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Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft

 
       
     
       
     
       
   

Gerhard Schulze in seiner eigenen Schreibe

 
   

SCHULZE, Gerhard (1999): Wer bin ich, und was will ich hier?
Im Überfuss sucht der Mensch nach dem Sinn des Daseins, das er im Erlebnis zu finden glaubt,
in: Welt v. 27.12.

SCHULZE, Gerhard (2000): Was wird aus der Erlebnisgesellschaft?,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 12, S.3-6

SCHULZE, Gerhard (2004): Willkommen in der Warteschleife.
Sich selbst überlassen hocken die Naturwissenschaften in der ewigen Abflughalle einer antiquierten Moderne,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.02.

SCHULZE, Gerhard (2004): Katastrophenfolklore.
Das Scheingefecht um die Arbeitszeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.04.

Gerhard SCHULZE hat einen neuen Elitenkonsens bei der Arbeitszeitpolitik entdeckt. Er besteht aus drei übergeordneten Zielen:
1) Das oberste Ziel ist Arbeit für alle, die arbeiten wollen,
2) dann folgt der ökonomische Lokalpatriotismus und
3) zuletzt ist Erwerbsarbeit nicht alles.
Gestritten wird nur noch um die Mittel der Zielerreichung.

SCHULZE, Gerhard (2006): Lob der Treue.
Nicht die Erotik des Seitensprungs verdient Aufmerksamkeit, sondern das Glück alltäglicher Zweisamkeit,
in: Welt v. 13.01.

Der Soziologe Gerhard SCHULZE wurde Anfang der 90er Jahre durch sein Buch Die Erlebnisgesellschaft bekannt. Seit dem Zusammenbruch der New Economy ist das Nomadische megaout und die sesshaften Neo-Spießer sind auf dem Vormarsch.
          
Mit ein paar Jahren Verspätung lobt nun Gerhard SCHULZE die Treue. Wenn er jetzt mit der selbstgefälligen Attitüde eines Tabubrechers einen Paradigmenwechsel fordert, dann tritt er sozusagen nur offene Türen ein:

"Auch der Diskurs ist ganz auf das Nomadische fixiert: steigende Scheidungsziffern, Vereinsamung, Wurzellosigkeit. Über das Seßhafte, über Treue und langjähriges Zusammenleben schweigen sich Medien und Sozialwissenschaft aus.
          
Wer unter hiesigen Bedingungen für lebenslange Treue, für Monogamie, für Ehe plädiert, ist ebenso naiv und zynisch wie der kleine Bürger, der das Grau in Grau seines Alltags aufzufrischen versucht" - Volkmar Siguschs Attitüde der Entlarvung wirkt nach einem Jahrhundert der Kritik der bürgerlicher Ehe und der konventionellen Sexualmoral wie ein Purzelbaum, den ein Dreijähriger stolz den Erwachsenen vorführt. Wenn es im zeitgenössischen Beziehungsalltag noch etwas zu entdecken gilt, dann gewiß nicht die versteckte Hölle hinter der Fassade der Harmonie, sondern das Geheimnis des gelingenden Zusammenlebens ohne Fassade, des unspektakulär schönen Lebens zu zweit."

Wer wie Gerhard SCHULZE einen Vorruheständler wie den 68er Volkmar SIGUSCH als Beleg für seine revolutionäre Sicht benötigt, der muss sich fragen lassen, ob er die letzten 3 Jahre im Tiefschlaf verbracht hat. Natürlich kann man sich auf die Ewiggestrigen einschießen, die Debatte ist jedoch eine ganz andere: Ist Bindung und Glück nur an die Ehe gebunden denkbar oder hat auch der Single ein Recht auf Anerkennung? Wer sich zu dieser Frage nicht entschieden äußert, der muss - auch wenn er sich verbal von der viktorianischen Moral der 50er Jahre distanziert - als jemand angesehen werden, der genau dieser Moral Vorschub leistet. Wer sich als Sozialwissenschaftler um die Frage drückt, wann ein Paar ein Paar ist, sollte angesichts des neuen Republikanismus besser schweigen, denn er ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

SCHULZE, Gerhard (2006): Lob der Alten.
Unaufhaltsame Demographie,
in: Welt v. 06.02.

