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Michael Wildt: Generation des Unbedingten

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1954 in Essen geboren
    • Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Kulturwissenschaften und Theologie
    • 1996 Buch "Vom kleinen Wohlstand"
    • 2002 Buch "Generation des Unbedingten"
    • Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung in Hamburg
    • 2005 Herausgeber von "Generationen"
    • Lehrstuhl für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus Humboldt-Universität zu Berlin
 
       
     
       
   

Michael Wildt in seiner eigenen Schreibe

 
   

WILDT, Michael (2003): Das lähmende Schweigen.
Herrad Schenks Versuch, die Wahrheit über ihren SS-Vater zu erfahren,
in: Die ZEIT Nr.5 v. 23.01.

Herrad Schenk - Autorin der Single-Generation

WILDT, Michael (2003): Niemand steht auf der sicheren Seite.
Provokateur und Moralist: Götz Alys gesammelte Essays,
in: Die ZEIT Nr.13 v. 20.03.

Michael WILDT über das Grundthema von Götz ALYs Arbeiten: "Das bereitwillige Mitmachen von vielen, ob Intellektuellen, Wissenschaftlern oder Arbeitern, bildet das Grundthema von Alys Arbeiten. »Hitlers Volksstaat« erscheint als Zustimmungsdiktatur, die der großen Mehrheit der Deutschen sozialen Aufstieg, materiellen Gewinn und eine große Zukunft im Osten versprach. Mit der ihm eigenen Lust an der Zuspitzung stellt Aly den Nationalsozialismus bewusst in einen Zusammenhang der egalitären Bewegungen und Utopien im 20. Jahrhundert."

WILDT, Michael (2004): Die Gemeinschaft zählt.
Die antisemitischen Volten der Rede Martin Hohmanns verursachten allgemeine Aufregung. Zu Recht. Aber leider blieb unbeachtet, dass er sich zudem gegen Rechtsstaatlichkeit aussprach. Ein Blick zurück auf Überlegungen eines Abgeordneten,
in: TAZ v. 03.03.

Michael WILDT über die Vorstellungen von Martin HOHMANN zum Umbau des Sozialstaats:

"Martin Hohmann argumentiert ja nicht, der Wohlfahrtsstaat sei aufgrund der ökonomischen wie demografischen Entwicklung nicht mehr in der Lage, einstmals beschlossene soziale Sicherungen weiterhin zu finanzieren, weshalb Reform wie Umbau der Sozialsysteme unumgänglich seien.
      
  Nein, Hohmann bestreitet vielmehr das Recht, Recht in Anspruch zu nehmen. Unter seiner Hand verwandelt sich das Recht eines Sozialhilfeempfängers auf Gleichbehandlung, das Recht eines Angeklagten auf Verteidigung und umfassende, unparteiische Prüfung seines Falls in »gnadenlosen« Missbrauch des Rechtsstaates, ohne dass Hohmann bereits an dieser Stelle seiner Intervention kenntlich machte, wie denn der pflichtbewusste Bürger vom »Schmarotzer« zu trennen wäre. Recht soll, das jedenfalls ist klar, nicht mehr für alle gleichermaßen und ohne Ansehen der Person gelten, sondern nach anderen, augenscheinlich »gemeinschaftsnützigen« Kriterien gehandhabt werden. Nur, wer der Gemeinschaft nützt, wer »unser Land voranbringt«, soll künftig auf Hilfe und Rechtsschutz hoffen dürfen."

Neu:
WILDT, Michael (2005): Vertrautes Ressentiment.
Der moderne Sozialstaat hat mit dem »Volksgemeinschafts«-Konzept des Nationalsozialismus nichts zu tun. Eine Antwort auf Götz Aly,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 04.05.

Michael WILDT kritisiert Götz ALYs Sicht der Kontinuität von nationalsozialistischem und bundesrepublikanischem Sozialstaat in dem Buch Hitlers Volksstaat:

"Ohne Zweifel war das NS-Regime bemüht (...) mittels sozialpolitischer Maßnahmen vor allem die Integration der Arbeiter in die »Volksgemeinschaft« zu betreiben. Die Klassenstruktur der Gesellschaft verschwand deswegen nicht, aber die Verheißung eines sozialen Aufstiegs nach Leistung, unabhängig von Schichtzugehörigkeit, band einen Großteil der Bevölkerung ein. Die nationalsozialistische Zielperspektive war jedoch keineswegs eine moderne, leistungs- und aufstiegsorientierte Individualgesellschaft freier Bürger, sondern eine rassistisch formierte »Volksgemeinschaft«, die Elitebildung und Vorwärtskommen nicht nur von Leistung, sondern ebenso von biologistischen Kriterien abhängig machte. Wer abwich, zum Beispiel behinderte Kinder gebar, als »asozial«, »arbeitsscheu« oder homosexuell galt, erfuhr sehr rasch und gnadenlos die Grenzen der »Gefälligkeitsdiktatur«. Insbesondere die Ermordung von Behinderten und Kranken, die von den Nationalsozialisten als »erbbiologisch minderwertig« definiert wurden, zeigt, wie unangemessen und fehlleitend die Gleichsetzung des NS-Regimes mit dem »modernen Sozialstaat« ist.
      
  Hier liegt ein grundsätzliches Missverständnis von Gleichheit und Homogenität, von politischer und sozialer Gleichheit vor. Modernisierung wird mit Moderne verwechselt, Rationalität mit Vernunft. Die bürgerliche Forderung nach Gleichheit, wie sie in den Schriften von Thomas Jefferson, John Locke oder Condorcet nachzulesen ist, meint mitnichten die Egalisierung von materiellen Verhältnissen, sondern ganz im Gegenteil die Anerkennung der naturrechtlichen Gleichheit der Menschen, deren pursuit of happiness nun nicht mehr von irgendwelchen Privilegien abhängig sein sollte. Paradox formuliert, soll die Gleichheit der Menschen dazu führen, dass sie ihre Ungleichheit entwickeln können".

 
       
   

Michael Wildt im Gespräch

 
   

DEDERICHS, Mario R. (2002): "Politisches Plutonium,
in: Stern v. 06.11.

 
       
   

Generationen (2005).
Zur Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs
(herausgegeben zusammen mit Ulrike Jureit)
Hamburg: Hamburger Edition

 
   
     
 

Klappentext

"»68er-Generation«, »Generation Golf«, »Generation Ally« oder »Generation Golfkrieg«, »Generationenvertrag oder »Generationengerechtigkeit«: In der Öffentlichkeit wird der Begriff der Generation geradezu inflationär gebraucht.

Daneben ist das Leben in Generationen eine Alltagserfahrung. Die Tatsache, daß jeder Mensch Eltern hat, die meisten auch Kinder, gehört zu den persönlichen Erfahrungen, die den Begriff »Generation« wie selbstverständlich in unserer Sprache verankern. Darüber hinaus ist die Konstruktion von »Generationen« eng mit der Entstehung der europäischen Moderne verbunden, mit der Differenzierung der einstigen Großfamilie und der Entdeckung von Jugend als Entwicklungsbegriff. »Generationen« erscheinen als kollektive Akteure, die einen »natürlichen « Anspruch auf die Leitungspositionen der Gesellschaft besitzen. Wurde vormals mit »Stand« oder »Klasse«, später auch mit der Kategorie »Geschlecht« Gesellschaft strukturiert, so hat mittlerweile der Begriff der »Generation« einen ebenbürtigen Rang erhalten. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes befragen kritisch die unterschiedlichen Gebrauchsweisen des »Generationenbegriffs« und erkunden historisch, soziologisch, psychoanalytisch, medien- und kulturwissenschaftlich die Bedeutung, die er für die Wahrnehmung und Deutung von Geschichte und Gesellschaft ebenso wie als Handlungsbegriff hat. Damit gibt der Band nicht nur einen umfassenden und reflektierenden Überblick zur aktuellen Generationenforschung. Er lotet auch die Potentiale der Kategorie »Generation« für eine moderne Sozialwissenschaft des 21. Jahrhunderts aus."

