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- WALTER,
Franz (1999): Neue Generation, neue Mitte - neue
SPD?
Eine
Rede an den unzulänglichen Nachwuchs der
Sozialdemokratie,
in: Berliner
Republik Nr.1
-
WALTER, Franz
(2001): Die Bürgergesellschaft - eine süße
Utopie.
Über die großen
Erzählungen und die zu hohen Erwartungen,
in: Frankfurter
Rundschau v. 14.07.
- WALTER,
Franz (2002): Wenn die neue Mitte alt wird...
könnte
die SPD wieder lebendig werden. Was wird aus der
Partei der ausgebrannten Babyboomer?,
in:
Welt
v. 14.03.
- WALTER,
Franz (2002): Stillgelegt und ausgebrannt,
in:
TAZ v.
16.03.
- WALTER,
Franz (2002): An der Macht und in der Sinnkrise:
die Schröder-SPD.
Franz Walter analysiert die
Probleme und Zukunftsperspektiven der deutschen
Sozialdemokratie,
in: Frankfurter
Rundschau v. 22.04.
- Kommentar:
Die SPD ist für den
Göttinger Politikwissenschaftler Franz
WALTER die "Mehrheitspartei des
mittleren Lebensdrittels, der 30- bis
50-Jährigen, der Eltern, Berufstätigen
und Steuerzahler dieser Republik, der
geburtenstarken Jahrgänge der
bundesdeutschen Gesellschaft."
Aus dieser
demografischen Situation heraus wird die
Notwendigkeit eines Familienwahlkampfes
ebenfalls deutlich: das Wählerpotential
sind keine Singles, sondern die
angeblicher Minderheit der Eltern!
FRANZ geht
sogar noch weiter und weist auf den
mangelnden Sozialstrukturbezug der
feuilletonistischen (und
familienpolitischen müsste man
hinzufügen) Polarisierungs- bzw.
Pluralisierungsthese hin:
"Die
ergrauende deutsche Gesellschaft wird
(...) sich auch wieder stärker
homogenisieren. Das zeichnete sich
bereits in den letzen Jahren ab, trotz
gegenläufiger Interpretationen im
soziologischen Feuilleton. Der weit
gefächerte, kulturell
experimentierfreudige
Lebensstilpluralismus der 1970er/80er
Jahre hat sich mittlerweile eher
abgeschwächt."
- WALTER, Franz (2002): Die
Parteien bluten allmählich programmatisch aus.
Wenn der Wertekanon nicht lebendig gehalten wird,
fehlt die Motivation zum Engagement für die Zivilgesellschaft,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.05.
- Kommentar:
Der Politologe
Franz WALTER träumt von den guten alten Zeiten, in denen angeblich
alles einfacher und überschaubarer war:
"es fehlen die
homogenen Soziallagen und geschlossenen
Weltanschauungsgemeinschaften, in denen konsistente Überzeugungen
überhaupt wachsen können."
Das einzigste was
die politische Klasse stört, ist der Wähler und die Parteibasis:
"Die Parteieliten
steuern die Mitte an, währenddessen das Parteifußvolk am Rande
steht, antriebslos, ohne Begriffe und Botschaft, einsam - weit von
der Mitte entfernt."
- WALTER, Franz (2002):
Ungeliebt, ungewollt und doch vonnöten: Große Koalition.
Nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung lässt sich der Mehltau
über Deutschland beheben,
in:
Welt v. 17.06.
- WALTER, Franz (2002): Eine
ordentliche Portion Aufsässigkeit kann nicht schaden.
Ein Appell zu Mut, Verwegenheit und kühnem Reformismus an die
SPD-Generation nach Schröder,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.09.
- WALTER, Franz (2002): Politik in der
Vetogesellschaft.
Regieren war in der Bundesrepublik immer schon die Kunst des
Kuhhandels und Flickwerks,
in: Welt v. 02.11.
-
WALTER, Franz (2002): Sinnfrei und matt.
Die Union hat den Hegemonialkampf um das moderne Deutschland
aufgenommen. Und schon verloren. Denn sie ist isoliert vom
säkularisierten, modernen Bürgertum,
in: TAZ v. 13.11.
-
WALTER, Franz (2002): Durchwursteln als Daseinsform.
Deutschlands Politiker sind konstitutionell zur Kraft- und
Konzeptionslosigkeit verdammt,
in:
Welt v. 23.11.
- Inhalt:
"Was den Zustand der
Parteien angeht, hat Baring (...) Recht. Ein bisschen schwieriger –
und der kluge Berliner Professor weiß das natürlich – ist es mit den
Rezepten, die er empfiehlt", erwidert WALTER auf die "Brandrede" von
Arnulf BARING.
Danach breitet er seine
eigenen Lösungsvorschläge aus:
"Richtungspolitik per Konfrontation bringt, so wie Deutschland
verfasst ist, nicht den erwünschten Befreiungsschlag. Im Gegenteil:
Richtungspolitik verstärkt nur noch die Paralyse, die depressive
Lage des Nichts-geht-Mehr.
Möchte man es anders, bieten sich nur zwei Alternativen: Entweder
die Republik verändert radikal ihr Institutionengefüge oder die
beiden Großparteien überwinden zumindest für eine begrenzte Phase
das blockierende Gleichgewicht gegenseitiger Vetomächtigkeit durch
Bildung einer Großen Koalition."
WALTER endet mit der
Einschätzung, dass Deutschland weder das eine noch das andere will.
