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Erwin K. Scheuch: Gründe für den Geburtenrückgang jenseits des individuellen Zeugungsverhaltens

 
       
   
  • Kurzbiographie

 
       
     
       
   

Erwin K. Scheuch in seiner eigenen Schreibe

 
   

SCHEUCH, Erwin K. (1978): Kein "Pillenknick".
Der Geburtenrückgang ist Ausdruck eines veränderten Zeugungsverhaltens.
In: Warnfried Dettling (Hg.) Schrumpfende Bevölkerung. Wachsende Probleme? Ursachen - Folgen - Strategien, München-Wien: Günter Olzog Verlag, S.43-62

SCHEUCH, Erwin K. (2000): Meistens kommt es anders.
Über die Haltbarkeit von Voraussagen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.10.

 
       
   

Nachrufe zum Tod von Erwin K. Scheuch

 
   

BESIER, Gerhard (2003): Ein Informant für den mündigen Bürger.
Zum Tod von Erwin K. Scheuch (1928 - 2003),
in: Welt v. 14.10.

Neu:
BEUCKER, Pascal (2003): Gegen den Klüngel.
Erwin K. Scheuch ist tot. Der Korruptionsforscher hat auch seine Parteifreunde von der CDU nicht geschont,
in: TAZ v. 15.10.

KAUBE, Jürgen (2004): Heimatgefühle im Soziotop.
Seine Geburtsstadt Köln gab das ideale Forschungsfeld für Studien zur Korruption ab: Zum Tod von Erwin K. Scheuch,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.10.

LEPENIES, Wolf (2003): Entrüstung und Empirie.
Zum Tod des Kölner Soziologen Erwin K. Scheuch,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.10.

  • LEPENIES hebt u .a. die soziologischen Schulenbildung hervor:

    "In Köln war 1919 durch den Oberbürgermeister Konrad Adenauer das erste deutsche Forschungsinstitut für Sozialwissenschaften gegründet worden. Ihm gab nach dem Zweiten Weltkrieg der Emigrant René König entscheidende Impulse. Mit König war Erwin K. Scheuch, der wohl oder übel die Rolle des Kronprinzen spielen musste, maßgeblich an der Entwicklung der »Kölner Schule« beteiligt. Zur »Frankfurter Schule« bestand nicht nur eine Regionalkonkurrenz: König und Scheuch, die sich in ihrer Lust an Polemik nicht nachstanden, erzogen ihre Schüler bewusst zu nüchterner Empirie. Auf der soziologischen Landkarte blieb Frankfurt für sie eine Hochburg der Spekulation."

SCHLAK, Stephan (2003): Je älter, desto zorniger.
Zum Tod des Soziologen Erwin K. Scheuch, des Kämpfers gegen den Klüngel,
in: Berliner Zeitung v. 15.10.

  • SCHLAK beschreibt SCHEUCH als einen Angehörigen der Flakhelfer-Generation, der sich im Alter des Gestus der ehemaligen Gegenspieler bedient hat:

    "Scheuch, 1928 geboren, zählt zu jener Bonner Gründergeneration, die sein konservativer Kollege Helmuth Schelsky als »skeptische Generation«  beschrieben hat. Scheuchs erste Aufstiegsschritte vom Flakhelfer über den Schwarzhändler verbinden ihn mit seinen Generationsgenossen Enzensberger und Kohl. Die Skeptiker waren gebrannte Kinder des Krieges; von allen hochtrabenden Visionen ernüchtert, leisteten sie in den Nachkriegsjahren Flankenschutz für den pragmatischen Wiederaufbau der Nation. Da konnte der Streit mit der nachwachsenden Studentengeneration nicht ausbleiben, die radikal noch einmal alles ganz anders machen wollte.
    Es ist eine seltsame bundesrepublikanische Pointe, dass Scheuch zuletzt die aggressive Pose des zivilen Ungehorsams besetzte, die er bei den 68ern immer vehement politisch bekämpfte. Erinnern einen nicht die vielen
    Bürgerkonvente und politischen Protest- und Sektierergrüppchen abseits des etablierten Parteienspektrums, denen Scheuch zuletzt seine Stimme schenkte, an die diversen K-Grüppchen und den Mickey-Maus-Stalinismus der Siebziger?
    Wie Arnulf Baring bunkerte sich auch Erwin K. Scheuch zuletzt immer mehr in der Polemik gegen die korrupte Republik ein.
    "