     
 
       
   

Die Beiträge des Sammelbands

  • JUREIT, Ulrike & Michael WILDT - Generationen
  • I. Der Begriff "Generation"
  • BUDE, Heinz - "Generation" im Kontext. Von den Kriegs- zu den Wohlfahrtsgenerationen
  • LEPSIUS, M. Rainer - Kritische Anmerkungen zur Generationenforschung
  • LÜSCHER, Kurt - Ambivalenz: Eine Annäherung an das Problem der Generationen 
  • II. Generation - Genealogie - Geschlecht
  • KREJCI, Erika - Innere Objekte. Über Generationenfolge und Subjektwerdung. Ein psychoanalytischer Beitrag
  • WEIGEL, Sigrid - Familienbande, Phantome und die Vergangenheitspolitik des Generationendiskurses. Abwehr von und Sehnsucht nach Herkunft
  • BENNINGHAUS, Christina - Das Geschlecht der Generation. Zum Zusammenhang von Generationalität und Männlichkeit um 1930
  • III. Heroische und postheroische Generationen
  • WILDT, Michael - Generation als Anfang und Beschleunigung
  • ROSEMAN, Mark - Generationen als "Imagined Communities". Mythen, generationelle Identitäten und Generationenkonflikte in Deutschland vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
  • KITTSTEINER, Heinz D. - Die Generationen der "Heroischen Moderne". Zur kollektiven Verständigung über eine Grundaufgabe
  • MAASE, Kaspar - Farbige Bescheidenheit. Anmerkungen zum postheroischen Generationsverständnis
  • IV. Generation und kollektive Verständigung
  • JUREIT, Ulrike - Generationen als Erinnerungsgemeinschaften. Das "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" als Generationsobjekt
  • HODENBERG, Christina von - Politische Generationen und massenmediale Öffentlichkeit. Die "45er" in der Bundesrepublik
  • KNOCH, Habbo - Gefühlte Gemeinschaften: Bild und Generation in der Moderne
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    Generation des Unbedingten (2002).
    Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes
    Hamburg: Hamburger Edition

     
       
         
     

    Klappentext

    "Die intellektuelle Elite des Nationalsozialismus.
    So funktional, sachlich, technisch, wie diese intellektuelle Elite ihre Beteiligung am Nationalsozialismus nach dem Krieg weiszumachen versuchte, war ihre Täterschaft nicht. Diese Männer verstanden sich keineswegs als Stubengelehrte oder bloße Vordenker. Sie waren nicht die Rädchen einer anonymen Vernichtungsmaschinerie, sondern sie haben die Konzepte entworfen, die Apparate konstruiert und selbst bedient, die den millionenfachen Mord möglich machten.

    Am 27. September 1939 entstand unter der Führung von Reinhard Heydrich aus Geheimer Staatspolizei, Kriminalpolizei und Sicherheitsdienst der SS das Reichssicherheitshauptamt. Es verstand sich als der exekutive und konzeptionelle Kern einer weltanschaulich orientierten Polizei, die ihre Aufgabe in der »Reinhaltung des deutschen Volkskörpers« sah. Sie sollte in dem von Hitler beschworenen »Schicksalskampf« die Gegner des auf Rasse und Volk begründeten NS-Regimes - in erster Linie die Juden als Verkörperung der »Gegen-Rasse«, des »Anti-Volkes« - vernichten.
    Es war die Kriegsjugend, der die
    »Bewährung an der Front« des Ersten Weltkriegs fehlte, aus der Heydrich die Führungskräfte seiner »kämpfenden Verwaltung« rekrutierte - politisch engagierte junge Männer, die ihre sichere Existenz als Ärzte, Juristen oder Studienräte aufgaben, um in einer von jeder Rechtsgrundlage entbundenen Institution mitzuwirken, die nur »der geschichtlichen Aufgabe« (Heydrich) verpflichtet war. In der Forderung nach Abrechnung mit dem »morschen« Alten und dem Entwurf einer neuen Welt hatten sie zu einer »Generation des Unbedingten« zusammengefunden. Als Leiter der SS-Einsatzgruppen in Polen, in der Sowjetunion und den übrigen besetzten Gebieten in Europa erwarben sie im Besatzungsterror gegen die Zivilbevölkerung die von Hitler geforderte »unerhörte Härte« - vor allem aber lernten sie, in »großen Räumen« zu denken, zivilisatorische Hemmschwellen zu überwinden und den Massenmord als »Problemlösung« zu konzipieren und zu exekutieren.
    Michael Wildt hat anhand umfangreicher neuer Quellen akribisch die Konturen dieser
    »Institution neuen Typs« herausgearbeitet, die sich flexibel veränderten Situationen anzupassen verstand. Seine Ergebnisse korrigieren die bisherige Auffassung vom Reichssicherheitshauptamt als reines »Verwaltungsbüro«, als »Sammelbezeichnung« oder »organisatorische Klammer« verschiedener Polizei- und Sicherheitsdienste und weisen seine aktive Rolle in der Vernichtungspolitik des Dritten Reiches nach. Sein verstörendes Bild der leitenden Akteure läßt sich in das bisherige Profil der NS-Täter nicht einordnen: Es waren keine »gescheiterten Existenzen«, keine »Mitläufer«, keine »ordinary men«, sondern in der Mehrheit akademisch gebildete junge Männer, die ihre politische Weltanschauung schreckliche Wirklichkeit werden ließen."

