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Gerhard Schulze in
seiner eigenen Schreibe
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SCHULZE, Gerhard (1999): Wer bin ich, und
was will ich hier?
Im Überfuss sucht
der Mensch nach dem Sinn des Daseins, das er im Erlebnis zu finden
glaubt,
in: Welt
v. 27.12.
- SCHULZE, Gerhard (2000): Was wird aus
der Erlebnisgesellschaft?,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 12, S.3-6
-
SCHULZE, Gerhard (2006): Lob der Treue.
Nicht die Erotik des Seitensprungs verdient Aufmerksamkeit, sondern
das Glück alltäglicher Zweisamkeit,
in: Welt v. 13.01.
- Kommentar:
Der Soziologe Gerhard SCHULZE wurde Anfang der
90er Jahre durch sein Buch "Die Erlebnisgesellschaft"
bekannt.
Seit dem Zusammenbruch der
New Economy ist das Nomadische megaout und die sesshaften
Neo-Spießer sind auf dem Vormarsch.
Mit ein paar Jahren
Verspätung lobt nun Gerhard SCHULZE die Treue. Wenn er jetzt mit der
selbstgefälligen Attitüde eines Tabubrechers einen Paradigmenwechsel
fordert, dann tritt er sozusagen nur offene Türen ein:
"Auch
der Diskurs ist ganz auf das Nomadische fixiert: steigende
Scheidungsziffern, Vereinsamung, Wurzellosigkeit. Über das Seßhafte,
über Treue und langjähriges Zusammenleben schweigen sich
Medien und
Sozialwissenschaft aus.
Wer unter hiesigen Bedingungen
für lebenslange Treue, für Monogamie, für Ehe plädiert, ist ebenso
naiv und zynisch wie der kleine Bürger, der das Grau in Grau seines
Alltags aufzufrischen versucht" - Volkmar Siguschs Attitüde der
Entlarvung wirkt nach einem Jahrhundert der Kritik der bürgerlicher
Ehe und der konventionellen Sexualmoral wie ein Purzelbaum, den ein
Dreijähriger stolz den Erwachsenen vorführt. Wenn es im
zeitgenössischen Beziehungsalltag noch etwas zu entdecken gilt, dann
gewiß nicht die versteckte Hölle hinter der Fassade der Harmonie,
sondern das Geheimnis des gelingenden Zusammenlebens ohne Fassade,
des unspektakulär schönen Lebens zu zweit."
Wer wie Gerhard SCHULZE
einen Vorruheständler wie den 68er
Volkmar SIGUSCH
als Beleg für seine revolutionäre Sicht benötigt, der muss sich
fragen lassen, ob er die letzten 3 Jahre im Tiefschlaf verbracht
hat.
Natürlich kann man sich auf
die Ewiggestrigen einschießen, die Debatte ist jedoch eine ganz
andere:
Ist Bindung und Glück nur
an die Ehe gebunden denkbar oder hat auch der
Single ein Recht auf Anerkennung?
Wer sich zu dieser Frage
nicht entschieden äußert, der muss - auch wenn er sich verbal von
der viktorianischen Moral der 50er Jahre distanziert - als jemand
angesehen werden, der genau dieser Moral Vorschub leistet.
Wer sich als
Sozialwissenschaftler um die Frage drückt,
wann ein Paar ein Paar ist, sollte
angesichts des
neuen
Republikanismus besser schweigen, denn er ist nicht mehr
auf der Höhe der Zeit.
- SCHULZE, Gerhard (2007): Neues Bild
der Tugend.
Affären wie die von Horst Seehofer sind kein Stoff für große
Skandale mehr. Verübelt wird dem CSU-Politiker vielmehr die Art, wie
er seine Zweitbeziehung beendete,
in: Welt v. 04.08.
-
SCHULZE, Gerhard (2007): Scheitern an der Moderne.
Mit ihren Thesen stürzt sich Eva Herman in einen Kulturkampf, der
nicht zu gewinnen ist. Denn Individualismus ist mit Egoismus nicht
gleichzusetzen,
in: Welt v. 27.12.
-
SCHULZE, Gerhard (2008): Im Gefängnis.
Was wird aus mir, wenn ich nicht mehr so leben kann, wie ich
will? Die Angst alter Menschen vor dem Pflegeheim speist sich vor
allem aus der Sorge um den Verlust der Autonomie,
in: Welt v. 14.07.