Die Folge: "die Nation wird weiter ziellos unzufrieden sein und ihre
Depression ratlos pflegen."
-
WALTER, Franz (2002): Durchwursteln? Ist doch gut so!
Vom Wesen deutscher Politik.
Derzeit spielt das deutsche Publikum ein
Krisenmelodram: das von der unfähigen Regierung. Völlig grundlos:
Flickschusterei ist Substanz und Struktur deutscher Politik
schlechthin. Anders ginge es nur beim Umsturz des politischen
Systems. Aber wer will das schon?
in: TAZ v. 27.11.
- WALTER, Franz (2003): Braucht
Deutschland einen Charismatiker?
Kein Weitblick, nirgends. Doch das gesellschaftliche Bedürfnis
nach Richtungsweisung bringt den Visionär hervor,
in: Welt
v. 02.01.
-
WALTER, Franz (2003): Verschreckt und verwirrt.
Seit zweieinhalb Jahren ist die rot-grüne Koalition ohne jede
politische Perspektive. Sie ist das begründungsloseste
Regierungsbündnis seit Bestehen der Bundesrepublik,
in: TAZ v. 04.02.
- Inhalt:
Der Politikwissenschaftler Franz WALTER denkt über
die Wahl weit hinaus.
Er hält Rot-Grün nicht für ein
politisches, sondern nur für ein kulturelles Projekt, das sich
mittlerweile erschöpft hat.
WALTER macht sich deshalb
verzweifelt auf die Suche nach dem Superman der SPD. Wenn dieser
beim sozialdemokratischen Nachwuchs nicht gefunden wird, dann
sieht er "in elf oder fünfzehn Jahren" - nachdem also die kommende
CDU-Regierung abgewirtschaftet hat - die Sozialdemokratie
ernsthaft gefährdet.
-
WALTER, Franz (2003): Die Sozialdemokratie vor dem Verlust der Neuen
Mitte.
Nicht nur die Arbeiter, auch die Postmaterialisten der Generation
Mutlangen wollen jetzt Cash statt Öko und rennen der SPD in Scharen
davon,
in: Welt
v. 01.03.
- Kommentar:
"Die Landtagswahlen
in Hessen und Niedersachsen markierten (...) eine einschneidende
Zäsur: Nirgendwo verloren die Sozialdemokraten so drastisch wie in
den Jahrgängen 1957–1967. Fast 20 Jahre bildeten (...) diese
Jahrgänge die konstante Kerntruppe und Avantgarde von Rot-Grün
(...). Die stürmische Zeit hatte nachhaltig sozialisiert und
politisch lange rot-grün gebunden. Umso bemerkenswerter ist der
tiefe Einbruch zu Beginn des Jahres 2003, der jähe Wechsel der
Lager ausgerechnet dort. Die Protest- und Bewegungsgeneration von
einst ist nunmehr im Zyklus des Lebens in der Mitte angekommen,
ist also um die 40 Jahre alt. Die Mutlangen-Kohorte ist im
Elternalter, steht im Zentrum des Berufslebens. Sie vor allem hat
gegenwärtig nahezu alle Probleme und Lasten der Gesellschaft zu
tragen: Erziehung der Kinder, Pflege oft der Eltern, Steuern,
Abgaben et cetera. Und ganz offenkundig war für die »Generation
Mutlangen« in den letzten Monaten das Ende der Fahnenstange
erreicht", behauptet der Göttinger Politikwissenschaftler Franz
WALTER.
Das ist jedoch nicht der
entscheidende Punkt. Entscheidender ist:
"Bei den professionellen
Kommunikationseliten hat ein genuin sozialdemokratischer Reform-
und Staatsbegriff derzeit keine – jedenfalls keine positive –
Resonanz mehr".
Die neoliberalen
Besitzstandswahrer haben entsprechend der
"Ökonomie der Aufmerksamkeit" im mentalen Kapitalismus (Georg
FRANCK) die zentrale Position in der Mediengesellschaft inne.
-
WALTER, Franz (2003): Die verdrossene Republik.
Selbst in finsteren Zeiten hatte die SPD immer ein Ziel vor
Augen. Doch wofür kämpft sie heute? Sie weiß es selbst nicht,
in: TAZ v. 15.04.
- WALTER, Franz (2003): Die SPD
entlässt ihre Geschichte,
in: Welt v.
25.04.
-
WALTER, Franz (2003): Zwischen Sein und Sollen,
in: TAZ v. 20.05.
- Kommentar:
Der Politikwissenschaftler Franz WALTER lässt 140
Jahre SPD Revue passieren.
Seine Sicht auf die heutige
Unbehaustheit der Arbeiterklasse ist auch ein Vorwurf an die
Adresse der sozialen Aufsteiger aus dem sozialdemokratischen
Milieu:
"Wahrscheinlich markierten die 1970er-Jahre
das Ende der alten Arbeiterbewegung, der klassischen
Sozialdemokratie - weil sie nun erfolgreich wurde, ihr großes
Jahrzehnt in Europa erlebte. Es war die Zeit, in der die
sozialdemokratisch lancierte Bildungsexpansion ihren Höhepunkt
erreichte. In diesem Jahrzehnt gingen hunderttausende von Kindern
sozialdemokratischer Tischler, Maurer und Bergarbeiter auf das
Gymnasium, studierten - und verließen hernach die ehemaligen
sozialdemokratisch dominierten Wohnquartiere. Die möglichen
Organisatoren des sozialdemokratischen Milieus kehrten dem Milieu
den Rücken und liquidierten es dadurch. Die Arbeiterquartiere
verwaisten politisch und kulturell. Die Zurückgebliebenen waren
nunmehr organisatorisch unbehaust und fühlten sich weder vom
Habitus noch vom Stil, aber auch nicht mehr von der Politik der
neuen mittelschichtigen Sozialdemokraten vertreten. War in den
Weimarer Jahren Volatilität Ausdruck des gewerblichen Bürgertums,
ist sie heute das Charakteristikum der Rest-Arbeiterklasse.
