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Michael Wildt:
Generation des Unbedingten
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Michael Wildt in
seiner eigenen Schreibe
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WILDT,
Michael (2003): Das lähmende Schweigen.
Herrad Schenks Versuch, die Wahrheit über ihren SS-Vater zu
erfahren,
in: Die ZEIT Nr.5 v. 23.01.
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WILDT,
Michael (2003): Niemand steht auf der sicheren Seite.
Provokateur und Moralist: Götz Alys gesammelte Essays,
in: Die ZEIT Nr.13 v. 20.03.
- Inhalt:
Michael WILDT über das Grundthema von
Götz ALYs Arbeiten:
"Das
bereitwillige Mitmachen von vielen, ob Intellektuellen,
Wissenschaftlern oder Arbeitern, bildet das Grundthema von Alys
Arbeiten. »Hitlers Volksstaat« erscheint als Zustimmungsdiktatur,
die der großen Mehrheit der Deutschen sozialen Aufstieg,
materiellen Gewinn und eine große Zukunft im Osten versprach. Mit
der ihm eigenen Lust an der Zuspitzung stellt Aly den
Nationalsozialismus bewusst in einen Zusammenhang der egalitären
Bewegungen und Utopien im 20. Jahrhundert."
-
WILDT, Michael (2004): Die Gemeinschaft zählt.
Die antisemitischen Volten
der Rede Martin Hohmanns verursachten allgemeine Aufregung. Zu
Recht. Aber leider blieb unbeachtet, dass er sich zudem gegen
Rechtsstaatlichkeit aussprach. Ein Blick zurück auf Überlegungen
eines Abgeordneten,
in: TAZ v. 03.03.
- Inhalt:
Michael WILDT über die Vorstellungen von
Martin HOHMANN zum Umbau des Sozialstaats:
"Martin
Hohmann argumentiert ja nicht, der Wohlfahrtsstaat sei aufgrund der
ökonomischen wie demografischen Entwicklung nicht mehr in der Lage,
einstmals beschlossene soziale Sicherungen weiterhin zu finanzieren,
weshalb Reform wie Umbau der Sozialsysteme unumgänglich seien.
Nein, Hohmann bestreitet
vielmehr das Recht, Recht in Anspruch zu nehmen. Unter seiner Hand
verwandelt sich das Recht eines Sozialhilfeempfängers auf
Gleichbehandlung, das Recht eines Angeklagten auf Verteidigung und
umfassende, unparteiische Prüfung seines Falls in »gnadenlosen«
Missbrauch des Rechtsstaates, ohne dass Hohmann bereits an dieser
Stelle seiner Intervention kenntlich machte, wie denn der
pflichtbewusste Bürger vom »Schmarotzer« zu trennen wäre. Recht
soll, das jedenfalls ist klar, nicht mehr für alle gleichermaßen und
ohne Ansehen der Person gelten, sondern nach anderen,
augenscheinlich »gemeinschaftsnützigen« Kriterien gehandhabt werden.
Nur, wer der Gemeinschaft nützt, wer »unser Land voranbringt«, soll
künftig auf Hilfe und Rechtsschutz hoffen dürfen."
- Neu:
WILDT,
Michael (2005): Vertrautes Ressentiment.
Der moderne Sozialstaat hat
mit dem »Volksgemeinschafts«-Konzept des Nationalsozialismus nichts
zu tun. Eine Antwort auf Götz Aly,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 04.05.
- Inhalt:
Michael WILDT kritisiert Götz ALYs Sicht der
Kontinuität von nationalsozialistischem und bundesrepublikanischem
Sozialstaat in dem Buch "Hitlers
Volksstaat":
"Ohne
Zweifel war das NS-Regime bemüht (...) mittels sozialpolitischer
Maßnahmen vor allem die Integration der Arbeiter in die
»Volksgemeinschaft« zu betreiben. Die Klassenstruktur der
Gesellschaft verschwand deswegen nicht, aber die Verheißung eines
sozialen Aufstiegs nach Leistung, unabhängig von
Schichtzugehörigkeit, band einen Großteil der Bevölkerung ein. Die
nationalsozialistische Zielperspektive war jedoch keineswegs eine
moderne, leistungs- und aufstiegsorientierte
Individualgesellschaft freier Bürger, sondern eine rassistisch
formierte »Volksgemeinschaft«, die Elitebildung und Vorwärtskommen
nicht nur von Leistung, sondern ebenso von biologistischen
Kriterien abhängig machte. Wer abwich, zum Beispiel behinderte
Kinder gebar, als »asozial«, »arbeitsscheu« oder homosexuell galt,
erfuhr sehr rasch und gnadenlos die Grenzen der
»Gefälligkeitsdiktatur«. Insbesondere die Ermordung von
Behinderten und Kranken, die von den Nationalsozialisten als
»erbbiologisch minderwertig« definiert wurden, zeigt, wie
unangemessen und fehlleitend die Gleichsetzung des NS-Regimes mit
dem »modernen Sozialstaat« ist.