    Stimmen zum Buch

    "Dreißigjährige stellten sich kompromißlos im Dritten Reich in den Dienst der völkischen Sache und machten Politik zu ihrem Beruf.
    Michael Wildt (...) nennt sie die Generation der Unbedingten. Unbedingte waren die Dreißigjährigen, weil sie mehr als ein bestimmter Inhalt ein politischer Denkstil verband, der auf das große Ganze zielte, sich keinem Kompromiß und keiner Norm unterwarf. Auf 900 Seiten hat Wildt die führenden Akteure des Reichssicherheitshauptamts (RSHA), der eigentlichen Terrorzentrale des Dritten Reichs, untersucht und ist zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen. Anders als für Eugen Kogon, der im SS-Staat ein Auffangbecken für Studienabbrecher und gestrandete Existenzen sah - »sozial deklassierte Primitive, die man wirklich zu nichts anderem gebrauchen konnte« -, prägen für Wildt gut ausgebildete Dreißigjährige das Gesicht des Dritten Reichs. Im RSHA, das die nationalsozialistische Verfolgungs- und Vernichtungspolitik organisierte und umsetzte - denn die völkische Idee drängte hier immer zur Tat -, gaben die »unbedingten« Dreißigjährigen den politischen Ton an. Zu über drei Viertel rekrutiert sich das Führungskorps des RSHA aus der sogenannten Kriegsjugendgeneration. Geboren vor hundert Jahren, in der ersten Dekade des letzten Jahrhunderts zwischen 1900 und 1910, erlebte diese Generation die Jahrhundertkatastrophe des Ersten Weltkriegs an der Heimatfront als »ein großes, aufregend-begeisterndes Spiel«"
    (Stephan Schlak im Kursbuch "Die 30jährigen", Dezember 2003)   

     
         
     
           
       

    Rezensionen

    NOLTE, Jost (2002): Das Lächeln der SS.
    Der Fall des Lektors Hans Rößner und andere Fälle: Wie Täter mit gutem Benehmen nach 1945 durchs Netz schlüpften,
    in: Welt v. 01.06.

    BRUMLIK, Micha (2002): Modernität des Massenmords.
    Michael Wildt beschreitet mit seinem Buch über das Reichssicherheitshauptamt neue Wege bei der Täterforschung. Dabei widmet er sich nicht nur der Vernichtung, sondern auch der Rückkehr der Mörder in die bundesrepublikanische Zivilgesellschaft,
    in: TAZ v. 18.06.

    PAUL, Gerhard (2002): Die Elite des Terrors.
    Michael Wildts großes Buch über das Führungspersonal des Reichssicherheitshauptamtes,
    in: Die ZEIT Nr.26 v. 20.06.

    KITTSTEINER, Heinz Dieter (2002): Vom AStA ins RSHA.
    Michael Wildts Studie über die "Generation des Unbedingten", das Führungspersonal des Reichssicherheitshauptamtes,
    in: Berliner Zeitung v. 25.11.

    BENÖHR-LAQUEUR, Susanne (2003): Michael Wildt - Die Generation des Unbedingten,
    in: H-Soz-u-Kult v. 04.02.

    Dr. SELTSAM & Sabine LUEKEN (2003): Lausch und schieß.
    SD - Sicherheitsdienst aus der Zigarrenkiste,
    in: junge welt v. 20.05.

    FREI, Norbert (2004): Volksgemeinschaft und "kämpfende Verwaltung".
    Michael Wildts eindrucksvolle Studien über das Reichssicherheitshauptamt und den Sicherheitsdienst der SS,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.01.

     
       

    Das Buch in der Debatte

    SCHLAK, Stephan (2003): Die Bedingten und die Unbedingten.
    Die Politik der Dreißigjährigen,
    in:
    Kursbuch Nr.154 Die 30jährigen,
    Dezember

     
       

    Michael Wild im WWW

    www.michael-wildt.de

     
       

    weiterführende Links

     
         
       
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 05. Mai 2005
    Update: 19. Mai 2015