerwerbstätigkeit von Paaren und genauer der Diskussion über Doppelkarrierepaare (Kirschner/Walum 1978, Farris 1978, Gross 1980, Gerstel/Gross 1984, Winfield 1985, Bunker et al. 1992 (...)). Doppelkarrierepaar (Dual Career Couple, Akronym DCC) meint eine partnerschaftliche Konstellation, in der beide Partner einer hoch qualifizierten Erwerbstätigkeit nachgehen und eine eigenständige Berufslaufbahn verfolgen". (2010, S.35)

Phänomen des Ost-West-Pendels als Beispiel für ökonomische Zwänge hinsichtlich multilokaler Haushaltsorganisation

"Diese besondere Form des Berufspendelns ist infolge veränderter gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen ab Anfang der 1990er Jahre in den Fokus der Arbeitsmarktforschung gerückt (...). Die sekundäranalytischen Studien, konzentrieren sich auf die Frage, inwiefern Lohndifferentiale und Arbeitslosigkeit die Migration von Ost- nach Westdeutschland beeinflussen und haben keine Unterscheidung zwischen täglicher Berufspendlermobilität und Shutteln im Visier bzw. ist eine solche Differenzierung anhand der Sekundärdaten auch nicht möglich (...). Für das Phänomen des Ost-West-Pendelns lässt sich daraus immerhin ableiten, dass in den Jahren 1990 bis 2000 ungefähr jede/r dritte bis vierte Ost-West-Pendler/in eine beruflich genutzte Nebenwohnung in Westdeutschland unterhielt (einschließlich West-Berlin) und damit beruflich genutzte Zweitwohnungen von Ostdeutschen in Westdeutschland zahlenmäßig bedeutend sind. In Bezug auf den Ausbildungsstatus kommt Wagner (1998) zu dem Ergebnis, dass gering qualifizierte Ostdeutsche zu Beginn der 1990er Jahre eher eine Chance hatten, in Westdeutschland eine Arbeit zu finden. Zwischen 1994 und 2000 änderte sich die Situation; in diesem Zeitraum war die Wahrscheinlichkeit von hoch qualifizierten Personen höher, nach Westdeutschland zum Arbeiten zu pendeln. Zwischen 2000 und 2005 waren erneut Geringqualifizierte unter den Ost-West-Pendlern überrepräsentiert". (2010, S.37f.)

Forschungen zu Partnerschaften mit getrennten Haushalten als Ausdruck von strukturellen Zwängen

"Mit der Diskussion über die riskante Moderne und deren Folgen in Gestalt von riskanten Freiheiten und ambivalenten Individualisierungsprozessen (Beck 1986, Beck/Beck-Gernsheim 1990, 1994b) werden Partnerschaften mit getrennten Haushalten seit Ende der 1990er Jahre auch unter dem Blickwinkel struktureller Zwänge betrachtet, indem die Frage stärker in den Mittelpunkt der Forschung rückt, ob living apart together eine dem Partnerschaftsideal entsprechende selbst gewählte Beziehungsform oder eine ungewollte Notlösung ist.
Für Deutschland haben erstmals Schneider, Limmer und Ruckdeschel (2002 das living apart together unter dem Einfluss zunehmender räumlicher Mobilitätsanforderungen im Berufsleben untersucht. Allerdings verwenden sie den Begriff Fernbeziehung synonym zu getrennt zusammenlebenden Paaren und identifizieren Fernbeziehungen unabhängig von der raum-zeitlichen Entfernung der Wohnorte der Partner. Folglich streuen die Fahrtzeiten der Befragten (n=162) zwischen den Wohnungen zwischen 15 Minuten und mehr als 24 Stunden(...), so dass sich unterschiedliche Entstehungszusammenhänge und Motivationen hinter der so erfassten multilokalen Lebensform verbergen dürften und keine Aussagen über das Mobilitätsverhalten von großräumigen Fernbeziehungen möglich sind." (2010, S.44)