Hier liegt ein
grundsätzliches Missverständnis von Gleichheit und Homogenität,
von politischer und sozialer Gleichheit vor. Modernisierung wird
mit Moderne verwechselt, Rationalität mit Vernunft. Die
bürgerliche Forderung nach Gleichheit, wie sie in den Schriften
von Thomas Jefferson, John Locke oder Condorcet nachzulesen ist,
meint mitnichten die Egalisierung von materiellen Verhältnissen,
sondern ganz im Gegenteil die Anerkennung der naturrechtlichen
Gleichheit der Menschen, deren pursuit of happiness nun
nicht mehr von irgendwelchen Privilegien abhängig sein sollte.
Paradox formuliert, soll die Gleichheit der Menschen dazu führen,
dass sie ihre Ungleichheit entwickeln können"
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Michael Wildt
im Gespräch
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Generationen (2005).
Zur
Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs
(herausgegeben zusammen mit Ulrike Jureit)
Hamburg: Hamburger
Edition
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Klappentext
"»68er-Generation«, »Generation Golf«,
»Generation Ally« oder »Generation Golfkrieg«,
»Generationenvertrag oder
»Generationengerechtigkeit«: In der Öffentlichkeit
wird der Begriff der Generation geradezu inflationär
gebraucht.
Daneben ist das Leben in Generationen eine
Alltagserfahrung. Die Tatsache, daß jeder Mensch
Eltern hat, die meisten auch Kinder, gehört zu den
persönlichen Erfahrungen, die den Begriff
»Generation« wie selbstverständlich in unserer
Sprache verankern. Darüber hinaus ist die
Konstruktion von »Generationen« eng mit der
Entstehung der europäischen Moderne verbunden, mit
der Differenzierung der einstigen Großfamilie und
der Entdeckung von Jugend als Entwicklungsbegriff.
»Generationen« erscheinen als kollektive Akteure,
die einen »natürlichen « Anspruch auf die
Leitungspositionen der Gesellschaft besitzen. Wurde
vormals mit »Stand« oder »Klasse«, später auch mit
der Kategorie »Geschlecht« Gesellschaft
strukturiert, so hat mittlerweile der Begriff der
»Generation« einen ebenbürtigen Rang erhalten. Die
Autorinnen und Autoren dieses Bandes befragen
kritisch die unterschiedlichen Gebrauchsweisen des
»Generationenbegriffs« und erkunden historisch,
soziologisch, psychoanalytisch, medien- und
kulturwissenschaftlich die Bedeutung, die er für die
Wahrnehmung und Deutung von Geschichte und
Gesellschaft ebenso wie als Handlungsbegriff hat.
Damit gibt der Band nicht nur einen umfassenden und
reflektierenden Überblick zur aktuellen
Generationenforschung. Er lotet auch die Potentiale
der Kategorie »Generation« für eine moderne
Sozialwissenschaft des 21. Jahrhunderts aus."
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Die Beiträge des Sammelbands
- JUREIT, Ulrike & Michael WILDT -
Generationen
- I. Der Begriff "Generation"
-
BUDE, Heinz -
"Generation" im Kontext. Von den Kriegs- zu den
Wohlfahrtsgenerationen
- LEPSIUS, M. Rainer - Kritische
Anmerkungen zur Generationenforschung
-
LÜSCHER, Kurt -
Ambivalenz: Eine Annäherung an das Problem der Generationen
- II. Generation - Genealogie -
Geschlecht
- KREJCI, Erika - Innere Objekte.
