Pressestimmen zum Buch
"Ein aufschlussreiches Kapitel widmet Ulrike
Brunotte dem schlesischen Schriftsteller Hans Blüher
(1888-1955), der mit seiner These, dass die
Grundstrukturen des Staates und der Gesellschaft
alle auf mann-männlichen Freundschaftsbeziehungen
bestünden, wesentlich zum männerbündischen Denken
beitrug."
(rox in der Neuen Zürcher Zeitung
vom 22.05.2004)
"Blühers Modell ist zugleich antifeministisch und
antipatriarchal: nicht die Familie, über die der
Vater herrscht, soll Basis der Gesellschaft sein,
sondern die freiwillige, frauen- und familienferne
Vergemeinschaftung der Söhne."
(Catherine Newmark in der Berliner
Zeitung vom 19.07.2004)
"Der Krieg als männerbündisches
Gemeinschaftserlebnis, als rauschhaftes Ereignis und
als unumkehrbares mythisches Todesritual - so hatten
es sich die jungen Männer aus der »Wandervogel«-Bewegung
gedacht, so waren sie konditioniert worden, so
verstanden sie sich, als »Wanderer zwischen zwei
Welten« (Walter Flex). Aber die Kriegswirklichkeit
präsentierte sich den von männlichem Abenteuergeist
und Naturerleben vernebelten Köpfen als
hochgerüstete Vernichtungsmaschine, als ein
ungeheures elendes Gemetzel, als Untergang.
Diesen Erfahrungen verliehen dann wiederum
Schriftsteller wie Ernst Jünger und Gottfried Benn
ästhetischen Ausdruck. Aus dem jungenhaften,
homoerotisch durchwirkten und doch zugleich so
puritanischen Wandervogel war die heroische,
männlich reine, geradezu asexuelle Stahlgestalt
geworden, aus dem Wanderschritt das soldatische
Stampfen, aus der rauschhaften Opferbereitschaft ein
Todeskult als Selbstzweck.
Das ist die literarische Ausdrucksebene einer Zeit
zwischen Jahrhundertwende und Nationalsozialismus,
die die Berliner Religions- und
Kulturwissenschaftlerin Ulrike Brunotte in ihrem
wunderbaren Buch (...) beschreibt."
(Angela Gutzeit in der Frankfurter
Rundschau vom 19.07.2004)
"Es war der deutsche Volkskundler Heinrich Schurtz,
ein Mitarbeiter des Bremer Überseemuseums, der um
1900 den «Männerbund» in den Stammesgesellschaften
der europäischen Kolonien entdeckte. Solche frei
assoziierten Bünde von «Junggesellen», die sich
durch Rituale und Maskeraden einer von weiblichen
Elementen gereinigten Männlichkeit versicherten,
erlangten im Kontext der Debatten über eine
vermeintlich drohende Feminisierung der Kultur im
ausgehenden deutschen Kaiserreich unversehens
gesellschaftspolitische Brisanz."
(Sabine Fröhlich in der Neuen
Zürcher Zeitung vom 17.08.2004)