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Franz J. Neyer:  Persönlichkeit und Lebensform

 
       
     
       
     
       
   

Franz J. Neyer in seiner eigenen Schreibe

 
   
Eine Untersuchung von NEYER ergab, dass partnerunerfahrene Singles die niedrigsten Werte in Extraversion und die höchsten Werte in Schüchternheit aufwiesen.
Beate Küpper - Sind Singles anders? 

ASENDORPF, Jens B. & Franz J. NEYER (2000): Welcher Beziehungstyp sind Sie?
in: Psychologie heute, H.10, Oktober,  S.28-33

Ergebnisse einer neueren sozialpsychologischen Studie über Beziehungsstrukturen verschiedener Persönlichkeitstypen

NEYER, Franz J. (2003): Persönlichkeit und Partnerschaft. In: GRAU, I. & BIERHOFF, H. W. (Hg.) Sozialpsychologie der Partnerschaft, Berlin/Heidelberg/New York: Springer, S.165-189

In: LANG, Frieder R. & Franz J. NEYER (2005): Soziale Beziehungen als Anlage und Umwelt.
Ein evolutionsbiologisches Rahmenmodell der Beziehungsregulation,
in: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, H.2, April

PSYCHOLOGIE HEUTE-Titelgeschichte: Ich ändere mich!
Die Kunst, seinem Leben eine neue Richtung zu geben

Neu:
LEHNART, Judith & Franz J. NEYER (2007): Wer sich bindet, wächst daran.
In keinem anderen Lebensabschnitt verändert sich die Persönlichkeit so einschneidend wie im Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter. Doch was ist die treibende Kraft hinter diesem Wandel? In Längsschnittstudien haben deutsche Psychologen jetzt die Antwort gefunden: Die Bindung an einen Lebenspartner lässt Menschen in jungen Jahren reifen,
in: Psychologie Heute, Dezember

"Seit einigen Jahrzehnten bleibt ein nicht unwesentlicher Prozentsatz der Bevölkerung ohne dauerhaften Partner. Der Anteil der Singles unter den 20- bis 30-Jährigen liegt seit Ende der 1960er Jahre konstant bei etwa 25 Prozent",

behaupten LEHNART & NEYER. Wie viele Singles es gibt, hängt entscheidend von der Definition des Paares ab.

SCHMIDT/MATTHIESEN/DEKKER/STARKE haben in ihrer Studie Spätmoderne Beziehungswelten an der Selbstdefinition der Befragten angeknüpft, während beim Familiensurvey Partner, deren Beziehung kürzer als ein Jahr bestand, den Partnerlosen zugerechnet wurden. Quantitativ ausgedrückt bedeutet dies:

"In unserer Studie stiege der Anteil der Singles in der Gesamtstichquote von 23 % auf 28 %, bei den 30-Jährigen sogar von 26 % auf 36 %"

SCHMIDT u.a. haben festgestellt, dass sich der Single-Anteil von den 68ern (1942Geborene) über die Single-Generation (1957Geborene) bis zur Generation Golf (1972 Geborene) nicht erhöht hat. Die Änderung im Bindungsverhalten beschreiben sie folgendermaßen:

"- Feste Partnerschaften beginnen heute früher als vor 30 Jahren (...).
- Bis zum Alter von 30 Jahren haben die drei Generationen beinahe unterschiedslos 9-10 Jahre lang in festen Beziehungen gelebt (...)."

Die Anzahl der Partnerschaften, die jemand im Laufe seines Lebens durchlebt, hat sich also im Laufe der letzten Jahrzehnte erhöht. Singlephasen sind überwiegend das Nebenprodukt dieser häufigeren Partnerwechsel. LEHNART & NEYER sehen die erste Partnerschaft als wichtigsten Schritt zu einer "reiferen" Persönlichkeit:

"Unsere Ergebnisse legen (...) nahe, dass die mit dem Übergang zur Partnerschaft erzielten Reifungsprozesse auch durch die Trennung nicht mehr gefährdet und rückgängig gemacht werden können. Wer eine Partnerschaft eingeht, gewinnt - zumindest im Hinblick auf seine Persönlichkeit!"