Über Generationenfolge und Subjektwerdung. Ein psychoanalytischer
Beitrag
- WEIGEL, Sigrid - Familienbande,
Phantome und die Vergangenheitspolitik des Generationendiskurses.
Abwehr von und Sehnsucht nach Herkunft
- BENNINGHAUS, Christina - Das
Geschlecht der Generation. Zum Zusammenhang von Generationalität
und Männlichkeit um 1930
- III. Heroische und postheroische
Generationen
- WILDT, Michael - Generation als
Anfang und Beschleunigung
- ROSEMAN, Mark - Generationen als "Imagined
Communities". Mythen, generationelle Identitäten und
Generationenkonflikte in Deutschland vom 18. bis zum 20.
Jahrhundert
- KITTSTEINER, Heinz D. - Die
Generationen der "Heroischen Moderne". Zur kollektiven
Verständigung über eine Grundaufgabe
-
MAASE, Kaspar - Farbige Bescheidenheit. Anmerkungen zum
postheroischen Generationsverständnis
- IV. Generation und kollektive
Verständigung
- JUREIT, Ulrike - Generationen als
Erinnerungsgemeinschaften. Das "Denkmal für die ermordeten Juden
Europas" als Generationsobjekt
- HODENBERG, Christina von -
Politische Generationen und massenmediale Öffentlichkeit. Die
"45er" in der Bundesrepublik
- KNOCH, Habbo - Gefühlte
Gemeinschaften: Bild und Generation in der Moderne
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Klappentext
"Die
intellektuelle Elite des Nationalsozialismus.
So
funktional, sachlich, technisch, wie diese
intellektuelle Elite ihre Beteiligung am
Nationalsozialismus nach dem Krieg weiszumachen
versuchte, war ihre Täterschaft nicht. Diese Männer
verstanden sich keineswegs als Stubengelehrte oder
bloße Vordenker. Sie waren nicht die Rädchen einer
anonymen Vernichtungsmaschinerie, sondern sie haben
die Konzepte entworfen, die Apparate konstruiert und
selbst bedient, die den millionenfachen Mord möglich
machten.
Am 27.
September 1939 entstand unter der Führung von
Reinhard Heydrich aus Geheimer Staatspolizei,
Kriminalpolizei und Sicherheitsdienst der SS das
Reichssicherheitshauptamt. Es verstand sich als der
exekutive und konzeptionelle Kern einer
weltanschaulich orientierten Polizei, die ihre
Aufgabe in der
»Reinhaltung
des deutschen Volkskörpers«
sah. Sie sollte in dem von Hitler beschworenen
»Schicksalskampf«
die Gegner des auf Rasse und Volk begründeten
NS-Regimes - in erster Linie die Juden als
Verkörperung der
»Gegen-Rasse«,
des
»Anti-Volkes«
- vernichten.
Es war die Kriegsjugend, der die
»Bewährung
an der Front«
des Ersten Weltkriegs fehlte, aus der Heydrich die
Führungskräfte seiner
»kämpfenden
Verwaltung«
rekrutierte - politisch engagierte junge Männer, die
ihre sichere Existenz als Ärzte, Juristen oder
Studienräte aufgaben, um in einer von jeder
Rechtsgrundlage entbundenen Institution mitzuwirken,
die nur
»der
geschichtlichen Aufgabe«
(Heydrich) verpflichtet war. In der Forderung nach
Abrechnung mit dem
»morschen«
Alten und dem Entwurf einer neuen Welt hatten sie zu
einer
»Generation
des Unbedingten«
zusammengefunden. Als Leiter der SS-Einsatzgruppen
in Polen, in der Sowjetunion und den übrigen
besetzten Gebieten in Europa erwarben sie im
Besatzungsterror gegen die Zivilbevölkerung die von
Hitler geforderte
»unerhörte
Härte«
- vor allem aber lernten sie, in
»großen
Räumen«
zu denken, zivilisatorische Hemmschwellen zu
überwinden und den Massenmord als
»Problemlösung«
zu konzipieren und zu exekutieren.