Defizit der bisherigen Forschung zu Fernbeziehungen

"Eine raumwissenschaftliche und raumplanerische Betrachtung von Paaren in getrennten Haushalten und speziell Fernbeziehungen fehlt m.W. bislang. Obwohl mittlerweile einige Untersuchungen über das getrennte Zusammenleben von Paaren vorliegen, können aus der Literatur keine allgemeinen Aussagen über das Mobilitätsverhalten und die Wohnsituation von Personen in einer solchen multilokalen Lebens- und Wohnform gewonnen werden. Lediglich Schlemmer (1995) (...) hat die räumliche Entfernung der Wohnungen der Partner als Indikator für die Hauptmotivation der Lebensform: Wahl vs. gesellschaftliches Erfordernis - aufgegriffen." (2010, S.46)

Stichprobenauswahl

"Damit genügend Personen mit einer berufsbezogenen Nebenwohnung und Personen in einer Fernbeziehung in die Stichprobe fallen, sind nur Kernstädte mit Metropolfunktionen ausgewählt worden (...): München, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin." (2010, S.51)

"Als Grundgesamtheit wurden Personen definiert, die zum Zeitpunkt der Stichprobenziehung zwischen 25 und 59 Jahre alt waren, deren Zuzug in die Befragungsgebiete maximal fünf Jahre zurücklag und die dort einen Hauptwohnsitz oder einen Nebenwohnsitz angemeldet hatten. Als untere Altersgrenze wurden 25 Jahre gewählt, damit ausbildungsbedingte räumliche Mobilität eine möglichst geringe Bedeutung bei den Befragten spielt. Zugleich sollte aber auch die Berufseinstiegsphase erfasst werden". (2010, S.52)

Auswirkungen von Zweitwohnungssteuern

"In Berlin waren zum Zeitpunkt der Stichprobenziehung unter den Zugezogenen überraschenderweise nur 68 Personen mit einer Nebenwohnung gemeldet. Das hängt sehr wahrscheinlich mit der Zweitwohnungssteuer zusammen, die in Berlin im Dezember 1997 eingeführt wurde. In den anderen drei Befragungsgebieten gab es zum Zeitpunkt der Befragung keine Zweitwohnungssteuer bzw. wurde eine solche in München erst zum Februar 2006 eingeführt. In Berlin wurde deshalb der Stichprobenumfang für Hauptwohnsitze im Vergleich zu den Befragungsgebieten Düsseldorf und München etwas erhöht". (2010, S.52f.)

"Die vergleichsweise geringen Ausschöpfungsquoten in der Stichprobe für Personen mit einer Nebenwohnung in Düsseldorf und München sind ein Indiz dafür, dass in diesen beiden Städten, wo zum Zeitpunkt der Befragung (noch) keine Zweitwohnungssteuer bestand, viele Personen mit einer Nebenwohnung gezogen wurden, die aus anderen als beruflichen Gründen eine Nebenwohnung angemeldet haben bzw. die diesen Wohnsitz nur unregelmäßig bis gar nicht nutzen und die häufig bei Einführung einer Zweitwohnungssteuer aus Kostenabwägung ihren Nebenwohnsitz abmelden oder in einen Hauptwohnsitz ummelden (zur Veränderung des Meldeverhaltens durch die Zweitwohnungssteuer siehe (....) Sturm/Meyer 2009). (2010, S.56)

Emotionaler statt melderechtlicher Wohnsitz sowie Abweichungen räumlicher Arrangements bei Shuttles

"Einige Befragte haben einen Hauptwohnsitz im Befragungsgebiet angegeben, obwohl sie dort eine Nebenwohnung angemeldet haben. Umgekehrt haben Befragte mit einem Wohnsitz im Ausland zum Teil ihren Nebenwohnsitz im Befragungsgebiet angegeben, obschon sie dort mit einem Hauptsitz gemeldet sind (sein müssen). Der melderechtliche Wohnsitzstatus weicht in diesen Fällen von einer wohl eher emotionalen Bedeutung von Haupt- und Nebenwohnsitz ab. Für die Datenauswertung wurden die Angaben der Befragten und damit die emotionale Bedeutung der Wohnorte herangezogen. Nur in Fällen, in denen die Befragten sich offensichtlich nicht zwischen dem melderechtlichen Status und der emotionalen Bedeutung der Wohnsitze entscheiden konnten und eine aus den Angaben nicht eindeutige Zuordnung von Haupt- und Nebenwohnsitz möglich war, wurde der melderechtliche Status im Befragungsgebiet erfasst." (2010, S.56f.)