WALTHER, Rudolf (2003): Beinharte Empirie.
Zum Tode des Kölner Soziologen Erwin K. Scheuch,
in: Frankfurter Rundschau v. 15.10.

WENZEL, Uwe Justus (2003): Soziologisch-politisches Profil.
Zum Tod von Erwin K. Scheuch,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 15.10.

 
       
   

Kein "Pillenknick" (1978)

 
   
     
 

Zitate:

 Ursachen des Geburtenrückgangs jenseits des individuellen Zeugungsverhaltens:

1) Die Nichtgeborenen - Der Einfluss der Altersstruktur auf die Geburtenrate

"Als Folge zweier Weltkriege und der Weltwirtschaftskrise war in Deutschland der Altersaufbau der Bevölkerung im 20. Jahrhundert schon immer gestört. So wurden auch nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst wenig Kinder geboren - vor allem weil den Frauen im Alter der höchsten Geburtenzahlen der Partner fehlte. Diese Nichtgeborenen fallen dann 20 bis 25 Jahre später als mögliche Eltern aus. Damit müssen die Geburtenzahlen dann auch schwanken, wenn sich das Zeugungsverhalten nicht ändert. Diese Einflüsse auf die Geburtenraten werden durch Ziffern, welche die Zahl der Lebendgeborenen in Bezug setzt zur Gesamtbevölkerung eines Landes, nicht deutlich." (S.45)

2) Die Störung der Geschlechtsproportion - Männerüberschuss contra Frauenüberschuss

"Faktor: Die Geschlechtsproportion der zeugungsaktiven Jahrgänge. Selbstverständlich muß sich eine Störung der Geschlechtsproportion auch bei unverändertem individuellen Zeugungsverhalten als Verringerung der Geburtenhäufigkeiten ausdrücken.
Tatsächlich gibt es in den Jahrgängen, in denen ein besonders hoher Anteil aller Kinder gezeugt wird, einen Männerüberschuss." (S.50)

Zusammenfassung der Einflüsse

Einflüsse auf die sinkenden Geburtenziffern, die nicht Ausdruck einer Veränderung des individuellen Zeugungsverhalten sind:
Jahrgangseffekt (...)
Rückgang des bäuerlichen Milieus (...)
Rückgang des dörflichen Milieus (...)
Neues Hilfsmittel "Pille" (...)
Sterilität eines Ehegatten (...)
Störung der Geschlechtsproportion" (S.50) 

 
     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Geburtenkrise - Die politische Konstruktion eines Themas
 
       
   

Die Widertäufer der Wohlstandsgesellschaft (1968).
Eine kritische Untersuchung der "Neuen Linken" und ihrer Dogmen"
(herausgegeben von Erwin K. Scheuch)

Köln: Markus Verlag

 
   
     
 

Zitate:

 Selbstverständnis der Autoren

"Alle Autoren verstehen Gesellschaft und die Aufgabe von Politik darin als fortwährende Veränderung. Insofern solche allgemeinen Einstellungen auch in die wissenschaftliche Argumentation Eingang finden, ist dieser Band eine Antwort von reformerisch - meist als »links« im Sinne der Sozialdemokratie - zu bezeichnenden Autoren auf die »Neue Linke« " (Scheuch, S.10)