Menschen ohne Beziehungserfahrung wären in dieser Sicht unreifer als Beziehungserfahrene. Was im Hinblick auf Beziehungen ja unbestreitbar stimmt. Die Unreife-Zuschreibung geht jedoch darüber hinaus. Die reife Persönlichkeit ist ein normatives Konstrukt, das ganzheitlich angelegt ist und zudem ein bestimmtes Beziehungsideal impliziert. So wird z.B. Gewissenhaftigkeit nicht kognitiv, sondern sozial definiert. Wer keine Partnerschaft hat, ist nach dieser Definition also per se nicht gewissenhaft - auch nicht an seinem Arbeitsplatz oder in anderen Dingen.

Introvertierte Menschen gelten nicht als anders, sondern als Menschen zweiter Klasse, weil sie sich bei der Kontaktaufnahme nicht extravertiert genug verhalten. Wer den Partner wechselt, der ist per se neurotischer als jener, der sich dauerhaft an seinen ersten Partner bindet. Das Persönlichkeitsmodell ist also nicht wertfrei, sondern normativ.

Den Unterschied zwischen Gebundenen (Personen in Langzeitpartnerschaften) und Ungebundenen (dauerhaften Singles) erklären LEHNART & NEYER durch den persönlichen Bindungsstil, der Ausdruck der Persönlichkeit ist. Eine solche Sichtweise wird jedoch einer umfassenden Analyse des Single-Daseins nicht gerecht. SCHMIDT u.a. erklären die Beziehungsinstabilität und die damit verbundene Zunahme der Singles dagegen als Konsequenz des hohen Stellenwerts von Beziehungen:

"Neben die Wertvorstellung »Dauer« tritt ein zweiter, konkurrierender Wert, den man »Beziehungsqualität« oder »Beziehungsintensität« nennen kann (...). Es geht dann icht um Dauer an sich, sondern um Dauer bei hoher emotionaler, intimer und (seltener) sexueller Qualität. Die Instabilität heutiger Beziehungen resultiert nicht aus Bindungsunfähigkeit oder -unlust; sie ist vielmehr die Konsequenz des hohen Stellenwertes, der Beziehungen für das persönliche Glück beigemessen wird und der hohe Ansprüche an ihre Qualität. "(2006, S.33f.).

LEHNART & NEYER bewerten moderne Beziehungen aus der Perspektive traditioneller Liebesbeziehungen, wodurch sie zu "richtigen/reifen" und "falschen/unreifen" Bindungsstilen kommen. SCHMIDT u.a. sehen in der geringeren Dauerhaftigkeit von Beziehungen dagegen die Durchsetzung eines modernen Beziehungsideals. Der französische Soziologe Jean-Claude KAUFMANN sieht im pragmatischen Liebesmodell sogar die bessere Alternative. Die entscheidende Frage ist also, ob Dauerhaftigkeit per se ein Maßstab für Beziehungsfähigkeit sein kann, oder ob die Beziehungsqualität und damit die Paarebene miteinbezogen werden muss.

Die Studie spätmoderne Beziehungswelten von SCHMIDT u.a. zeigt ein differenziertes Bild moderner Lebensweisen. Im Gegensatz zu den meisten älteren Studien werden nicht nur zusammenwohnende Paare betrachtet, sondern auch Paare ohne gemeinsame Wohnung, die insbesondere bei unter 30-Jährigen besonders weit verbreitet sind. Durch den Vergleich dreier Generationen und verschiedener Lebensphasen geraten die Unterschiede des Single-Daseins und des Paarlebens viel umfassender in den Blick als dies psychologische Ansätze vermögen. Die Bedeutung von Bindungsstilen wird damit relativiert.

Die Zunahme der Singles ist in erster Linie die Konsequenz eines neuen Beziehungsideals. SCHMIDT u.a. haben nur bei 10 % einen alternativen Single-Lebensstil ausmachen können, wobei dieser Anteil über die Generationen konstant geblieben ist. Nur für diese Gruppe der Langzeitsingles mit mehr oder weniger Kurzzeitbeziehungen, könnte tatsächlich von einem anderen Bindungsstil im Sinne von LEHNART & NEYER gesprochen werden. Der überwiegende Teil dieser Singles sind aber keine hedonistischen swinging Singles (der Anteil wird auf 3 - 4 % geschätzt), für die ein häufiger Partnerwechsel kennzeichnend ist. Zu den Langzeitsingles gehören auch Menschen ohne Beziehungserfahrung oder ältere Frauen, die sich ohne Partner im Alleinleben eingerichtet haben.