Arbeiterklasse und Sozialdemokratie, das gehört nicht mehr
zusammen."
- WALTER, Franz (2003): Spirituell dürr und
spröde.
Die großen christlichen Kirchen in Deutschland müssen sich
zurechtfinden zwischen alten Beharrungskräften und neuer
Beweglichkeit,
in: Frankfurter Rundschau v. 27.05.
- Inhalt:
Der Politologe Franz WALTER analysiert zum einen
den Zusammenhang zwischen Konfession und Wählerverhalten und zum
anderen die Entkonfessionalisierung, die u.a. mit der Abkehr des
begabten katholischen Mädchen
vom Lande einherging.
WALTER spricht von einem "Clash
of Generations":
"In den Nachkriegskohorten,
besonders bei den Baby-Boomern der 1950er
und frühen 1960er Geburtenjahrgängen riss die
Sozialisierungskette, welche den Bestand und die Wirkung der
Kirche bis dahin reproduzierend gesichert hatte. Die
Nachkriegsgeneration nahm die episkopalen und kurialen Gebote
besonders zur Lebensführung nicht mehr an. So kümmern sich
mittlerweile die Katholiken - mehrheitlich selbst diejenigen, die
Sonntag für Sonntag den Gottesdienst besuchen - nicht mehr um das,
was Bischöfe und Papst zur Sexualität, zur Ehe, zur
Empfängnisverhütung verkünden. Die Kirche also prägt nicht mehr,
deutet den Gläubigen nicht ihr Leben und ihren Alltag, führt sie
nicht mehr - und verliert so an genuiner religiöser Substanz."
Von einer neuen Jugendkohorte
verspricht sich WALTER Chancen für die Kirchen, falls sie sich
nicht auf eine reine Dienstleistungsorganisation zurückzieht.
-
WALTER,
Franz (2003): Strategie statt Taktik.
Die großen und notwendigen Reformen kann nur eine große Koalition
durchsetzen. Zudem würde sie das Parlament stärken und die Parteien
endlich wieder politisieren,
in: TAZ v. 24.06.
-
WALTER, Franz (2003): Der Wandel des Wertewandels kommt bestimmt.
Mehr Individualisierung, mehr Optionen, mehr Beliebigkeit - die
nächste Generation der deutschen Sozialdemokratie glaubt, sie hätte
die Zeichen der Zeit verstanden. Dabei ist die Gesellschaft schon
wieder in ganz anderer Richtung unterwegs,
in: Berliner Republik, H.5, S.42-54
- WALTER, Franz (2003): Geradezu
neurotisch.
Die SPD am Ziel und am Ende ihrer Träume,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.11.
- WALTER, Franz (2003): Rebellion der
Lernwilligen.
Alle reden von Bildung, die Studenten gehen dafür auf die Straße,
in: Welt
v. 11.12.
-
WALTER, Franz (2004): Lust der Mitte.
Die SPD muss sein, wie sie in Wahrheit ist,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.
- Kommentar:
Zu WALTERs Analyse ist nichts mehr
hinzuzufügen, denn präziser lässt sich das Dilemma der SPD und
seines designierten Wundenheilers nicht beschreiben:
"Eigentlich
kann der Mann nur scheitern. Denn drei Aufgaben müsste Müntefering
zugleich lösen. Er muss die Sozialdemokraten regierungs- und
zukunftsfähig halten; er muss ihr heftiges Identitätsverlangen
stillen; und er muss ihre abtrünnigen Wähler zurückholen. Doch all
diese drei Aufgaben stehen in einem heftigen Kontrast zueinander.
Und überdies: für alle drei Aufgaben ist Müntefering im Grunde gar
nicht der richtige Mann."
WALTER rechnet aber auch
mit unserer neoliberalen Elite ab:
"In
den Modernisierungsmilieus dieses Landes muss man locker englisch
parlieren, mit großer Geste von Synergieeffekten reden und sich
kalt und höhnisch von der Sozialstaatlichkeit verabschieden
können, um hier wirklich Resonanz zu finden und zu punkten. Auf
die Müntefering-SPD werden diese Menschen immer nur mit
herablassender Verachtung hinabsehen. So lief das historisch schon
immer ab. Hin und wieder brauchte das Bürgertum in schwierigen
Zeiten die Scheidemanns, Eberts und Ollenhauers – oder eben die
Münteferings. Aber ernsthaft akzeptiert hat die deutsche
Bourgeoisie die korrekten, anständigen und verantwortungsbewussten
sozialdemokratischen Anführer nie."
Den sozialen Aufsteigern
der SPD wirft WALTER vor, dass sie sich zwar gerne als
"Schutzmacht der Entrechteten" aufspielen, aber weit davon
entfernt sind, dies auch tatsächlich zu sein:
"Die
Sozialdemokraten des Jahres 2004 sind Menschen, die längst
angekommen sind, arriviert, durchaus wohlständig, im Kern
saturiert. Doch weigern sie sich merkwürdigerweise, ihre
gesellschaftliche Position, ihre soziale Lage und ihren
kulturellen Ort auf den politischen Begriff zu bringen. Sie sind
bundesdeutsche »Mitte«, aber sie wollen das partout nicht
aussprechen und sich eingestehen. Sie befinden sich im wirklichen
Leben keineswegs im quälenden oder gar kämpferischen Hader mit der
bürgerlichen Gesellschaft, sie tun aber in papierenen, routiniert
verfassten Parteitagsresolutionen so, als wären sie nach wie vor
die Emanzipationskraft der Entrechteten.