SCHULZE, Gerhard (2006): Keine Scheu vor dem Risiko.
Arbeitnehmer müssen flexibel wie Unternehmen sein. Sie brauchen dabei Schutz. Beides zusammen heißt "Flexicurity" - und gelingt in Dänemark, Österreich und der Schweiz,
in: Welt v. 21.07.

SCHULZE, Gerhard (2006): Poesie des Alltagslebens.
Über die Kunst, sich auch in der Moderne überraschen zu lassen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 23.12.

SCHULZE, Gerhard (2007): Jenseits von Haben und Sein.
Nicht nur Gefühl, nicht nur Kalkül -zukunftsgerichtete Lebensentwürfe müssen das eindimensionale Denken sprengen,
in: Neue Zürcher Zeitung  v. 09.06.

SCHULZE, Gerhard (2007): Neues Bild der Tugend.
Affären wie die von Horst Seehofer sind kein Stoff für große Skandale mehr. Verübelt wird dem CSU-Politiker vielmehr die Art, wie er seine Zweitbeziehung beendete,
in: Welt v. 04.08.

SCHULZE, Gerhard (2007): Scheitern an der Moderne.
Mit ihren Thesen stürzt sich Eva Herman in einen Kulturkampf, der nicht zu gewinnen ist. Denn Individualismus ist mit Egoismus nicht gleichzusetzen,
in: Welt v. 27.12.

SCHULZE, Gerhard (2008): Im Gefängnis.
Was wird aus mir, wenn ich nicht mehr so leben kann, wie ich will? Die Angst alter Menschen vor dem Pflegeheim speist sich vor allem aus der Sorge um den Verlust der Autonomie,
in: Welt v. 14.07.

"Es geht nicht mehr um den Todeswunsch im Endstadium einer unheilbaren Krankheit, sondern um kränkelnde, nicht besonders wohlhabende, häufig alleinstehende Senioren, die ihr Leben wegen zunehmender Gebrechlichkeit nicht mehr wie gewohnt führen können. (...).
            Rentner und Rentnerinnen wie Bettina S. erwartet ein Zweibettzimmer, weil ihre Rente für etwas Besseres nicht reicht und die Sozialhilfe etwas Besseres nicht zahlt. Jeder Gefängnisinsasse lebt menschenwürdiger, denn er darf alleine in seiner Zelle hausen und es sich dort gemütlich machen. Im Pflegeheim dagegen droht der völlige Verlust der Privatsphäre",

meint der Soziologe Gerhard SCHULZE aus erlebnisgesellschaftlicher Perspektive.

SCHULZE, Gerhard (2008): Die Überdrussgesellschaft.
Ludwig Erhards Verheißung vom Wohlstand für alle ist wahr geworden. Aber inzwischen sind die Deutschen ein Volk von Besitzstandswahrern geworden, die mit der Marktwirtschaft hadern,
in: Welt v. 21.08.

SCHULZE, Gerhard (2008): Keine Schachtel mit chinesischen Glücksplätzchen.
Was fehlt in Hans-Ulrich Wehlers Gesellschaftsgeschichte? Ein Gefühl dafür, dass mit jedem Fortschritt im Kampf um die Gleichheit der Chancen der Sinnbedarf wächst,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.

UNIVERSITAS-Thema: Glück

SCHULZE, Gerhard (2008): Fortuna und Felicitas.
Der hinkende Gang der Moderne,
in: Universitas,
November

SCHULZE, Gerhard (2009): Die Milchmädchenrechnung.
Unsere Alltagserfahrungen nützen wenig, um zu verstehen, wie die Wirtschaft funktioniert. Deswegen greift die populäre Kritik an der Gier zur Überwindung der Finanzkrise viel zu kurz,
in: Welt v. 07.04.