Michael Wildt hat anhand umfangreicher neuer Quellen
akribisch die Konturen dieser
»Institution
neuen Typs«
herausgearbeitet, die sich flexibel veränderten
Situationen anzupassen verstand. Seine Ergebnisse
korrigieren die bisherige Auffassung vom
Reichssicherheitshauptamt als reines
»Verwaltungsbüro«,
als
»Sammelbezeichnung«
oder
»organisatorische
Klammer«
verschiedener Polizei- und Sicherheitsdienste und
weisen seine aktive Rolle in der Vernichtungspolitik
des Dritten Reiches nach. Sein verstörendes Bild der
leitenden Akteure läßt sich in das bisherige Profil
der NS-Täter nicht einordnen: Es waren keine
»gescheiterten
Existenzen«,
keine
»Mitläufer«,
keine
»ordinary
men«,
sondern in der Mehrheit akademisch gebildete junge
Männer, die ihre politische Weltanschauung
schreckliche Wirklichkeit werden ließen."
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Stimmen zum Buch
"Dreißigjährige stellten sich kompromißlos im
Dritten Reich in den Dienst der völkischen Sache und
machten Politik zu ihrem Beruf.
Michael Wildt (...) nennt sie die Generation der
Unbedingten. Unbedingte waren die
Dreißigjährigen, weil sie mehr als ein bestimmter
Inhalt ein politischer Denkstil verband, der auf das
große Ganze zielte, sich keinem Kompromiß und keiner
Norm unterwarf. Auf 900 Seiten hat Wildt die
führenden Akteure des Reichssicherheitshauptamts (RSHA),
der eigentlichen Terrorzentrale des Dritten Reichs,
untersucht und ist zu einem erstaunlichen Ergebnis
gekommen. Anders als für Eugen Kogon, der im
SS-Staat ein Auffangbecken für Studienabbrecher und
gestrandete Existenzen sah - »sozial deklassierte
Primitive, die man wirklich zu nichts anderem
gebrauchen konnte« -, prägen für Wildt gut
ausgebildete Dreißigjährige das Gesicht des Dritten
Reichs. Im RSHA, das die nationalsozialistische
Verfolgungs- und Vernichtungspolitik organisierte
und umsetzte - denn die völkische Idee drängte hier
immer zur Tat -, gaben die »unbedingten«
Dreißigjährigen den politischen Ton an. Zu über drei
Viertel rekrutiert sich das Führungskorps des RSHA
aus der sogenannten Kriegsjugendgeneration. Geboren
vor hundert Jahren, in der ersten Dekade des letzten
Jahrhunderts zwischen 1900 und 1910, erlebte diese
Generation die Jahrhundertkatastrophe des Ersten
Weltkriegs an der Heimatfront als »ein großes,
aufregend-begeisterndes Spiel«"
(Stephan Schlak im Kursbuch "Die
30jährigen", Dezember 2003)
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Rezensionen
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NOLTE, Jost (2002): Das Lächeln der SS.
Der Fall des Lektors Hans Rößner und andere Fälle: Wie
Täter mit gutem Benehmen nach 1945 durchs Netz schlüpften,
in: Welt v. 01.06.
-
BRUMLIK, Micha (2002): Modernität des Massenmords.
Michael Wildt beschreitet mit seinem Buch über das
Reichssicherheitshauptamt neue Wege bei der Täterforschung.
Dabei widmet er sich nicht nur der Vernichtung, sondern auch
der Rückkehr der Mörder in die bundesrepublikanische
Zivilgesellschaft,
in: TAZ v. 18.06.
-
PAUL, Gerhard (2002): Die Elite des Terrors.
Michael Wildts großes Buch über das Führungspersonal des
Reichssicherheitshauptamtes,
in: Die ZEIT Nr.26 v. 20.06.
-
KITTSTEINER, Heinz Dieter (2002): Vom AStA ins RSHA.
Michael Wildts Studie
über die "Generation des Unbedingten", das Führungspersonal
des Reichssicherheitshauptamtes,
in: Berliner Zeitung v. 25.11.
-
BENÖHR-LAQUEUR, Susanne (2003): Michael Wildt - Die
Generation des Unbedingten,
in: H-Soz-u-Kult v. 04.02.
-
Dr. SELTSAM & Sabine LUEKEN (2003): Lausch und schieß.
SD - Sicherheitsdienst aus der Zigarrenkiste,
in: junge welt v. 20.05.
- FREI, Norbert (2004):
Volksgemeinschaft und "kämpfende Verwaltung".
Michael Wildts eindrucksvolle Studien über das
Reichssicherheitshauptamt und den Sicherheitsdienst der SS,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.01.
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