Die
Sozialdemokraten der Geburtsjahrgänge 1941 bis 1945, die
weiterhin die mit Abstand stärksten Bataillone in der Partei und
ihrem Funktionärskorps bilden, haben vor dreißig Jahren ihre
politische Biographie kritisch, oppositionell, kämpferisch
begonnen. Das hat sie sozial, gesellschaftlich, auch politisch
weit geführt, das hat sie erfolgreich aufsteigen lassen, hat sie
am Ende gesellschaftlich integriert – und schließlich verändert.
Doch schauen sie immer wieder melancholisch auf ihren
lebensgeschichtlichen Ursprungsimpuls zurück, auch wenn nichts
davon ihr gegenwärtiges Handeln noch bewegt."
WALTER sieht im
Bekenntnis zur "sozialen" Mitte die Chance der SPD:
"Müntefering
ist – wie die Sozialdemokratie insgesamt – Mitte. Und genau darin
könnte dann doch vielleicht eine Chance für ihn und seine Partei
liegen. Müntefering ist, denkt, handelt so wie die meisten
Deutschen. Er weiß, dass sich Wirtschaft und Gesellschaft ändern
müssen. (...).
Das Motto vom
sozialen Ausgleich mag dem Feuilleton langweilig klingen. Aber
Müntefering hält es für richtig und wird sich daran politisch
orientieren.
Eben so, exakt so, sieht es indes auch die breite Mitte der
deutschen Republik. Sie ist auf störrische Weise anders, als es
die Meinungs- und
Wirtschaftseliten gerne
hätten. Die deutsche Mitte tickt nicht wie der Chef von
McKinsey,
wie die Mitglieder der Herzogkommission, wie professorale
Wirtschaftsgutachter – oder wie Friedrich Merz. Die deutsche Mitte
ist ziemlich münteferingisch. (...). Er muss den Sozialdemokraten
lediglich beibringen, dass sie sich politisch dazu bekennen, was
sie gesellschaftlich längst und unspektakulär sind: Mitte nämlich
– vernünftige, leistungsorientierte, sozial ausgleichende,
unelitäre Mitte."
Das Bekenntnis zur
sozialen Mitte heißt jedoch letztlich, dass die Unterschicht sich
selbst und selbsternannten Sozialpopulisten überlassen bleibt:
"in
den Vorstadtsilos
der deutschen Städte wollen die
Gestrandeten
und Marginalisierten
von einem solchen Bildungs- und
Arbeitspaternalismus
nichts hören. Das sozialdemokratische »Fordern und Fördern«
spiegelt nicht ihre zerstörte, aussichtslose Lebensgeschichte.
Müntefering wird daher nie zum Hoffnungsträger dieser neudeutschen
Unterschichten avancieren. Dort reüssiert bekanntlich europaweit
ein ganz anderer Typus, der hierzulande allerdings bislang noch
nicht aus dem politischen Schlamm hervorgekrochen ist."
-
WALTER, Franz (2004): Basis-Lektionen.
Der SPD fehle die große
Vision - sagen die Intellektuellen. Einer wollte es wissen und zog
mit Sigmar Gabriel über die Dörfer. Was er dort erlebte?
Sozialdemokraten sind um die 60, sorgen für ihre Enkel, misstrauen
dem Staat zutiefst - und Visionen sind das Allerletzte, was ihnen
fehlt,
in: Welt v. 03.03.
- Kommentar:
Der Politikwissenschaftler Franz WALTER war
zusammen mit Sigmar GABRIEL auf Parteiversammlungen in der
Provinz.
Dort bestimmen die Alten
der SPD das Bild. Es wäre jedoch falsch diese SPD-Mitglieder mit
dem Wählerpotenzial zu verwechseln.
Die Jugend hat sich von
den Ritualen der öden Parteiversammlungen sowieso verabschiedet
und der Bericht tut seines dazu, dass dies weiterhin so bleiben
wird.
Aufschlussreicher dagegen
ist Vertrauensverlust in den Sozialstaat, den unsere neoliberale
Elite selbst in den Köpfen ehemaliger Etatisten durchgesetzt hat.
Es herrscht stattdessen
die Vorstellung, dass die Privatisierung des Sozialstaats durch
die familiäre Generationensolidarität
und Eigenvorsorge machbar wäre.
Dies könnte sich jedoch
für viele als fataler Trugschluss erweisen...
-
WALTER, Franz (2004): Das Ende der
Volksparteien.
Die Implosion von Politik
trifft nicht nur die SPD ins Mark, sondern wird auch demnächst die
CDU einholen,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.06.
-
WALTER, Franz & Tim SPIER (2004): Der skandinavische Weg.
Das Potenzial für eine neue
Linkspartei ist da: enttäuschte Arbeitnehmer, Arbeitslose und Opfer
der Sozialreformen. Dennoch ist es fraglich, ob sie ihre Chance
nutzen kann,
in: TAZ v. 19.06.
-
WALTER, Franz (2004): Sinnkrise einer Volkspartei.