SCHULZE, Gerhard (2009): Was ist eigentlich normal?
Hinter dem Klima-Streit steckt nur eine fixe Idee. Vieles spricht dafür, dass alles bleibt, wie es immer war. Denn die Erde ist ein sich selbst regulierendes System,
in: Welt v. 05.12.

SCHULZE, Gerhard (2010): Aufrütteln und abwiegeln.
Wie wir uns am Unvermeidlichen abarbeiten – Anmerkungen zur laufenden Krise,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 07.06.

SCHULZE, Gerhard (2010): Wir armen Steuerzahler.
Gerhard Schulze würdigt die stille Geduld und Tatkraft der Mitte. Damit der Ehrliche aber nicht zum Dummen wird, muss Vertrauen herrschen,
in: Welt am Sonntag v.
04.07.

Neu:
SCHULZE, Gerhard (2010): Sarrazin - ein Fall für Schopenhauer.
Der Philosoph hätte den Migrationskritiker einen Denk-Monarchen genannt - eigenständige Ideen aber haben gegen den Vorurteilskonsens unserer Deutungselite keine Chance,  
in: Welt v. 21.09.

Der Soziologe Gerhard SCHULZE, mit dem Buch Die Erlebnisgesellschaft zur deutschen Deutungselite aufgestiegen, verteidigt den Denk-Monarchen Thilo SARRAZIN.

Merkwürdig erscheint jedoch die Idee, dass man heutzutage als Außenseiter geächtet wird, indem man eine lebenslängliche Pension erhält, als ob man seine Tätigkeit so lange wie vertraglich festgelegt ausgeübt hätte. Davon können alle anderen nicht-geächteten Außenseiter dieser Gesellschaft nur träumen! Eine Ächtung wäre es höchstens, wenn SARRAZIN ab sofort in der Diskurswelt keinerlei Podium mehr bekäme. Davon kann jedoch keine Rede sein, weswegen der Vergleich von SCHULZE mit archaischen Gemeinschaften an den Haaren herbeigezogen ist.

Angeblich wollen viele aus Deutschland weg, aber der politisch korrekt während der ungeliebten Regierungszeit von Rot-Grün in die Welt gesetzte Brain Drain, wird selbst nicht einmal mehr von der FAZ verbreitet. Was angesichts einer neuen Studie des DIW (Wochenbericht Nr.37 v. 15.09.2010 als PDF-Datei downlowdbar) auch mehr als töricht wäre.

 
       
   

Gerhard Schulze im Gespräch

 
   

PONGS, Armin (1999): Gerhard Schulze  - Die Erlebnisgesellschaft,
in:
In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? Gesellschaftskonzepte im Vergleich, Band 1, München: Dilemma Verlag

BAUER, Angelika (2001): Die Erlebnisgesellschaft im Steigerungstaumel.
Was tun, wenn alles getan ist? - Ein Gespräch mit Gerhard Schulze,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 02.05.

REHRL, Annette (2004): Höflichkeit ist eine Zier.
...mit der man - anders als der Volksmund es verbreitet - besser durchs Leben kommt. In einer Emnid-Umfrage meinten 98 Prozent der Deutschen, Höflichkeit mache das Zusammenleben leichter, 91 hielten gute Manieren für unverzichtbar. Warum nur ist dann der Umgang miteinander so rüde geworden, dass jetzt sogar Benimmunterricht an Schulen eingeführt wird? 
in: Psychologie Heute Nr.2, Februar

Annette REHRL befragt u. a. den 68er Gerhard SCHULZE über den Verfall der Sitten:

"Gerhad Schulze, Soziologe an der Universität Bamberg und Autor des viel beachteten Buches Die Erlebnisgesellschaft, ist fest davon überzeugt, dass wir es jetzt mit den Spätwirkungen der 68er-Generation zu tun haben. »Die 50er Jahre stellten eine Rückkehr in die Zwänge des 19. Jahrhunderts dar, davon haben sich die 68er befreit«, erörtert Schulze »Höflichkeit wurde abgelehnt, weil sie uns aufgezwungen worden war. Und jetzt beobachten wir wieder das Befremden einer Kultur an sich selbst«.
(...).
Was die neue Höflichkeit, laut Schulze, von jener der Vor-68er jedoch wesentlich unterscheide, sei dass sie individueller gestaltet werde: »Unsere subjektive Ebene haben wir für uns alleine. Auf der intersubjektiven Ebene kommunizieren wir mit den Mitmenschen. Und auf dieser Ebene muss jeder Einzelne Höflichkeit und Achtung vor dem Nächsten für sich selbst wieder neue definieren. Das ist ein Prozess des Fühlens, nicht der Regeln.«"

 
       
   

Gerhard Schulze in der Debatte

 
   

BREITENSTEIN, Andreas (2009): Der besorgte Draufgänger.
Die Krise ist für den modernen Menschen das Normale – Vortrag des Soziologen Gerhard Schulze in Zürich,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.11.

 
       
   

Die Erlebnisgesellschaft (2005).
Kultursoziologie der Gegenwart
Frankfurt: Campus (2. Auflage, Originalausgabe 1992)

 
   
     
 

Klappentext

"1992 erschien Die Erlebnisgesellschaft zum ersten Mal – und machte rasch Furore. Heute kann der Text mit Fug und Recht als moderner Klassiker der Soziologie gelten. Gerhard Schulze konstatierte einen umfassenden Wandel in unserer Gesellschaft, durch den das Leben zum Erlebnisprojekt geworden ist. Die Erlebnisorientierung ist die unmittelbarste Form der Suche nach Glück. Eine Suche, die noch längst nicht abgeschlossen ist – diese neue Art zu leben müssen wir erst lernen und die Folgen noch bewältigen. Dies gilt auch heute noch: Die Sucht nach dem Kick und nach Performance ist eher gewachsen, und damit ist Gerhard Schulzes Analyse aktueller denn je."

Zitate:

Übergang wohin? Kommentar im Jahr 2005

Ego-Gesellschaft oder Erlebnisgesellschaft?

"Im Frühjahr 2005 kommentierte Ulrich Wickert in den Tagesthemen der ARD einen kurzen Film mit Friedhofsszenen. Zu sehen waren ein Sarg und eine Handvoll Menschen auf dem Weg zum Grab. Das Besondere dabei: Keiner der Beteiligten kannte den Toten. Es handelte sich um die Hamburger Initiative Letztes Geleit, die sich um Verstorbene ohne Freunde und Angehörige kümmert. Der Tenor des Kommentars war freundlich-resignativ: Nachdem alle nur ihr persönliches Glück im Sinn haben, bedarf es des Engagements von Wildfremden, um einsam Gestorbene würdevoll unter die Erde zu bringen.
In dieser Episode finden wir alles verdichtet: soziale Wirklichkeit, Fehldeutung und Arroganz. Was gezeigt wurde, sind Menschen, die sich anderer selbst dann noch annehmen, wenn schon alles zu spät scheint und nicht einmal mehr Dank zu erwarten ist, sondern allein die Befriedigung, vielleicht das Glück, etwas zu tun, das sie sich selbst ausgedacht haben und sinnvoll finden. Ausgerechnet diese Szene als Zeichen der Ego-Gesellschaft zu interpretieren, läuft buchstäblich auf die hermeneutische Umkehrung des gezeigten Sachverhalts hinaus." (S. VI)

Die Spaßgesellschaft hat es nie gegeben

"Als nach dem 11. September 2001 überall vom »Ende der Spaßgesellschaft« die Rede war, handelte es sich um eine Prognose ohne Risiko, denn die Spaßgesellschaft hatte es nie gegeben. Die Erlebnisgesellschaft dagegen, verstanden als Sozialwelt unter der Regie der Innenorientierung, wurde durch den 11. September keineswegs erschüttert, vielmehr hat sie ihren Pfad fortgesetzt.
(...).
Erlebnisgesellschaft heißt: Intrinsische Motive siegen über extrinsische, Innenorientierung über Außenorientierung." (S.VI f.)