"Das räumliche Arrangement der Wohnsitze und des Arbeitsorts von Befragten in einer Lebensgemeinschaft stellt sich differenzierter dar als anfänglich vermutet. Nach dem Melderechtsrahmengesetz liegt der Hauptwohnsitz einer Personen mit mehreren Wohnsitzen an dem Ort wo er/sie sich vorwiegend aufhält (»Schwerpunkt der Lebensbeziehungen«). Bei Verheirateten und Lebensgemeinschaften ist »die vorwiegend benutzte Wohnung der Familie oder der Lebenspartner«. Dementsprechend ist die Erscheinungsform berufsbezogener multilokaler Haushaltsstrukturen in der amtlichen Statistik und der Literatur verbunden mit dem Arbeiten am »formalen« Nebenwohnort. Das trifft auch auf knapp 90 % der klassifizierten Shuttles zu, deren Nebenwohnort sich erwartungsgemäß in der Mehrzahl in den Befragungsgebieten befinden (...).
Von diesem bekannten Muster des Shuttelns abweichend können multilokale Wohnarrangements beobachtet werden, in denen Befragte an beiden Wohnorten aus beruflichen Gründen mit dem Partner zusammenleben oder von ihrem »formalen« Hauptwohnsitz die Arbeitsstätte erreichen". (2010, S.76)

"Ein Rückschluss vom Melderegister auf »gelebte« Multilokalität kann (...) irreführend sein." (2010, S.80)

Begriffsverwirrung hinsichtlich Fernbeziehung und Shuttles bei den Befragten

Der Unterschied zwischen einer Paarbeziehung mit getrennten Haushalten und einer doppelten Haushaltsführung mit einem gemeinsamen Haushalt konnte mit dem standardisierten Erhebungsinstrument einer Reihe von Befragten nur unzureichend vermittelt werden. Die Lebenssituation von Paaren in einer multilokalen Haushaltsorganisation wird häufig affektiv als Fernbeziehung mit zwei Wohnungen wahrgenommen. Mit dem im Fragebogen verwendeten Begriff Fernbeziehung für eine getrennte Haushaltsführung sahen einige Befragte in einer doppelten Haushaltsführung anscheinend ihre partnerschaftliche Lebenspraxis aufgrund der regelmäßigen Abwesenheitsperioden vom Partner/von der Partnerin besser umschrieben (...) als mit dem der Nebenwohnung/-unterkunft." (2010, S.57)

Typen von Zugezogenen ohne weitere Wohnung

"Nach Rossi (...) lassen sich Wanderungsmobile - gemessen anhand der Wanderungsdistanz und Wanderungsmotive - in Fernwandernde (Wanderung bzw. Migration) und Nahwandernde (residentielle Mobilität) unterscheiden. Als Fernwandernde werden (...) diejenigen Männer und Frauen klassifiziert, die über eine Distanz von 50 km und mehr in die Befragungsgebiete gezogen wind" (2010, S.62)

Definition des Begriffs "Shuttle"