- Inhalt:
"Es
geht nicht mehr um den Todeswunsch im Endstadium einer unheilbaren
Krankheit, sondern um kränkelnde, nicht besonders wohlhabende,
häufig alleinstehende Senioren, die ihr Leben wegen zunehmender
Gebrechlichkeit nicht mehr wie gewohnt führen können. (...).
Rentner
und Rentnerinnen wie Bettina S. erwartet ein Zweibettzimmer, weil
ihre Rente für etwas Besseres nicht reicht und die Sozialhilfe
etwas Besseres nicht zahlt. Jeder Gefängnisinsasse lebt
menschenwürdiger, denn er darf alleine in seiner Zelle hausen und
es sich dort gemütlich machen. Im Pflegeheim dagegen droht der
völlige Verlust der Privatsphäre",
meint der Soziologe Gerhard SCHULZE aus erlebnisgesellschaftlicher
Perspektive.
-
SCHULZE, Gerhard (2008): Die Überdrussgesellschaft.
Ludwig Erhards Verheißung vom Wohlstand für alle ist wahr
geworden. Aber inzwischen sind die Deutschen ein Volk von
Besitzstandswahrern geworden, die mit der Marktwirtschaft hadern,
in: Welt v. 21.08.
- SCHULZE, Gerhard (2008):
Keine Schachtel mit chinesischen Glücksplätzchen.
Was fehlt in Hans-Ulrich Wehlers Gesellschaftsgeschichte? Ein
Gefühl dafür, dass mit jedem Fortschritt im Kampf um die Gleichheit
der Chancen der Sinnbedarf wächst,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.
- Neu:
SCHULZE, Gerhard (2009): Die Milchmädchenrechnung.
Unsere Alltagserfahrungen nützen wenig, um zu verstehen, wie die
Wirtschaft funktioniert. Deswegen greift die populäre Kritik an der
Gier zur Überwindung der Finanzkrise viel zu kurz,
in: Welt v. 07.04.
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Gerhard Schulze
im Gespräch
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- PONGS, Armin (1999):
Gerhard Schulze - Die Erlebnisgesellschaft,
in: In welcher Gesellschaft
leben wir eigentlich? Gesellschaftskonzepte im
Vergleich,
Band 1, München: Dilemma Verlag
- BAUER,
Angelika (2001): Die Erlebnisgesellschaft
im Steigerungstaumel.
Was tun, wenn alles
getan ist? - Ein Gespräch mit Gerhard
Schulze,
in: Neue
Zürcher Zeitung v.
02.05.
- REHRL, Annette (2004):
Höflichkeit ist eine Zier.
...mit der man - anders als der Volksmund es verbreitet -
besser durchs Leben kommt. In einer Emnid-Umfrage meinten 98
Prozent der Deutschen, Höflichkeit mache das Zusammenleben
leichter, 91 hielten gute Manieren für unverzichtbar. Warum
nur ist dann der Umgang miteinander so rüde geworden, dass
jetzt sogar Benimmunterricht an Schulen eingeführt wird?
in: Psychologie Heute Nr.2, Februar
- Inhalt:
REHRL befragt u.a. den 68er Gerhard
SCHULZE über den Verfall der Sitten:
"Gerhad Schulze,
Soziologe an der Universität Bamberg und Autor des viel
beachteten Buches Die
Erlebnisgesellschaft, ist fest davon überzeugt,
dass wir es jetzt mit den Spätwirkungen der
68er-Generation zu tun haben. »Die 50er Jahre stellten
eine Rückkehr in die Zwänge des 19. Jahrhunderts dar,
davon haben sich die 68er befreit«, erörtert Schulze
»Höflichkeit wurde abgelehnt, weil sie uns aufgezwungen
worden war. Und jetzt beobachten wir wieder das Befremden
einer Kultur an sich selbst«.
(...).