Die 68er-Generation als Pioniere der Erlebnisgesellschaft

"Es war die Generation der Achtundsechziger, die den Umschwung von der Außenorientierung zur Innenorientierung vorantrug. Sie provozierten mit einer Lebensauffassung, die nach und nach alle erfaßte. Es kommt, so die Botschaft, darauf an, das Leben zu genießen; die Mittel dazu beschafft man sich schon irgendwie." (S. XII)

Die Unterschicht der Erlebnisgesellschaft

"Harald Schmidt (...) zielte auf solche, die aus der Sicht der Nicht-Prolls für das Projekt des schönen Lebens zu blöd sind, auf die Oberdeppen der Lebenskunst: Sie haben nicht zu wenig Geld, sondern zu viel (für Unterhaltungselektronik, Bier, Schokolade und Kartoffelchips); und sie haben nicht zu wenig Zeit, sondern zu viel (für täglich sechs Stunden TV-Trash). Dies ist die neue Linie der Distinktion. In den sechziger Jahren wurden die Diskurse über die Unterschicht noch von Fürsorge geprägt; eingeschlossen war dabei die Ablehnung kultureller Arroganz. Der neue Diskurs macht sich diese Arroganz zu eigen, doch das Objekt der Herablassung ist nun ein anderes: nicht die Unterschicht im hergebrachten sozioökonomischen Sinn, sondern die Glücksversager: Alle, denen es an Stil und Verstand fehlt, etwas Sinnvolles aus ihrem Leben zu machen." (S. XVII)

Die Erlebnisgesellschaft als Gesellschaft der Täter statt der Opfer

"Was bei der Diskussion um das Unterschichtenfernsehen besonders aufhorchen läßt, ist die klammheimliche Verabschiedung der Sozialfigur des Opfers. In den Angehörigen der früheren Unterschicht konnte man Ausgebeutete, Ausgetrickste, Machtlose sehen, Menschen, denen man zu ihrem Recht verhelfen mußte. Die neue Distinktion sieht Subjekte, wo früher von Objekten die Rede war, sie sieht Täter anstelle von Opfern." (S. XXI)

 
     
 
       
   

Essay von single-generation.de zum Thema

Das Ende der Spassgesellschaft - Kulturkämpfe in der Popmoderne
 
       
   

Die beste aller Welten (2003).
Wohin bewegt sich die Gesellschaft im 21. Jahrhundert?
München: Hanser

 
   
     
 

Klappentext

"Gerhard Schulze, dessen hoch gelobte »Erlebnisgesellschaft« die neunziger Jahre auf den Begriff gebracht hat, entwirft in seinem neuen Buch das Bild einer Gesellschaft, die nicht mehr vom Prinzip der permanenten Steigerung dominiert wird. Das Gefüge der Werte verschiebt sich und die Menschen beginnen eine neue Richtung einzuschlagen: Fragen der Lebenskunst, des Zusammenlebens und der Kultur werden wichtiger genommen als zuvor."

     
 
       
   
  • Rezensionen

BÖCKELMANN, Frank (2003): Eigenleben der Autobahn.
Sinnsucher in absurder Welt: Gerhard Schulze sieht das existenzielle Jahrhundert kommen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.03.

HARTMANN, Martin (2003): Atempause.
Höher, schneller, weiter: Rüdiger Safranski und Gerhard Schulze sehen die Grenzen des Menschenmöglichen, und des Bekömmlichen, schon erreicht,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.03.

HEIDBRINK, Ludger (2003): Vom tastenden Leben.
Der Soziologe Gerhard Schulze erklärt, warum nicht immer mehr Glück zu haben ist,
in: Die ZEIT Nr.13. Literaturbeilage v. 20.03.