"In den meisten Studien werden berufsbezogene multilokale Haushaltsstrukturen im Kontext von partnerschaftlichen und familialen Haushaltsformen untersucht, so dass alleinwohnende Personen mit einer multilokalen Haushaltsorgansiation a priori aus der Stichprobe fallen (...). Am häufigsten wird dann die Aufenthaltsdauer am Wohnort des Arbeitsplatzes als Kriterium herangezogen. (...).
Da über die Lebenspraktiken und Lebensbedingungen von Männern und Frauen mit einer berufsbezogenen Nebenwohnung nur wenig bekannt ist (...) sind für die vorliegende Untersuchung die Aufenthaltsdauer im Haupthaushalt und spezifische Merkmale der Berufstätigkeit nicht für die Operationalisierung herangezogen worden, um so die lebenspraktische Realität (...) in ihrer Vielfalt erfassen zu können (...). Als Shuttles werden all jene Personen definiert, die zwei Haushalte unterhalten und bei denen berufliche Entscheidungszwänge für die multilokale Haushaltsorganisation ausschlaggebend sind. Für die Operationalisierung wurden folgende Variablen berücksichtigt:
• Ort der Haupt- und Nebenwohnung
• Bedeutung der Wohnorte: Arbeitsort ja/nein
• Gründe für die Unterhaltung einer Nebenwohnung
• Zuzugsgründe in das jeweilige Befragungsgebiet
• Erwerbstatus.
Die räumliche Entfernung zwischen den Wohnorten wird nur insofern berücksichtigt, dass die Wohnungen nicht in einem Ort liegen dürfen. Die Haushaltsform und die partnerschaftliche Lebenssituation spielen als Auswahlkriterium keine Rolle. Die Personen müssen erwerbstätig sein." (2010, S.74f.)

Alleinwohnende Shuttles im Vergleich zu Shuttles in Lebensgemeinschaften

"Alleinwohnende nennen neben beruflichen Gründen erwartungsgemäß häufiger als Shuttles in einer Lebensgemeinschaft die Verbundenheit mit dem Wohnort bzw. der Wohnregion, soziale Kontakte und Freunde als ausschlaggebenden Grund für die multilokale Haushaltsorganisation." (2010, S.83)

Lebensformen von Shuttles im Vergleich zu Fernwandernden

"Partnerschaftsorientierte Lebensformen sind insgesamt stärker verbreitet bei Shuttles als Fernwandernden (...). Insofern scheint die Fokussierung der bisherigen Forschung über berufsbedingte multilokale Haushalte auf Paare gerechtfertigt. Andererseits machen die Ergebnisse auch deutlich, dass es sich nicht nur um zusammenlebende Paare, sondern im Vergleich zu Fernwandernden häufiger um Paare in getrennten Haushalten handelt. Ein bedeutender Anteil von Shuttles lebt demnach in einer LAT-Partnerschaft (...) und damit einer sehr komplexen multilokalen Lebensform, was das räumliche Arrangement der Wohnorte und die alltäglichen Lebenspraktiken betrifft." (2010, S.89)

Geschlechterunterschiede bei Shuttles

"Als spätmoderne Charakteristika der multilokalen Lebensform sind für Männer die Doppelerwerbstätigkeit in Lebensgemeinschaften und für Frauen hohe berufliche Stellungen festzuhalten. Andererseits lassen die verschiedenen Haushaltsformen männlicher und weiblicher Shuttles darauf schließen, dass das Pendeln für Frauen weniger zur Vereinbarung von Beruf und Familie geeignet ist als für Männer." (2010, S.98)

Die Irrelevanz der "Generation Praktikum" unter Shuttles und Fernwandernden

"Nur fünf Befragte haben während eines Volontariats, Referendariats oder eines postgraduellen Praktikums eine Nebenwohnung eingerichtet. Angesichts der zum Zeitpunkt der Befragung in der Fachöffentlichkeit geführten Diskussionen über die »Generation Praktikum« (Grühn/Hecht 2007) (...) war ein höher Anteil postgradueller Praktikant/innen unter Shuttles zu erwarten. Zum einen wird sicherlich bei einer kurz befristeten Praktikantenstelle oft kein formaler Nebenwohnsitz angemeldet. Zum anderen ist aber auch unter Fernwandernden der Anteil postgradueller Praktikant/innen verschwindend gering (...). Vermutlich ist die Diskussion über prekäre Beschäftigungsformen von Hochschulabsolvent/innen wohl auch deshalb deutlich abgeebbt, weil deren Bedeutung überschätzt worden ist." (2010, S.100)