 
       
   

Franz J. Neyer in der Debatte

 
   
FOCUS-Titelgeschichte: Warum bin ich so?
Psyche & Gene. Der Charakter: Was ihn wirklich prägt und wie wir uns doch ändern können

SACHSE, Katrin (2005): Das Geheimnis des Ich.
Die Persönlichkeit erhebt jeden Menschen zu einem einzigartigen Wesen. Ein kompliziertes Wechselspiel zwischen Genen und Umwelt fort und festigt den Charakter,
in:
Focus Nr.11 v. 14.03.

Katrin SACHSE erwähnt die Studie Persönlichkeit und soziale Beziehungen im jungen Erwachsenenalter von Franz NEYER & Judith LEHNART. SACHSE ist der Meinung, dass diese Studie das Wesen der Dauer-Singles erklärt:

"Die Berliner Studie birgt (...) eine kleine Sensation, sie erklärt das bislang rätselhafte Wesen des Dauer-Singles. »Geringe Geselligkeit sowie innere Ausgeglichenheit erhöhen das Risiko, allein zu bleiben«, weiß nun Neyer. Ein junger Mensch, der in scheinbarer Harmonie in sich ruhe, also wenig neurotisch sei, erwecke nicht den Eindruck, einen Lebenspartner zu suchen. Und wenn diese Person dann noch ungern ausgehe, sondern lieber zu Hause Bücher lese oder im Internet surfte, verpasse sie entscheidende Chancen auf dem Beziehungsmarkt, erklärt Neyer."

 
       
   

Jugendliche im Kontext ihrer sozialen Netzwerke (1994).
Studien zur Kindheits- und Jugendforschung, Band 8

Hamburg:
Dr. Korvacs

 
   
     
 

Klappentext

"Neyers zentrales Anliegen besteht in einer Zusammenführung psychologischer und soziologischer Perspektiven der Netzwerkforschung. Anhand einer konkreten empirischen Fragestellung werden hierbei auch familienpsychologische Aspekte einbezogen.
Der Band gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Im theoretischen Teil stellt der Autor neuere Konzepte und empirische Ergebnisse der Netzwerkforschung vor und diskutiert, mit welchen Möglichkeiten und Grenzen eine Einbeziehung des ursprünglich soziologisch und strukturell angelegten Netzwerkkonzepts in psychologische Fragestellungen konfrontiert ist. Der empirische Teil befasst sich mit der Beschreibung und Analyse der egozentrierten Netzwerke von 479 Personen im Alter von 18 bis 32 Jahren, die im Rahmen des Familiensurveys und der Mehrgenerationenerhebung des Deutschen Jugendinstituts 1989 und 1990 befragt worden sind. Zwischen beiden Messzeitpunkten ergibt sich eine mittelhohe Stabilität der Netzwerke. Stabilität und Veränderung der Netzwerke werden aber auch vor dem Hintergrund möglicher Bedingungsfaktoren (z.B. Institutionalisierung und Erstelternschaft usw.) analysiert. Dabei ergeben sich u.a. geschlechtsspezifische Unterschiede derart, dass Männer eher partnerschaftszentriert sind, während Frauen ihr Netzwerk extensiver nutzen. Schließlich werden die Beziehungen zwischen Eltern und erwachsenen Kindern in raumzeitlicher Perspektive betrachtet, wobei sich tendenziell zeigt, dass starke Verbindungen eher mit einer Stabilisierung und schwache Verbindungen mit einer Abnahme der Kontakthäufigkeit einhergehen.
Abschließend wird der Frage einer Verschränkung von horizontalen und vertikalen Familienbeziehungen nachgegangen. Hierzu wird eine Typologie von starken und schwachen Partner- und Mutterverbindungen entwickelt, die in einem Vierfelderschema miteinander kombiniert werden. Die so konstruierten vier Typen unterscheiden sich zwar nicht im Hinblick auf ihre sozialen Gelegenheitsstrukturen, aber im Ausmaß der sozialen Partizipation des Netzwerkgefüges."

     
 
       
   

Rezensionen

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Franz J. Neyer im WWW

  • http://www.psychologie.uni-jena.de
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