Mitgliederschwund, "Mittigkeit" und Personalprobleme gehen der
SPD an die Substanz,
in: Welt v. 19.06.
-
WALTER, Franz (2004): Schneidiger
Imperativ.
Der Nutzen der Abweichler für die SPD,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.07.
- Inhalt:
Franz WALTER sieht in der Etablierung einer
populistischen Linkspartei eine Notwendigkeit des Machterhalts.
Ohne eine solche Parteigründung würde die rot-grüne Regierung ihre
Mehrheit an das bürgerliche Lager der CDU/CSU/FDP verlieren.
- WALTER, Franz (2004): Hybrid,
unchristlich.
CDU/CSU im Abschied von sich selbst,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.08.
-
WALTER, Franz (2004):
Fremdeln mit den eigenen Wählern.
Die großen Sympathien der jungen
Männer aus der Unterklasse haben das
bürgerliche Lager in Deutschland verunsichert,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.09.
- WALTER, Franz (2004):
Einheitsfront der Reformer.
Wer den Sozialstaatsumbau ablehnt, hat im Bundestag und in der
politischen Elite keine wirkungsvolle Stimme mehr - also gibt er sie
Außenseitern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 22.09.
- Inhalt:
Franz WALTER kritisiert den deutschen
Elitenkonsens:
"Allein mit dem Bekenntnis zur
»Reform« verschafft man sich (...) Zugehörigkeit zu denen, auf die
es in diesem Land ankommt. Wer auch nur ein vorsichtiges
Fragezeichen setzt, wird meist schnell und scharf exkludiert, gilt
womöglich als tumber Bsirskeist, als sozialstaatlicher
Ewiggestriger, in der mildesten Version: als Leugner der
Wirklichkeit.
Eben das aber ist die Ausgangslage für die Verwerfungen, die sich
zuletzt an einigen Montagabenden entluden und an Wahlsonntagen
äußerten, und über die dann die Eliten dieser Republik ihre
sorgenvollen Klagelieder anstimmen. Denn wer die Reformen nicht
goutiert - und das sind seit Jahren hartnäckig und störrisch große
Teile dieser Gesellschaft - sieht sich politisch auf
außerparlamentarisches Terrain abgestellt."
-
WALTER, Franz (2004): Zurück zum alten Bürgertum: CDU/CSU und FDP,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 40 v. 27.09.
- Inhalt:
Franz WALTER sieht die Existenz einer
"Generation Golf" (Florian ILLIES),
die Markus KLEIN
erstmals wissenschaftlich nachgewiesen hat, durch die Ausgänge der
letzten Landtagswahlen bestätigt:
"Die Union und die FDP
reüssierten signifikant bei den 25- bis 34-Jährigen und finden den
geringsten Zuspruch bei der Alterskohorte danach, der klassischen
Partizipationsgeneration. Hier, in der letzten geburtenstarken
Kohorte der Bundesrepublik, hat das altbürgerliche Lager ganze
Segmente der nachwachsenden akademischen Schicht an die
neubürgerliche Formation der Grünen abgeben müssen. Besonders
Frauen dieser Generation mit hohen Bildungszertifikaten haben sich
vom altbürgerlichen Lager abgewandt."
- WALTER, Franz (2004): Traurig und
ganz modern.
Die SPD kennt keine sozialpolitische Utopie mehr, sondern nur
noch die praktischen Aufgaben der Gegenwart. Damit kann man sogar
Wähler zurückgewinnen. Aber die Ernüchterung hat ihren Preis,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 30.09.
- WALTER, Franz (2005): Die
Alternativlosen.
Rot-Grün III: Langer Abschied, letzte Chance?
in: Spiegel Nr.16 v. 18.04.
-
WALTER, Franz (2005): Die Mitte treffen.
Die SPD kann mit ihrem Antikapitalismus auf große Zustimmung
hoffen - auch bei der Union,
in: Welt v. 20.04.
- Kommentar:
Kostengünstige Klassenkampfrhetorik fürs
Volk und teures
Elterngeld für die Elite, so
lautet derzeit die SPD-Wahlkampfstrategie.
Franz
WALTER erklärt, warum die SPD jetzt ihren neoliberalen Kurs
mit Klassenkampfrhetorik aufpeppt:
"Gerade
im Ruhrgebiet haben sich keineswegs die Lauen und Indifferenten
aus der SPD verabschiedet, sondern eher die langjährigen
Aktivisten, die Funktionäre und Multiplikatoren. Sie alle waren in
den letzten Jahren über die Regierungspolitik bitter enttäuscht.
Aber sie sind auch als Ausgetretene noch hochkommunikativ. Sie
begründen in Gesprächen mit Kollegen, Nachbarn, Verwandten,
Kindern ihr Abseitsstehen, ihren Zorn, ihre Opposition zum
Agenda-Reformismus der Schröder-Regierung. Sie sprechen exakt die
Sprache, die von Müntefering plötzlich wieder bemüht wird."
- WALTER, Franz (2005):
Nicht etwa Altruismus.
Münteferings antikapitalistisches Fanal,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.04.
- Inhalt:
WALTER wirft die Frage nach dem Adressaten von
Münteferings Antikapitalismus-Kritik auf, um auf die Rollen
aufmerksam zu machen, die die neuen Unterschichten und die
Gegeneliten zukünftig im politischen Geschehen spielen könnten:
"Mit den neuen Unterschichten ist
nicht zu rechnen. Einige Sozialwissenschaftler charakterisieren das
dauerarbeitslose Neuproletariat als eine Klasse der »Überflüssigen«.