Was die neue Höflichkeit, laut Schulze, von jener der
Vor-68er jedoch wesentlich unterscheide, sei dass sie
individueller gestaltet werde: »Unsere subjektive Ebene
haben wir für uns alleine. Auf der intersubjektiven Ebene
kommunizieren wir mit den Mitmenschen. Und auf dieser
Ebene muss jeder Einzelne Höflichkeit und Achtung vor dem
Nächsten für sich selbst wieder neue definieren. Das ist
ein Prozess des Fühlens, nicht der Regeln.«"
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Klappentext
"1992
erschien Die Erlebnisgesellschaft zum ersten
Mal – und machte rasch Furore. Heute kann der Text
mit Fug und Recht als moderner Klassiker der
Soziologie gelten. Gerhard Schulze konstatierte
einen umfassenden Wandel in unserer Gesellschaft,
durch den das Leben zum Erlebnisprojekt geworden
ist. Die Erlebnisorientierung ist die unmittelbarste
Form der Suche nach Glück. Eine Suche, die noch
längst nicht abgeschlossen ist – diese neue Art zu
leben müssen wir erst lernen und die Folgen noch
bewältigen. Dies gilt auch heute noch: Die Sucht
nach dem Kick und nach Performance ist eher
gewachsen, und damit ist Gerhard Schulzes Analyse
aktueller denn je."
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Zitate:
Übergang wohin? Kommentar im Jahr 2005
Ego-Gesellschaft oder Erlebnisgesellschaft?
"Im Frühjahr 2005 kommentierte Ulrich Wickert in den
Tagesthemen der ARD einen kurzen Film mit
Friedhofsszenen. Zu sehen waren ein Sarg und eine
Handvoll Menschen auf dem Weg zum Grab. Das
Besondere dabei: Keiner der Beteiligten kannte den
Toten. Es handelte sich um die Hamburger Initiative
Letztes Geleit, die sich um Verstorbene ohne
Freunde und Angehörige kümmert. Der Tenor des
Kommentars war freundlich-resignativ: Nachdem alle
nur ihr persönliches Glück im Sinn haben, bedarf es
des Engagements von Wildfremden, um einsam
Gestorbene würdevoll unter die Erde zu bringen.
In dieser Episode finden wir alles verdichtet:
soziale Wirklichkeit, Fehldeutung und Arroganz. Was
gezeigt wurde, sind Menschen, die sich anderer
selbst dann noch annehmen, wenn schon alles zu spät
scheint und nicht einmal mehr Dank zu erwarten ist,
sondern allein die Befriedigung, vielleicht das
Glück, etwas zu tun, das sie sich selbst ausgedacht
haben und sinnvoll finden. Ausgerechnet diese Szene
als Zeichen der Ego-Gesellschaft zu interpretieren,
läuft buchstäblich auf die hermeneutische Umkehrung
des gezeigten Sachverhalts hinaus." (S. VI)
Die Spaßgesellschaft hat es nie gegeben
"Als nach dem 11. September 2001 überall vom »Ende
der Spaßgesellschaft« die Rede war, handelte es sich
um eine Prognose ohne Risiko, denn die
Spaßgesellschaft hatte es nie gegeben. Die
Erlebnisgesellschaft dagegen, verstanden als
Sozialwelt unter der Regie der Innenorientierung,
wurde durch den 11. September keineswegs
erschüttert, vielmehr hat sie ihren Pfad
fortgesetzt.
(...).
Erlebnisgesellschaft heißt: Intrinsische Motive
siegen über extrinsische, Innenorientierung über
Außenorientierung." (S.VI f.)