Shuttle-Wohntypen für das Wohnen am beruflichen Zweitwohnsitz

"Insgesamt können fünf Wohntypen ermittelt werden, davon stimmen bei drei Wohntypen die Wohnungsansprüche mit der objektiven Wohnsituation überein:

Typ 1: hohe Wohnungsansprüche und große, gut ausgestattete Zweitwohnung
Typ 2: geringe Wohnungsansprüche und sehr kleine, einfache Zweitwohnung
Typ 3: hohe Wohnungsansprüche an Freizeit- und Nutzungsqualität und kleine Zweitwohnung mit hohem Freizeitwert.
(...).
Typ 4: defizitäre Wohnungsoptimierung. (...)
Typ 5: besser ausgestattete Zweitwohnung als gewünscht." (2010, S.148f.)

Wohntyp 2: Geringe Wohnansprüche und sehr kleine, einfache Zweitwohnung

(...).
Innerhalb dieses Wohntyps lassen sich zwei Gruppen von Shuttles erkennen. Zum einen handelt es sich um verheiratete Männer in einer Lebensgemeinschaft mit Kind (...).
Zum anderen sind in dieser Gruppe ledige allein wohnende Männer und Frauen vertreten, die häufig einen befristeten Arbeitsvertrag haben. (2010, S.152f.)

Definition des Begriffs "Fernbeziehung" und die Schnittmenge zu Shuttles

"Fernbeziehungen werden analog zur Operationalisierung von Fernwanderungen wie folgt definiert (...).
• Die Befragten führen eine feste Partnerschaft. Die Angabe beruht auf der Selbsteinschätzung der Befragten (...).
• Das Paar hat keinen gemeinsamen Haushalt (»getrennte Haushaltsführung«).
• Die Haushalte der Partner befinden sich an verschiedenen Orten und
• die räumliche Distanz zwischen den Wohnorten beträgt mindestens 50 km.
Abweichend von diesem Operationalisierungsverfahren musste für Befragte mit einer Nebenwohnung, bei denen sich eine Wohnung in kleinräumiger Nähe der Wohnung des Partners/der Partnerin befindet (bis 50 km), fallspezifisch entschieden werden, welche Bedeutungen die beiden Wohnsitze für die Befragten haben bzw. ob die partnerschaftliche Beziehung über eine großräumige Distanz verortet ist (...). Befragte in einer Fernbeziehung, die eine Nebenwohnung unterhalten, können damit zugleich Shuttles sein." (2010, S.211f.)

Die Verbreitung von LATs im Vergleich zu Fernbeziehungen

"Gegenüber der Verbreitung von LATs in Deutschland, die anhand des ALLBUS 2006 (...) ermittelt wurde, ist der Anteil von LATs in der Stichprobe erwartungsgemäß (...) höher, denn Einpersonenhaushalte konzentrieren sich in Großstädten und überregional mobile Personen sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung durchschnittlich jünger (...). Dass jede/r sechste Zugezogene in einer LAT-Partnerschaft lebt, verweist auf die Bedeutung dieser partnerschaftlichen Lebensform in Großstädten. Im Vergleich zu den Ergebnissen von Schlemmer (1995) aus dem DJI-Familiensurvey fällt auf (...), dass von den LAT-Partnerschaften insgesamt die Partner mehrheitlich in verschiedenen Orten wohnen (und nicht in etwa zu gleichen Teilen in einer Stadt und in verschiedenen Orten leben). Darüber hinaus ist das zahlenmäßige Verhältnis von Befragten in einer Fernbeziehung und LATs mit getrennten Haushalten in kleinräumiger Entfernung annähernd gleich (und nicht der Anteil kleinräumiger LAT-Partnerschaften höher). Das liegt sicherlich daran, dass ausschließlich Personen mit einem übergemeindlichen Umzug befragt wurden." (2010, S.213f.)