Dieses Kennzeichen der Überflüssigkeit hat es in der
Industriegesellschaft kaum einmal gegeben. (...). Sie mögen in
Zeiten weiterer sozialer Verschlechterung zum Treibsand und
Resonanzboden für erratische antikapitalistische Affekte taugen,
aber sie werden nicht zu einem zielbewussten politischen Träger
organisierten Protestes, um den es natürlich der arrivierten
Sozialdemokratie auch gar nicht geht.
Erfolgreicher politischer Protest wird von anderen
sozialen Gruppen initiiert und angeführt. Fast durchweg handelt es
sich um enttäuschte, wenn man so will: von ihrer primären Klasse
abgefallene Eliten. Die Kritik am Kapitalismus würde nur dann Wucht
bekommen, wenn sie - kühl formuliert - von ressourcenstarken
Gegeneliten, die nicht zum Zuge gekommen sind, aufgenommen würde.
Solche blockierten Gegeneliten bildeten in der Geschichte stets
Motor und Führungsspitze aller großen Veränderungsbewegungen. (...).
Die Soziologen sprechen hier nüchtern von einer Statusinkonsistenz,
also von der Diskrepanz zwischen hohem Leistungspotenzial und
geringer gesellschaftlicher Position, die in die Revolte führt."
- Kommentar:
WALTER verweist hier auch auf nicht-revolutionäre
Alternativen für Gegeneliten: die
Übernahme bohemistischer Rollen, wie sie unlängst Michael
RUTSCHKY vorgeschlagen hat.
Ulrich BECK hat bereits
in den 80er Jahren darauf hingewiesen, dass Individualisierung auch
als eine Lösung für das Problem der Statusinkonsistenz angesehen
werden muss.
-
WALTER, Franz (2005): Lahm, müde, leer.
Weil Gerhard Schröder der SPD die Normen genommen hat, hat sie
keine Kraft mehr, um für ihn zu werben,
in: Welt v. 25.05.
- Inhalt.
Der Politikwissenschaftler Franz WALTER schreibt über
Strategie und Möglichkeitsspielraum der SPD:
"Die
Parole von Müntefering und Co. wird lauten: Deutschland braucht eine
starke Sozialdemokratie; das Land bedarf eines verläßlichen sozialen
Gewissens; die Republik benötigt einen intakten Sozialstaat -
Deutschland darf keine Gesellschaft der sozialen Kälte werden.
Am Ende mag es dafür
reichen, als Juniorpartner einer Großen Koalition den jähen und
kompletten Absturz in die Opposition abzuwehren. Das zumindest
dürfte das Kalkül Münteferings sein, der aus der harten
Wehner-Schule kommt und sich von oppositioneller Regeneration nichts
verspricht."
- WALTER, Franz (2005): Republik im
Abschied.
Die Deutschen sind erschöpft vom schneidigen Vokabular des
Reform-Establishments - und werden trotzdem die liberalen
Marktreformer wählen. Skizze einer paradoxen Stimmungslage,
in: ZEIT Nr.23 v. 02.06.
- Inhalt:
Franz Walter sieht die Grünen im politischen
Abseits:
"Einige Zeit galt der
Postmaterialismus als Erbfolger des auslaufenden Industrialismus.
In dieser Zeit galt Rot-Grün als das Modernisierungsbündnis, als
der kongeniale kulturelle Ausdruck einer Gesellschaft des
Wertewandels diesseits vom überständigen Konservatismus,
Konfessionalismus, Honoratiorenliberalismus und
gewerkschaftsbürokratischen Sozialetatismus. Grün war die Farbe
der Avantgarde. Doch auch das scheint nur passé zu sein. Die
Grünen sind an keinem Länderkabinett mehr beteiligt, zum Ende des
Jahres werden sie, ganz ohne Regierungsmacht, einsam und verlassen
in der politischen Landschaft stehen."
Aber auch Schwarz-Gelb und den
Marktradikalismus sieht WALTER mittelfristig in der Krise:
"Die modernen europäischen
Gesellschaften haben keinen Mangel an Wettbewerb, an Märkten, an
Freiheitsräumen, an Individualisierung, an Autonomie: All das ist
im Überfluss vorhanden. Zur Mangelware aber sind, als Folge der
Überproduktion im neuliberalistischen Wandel, die Bindungswerte
geworden. Es fehlt an Kohäsion, an Sinn, an Zielen, an
Orientierungen, an intakten und integrativen Institutionen. Die
Nachfrage nach dieseen unterangebotenen Stoffen wird in den
nächsten Jahren explosiv ansteigen. Aber der
Westerwelle-Merkel-Liberalismus hat dafür keine
Fertigungskonzepte."
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- HERRMANN,
Ulrike (2002): "Es fehlt eine Leitidee für
morgen".
Wer
spricht die Wähler der "Mitte" mehr an
- Unionsparteien oder SPD? Der Parteienforscher
Franz Walter sieht nur noch kleine Unterschiede,
in: TAZ
v. 21.02.
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HERRMANN, Ulrike (2003): "Die SPD verliert ihren Charakter als
Volkspartei", sagt Herr Walter.
Wenn die unteren Schichten demnächst nicht vom Aufschwung
profitieren, kann sich die SPD neue Programme sparen,
in: TAZ v. 15.11.
- SEIBEL, Andrea (2003): "Die SPD ist
längst Partei der akademischen Dienstleister".