GEYER, Christian (2003): Lauter Stromschnellen.
Gerhard Schulze, Monteur der "Erlebnisgesellschaft" ist wieder da,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.03.

Christian GEYER verortet Gerhard SCHULZEs Erlebnisgesellschaft in der Tradition der Trendforschung von Matthias HORX bis Norbert BOLZ. Aus dem neusten Werk Die beste aller Welten hat er eine "zentrale Botschaft der Diagnose-Mimikry" heraus gelesen:

"Statt eindimensional künftig bitte zweidimensional denken! Gemeint ist: Gemäß einer Seinssoziologie für Angestellte, welche Schulze in Spiegelstücken entwirft, soll die Kassiererin nicht nur kassieren ("Könnenwollen"), sondern sich dem Kunden auch in der Begegnungsdimension widmen ("Seinwollen")".

Sein Urteil über diese Angestelltensoziologie ist - mit Seitenhieb auf einen Kollegen - vernichtend:

"Das ist nicht Feinsinn, wie Ludger Heidbrink kürzlich wähnte, das ist Unsinn".

 
       
   

Kulissen des Glücks (1999)
Kultursoziologie der Gegenwart
Frankfurt: Campus

 
   
     
 

Klappentext

"Weihnachtsoratorium und inszenierter Gruppensex, Narrhallamarsch und Dichterlesung, Katastrophen per TV und die Brüste von Dolly Buster: Über die Szenerie der Erlebnisgesellschaft gilt es neu nachzudenken. Die Zeit der Belehrungen ist vorbei und die Kulturkritik kreist nur noch um sich selbst. Davon unberührt bewegen sich die Zeitgenossen routiniert zwischen den Kulissen des Glücks, die sie als Nachfrager selbst mitgestaltet haben.
      Gerhard Schulze will die Kulturlandschaft der Gegenwart nicht ändern, sondern verstehen. Amüsiert, neugierig und nachdenklich schreibt er über Events und öffentliche Selbstentblößung, über Comedy und Quotendenken. Seine Essays sind Streifzüge durch unsere Sozialwelt auf der Suche nach einer neuen Deutung. An die Stelle der altbekannten Niedergangsdiagnose tritt der Befund eines kollektiven Lernprozesses."

     
 
       
   

Essay von single-generation.de zum Thema

Monarchie und Kult(ur)betrieb - Ein Abgesang auf den Pop. Es lebe die Popmoderne!
 
   

Das Buch in der Debatte

EBEL, Martin (2000): Gerhard Schulze: Kulissen des Glücks.
Streifzüge durch die Event-Kultur,
in:
Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v. 11.01.

BURGHOFF, Christel (2000): Selbstironische Warnung vor dem Event.
Kritik am Spaßbetrieb gehört zum guten Ton. Der Soziologe Gerhard Schulze hat sich die Eventkultur näher angeschaut,
in: TAZ v. 08.07.

 
       
   

Die Erlebnisgesellschaft (1992)
Kultursoziologie der Gegenwart
Frankfurt: Campus

 
   
     
 

Was ist die Spaßgesellschaft?

Was mit dem Begriff "Spaßgesellschaft" bezeichnet wird, das ist von Autor zu Autor unterschiedlich. Dies spricht nicht für die Behauptung von Wolfgang SCHÄUBLE (Welt v. 12.09.2001), dass dies ein soziologischer Begriff geworden ist.
      
Ganz zu schweigen davon, dass innerhalb der Soziologie viele Gesellschaftsbegriffe um die Beschreibung unserer Wirklichkeit konkurrieren. Armin PONGS hat z.B. 24 gebräuchliche soziologische Gesellschaftsbegriffe in einem 2 Bände umfassenden Werk (In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?) aufgeführt. Die Spaßgesellschaft fehlt jedoch!
      