Die
68er-Generation als Pioniere der
Erlebnisgesellschaft
"Es war die Generation der Achtundsechziger, die den
Umschwung von der Außenorientierung zur
Innenorientierung vorantrug. Sie provozierten mit
einer Lebensauffassung, die nach und nach alle
erfaßte. Es kommt, so die Botschaft, darauf an, das
Leben zu genießen; die Mittel dazu beschafft man
sich schon irgendwie." (S. XII)
Die Unterschicht der
Erlebnisgesellschaft
"Harald Schmidt (...) zielte auf solche, die aus der
Sicht der Nicht-Prolls für das Projekt des schönen
Lebens zu blöd sind, auf die Oberdeppen der
Lebenskunst: Sie haben nicht zu wenig Geld, sondern
zu viel (für Unterhaltungselektronik, Bier,
Schokolade und Kartoffelchips); und sie haben nicht
zu wenig Zeit, sondern zu viel (für täglich sechs
Stunden TV-Trash). Dies ist die neue Linie der
Distinktion. In den sechziger Jahren wurden die
Diskurse über die Unterschicht noch von Fürsorge
geprägt; eingeschlossen war dabei die Ablehnung
kultureller Arroganz. Der neue Diskurs macht sich
diese Arroganz zu eigen, doch das Objekt der
Herablassung ist nun ein anderes: nicht die
Unterschicht im hergebrachten sozioökonomischen
Sinn, sondern die Glücksversager: Alle, denen es an
Stil und Verstand fehlt, etwas Sinnvolles aus ihrem
Leben zu machen." (S. XVII)
Die
Erlebnisgesellschaft als Gesellschaft der Täter
statt der Opfer
"Was bei der Diskussion um das
Unterschichtenfernsehen besonders aufhorchen läßt,
ist die klammheimliche Verabschiedung der
Sozialfigur des Opfers. In den Angehörigen der
früheren Unterschicht konnte man Ausgebeutete,
Ausgetrickste, Machtlose sehen, Menschen, denen man
zu ihrem Recht verhelfen mußte. Die neue Distinktion
sieht Subjekte, wo früher von Objekten die Rede war,
sie sieht Täter anstelle von Opfern." (S. XXI)
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Essay von single-generation.de zum Thema
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Rezensionen
- BÖCKELMANN, Frank
(2003): Eigenleben der Autobahn.
Sinnsucher in absurder Welt: Gerhard Schulze sieht das
existenzielle Jahrhundert kommen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.03.
- HARTMANN, Martin (2003):
Atempause.
Höher, schneller, weiter: Rüdiger Safranski und Gerhard
Schulze sehen die Grenzen des Menschenmöglichen, und des
Bekömmlichen, schon erreicht,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.03.
-
HEIDBRINK, Ludger (2003): Vom tastenden Leben.
Der Soziologe Gerhard Schulze erklärt, warum nicht immer
mehr Glück zu haben ist,
in: Die ZEIT Nr.13. Literaturbeilage v. 20.03.
-
GEYER, Christian (2003): Lauter Stromschnellen.
Gerhard Schulze, Monteur der "Erlebnisgesellschaft" ist
wieder da,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.03.
- Inhalt:
Christian GEYER verortet Gerhard SCHULZEs
"Erlebnisgesellschaft" in der Tradition der Trendforschung
von
Matthias HORX
bis
Norbert BOLZ.
Aus dem neusten Werk
"Die beste aller Welten" hat er eine "zentrale Botschaft
der Diagnose-Mimikry" heraus gelesen:
"Statt eindimensional
künftig bitte zweidimensional denken! Gemeint ist: Gemäß
einer Seinssoziologie für Angestellte, welche Schulze in
Spiegelstücken entwirft, soll die Kassiererin nicht nur
kassieren ("Könnenwollen"), sondern sich dem Kunden auch
in der Begegnungsdimension widmen ("Seinwollen")".
Sein Urteil über diese
Angestelltensoziologie ist - mit Seitenhieb auf einen
Kollegen - vernichtend:
"Das ist nicht
Feinsinn, wie Ludger Heidbrink kürzlich wähnte, das ist
Unsinn".
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Essay von single-generation.de zum Thema
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Das Buch in der Debatte
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EBEL, Martin
(2000): Gerhard Schulze: Kulissen des Glücks. Streifzüge
durch die Event-Kultur,
in:
Büchermarkt. Sendung des
DeutschlandRadio v. 11.01.
- BURGHOFF,
Christel (2000): Selbstironische Warnung vor dem Event.
Kritik am Spaßbetrieb gehört zum guten
Ton. Der Soziologe Gerhard Schulze hat sich die Eventkultur
näher angeschaut,
in: TAZ
v. 08.07.
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Was ist die
Spaßgesellschaft?
Was
mit dem Begriff "Spaßgesellschaft" bezeichnet wird,
das ist von Autor zu Autor unterschiedlich. Dies
spricht nicht für die Behauptung von Wolfgang SCHÄUBLE
(Welt v. 12.09.2001), dass dies ein
soziologischer Begriff geworden ist.
Ganz
zu schweigen davon, dass innerhalb der Soziologie
viele Gesellschaftsbegriffe um die
Beschreibung unserer Wirklichkeit konkurrieren.