Der Göttinger Parteienforscher Franz Walter über die
Sozialdemokratie und die Angst der Menschen vor Veränderungen,
in: Welt v. 21.11.
- Inhalt:
WALTER beschreibt, warum das Parteiensystem
NOCH stabil ist, obwohl der Unmut wächst:
"Die SPD wirk deshalb so merkwürdig
neurotisch, weil sei immer noch gern tut, als sei sei
Arbeiterpartei. Sie ist jedoch längst Partei der akademischen
Dienstleister, ist wirklich Partei eines neuen Mitteestablishments.
(...). Wenn die sozialdemokratischen Parteitagsdelegierten über
Arbeiter, kleine Leute und Unterschichten reden, dann ist das
mittlerweile im Ton bürgerlich-protestantischer Philanthropie des
19. Jahrhunderts. Und des wegen haben sich in den letzten Jahren die
unteren Schichten von der SPD abgekoppelt. Verharren diese
Abgekoppelten in ihrer Passivität und Resignation, dann bleibt auch
das Parteiensystem stabil. Zwar ist ein Potential für Protest,
Verbitterung, vielleicht gar Radikalität vorhanden. Nur muss erst
jemand kommen, der den Unmut schürt und in politische Aggressivität
übersetzt. Dann ist es vorbei mit der Hyperstabilität des in sich
längst hoch labil und porös gewordenen politischen Systems."
-
REINECKE, Stefan (2004): "Was nicht ins Konzept passt, filtert die
SPD-Spitze einfach weg", sagt Franz Walter.
Tausende Sozialdemokraten
geben ihr Parteibuch zurück - die SPD-Führung antwortet mit einem
Achselzucken,
in: TAZ v. 15.01.
- Kommentar:
Der Politikwissenschaftler Franz WALTER bringt
das sozialdemokratische Problem in einen Zusammenhang mit der
Individualisierungsthese der Neue-Mitte-Theoretiker:
"In
der SPD selbst gibt es dafür seit langem eine
trivial-soziologische Erklärung: Der Mitgliederschwund wird als
Folge der Individualisierung verstanden, die dazu führt, dass
die Menschen sich nicht mehr verbindlich an Kollektive binden.
Das ist ja nicht falsch.
Nein, aber unscharf. Die SPD verliert am stärksten in
ihren Traditionsgebieten, im Ruhrgebiet und im Saarland. Sie
verliert bei den so genannten kleinen Leuten. Das zeigt, dass sich
dieses Milieu vernachlässigt fühlt. Deshalb ist die allgemeine
Individualisierungsthese ein Versuch der Selbstberuhigung.
Die SPD-Spitze scheint den Mitgliederschwund
achselzuckend hinzunehmen - so wie das Wetter. Warum?
Offenbar hält sie die Mitglieder für nicht so wichtig.
Die SPD hat sich bei den letzten Wahlkämpfen stark von
Marketingexperten beraten lassen - und in deren Blick sind
Mitglieder Ballast: konservative, sentimentale Leute, die jedem
Versuch, beweglich, modern und kampagnenfähig zu sein, im Wege
stehen. Das ist - von Ulrich Beck bis zu Matthias Machnig inspiriert
- eine wesentliche Linie in der SPD der letzten Jahre."
Wahlfreiheit besteht -
gemäß
Franz WALTER - für die Nicht-Elite
nur noch zwischen Pest und Cholera...
Single-dasein.de hat im
September-Thema zu 20 Jahren Individualisierungsthese WALTERs
Sicht bereits vorweggenommen. Die jetzigen Probleme sind bereits im
Aufstieg dieses Paradigmas Anfang der 80er Jahre angelegt gewesen.
Der Ungleichheitsforscher
Stefan HRADIL
hat in einem neueren Beitrag das subjektsoziologische
Paradigma jenseits der Individualisierung beschrieben:
"Wenn Subjektorientierte Soziologie an
Individualisierungsprozesse gekoppelt wäre, ginge sie schweren
Zeiten entgegen. Denn heute erleben wir - wenn ich das recht sehe -
nicht wenige Gegenbewegungen gegen die Individualisierung" (aus:
Erfahrungen mit Subjektorientierter Soziologie, S.239, in: Marek
FUCHS & Jens LUEDTKE (HG.) Devianz und andere gesellschaftliche
Probleme, 2003 )
-
BOLLMANN, Ralph (2004): "Der Wechsel verschafft Schröder Spielraum".
Münteferings künftige
Doppelrolle als Partei- und Fraktionsvorsitzender sorgt aber für
neue Probleme, sagt Parteienforscher Franz Walter,
in: TAZ v. 07.02.
-
REINECKE, Stefan (2004): "Linkspopulismus wäre keine schlechte Idee",
sagt Franz Walter.
Die SPD könnte gewinnen - wenn sie wüsste, was sie will. Und die
Union liebäugelt mit der Idee, ohne FDP zu regieren,
in: TAZ v. 03.03.
- Kommentar:
Der Politikwissenschaftler Franz WALTER sieht wie
René CUPERUS ein Populismusdefizit
bei der SPD.
In einer Debatte über die
Vermögen- und Erbschaftssteuer sieht WALTER eine Chance der SPD die
eigenen Wähler zu mobilisieren und die Gegner zu spalten.
Der Versuch, die Agenda
2010 als alternativlos zu inszenieren, hat seine Glaubwürdigkeit
längst verloren.
Seit der
Statistiker Gerd
BOSBACH die Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2050 als
Ideologie entlarvt hat, ist die Position der Neue-Mitte-Reformer
noch weniger haltbar.