Nichtsdestotrotz gibt es einen soziologischen Begriff, der dem nahe kommt, was in erster Linie damit gemeint ist. Es ist der Begriff "Erlebnisgesellschaft", der von dem Kultursoziologen Gerhard SCHULZE geprägt wurde. Sein Buch "Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart" ist 1992 erschienen und hat es bisher auf 8 Auflagen gebracht. Seitdem hat der Soziologe sein Konzept "Erlebnisgesellschaft" immer wieder den veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen angepasst.
      
SCHULZE stützt sich mit seinem Gesellschaftsverständnis auf den Prozess der Individualisierung, der von dem Soziologen Ulrich BECK seit Ende der 80er Jahre popularisiert worden ist. Mit der Individualisierung werden Phänomene wie Vereinzelung oder Atomisierung des Sozialen in Verbindung gebracht. Hierfür hat sich auch das Schlagwort von der "Single-Gesellschaft" eingebürgert.
      
SCHULZE interessiert sich dagegen für die Entstehung neuer Milieus, die durch diesen Prozess hervorgebracht werden. Der Soziologe unterscheidet 5 verschiedene Erlebnismilieus, die sich in den 80er Jahren herausgebildet haben sollen:
1) Das Niveaumilieu entspricht am ehesten bildungsbürgerlichen Vorstellungen, wonach es eine strikte Trennung zwischen Hochkultur (E-Kultur) und seichter Unterhaltung (U-Kultur) geben sollte.
2) Das Harmoniemilieu kommt Vorstellungen vom Unterhaltungsbedürfnis der Arbeiterschicht nahe, das früher für Heimatfilme und Volksmusik stand.
3) Das Selbstverwirklichungsmilieu ist dagegen jenes Milieu, das in Medienberichten oftmals im Mittelpunkt des Interesses steht. Diesem Milieu werden Hedonismus und Narzißmus zugeschrieben.
4) Das Unterhaltungsmilieu ist an Spannung und Action interessiert (hier finden sich die Liebhaber von Computerspielen und Action-Videos wieder), während
5) das Integrationsmilieu alle Unterschiede zwischen U- und E-Kultur ignoriert und sich aller Stilemente der vorgenannten Milieus bemächtigt.

Die Mediendebatte um die Spaßgesellschaft

Gegenüber den Differenzierungen im Konzept "Erlebnisgesellschaft" von Gerhard SCHULZE fallen die Debatten in den Medien weit zurück. Die Debattenteilnehmer lassen sich jedoch unschwer jeweils den verschiedenen Erlebnismilieus zuordnen.
(Auszug aus: Das Ende der Spaßgesellschaft. Kulturkämpfe in der Popmoderne,2001)

     
 
       
   
  • Essay von single-generation.de zum Thema

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    Rezensionen

    • BAND, Henri (1994): Gerhard Schulze - Die Erlebnisgesellschaft,
      in: Berliner Debatte INITIAL. Zeitschrift für sozialwissenschaftlichen Diskurs, H.2, S.112-117

     
       

    Die Erlebnisgesellschaft in der Debatte

    KEMPER, Peter (2002): Wenn Windelnwechseln zum Event wird.
    Nachruf auf eine erfolgreiche Marketingmetapher,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.08.

    Für Peter KEMPER ist "Event" zum Codewort der Spassgesellschaft geworden. Die Suggestivkraft dieser Schlüsselmetapher sei jedoch nach dem 11. September schlagartig verblasst:

    "Im Verein mit einer zunehmend lahmenden Konjunktur, den plötzlich platzenden Aktienblasen am Neuen Markt und einer wachsenden Konsumzurückhaltung nach der Einführung des «Teuro» entwickelte sich im zweiten Jahr des neuen Jahrtausends eine ernüchterte Stimmungslage, die dem «Fun-Faktor» der Eventideologie diametral zu widersprechen scheint."

     
       

    Gerhard Schulze im WWW

    www.gerhardschulze.de
     
       

    weiterführende Links

     
         
       
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 28. August 2002
    Update: 29. Juni 2015