Definition des Begriffs "Hypermobile"

"Gruppe, die eine Fernbeziehung führt und eine beruflich genutzte Zweitwohnung unterhält". (2010, S.230)

Fernbeziehungen entsprechen eher dem Bild des flexiblen ortlosen Menschen als Shuttles

"Die spätmoderne Erscheinungsform des Shuttelns entspricht (...) nicht dem - der Auflösungsargumentation der Individualisierungstheorie entsprechenden - Bild vom flexiblen ortlosen Menschen (Beck 1986, Sennett 2000, Baumann 1997, 2000). Wohneigentum ist (...) weiterhin ein wichtiger ortsbindender Einflussfaktor, der zum Shutteln führt (...). Wie die Bedeutung der sozialen Bindung durch Partnerschaft, Eltern und Freundschaften zeigen, ist das Wohnen in multilokalen Haushalten in der Spätmoderne weder Ortlosigkeit noch Entwurzelung (...). Unter den Bedingungen fortschreitender Modernisierung und arbeitsmarktbezogener Flexibilisierung entsteht in vielen multilokalen Haushalten vielmehr eine neuartige Verflechtung aus Ortsgebundenheit und räumlicher Mobilität (...).
Entankerte und globale Lebensformen als Kennzeichen einer spätmodernen Gesellschaft (...) spiegeln sich weniger im berufsbezogenen Pendeln zwischen einem Haupt- und Zweitwohnsitz und vielmehr in der multilokalen Lebensform der Fernbeziehung wider. Damit verbinden sich für Fernbeziehungen auf Großstädte orientierte Verflechtungsmuster (...) und das Wohnen zur Miete (...).
Mit der Konzentration von Fernbeziehungen auf Großstädte steht in Zusammenhang, dass Hochqualifizierte überdurchschnittlich häufig in einer LAT-Partnerschaft über große Distanzen leben". (2010, S.278)

Das Wochenendpendeln ist weniger verbreitet als das Pendeln an Werktagen

"Anhand der raum-zeitlichen Analyse des Pendelverhaltens konnte die (...) Skepsis gegenüber dem Begriff des »Wochenendpendels« untermauert werden, denn in der Stichprobe pendeln Shuttles am häufigsten am Freitag und Montag, zwischen den Wohnorten. Von diesen Pendelmustern unterscheidet sich die Pendelmobilität in einer Fernbeziehung im Wesentlichen dadurch dass LATs mehrheitlich im Zwei-Wochen-Rhythmus und ehr freitags zum Beginn und sonntags am Ende des Wochenendes pendeln. Ein signifikanter Anteil des Pendelns fällt damit zusammengenommen auf Werktage und verstärkt die negativen Folgen des (motorisierten) Berufsverkehrs. (...). Das berufsbezogene Pendeln zwischen zwei Wohnsitzen sollte daher in der Raumplanung und den Verkehrswissenschaften als eine spezifische Form der Berufspendlermobilität stärker berücksichtigt werden." (2010, S.280)

 
     
 
       
   

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JAUER, Marcus (2003): Gang raus und rollen lassen.
Pendeln zwischen Ost und West, des Lebens wegen: "Es klingt vielleicht blöd, aber irgendwie vergeht die Zeit".
Armes Deutschland (VII): Das Schicksal einer ostdeutschen Familie: Er arbeitet in München unter seinen Fähigkeiten, und sie wartet in Kodersdorf auf das Wirtschaftswunder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.02.

FOCUS-Titelgeschichte: Die Single-Partner.
Lust und Frust von Fernbeziehungen. Und wie sie überhaupt funktionieren können

SACHSE, Katrin (2003): Pakt mit der Sehnsucht.
Fernbeziehungen fördern die Karriere, belasten aber die Liebe. In Deutschland lebt bereits jedes achte Paar auf Distanz - Tendenz steigend,
in: Focus Nr.17 v. 19.04.

