"»Gebrauchter Junggeselle«, so
bezeichnete sich einer der befragten geschiedenen
Männer (...). Mit dieser Umschreibung
charakterisierte er seine Situation nach Trennung
und Scheidung von seiner Ehefrau.
(...).
Die Betroffenen sind gezwungen, ein neues Leben
aufzubauen. Dabei wird häufig auf bereits gemachte
Erfahrungen und sedimentiertes Wissen
zurückgegriffen. Z.B. werden alte Bekanntschaften
reaktiviert oder verstärkt; die freie Zeit, die nun
nicht mehr durch Ehe und Familie gebunden ist, wird
oft so verbracht wie vor der Ehe. Damit werden
Verhaltensweisen wie in der »Junggesellenzeit«
gesucht. Nur hat man zwischenzeitlich die Erfahrung
der ehe gemacht, weshalb ein nahtloses Übergleiten
in abgelegte alltägliche Routinen nicht mehr möglich
ist. Der geschiedene Mann ist eben durch die Ehe
»gebraucht« und ist kein Junggeselle ohne die
Erfahrungen von Ehe und Familie mehr."(S.7)
Fazit
"Geschiedene sind (...) genau am
Grenzpunkt zwischen neuen Lebensformen und
Verhaftetsein in tradierten, für das Subjekt
selbstverständliche Sozialformen. Auch wenn sie von
einer Ehe und zunehmend auch von weiteren,
konsekutiven Ehen (bei einer
Wiederverheiratungsquote von ca. 70 % haben
Konsekutivehen im Vergleich zu Erstehen die höhere
Scheidungsrate von knapp 45 % - Heekerens 1988; 185)
enttäuscht sind, wird in drei der vier
rekonstruierten Verlaufstypen am Deutungsmuster Ehe
festgehalten. Die Konsolidierung, die Suspendierung
und die Regression halten insgesamt die
biographische Linie Ehe aufrecht, sei es als
tatsächliche Lebensform oder aber als Lebensziel.
Allein mit der Konversion werden neue Lebensformen
gesucht. Allerdings ist zu erwarten, daß sich auch
diese stark an der Ehe orientieren und diese nicht
transzendieren können. Der Geschiedene ist insgesamt
betrachtet kein »Partnerschaftspionier«, seine
sekundäre Junggesellenzeit bleibt temporär. Er
schafft es nicht, ein grundsätzlich neues Leben zu
beginnen. Der Rückgriff auf Gewohntes dominiert auch
beim Geschiedenen." (S.155)
I Einleitung
II Gesellschaft und Scheidung
1
Zur Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung
2 Die Ehe: zwischen nomischer Institution und
Deinstitutionalisierung
3 Zur bisherigen Scheidungsforschung
4 Die Fragestellung der empirischen
Biographieanalyse
III Zum methodischen Vorgehen
IV Die Diversifikation als sozialer Prozeß
1
Der typische Verlauf
a) Der Auslöser der Trennung
b) Die Krise
c) Die Stabilisierung
d) Die gerichtliche Scheidung
e) Die Nachscheidungsphase
2
Die Initiative zur Trennung
a) Der aktiv Getrennte
b) Der passiv Getrennte
V
Verlaufstypen der Biographien geschiedener Männer
1
Die Konsolidierung
2 Die Konversion
3 Die Suspendierung
4 Die Regression
VI Scheidung und Moderne
1
Zusammenfassung der Ergebnisse
2 Geschiedene: Prototypen gesellschaftlicher
Veränderungen?
3 Auf dem Weg zur partnerschaftlichen Mobilität?