-
WALTER, Franz (2004): Die müde Republik.
Bis vor wenigen Jahren war die SPD eine
programmstolze Partei. Heute weiß keiner mehr, was sie will. Der CDU
reicht es halt, "bürgerlich" zu sein. Mehr erwartet niemand,
in: TAZ v. 20.08.
-
SCHMIDT, Michael (2004): "Der harte Kern der CDU ist größer".
Parteienforscher Walter über die SPD, bunte Milieus und die
mangelnde Dynamik der Gesellschaft,
in: Tagesspiegel v. 07.09.
-
SEIBEL, Andrea (2004): "In
der Mitte ist viel Platz".
Nach
Meinung des Politologen Franz Walter sind Grüne
und FDP die postmodernen Gewinner der Krise der
Volksparteien,
in: Welt v. 09.09.
-
BOLLMANN, Ralph (2005): "Müntefering will die Partei
disziplinieren".
Der Politologe Franz Walter
meint, dass der SPD-Chef den "Fliehkräften" des Machtverfalls etwas
entgegensetzen will: den Wahlkampf,
in: TAZ v. 23.05.
-
BOLLMANN, Ralph (2005): "Die Grünen sind in einer Sackgasse".
Der Politologe Franz Walter
führt die Verluste der Grünen auf den Erfolg von Münteferings
Kapitalismuskritik bei Grünen-Wählern zurück,
in: TAZ v. 23.05.
-
REINECKE, Stefan (2005): "Die SPD kann sich bei Lafontaine
bedanken".
Wenn die Linkspartei satt über 5 Prozent kommt, wackelt nicht nur
der schwarz-gelbe Sieg. Die gesamte Machtlogik im Parlament
verändert sich. Die FDP rückt an den Rand, die SPD in die Mitte.
Doch die SPD begreift das nicht,
in: TAZ v. 07.07.
- Inhalt:
Der Politikwissenschaftler Franz WALTER
sieht im Linksbündnis einen wichtigen Faktor, der das
Parteiensystem verändert und eine Wählerschicht anspricht, die
vernachlässigt wurde:
"Die Linkspartei versammelt ein
Milieu, das früher sozialdemokratisch orientiert gewesen wäre, von
dem sich die SPD aber wertemäßig entfernt hat. Die Linkspartei
steht konsequent für Sozialstaat, kollektive Güter und
Wohlfahrtsstaatlichkeit - und auch für die Interessen derjenigen
im öffentlichen Dienst und jener, die älter als 45 sind. Damit
besetzt sie einen vakanten Ort. Wo alle, zumindest rhetorisch, für
Deregulierung sind, vertritt sie alle, die Regulierung wollen.
Wenn sie das wie bisher ohne Chaos und Sektierertum schafft, dann
kann sie ein stabiler Teil der Parteienlandschaft werden."
- GASEROW, Vera (2005): "Eine große
Koalition kann zwingend sein".
Der Parteienforscher Franz Walter über die Vorteile einer
Zusammenarbeit der beiden großen Volksparteien,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.08.
- Neu:
SOBOCZYNSKI, Adam (2005): Genosse Forscher.
Je turbulenter es bei der
SPD in den letzten Wochen zuging, desto prominenter wurde der
Parteienforscher Franz Walter. Er glaubt, dass die Partei ihre beste
Zeit noch vor sich hat,
in: Die ZEIT Nr.47 v. 17.11.
- Inhalt:
Adam SOBOCZYNSKI porträtiert den
Politikwissenschaftler Franz WALTER:
"Aufgewachsen
ist Walter in der katholischen Kleinstadt Steinheim in Westfalen.
Die Mutter aus einer zentrumsnahen, konservativen Familie. Der
väterliche Strang: eine Generationenkette aus SPD-Mitgliedern mit
Ballonmützen. Walters Vater war noch, in der Weimarer Republik,
Tischler, später Hilfsarbeiter auf einem kleinen Schlachthof. Als
dieser dichtgemacht wurde und der Vater in einer Fabrik mit
mehreren hundert Kollegen arbeitete, kam er abends nach Hause und
sah aus »wie ein Protagonist aus einem Klischeefilm über
Arbeitslosigkeit«, sagt Walter. (...).
Von
1966 an besuchte Franz Walter das Gymnasium in Bad Pyrmont (...).
Als sprachlos habe er seine Schulzeit empfunden, seine Mitschüler
hätten es regelrecht gerochen, dass er aus dem armen Umland kam:
sein Dialekt, seine Klamotten, sein ungehobelter Gang. Er blieb
sitzen, in der zehnten Klasse. »Wegen Deutsch!«, ruft Walter in
seinem Dienstzimmer aus.
Vor
versammelter Klasse habe der Lehrer höhnisch aus einem seiner
Aufsätze vorgelesen, notorisch waren Akkusativ und Genitiv
vertauscht. Daran müsse er immer denken, wenn die Leute sagen,
seine Artikel seien stilistisch so ausgefeilt. Und an das Lachen
der Mitschüler; das habe sich ihm eingeprägt. Jedenfalls habe er
seine Karriere sozialstaatlicher Bildungspolitik zu verdanken, das
Bafög habe ihm sein Sozialwissenschaften-Studium ermöglicht und
sei Voraussetzung seiner universitären Karriere in Göttingen
gewesen. Den Sozialstaat habe er daher nie als Hängematte
empfunden, sagt Walter. Er habe ihm »schlicht ermöglicht, Leistung
zu zeigen«."
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