Armin PONGS hat z.B. 24 gebräuchliche soziologische
Gesellschaftsbegriffe in einem 2 Bände umfassenden
Werk (In welcher Gesellschaft leben wir
eigentlich?) aufgeführt. Die Spaßgesellschaft
fehlt jedoch!
Nichtsdestotrotz
gibt es einen soziologischen Begriff, der dem nahe
kommt, was in erster Linie damit gemeint ist. Es ist
der Begriff "Erlebnisgesellschaft",
der von dem Kultursoziologen Gerhard SCHULZE geprägt
wurde. Sein Buch "Die Erlebnisgesellschaft.
Kultursoziologie der Gegenwart" ist 1992
erschienen und hat es bisher auf 8 Auflagen gebracht.
Seitdem hat der Soziologe sein Konzept
"Erlebnisgesellschaft" immer wieder den veränderten
gesellschaftlichen Verhältnissen angepasst.
SCHULZE stützt sich mit seinem
Gesellschaftsverständnis auf den Prozess der
Individualisierung, der von dem Soziologen
Ulrich BECK seit Ende der 80er Jahre popularisiert
worden ist. Mit der Individualisierung werden
Phänomene wie Vereinzelung oder Atomisierung
des Sozialen in Verbindung gebracht. Hierfür hat sich
auch das Schlagwort von der "Single-Gesellschaft"
eingebürgert.
SCHULZE
interessiert sich dagegen für die Entstehung
neuer Milieus, die durch diesen Prozess
hervorgebracht werden. Der Soziologe unterscheidet 5
verschiedene Erlebnismilieus, die sich in den 80er
Jahren herausgebildet haben sollen:
1) Das Niveaumilieu entspricht am
ehesten bildungsbürgerlichen Vorstellungen, wonach es
eine strikte Trennung zwischen Hochkultur (E-Kultur)
und seichter Unterhaltung (U-Kultur) geben sollte.
2) Das Harmoniemilieu kommt
Vorstellungen vom Unterhaltungsbedürfnis der
Arbeiterschicht nahe, das früher für Heimatfilme und
Volksmusik stand.
3) Das Selbstverwirklichungsmilieu
ist dagegen jenes Milieu, das in Medienberichten
oftmals im Mittelpunkt des Interesses steht. Diesem
Milieu werden Hedonismus und
Narzißmus zugeschrieben.
4) Das Unterhaltungsmilieu ist an
Spannung und Action interessiert (hier finden sich die
Liebhaber von Computerspielen und Action-Videos
wieder), während
5) das Integrationsmilieu alle
Unterschiede zwischen U- und E-Kultur ignoriert und
sich aller Stilemente der vorgenannten Milieus
bemächtigt.
Die
Mediendebatte um die Spaßgesellschaft
Gegenüber den Differenzierungen im Konzept
"Erlebnisgesellschaft" von Gerhard SCHULZE fallen die
Debatten in den Medien weit zurück. Die
Debattenteilnehmer lassen sich jedoch unschwer jeweils
den verschiedenen Erlebnismilieus zuordnen.
(Auszug aus: Das Ende der
Spaßgesellschaft. Kulturkämpfe in der Popmoderne,2001)
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Essay von
single-generation.de zum Thema
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Rezensionen
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BAND, Henri (1994): Gerhard
Schulze - Die Erlebnisgesellschaft,
in: Berliner Debatte INITIAL. Zeitschrift für
sozialwissenschaftlichen Diskurs, H.2, S.112-117
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Die Erlebnisgesellschaft in
der Debatte
- KEMPER, Peter
(2002): Wenn Windelnwechseln zum Event
wird.
Nachruf auf eine
erfolgreiche Marketingmetapher,
in: Neue Zürcher
Zeitung v. 24.08.
- Inhalt:
Für Peter KEMPER ist "Event" zum Codewort der
Spassgesellschaft geworden. Die Suggestivkraft dieser
Schlüsselmetapher sei jedoch nach dem 11. September
schlagartig verblasst:
"Im
Verein mit einer zunehmend lahmenden Konjunktur, den
plötzlich platzenden Aktienblasen am Neuen Markt und einer
wachsenden Konsumzurückhaltung nach der Einführung des «Teuro»
entwickelte sich im zweiten Jahr des neuen Jahrtausends eine
ernüchterte Stimmungslage, die dem «Fun-Faktor» der
Eventideologie diametral zu widersprechen scheint."
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