STOLDT, Till-R. & Sonja BANZE (2004): Die Trolley-Gesellschaft: Pendeln als Lebensform.
WAMS-Thema: Deutschland ist in Bewegung. Millionen Menschen arbeiten weit entfernt von dem Ort, an dem sie leben. Am Wochenende oder sogar täglich reisen die Pendler durch das Land. Experten erwarten, dass der Trend stark zunimmt - mit großen Folgen für die gesamte Gesellschaft, vor allem aber für die Liebe,
in: Welt am Sonntag v. 15.08.

STOLDT, Till-R. (2004): Einmaleins der "Distanzbeziehungsführer": Wo bin ich gerade?
WAMS-Thema: Erstmals werden in Deutschland therapeutische Kurse für Fernbeziehungen angeboten,
in: Welt am Sonntag v. 15.08.

NEON-Titelgeschichte: Holst du mich ab?
Wie man Fernbeziehungen aushält - und wann Liebe auf Distanz sogar das Beste ist

KIENLE, Dela (2006): P.S. Ich vermisse dich!
Jedes zehnte Paar liebt aus der Ferne - ohne normalen Alltag, dafür mit Reisestress und ewiger Sehnsucht. "Na und?", sagen viele. "Unser Happy End, das kommt schon noch." Bis dahin leben sie Die FERNBEZIEHUNG mit allen Tiefen - und mit allen Vorteilen. Die gibt es nämlich auch,
in: Neon, Mai

DECKERT, Marc (2006): Auf dem Sprung.
"HOCHMOBILE" Menschen leben und arbeiten heute hier, morgen dort. Ihr Leben klingt verlockend. Aber wie gehen sie mit den ständigen Ortswechseln um? Und können sie jemals Wurzeln schlagen?
in:
Neon, August

ZITTY-Titelgeschichte: Neue Liebe...
Heute arbeiten wir überall. Deshalb werden Fernbeziehungen immer normaler. Und so funktionieren sie

SENNA, Marco (2006): Fernbeziehungen sucht man sich nicht aus. Sie kommen. Und immer öfter bleiben sie sogar.
Ist die Liebe auf Distanz besser? Sicher ist nur eines: Sie ist ganz anders,
in: zitty Nr.23 v. 09.11.

DEMMER, Christine (2007): Ich will keine Fernbeziehung.
Jobcoach,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.04.

DAS MAGAZIN-Titelgeschichte: Neuzeitnomaden.
Liebe, Arbeit, Studium: Vom Glück & Unglück der Weltenwechsler

PUSCHMANN, Thomas (2008): NeuzeitNomaden.
Auslandssemester, Jobangebote jenseits der Grenze, eine ferne Liebe - junge Leute kurven heute international viel herum. Welche Rituale helfen ihnen klarzukommen, wo fühlen sie sich zu Hause? Eifrige und vorsichtige Weltenwechsler erzählen,
in: Das Magazin, April

SPIEß, Martin (2008): Glück auf Raten.
Daniel und Sara führen seit neuen Jahren eine Fernbeziehung. Er lebt in Kiel, sie in Atlanta. Wie funktioniert das?
in: Das Magazin, April

PUPPEL, Catharina (2008): Kleiner Mann auf großem Flug,
in: faz.net v. 14.04.

BÖNISCH, Julia (2008): "Akademiker pendeln, um nicht abzusteigen".
Die Deutschen sind erstaunlich mobil - erzwungenermaßen: Denn Firmen verlangen, dass ihre Angestellten beweglich und flexibel sind. Der Soziologe Detlev Lück über Arbeit, Reisen und soziale Belastungen,
in: sueddeutsche.de v. 30.05.

GÖRICKE, Jutta (2008): Pendeln für die Karriere,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.05.

SEIBT, Gustav (2008): Heimat existiert.
Das überraschende Resultat einer Umfrage zum Wohnverhalten der Deutschen zeigt: Die Bürger sind auffallend standortfest,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.07.

 
       
   

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Update: 08. März 2017