Generationenkonflikt: Flakhelfer- vs. 68er-Generation

"Der Herausgeber (...) wollte in erster Linie Wissenschaftler derjenigen Generation zu Wort kommen lassen, die jetzt dabei ist, in den Führungspositionen diejenige Generation abzulösen, welche in den verschiedenen Industriegesellschaften mehr oder weniger gut die Aufgabe bewältigte, aus dem Chaos der unmittelbaren Nachkriegszeit wieder eine bewohnbare Welt zu machen. (...).
Autoren der Jahrgänge 25 bis 32 waren Zuschauer der Entscheidungen der Nachkriegszeit und Mitarbeiter in ihrer Ausführung - meist in kritischer Distanz. Und dennoch lassen auch diese Beiträge spüren (...): die Hauptlinien des Konflikts verlaufen nicht zwischen Vätern und Söhnen, sondern zwischen dieser mittleren Generation und denjenigen, die in einer Welt aufwuchsen, die materiell erträglich und in der die Unmenschlichkeit des Krieges nicht eigene Lebenserfahrung, sondern Überlieferung war. Selbst am Ton der Beiträge läßt sich meist die Generation der Verfasser ablesen: herrscht bei denjenigen, die Politik und gesellschaftliche Gegensätze noch als Weltanschauung erfuhren, eine gewisse Sympathie für die vertrauten Arten des Infragestellens von überlieferter Ordnung vor, so neigt die Zwischengeneration eher zur Ungeduld - bis hin zu Verachtung - dieses Weltanschauungsprotestes der »Neuen Linken«.
(...).
Weltanschauung als Gegenstand und Gesinnung als ein Ausweis für Überlegenheit der Sprecher: für viele Angehörige der Zwischengeneration ist dies Grund zum Entsetzen. (...). Der Gesinnungskriminelle der Politik ist der typische Brandstifter und Mörder großen Stils in diesem Jahrhundert." (Scheuch, S. 10f.)

Gründe für die Wahl des Titels

"Mit dem Titel »Die Wiedertäufer der Wohlstandsgesellschaft« sollte die böse historische Kontinuität der Vergewaltigung des Mitmenschen aus Gesinnung angesprochen werden. Auch die Bewegung der Täufer war zunächst nicht und blieb nicht vornehmlich eine Bewegung der Armen und Unwissenden, sondern von Menschen, die wir heute als Angehörige von Mittelschichten und höheren Schichten bezeichnen würden. Die Bewegung der Täufer war chiliastisch und vermutete, nun sei die Zeit zur Verwirklichung der Endzeit durch einen »neuen Menschen« gekommen. " (Scheuch, S.11)

 
     
 
       
   

Die Beiträge des Bandes

SCHEUCH, Erwin K. - Zur Einleitung

LOHMAR, Ulrich - Die »Neue Linke« und die Institutionen der Demokratie

LUDZ, Peter Christian - Zur politischen Ideologie der »Neuen Linken«

WATRIN, Christian - Spätkapitalismus?

BOETTCHER, Erik - Von der Industriegesellschaft zum Neokolonialismus?

KOGON, Eugen - Klassen und Revolution im Denken der »Neuen Linken«

SCHEUCH, Erwin K. - Das Gesellschaftsbild der »Neuen Linken«

HÄTTICH, Manfred - Demokratie und Demokratismus - zum Demokratieverständnis der »Neuen Linken«

HENNIS, Wilhelm - Die hochschulpolitischen Forderungen der »Neuen Linken«

HOEFNAGELS SJ, Harry - Gesellschaftskritik und Engagement für den Menschen als rationales Unternehmen

LEPSIUS, M. Rainer - Zu Mißverständnissen der Soziologie durch die »Neue Linken«

REBLIN, Klaus - Der Voluntarismus der »Neuen Linken« - eine Analyse ihres Geschichtsverständnisses

RITTER, Gerhard A. - »Direkte Demokratie« und Rätewesen in Geschichte und Theorie

BRZEZINSKI, Zbibniew - Revolution oder Konterrevolution - zum historischen Standort des Revolutionismus der »Neuen Linken«

 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 26. August 2003
Update: 19. Oktober 2011